Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 922 (21.8.1921)
- Date
- 1921-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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# / €ietH 4_Wim Sonntag Nach weiteren hier emgetrpffrnen Pi ei düngen ist begründete Lu-srcht vorhanden, daß die Räuwnng der Bcnanya dmch die Än-oslawe« heute reibungslos beginnt. Di- Friedrich.Pgrtei gegen dir rrrb:rgnh«. Budapest. 20. August. (Ung. Tel.-Korr. Bur) Dix christlichnationale Friedrich-Partei faßte in Üyn abgchqlietten Konferenz eigm Beschluß, worin darauf hingewieieg wird, daß die Pgrtei seinerzeit den Vertrag von Trianon nicht votiert habe und die Regierung aufgefoxdert wird, die Loslösung Wrstmtgarns mit allen Miiteln zu verhindern. Dr. ZahradMK tschecho-sloWMjchrr Gesandter in Wien? Nach einer Meldung der Wien r ^Dslnicks Wh* soll der ehemalioe Abgeordnete deS öfierruchische« Parlaments und spätere tschechische Eismbahnminister und Mitgli^ der W^uer R Parationskommisston, Dr. Zabr-duik, zum Gesandten in Wien ernannt we>den. Die Meldung klmgt nicht recht glaubwürdig. Zahradnik. einer der wüstesten Demagogen des alten österreichischen Parlaments, der »och als R?parationskvii'missär bekanntlich jedes Bestreben der Prager Regierung, mit Oesterreich in scenndnackbaxliche Beziehungen m treten,?u vereiteln versuchte, ist nicht der Mann, der die tschecho-ilawakjschf RrpMis in Wien vertx ten könnte. Die wirkliche weitblickende Politik des Dr. Benesch hlaucht andere Interpreten» als es Herr Zahradnik sein würde. Aktivierung des tschecho-fkowakischen Generalkonsulates in Wien. Mit dem grnrigen Tage wurde in Vien dgs nepe tschechp. slowakische Generalkonsulat aktiviert. Als. tschechs-stowq'tlcher Genrralkonkul jungicrt Di. S l a r ck. Eine Kleine diplomatische Afsäre. Ans C z r r n o w i tz schreibt man unS: Rach lang» wierigm Berhsndlnngr» wurde tür C z e r » o w i tz et« deutschösterreichifcher Konsul ernannt Die Bevölkerung jubelte. Man.mußte sich rräml'ch. n tter besonders großen Schwjerigkertrn in Bflkaxest das dculschöfie reichrch Visum Holm. Man hatte dabei einen großen Geld- und Zeitverlust. Endlich kam der Konsul, allein Fxmnd Zollmann wollte das Gepäck des KoniulS ohne Revrstou nicht passieren lasten. Dran legte Proiest ein, es bals «ichtS. Der Konsul kam nach Czrm-witz, wohnt i« Hotel und amtiert nicht, weil man iy Nepolokoay sem Gepäck picht hrransgebon will. Es werden diplomatische Noten gewechselt, aller» diese haben in Rumän en keinen Wert. Hier spreche» andere Noien. Der neuernannte Konml ist ein „Grüner*. Er tollte ganz einfach einen Bakschisch geben und alles wäre « Ordnung. Der ^8^^fchenfaS im Wiener Arsenal. Heber die Bor älle im Arsrngl am 18. August "wird amtlich berichtet: Am 18. d. M. früh sangen vier Wehrmänner deS I. Bataillons des Infanterieregiment S iu ihrer Ubikatron des Arsenals nach ihrer Aussage ohne böswillige Absicht mit unterlegtem Text die frühere Lalkshymne, Darch den diensthabenden Portier beim Tor Vl nächst der Unterkunft des l. Bataillons erhielt die Arbeiterschaft der Gemsinwirtschajillchen Werke Arsenal bievon Kenntnis. DerBgtnlstnSkomMlidant veriügte sofort, als er. den Vorfall erfuhr, hie konnnissignelle protokyllgtische Einvernahme der beschuldigten Wehrmanner. Während dieser Einvernahme erschien eine Depum-ion der Arbeiterschaft in der Bataillons» kanzlei nnd-forderte di« sofortige Entfernung der vier Wehr- Männer auS dem Arsenal. Der Batciillanslommandnnt bkrfligte hierauf die Enthebung dreier Wehrmänner vom Dienste mit dem Befehle, daß dieselben nickt eher wieder im Arsenal erscheinen dürfen, bis Höherenorts weitere Weisungen erfolgten. Hiemit schien dieser Vorfall zunächst erledigt. Gegen 12 Uhr mittags jedoch wmd? der BataillouskoWman, dqnt in seiner Kanzlei t>f ständigt, daß sich Arbeiter der Arsenal» betr ebe vor bet Unterhmff deS Bataillons i» dex gleichen An, gelegenhot ansammelten. Da,ans in begab er sich vor daS Tor des Objektes und teilte den versammelten Arbeitern die getroffenen Verfügungen mit.- Trotz dieser Bersichcrrmg und anderer beryhsgender Ansprachen wurde durch einzelne Zwischenrufe die sofortige Ent'erur ng der Beschuldigten, noch in der Kaserne befindlichen Webrm nnrr aus dem Arsmal gefordert, gleichzeitig auch di rch lawe Zurufe die Entfernung ervigrr Osstzierk verlang'. d?re« Ramm sich auf einer Liste bei den? rbe tem befänden. Nach den bisherigen Protokollen soll hiebei oer diensthabende Posten beim Tor VI besonders anirei-eno auk die versammelien Arbeiter eirgewwkt haben. Inzwischen drangen Arbeiter >n das Objekt und Hollen die Wehrmänner Barer nnd B l c«k, die gesungen hatten, herunter nnd prügelten sie beim Verlassen deS Arsenals. Unmittelbar darauf ersch enen Arbeiter in der Batülloyskansici «nb fragten nach d?m Qbkrstlemnant M e n f ch i k. Auf die Frage eines Arbeitt'S, ob Oberstlevtnant Menschik dem Wehrbund der Frovtkäyip'tlverkinrgung angehöre, erklärte Oberstlentnrnt Meusckrk dem neben ihm stehenden Bataillvnskommandantm, daß er letzterer Derq einigung angehöre. m>t dem beut gm Vorfall aber nicht daS geringste zu tun habe. Hierauf würde Oberstleutnant Menschik unter Beschimpfungen und Mißhandlunaen von de« Arbeitern aus tem Arsenal entfernt, obwohl drei Angehörige d«S H« res und mehrere Arbeiter den Oberstleutnant Menschik zu schützen verbuchten. Wählend d'«s«S Vorfalles erschien der Kommissär. dcS ArlenalS nnd hielt «ach Rücksprache mit rem Baarllonskommandmt a» die versammelten Arbeiter eine Ansprackie. Rabdem Oberstleutnant Menschik und die Webririänner Baier und Blcek taS Arsenal verlassen halte«, trat Ruh« er«, welche früher auch nicht mehr g'stört wurde. Au den Mißhandlungen deS Offiziers nnd der beiden Wehrmanner waren kerne Angehörigen des BundsSheeieS beteiligt. Gegen die beschuldigten Webrmänner wird die DiSzivlmarUntersuchung ringeleitet, wegen der Mtßhandlnngrn wird die Anzeige ap d;e HlaatSanwMchqst erstattet. Flacht jugoslawischer Kommuuifte». Graz, Sy. Angust. Die »Tagespostmeldet antzaibqch: Den gewesenen kommunistischen Abgeortnet« von Laibach Dr.Leme.sch und F a b l a n c i e, di« mrter Polizeiquistcht standen, ist es grlungrn, über bie Grenze zu stüchten. Alle Spuren weiten nach Kärnten hm. Einige ihrer Helfer, bekannte koPtvunjstische Agitatorr». wurdcu verbauet. Telegramme. Die ALumung der Buranya. Belgrad, 20. August. Die hiesigen BlLtts^ melden, offenkundig offiziös, daß das jugoslawW« Ersuchen um einen längeren Aufschub der Räumung von Fiinskirchen vom Botschasterrat endgültig, abschlägig beschieden mordm sei und daher die S. H. G.-Behörden den Auftrag erhalten hätten, die Räumung zu beginnen. Unabhängig davon hätten allerdings die Ententevertreter in Budapest einen kurzen. Mftündtgen Aufschub sowohl in der Räumung der Baranya als auch von Westungam bewilligt. Budapsft,, 20. August. Das Ungarische Telegraphen-Korrespyndenz-Bmeau meldet aus Kapysoar^ In Kaposvar ist heute' um 1% Uhr mittags das Imp erium übernommen worden. Die zum Schutze der Wafferwerke in Vajg bestimmte Abteilung in der Stärke vyn 60 Mann unter Führung eines Offiziers, die als erste Truppk! noch am heutigen Tage Die Demarkationslinie überschreitet, ist nach Baja ahmarschiert. Truppen und Derwaltungspersongl folgen ihm heute nachts. Bntzopest, 2Y. August (Ung. Tcl.-Kc>rr.-Bür.) Wie die Blätter «ms Kaposvar melden, werde der haste nichts begpun-ne Akt der Mergabe der bisher von den Jugoslawen besetzt gehgUenen Gebrete innerhalb e>ner Woche ynhebingt beendet fein. D>s Besorgnis, daß das Interregnum zu ernsten Wirken Anlaß grbe« könnt«, werde hinfällig, da alle Verfü.'imgeu get, offen worden seien, damit die nngärischcn Trupnm die einzelnen Ctäd:« ynd Gemeinden in größter Rphe n fl d Ordnung besetzen könnten. Auch di« Anwesenheit der Ententemisston brete eine Gewähr' dqsstr, daß wcihltyd des Inter! egnmnS keine Unruhen eintrrt-:» wstrdey. Feld marsch.zlleutnont SooS weide eine Pryklamatip » erlaßen, in der rS aaSdrückl-ch heiße, raß die Ungarn ein oerständn S wlleS Brnderherz und Versöhnungsvolle L ebe auch denen entge^enbrächten, die, durch Anstifter irregeleitet, für einen Avgmtstck vom rechten Wege abgewichm seien, Rvr bnfe Anstistrr seien es, di? von der volle n! Strenge des Gesetzeerreicht werden würden.! Stambulflkt iu Der«. Bern. Sv. August. Der bulgarsche Miuisterprästdent Stambullski rst in Begleitnndes Firlanzmmrster- Torlakoff in. Bern eiygetr-ffen. Die Einwanderung «ach Palästina. London 19. August. Md. Korr.-Bur.) Der. UuterstyatsseKretär für Kolonien. Mr. Wood antworte auf eine Anftage des Lieut. - Col. Arche Shee im «nterhaufe^daß die ^inwynderung! von Zionisten und anderen Juden nach Palästina, die yorübergehend eingestellt war» nunmehr wieder aufgenommen wurde und fich unter strenger Aufsicht vollzieht. Aus eine weitere Anftage sagte er, es feim keine Nachrichten über zionistische Meetings eingelangt, die ihre Ünzuftiedenheit mit den Verhältnissen in Palästina ausgedrückt hätten. Eta lohnender Gedanke »einen Bedarf an Anzng-, Raglanand Winter« rockstoffen in jct StadfrRestentnesse,!., Weihbiirg* ga>sg Nr, 10—12» und I», Adlergagse Nr. 5, st* decken Neuerscheinungen zur Geschichte der Anden in Polen. Bisnun haben wir in der iu deutscher Sprache erschienenen jüdischen Geschichtsliteratur noch kein Werk, das uns zusammensasferch die Geschichte dep Juden in Polen und Rußland — d«n' eigentlichen Hauptzentren des europäischen Judentums in den letzten Jahrhunderten — schildert. Nur hie und da sind einzelne Aussätze in Zeitschriften und Jahrbüchern oder kleinere Monographien zur Geschichte der -Juden in Osteuropa erschienen. Aber auch in der jüdischen Geschichtsliteratur anderer Sprachen besitzen wir noch keine umfassende und allen modernen wissenschaftlicheor Anforderungen wie' auch Forschungsergebnissen entsprechende Geschichte her Juden in Polen.*) In der älteren Geschichtsliteratur besitzen wir eine größere deutsche Arbeit von H. Sternberg, die die Geschichte der Juden in Polen unter den Plasten und Jagiellonen (erschienen in Leipzig 1878) behandelt, Heute aber ebenso wie Alexander Kraushaars „Hystorya Zhdow w Polsoe" (Geschichte der Juden, in Polen, 2 Bände unvollständig) bereits veraltet ist, auch begreiflicherweiss bie neueren Forschungen nicht berücksichtigt. Auch der fünfte Band von H. Nuß bäum „Geschichte der Juden", der speziell Polen gewidmet ist (erschienen Warschau 1390) kann den wissenschaftlichen Anforderungen nicht entsprechen, da die Erforschung der Geschichte der Juden in Polen erst in den'Jahren 1890 bis'1914 ungemein viel neues Material zutage gefördert hat. Insbesondere haben sehr wertvolles' Aktenmaterial zur Geschichte des inneren Lebens der Gemeindeversassung und der rechtlichen wie auch sozialwirtschaftlichen Verhältnisse noch M. Scharr, Dubnow, Katz, Balaban, Schippe r u. v. a. in den *) Eine umfassende Geschichte der Juden in Rußland ist von N. H e I's e n (ln 2 Bände») Ende 1.914 in St. Petersburg erschienen. letzten Jahren, gefunden »nd in verschiedenen Monographien verarbeitet. ■ Dieses neuere Material hat erst Dr. M. Wis chn i tz e r tn seiner übersichtlich bargestellten Skizze, die als Eprführungsaübeit zum 11. Band der in russischer Sprache erschienenen „Geschichte der Juden" die Geschichte der Juden 'in Polen bis zur letzten Teilung! Polens bietet, soweit es im Rahmen einer solchen Skizze nur möglich ist, berücksichtigt. *) Nun versucht Dr. Josef Meis l in. einem großmrgelegten Werke hie Geschichte der Juden in Polen und Rußland, von dem vor kurzem der erste Band bereits erschienen ist, zu schildern. **) Den Gedanken, eine zusammenfassende DarsteNung der.Geschichte der polnischen und russischen Juden zu schreiben, verdankt der Verfasser dem bekannten jüdischen Gelehrten Saul Pinchas Rabinowitsch, mit dem er zunächst die Arbeit gemeinsam zu vollbringen die Absicht hatte. Der Tod Rabinowitsch' verhinderte aber die Ausführung dieses Planes. Meisl setzte nun selbst.seine Forschungsstudien fort. Das Werk ist auf vier Bände berechnet, die ersten zwei behandeln die Geschichte der Juden in Polen bis zu den Teilungen und parallel dazu schildern sie auch bas Leben der russischen Inden in diesem Zeiträume, der dritte Band soll bis zum Tode Alexanders EL (1881) reichen, der vierte dagegen die Geschichte der polnischen und russischen Jndenheit von den Anfängen der neueren Nationalbewegung bis zum Ausbruch des letzten Weltkrieges behandeln. > *) Der 11, Band ist knapp vor Kriegsausbruch erschienen und enthält ungemein wertvolle Beiträge zur Geschichte der Juden in Polen. Zu erwähnen sind insbesondere die Arbeiten von Katz, Markvn, Dubn«ow, Schipper Balaban, Wischnitzer und Zinberg. — Außer den oben erwähnten geschichtlichen Darstellungen ist auch in jüdischer Sprache von Nifsenbanm und E. N. Freu? die Geschichte der Inden ln Polen bearbeitet worden. Diese Arbeiten können nur als populär-wissenschaftliche beachtet werde». **) Dr. Josef Mclslr Geschichte der Juden in Polen und Rußland. B.ano 1 bei C.. A. Schwetschke und Sohn, Berlm 1921. ' Der soeben erschienene erste Band' reicht bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts und liefert uns eine pragmatisch zusammenhängende Darstellung b«r Geschichte der polnischen Jndenheit löte auch! her iim Innern Rußlands ta diesem Zeitraums lebenden jüdischen Splitter. Eingehend schildert der Dvrftrsser bas Verhältnis des Staates wie auch der damalige« Gesellschaft zu den Juden, ebenso dis rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen beiderseitigen Wechselbeziehungen. Hervorzuheben sei Mlch, baß Meisl bi« Geschichte der Inden vor allem als die nationav» Geschicht« eines Volkes > betrachtet, das als ein lebender Organismus besteht, gestützt auf alle bisnun erschienenen Vorarbeiten, enfr rollt ber Verfasser ein Bild des bunten «nd farbenreichen GemeinbelebenS der Juden mit all feinerv äußere« und inneren Kämpfen. Einen breiten Raum widmet er auch, der Schilderung des geistigen Lebens. Methodologisch muß bemängelt werden, daß Meisl die Geschichte der russischen und polnische« Judendie in diesem Zeitalter grundverschiedene Wesenszüge aufweisen, tn einer gemeinsamen Darstellung schildert; es wäre für bas Werk sicherlich wissenschaftlich! von Vorteil, wenn der Autor die beiden Gebiete in zwei separaten Arbeiten behandelt Hätte.*) Für jeden Fall gebührt dem Verfasser ber Dank, daß er als Erster den Versuch unternimmt, in deutscher Sprache in zusammenfassender Weise bas bisnun leider sowohl dem jüdischen Forscherals auch Laienpublikum so gründlich unbekannte Gebiet unserer Geschichte darzustellen. Maier B alav an, ber bekannte Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Polen, liefert uns in seiner neuesten Arbeit **) eine Sammlung seiner in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen erschienenen Skizzen und Studien. *) Eine ausführlich« Besprechung behalten wir uns noch bis zum Erscheinen des zweiten BindeS vor. **) Major Balaban: Z hisloryi iidtfw w Polsce. Szkice i ntudya. WmlLau 15Ä).