Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 917 (16.8.1921)
- Date
- 1921-08-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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0tttc 4 Wien, Dienstag Wiener Morgerrzeitrrng 16. August 1921 Rr. 917 Tagesbericht. Zum XU. Zionistenkongretz. "Wie Ms aus Karlsbad berichtet wird, sind dort bereits viele hervorragende Periönlichkeiten der zionistischen Be« wegvng zum Kongreß eingetr offen. darunter Baron James de Rothschil d, Ing. U s s r s ch k i n und Ing. T i o m kim. Die Ankunft Dr- W e i tz m a n n s wird täglich erwartet, da er dort die bis zum Kongreß freigebl-ebene Zeit als Kurgast zubringen wird. Die sran-öfischen Zionisten' wählten Dr. Max Jordan vnd Dr. Alexander Marmore! als Delegierte -um HI. Zivnisienkongreß. Als Ersätzdelegierte wurden Doktor Jacobson und M. Weil (Elsaß) gewählt. Dr. Max Nordäu wird ans' Gesundheitsrücksichten nicht fahren können, da -bm -re Aerzte jede Reise und jegliche aktive volltische BetätigMg strengstens untersagt haben. Ein jüdisches Exekutivkomitee auf — christlicher Grundlage. ' In dem Nachruf, den die „ReichspofS dem Antisreimaurer- Don Quichotte Dr. W r ch t l gebasten bat. mußte das klerikale Blatt: selbst zvgeben, daß er »m a n ch e s ü h e x s a b, f a l s ch d c ü't e t-e. v e r k e h r t a n wendete" . . . W'.e euphemistisch d'ese Charakterisiemna einer „Forkcher"metbodr war. die das Ergebnis zeitigte, daß' die Freimaurer« das „Erefirivkorniste des — Judentums" ist, zeigt jetzt em Achtel, der durch die Mionalistisch-reakttonüre Tagespreise Deutschlands dw Runde M!icht> ünb um die Unterstützung dieser Presse wre -'e; Oesfentlich-, keir ^m devä aufrechten Kampfe der t r e u d e u t s ch e n F r c im aur e r um Lüge und Verrat" wübti JndiesemAuffatz nennk sich die große Landesloge der Freimaurer von Deutschland» die mit der Großen nationalen Mutterloge genannt- »zu den drei Weltkugeln" und der großen'Loge von Preußen, genannt ..zur' Freundschaft", rm Großlogenbund vereinigt ist, eine Ir e'ü de u t s ch e Verernrgung: streng - N ät: o n äl gesinnter Männer aus ch r i st ll ch e r? Grundlage! Und in diesem Bekenntnis steht dieser Logenhund durchaus nicht vereinzelt da. sondern weiß sich in Ueberrrnstimmnnq mit anderen, aus nationaler und ch r i,st- L i ch' e t Weltanschauung stehenden d e u t s ch e n Grvßlogen in der Verachtung aller jener schamlosen Kreise, die in phantastischen WrltberbrüdmmgSträumen als P a z i f i st e n oder als I n t e rn a ionak iften gröberen Kalibers ihre vaterländische Ehre verlettgnet haben". Wer diesen Jargon kennt, steht sofort, daß hier eine verblümte Umschreibung des »Juden hinaus!" - versiegt, und''-kann schon den Tag berechnen, an dem dieser latrgörsiche Imperativ unverblümt erschallen wird. Wir Juden können diesem Tage ohne besondere Aufregung entgcgenfebrn. Wer die Bedeutung des Freimanrertums kennt, wnß/vdaß es sich hier lediglich nm die Frage Handelt, ob ein paar' Gebeim- und Wichtigtuer fürderhin mit o er o h n^e I u'1> e n" t a t # ck i e r e n wollen .. . . Viel härter als wir. ist der christliche K l e rr k a l i s m u s durch das christlich-nationale Bekenntnis der Freimaurer geschädigt. „Fallen >iehr er Zweig aus Zweig". Zuerst hat er den Kampf gegen die .Heren!' einstelle» müssen und jetzt geht auch «och der beliebte Momo der Freimaurer ei — beinahe batten wir gesagt: zum Teufel! Aber das Malheur ist ja gerade, daß er das nicht mehr tut, sondern fromm geworden ist, so romm, daß sich, »och eines Tages die »Reichspost" wird ent- , schließen müssen, für ihn Propaganda zu machen — als das ruhmgekrönte, unvergleichliche »Exekutivkomitee der antisemitischen A r i e r". An gewandten Federhelden, diesen Umschwung in die Wege zu leiten, wird eS dem streit-! baren Klerikalismus sicher nicht mangeln. Der Wichtl ist toi — j es leben dir Wichte! Bogelfreihett. Die Wiener Aountagsblätter berichteten eine rührmrüe Geschichte von der Rettung durchnäßter und erschöpfter — 'Spatzenaus Sturmesnot durch ein PolizeWmmrssariak. Die Tiere Sonnten nicht mehr fliegen und waren in größter Gefahr, eine Beute der Gassenjugend zu werden. Da öffneten ihnen die Hüter des Gesetzes die gastfreundlichen Räume des Pvlizeiarreftes und die Vögel waren geborgen. Mancher heim- und obdachloser Zeitungleser wird dadurch vielleicht zu philosophischen - Betrachtungen angeregt werden, um .wie viel schwerer es ihm gemacht wird, ein wirtlich Dach über Jein Haupt zu bekommen. Wohl öffnen sich Polizeikokter und Gefängnis in unserer herrlichen Welt auch dem Menschen rnr allzn oft als letztes Astzl, wenn die Stürme des Lebens d-ie Schwmgrn, seiner Seele gelahmt haben. Doch geben ihn hü- Pforten, die einmal hinter ihm geschlossen wurden, v/rf-t h rasch wie die glücklicheren Vögel wieder frei, sobLlr> sich Nacht und Grauen verzogen haben, sondern scheiden ihn fortan auch von Sonne und Licht. Noch grausamer ist aberdas Los der Schuldlosen, die sich im Sturm und Drang des irdischen Geschehens ausgeschlossen finden aus > allen schirmenden Mauern und von der wärmenden Glut eines gastlichen Hetties. Es liegt etwas Symbolisches in dem Zufall, daß wir am selben Tage, an dem die «Herzige:" Spatzengeschichte das Entzücken aller Wiener Zeitungsleser bildete, das Granen der unferigen durch die Schilderung der furchtbaren Lage der von. der amerük nnis chcn Im migr atio « s sp er re getroffene« Juden erweckten. Wir. brauchten aber gar nicht fo weit zu gehen: In Oesterreich -nacht ein famoser Hüter der Gesetze darüber, haß die Humanität, die seine Exekutivorgcuv den Spatzen bezeigen, nicht -- Gott behüte! — auch den von jähen Krjegsstürmen Möller Vor Vetzlmi 6er Messe erscheint unser in Massenauflage und wird allen Besuchern der Messe zugesendet. Wien« MoMWMAg QZUjji, j&eortfixet .1-0.3Ä. 44eös.433l9. 1 WWW •rr?*' Allen Firmen die in unseren Messe-Numijnern annoncieren gebest wir kostenfrei ein Inserat im „Messe-Föhrer“ * 580 T> " ■ i - - - .. - e- - 7 ^' rauh erfaßten und h-i-eher verschlagenen- In den. zugute kommt. Die werden in. aller Gewissensrnhe der Brutalität nattonälistischer Straßenjungen prcisgegeben. Die MeuschkkchkkL>> die ore Simmerrn^r ProlLtarierklnder um. 5in frugales SpatzeugAlasch gebracht hat, reicht leider nicht so weit, auch politischen Freibeutern ihre demagogischen Leckerbissen .-,KN j versalzen. Denn -Oesterreich ist ein nach „sittlichreligiösen" und „grrmanisch-idealiftisch?rt" Prinzipiell regiertes Land, in dem das Sp atzen essen als Barbarei verrufen, das Juden f re ss En aber eine die höchste,i Ehrenämter erschließende Ruhmestat ist . .. , - Der Br^ef des „VaMpirs". , Der RanbanfaL auf dem Alsergrund aufgeklärt. Genau vor Monatslrist hat een Raubanfall, der ganz nach der Art des vom , Juwelier M a r che s i n i augezettelten Komplotts ausgejührt worden war, in Wien großes Aufsehen hervorgerusen. Im Hanse Währingergürtel 164 war am Juli-zur Mittagszeit in der Wohnung dcs Kaufmanns Jakob I s r a e l die Hausgehilfin Therese F a n n i n g e r von zwei Fremden geknebelt und gefesseltwordeu. Dje Erhebungen wurden mit allem Nachdruck ausgenommen und führten jetzt endlich zur Aui« rlnrung deS Ueberfalls. In den letzten vierzehn Tage» kamen i« Gntenstein verschiedene Diebstähle vor, die Unruhe hervorriefen. So kam einer Lehrerm bei' einem Sommerfest em Handtäschchen mit mehrere» tausend Kronen äbhirudcn und einenl Hauplmartn a. D. wurde eine Brieftasche mit etwa K 15.000' und »eMiedencn Dokumenten ge* stöhlen. Dieser Diebstahl wurde in der. Badcansialt verübt. Der Gendarmeriepostru 'm Guteustcin hat bald danach die in einem Guttenfteintt- HötMÄoihnhäflm jugendlichen „Sommergäste", den 17jatzrigen' Handelsschüler Kmik Winik ^und feinen Kollege«, den 17j8hügrn Franz T o w-i n und dessen »F r e u n d i n", die lljähtige Paula verhaftet und dem Bezirksgericht Gutenstein eingelrefert. Dort waren'sie^ durch acht Tage bis zum 14. d. M.. in Hgft. -- ' » •' Gestern.erhielt nun Czerbik einen mit roter Tinte geschriebenen, mit einem T o t e« k<o v f bemalten und mit »D a m p i r" unteriertigten Brief, in dem der Schreiber mib» geteilt har, daß der Msender im Dorotheum, als er »die bewußte Sache" verlangt habe/Mßttauisch bttrüchtet worden fei, so daß er es für ratsam gehalten habe, zu flüchten, dadurch A er um seinen »F r tz e n" gekommen. Der Gutensteiurr Bezirksrichter sandte den Brief an die Wimer Polizeidirektion. Es gelang, den Briefschreiber in der Person des 16j8hrigen Handelsschülers Alsons S i e h e u h a n d e l, XVM. Maynollogasie wohnhaft, zu ermitteln Er machte beim BerhLr das überraschende Geständnis, daß seine in Gutenstein in Haft befindlichcn FreMde dcn U e b e r f a ll a* die Fanninger begangen haben. Er selbst wurde erst nachträglich m die Sache eingeweiht und hatte den Auftrag bekommen, den« Erlös eines dem Dorotheum zur Versteigerung übergebene»! phothographischen Apparats, der aus'der Beute stammte, bei drrl Anstalt zu beheben. Hiesür hätte er dm »Fetzen" (K 1000) beiommcn. Nunmehr wurden er und seitte Freunde dem Wiener. Zicherheitsbüreau überstellt, vor dem ste em umfassendes Ge-'! ständnis ablegten. Paula K. ist eine Verwandte der Familie. Israel. Sie hatte mehr aus Unverstand 'als aus Schlechtigke^ den beiden Burschen nähere Emzelheiten, derm Kenntnis zur , Verübung der Tat notwendig war, verraten. Briefmarder am Südbahnhof. Die Polizeidirektion gelangte in den letzten Tagen, zur Kenntnis, daß der beim Postamte Südbahnhof be-- dicnstete 20jährige Aushilfsdiener Franz Wersch n\t verschiedene Diebstähle an Wertsendungen begangen Hatz und daß der Schaden beiläufig eine halbe Million! Kro nen betrage. Die Erhebungen ergaben, daß er vor! einigen Wochen im Postamte Südbahnhof aus einem angeblich schon entleerten - Postsacke vier rekommandierte Briefe sich angeeignet hatte, die Schecks, auf 300.000/ 7000, 5000 und 3000 Kronen lautend, enthielten sowie einen Scheck auf 1000 Mark und einen auf 800 Leva^ Die Kriminalbeamten brachten in Erfahrung, da^' er von dem eingewechselten Golde 260.0M Kronen seiner: Geliebten, der 21jährigen» Maria Fei gl, Meidlingrr Hauptstraße 39, zur Aufbewahrung übergeben habe. Die Feig! brachte den Betrag ihrem Bruder, dem 17jährige» Fleischhauergehilfen Matthias Feigl, zur weitere« Auf» bewahrung. Franz Werschnik und die Geschwister Feigst wurden verhaftet. Bei seiner ^Einvernahme legte Werschnrk erst. ständnis ab. Er gab die Diebstähle z« und erklärt^ die, Schecks ohne Anstand in der Berkehrsbank auf dev Wipplingerstraße eingelöst zu haben. Auch gestand er dech Diebstahl eines. Wertpakets mit 260,000 Kronen und; verschiedenen Schmuckgegenftänden und eines Wertbriefes mit 250 Rubel ein. 100.000 Kronen und die Lbv Rubest sowie verschiedene Schmucksachetr wurden sichergestellt. Werschnik und Jbte beiden Feigl wurden gesteritz dem Landesgericht eingeliefert. * Die Erhöhung des KollegiengelVrS. Sämtlich» jüdischen Hochschüler, die vom Erlaße des. Buudesmmistmuurs für Unterricht, betreffend die Erhöhung des Kolleaienarlde-, betroffen!', erscheinen und eine Ermäßiannq, beziehungsweise Gleichstell»»a> mit den Inländern anstreben, werden im eigenen Jntereffe daranfausmerksam gemacht, daß ein von der Heimolgememoe aus-' gestelltes Mitte llosigkeitSzenguiS nnbedmgte! Voraussetzung für eine derartige Begünstigung ist. Konferenz der thorgtreuc» Jude« Ar Böhmens Mähren und Schlesien in Brün«. Sonntag den 17. September! l. findet in Brünn eine Konteren; der thoratreüen Judm vom Böhmen, Mähren und Schlesien statt. Auf der Tagesordnung: sieht unter anderem die Schaffung einer Zentralorganisation der' tbvratreuen Jtrdm. Anmeldungen sind an dm Vorstand der. Machsike Hadas> Brünn, Adlergassc 9, zu richten. * Sterbefall. Sonntag nacktS ist hier plötzlich Frau Eillp- G uns b erg, ged.Kovpelmann im L5. Lebensjahre verschiede«.! Das Leichenbegängnis findet heute um 7*10 Uhr vormittags auf' dem neuen Friedhof (drtttes Tor) statt. * Begräbnisse am heutige» Tage. A l t e r F r i r dh o f: 9 Uhr Taufflg Hugo, 9 Uhr 30 Mm. Weiß Emilie,. 10 Uhr Wiener Leon. — Neuer Friedhof: 9 Uhr 40 Min. GünSberg Tillh, 10 Uhr Körner Benedikt. * DaS Wetter. In Oesterreich hat es sich teilweise anS-: geheitert. In W i e u stieg die Temperetar mittags bis 80'4°. im: übrigen. Mitteleuropa herrscht noch trübes, regnerisches Wetter.. Voraussage: Befferung des Wetters, jedoch vermutlich nicht vonlanaerDauer, zunächst geringe oder veränderliche' Bewölkung, früh kühl, später wärmer. * ©U Bahnfahrt Lundenbnrg — Wie» ist mkt tschechischem Geld zu bezahle«. AuS Wien wird gemeldet: Ueberraschendeiweife ist jetzt in der Station Lnndenburg an der österreichischen Kasse eine Aufschrift angebracht des Inhalts, daß, Fahrkarten nach Wien nur in tschechischer Währung bezahlt werden dürfen. Die Paffagiere müssen sich jetzt also mit tsch-chischem Geld für die Bezahlung der Fahrt Lundenburg—Wien versorgen. * Ei« geheimnisvolle» Safe befand sich in dem Bank' hauS der MefflS. Chubb, and Sons in der Queen Victoria Street mSottbon, ein Safe, um das sich der Betreffende, der es genommen hatte, jahrelang nicht gekümmert hatte. Schließ, lich gaben Meffrs. Chubb and Sons bekannt, daß sie selbst das Safe aufmacht« würden, wenn der Mieter sich nicht innerhalb einer bestimmten Zeit gemeldet habe» würde. Nachdem diese verstrichen war, gingen bxe Bankiers daran, ihren Entschluß aus-- M'übrm. Das Safe wurde von tbticn geöffnet »nd man fand darin daS S k e .l e t t e i n e s K i n d e S in einzelnen Teile«. Niemand weiß, wer der Besitzer deS SafeS gewesen ist. vnd die' Polizei, die man natürlich augenbücklich von dem mysteriösen FuUd verständigte, steht ihm rmloS gegenüber. Die einzelnen Bestandteile des Skeletts wurden den Aerzten Lbergebelr, die der Ansicht sind, daß daS Kind, das man in dem C.afe unterbracht», keines natürlichcn Todes gestorben sei. Die Untersuchung wurde sehr eingehend geführt, dürfte aber aus naheliegende« Gründm zu keinem Resultat führen. « Der Tanz der Valuten. Die Athener »Kakhemerini"' benchtet das folgende Intermezzo: »Im Thebter Kotöpuli errang die Premrere der dreslährlgen Revue »Die Panathenäey von 1921" einen großartlgen Eifolg. Besonders gefiel b’ic Szene mit den europäischen Valuten: Die verschiedenen Münzsorten. Drachntt, Frank. Rubel. Lira. Sterling usw., träten m Gestalt mehr oder weniger schlanker oder stattlicher Schauspielerinnen aus und wurden vom Publikum je nach der politischen Einstellung herzlich oder kühl begrüßt. Bet Erscheinen der deutschen Mark erhob sich ein nicht endenwollender Beifall; sogar Ruf', wic „Hoch Deutschland". .wurden laut". — Schade, daß ni,l> über die Begrüßung der österreichlschen Krone gesagt wird. Bei» moderne ßaglanstoff aus England eingelangt. Stadt Resten messe Fppr ^^ssisßfe« UeBauips föi» Bianfei und Koatüme. l.,Weihbur(jgas8e 10/12, Tel. 1163,1V and L AdüaraasEa.5* Tel. 179^ i 724377