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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-20 · Heft 921 (20.8.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 921 (20.8.1921)
Date
1921-08-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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/TBcmrrr, gAiinjwy Msetai W*i Obtrrobbtacr Dr. H. P. Lhaje«, Löol jL«»be-, Dr. Ifidor Gchalit, Dr. Josef Live». Ke» z. Dr. L Sofer, Dr. Jfidor M a r g n l r«s, Doktor Ä«ck»b Wei««r,Dr. H. Siwe, JulmS G 7 S«r r (Sra»), VtobSaqt Dr- Hmmum M a - e r. Cambridge für die jüdische Uai» verfitätsbibliothek. Mr. P. E. H. Samllel, d« Sohn de- High Tommssioner, Sekretär des Larnpridge-ZweigrS der lnter- Düv«,itr Jawish Federation of Great Britain and irdand, Knigtt dieser Tage in Jerusalem an und ^erreichte der hebräische« Uuiversitätsdibliöthek - sechs Kisten «it SOS Bücher» «nd iQOO Broschüren als Geschenk. Es ist dies daerst« Resultat der Arbeit de- Jewislt Umrarsity labxary Commitee der genannte» Föderation, a« besten Spitze Profistor S. Alexander steht »nd dessen Ho«. Secretartz D. B. Stanhill ist Mr. Samuel hat bei Ueberhringrmg der Bücher die Bibliothek besichtigt mrd versichert, daß sein Komitee m Zukunft auch der fiuauziellen Fv^enmg der Bibliothek ei» besonderes Augenmerk zuwrnden werde. D,e von Mr. Samuel uckgebrachte« Bücher sind Geschenke der Herren Prof. Israel Abraham-, Billig. Davis, Doltiu, Fox, Herfch, Statt, Morris. Dr. Redckiffe, R. Salomou, S. Ustifchkin,' A. Nell»», Miß Ster» «nd MrS. Oppenheim. (I. E. Die Hvrthy-Ba«dite« wieder in Tätigkeit. L»S B»dapast wird u»S gemeldet, daß die Gememde Salti« Pest» Kvmüat am verflosteue» Dienstag der Schauplatz müsier Treiber«« einig« uuiformiert« Bandit« war. An diesem Tage fand da Jahrmarkt i» Sott statt und am Abend wurde plötzlich d» Ort durch starke- Grwehrfever alarmiert Mehrere bewaffnete Horthh-Soldatt» beschaffen jüdische Häuser «ud drohten mit eiuem Blutbad. Der Kaufmann Adolf Lederer vmde do» d» Bandit« so schwer mißhandelt, daß » »och im Laufe der Nacht starb. Die Ortsbehörde verhielt stch vollständig passiv und iiS heute laufen die Mörder ftei herum, obwohl dir Budapest« Machthab« ans eine Beschweide d« Solter Jubenschaft eine Untersuchung und Bestrafung der Schuldig« «gesagt habe». Jüdische Kriegsgewinnrr. Die antisemitische HeHpoesfe. kommt nie in Ber- 'legenheir, wen» sie ihren Lesern die nötige Dosis ihres Gifteeinträussel» will. Die gesirmungsgenössischen Schmierfinken sargen für Armer neues „Material", die VerleNnürnng fiabet immer neue Variationen über das eine Thema «nd irgendwelche Hemmungen kennt der Schmierer von der bewußten 'Sorte ebensowenig, wie er sie bei seinem durch die jahrelange Lektüre seiner Preßprodukte verdummten Leser voraussetzt. Eines der am willigsten geglaubten Märchlen aus der antifemitisch-publizistischen Sudelküche ist jenes vom jüdischen Vrnegsgewinner. Danach hatte der Krieg eigentlich' de« hauptsächlichen Zweck, die Inden zu beveicheru und ihnen hie „arischen" Völker vollends ,/ruszuliefern". Das typische Demagvgenmittel antisemitischer Hetzer ist die verleumderische Verallgemeiner«ug. Während bekanntlich! die Deutschen, weil sie eine» Kant, Hegel und Schopenhauer, eiwen Schiller, Goethe und Hessing gehabt haben, das Volk der Dichter and Denker heißen, sind wir, deren ethische Ideen; noch heute, in ihrer Verzerrung, stark genug sind, mn die Gemütsb>edürfnifse der europäischen Menschheit zu befriedigen, das Volk der Banknotenfälscher, Börsenhyänen und Valutenschieber. Den ehrlichen, soliden, den anstärchigen Juden sieht der Antisemit nicht, er übersieht ihn geflissentlich', weil er ihm sein^ Kreise stört. So sieht er natürlich auch das grauenvolle jüdische Massenelend nicht, er verbeißt sich mit Behage« m die jüdischen Valuten« und Kriegsgewinner,. während im Osten eine Wett von unglücklichen Juden unter den Morvstreichen des Pogroms oder des Elends, tetenbet Aber der antisemitische Märchenerzähler brauchte nicht so weit zu gehen. Auch in seinem nächste» Umkreis gibt es des jüdischen Elends genug und es ist so Laß, «ad eindrucksvoll, daß es auch einem Antisemiten, svstrn er noch «icht albe Menschlichkeit eingebüßt hat, die Rebe verschlagen könnte. Da ist der Kriegsinvalide, der sich vom ,SeM der Ehre" einen Schuß ins Rückenmark und eine'ausgewachsene Tuberkulose miLgebrachzt hat. die Kinder sind krank, verhungert, eines tuberkulös, das letzte Stück Habe ist ins Versatzamt geändert, als, Wohnung dien!, aer. Familie das. Asyl für Obdachlose, die Einkünfte bestehen aus einer Invalidenrente von — 360 Kronen monatlich. Die verzweifelte Frau bittet um Hilfe, um Arbeit, der Mann hat Aussicht, wach Alland zu kommen. Wer nimmt sich ihrer an? Ein anderer Fall ans unserer Beobachtung: Er vor denr Kriege ein kleiner Kaufmann in einem galiby'chen Nest, ein fleißiger, stiller Mann, der Kram und Häuschen besaß und die Seinen redlich fortbrachte. st>on den „Seinen" ist nur die Frau übriggeLlieben, die er als auf einem Bein humpelnder, überdies mit einem lahmen Arm ausgestatteter Heimkehrer mit einen, tranken Rückenmark in Wien antraf. Die Eltern hat man m Polen erschlagen, die Kinder hat die Deuche. geholt. die Frau schleppt sich mühevoll an dem einen brauchbaren Arme ves Mrinies Meiler, von Haus, Habe vrch j&ytfuai keine ^ur! lleberslüfjig zu schildern, wie Avrett er Mvrgenzettmrg 20. August 1921 Nr. 921 Vor keZinn 6er Mn«! ' Messe erscheint unser in Massenauflage und wird allen Besuchern der Messe zugesendet. Wiener., Morgsmemmg *«toc§ Erkrankung zutage «nd sie äußert sich meist st, deutlich, baß sie rasch erkannt werben kann. Dir Erkrankung geht rascher vor sich als die Mise aus Rußland oder Polen, hieher v und das ist in Seuchenzeiten ein großer ^.ILerr I^ir'LMeM die in unseren Messe--kümmern annoncieren geben wir MT kostenfrei ein Inserat im „Messe-Führer“ ■ m\ btc beiden Hausen, rätselhaft, wovon sie leben. Das sind nur-zwei Typen ans der langen, traurigen Galerie der jüdischen Kriegsgewinner, von denen niemand spricht. Die Antisemiten werden weiter die Mär verbreiten, paß alle Juden'der Krieg zu Multimillionären gemacht hat, näher aber, weil drangercher, ist für uns, -die. wir gerne helfen möchten und Einblick haben in diese Tiefen indischen Leids, die andere Fragen Wer gibt uns die * Möglichkeit, in diesen Fällen größter Not lindernd einzugreifen, und zeigt durch die Einsendung von Spenden, daß das jüdische Herz nach lebt? Die Pest tritt ür zweierlei Formen auf: als Beulenpest und als Lungenpest. Bei der Beulenpest kommt es zur Anschwellung der Drüsen, entweder der Leistendrüsen oder der Drüsen in der Achselhöhle oder am Halse, offenbar je nach der Eintrittspforte der Pestbazillen. Die Lungenpest äußert sich als schwere Lungenentzündung. Charakteristtsch für Pest ist das rasch einfetzende, sehr hoch steigende Fieber; oft erreicht es schon am ersten Tage 40 und auch 42 Grad. Am' Morgen' ist die Temperatur niedriger. . Schwere Delirien befallen die Kranken, das Gesicht hat meist einen ängstlichen Ausdruck, hie Alten sprachen vom „Pestgesicht". Das Schicksal tzes Kranken hängt von der Tüchtigkeit seines Herzens ab. Die Giftwirkung d«r Bazillen ist sehr, groß und verursacht Herzschwäche. Erzeugt wird die Pest bekanntlich durch Bazillen, deren Eigenschaften besonders von Wiener Forschern, Alb rech r, Ghon und Müller, studiert wurden. Die P^t wird, so nimmt man jetzt allgemein an, durch «. Natten und. Flöhe übertragen. Ratten erkranken sehr leicht au »Pest, Flöhe tragen das Jnsektionsmaberial von einem Tier zum anderen und den Ratten ist! zweifellos die Hauptrolle bei dem Auftreten von Epidemien znzuschreibsu. Bei der Beulenpest ist es möglich!, sich durch hygienische Maßnahmen vor Infektionen zu schützen. Die Bazillen sind in den Drüsen und im Blute des fix-1 krankten und die.Infektionsgefahr ist da nicht größer als bei Typhus. Anders bei der Lungenpeft. Jedes Hustenftdß streut Bazillen in die Luft, die, eingeatmet, die Pest Hervorrufen. Man hat sich benn'iht, ein wirksames Serum gegen die Pest zu finden/ doch ist es noch nicht gelungen, ein unbedingt verläßliches, herzustetlen. Der vor einigen Mona len versiorbeiie W'iensr. Professor Pöch, der sich bekanntlich selbst mit Pest durch Labvratoriumsvecsuche infiziert ha.ie, sagte in einem Bortroge, den er während des Krieges über die Pest hielt, folgendes über den Schutz der Aerzte und dech Pflegerpersonatsr „Sehr zu. empfehion tuE bei Beginn von.-Pestepfdemien wenigstens für das Pflegepersonal dnrchzuführen sind vorbeugende Impfungen mit abgeschwächten Pestbazillen. Die Infektiosität des Bculenpestlranken ist viel gerttrge-r als die deA Lungenpestkrank^n. Der scheinbar paradox klingend» Satz: „Während einer Pestepidemie ist ein chhgienisch.' eingerichtetes Pestspital der sicherste Nusenthattsoiü" besteht zu vollem Üiechtfür die Benlenpest; im Hospital fallen ja alle die Uebertragullgsmöglich'keit«»/ /du'rdS- Nnreinlichkeit, Ratten, Ungeziefer fort/ die infektiösen' Ausscheidungen werden vernichtet. Die bloße -SRe** rührung des Pestkranken an sich ist nicht instektiö/,- nux -giftiges Material, also bazilleuhnltiger Eiter chm / auf-die Haut gebracht, kann durch Kratzen, Einreiben und dergleichen in die ^Hant hineingeb'rachj werdÄ^ und so infizieren. Ganz anders steht es rnit der .Br- Handlung von Lungenpestkranken, wv die Jnfe'ktioi^ drcrch die Lust eine große Rolle spielt, namentlich wenn solche Epidenrieik im Winter nnstreten,' da dann die Disposition zu Katarrhen und Husten die Airsteckungsgefahr wesentlich erhöht." Die Pestgefahr. Zn de« Erkrankungen in Rußland ano Polen. Die Nachricht, baß in Rußland und Polen Pe ste r k r a n k u n'g % u vorkamtzN und daß sogar iü Warschau bereits Todesfälle zu verzeichnen sind, lenkt die Aufmerksamkeit aller Hygieniker auf diese Seuche, die wegen ihrer raschen Verbreitimgsmvglichkeit die am meisten gefürchtete ist! Dw Tatsache, daß in Rußland und wohl auch in Polen mangelhafte sanitäre Verhältnisse herrschen^ ließe die Infektionsgefahr auch für die Nachbarländer dieser'Staaten besonders bedrohlich erscheinen, wenn nicht durch die Schwierigkeiten imReiseverkehr ein großer Teil dieser/Gefahr beseitigt wäre. .Dies gilt in noch, erhöhtem Maße für die von «den infizierten Ländern entfernteren Gegenden, also" auch fiir uns. Die Inkubation der Pest ist sehr kurz, in zwei bis fünf Tagen nach ' der Infektion tritt die %% iitfere pAMhmnmim in der SüMmerfrische! Wie bitten hei AeÄersiedlrmg um rechtzeitige Verst8R-igung und Angabe -er neuen Adresse. Die B^/.^.Utu«g der Morgenzeitung". ™ bitten «nsere geschKtzken Abonnerrte^ sich bei Einkäufen auf den Inseratenteil unseres Blattes Zn beziehe«! Verschiebung ' der DnrchfLhrnng der LuLNsabgabe. Di: Gem/mde Wien, die in i?d« Wehr die Bestrcbnm cn der Wiener. Messe zu unterstützen bcmiUit ist. har sich üb'.r Intcrvcntwn des ObmannS deS ArbeäLauSschustes der Wiener. Messe, Gemnnderyt Jul ms Mülle r/ gerne - hcrctterklärt, feie Durch» nhrunst .der Lnxusubgabe, die bekannilicb bereits am 10. Seplen.be'. einsrtzen sollte, arü den 18. Septemb« zu verschieben. Durch dieses Einwgmktzmmen wird das Meffegeschaft d« Wiener Kauflente 6ewis; wrfen!lich «leichtert werden. Gerettet. chätte."unS schlecht ergehen könne«- E /•■ ' . fahren wir es, in welcher Gefahr wir schivebten/ bi»''.i'A- ' gere.gt uub ausgelöscht zu werben. Die badische StaatSstern- - warte auf dem Königsstuhl bei Heidelberg meldet einen höchst seltenen, bisher überhaupt' n-rch nie bezbLchteten.'Äditenjprung der-alten Mutter Erde: sie ist in der Rächt vom 8. Ms den 9. d. M. durch den Schweif eines Kwmeten gegangen. ' chr Schöpier verzeih' ihr die Sünde $it Sternwärt« meldes : noch:. Cucr über dem sternklaren Himnrel leg. eine Anzahl i lertchtender Piinder in Form eines Kranzes von Westirordi ivest mach Ostsüdost. Die Bänder bewegten sich langsam it* der Richtung Nordaardost und verblaßten in der Morgen därnnlerung. Der Kops des Komcttu ist zwischen der Sonn» und der "Erde südwärts vorbei gezogen.- W handelt sich hier (mgeiischeinlich uni das Gestirn, das nach einer Depeschr- . aus Cantbridge, in Amerika an die Zentralstelle für astrinw smischen''Nachrichtendienst iri Brüssel am.7. b. M. bei SoUnem Untergang südöstlich öer So»>,e b.'obMtet worden ist. De» i Stern glich an Glanz der Penu", '.ure es rvar ßp-ni i» 4 -diefek -M^uning die VerrnuttUtg auügajprochcn' u»»rLö»,' lmß' 545541

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