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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-18 · Heft 919 (18.8.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 919 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6ett11 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng .18. August im Ar. SIS H mtiiie 11 . Eine Anterreduug Mit Außenminister Dr^ Benesch. Politische Rundschau. Der Ausstand in FünfLirchen. Die gegen die Horthh-Truppen in der Satan Y a nusg^bvochene Bewegung wird sich in Kürze legen müssen. Die Entente' erklärt, daß sie den Friedensvertrag halten müsse, weshalb das Fünfkirchner Gebiet den Ungarn zurückgegebe n werden müsse. Die serbische Regierung sucht nach einer politischen Formel, die es ihr ermöglichen könnte, den Wunsch der R.publk Baranya nach'Militärischem -Schutz zu erfüllen. Aber es ist wenig-Aussicht aus eine solche Lösung und die an der Grenze des Fünfkirchner Gebietes stehenden ungarischen Truppen unter dem Kommando des Feldmarschnlls SovS bereiten sich allen Ernstes darauf vor, die Methoden deS neumagyarifchen Regierungssystems in die Baranya zu tragen. FeldmarfchaN 'Soos nennt selbst seine Truppen eine D e r g e l t u n g s a r m e e und man braucht sich keinem Zweifel darüber hinzugeben, wie und in welcher Art sich die Vergeltung vollziehen wird, Der englische Oberst Gosset hat vor kurz m «ine Deputation der Fünf« kirchner Arbeiterschaft, die ihm ihre Sorgen vortrug, zu beruhigen verjücht und .hat mitgeteilt, daß eine Abteilung internationaler Gendarmerie tit der Baranya bis auf weiteres bleiben werde; er hat aber hinzugefügt, die ungarische-Regierung habe eine Liste von Sozialisten ausgearbeitet, die sich in Ungarn exponiert hätten; er habe vom Minister des pleußern, dem Grafen Banffy, ein« Abschrift dieser Liste verlangt, sie jedoch nicht erhalten. *' Wenn der englische Oberst seine Forderung mit der entsprechenden Energie gestellt hätte, so wäre ihm diese Liste übergeben worden und er hätte sicherlich wenigstens in bezug auf die dort verfemten Personen eine Vergeltung verhindern können. Aber, mit den alliierten Vertretern in Ungarn hat eS bisher wenigstens seine eigene Bewandtnis gehabt. Sie haben sich sehr gerne von Versprechungen betören lassen und haben sich bei vergnügten Schmausereien im Kreise der ritterlichen Tagediebe von dem Vorhandensein der Rechtsgarantien überzeugen lassen. Denn sich das Volk von Baranya nicht selbst gegen Horthy zur Wehr setzt, so wird ihm niemand helfen. Das Unglück für das Fünfkirchner Gebiet läßt sich heute noch nicht übersehen und die Ausrufung einer Republik spricht für den Grad der Panik, von der die. Bevölkern^ erfaßt ist. .Aber wenn es auch im Augenblick unmöglich ist, das Unglück abzuwehren, so könnte' doch noch immer sehr viÄ geschehen, um die Oeffentlichkeit außerhalb. Ungarns darüber zu belehren, was unter Befreiung durch Horthy zu verstehen ist.- Und in dieser Hinsicht ist es .außerordentlich charakteristisch, . daß als erstes großes Organ die Wiener „Neue Freie Presse" den Unglücklichen von Fünfkirchen in den Rücken fällt. Für die „Neue Freie Presse" ist die Revolution m Baranya gleichwertig mit dem Abenteuer d'Annunzios in Fiume, mit dem Aufstand des Korfanthy und' mit Mustapha Kemal. Die „Neue Freie Presst häuft den blutigsten Hohn auf Menschen, die in namenloser Qual die letzten Stunden vor der „Erlösung" durchleben. Sie spricht von einer „angeblich vorhandenen Furcht" vor Ungarn und für sie ist das Wichtigste das Kohlenbergwerk der Donau-D'ampfschtffahrts-Gesellfchaft, die Kathedrale und die Moschee aus der Türkenzeit. Was sich sonst rings am Fünfkirchen m Ungarn. ab spielt, das existiert für dieses Schandblatt nicht, dem der Horthy Freund..und Bruder ist, weil er Kommunisten .henkt. Wenn rm. alte« Oesterreich ein paar deutjchnatianale Couleurstudenten m Prag Krawalle provozierten und dafür verhauen wurden, dann weinte dis „Naue Freie Presst über die Unterdrückung der Freiheit. In Rußland und in der Ukraine sterben die Juden zu Tausenden in den Pogromen, in Wen schmeißt ei« antisemitischer Agent namens Wa ber Hunde rttaüserrden von Menschen, die zufällig Juden sind, ihr Recht vor die Füße, in Ungarn geschahen und geschehe« die haarsträubendsten Ausschreitungen gegen die Juden die „Reue Freie Presst weiß von alldem nichts. Sie freut sich des Dankes der Großdeutschen und der Informationen des Hegedüs. Die „Neue Freie Presse" ist das Sprachrohr jeder Gemeinheit und jeder Reaktion und es mußte nicht erst der Fall von Mnfkirchen kommen, um dies zu zeigen. Mer so klar ist das noch nie bewiesen worden, wie heute, wo alle Menschen, die bas Unglück nicht aufhalten können, wenigstes achtungsvoll schweigen. „Niemand darf glauben," schreibt hie. „Neue Freie Presse", „baß Reaktion und Ung ar'tum auch nur im geringsten miteinander zu tun halben. . Niemand darf annehmen, da ß Repressionen und peinliche - Unte rsuchungen möglich feien' als Folge einer. Rückkehr unter ungarische Herrschaft." Das steht m dem Blatt, welches selbst mitteilt, welche Wirtschaft die Magyaren in dem we st ungarischen Gebiet anrichten, das sie zu räumen haben. Dort zittert noch jetzt die Bevölkerung vor den Spitzeln, sind alle Kerker voll von politisch Verdächtigen, hat das ungarische Militär alle Telephone und alle Giseribahnschteuen ahnwntiert. Ungarn übergibt eine Wüste an Oesterreich und da wagt es dieses Platt, das man zur Schande für das Judentum mit öen jüdischen'Interessen in Verbindung bringt, seine Sympathien für die Horthy-Lumpen zu sagen, die der Benedikt so genau kennt, daß er sich' nicht nach Budapest traut. Diese Haltung der „Neuen.Freien Presse" wird nie vergessen ^werden. Es werden andere Zeiten kommen. Die Botschafterkonserenz fordert die Räumung von Baranya. Paris, 17. August. (Havas.) Die Botschafterkonferenz hat von dni Telegrammen über die Lage in Baranya Kenntnis gensmmen mur beschlossen, sofort einen Schrüt in Belgrad zu Der Wiener Korrespondent des Dudüpester christ* lich'nativnaleni Regierungsorgans „Uj R^mzedek" hatte, eine Unterredung mit dem Außenminister der Tschecho- Slylvakei Df. J8 ene sch, in welcher sich dieser über den Berlaüf und. die Ergebnisse der Beratungen in Hallstatt äußerte.. Rach dieser Mitteilung hat Minister Benesch gesagt: ... „Was den allgemeinen Charakter der Hallstätter Begegnung betrifft, muß vor allem daraus hingewiesen werden, daß wir bereits seit drei Jahren eine Politik befolgen, welche geeignet ist, die Konsolidierung Mitteleuropas herbeizuführen. Die erste Konferenz in dieser. Richtung war diejenige, welche ich vor Wer Jahren mit dem damaligen Kanzler Renner' hatte. Im Berhmfe dieser Besprechungen stellten wir die Grundsätze her Politik fest, welche wir uns bei der. Führung der Außenpolitik Oesterreichs und der Tschecho- Slowakei vor Augen halten wollen. Diese Politik wurde > dann vor etwa einem halben Jahre im Verlaufe der Verhandlungen.mit der Regierung Mayr noch mehr ausgebaut. Gestützt auf den Friedensvertrag. habe ich eine politische Richtung inauguriert, deren Wesen darin besteht, daß ein Staat immer Rücksicht zu nehmen hat auf die Interessen, des anderen Staates, ohne daß der Me oder der andere gezwungen wäre, seine Unabhängigkeit auszugrben." In der Beratung wurde die Tatsache festgehaltm, daß heute kein einziger Staat isoliert zu leben vermag. Delbst die Großmächte vermögen dies nicht, geschweige denn die kleineren Staaten, besonders, solche Länder, welche Jahrhunderte hindurch in engfter Verbindnng zu einander standen, ftie die Staaten Mitteleuropas. Im Verlaufe der Verhandlungen haben beide Parteien festhestellt, baß mit ber bisherigen Kriegsideologie aus politischen, kulturellen «nb besonders wirtschaftlichen Gesichtspunkten' ein Ende gemacht und Mittel gesucht werden müssen, damit die Staaten Mitteleuropas nebeneinander, friedlich" zusammenarbeiten können. SDie im FriehHsvertrage begründete Orientierung ist die einzige^, welche den tatsächlichen Verhältnissen praktisch entspricht «Stofe welche zur endgültigen Konsolidierung und Pazifizierung des neuen Europa zu führen ' vermag. Diese Politik deckt sich' natürlich nicht nur mit den Interessen Oesterreichs und des tschecho-slowakischen 'Staates, sondern Mit denjenigen ganz Mitteleuropas. Das sind jene allgemeinen Richtlinien, bezüglich deren wir jetzt übereingekiommen sind und welche es ermöglichen werden, im Falle des Eintrittes konkreter Fragen mit der größten Leichtigkeit ein gegenseitiges Einverständnis zu erziele». - Ich stelle mit Freuden fest, daß unternimm, nm bei der jugoslawischen Regierung auf der Notwmdiglkit der Räumung der ungarischen Gebiete rritsprechmtz dem FrietzenZvertrage zu bestehen sowie fle an die frühere« Mitteilungen über diesen Gegenstand »u erinnern. Horthy will in der Baranya henke«. 'Budapest,'17. August. (Ung. Tel'-Korr.-Bur.) Eine Re« gierungSvervrdnung bestimmt, daß das standrechtliche Verfahre« auch bei jeneu Verbrechen angtwentzrt werden müsse, die ans dem Gebiete, das im Sinne dcs Trianoner Bettrages von der serbischen Wehrmacht geräumt -werden muß, fest dem 81. Oktober 1916 btchrrfs Usmpierung des behördlichen Wirkungskreise», der Errichtung. Aufrechlerbaltang oder Wiederherstellung einer gesetzwidrigen Herrschaft begangen wurden. Unzufriedenheit der ungarische« Protestanten. Aus Budapest wird uns berichtet: Dieser Tage fand in Szegiard die feierliche Jnstall.it on des neugewählten Kuratordes Tolnaer reformierten Kirchendrstriktes, Dr. Alexander B e- Netze k, statt. In seiner Antrittsrede befaßte fich Dr. Benrdek mit tzer schlechten Behandlußa. welche der protestantischen Kirche iy Ungarn von den derzeit führenden Parteien zuteil wird. Bus se ner Rede rrfäbrt man. daß Ungarn infolge des Trianoner Fttedensvettrages nicht weniger als 1078 reformierte Gemeinden mit nahezu einer Million Gläubigen verloren hat. Benedrk wünscht, daß dje kirchliche Einheit mit den adgetrenntm Gemeinden aufrechterhallen bleibe. Einer scharfen Kritik unterzieht der neue Kurator tzey Ge» ' setzentwurf über das ungarische Oberhand, der den beide» protestantischen Kirchm nur je vier Sitze sichert, gegenüber je sechs Sitzen im frühere« MagualenhauS, pnd tzieS zur selben Zeit, wo die Prozrntziffer der resormietten LandeSbevölkeruyg infolge der territorialen Zersplitterung deS Landes von 14% . auf 21% Prozent gestiegen ist. Die Protestanten sind bei diesem zur Stärkung des Katholizismus geschaffene» Gesetzentwurf «och glimpflich davongelommm. De» Juden wurde, wie bereits berichtet, überhaupt kein Sitz uv neue« «ugqrische« Oberhaus emgeräumt. Handlung konkreter Fragen kommen wird, die Staatsmänner beider Republiken Mt der größten Offenheit, und Loyalität einander begegnen werden. Zwischen beiden Staaten besteht eine enge. Verbindung, besonders in wiktscha ft\ichex Zuziehung, so daß die Möglichkeit einer künftige« Freundschaft schon heute ans der Hand'liegt. Das Wichtigste ist, daß man in Oesterreich über unsere Orientierung im Reinen sei, so wie die maßgebenden Faktoren unserer Republik gleichfalls in voller Kenntnis bor Intentionen der österreichischen Staatsmänner sind. Die jetzige Begegnung wird die günstige Wirkung haben, daß die führenden Staatsmänner ber beiden Republiken die gegenseitigen Absichten genau erkennen." Auf die Frage, ob Oesterreichs der kleinen Entente beigetreten ist, beziehungsweise ob die Hallstätter Be? ratungen irgendeinen diesbezüglichen Beschluß brachten, antwortete Benesch: „Wenn von der kleinen Entente die Rede ist, muß vor allem bedacht werden, daß siekeine militärische Konstellation ist, sondern einden' politischen Verhältnissen entsprungenes Gebilde, dessen Zweck dte Pazifizierung Mitteleuropas ist. Wir sind dafür, daß in Mitteleuropa die Ordnung, die Ruhe wiederhergesteM und der .Friede gesichert werde. Das Verhältnis Oesterreichs zur tschecho-slowakischen Republik ist ein ausgezeichnetes, Nicht minder auch zu Rumänien und Jugoslawien. Alles iMallem kann gesagt werden, daß dte Beziehungen OeMreichs?,ur kleinen Entente die besten sind. Hinsichtlich der Konferenz von Portorose * bemerkte Minister Benesch: Es gibt noch! immev Schwierigkeiten, in dieser Beziehung wohl nicht zwischen Oesterreich und der Tschecho-Slowakei, sondern allgemeiner Natur. Daß größte Malheur ist, daß die Konferenz immer verschoben wird und doch liegt ihre Abhaltung nicht nur jm höchsten Interesse Oesterreichs, sondern auch der tsch echo-slowa ki sche n Republik. So oft ich /Gelegenheit hatte, in den Hauptstädten der Ententemächte, in London, Paris- und Rom über diese Frage zu sprechen, habe ich alles an« gewendet, damit die Konferenz so rasch als möglich verwirklicht werde. Sollte aber die Konferenz bis zum Herbst, für welche Zeit sie geplattt ist, mchjt abgehalten wachen, so werden soir > direkte Verhandlungen mit Oesterreich beginnen, in welchen wir alle jem Fragen behandeln werden, welche'Gegenstand dar Konferenz von Portorose bilden sollen. Ich hoffe, daß, wen« wir mit Rumänien und Jugoslawien zu entsprechenden Abmachungen gelangen, dies auch mit Oesterreich der Fall sein wich" Rach -er Sitzung des Oberste« Rates. Aus London Wird berichtet: Premierminister Lloyd George legte in seiner UuterhauZrede auch die Gründe für die Aufhebiuq der wirtschaftliche» Sanktionen da« and bemerkte, bah die militärischen Sanktionen auf der nächsten Konferenz deS Obersten Rates zur Sprache wmme« sollen, daß sie jedoch jedenfalls auf da» geringste Maß ein geschränkt werde« würden, da ihre Koste» zu hoch seien. Lloyd George sprach sodann über di« Sicherheit Frankreichs und führte aus, man begreife durchaus die Ne rvofität dev Franzosen, (gustimmung.) Die Erinnerung^ an die Ereignisse der Vergangenheit erkläre es, daß man in Frankreich berechtigte Befürchtungen für den Fall hege, daß Deutschland seinen Angriff,wiederhole. Rach der Meinung des Rednerhänge Frankreichs Sicherheit von drei Bedingung«» ab:va«der Entwaffnung Deutschkands, dt» von der britischen Delegation übrigens ber alle« Tagungen des Obersten Ratebeharrlich gefordert worden sei, von der Wiedergutmachung d»r Sch ä d e n, die Deutschland verursacht hat, Mtz van der Gewißheit, daß jeder Staat, der künftighin eine« ungerechtfertigten Angriff unternimmt, zahle« müsse, wie'immer auch die Anfangserfolge ftfcn, Hierauf befaßte sich Lloyd George mit der kl «Inas ra tischen Frage und e«klötte. die Zeit für ttne Vermittlung sei noch nicht gekommen. Wenn sie da sein werde, werde man sicher qy die Revision des B e vtr agevon SedreS schreiten müsse». De« Premierminister verwies sodann Ms die furchtbar« Hungersnot in Rußland und hob die Notwendigkeit hertzov, zu verhindern, daß Europa von den dort herrschenden Epidemien hetmgesucht werde. Dazu bedürfe es aber einer gewaltige« internationalen Krastanstreirgmig- Di« Frage der Kriegsschuld«« her einzelnen Regierungen werde durch Verträge zwischen den Ländern geregelt werde«. Für de« Augenblick handle es sich darum, pv« der Sotv je treg t erun g zu verlangen, daß st« ihre Schulden anerkenne. Allerdings gebe es Tausend« von FxwnzojjeN, di« Lchwcz^t jhr^n. letzten .horgoge-e« haben. das gegenseitige Vertrauen immer gefestigter wich, und daß, wenn es zur Be- WlW>»WWW»W>WW«»v>«0«>>a«>«W>WWW>WWW«WW»«WWW>>Wll>MaW 4

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