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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-19 · Heft 920 (19.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 920 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9tt. 9ZV~ SEföflt tzftMW es uns, Herr Oberst, sagen Sie es uns offen, daß es keine Hoffnung gebe, sagen Sie es rund heraus, daß Horthy kommt, daß Hejjas kommt,- daß die Detachements, die Internierungen, der Kerker, -ie Mordwaffe, die Folterkammer nach Fünfkirchen komme». Sagen Sie es uns offenherzig, daß jeder dahin flüchte, wohin ihn seine Augen führen. Diese Aufrichtigkeit schulden Sie dem magyarischen Volle der Baranya und jenen großen, mächtigen Staaten, welche Sie hier vertreten." Inland. - Die Kredite für Oesterreich. In Londoner Finan,kreisen wird versichert, daß die erste Kcditcroffnung an Oesterreich Ende August fialtfimen wird. D'«"cr eiste Vorschuß be.rägt ungefähr acht Millionen Pfund Sterling. Aus ofterie chifchen parlamentarischen Kreisen wird mitgeteilt: Die Berhandlun-en mit dem Abgeordneten des Finanzkomilces des Völkerbundes Ries-Hansen find endgültig aeaeschlossm und dieser begibt sich heute nach Paris. Er wird dort die Auszahlung der der Republik als Vorschuß bewilligten Beträge veranlassen. Telegramme. Befreiung Lurch Horthy. Standrecht für. Baranya. Budapest, 18. August. (Ung. Tel.--Korr.-Dur.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Regierungsverordnung über die Wirksamkeit der Rechtsnormen des ungarischen , Staates in de» zu räumenden und wieder unter die ungarische Oberhoheit gelangenden Gebieten. In der Verordnung wird betont, daß die Landstriche, die infolge der serbischen Besetzung der ungarischen Oberhoheit entrissen waren, rechtlich niemals aufgehört haben, Bestandteile des ungarischen Staates zu bilden. Das Ministerium des Innern stelle daher fest, daß alle Rechtsnormen, die auf dem Gebiet des ungarischen Staates, sei es früher, sei es während der Besetzung, gültig waren, von dem Moment an, da die gesamten besetzten Gebiete abermals unter die Oberhoheit des ungarischen Staates gelangen, ohne jede besondere Verfügung auch' in den befreiten Gebieten sofort in Wirksamkeit treten. Eine weitere Verordnung des Ministers des Innern ermächtigt den für die befreiten Gebiete ernannten Regierungskommissär, die Gendarmerie und die Staatspolizei auch auf solchen Gebieten und zu solchen Diensten in Anspruch nehmen zu dürfen, die außerchalb ihres gewöhnliche« Wirkungskreises fallen. Ein« Drohrede de» Feltzmaeschallentnant Soo». Budapest» 18. August. Das Ungarische Telegraphen- Korrespondenz-Dureau meldet auS Kaposvar; Dkr Kommandant der in das' befreite Gebiet einziehendm ungarischen Truppen, Feldmarschalleutnant 8 o o S, hielt ein« Revue über die in die Baranya einziehende Gendarmerie ab. In einer Ansprache betonte er die großen Aufgaben der Gendameiie. Solange diese besiehe, werde es keine rote Herrschaft geben und die heutige gesetzliche Ordnung werde i« Geltung bleiben. Am St. Stephans-Tage werde die großeA,beitbeginnen' mit der die seit drei Jahren unter fremder Besetzung stehenden Gebiete der heiligen Stehpans-Krone wieder einverleib, werden. Wir kämpfen nicht mit Waffen, sagte der Feldmarschall., leutnant, dennoch wollen wir erobern und zwar mit brüderlicher Liebe und natianalem Geist. Diejenigen. die.' schmachvoll im* geführt, ihre Nation und ihr Vaterland verleugnet haben, follcn nicht durch Rache, sondern im Wege dac wahren christlichen Vergebung unter den Schutz der heiligen ungarischen Krone zurückgesührt werden. Wer aber auch noch int letzten Augenblick aufwiegle, wer sich gegen die Gesetze vergangen hat, wirb seine wohlverdiente Strafe vor dem Gesetz erleiden. Gegen ein« magyarische Invasion. Belgrad, 17. August. Das Preßbureau meldet aus Fünfkirchen: Die Proklamierung der jugoslawisch-magyarischen Republik in Fünfkirchen hat überall sympathischen Anklang gefunden. In Bares, Siklos, Mo ha es, Szigetvar und Villau y wurden Volksversammlungen abgehalten, die Entschließungen annahmen, worin die Teilnehmer, Bürger und Bauern, einmütig die Republik ausgerufen haben. Die Bevölkerung verlangt, daß Schutztruppen aufgestellt und bewaffnet werden, um eine eventuelle magyarische Jnyasion abwehren zu können.,Eind Zou ntag hier abgehaltene Versammlung beschloßt eine Kundgebung, worin zum unerschütterlichen AusharrSn beim Aufbau der proklamierten Republik aufgcsordert wird. * Agram, 18. August. (Kvrr.-Bur. Agram.) „VeLer* meldet aus Belgrad: D>e Ententekommission, mit dem englischen Obersten Gosict an der Siitze, forderte kategorisch vom jugoslawischen Obcisten Gjorgewitsch in Fünfkirchen die Räumung der Baranya b s zum 20. d. M. Exkaiser Kar! bleibt in der Schweiz. Zürich. 18. August. (Tel-Komp.) Voraussichtlich dürste die Schweiz, wie verlautet, den Aufenihalt des Exkaisers Karl in H e r t e n st e i n verlängern. Die Verhandlungen mit der spanischen Regierung machen Fortschritte. Wie«er Msrse»zett»«O Rußland. Der neue Wirtschaft-Kurs. Washington, 18. August. (Funkfpruch.) Rach Meldungen aus Riga ist in Rußland das Alkoholverbot aufgehoben worden. .Ein weiteres Dekret der Regierung erlaubt den Besitzern von H ärvfern und Grundstücken, die seinerzeit enteignet wurden, diese wieder zurückzukaufen. ' Jüdische Wanderung «ach Sibirien. Rigja, 17. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Der jüdischkommunistischen Presse aus Rußland zufolge, hat die gegenwärtig in Rußland vor sich gehende Massenabwanderung nach Sibirien auch auf die jüdische Bevölkerung in den ukrainischen A>gromgegetlden Übergriffen. Me Juden verkaufen ihre Liegenschaften einschließlich der Schulen und Synagogen und wandern nach Sibirien, um dort neu« Heime zu begründen. Das italienisch-russische W.rtschastsabkomme». Rom. 18. August. (Tel.-Komp.) Wie der Minister des Aeußern Marchlse della Toretta im Mivrsterrat millalte, wird daS Wirtschaftsabkommen mit Rußland dieser Tage unterzeichnet werden. Nach der Regierungspreffe enthalt es unter anderem die Brrpstichtung beider Staaten. V-rhandlungen kür ein veueS umfassendes Wirtschaftsabkommen einzuleiten, durch das Rußland Italien die gleichen Erleichterungen und Vorteile wie den andere« Ländern gewähren würde. Die Frage der italienischen Guthaben in Rußland wir?» besonders behandelt we>dem Außerdem vervstichlet sich, d e Svwjetrcgierung, in Jialim keine polilrschr Propaganda zu betreiben. Lenin will nach Capri. Rom. 18. August, i Privat? Hiesige Blätter melden, Lenin habe die Absicht, aut einige Zeit nach Caprr zu gehen, um seine angegriffene Gesundheit wieder hrrzusieüen. Die italienische Regierung erklärt, daß ihr ein Ansuchen von Lenin nicht vorliege «nd daß sie besten Aufenthalt auf Capri nicht zulasten würde. Der griechische Vormarsch. Athen, 18. August. (Tel.-Komv.) Nack den amtlichen * Herpsberichten hohen die griech schen Trupren schon am ersten Tage der neuen Offensive gegen Angora und Konia aniehnliche Fortschritte gewacht. Sie drangen stellenweise 20 Klvineter weit vor. Die Kemalistm räumten die Stadt JsMid. Die Zahl der türkischen Fsüchlinge belauft sich.nach einem griechischen Blatt auf 100.000. Nach Konsularnachrichten sollen die Christenver-olgungen in Jrnrer-Klemasie" fortdanrru. Bei Konia wurde ein christliches Dorf von Kemalisten in Brand gesteckt, wobei viele Bewohner in den Flammen umkame«. Smyrna, 18. August. (Havas.) Die Griechen sind in der Richtung auf Angora vorgerückt und haben neue Stellungen besetzt. Sie sollen auf keinen Widerstand gestoßen sein., ■ Varrderlip über die schlechte Lage der deutschen Finanzen. Berlin. ig^Auguft. (Wolfs.) F E- V a n d e r l i p, der heute von Berlin ntzch Prag abgrreist ist, erklärte dem Vertreter der „Associated Preß" gegenüber un'er anderem: D utschland arbeitet schwer. Bon der Oberfläche auS gesehen, läßt vieles darauf schl eßen, daß Deutschland sich erholt. Unter der Oberstäche aber sind die nat-oualen Finanzen in einem heiklen Instand. Es scheint keine Hoffnung zu bestehen, das Budget ins Gleichgewicht zu bringen, mit» neues Papiergeld muß. andauernd hcrge» stellt werden. Das wird dazu führen, die Prelle weiter in d-e Hohe zu treiben, die Mark zu. entwerten und die Stellung der Regierung schwieriger z« gestalten. Ich habe mit dem Reichskanzler Dr. Wirth und den sührenden Minist-r» gesprochen und habe den Eindruck gewonnen, daß sie sich auf das ernsteste bemühen, doch glaube ich, daß sie an einer Aufgabe a briü«, die zu groß ist, um erfolgreich zu sein, und früher oder später wird man eine Aenderung oder einen Aufschub in den Reparat.onsforrerungc« einueten lassen müssen. Zusammentritt des Völkerbundes. Paris, 18. August. (Havas? Der Völkerbundrat wird wahrscheinlich am 2bd. M. m Genf zusammentrete«, um die oberschllstsche Frage zu prüirn. Ministerpräsident B r i a » d empfing heute den Botschaller der Vereinigten Staaten »ud unterrichtete ihn dahin, daß er Frank,eich vertreten werde. Irisches Parlament. Dublin, 18. August- (Tcl.-Komp.) Die zweite Sitzung des südirischen Parlaments hat zu den gleichen Kundgebungen wie am Tage vorher vor dem Stadthaus Anlaß gegeben. Im Saale befanden sich mehrere fremde Persönlichkeiten, die auS Amerika. Frankreich, Italien uiw. gekommen waren. Gleich nach Eröffnung der Sitzung erteilte der Vorsitzende d r B a l e r a das Wort» deste« Rede große Aufmerksamkeit erregte. Das unS gemachte Angebot sieht ken Irland vor. sondern nur zwei Trümmer Irlands. Man bietet unS das Statut der Dominions an, doch sind die Dominions weit entfernt und wir sind nahe. .Wir möchten gute Nachbarn sein und wenn England gut beraten wäre, würde es unsere nachbarliche Freundschaft annehmen. Die Frage der Trennung von England existiert für «nS nicht, denn wir haben unS nie als vereint mit ihm betrachtet, und auch «rn» die Einigung bestände« hätte, sollte ste feit dem 21. Jänner 1919 als gelöst betrachtet werden, seit dem Tage, da die Unabhängigkeit und die Republik m diesem Saale verkündet wurde. Wir sind eine g trennte Nation und werden uns bis aufs Aruveiste verteidigen. Wenn wir eines Tages die Waffe« nieder-» legen, werden wir es a l» B e s i e g t e tun, nicht anders. 19. August 1821 Seite 3, < — - ■ - - ' ■■»■"II \ I ■ ." .y Die Vereidigung König Alexanders» Belgrad, 18. August. Da König Alexander «nt Blmdoarmrntzünduug leidet, wird sich eine AborbnMg der gesetzt gebenden Versammlung nach Paris begebe», um ihn zu vm eidigen. Die Delegation, die nach den Bestimmungen der neuer Beifafsung dem König innerhalb von zehn Tage» nach der Thronbesteigung den E,d abnebmeu muH, wird in 'der Samstag" sitzurig der Nanonalversimmlung gewählt weiden. Ei« Koalitionskabinett in der Tschecho-Slowakei. Prag. 18. August. (Privm.) Sämiliche tschechische» Parteien haben sich bereits im Prinzip für ein Parlamentärische- Koalitionskab mett ausgesprochen. Vor einem Bergarbeiterstreik im Ostrauer Reo rer. Mahr«-vftr«i». 18. August. (Tfchecho-slow. Prchbur.) Die Bergarbeiter drS Ostran-Karwiner Reviers bereiten sich zum Streik vor. Auf den einzelne« Schachte« worden Versammlungen abgedalten und Entschließungen angenommen, worin sich die Arbr ter zu außerordentl'chen Beiträgen zu de« Streikfonds verpflichten. Polnische Kolonisationsbestrebungen. Krakau, 17. August. (Westukrain. Preß-Agentur.) Im „Plast", dem Organ des polnischen Mnisterpräsidenten, ist ein Aufruf an die in Amerika lebenden Pole» veröffentlicht, der diese, besonders die ehemaligen Wrgehörigen der Haller-Armee, zu schleuniger Rückkehr nach Polen aufsordert, da Mnschenmaterial für die Kolonisierung des ukrainischen Territoriums benötigt werde. Dasselbe Matt meldet weiter, daß die Parzellierung von 4894 Joch Acker- und Wiesenboden in den wolhhnischen Bezirken Wladimir, DÜbno, Kremenez, , Radziwillow und deren Aufteilung unter polnische Kolonisten erfolgt sei. Brrl», 18. August. (Westukrain. Preß-Agentur.) In den letzten Tagen gingen über Lemberg große Transporte polnischer Kolonisten in die östlichen Bezirke Ostgaüziens, u. a. nach Podhajee, Krasne und Weliki, ab. Die Kolonisten stammen hauptsächlich aus der Krakauer Mgend. Der internationale Gerichtshof. Genf, 17. August. (Schweiz. Depeschenagentur.) Der ständige internationale Gerichtshof ist nunmehr gesichert, da Spanien die bevorstehende Ratifizierung des Protokolls telegraphisch angekündigt hat, womit die notwendige Anzahl von 24 Staaten erreicht ist,. Die ungarische Vermögensabgabe. Budapest, 18. August. (Uwg. Tel.-Kvrx.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde die Spezialdebatte über den Gesetzentwurf, betreffend die Vermögensabgabe des Grundbesitzes, .fortgesetzt. Mehrere Redner beantragten, daß die Liegenschaften der Munizipien, Städte und Genre i n d e n von der Vermögensabgabe befreit werden, jedoch könnten diese Liegenschaften zum Zwecke der Bodenreform im Verhältnis des Schlüssels der Vermögensabgabe eventuell Ür Anspruch genommen werden. Der Finanzminister stimmte dieser Abänderung zu. Gleichzeitig kündigte er an, daß er im Oktober der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf unterbreiten werde, wonach bei der Bemessung der Einkommen- und Vermögenssteuer die Kinderzahl der Steuerträger in Betracht gezogen werden soll. Hieraus wird der Gesetzentwurf gemäß den Ausführungen Finanzministers angenommen.« Ein jüdischer Farmer Premier in einem kanadischen Staate. M'Mtvoal, 16. August. (Jüd. Korr.-B'ur.) Im Staate Alberta in Kanada wurde eine neue Regierung gebildet, an deren Spitze der jüdische Farmer Herbert Greenfield steht. Sowohl das Parlament als auch die Regierung bestehen in der Mehrzahl aüs Farmern. Intervention zugunsten der Ostjuden in Danzig. Danzig, 17. Auust. Md. Korr.-Bür.) Die hiesige Zionistische Organisation intervenierte beim Sekretär des Völkerbundes. M. Eolban, in Angelegenheit der m Danzig wohnenden Ostjuden, die von Auswelsungen bedroht sind. M. Colban versprach sein Möglichstes zur Verbesserung ihrer Lage zu tun. Einwanderungserleichternngen für jüdische Waisen. B^lllvest, 16. August. (Jüd. Korr.-Bnr.) Dirt „Hias" erhielt vom amerikanischen Konsul in Bukarest bas- Versprechen, jüdischen Waisen'untor vier-» zehn Jahren die Visa zut Auswanderung nach Amerika, ohne die Erlaubnis aus Washington abzuwarten, zu erteilen. Kere« Hajessod i« Betzarabie«. KiMnew, IS. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Hiev wurde eine Keren Hajessod-Konferenz eröffnet, die bis zum 18. August bauern soll. Sämtliche Delegierte-n brachten die Zehntel-Steuer aus ihren Städten mit. Außerdem wurde bedeutende Spe:o^n nir den „Juwelenfonds" milgebracht.

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