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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-18 · Heft 919 (18.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 919 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fBMt, DMMMNU «cetiet Morhenzettung 18. Mgüft LM SeNA Ed Der Stand der Hilfsaktion. am Rußland zu Hilfe zu kommen- Die Sotvjetregierung [ müsse erMen, daß sie bereit sei, die Verpflichtungen gegenj über diesen Deuten anzuerkennen. j Nachdem Lloyd George noch über die innere Lage! Großbritanniens^ gesprochen hqtte, schloß er: Der Krieg j hat Verpflichtungen mit sich gebracht. Auch die Washingtoner Konferenz wird nicht genüge«, wenn nicht eine d ruer nde Wachsamkeit im Wege des Bundes der Naj tion en ausgeübt svird. Nach dem Premierminister ergriff As quith das Wort und erklärte, man müsse die besonders lebs)afte Empfindlichkeit der Franzosen betreffs ihrer Sicherheit in dev Zukunft durchaus begreifen; denn sie stünden einer Gewalt gegenüber, di« eventuell wieder drohen könnte. Die Franzosen wüßtenwohl/ wie schrecklich die durch diese Gewalt verursachten Zerstörungen seien, die nach zwei Jahren der Wiedergutmachung und des Wiederaufbaus noch immer offen zutage liegen. __ Die Wilnaer Bevölkerung Mr den General ZieUgowjki. Ans Warschau wird gemeldet: Am \k d. fand in Wilna ei« Kongreß der Delegierten des 2t'ilnaer Stadtrates und der dortigen KreisauSschilsse unter Vorsitz des Präsidenten der Stadt Wilna, B a n k o w s k i. statt. Der Korcyeß billigte vollkommen das Vorgehen des Generals «nd wies das Verlangen des Völkerbundraies nah Entwaffnung der Truppen de- Generals eutschieden zurück. Die Wünsche der Bevölkerung sind auf emc enge V.rewigang mit der polnischen Republik gerichtet und der Kongreß fort ert die polnische Regierung und General Ziei'.gowstl auf, alles mögliche zn tun, um diese Wünsche z« verwirillchcn. _ l^in Komitee für den Entwurf einer Verfassung in Palästina. Jerusalem. 16. August. (Jüd- Korr.-Bur.) Die palästinensische Regierung h it soeben eilt Sonderkomilee zur Beratung und Vorbereitung emes Entwurfs sür die Versafsung Palästinas eingesetzt. Herbert Samuel lud 30 christliche und mohammedanische Notabeln zur Mitberatung in diesem Komitee rm. (Die Tatsache, daß i ic jüdische Bevölkerung in diesem Komitee nicht vertreten ist, bestätigt die frühere Meldung, daß der Äaad Leumr an seinem ablehnenden S:andpunkl gegenüber der Errichtung eines Parlaments m Palästina vor der Ratifizierung deS Mandats festhält. Die Red«) _ Das Gerichtsverfahren über die Exzesse i« Jaffa. Jin Zusammenhang mit den Jaffaer Exzessen wurden etwa 300 Personen, Araber und^ Juden-, verhaftet. Bis Ende Juli wurden davon 95 Inden und 4<t Araber abgeurteilt, je 7 Juden und Araber wurden fteigesprochen. Die Hauptbeschuldigung gegen die Juden war Widersetzlichkeit gegen Befehle der Behörden oder das Tragen von Waffen. Einige Urteil« gegen die Juden find sehr streng und wurden vom Appellationsgericht derart ab geändert, daß aus der .Art der Abänderung schon hervorgeht, daß sie vom Appellationsgericht für ungerecht angesehen wurden. So wurde einem Juden, welcher wegen unberechtigten Tragens einer Uniform zu drei Monaten Arrests verurteilt worden' war, diese .Strafe vom Ilppellationsgericht in eine Geldstrafe von 1 Pfund umgewandelt. Diese Umwandlung von Gefängnisin verhältnismäßig kleine Geldstrafen kam öfters vor. Von den fünf Juden, die eurem Spezialgerichtshof überstellt waren, ^wurden zwei fveigesprochen. Bon den zwei Arabern, die sich' vor» dem speziellen Gerichtshof zu verantworten hatten, wurde einer zu 13° I a hr en, der andere zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Lage der Juden in Lettland. Riga, 15. August. (Jüd. Körr.-Bur.) Die in der jüdischen Presse erschienenen Berichte über die antisemitische Politik der lettischen Regierung veranlaßt« den Ministerpräsidenten Meierowitz zur Einladung aller jüdischen Abgeordneten zu einer Besprechung, in der er ihnen namens der Negierung versicherte, daß eine solche Politik der lettischen Regierung fernliege und baß alle auf die Bürgerrechte der Juden in Lettland bezughabenden Fragen zugunsten der Juden werden gelöst werden. Die angedrohten Ausweisungen der, sogenannten „Fremden" werden, nicht stattsindan. Aus die Beschwerde der jüdischen Deputierten über die antiseniitlschje Agitation in der offiziellen Presse sowie über die Behandlung der aus Sowjetrußland nach Lettland heim kehrenden jüdischen Flüchtlinge durch den lettischen Konsul ln Petrograd versprach der Ministerpräsident die sofortige Einleitung einer Untersuchung und die Bestrafung der Schuldigen. ' Neue arabische Gegner. New-Uork, 15. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Seit einiger Zeit crsthrinen hier mehrere arabische Blätter, die dem Zionismus und der jüdischen Arbeit in Palästina besonder«! Aufmerksamkeit widmen. Diese Zeitungen — „El Äoyan", „Meraat ul Äharb" und „Syrien Eagle" — stehen den jüdischen Bestrebungen ebenso ablehnend gegenüber wie der Großteil der arabischen Presse in Syrien selbst, wenn auch die diesbezüglichen Fragen n'cht mit der gleichen Gehässigkeit wie in Syrien behandelt werden. Df j La«, 17. August. (Funkspruch.) Ein Bericht über den derzeitigen Stand der Hilfsaktion für dio Hungergebiete in Rußland besagt folgendes: In dreißig Tagen müssen st Millionen Pud Getreide in die Wolgagebiete gebracht werden, was eiwsr Tagestransportleistung von 300 Waggons gleichkommt. Bisher beträgt jedoch die höchste Tagesleistung erst '50 Waggons. Von den 28 Gouvernements, die sür die Hilfe in. Betracht kommen, sind erst sechs in Tätigkeit. Diese sechs Gouvernements (Kursk, Qrlow, Tula, Tambow, Smolensk und Hom-el) müssen 4i/z Millionen Pud, das ist die Hälft-e des Gesamtbebarfs, aufbringen. Regelmäßig liefern aber bisher nur die Gouvernements Tula, Orlow und Kursk, die übrigen drei genannten senden nur unregelmäßig Lebensmittel ab. Die restlichen .22 Gouvernements treffen erst Vorbereitungen für die Ablieferung. Am hervorragendsten hat sich Tula beteiligt, das bereits sechzig Prozent der dem Gouvernement vorgeschriebenen Menge abgeliefert hat. Herabsetzung der Rations«. Mokru, 17. August. (Frmkspruch.) In Petersburg, Kronstadt und anderen Städten der Gouvernements Moskau und .Petersburg wurden die erhöhten Fisch- und Zuckerrationen aufeinDrittelherabg setzt. In Moskau traf.eine Probe des „Hungerbrotes" aus den Wolgagebieten ein. Dieses Brot besteht aus Moos, Baumrinde und Mehl. Die Bevölkerung nährt■ sich vielfach auch von grauer Erde, die als nahrhaft bezeichnet wird, und einen Preis, von 500 Rubel für ein Pfund erzielt. Die russischen Kommunisten lehnen die Hilfe der Regierungen ab. Beschluß der Exekutive. 17. August. (Funkspruch.) Das engere Bureau der Exekutive der kommunistischen Internationale faßte folgende Resolution: Eine Anzahl von bürgerlichen Regierungen, die am Anfangs wenigstens in Worten bereit waren, Sowjetrußland zn helfen, fangen jetzt an, ihre Gegenrevolution ärvn, interventionistischen .Absichten zu äußern. Es stehen damit im Zusammenhang die Schwankungen der verschiedenen Parteien und Gruppen der zweiten Internationale und der Internationale Zweieinhalb. Die Exekutive besteht darauf, baß wir diesen Parteien und Gruppen Vorschlägen, gemeinsam die Hilfe an Svwjetrußland zu organisieren. Aber die eine Be- »M»»W»>»»»lM«rS»KL»l>WWW>WW»>»W>WW>WW>W>W>WWW>WW Inland. Die Forderangen der Eisenbahner. Bvrausfichtliche Auszahlung uom 2000 Kroue« a« heutige« Lag«. Der Hauptausschuß de- NationalrateS hat sich SamStag auch mit der Forderung der Eisenbahner beschäftigt, die sür den Monat August, so wie es für Juni und Juli der Fall gewesen war. einen Vorschuß van kl 2060 für jeden Bediensteten aüf die Durchrechnung der ihnen nach der Besoldungsreform zukommenden Bezüge verlangt habe». Der Hauptausschuß hat einen in diesem Sinne gehaltenen, von sozialdemokratischer Seite gestellten Antrag abgelehnt, dagegen einen Antrag angenommen, der die Regierung beauftragte. Verhandlungen bezüglich einer einmaligen Remuneration a« die Berkehrsangestellten „für besondererhöhte Leistungen anläßlich des gegenwärtig gesteigerten Verkehrs* zu führm. Hierüber 'haben gestern im Berfehrsmnnsterium mit den verichicdrnm Organisationen der Veikehrsbedienstclen mehrstündige Beratungen stattgefunden, in denen die Vertreter der Organisationen unbedingt an dem Betrage von K 2000 srsthielte«. Die Verhandlung brachte kein sormelleS Ergebnis, da der Vertreter des Finanzministeriums Märte, neuerliche Weisungen einholt« zu müssen. Aus dieser Sachlage enstanden gestern Gerüchte, daß möglicherweise mit einem Eisenbahnerstreik zu rechnen sei. Es hat den Anschein, daß die Forderung der Eisenbahner {w einem gestern abgehaltenen Mmistrrrot vollinhaltlich bewilligt worden ist «nd daß der Unterschied gegen früher nur in der Begiünduug des Anspruches auf diese Zuwendung als Remuneration sür erhöhte Leistungen anläßlich des „gegenwärtig gesteigerten Verkehrs* zu suchen ist. Im Hauptausschuffe wurde« Mitteilungen Über die finanzielle Belastung durch diese neuerliche Forderung der Eisenbahner gemacht. Die 2000 Kronen für den Kopf mache» im Monat rund 150 Millionen Kronen aus. Es ist wohl berechtigt, nachdem diese Forderung nunmehr bereits seil einer Reihe von Monaten geltend gemacht wird, sie als eine dauernd wiederkehrende AuSgabepost aufzufassen. Für die Eisenbahner allein beträgt dieser Aufwand jährlich 1'/« Milliarden Krone«. dinguirg müssen wie immer aufrech"keryalten: Die Hilfe darf keinesfalls durch' bürgevlicheRegi«- xung e.n geschehen, sondern Muß durch eine speziell* interparteiliche Stelle erfolgen, hie von allen Ärheiterparteien eingesetzt werden müßte. Die russisch-amerikanischen Verhandlungen. WuMUgtan, 17. August. (Funkeruch'.) Die Verhandlungen zwischen den amerikanischen und russischen Vertretern in Riga sind auf einem lote« Punkts angelangt. Es wird von der Moskauer Regierung abhängen, eine Fortsetzung der Verhandlungen zu ermöglichen. Barrikadenkämpfe in Wladiwostok. Mo. Int, 17. August. (Funkspruch.) Wie aus Wladiwostok gemeldet wird, sind infolge des Vorgehens der Weißgardisten gegen hie streikenden- Arbeiter diese zum Kampfe übergvgangen, indem sie Kraftwagen überfielen, Milizsoldateu erschlugen und auf die elektrische Station Bomben warfen. In den Straßen der Stadt tobt ein Barrikadenkampf. Die Weißgardisten hoffen, daß die Japaner vingreifen werden. Lloyd George über die ruffische Hungersnot. Die Gefahren der KatNste»phe. Äoirchisrr, 17. August. '(Wolfs.) Am Schlüsse seiner Rede sprach Lloyd George über die Hungersnot in Rußland. Er sagte, es sei überaus schwer, Nachrichten aus Rußland zu erhalten, aber alle Meldungen beuten auf eine entsetzliche Katastrophe. Die englische Regierung habe eben von Hodson ein Telegramm erhalten, der seinen Bericht mit dem Hinweis darauf abschließe, baß 35 Millionen Menschen um Hilfe schreien. Die Bewohner der vom Hunger betroffenen Bezirke beginnen einzusehen, baß es uulmöglich sei, ihnen rechtzeitig Hilfe zri bringen mtfr sie wandern daher nach verschiedenen Richtungen, nach' Kurdistan, Syrien und anderen Ländern aus. Die MensHerr seien gezwungen, Gras «tnd Wnrzvlrr zu essen. Es sei unmöglich zu sagen, was man-tun solle. Das Unglück sei Plötzlich gekommen und, wes Europa anbelangt, -ohne Warnung. Der Oberste Rat habe verschiedene Vorschläge gemacht- Die Hungersnot könne leicht zu einer der größten Geißeln dev .ganzen Welt werden. Ein so niederschmetterndes Unglück müsse frei vvn Vorurteil und nur geleitet von den Gefühlen der Sympathie betrachtet werden. Nos >>>>Wi'M-M>>8>>>«W>>UW>W>>>WWW>WW>>WWWLAl 11II.11!f Telegramme RBttffl Alexander. Belgrad, 17. August. (Preßbureau Belgrad.) Gestern abends trat der Mnisterrat zusammen «nd verfaßte eine Proklamation, in der der Tod des Königs Peter »nd der Regierung Santrilt des Königs Alexander nach Artikel §6 der Verfassung mitgeteilt und bekanntgegeben wirb, daß bis zum Eintreffen des Königs Alexander der Ministerrat Nach Artikel 59 die Regierungsge Walt ausübt. Die Nationalversammlung wird sofort einberufen werden. Präsident Dr. Hrib ar.und die abwesenden Minister und Abgeordneten wurden telegraphisch nach Belgrad berufen. In der ersten Sitzung der Nationalversammlung - wird König Alexander den Eid auf die Verfassung ab-- legeir, worauf die Abgeordneten beeidigt werden. Sobald König Alexander in Belgrad eintrisst, wirb -er Tag des Begräbnisses festgesetzt werden. Heute vormittags weröen die Minister, di« Beamtenschaft und die Belgrader Garnison den Ad ab legen. Die Beisetzung König Peters. Belgrad, 17. August. (Preßburean Belgrad). DaS Leichenbegängnis des Königs Pctrr findet Montag.de« M. d. M. statt. Die Leiche wird mit der "Bahn nach Mladenovac und dann mittels Automobils nach Topola überführt, wo die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt. König Alexander, der sich in Frankreich aufhält, ist vor ei«igen Tagen an Blinddarmentzündung erkrankt. Da auf Anraten der Aerzte absolute Ruhe notwendig ist, kann er n'cht in die Heimat zurückkehren, um dem LeichenbegLngniS seines Vaters brizirwohntu. Dl« Lag« in Marokko. Lo«d>«, 17. August. (Fnuksprnch.) Der Korrespondenz der »Times" meldet ans M e l i l l a, daß die Spanier sich rin? mehr in Melilla und der nächsten Umgebavg der Stadt Hallen. Verstärkungen treffen ein und es wird m nächst« Zeit eine allgemeine Offensive geplant. Her moderne Raglanstoff aus England olngolangt. Stadt-Resten messe Französische Velours für Mäntel und Kostüme. 1949

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