Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 917 (16.8.1921)
- Date
- 1921-08-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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•gelte 2_ Men, Dienstag Wiener Morgenzeiturch 16. August 1921 <flr. 917 übet innen-und cheu Pstttifche RrrnÄschau. Die Kurie und der Zionismus. Die arabische Delegation beim Papst. Im englischen Unterhaus rrchteie der Deputierte Mr. Ormsb'y G o r e an eie Negierung die Anfrage, ob d-r Führer der sog-uiannten arabischen Delegation aus Palästina, M u s a L i a s i n Pascha, welcher gegenwärtig die eurovüi'chen H.iupisrädle bereist, um gegen die von England und den Aückerlen sestgelegte palästinensische Politik zu protestieren, vom Papst in Audienz empfangen wurde, ferner ob der britische diplomati che Verirrter zugegen war. schließlich ob er diesen Besuch beim Papst im Einvernehmen mit der brit scheu Regierung machte. Unterstaatsiekretär für Aeußeres Mr. Harmsworth beantwortete den ersten Teil der Anfrage bejahend, den zweiten und dritten Teil verneinend. ' , Wie der russische Vertreter der Telegraphenagentur-Central- News* erfährt, erließ der Patriarch von Jerusalem einen Hutenbri.-r, der gegen'das Verbot der palästinmstfchm Negierung, den Aufruf des Papst es gegen den Zionismus "zu veröffentlichen, protestiert. Der Hirtenbrief zitleri sodann diesen Aufruf des Papstes im Wortlaut. Die Frage der GememdewahLen in Palästina. London, 14. August. (Iüd. Korr.-Bur.) Aus Jerusalem wird gemeldet: In der jüngsten Sitzung des palästinensischen Regierungsbeirates wurde der Entwurf der Regierung für die Munizipalwahlen in Palästina in Beratung gezogen, wobei es zu ernsten Meinungsverschiedenheiten^ zwischen den arabischen und jüdischen Beiräten gekommen. ist. Die Araber verlangten die Bindung des Wahlrechtes an ein Minimum von Steuerleistungen, die Zuerkennung der Wahlberechtigung bloß an die ehemaligen ottomanischsn Untertanen, beziehungsweise an diejenigen Palästinenser, die bereits vor dem Krieg in Palästina gewohnt haben. Die jüdischen Vertreter, opponierten scharf diesem Standpunkt und forderten ein allgemeines Wahlrecht ohne Rücksicht auf die Größe der Besteuerung und auf die bisherige Wohnzelt in Palästina. Maßgebend sei einzig und allein der Wille des Wählers, in Palästina ständigen Wohnsitz zu nehmen. Da zwischen beiden Standpunkten in bezug auf die Vürgerschaftssrage eine Einigung nicht zu erzielen war, wurde die Frage bis zum Erscheinen eines speziellen Gesetzes über die Einbürgerung in Palästina vertagt. Die Deutschen in Jugoslawien. In Belgrad ist vorgestern eine Abordnung d s Deutschen Kulturbundes aus N. e u j a tz eingetrofsen. die der Skupschtina und dem Ministerium eine die Angelegenh'iten der Deutschen in Jirgoilawien betreffende Denkschrift Lblrreichte. Das neue spanische Kabinett. Das ncue spaui^hr Kab nUt seht sich folgendermaßen Juiammett: Vorsitz — Maur a. Ansrvii-'iges --Ho n to h a, Junges — D o c o a l l e de Portugal, Finanz« — C a m b o. Marine — D e c o r t h n a, Kr^eg — LaCierva, öffentliche Arbeiten — M a o t t r », Unterr cht — S y l i o> Arbeiis» ministerium — M a 1 o d, Justiz — Rodrigurz. Das neue Ministerium wird morgen vereidigt werden. Interparlamentarische Union. Kopenhagen. 15. August. (Tel^-Komp.) ,N a t i o n a St t b e n b tm meldet: Die Zusammenkunft der Delegierten de^ interva'.lammtarlschen Union «n Stockholm wird sich in ihre? nächsten Sitzung ganz besonders mit der A b r L st u u g strage beichäfupeu. In emem Vorschläge zu einer Resolution, .die von Branting ausc-earbeitet wmde. wird die besondere Zufriedenheit ansaesprochen über die Beschlüsse, die der Völkerbund über die Abrüstuugsfrage gefaßt hat. Die Resoluton hebt die Notwend'gkert einer eigenen Aussprache, über, die verschiedenen Abrüstungssrapen vor, so daß die öffentliche Meinung eine Kontrolle,über die Maßnahmen auf diesem Gebiete habe- Die bayrischen Monarchisten. Deckt«, 15. August. Wie die .HreiheÜ" aus München meldet, fand dort gestern der sogenannte Regimemtst a g der ehemaligen bayrischen Leibr«gimenter' statt, wozu aus ganz Bayern Vertretungen der Leibregimentervereinigungen erschienen waren. Vormittags wurde in der' ehemaligen Michaels-Hofkirche ein feierliches Hochamt zelebriett, dem Exkönig Ludwig, "Exkronprinz Rupprecht und Prinz Leopold in Generalsunifocm beiwohnten. Nach Schluß des Gottesdienstes brachte ein Teil der vor der Kirche angesammelten Menscheninenge den Mitgliedern der ehemaligen Körügssamiüe Ovationen dar. Ende der außerordentlichen Gerichte in Deutschland. si Berlin, 15. August. (Wolff.) Der Reichsju'lizminister Hai daö außerordentliche Gericht in H a! l e an der Saile aufgehoben. Damit ist die Täligkeit der außerordentlichen Gerichte, die auf Grund d-r Verorvnung des Reichspräsidenten am Ä8. Mär, eingeietzt worden sind, beendet; die übirgen außer- «deutlichen Gerichte sind schon früher anjgehobeu worden. Der rumänische. Außenminister Take Ione scu gewährte während seiner letzten Anwesenheit in Klausenbnrg dem Redakteur des „Uj Kelet" eine Unterredung. Dio erste- Frage gult der Stellung des Ministers zu den Rechten der . nationalen Minderheiten. „Meine Ansicht hierüber ist ganz klar", antwortete der- Minister. -Wir sind entschlossen, alle Bedingungen zu erfüllenderen' Einhaltung wir durch die Unterzeichnung des Trianoner Vertrages auf uns genommen haben. Von den Nationalitäten verlangen wir nur eines: ' Daß sie begreifen, daß die Bestimmungen des Friedensverträges ein Definitiv um sind, die unabänderlich bleiben. Wir wünschen nicht, daß .die Nationalitäten ihre. Rasse verleugnen, erwarten jedoch, daß sie einzeln und in ihrer Gesamtheit treue Staatsbürger ihres neuen Heimatlandes seien. \ Welchen Standpunkt nimmt Rumänien heute einer .Habsburger-Restauration - gegenüber ein? ,,Rumänien sowohl, wie auch die Tschechow.o.^akei Und Jugoslawien würden in der Rückkehr der Habsbürger ein« Verletzung des Friehensvert r a g e s erblich Nicht nur die .Restauration, sondern selbst den Versuch einer ' solchen werden wir nicht dulden." - - Beruhen die Meldungen, daß die Entente im Wege einer Demarche die ungarische Regierung zur Auslieferung der Kriegsschulbigen aufgesordert habe, auf Wahrheit? „Hievon ist mir nichts bekannt. Eine solche Aktion könnte übrigens", ausschließlich von der großen Entente ausgehen, sie h<ck mit der kleinen Entente nichts zu tun, und Rumänien ist hiebei desinteressiert. Es ist jedoch selbstverständlich, daß das Recht, die Ausl^feruug der Kriegsschuldigen -zu verlangen, genau so wie Deutschland- - auch Ungarn gegenüber besteht." Auf die Bemerkung, des Journalisten, baß .in jüngster Zeit wieder viel vom. Plan einer rumänisch-unyarischenPeionalunion gesprochen ' W&ibt; UsMerkke", Take >J o n es c'w: ' " V HEs' känU'"sich' hierbei'.-'üwr Gespräche von Privatpersonen handeln. Offizielle' Verhandlungen haben über diesen Gegenstand nicht stattgefunden. Was mich persönlich betrifft, so bin ich ein - Gegner dev Personalunion/" Das Gespräch wurde auf die Judenfrage im allgemeinen und die jüdisch, ätionale Bewegung im besonderen gebracht. .Take Jonescu sagte unter anderem: ,Sor einigen Tagen war ich mit meinem alten, -ausgezeichneten Freund,. Oberrabbiner Doktor Ga st er, beisamckeu. Er sagte mir, die Judeufrchze sei in Rumänien ex ledigt. Dieser Ausspruch deckt sich im großen mit meiner . Auffassung. Wir haben gegen die Organisierung der Juden nichts einzuwenden. Wenn sie wollen, können sie als Minder he ick leben, das ist ihre eigene Angelegenheit, in die wir Uns nicht hineinmischen, wenn sie nur loyale Staatsbürger ihres Heimatlandes sind. Das ist übrigens der Standpunkt der Regierung und keine Privatansicht." Paris. 15. August. (Wolff.) Der .Jntransigeant" teilt über die Verhandlungen der interalliierten Kommission rmt, es sei beschlossen worden, hinsichtlich der Fob« Preise für die deutschenKohlenlieferungen auf Grund des Friedensvertrages sich an den deutschen Inlandspreis zu halten. Falls aber Deutschland Nicht damit einverstanden wäre, daß ilim dieser Preis gutgeschrieben würde, - würden d« Altstetten unter sich rie Differenzen nach Ausgabe der Äohlenv,engen, die den einzelnen Ländern von Deutschland geliefert werden, pro ratn tragen. ' Die Flnanzkouferrnz hat sich, demselben Blatte zufolge, darüber geeinigt, die Kosten der alliierten Bcfatzungen im Anschluß an die Kosten, die durch die alliierten Mllitärkammissionen in Deutschland entstehen, auf erne Pauschalsumme von 210 Millronen G o l d m a r I jährlich festzusetzen. Eng» land habe sich damit einverstanden erklärt, daß der Tagessatz für seine Soldaten ebenso hoch berechnet werde w e der? für die französischen Soldaten, wozu für jeden ruglischen Soldaten allerdings »och zwei Goldmark hinzukommen. Der „Trmps* schreibt, die Finanzkon^etmz habe anscheinend eine grundsätzliche Entscheidung von großer Wichtigkeil get-offen. Dre Saar-Bergwerke sollen Frankreich zur Last geschrieben werden, fo daß die französischen Be" satzungskosien für das Rheinland mit einem Schlage als rück' rstattet gelten würden. Daraus werde gefolgeit, daß Frankreich mehr erhallen hätte, als es für d>e Besetzung des Rheinlandes auSgegrben habe. Damit, sagt das Blatt, find die Barzahlungen, Welcher Art wäre» die Verhandlungen, die Euve Exzellenz in Paris mit de» Führern des jüdischen Volkes gepflogen haben? „Herr S o k o l o w informierte sich bei mir über die Lage der Juden in Rumänien und ich erteilte ihm die gewünschten Aufklärungen. Ich erwähnte, daß vor kurzem eine große jüdische Abordnung bei mir erschien, die mit Tränen in den Augen uns für pnSar humanes Verhalten den ukrainischen Flüchtlingen gegenüber Herr Dank aussprach. Wir haben etwa 50.000 bis 60.000 ukrainischen Juden Asylrecht gewährt." Wir. denken Eure Exzellenz über den Z r o n i 3* mus? „Ich kenne de« Zionismus schon seit langem. Roch vor Jahren hatte ich Gelegenheit', mit einigen intimen Freunden Theodor Herzls, die an der zionistischen Bewegung aktiv teilnahmen, zu sprechen. Ich richtete an sie die Frage, ob fie: es für möglich halben, daß ihnen die Errichtung, des Juden staateZ gelingen werde. Ich dachte selbstredend nicht an ein so mächtiges Land, in welchem sämtliche 14 Millionen Juden Platz finden würden. Aber es wirkte wohltuend auf mich, von ihnen eine äberz^Uöende, ermunternde, bejahende Antwort zu hören. Auch ich bin überzeugt, daß das jüdische Volk die Eignung und die Fähigkeit zur Staatengründung und auch zur grundlegenden landwirtschaftlichen Arbeit besitzt. Denn es ist nicht wahr, daß. di« Juden unfähig . seien, den Boden zu bearbeiten. In Beßarabi>n gibt es viele jüdjsche Gemeinden, deren Bewohner seit Alexander L ununterbrochen sich m i t Landw i r tscha f.t beschäftigen. Sowohl vom Gesichtspunkt der Juden als auch von demjenigen der ganzen Welt' halte ich den Zionismus für eine erfreuliche Bewegung." Auf die Bemerkung, daß einige Bukarester Blätter in den letzten Tagen Meldungen über Truppenkonzentrationen , an, her beßarabischen Grenze brachten, erklärte Minister Jonescu: „Diese Meldungen entsprechen nicht den Tatsachen. Wir bereiten keinen wie immer gearteten aggressiven Schritt gegen Rußland vor. Werden wir nicht selbst provoziert, so wird auch fernerhin ein gutes Verhältnis zwischen uns und Rußland sortbestehen. Sollte jedoch Ztußland offensiv gegen uns auftreten, sS würden wir feine Truppen mit Leichtigkeit zurückschlagen. Ich muß jedoch wiederholt betonen, daß keinerlei Zeichen auf einen solchen Fall hindeutet." Zum Schlüsse wurde noch das rumänisch-Mgarisch-.' Verhältnis berührt. Take Jonescu sagte hierüber: „Wir ürengen uns nicht in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes, andererseits wäre. es unnütz, zu leugnen, daß wir eine ganz andere ungarische Regierung wünschten^ als die heutige. Zur vollkommene« Konsolidierung ist es unerläßlich, daß sich in Ungarn eine Regierung bilde, die imstande ist, den friedlichen Verkehr mit den Nachfolgestaaten zu garantieren." die Deutschland üvr^eit leistet, mit einer Priorität zugunsten En«. landS in der Höhe einer halben Milliarde Mark belastet. Dann kommt die belgische Priorität. Wann wird Frankreich, sagt der ^T^mps", zu.seimn Reparwrom« kommen? Die Vorschüsse für Oesterreich. Amtlich wird mitgrteilt: Die von der Regierung mit dem Finauzkomitee deS Völkerbundes geführten Borschußvrrhandlungcn sind so weit gefördert worden, daß die Möglichkeit «besteht, in Kürze zu Abmachungen über die erstm Borschußkredite und die z« gewährende» Sicherheiten zu gelangen. ES ist der Entwurf eines Borschußabkommens gefaßt worden, dem »m allgemeinen daS bekannte ter»Me«len-Schema, mir gewissen ° Mldifikaiionen, die der A u t o n o m i , Oesterreichs Rechnung tragen, zugrunde liegt Gemäß. dem Bundesgesetze vom 14. Julr 1921, womit di, Regierung zur Aufnahme ausländischer ' Kredile uni zu deren Sicherstellung ermächtigt worden ist, ist CanrStag der IS. d. M. der vom Gesetz vorgesehene Ausschuß deS Nationalrates unter Vorsitz des Abgeordneten Proieffor Dr. G Ü r t l e i zur Prüfung der Anträge zusammengeketen. Nachdem Finanzminister Dr. Grimm und Srktionschef Dr. S ck w a r z> wald den vorliegenden Entwurf erläutert halten, erteilte, de, Ausschuß nach einige« Abänderungen seine Zustimmung »nt ermächtigte die Regierung, die Per Handlungen fort-ufübren uni Abkommen über die Vor'üu'rsic im Sinne des Entwurlel abzuschließen. Der Srtzuug .wohnte auch Bn-eökauzte) S ch o d e r bei.