Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-08-21 · Heft 922 (21.8.1921) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 922 (21.8.1921)
Date
1921-08-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2980001--08501-2994662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

xoitu, «svuruas;*i. -auyUfi iVül ■—gsifa Bulgarien ist das einzige mir bekannte Land, too , „sie Gemeinden in der Hand der Zionisten sind. Me sind! jie in einem Konsistorium vereinigt, bas als oberste jüdische > Perwallungsbehörd« funktioniert. -Bulgarien ist ein Land, wo unter den heutigen Bedingungen «in Ausbau einer vollen jüdische» Alutonomie möglich wäre. Leider fehlen die geeigneten Führ«, um diese Automnrie auch ans die Formen l ves wirtschaftlichen Lebens auszudeime». Es sind erst schüchterne Versuche der Gründung von Korporationen vorgenommen worden. Die Jude» wohnen überall in eigenen Vierteln. In manchen Städten, wie Phtlippopel, bieten diese Viertel noch <in eigentümlich orientalisches Bild. Besonders in der Nacht, weit» bei der dürftigen Beleuchtung all Der Schmutz nicht s» deutlich wird, bildet das jüdische Viertel Datraumhafte Bild einer längst versunkenen Welt au- „Tausendundeine Nacht." Joch au a n. PoNttsehe^Rmrdscharr. Das jüdisch« Problem i« Rnmänieu- Im Klausenburger „Uj Kslet" lesen wirr Bor Pitr^cm. erschien in der „Jzbanda" ein Interview mit ttm Londoner Oberrabbiner Dr. G a stör,wonach dieser erklärt haben soll, daß es.in Rumänien keine Judenfrage gebe. Infolge dieses Jnberviews entstand in der jüdischen öffentliche» Meinung des Königreiches eine, starke Erregung gegen Dr. Ga stör. Auch der „Luptatorul" behandelte diese Angelegenheit und wies darauf hin, vaß während oes Krieges die Brat rann-Re. gierüng und ganz besonders deren Kriegsmmister Gintila Bratianu die Juden äußerst schonungslos behandelt habe. .Auch die Juden des, Königreiches! veröffentlichten durch ihre Organisation, die „Unionen Evreilor Pamanteni" eine .Erklärung in ähnlichem Sinne, worauf Dr. G a ste r seine .Aeußernng dahin modifizierte, er habe sich, nur auf die, Nachkriegszeit bezogen, da die Juden nach, dem Kriege vollberechtigte rumänische Bürger geworden seien. Die liberale Presse griff den „Luptatorul" wegen seiner Stellungnahme heftig an, worauf das genannte Blatt mit einem „Gibt cs noch eine Judenfrage?" überschrvebenen Leitartikel erwiderte. In diesem Artikel wird ausgeführt: In neuester Zeit wurde, behauptet, es gebe keine Jndenfrage. Wegen einer kleinen Bemerkung in unserem Blatte siel die gan^e liberale Presse über uns! her und beschuldigt uns der Aufreizung zu Feindseligteiten und insinuierte uns, daß diese unsere Aktion nicht ganz des privaten Interesses entbehre. Wir begreifen es wohl, daß die. Liberalen das. Bedürfnis haben, daß niemand von der Frage spreche, welche in'ihrer'Gänze von ihnvn allein geschaffen wurde, and deren bloße .Erwähnung schon eine scharfe Ankläßeschrift g^gön die Hwuvimsttsche «ich antisemitische bartei und gegen die unglückliche Politik der einzigen, organisierten antisemitischen Partei Rumäniens darstellt. Liegt es etwa im Interesse des , Landes, die n tzarre sogenannte „Be r b r L d e r u n g s a k t io n", welche die Liberalen nahezu fünfzig Jahre hindurch geführt, erhalten und genährt haben, völlig zu verschweigen? Gebietet es etwa der Patriotismus, die Wirkungen der liberalen Aktion zu vergessen und der Rede des Bin tila B ratianu in der Synagoge Glauben zu schenkn, ohne dabei an die huliganischen Ausfälle des D in u B r a t ia n u zu denken? Wir würden diese Frage ohne Zaudern bejahen, wenn wir davon überzeugt, wären, daß die Juden frage bei uns' wenigstens gesetzlich vollkommen gelöst ist und bereits der Geschichte angehört. Llber dank der Familie Bralianu ist das jüdische Prob 1 c m auch heute noch ein rumänisches Problem. Bor kurzem erst berichteten die Blätter über einen Schritt des Verbandes der eingeborenen Inden beim Justizminister, vor dein sie darauf verwiesen, daß ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung, welcher durch die Retorte der Mluralisirrungsdekrete Bratiamrs gegangen ist, das Bürgerrecht nicht erhielt und sich' heute rv einem viel unsichereren gesetzlichen Zustand befinde als vor-per sogenannten Emanzipation durch die Liberalen. Der Justizminister erteilte den Vertretern des Judentums weise und wohlwollende Ratschläge. Die Jndenfragekann bei uns vom gesetzlichen Standpunkt infolange nicht als gelöst betrachtet werden, als tausende Juden, die mit allen staatsbürgerlichen Lasten belastet sind, noch immer die den Pflichten entsprechenden Rechte nicht besitzen. Das ist die materielle oder politische Seite der Jragc, .Ihre nroralische, beziehungsweise soziale Seite ist noch sonderbarer. Unter diesen Gesichtspunkterl hängt die Lösung des jüdischen Problems nicht nur von Gesetzen, sondern von dem psychischen Verhalten beider Teile, der Rumänen und der Juden, ab. Vorläufig jedoch b linden wir uns in der von den Liberalen geschaffenen Situation, durch welche die Lage der jüdischen Bevölkern!, g eine möglichst unsichereist. Den Liberalen l"'itsprtchjnatürlich diese paradoxe und unsichere Lage, "nd es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß sie die Aufrechte,'Haltung oder vielleicht gar die Er-! ch w e r u n g dieses Zustand es austreben. In ^rn Augen der Liberalen und besonders des Dintila Bratjanu sind die Juden eine wirtschaftliche und soziale '-"«'ahr, die geschluckt werden muß. Damit sind wkr rrs den Kern der Frage gedrungen. Die Liberaler! iv'.vohl als Partei wie auch als Geschäftsleute glauben, -■st «s in ihrem Interesse gelegen sei, die Jndenfrage •'tiiC 6 Neue Enthüllungen über die „Protokolle" Paris, 18. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Professor SWatt kow, der erste Sladthauptmann vott Petersbarg nach der Revolution, veröffentlichte in der hiesigen russischen Zeitschrift „Poslehnia Nowosti" einen Artikel, in welchem er feststellt, daß die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" vom bewußten Agentprovokateur Rrczkowski geschrieben werden. Letzterer führte bekanntlich die ausländische Ag-ntur der russischen politischen Geheimpolizei. Die gefälschten Protokolle übergab RaczkowsÜ durch Frau Komarow an NiluS, der sie unter seinem Namen herauSgab. Professor Swatikow beweist, daß Raezkolvski sich überhaupt mit der Fälschung von Dokumenten beschäftigte, die er mit verschiedenen Namen zeichnete. Unter anderem fabrizierte er auch euren Brief, de« er mit PlechanowS Namen unterschrieb. London, IS. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Die „Times" begannen mit der Veröffentlichung einer Artikelserie ihres Konstantinopler Korrespondenten über den Ursprung der „Protokolle der Weisen von Zion". Im ersten Artikel beweist der Verfasser an der Hand von Tatsachen, daß die „Protokolle" faktisch ein nichtgelungenes Plagiat seien. Die „Protokolls" seien «ach einem französischen Buche „Dialogue a l'enfer entre Macchiavelli et Montesquieu" bearbeitet wurden, bas im Jahre 1865 in Brüssel erschienen f&L Xkdj Britische Museum besitzt eine holländische Kopte der er», wähnten Buches. Gleich nach dem Erscheinen des Buchech wurde sein Verfasser,'Maurice Jo lis, ein Pariser Rechtsanwalt «nb Publizist, von der Polizei Napoleons UL feep, hastet und zu 19 Monaten Gefängnis verurteilt. Deq Schreiber dieses Artikels erzählt weiter, er sei in Kow»' stantinoprl einem gewissen.Herrn L. begegnet, der ihn da^ seinen Namen nicht zu veröffentlichen. Herr £., cm rufstscher Grundbesitzer, der vor den Bolschewiken flüchtete, erwarbt von einem Offizier der ^Ochrana" eine Anzahl alter Bücher^ unter welchen sich auch ein Buch in französischer Spracht befand. Dieses Buch,^ dessen erste Seite fehlte, trug de»! Namen „Jolle" und das Datum Genf, Oktober 1864. Vllj Herr 35. dieses Buch einmal las, fiel eS ihm auf, daß bi« „Protokolle" dieselben Phrasen wie daS französische Buchs enthalten. i Nachdem der Korrespondent mehrere Phrasen auS dient französischen Buche zitiert und sie mit entsprechenden ßStölm der „Protokolle" vergleicht, kommt er z» dem Schluss^ daß der Schreiber, der diese Protokolle RiluÄ Übergab, ein! unvorsichtiger, schamloser Plagiator sei. iu Permanenz zu erhalten. Der beste Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung ist, daß sie immer die Forderung ausstellen, daß man sich mit di-eser Frage nicht beschäftige. Das hatten auch die Liberalen gefordert, bevor sie die Emanzipalionsparodie des Jonel Bratianu in Szene setzten. Im Gegensatz zu den Liberalen und im Einklang mit der Meinung der rechtschaffenen Menschen Rumäniens stellen wir fest,- daß der Augenblick gekommen ist, m welchem bas jüdische Problem von allen Seiten diskutiert werden muß, damit es der endgültigen Lösung zugeführt werbe. Dann, aber nur dann, können wir mit Nutzen und Erfolg an der Annäherung der Gemüter zueinander arbeiten, einer Arbeit, deren bas Land so sehr bedarf. Eine Konferenz znr Bekämpfung der Inden. Die „Gesellschaft zur Entwicklung des nationalen Lebens in Poleir" beruft für November d. I. eine Konferen; ein, auf deren Tagesordnung ausschließlich die Bekämpfung d e r I u b e n auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und politischen Lebens in Polen steht. Unter dm Referaten, welche für diese Konferenz bereits angekü«d,gt werden, feien unter anderen Hervorgehoden: „Die internationale Machtstellung der Juden." „Die Rolle der Juden rat Krieg e". „Die Politik der Juden iu Polen und in Btziehurrg zu Polen*. „Die Herrschaft der Inden m de» polnischen Städten*. „Der jüdische Einfluß in Literatur und Kunst*. „Die jüdische Ethik". „Die Befreiung der polnischen Städte v o « d e« I u d e«\ Was da referiert werdm wird, daß weiß man schon im voraus. Man muß aber auch wiss n, warum diese Konferenz abgehalten wird. Sie «st daS Ergebnis des Beschlusses der na Ir onaldemokratis che« Parteikonferenz in Posen, die kommende Wahlkampagne unter der Parole „Kampf gegen die Juden" zu fuhren. Man muß sich also — und dazu dient die Konferenz — daraus gefaßt machen, daß die voliiisch unfähigste Partei dieses Staates alle Mittel m Anwendung bringen wird, nur die empfänglichen Instinkte der pol' niscken Maste aufzureizen und so für sich solche Stimmung z« machen, daß mm den politischen Bankrott der Natronaldemokraiie vergißt. Es ist eben das Gemeinsame aller politischen Bankrotteure in Ost und West, daß sie eS mit dein Hcpp-Hepp!- Geschrei als letztem RettnngSmittel versuche». Das polntfch-Danziger Urberei«-- kommen vor dem Abfchlvtz. I» Warschau finden Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung urrd dem Abgesandten der Stadt Danzig» Senator I e w e l o w s k h, zwecks Abschlusses eines UebrreraxommcnS statt. Nach Ueberrvinduug mannigfaltiger Schwierigkeiten find die Verhandlungen so weit gediehen, daß daS Ueber- «inkommen demnächst «ach Ankunft einer Abordnung des Danzigrr Senats in Warschau unter schrieben werden wird. Jewelowskh erklärte den Preffepertretern gegenüber, daß das UebereinkommtU eine Grundlage für fcermdschaftliche Bez.ehnugm zwischen Danzig «nd Polen bilden wird. Frankreich «nd der Bölkerdnndrat. „Echo de Paris'' glaubt aus gut unterrichteten Kreisen mritcilen zu könnm, daß der Völkerbundrat im Gegensatz zu dm m der Presse erschienenen Meldungen nicht nur zwischen zwei Thesen zn wählen haben werde. Er sei in feiner Arbeit unbeschrankt, abges-hm vom FriedenSvertrag von Versailles und von der Volksabstimmung. ES stehe dem Bölkerbundrat frei, wenn er es für nötig hüte, zu priisrn, ob die Volkabstimmung den vo n Ber rag vvrges heuen Bedingungen vor sich gegangen sei. der Regelung dieser Frage könne er die Ergebnisse der Abstimmnag. wie er es für nötig halte, au§legen. Auch lönne er ergäuMd« Unteriuchungen «morduen. Er könne ganz Oberschlrstm Deutschland ober Pol» gut tellm, er könne die Teilung anraten, er könne daS Hauptgebiet teilen oder einer Macht ganz mweiseu. Nach der Erledigung der Untersuchung» werde der Völkerbnndrat ein Gutachten abgeb»j aber ei« schiedsrichterliches Gutachten. Frankreich habe {MÜ moralisch verpflichtet, es anzunehme». ES sei mdeff» selbstve» ständlich, daß Frankreich, wenn das Gutachten gegm die LebenS» intereffm deS Landes verstoße, dir Möglichkeit habe, seine Dmchsührung zu verhindern, indem eS etwa auS dem Völkerbund auS» trete, wie es im Vorjahre dir argeotiuische Republik getan Hab« Es sei aber anznnehmm, daß das Gutachten des BölkerbmrdrateS von den Beteiligten angeuommm werde» Inland. Finanzmintfter Dr. Grimm begibt sich «ach Paris. Wie«, 20. August. Der Bundesmiuist« fite Finanzen Dr. Grimm begibt sich morgen aus Einladung des Finanzkomitees dcS Völkerbundes zur Fortsetzmg dein Wien gepflogeuen Verhandlunge» nach Paris. Scharfe Znrückweifnng des Deamtenultimatums durch die Regierung. Die „Staaiskorrefpondmz" schreibt: Die Regierung ist sich dessen vollbewnßt, daß die Bundrsbeamteuschaft unter de, herrschend» Teuerung schwer leidet. Zn dieser Erkenntnis hat f» auch, als der HanvtauSsckuß am 13. August den bekannt» Beschluß über die Remunerationen an die Eisenbahnbedienstetw faßte, ganz a«S eigenem Antr eb — es ist daS wohl der erste Fall — die Zuwendung der gleichen Beträge o» die Bundesangestellten in Erwägung gezogen und eine diesbezügliche EntschLeßnug bereits am 13. d. M. gefaßt. Bevor die Regierung jedoch noch in die Lage kam. au die Ausführung ihre- Entschlusses zu schreite», ist merkwürdigerweise ein Verband von BundeSangestellt» mit einer, in Form und Ausdruck m keiner Weise zn rechtfntigeuden Erklärung, vor di« Oeffentlichkeit getretm. Die Beamten konut» in der Zwischenzeit wohl die Ueberzeugung gewinne», daß dieses Vorgehen den einmütigen Widerspruch der Oeffentlichkeit herausfordern mußte. Die Regierung wird zwar im vorliegmde« Fast von ihre» berrits früher gefaßten Beschlüssen nicht abgeh«, st« hat auch schon die notwendigen Verfügung» getroffen, sie muß aber betone», baß sie e»ts chlo s se» ist, keinerlei befristete» oder gar vo» Drohnugen begleitete» Fordern» ge» -«weichen. ■ * Gestern sprach eine Abordnung ber Staatsbeamte«, organisatrone» im Finanzministcrium vor. Die Staatsbeamten unterhandelten mit Ministerialrat Dr. N i t f ch m a n n. Diese» erklärte ihnen, daß die Regierung grundsätzlich auf de« Stand' Punkt stehe, daß de» S1 a a t s a n g e st e l l t e» di« g l r i ch e» Zu w e n d u n g e« wie denBerkehrS- «»gestellten zustehen. Der nächste KabinettSrak werde darüber entscheiden. E« wurde den Staatsbeamten daher mitgeilt, daß die Regierung mit der A « S z a h l« « g der K 2Q00 e in v e r st a n d e u sei; über die alS BelleidungS' pauschale gesordcrieu 8 SM werde ebenfalls im KabmettSrB «utfchieden werdcn. Der KablnettSrat wird erst Montag oder Dienstag zvsammentreten. Es ist möglich, daß die Regrerung die Angelegenheit noch dem Hauptausschuß der Nationalversammlung vorlca^i will. Die R8«mung Westnngarns. 48ftündiger Aufschub. Wie», 2y. August. Wie die „Politische Korrespondenz* er» fährt, ist an amtlicher Stelle dre Mitteilung eingrtroffen, dab> Ententevertreter in Budapest «neu 48 stündigr « A n jchub in der Urbergabe Westungarns an Oesterreich aus der» Grunde verfügt baden, well m der Urbergabe d« BaraMr, w» Ungarn ein Weicher Anfschnb rmgetret» ift.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.