Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 921 (20.8.1921)
- Date
- 1921-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Differenz -wischen dem Mutterland und den Kolonienfür die Freunde und Gegner Englands auf. Hinter dem Ministerpräsidenten steht die ganze riesige Macht des Reiches und die vielfältigen Interessen aller Teile des Kaiserstaates ballen sich in seinen Reben zusammen. Hs ist deshalb von sehr hoher Bedeutung, daß Lloyd George in seiner letzten Unterhausrede das Einverständnis mit den Dominions in allen Detailsragen der zukünftigen Polttik deutlich heworhob und besonders die Einigung mit der Vertretung Indiens erwähnte. Zn verschiedenen Zirkeln der deutschen Oeffentlichkett hatte man sehr viele Hoffnungen auf die Zwistigkeiten zwischen Indien und England gesetzt und sogar schon von Anzeichen des Zerfalles des britischen Reiches gesprochen. Die alldeutsche Phantasie, die sich in den Weltftagen gerne in Mrlosigkeiten ergeht und immer oas glaubt, was ste wünscht, hatte zwischen den indischm Swa-Reb-Bestrebungen. die Homerule verlangen, und Wir javanischen HegemonietendWen einen ZusamnMh ang Rechten schwelgten in tiefsinnigen Betrachtungen über Selbstbestimmung, die an dem Or^ wo sie zu lesen standen, Kunos anmuteten. Die Erklärungen Lloyd Georges, die von der Einigung mit Indien und von der Aufrechterhaltung des japanischen Bündniffes sprechen, bringen in diese rosenrote Wunschwelt einige Enttäuschung. Aber auch nach der amerikanischen Sette hin sagt der englische Premier den Revanchedichtem zwischen Rhein und Elbe nichts Erfreuliches. Der tiefe Gegensatz der englischen und der amerikanischen Interessen im Großen Ozean bildet gleichfalls ein Lieblingsthema der deutschen KriegspoLitiker. .Aber «uf diesem Gebiet existiert Kein Gegensatz, solange England der Bundesgenosse der beiden möglichen Rivalen bleibt und in dieser Stellung jederzeit Zwischen Amerika und Japan vermitteln kann. Die japanische Regierung wird übrigens kaum geneigt ftin, die großen Erfolge des Krjeges, die ihr fo leicht rn den Schoß gefallen sind, durch ein bewaffnetes Renkontre.mit den schlechterdings in ihrem Reichtum an Menschen und Mitteln unüberwindlichen Vereinigten Staaten aufs Spiel zu fetzen. Die Gegensätze, die zwischen Amerika und England tatsächlich bestehen, beziehen sich auf die Streitfragen Europas, auf das Verhältnis Frankreichs zu , Deutschland und auf die Verschuldung der europäischen Staaten an Amerika. Daß es wegen dieser Dinge keinen Hurrah-Krieg, von dem man in Deutschland vielfach träumt, geben wird, liegt auf der Hand. Die englische und die amerikanische Politik laffen den Unmut über die Entwicklung der Verhältnisse in Europa, wie sie durch die Friedensverträge bedingt wurde, erkennen und beide Mächte sind aufrichtig um eine Besserung bemüht. In dieser Arbeit findet Lloyd George die einmütige Unterstützmig der englischen Oeffentlichkeit und seine Erklärungen über die Belastung Deutschlands durch die Sanktionen fanden auch die ungeteilte Zustimmung des Unterhauses. Bedrohungen des europäischen Friedens aus diesem Gegensatz find heute kaum mrzimehmen. Aber die Verschlimmerung auf dem Kontinent nimmt trotzdem ihren Fortgang. Eine Einigung der Mächte über das Hllfswetk in Rußland ist noch nicht zustande gekommen, die oberschlesische Frage ist dem Völkerbund überwiesen worden und bezüglich der Kredithilfe an Oesterreich besteht bis zur Stunde noch immer keine Gewißheit. Solange zwischen Amerika und England kein Einverständnis über die europäische Wirrnis hergestellt wird, ist eine Sanierung unmöglich. Zn der letzten Konferenz des Obersten Rates hat sich ein gewisses Zusammengehen dieser beiden Mächte in der Angelegenheit Deutschlands gezeigt, aber der Eiysiub der NationaMm Außerordentliche Tagung am 29. August. Paris, 19. August. (Havas.) In AeSereinstimmunZ mit dem gebräuchlichen Verfahren hat der gegenwärtige Präsident des Völkerbnndrates Jfhii den Vertreter Spaniens beim Dölkerbnndrat D n i n 0 n e $ dsLeo« gebeten, das Amt eines Berichterstatters bei der antz rrord sntlich en Sitzung des VSlkerbnndrates, die für de« 29. August «ach Genf einb errrfen wurde, anzrmehrnen. Aufgabe dieses Berichterstatters wird es fein, demBMkerkmndsat eine nnvoreingenommene DarfteNung der Tatsachen vorznlegen, nm die Mitglieder des Rates über die Schwierigkeiten zu Unterrichten, die der Beschluß des Obersten Rates über die oberschlesische Frage erwähnt. DaS spezielle Verfahr«,, auf daS die Bekanntmachung des Völkerbundratcs anspielt, besteht darin, daß jeder Besprechung de- VölkeibundrateS eine möglichst vollständige und möglichst uuparreische Prüfung der Angelegenheit vorangehen soll. Zu.diesem Zweck beauftragt t er Pi äfident für jede Angelegenheit^ mit der sich d« Völkerbund: at befaßt, ein Mitglied, eine« Bericht vorzuberriten, der bestimmt ist, de» Mitgliedern des BolkerbundrateS alle Auskünfte «ud Au^lla» ungen zu liefern, die ste zur Beurteilung der Angelegenheit nötig hauen könnten. Bei der Eröffnung der Sitzung verliest der bezeichnete Berichterstatter feine« Bericht, der sogleich an alle! Mitglieder verteilt wird. Nach der Becrnigimg der Borl^uvg^ findet, dem Falle entsprechend, entweder sofort eine Besprechuirstatr oder sie wird für ein späteres Datum anberaumt, um unter Umständen den Mitgliedern drS BölkeibundrotrS zu gestatt«, den Bericht gründlicher zu prüfen und vervollständigende Auskünfte M erbitten. WaKÄÄt und Verfassung für PsrlKft'ma. Lsndan, 18 August. (Iüd. Korr. ° Bur.) „NmesvoSs TM des b e r 0 f f r z l 'e l l p t r S f f e «t l i ch t werden wird. Ferner soll, gleichzeitig ein 'zweites Dokument, das die V e r f a f tz n n g für Palästina enthalte, dem Völkerbünde vorgelegt «erden, damit auch dieses Dokument die Sanktion und die ArrLorrtäL dss Völkerbundes erhalte und gleichzeitig mit dem Mandatstext verlautbart werden Sann. Die Uebergabe Westnngarns um zwei Tage verschoben. Budapest, 19. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Wegen des Aufschubes der Räumung der von Jugoslawien besetzten Gebiete nm 48 Stunde« haben die Budapestev Vertreter der aMierte« Mächte beschlossen, daß auch die Aebergabe Weftungarns um zwei Tage später erfolgen soll. An die interäAiierte Mission in Dedenburg ist bereits eine diesbezügliche Weisung ergangen. __ Die neuen deutschen Steuergesetze. Berlin» 19. August. (Wolff.) Dic Mch^nhl der in V»r-. brreitung befindlichen Strurrgesetzenkwürfe wird nunmehr im Wortlaut veröffentlicht. Die M e h r e i« n a h m e n werden für das Rechnungsjahr 1922 ans rund 1.4 Milliarden Bapieemarl berechnet. Dazu kommt das Ertragnis der Zuckerst e « e r e r h ö hu ng und des B ra nntw eiumon op o l S, die auf rund 2 Milliardm geschützt werden. AuS der Erhöhung der Tabaksteuer werden 909 Millionnr erwartet. Die Zollerhohnngen betreffen eine große Anzahl von anMudischen Erzeugnissen. Nachverzollrmgen werden unc für Kaffee «nd Ted Platz greisen. Der M e h r e r t r a g der Zölle auf Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Südfrüchte wird aus 46*6 Millionen Goldmark, der Mchrertrag ans de» übrigen Zollerhöhungen auf etwa 15 Millionen Goldmark geschätzt. Bon der Erhöhung der Kvhlcnstener erwartet mau «inen Mehrertrag. von 4*5 ÄM arden Püpiermark (bisher. 7*4' Milliarden). De^ Entwurf deS RentenfieUergefetzeS st-bt auch eine Besteumwg der Buchnrachnweiten vor^ und soll eme Mchrünnahnke von in Frankreich ist noch immer stark genug, um eine Uebtzreinftimmung zwischen allen Mächten der Entente zu verhindern. Die Isolierung Frankreichs rst ein gutes Symptom der aus seiten der angelsächsischen Staaten vorherrschenden Friedensslimmung, aber für die Dauer wäre sie ein großes Unglück» weil sie alle döfen Kräfte in Frankreich entfesseln müßte. Es kann 150 Millionen ergeben. Der Mehrertrag anS de« B e vf i ch e r « n g S st e « e r g e f e tz wir auf 200 Millioür» jährlich geschätzt. Die Umsatzsteuer soll NN allgemrinm verdopvelt werden. D'.e Erhöhung auf 8*/.18ßt einen Erwäg von 21 Milliarden erwarten, wozu noch eine halhe >Mistrache aus der LuMssteM treten dürste. Die K a pi’<\. "v'e Tlfrf i: i ff e u e r wird eingehobem unter anderem vouD»-/ gütunaen au Mitglieder des AnifichtsrateS von KapitalKgefillschaf'.e» (AuffichtSratssteuer) und vom Erwerb von Dernlögensgegrnständen zu gewerblichen Zwecken. Der Mehret trag aus der KörperschastSsteurr «ud der KapitalsverkehrSstener wird auf 881.14 Millionen Mark - geschätzt. Die L e u ch t m i t t e l- und Z ü « d w a r e n st r u e r soll am 1. Oktober d. I. m Kraft treten, ebenso die neue Zoll- «nd. Einfuhrabgabe. Am 1. Jänner 1922 solle» die Tabakstc«« und die Umsatzsteurrgesetzr Geltung erlangen. Die Dorschristt» der Körperschaftsstruer sollen Anwendung finden bei Veranlagung von Einkommen für Geschäftsjahre die nach dem Sl. Dezember d. I. zu Ende gegangen sind. Die Probleme des Stille» Ozeans. - England geht mit Amerika. . t H London, 39, August. (Reuter.) Lloyd G tot gen* Piiile in feiner gestrigen Rede im Unteihause weiter, es s« ei» Kardinalgrnndsatz der britischen Politik, daß daS britische Reich in möglichst vollkommenem Einvernehmen mit den Vereinigten Saaten handle. (Beifall.) Wenn «u Bündnis mit Japan ein größeres Emdernehmm mit Japan «nd mit den Vereinigten Staaten in allen Problemen deS G t i E l en Ozeans bewirken könne, so «erde daS ein großes Ereignis und gleichzeitig eine Gewähr für den W e l t f r red t u sin, Die irische Frage. LoMan, 19. August. Muter.) .Angesichts der Ungewißheit bezüglich Der irischen Frage wird dA ’ Parlamentsfeffwn nicht geschlossen werden. Die beiden' Kammern werden sich vielmehr heute bis zum 18. £)& tober vertagen und, falls die Notwendigkeit es! ev- fordern sollte, jederzeit einberufen werden können. Griechische Erfolge. Akherr, 19. August. i(Havas.) Amtlich wird gemeldet: Die griechische Armee hat auf ihrem Vormarsch ein^ Linie erreicht, die von den Höhen östlich von Mp.<, halitsch über die Höhen ftn Osten von Sivrihissat und das Fort Fetoglu am Svkaria in die Gegend von Amormrn führt. Beträchtliche feindliche, Kavallerieabteilungen wurden «gegen Osten znrückM, schlagen. Der Feind zerstört auf fAnrem RÄckzW düz. Brücken und Straßen. . ' in Europa nur Friede geschaffen werden, wenn di« Entente aufrecht bleibt, wenn Amerika zu ihr gehört und wenn alle ihre Staaten gemeinsam an me' Ordnung der Dinge gehen. Die Fortdauer der Entente läßt doch auf eine Gesundung der Welt hoffen, für die der Bruch des großen Bündnisses nruev KriG bringen «mß. 2818