Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 921 (20.8.1921)
- Date
- 1921-08-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Smnstae 4S>tc«ct MorZenzeitrmK 20. August ISA Nr. S2L Wir sie es brauchen. Der Verrvaktrmgsgerichtshof und die Optionen. Kürzlich hatte er» Mann aus Ostgalizien, dessen Optionsgesuch vom Waber ab gewiesen worden war, den Verwaltungsgerichtshof angerufen. Diese Körperschaft fand, daß der Beschwerdeführer de» Nachweis der deutschen Bildung und Umgangssprache nicht' genügend. klar erbracht Hab« und wies rhu ab. Nun liegt den Fall vor, baß ein anderer Mann aus Ostgalizien vor rem Berwaltungs gerichtshof sein .Recht finden wollte;' seine Nachweise über deutschen Bildungsgang und Umgangssprache war-n lückenlos und konnten sellst vom lLmvaltungsgerichtShof nicht bestritten werden. Da aber' in Oesterreich der Geist des Waber die Politik und pas öffentliche Leben verseucht, warf sich der Beriv a ltungs gerich tshof auf de» unglückseligen Ausdruck „Rasse" im Friedensvertvag und rettete sich, in die ' logisch wie rechtlvk) gleich unhaltbare Auffassung, daß... {Raffe un b Sprache für die Option fungiert seienu Er wies den Mann ab. Die Begründung, die der Verwalrungsgerichtshof gibt, lassen' wir unten folgen. Sie ist lächerlich, weil sie mit eurem Begriff jongliert, Der stets nur als wissenschaftlicher Behelf zur Unterscheidung der Manschen nach der Hautfarbe in Betracht kam. Da aber der Verwaltungsgerichtshof in seiner Praxis beharren will und den Juden das Staatsdürgerrecht klipp und klar abspricht, so liegt jetzt die ilcotwerrdigkeit vor, daß der Völkerbund selbst eine authentische Interpretation des Artikels 80 gibt. Es Darf nicht geduldet wer&ett, daß der Friedens vertrag Den Auslegungskunststücken von Juristen und der von ihnen gestützten nationalistischen Demagogen preisgegeben bleibt. « Heber die Entscheidung de- BerwaltungsgerichtShofes wird ms gemeldet: Der Kaufmann Mendel Dym war vom {Kinisterivm für Inneres mit seinem Options- Mlvrnch adgettiesen worden, weil ans der von ihm Durch Zeugenaussagen "vor dem Wiener Magistat bewiesenen Tatsache, daß er nur eine deutsche Volksschule und eine Deutsche Mitttlschule besucht und sich stets der d euts ch en Umgangssprache bedient habe, noch nicht seine Zngcbörigkeu tue deutschen Mehrheit der Bcvolkemna nach Rasse und Sprache strvor?eht. In der dagegen an den Verwaltungsgenchtsböf nnzebracktm Beschwude wurde darauf verwiesm, daß jemand, der kur Deutsch spricht und eine andere Sprache Überhaupt ruckt »ersieht, naturgemäß sich zur deutschen Bevölkerung rechnen müssen Der Berwaltungsgerichtshof (Vorsitzender Präsident Dollar Schuster) hat die Beschwerde als u n b r gr ü n d et ablew r e s e n und in der Begründung hervorgehoben: , - ^Spricht und Raffe haben allerdings enen gewissmbek r i f s l i ch e « und « a t ü r l i chrn - Z nsam m e ft» j a n ß. Allein sicher ist, daß a«S der Sprache, »ie ein Mensch spricht, noch nicht auf seine Zn» ^Hörigkeit -» einer bestimmter» Rasse pesprocken werden sann. Nur der Sprache, insbesondere der sogenannten UmgariqS» iprache. w?e sie der Artikel &0 des FriedensvertrageS von St. Germain vor Tugen Hai, bedient sich der Mensch, um im krrkehr «»t de« Mitmenschen, unter denen er ständig oder doch gewöhnlich lebt, seine Gedanken und seinen Willen m übermitteln.?ebt er inmitten von Angebörrgen einer anderen Raffe, als es die seine ist, so eignet er sich die dort übliche Sprache der ihm fremden Raffen, an und sie wird für ihn, ins- -eiondcre aber in spateien Generationen für feine Nachkommen, wr Umgangssprache, ohne daß dam't von uhrrr oder se'nm Nachkommen auch die ihnen dem llrsvrmig nach fremde Rasse angenommen werden könnte. Die Umnaugsiprache des Mcnscken »cimlich kan« ganz wohl etwas Willlilrl'ches, sie kann von ihm!rei gewählt sein, sie wird für gewöhnlich schon Lurch die Geburt md später durch die Erstehung bestimmt. Anders verhalt es sich nit der Rasse beS Mensche». S»r ist eine ihm angestammte, inhärente, d u'r ch physische und psychisch.« M omente »estimmte und chaigsterisiermdt Eigenart dauernden EbarakterS. em Hm anhaftender Zustand, der «echt «ach Belieben verändert werde» kan». Es ist also sicher, daß ein Mensch, der, frelwiüig »der durch äußere Umstände und siebensverhältNiffe gezwungen, bie Sprache einer bestimmten, utckt seiner angedörigcn Rasse »«nimmt, damit unmöglich auch Ärrgchörigre jener ihm seiner Natur nach wesensfremden Rasse werde» kann. Ein Besen « t« i - z« einer bestimmte« Rasse gibt '. snach dem Gesagte« nicht, weil die Rasse über üwa? von der freie« Entschließung des JndividmmS «nd daher rou seinem Bekenntnis völlig Unabhängiges ist Arrsschluß der fraNzöstschen Sprache von der Washingtoner Konferenz. Paris, is. August. (Privat.) Der ,N.w York Hrrakd" hatte kürzlich gemeldet, daß laut Beschluß der amerikanischen Regierung bei der Abrüstungskonfereu.; in Washington nnr die englische Sprache anerkannt werden wird. Nicht nur die Protokolle und Dokumente werde« englisch sein, sondern auch die Redner werden sich der englischen Sprache bediene» müssen. Deputierte, welche nicht Englisch verstehen, werden zu den «Ätzungen nickt zugelassen. Diese Nachricht hat m Frankreich Entrüstung hervoraecuftn und die Presse hat einmütig von der Washingtoner Regierung eine Erklärung gefordert, daß die f r a n z ö s i s ch e Sprache als gleichberechtigt zugelassen werde. Run sind einige Tage versspffrn, ohne daß Washington auf diesetz Verlangen reagiert hätte. Dieser Umstand hat dazu geführt, daß nunmehr dir Presse und die literarischen Kreise in Paris von der französische» Negierung verlangen, in Wahrung dcr Würde Frankreichs Mt W LLrLüunaSk»»^««»» u Belgrad. 19. August. (Pretzbureou Belgrad.) Der gestrige Mini st errat verhandelte sie Baranyaer Md heschlotz «ach Anhörung von SachverMndigen- B a r a n y a z« r L u w e n. weil die jngoskftWrsche Regierung im Vorjährb die Verpflichtung Lbsrnommsn irrrd unterzeichnet hat, Baranya zwischen dem 18. und 24 August 1921 zu rLmmsrr. Die BesSlkerrrNg flüchtet. Belgrad/ M'MM'.'(PreßvüE'Berürob^ Heute Nur 2 chegann die Rärtmüng von Fünfkirchen u»ch Bavapya, welche nrorgen abends beerrdet sein wird. Die Bevölkerung ist sehr erregt. Tausende haben die jugoslawische Regierung um die Erlarrbnis gebeten, sich auf jugost-a Wischern Gebiete ansiedeln zu dürfen. Die Negierung hat die notwendigen Maßnahmen zur Ansüwlung der Flüchtlinge getroffen. Bon den Fünfkirchener Bergleuten bleiben ungefähr 1000 ber her Arbeit, während ungefähr 3000 in Sonderzügen nach Jugoslawien flüchte» werde«. Die Horthy-Ban-en vor FünfLirchen. Budapest, 19. August. DaS Ungarische Tclegraphen- Konespondenz'Bnreau meldet avS Kaposvar: Feldmarschalleutnant Goos erhielt heute vom engli'cken Obrrstm Förster auS Fünfki.chen dir Verständigung, daß der Räumungsbefehl an die serbischen Truppen bereits ergangen ist. Der erste Tag der mrlllärischen Operation ist der 20. d. M. Die ungarischen Truppen dilrfen vor Mitternacht des 20. auf den 21. d. M. die Demarkationslinie nickt überschreiten. Nach Baja dürfen jedoch -um Schutze, der Wasserwerke bereits am 20. d. M. mittags 50 Mann unter Führung eines Offiziers einziehen. In eine,« Nachbaidorfe der Gemeinde Bmcs befinden sich 20 ungarische Polizisten unter' der Führung eines Offiziers, die im Notfälle über Aufs o r b e t u n g des EntentcoffizikrS P o M i c e l l i in B.arcs einmarschiirm we.den. Die ungari'chrn Beibmdunosoffiziere habt» mit den ersten Truppen einniziehen. Die ungarischen Berwaltungsbrarnten Gossionyr und Prakatur übernahmen heute die Verwaltung von dem serbrichen Regierungskommissär Raiä. U<bcr die S t i m m u » g m Fünskirchm treffen b e r u h i g.e n d e N ckch r i ch t e n ein. General Soos richtete an d-e Entenleuiission in Fünfkirche» das Ersuche», die unter der Führung von Kainrath und Doktor stehende rote Terroristenkompagnie zu entwaffnen.. Du Kompagnie wurde auch in , der vergangenen Nackt vom serbischen Oberst Gyorgyovi.6..miwaffnet. Ms..wurde auck Borsorge getroffen, daß politische Demonsttativuen und Umzüge nicht ßattfiuden. r » Heute früh soll der Einmarsch der Truppe» des Generals Soos in bas.Gebiet der Baratrya beginnen. Die von der ungarischen Regierung aufgebotene Macht ist sehr beträchtlich. Die Enteutesunks« tionäre hofstn, daß sich die Besetzung ohne blutige Konflikte abivickeln wird. lieber .Auftrag des Finanzminjsters H « g e h ü s fanden in he» letzten Tagen Beratungen der Fachreferenten staÜ, um die erforderlichen MaßnahMn für den. Fall des Anmarsches dev Ungarn in Fünskjrcheu und der Baranya zu treffen. Nach, den bisherigen Beschlüssen wirb der Ainanzminister sofort nach dem Anmarsch der ungarischen Truppen den Austausch des Geldes verfügen. Hierauf stlgt die Einlösung hex fälligen Coupons, die Nostrifizierung der Kriegstitres und die Registriierung der Borkriegsschulden. Die Fünfkirchner. Filiale der Oesterreich isch-un gar i s ch e n B a n k wird vom staatlichen Noteninstitut ZKland. Die österreichischen WahLe« zum Fionistenkongretz und die ^Rene Freie Presse". Die „Neue Freie Presse", deren neuerdings erwachte Sympathie für das Horthh-Negime ihren „israelitischen" Lesern denn doch verdächtig werden könnte, sucht sich auf ihre Weisedem Lesertypus von der bewußten Ari sympathisch M machen, Das „Judenülatt", das für die Seelenkämpfe der Bantu-Mger stets so viel Interesse aufbrachte und jahrelang füv die zionistische Bewegung keine Zeile übrig hatte, weiß auf einmal ihren getreuen Leibisraeliten hon dem bevorstehenden ziomstischen Kongreß ip. einer Meise zu berichten, die ihnen — die „Neue Freie Presse" hat dafür eine feine Mitterung — zu Gefallen sein soll. Statt diese nämlich! über den Stand der Bewegung und die Bedeutung des Kongresses fachlich M informieren, berichtet sie ihnen von den erbitterten Kämpfen um die Kongreßmandate in Oesterreich, welche ,-einen Sieg der Opposition" ergeben haben, ber«n Listenführer „säst widerspruchslos gewählt wurden". „Auf der offiziellien Liste, die kaum fünf Pwzent der Stüume» erhielt, stalld Oberrabbiner Dr. Chajes als Führer.' Älus diesen Ansgang der Wahlen hin 3fM brLM-ige Mtuyg, o» deren LpitzeJngenienr übernommen, welches seine Tätigkeit sofort aufnimmt. Eine Zwangsanleihe anläßlich des Geldmntausches ist nicht gedacht. SS soll jedoch das Disagio der ersten und zweiten jugoslawischen Ueberstempelrmg der österreichisch-ungarischen Banknoten berücksichtigt werden. Hierüber wird amtlich aus Budapest berichtet: Eine Regierungsverordnung bestimmt, daß auf dem von der jugoslawische» Besetzung befreiten Gebiete von ümv SOprozentjge» Zwangsanleihe, wie sie i» Ungarn anläßlich der Abstempelung her Noten der Oesterreichisch-ungarischen Bank Vvrgenvmmen worden war, abgesehen werbe. Dagegen wird bei de» in Berkvhv befindliche» unabgestempvlten Noten und den Noten mit sogenaannter erster jugoslawischer Wstempelung ei» 30prozentiger Abzug beim Umtausch Segen ungarische Staatsnotrn vorgenommen werden. Die auf diesem Gebiete noch in Verkehr befindliche» Zehntatrsend-, Tausend- ' «nd Hundertkronermoten der Oesterreichisch-ungarifchen Bank, - die die ungarische Ueberstempelung trage«, werben al pari eingelöst. Der Endtermin für den Umtausch ist der 31. August. Die Ausfuhr und Einfuhr von Banknoten ist bis zu diesem Zeitpunkt streng verboten. Ei« Hilferuf -er Barauyaer Demokratie. Böla 8 r n d e r, als Bürgermnster in Fünskirchm, wendct sich in einem Aufruf an die mtemationalen sozialisiischm Parteien um Hilfe grgm die Horthh-Bcwden. Der sagt unter anderem: Baranya ist die kleine ungarische Insel, wo dmk der Okkupation dii' s; jugoslawische Truppen, trotz aller Machinationen «nd Berleumdurigen Horthy-HabSburgS, die iftvge ungarische Dimokratie der Oktober-Revolution wieder Fuß fassen und sich behanptcn konnte. Fünfkrrchen sollte die Stätte werden, von wo auS die jrnigr »mürrische Demokratie sich auf daS Mutterland ausbreite. Fünft kirchen sollte die Brücke werde«, bie das überaus schwergeprüfte Ungarn im wirtschaftlichen Wiederanfban mit de» Nachfolgestaaten m E.nlracht verbindet. Nun soll «ach rrwlgter Ratifisicranq deS Trianoner Friedensvertrages diese kleine demokratische Insel, in der dir Gesetze der ungarischen Volksrepublik in Kraft sind, durch die jugoslawischen Truppen geräumt und an Horthy-Ungarn, das Land der Willkür vnd de- Terrors ansgeliefert werdm. Die nationale Armee, in ihrem Trost die wahren Diktatoren, .wy bvst oküesrs" Präniy «nd Hejjas, solle» in kurzer Frist in Füvfkirchen einzigen und ihr SchreckenSregime beginne»! Keinen Augenblick h a t d i e Bepllkerung de - besetzten Gebiete -Ungar» alSMutterlaud verleugnet, aber sie hat mit allen Kräften gegen Horthy-Ungarn» diesen Schandfleck europäischer Zitziliiati»«, gekämpft. Sie hat gegen daS System gekämpft, da- Mörder, Räuber und Erpresser in Offtmlsuniform ihr Unwesen «ngestraft und frei treiben läßt. Scho« strecken sich die blutbcfleckten Fäuste »ui daS jungfräuliche Gebiet der Baranya ans. Schon kursiere» die Wen derer, die gehenkt werden sollen, und »die Donau fi'.eßt nahe*! In Horchy-Ungarn gilt jeder als Vaterland-verräter, der gegen Terror und MilltÜr, für wahre Demokratie, für die ungarische Volksrepublik kämpft. JnhöchsterNotwendeichmichimRamen dr-werktStigenBolkeS derBaranha mrt v yllem Bertranen an die internationalen sozialistische« Parteien mit der BittumSchutzunbUnterstütznugk Stricker steht, mit dem Mcktritt aller Funktionäre ans dem öffentlichen Leben, wörallf die Opposition ohne Rücksprache mit der Wählerschaft ihre Lifte zurü^zog. Trotzdem bedeutet dieser Wahlausgang - es,^ Niederlage der bisherig«» Taktik der östen-eici'i'ch<)n P^rtch. leitung." So weA das Blatt. Ein Sieg der Oppvfitbsn trut also nach der „Renen Freien Presse" dann eür, werm die Opposition ihre Liste znrückzieht! Allerdings „vhrre Rücksprache mit der Wählerschaft. Mas also den Schluß zuläßt, daß die Wählerschaft — in der Fichtegasse muß man dos wissen in diesem Verhalte» der unoppositionellen Opposition schnöden Verrat erblickt. In Wahrheit handelt es sich dem Blatt« natürlich, darum, rnit dieser Angelegenheit hie Namen des Obervabbitrers Lhajes und des Abgeordneten Stricker verquicken und so ihren treue» GroßassürrilantLN nach hem Herzen reden zu können. Demgegenüber sei also festgeftellt, daß die vorhandenen drei Listen vor der Vornahme des LSahlaktes einv«rstä »blich zu einer einzige» Liste vereint wurden, wodurch laut Wahlstattrt diese gemeinsame Liste ohne Bornahnre eines besonderen Skrutiniums gewählt erscheint. Die „Neue Freie Presse" ha» diesmal mit ihre» „Jnfvrmatürn«n" Pech gehabt. Wir sind »NN neugierig, was sie über den. Verlauf des ZlonisMb-ngrejses z« berichlytr haben wirb!