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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-16 · Heft 917 (16.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 917 (16.8.1921)
Date
1921-08-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 917 Ä5ienr Dienstag Inland. Die Kreditaktion für Oesterreich. Bon verläßlicher Seite erhält die ^Wiener Sonn- und Montags-Zeitung* folgende Mitteilungen? Noch bevor die Entschließung des Obersten Rates in Wien bekannt geworden ist, haben Besprechungen zwischen dem Bundeskanzler Dr. Schober und den Vertretern der Entente stattgefunden. Bei diesem Anlasse eröffnete der englische Delegierte dem Bundeskanzler, daß die Westmächte sich entschlossen haben, Oesterreichs einen Vorschuß in der Höhe von drei Millionen Pfund noch im Laufe des Monats August -u liquidieren, um die Verwaltung in den Stand zu setzen, die notwendigen Lebensmittel zur Ausrechterhaltung der Ernährungskontinuität in den Wintermonatcn auf den Weltmärkten einzukaufen. Ob diese drei Millionen bloß einen Teilbetrag jener fünf Millionen Pfund darstellen, die uns in Aussicht gestellt wurden, oder ob er sich dabei nm den gesamten Vorschuß handelt, - das ist nicht entschieden worden. Bei diesem Anlaß ist auch die Mitteilung erflossen, daß die Zustimmung Italiens zur Verzichtleistung auf die Generalhypothek in den allernächsten Tageneinlaugen werde, was mit dem Umstande überemstinimt, daß in der Entschließung deS Obersten Rates von Italien nicht mehr die Rede ist. Bemerkt mag bei dieser Gelegenheit werden, daß auch die Frage der Stabilisierung des Kronenwertes znr Diskussion stand, und daß dabei zwei verschiedene Auffassungen zutage traten. Die eine ging dahin, daß die Stabilisierung der Krone auf 1*2 Centimes durchzusühren wäre, während die andere einen Standard von 1 Centime als den richtigeren erachtete. Eine desinitive Entscheidung ist nicht gefällt worden, obzwar der Vorschlag zur Stabilisierung auf 1 Centime die Mehrheit der Meinungen auf sich vereinigte, indem darauf hingewiesen wurde, daß die endgültige Entscheidung in dieser Frage dem Völkerbund aus Anlaß der desinitive» Durchführung des Sanierungswerkes überlassen werden müsse. Von anderer Seite erfährt dasselbe Blatt: Der Bevollmächtigte des Finanzkomitees des Völkerbundes, Ris Hansen, welcher seit wenigen Tagen in Wien weilt, ist mit allen Vollmachten versehen, um sofort nach dem Eintreffen der Nachricht, daß Italien der Suspendierung deS Generalpfandrechtes zugestimmt hat, die notwendigen Verfügungen zur Flüssigmachung der ersten Vorschußrate zu unternehmen. Aus Paris hieher eingetroffene Nachrichten besagen, daß Marchese della Torretta vorige Woche ganz bestimmte Versicherungen abgegeben habe, wonach Italien unverzüglich die Suspendierung des Generalpfandrechtes offiziell erklären werde. Interessant ist es,.daß verschiedene ausländische Bankgruppen in der jüngsten Zeit bei der österreichischenRegierungangefragthaben, ob sie geneigt wäre, mit ihnen wegen Auf-, nähme eines Kredites in Verhandlungen zu treten, und zwar sind dies Bankgruppen, die nicht in Verbindung mit der Finanzkommission des Böllerbundes stehen. Eine Antwort auf diese Anfragen ist von der '^terreichischeu Regierung nicht erfolgt. * Aus P ari s wird berichtet: Bei Besprechung der Schluß« Konferenz des Obersten Rates lenkt die Mehrzahl der Bläiter die Aufmerksamkeit auf die Hilfeleistung für Oesterreich, teren Dringlichkeit in der einstimmig angenommenen Resolution neuerdings hervorgehoben worden sei. Die Blätter schließen sich dem Wunsche des Obersten Rates an, daß das Parlament der Bereinigten Staaten die Aufhebung deS VorzugSpfandrechtrS möglichst bald auSfprechm möge, und drücken die Erwartung aus, daß auch Serbien und Rumänien dem von den alliierten Staaten gegebenen Beispiele in der nächsten Zeit folgen werden. ’ Im .Matin* wird darauf verwiesen. daß der vom Komrtee des Völkerbundes aus gearbeitete Plan bereits 1 e i l w e i s e zur Durchführung gelangt sei und v o n der österreichischen Regierung Reformen beschlossen worden seien. Die nötigen Kapitalien seien gleichfalls' gelnndr« und man bedürfe nur noch der Sicherung für jene I n st i t u t e, die dem öfter reichischen Staat Geldmittel zur Verfügung stellen wollen. Dte Konferenz von Hallstatt. Parts, 18. August. Der „Temps" veröffentlicht ein Interview mit Bundeskanzler Schober über die Eindrücke der Konferenz von Hallstatt. Diese Zusammenkunft, ckklärte der Bundeskanzler, sei das natürliche Ergebnis der inneren und äußeren Politik der Tscheche-Slowakei und Oesterreichs, die im gegenseitigen Ingresse die Beseitigung der letzten beim Zerfall der alten Monarchie geschaffenen: Schranken zwischen den beiden Ländern bezwecke. Bet voller Währung der politischen Unabhängigkeit der Nachfolgestaaten Hi es unbedingt Kotwendig, ein Snstem der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu schaffen, das so rasch als möglich die K v n so l id ie ru ng Europas herbeiführen und dadurch die Wiederausvichtung Oesterreichs in hervorragendem Maße erleichtern solle. Die Hallstätter Besprechungen feie» daher hauptsächlich wirtschaftliches Natur gewesen und würden vielleicht in naher Zukunft bedeutsame Ergebnisse Migen, Wiener Morgerrzeitrrng Telegramme. Der Oberste Rat. Paris, 13. August. (HanaS). Der Oberste Rat hat m der Nachmittagssitzung, die um V*9 Uhr abends geschloffen wu>.de, seine Arbeiten beendet. Er beriet zunächst über die Frage der Koste« der Deschungsarmee und war der Meinung, daß cs sich nicht um dir Frage der Effettivständr handle, sondern um die Kosten für die Trappeneivheit, die zu hoch seien. Der Rat beschloß, die Fragender Besetzungskosten für die T-uppeneinheil sowie jene der Kostm der Zivilkommiffiouen, von emer Kommission prüft« zu lassen, die vor dem 1. November konkrete Vorschläge mache» solle. Sodann beschloß der Oberste Rat, gemäß dem Antrag Frankreichs, die militärischen Sanktionen aufrecht -uerhalten, die «irtschaftllcheuSanktrone« hingegen auszuhcben, und zwar werde die Aufhebung bis zum 1b. September durchgeführt ft«, unter der Bedingung, daß die am 31. d. M. fällige Zahlung vollständig gelüstet und ein interalliiertes Organ zur Ueberwachmig der Ausfolgung von Einsuhrbewlllcgungrn geschaffen sein «erde. Die Kommiffion in Koblenz wird ein Uebergangsregime sichern, um die genannten Maßnahmen vor mb ernten. Der Rat faßte sodann eine Entschließung bezüglich der in Deutschland tätigen Kontrollkommissionen, die beibehalten werden, wobei entsprechend dem Vorschläge des Marschalls Foch ihr allmählicherAbba« m Aussicht geuommeu ist. Der Oberste Rat nahm schließlich auf Vorschlag dr- Mimsterprästdenten Briand unter lebhafter Zustimmung aller Mitglieder des RateS folgende« Antrag an : Bei Beendigung feiner Arbeiten legt der Rat Wert darauf, neuerlich seinen Willen Lu bekräftigen,daS enge Ein« eruehmen unter den Verbündeten aufrechtzuerhalten, das er mehr denn je alS für den Weltfr eben unerläßlich betrachtet. Die Tagung deS Oberste« RateS w«rdr hierauf geschloffen erklärt. Das hungernde Rußland. ' Umsiedlung vo« 50.00V Bauer». - Moskau, 15. August. (FuLlspruch.) DaS Kommissariat für TerkehrSweseu gibt bekannt, day zwischen dem re. Juni nutz dem 20. Juli 50.000 Personen a u £ d e» Hunger, gebieten mittels Eisenbahn nach Sibirien aedracht wurden, wobei eine tägliche Geschwindigkeit von 460 Werst erzielt wurde. Diese Transporte wurden durch die vorher installierten Labe- und Becpflcgsstationen ermöglicht. Mißtrauen Amerikas. Washington, ib August. (Funksprnch.) Direktor Brown, der Vertreter Herbert H o o v r r s in Riga, verlangte von de» russischen Vertretern als Vorbedingung für die Ausnahme der Verhandlungen, daß bte Verteilung der Lebensmittel ausschließlich durch amerikanische Organe erfolge, für deren Unverletzlichleit sich die russische Regierung verpflichten müsse. Eine Expedition deS Internationalen GewerkfchastS. bundes. Berkin, 16. August. (Wolfs.) D'ie in Berlin versammelte Kvnftrenz des Internationalen Gewerkschaft-- bnndeS, an der Vertreter Frankreichs, Belgiens, Hollands, der Tscheche-Slowakei, Süislawi.ns, der Schweiz, Schwedens, Dänemarks, Luxemburgs, /iZettlandS und Deu^chlemdS teilnahmen, beschloß, die in den einzelnen Lündegü zur Bekämpfung der Hungersnot in Rußland schon eingeleiteten Sammlungen zu zentralisieren. Diese Fonds sollen möglichst zur' sanitären Hilfeleistung und zur Beschaffung von Lebensmitteln verwendet werden. Eine erste Expedition soll unverzüglich nach Rußland entsendet werden. Eine Million Mark werden sofort aus Mitteln deS Internationalen Gewerkschaftsbundes brreitgeftellt. Keine Zulassung jüdischer Beamten in der Sowjetukraine. Riga, 1t August. (Jüd.Korr.-.Bur.) Wir aus M o s k a u zuverlässig berichtet wird, hat das Zentralkomitee der allruisifchrn kommunistische« Partei in Ansehung des wachsenden Antisemitismus und der nicht aufhörcnden Pvgrombewegung in der Ukraine bcfchloffen, fortab bloß christliche Beamte m die Ukraine zu entsenden. Ferner wurden die lokalen Sowjetorganisat one« in der Ukraine angewiesen, jüdische Anwärter za den Regierungsstellen nicht zuzulasfeu. Neue Pogrome in der Ukraine. Warschau, 14. August. (Iüd. Kon.-Bur.) Eine Gruppe soeben eingetroffener jüdischer Flüchtlinge aus der Ukraine, die sich bei Soroki über den Dnjestr an der russisch-rumänischen Grenze hiehe? gerettet hat, erzählt von neuen entsetzlichen Iudenschlächtereien m der Ukraine. Im Kreise Heissin, Podolien, haben ukrainische Banden 250 Juden äbgeschlachtet und das ganze Städtchen zerstört. Ruhe in Oberschlesten. Berlin. 15. August. (Wolfs.) Nach hier vorliegenden Berichten ist in Oberschlesten alles ruhig, trotz der Enttäuschung, die die weitere HinauSsch ebung der Entscheidung Über Oberschlefie» in der gesamten Bevölkerung Hervorgerufe« hat. Bis zum 8. d. M. war allerdings die Geiahr eines nt&m polnischen Ausstandes sehr groß; der für diesen Tag als Einleitung eines neuen Aufstandegeplante Generalstreik ist jedoch vor alle« an d« KampfmSdigkett der polnischen Bevölkerung gescheiter!. Zur Beruhigung der Bevölkerung wird auch der Umstand beitragen, daß die deutsche Regierung von morgen an die Erwerbslosenffctauc in Okericklrsir» m Kraft trete« läßt. 16. August 1921 Welte “------— -----—*) Verbot eines Hetzstlms. Berlin, 14. August. (Priv.-Tel.) Die französischen Regierung hatte durch ihren hiesigen Botschafter gegen die Wiederzulassung deS Films „Die schwarze Schmach" Einspruch erhoben, weil dadurch die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gefährdet würden. In der heutigen Sitzung der Ueberprüfungsstelle schlossen sich die Vertreter deS Ministeriums des Innern und des auswärtigen Amtes dieser Auffassung an, worauf aus Verbot des FilmS erkannt wurde. König Peter. Belgrad, 14. August. Die Blätter meldm, daß sich der Zustand des Königs im Laufe des Tages gebessert hat. Das Allgemeinbefinden ist gut. Der König ist: außer Gefahr. Ein Bukarester Fort in die Lnst gefloge«. DerKn, 15. Wrgüst. Nach BlSttermvllmNtzen aus. Bukarest ist dort daS Fort Latzele, das einen Teil der Festungswerke von Bukarest bildet, in die Luft geflogen. Das Fort war mit TLxplosivstoffen und Munition cmgefultt. Die Explosionen dauerten die ganze Nacht cm. Die Zahl der Opfer ist noch undekrnnt. Bethlen droht Oesterreich. Budapest, 15. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Ministerpräsident Graf Bethlen hielt in Sasvar (Eisenburg) eine Rede über die westungarische Frage. Er sagte unter anderem: Wir haben mit Oesterreich zu einer Bec-, einbarung zu Kommen versucht, doch Keiner unserer Versuchehatzu einem Erfolge geführt. Wir gelangten schließlich zu einem Punkt, über den wir nicht weiter hinaus-i gehen konnten. Was das weitere betrifft, erkläre» wir.^ indem wir uns in pflichtgemäßer Weife unsere Intern effen vor Augen halten, Oesterreich möge; es znr Kenntnis nehmen: Wenn es unsere^ Rechte, die wir ihm als Freund darbieten, zurückweift. dann werdenwir wissen, was wir vnseremVaterlande schulden. (Minutenlange Eljen-Rufe) Wir werden dann; genötigt sein, unter schroffer Berücksichti-: gun g unserer Interessen vorzugehen und wirj werden uns in dieser Frage, in der auch das Recht auf unserer Seite ist, wenn dieses nicht respektiert wird, des Mittels der Retorsion bedienen. Raubüberfall irr Zschl. Ischl, 1b. August (Privat).. Nach den aufregenden Vorgängen der letzten Zeit, hat sich gestern hier neuerdings ei» Vorfall zugetragen,; der das Kurpublikum aufs äußerste beunruhigt. Zwei Wiener Damen, die Gattin eines bekannten; Wiener Großkaufmannes und Billenbesitzers in Ischl! uud deren Tochter, wurden gestern um halb 4 Uhr nach-! mittags, also bei hellichtem Tage, auf dem Laufen'er Weg, dem meist begangenen Spazierweg Ischls, von einem Arbeiter attackiert. Der Mann, wie es scheint ein Salinenarbeiter, von großer Statur, fiel über die Dame her, warf sie zu Boden upd nachdem ein nicht mißzuverstehender Versuch des Strolches iufolge der heftigsten Gegenwehr und der stürmischen Hilferufe von Mutter und Tochter, erfolglos blieb, machte^ sich der Verbrecher an die Beraubung der Dame. In diesem kritischen Moment kamen zwei Rad-! sah rer des Weges,/worauf der Mann die Flucht ergriff und im nahen Walde verschwand. Die Damen wurden mit schweren Nervenchocs in ihre Villa transportiert. Gendarmerie und Polizei sind eifrigst auf der Suche nach dem Attentäter. Die kulturelle Zusammenarbeit der Rattore«. BundeSkamler Schober hat dem Generalsekretär brS, Völkerbundes Sir Enk D r ummond rin von F. Mallch.! zugeteilt dem Dölkrrbundburea« des BundeSmimstcnum deSf Aeußern, auSgearbeileteS und von den Rektoren der Wiener! Hvch'chule« und der Wiener Akademie gebilligtes P.osekt der kul« turrllen Zukymmen.wbeit der Nationen übermitteln laßen, da diese, Frage gemäß de« Beschluffe der ersten Völkerbunddersammlunf vom 18. Dezember 1920 auf der nächsten Tagung des VölkebnndeS zur Sprache lonmun wird. Kleine Rachrichte«. «Na«» Itt »er Militärakademie iw Mährisch- Weitzkirchr«. Ä« Freitag, kurz nach der Mittagsstunde, ist in; der Militärakademie in Mährisch-Weißkirchen ein Brand aus» gebrochen, welcher die S t a l l u n g e n in Asche legte. Dabei sind 120 Reupferde und v^cle Geschirre verbrannt. Die Ursache des Brandes ist nicht erhoben worden. «i» ganze» Darf »«Flamme«. Wie aus Poprad gemeldet wird, biach in der Gemeinde S t v o r o k am Freitag ei» Brand auS. der sich inio!ge der übergroßen Trockenheit m>t Blitzesschnelle auSbreitete, so daß alSbald das ganze Dorf nt Flammen stand. Die ^ALbeiter^AeitunsE i« Augoflamie« verböte«. Ans Belgrad, 18. d M.. wird gemeldet: Das Ministerium des Innern hat die Veibreituug der »Arbeiter- Leitung" m Jugoslawien verboten. Die teer« Hauptkaffe Aalchau«. Aus Preßburg wird' »ins gemeldet: Am vergancicuen Donnerstag erschien in der städtischen Hanpiküffe m Kalchpu ein Advokat mit einem tteku'or und ein.'m regelrechieu Ereku ionserlaß, um d»v emrindegeld« mit Beschlag zu belege». ES handelte sich um «men Gutskauf, den die Siadt nickt bezahlen konnte. Zur allarmeineu. Heiterkeit der anw.s '.id:» Beamten war jedoch diq Kaffe vollständig leer. Dir Exekution wurde aus die Immobilie« dar €&& «tter auätum atu daS Sägewerk, «tLackrhuH

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