Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 916 (14.8.1921)
- Date
- 1921-08-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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wCÜC id zbitii, oimma§ «*rvV W V k-i vite!» Anteruattonaler Metallarbeiter- Kongreß. 2n%ttu, 13. August. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der inter- »atmnak Mttallarbeimkvugreß hat vorgestern eine von de« österreichische» Delegierten eingebrachte Resolution angenommen, «ori« gegen die Art der Amnestierung ungarischer Revolutionäre durch die ungarische Regierung protestier t wird. In einer weitere» Resolution wurde gegen die Verweigerungdes Paßvisums a» die russische» Delegiertm seitens der schweizerischen Regierung protestiert Der Kongreß bestätigte neuerdings, daß die der Dritten Internationale angeschloffenen Verbände nicht in . dm Internationalen Metallarbriterbund ausgenommen werden können. In einer Resolution wurde die 48-StundewWoche als Maximalarbeitszeit verlangt. I» der Schlußsitzung des Kongreffes wurde, wie bereits gemeldet, eine Resolution B u o z z i (Italien), betreffend Ver- »eigeruugd er Muuitio ns Herstellung und den stufenweise» Abbau der Mordinstrumentenerzeugung, angenommen, ferner eine Resolution der amerikan.schenMasch.inrni-auer, betreffend Einleitung einer Aktion gegen zukünftige Kriege. . Stein (Oesterreich) erklärte, die Fried ensbedingungm und die neuen Grmzea hätten neueKriegSmöglichk eiten ü-lchaffen. Mit der Verweigerung der Mordwerkzeughersiellung sei nur ei» Schritt getan. Dre Umwandlung der Kriegsin die Fliedensindustrie muffe von den Gewerkschaften wie von den Sozialisten gefordert werden. Zum Bundcssttz wurde neuerlich die Schweiz und zum internationalen Sekretär Konrad Ilg (Bern) gewählt. Maßnahmen gegen die ungarischen ' Bergarbeiter. Die Messe für König Karl. Budapest, 13. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung interpellierte Mgeordneter Perlaky über die Lage der Kohlenarbeiter. Ministerpräsident Graf Bethlen erklärte, daß die großen Schwierigkeiten der Kohlenversorgung gewiss Regierungsmaßnahmen gegenüber den Bergleute» notwendig machen und er infolgedessen nicht in der Lage sei, die bestehenden Verordnungen über die Beaufsichtigung der Kohlengruben aufzuheben. Der Ministerpräsident versichert, daß er etwaige Uebelstände ab stelle» und Ucbergriffe auf das strengste ahnden werde. Abgeordneter Cserty interpellierte wegen einer in de« Blättern angekündigten Messe anläßlich des Geburtstages König Karls. Er macht die Regierung aufmerksam, daß solche Nachrichten leicht den Anschein einer Propaganda erwecken könnten. Kultusminister Bas erklärt«, daß er bezüglich dieser ihm erst vor kurzem zugevsmmenen Meldung Erhebungen habe anstellen lassen und feststelle« könne, daß es sich bloß um einen Gottesdienst handle, dev in einer nichtamtlichen Kirche stattsinden werde. Der Minister versichert,' daß die Regierung, im Falle einer Propaganda ihve Pflicht zu tun wissen werde. Auf eine Erwiderung des Abgeordneten Cserpy erklärte Ministerpräsident Graf Bethlen, daß die'Regierung jede Propaganda energisch unterdrücken werde. „Aufreizende" Broschüren in Ungarn. Budapest, 13. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Zn der heutigen Sitzung der Nationalversammlung teilte Abgeordneter Takacs-Kovacs (Friedrich-Partei) mit, daß in den Reihen der ungarischen Jugend seitens der ungarischen Aufhebung derwirtschaftlichen, Beibehaltung der militärischen Sanktionen. Paris, 13. August. (Wolff.) Der Oberste Rat hat in seiner heutige« Nachmittagsfitzung beschlossen, die wirtschaftlichen Sanktionen unter dem Vorbehalt a« fz « h e b e n, daß Deutschland am 31. d. M. seine Verpflichtungen erfüllt, das heißt eine Milliarde Goldmark bezahlt, gemäß dem Ultimatum von London. Nach einer eindrucksvollen Rede Vriands wurde beschlossen» augenblicklich die militärische« Sanktionen beiznbeh a lte«. _ König Peter im Sterbe«. Graz, 13. August. Die „Grazer Tagespost* meldet aus Belgrad: Im Befinden König Peters ist in der heutigen Nacht wieder eine Verschlimmerung emgetreten. Der König fiel in eine tiefe Ohnmacht, die bis heute mittags andauerte. Temperatur 38, Respiration 54, Puls 120. Der Zustand des Kranken ist sehr ernst, die Katastrophe kann jeden Augenblick ei «treten. Belgrad, 12. August. (Preßbur. Belgrad.) König Peter ist schwer erkrankt. Temperatur 37.1, Respiration 54, Puls 114. Diagnose: Katarrhalische Pneumonie. Der Zustand des Königs ist sehr ernst. republikanischen Partei und de- Advokaten des Grafen Michael K a r o l h i Broschüren verbreitet werden, worin gegendie Jnstltutionen de- Königtums Stellung genommen werde. Ferner habe er eine angeblich im Namen der oppositionellen Mitglieder der Naiionalversammlung verbreitete Broschüre erhalten, dir gegen dieKonsolidiernng a u f r r i z e. Redner erklärte, daß kein oppositioneller Abgeordneter mit dieser Zuschrift, dir im Drenfie der k o nt« m u n i st r s ch e n A g i t a t i o n stehe, das geringste zu tun habe. Er werde diese. Zuschrift der Staatsanwaltschaft übergeben. . Tisza-Pro;etz. Budapest, 13. August, (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Im Prozeß gegen die Mörder des Grafen Tisza haben die Schriftsachverständigen einhellig frstgestellt, daß die Unterschriften Friedrrchs, Keris und Hütluers uh Stammbuch der Gastwirtin Balo gefälscht sind. Die ungarischen Kriegsgefangenen in Rußland. - Budapest, 18. August. (Ung. Trl^Korr^Bnr.) Der ungarische Bevollmächtigte für dre Revaler Verhandlungen» Sektionsrat I u n g e r t h, erklärte, der im Vertrag »über bi« Durchführung des Uebrreinkommens mit Sowjetrußland vorgesehene erste Transport von «ngarischm Kriegsgefangenen werde im September an der deutsch« Grenze »«treffen, w» nach vorheriger Urberrinkunst mit der deutschen Regierung auch di» Uebergabe der russischerseitS von Ungarn gefmcherterr 400 Komm» Nisten erfolgen werde. Eröffnung der Rrichcuderger Meffe. Prag. 18. August. (Tfchecho-flow. Preßbur.) Heute vor. mittagwurde uu rr großer Beteiligung in Auwrfenheit von Vertretern der tschecho-stovakifchr» Regierung dir Reichrnberger Meffe eröffnet. 14. August 1921 Nr. Sill Die Ausfiger Unruhen. Eine Rede des deutsche« LegattousrateS Li«««. Prag. 13. August. Gestern wurde in Aussig das dritte Todesopfers»« letzte» Ausschreitungen, d« Direktor der Austrla-Röhrenwerke Hoff, der reich-deutscher Staatsbürger war, beerdigt. 9« Vertretung der deutschen Gesandtschaft in Prag «ahm LegationSrat Dr. L i m « e r an de« Leichenbegängnisse teil. Er hielt dem Verstorbenen eine Grabrede, in der er «ach dem Berichte des „P,ager Tagvlatt* zunächst daS Mitgefühl für die beiden ander« Toten auSdrückte und sodann der Entrüstung Ausdruck gab. daß ein Reichsangehöriger in eine» Landes mitdem das Deuts che Reich in Friede« und guten Beziehungen lebe, einem solche« Schicksal ausgesctzt worden sei. Er hege die bestimmte Erwartung, daß die tschecho-slowakischc Regierung alleMaßnahme» ergreife« werde, um die Wiederholung einesolche» Vorfällehintanzuhalten, da sonst die gute» Beziehungen zwischen den beide« Staaten tineTr Übung erfahre« könnte». Brand im Petrolerrmgebiet von Baku. HelftngforS, 13. Auouft. (Funkspruch.) Rach Meldunge» auS Reval ist im Petroleum gebiete von Bat» rin mächtiger Brand allsgebrochen. Ue-erfall auf eine jüdische Kolonie -ei Konstantinopel. London, 12. August. (J'üd. Korr.-Bur.) Die in der litt» grbrmg von Konsiantmopel gelegene jüdische Kolonie Messt, l a h Chadascha wurde von Banden überfallen und gründlich ausgeplündert. Biele Kolonisten wurden grausam vev» Prügelt und mußten sogar die Kleid cr vom Leibe abgeben. Schloß Mettlach abgebrannt. 10 Millionen Mark Schade«. Mettlach (Reinprovinp, 13. August. (Wolff.) Geste»« nachts ist die Fabrik vonBilleroyLBoch durch eine« Brand ungesichert wörden. Auch daS Schloß Mettlach wurde fast vollständig vernichtet. Der Schaden wird auf etwa 10 M i l l i o n e n M a rk geschätzt. Vermißte Mitglieder der Amunbsen- Expedition. Thristiauia»13. August. (HavaS.) »Astenpvstm' zufolge iß die Expedition znr Auffindung KuudfenS und TesfemS von der Spedition Amundsen ergebnislos gebliebrn. Waldbrand im Schneeberggebiet. Rennkircheu. 13. August. (Privat.) Bib Uhr vaip mittagwütete der Waldbrand bei Grünbach am Schverberg fo^ und es schien unmöglich, da- Feuer zu lokalisiere». Da setzte ei» heftiger Gewitterregen eia. der dem Brand ei» Ende bereitete. Die Löschmannschaft. Reichswehr, Gendarmerie und Feuerwehr, tonnte »ach dreitägiger harter Arbeit einrücken uud nur eine kleine Abteilung Reichswehr blieb als Brandwache Zurück, während Gendarmerie da- Gebiet «bstreift. mu de« neuerliche« AuSbmch des Brandevorzubeuge«. Dem Brand« find über vierzig Joch Wald zum Opfer gefallen. Die Entweihung -es jüdische« Friedhofs in Smyrna. GirreErülLruug der griechische»Gefandtschaftt» Loudom Vor kurze« hatte da- Komitee der jüdisch» Delegation«! vo« authentischer Seite die Nachricht erhalte«, daß der jüdische Friedhof m Smhrva vo» Goldatm der griechisch« Armee entweiht wurde. Der Vorsitzende de- Komitees. Herr S o k o l o w, wandte stch daraufhin a« die griechische Legatio« in London mit dem Ersuchen um Abhilfe. Die griechisch« Legation antwortete in einem Brief, in de« sie verspricht, diese Angelegenheit gründlich zu untersuchen und die Anstifter dieser Miffetat zu verfolgen. Die griechische Legat,on versichert, daß sie »alle- Mögliche tun wird, um den Beschwerde« des Komitee- Gmugtuang zu leisten". Der moderne Raglanstoff aus England eingelangt« Stadt-Resten messe Französische Velours für Mäntel und Kostüme. hat sich' ein Teil schon im Laufe der letzten 60 Jahre wieder auf österreichischem Boden seßhaft gemacht und bildet hier den Grundstock der Juden gemeinden von Baden, Mödling, Wiener-Neustadt, Neunkirchen, Gloggnitz, Graz und Leoben. Auch unsere Wiener Gemeinde besteht zu einem beträchtlichen Teile aus westungarischen putzen. Im Burgonlande betreiben die Juden WÄn- und Produkten-; Handel und auch handwerksmäßige Gewerbe und in Tchenburg besteht die überwiegende Mehrheit der Äansleute und Gewerbetreibenden aus Juden. In wohltuendem Gegensatz zu den Juden des' übrigen Ungar,: haben sich! die Juden Westungarnsi von jeher der m-righarischen Assimilation ferngehalten, rvas sich auch' äußerlich schon an dem fast gänzlichen Fehlen magyarisierter Familiennamen zeigt, und sinh in ihrer überwiegenden Mehrheit streng religiös.' Der Zionismus hat namentliche in der Jugend begeisterte Anhänger gefunden und in Palästina gab es schon vor dem Kriege manchen Söhn der- Schewa Kehilloth. Als eine Folge des Anschlusses an Oesterreich wird wohl der Zu s am me nfch lu ß der or tho-. boxen und der ueologen Gemeindv von. Oeidenburg stattsinden müssen, da das österreichische , Gesetz — GolhUdank — nur ein Judentum kennt. Eine oankbare Llufgabe des Wiener Jüdischen' Schülvereins wird es auch sein, die in jeder Gemeinde Westuugarns bestehenden jüdischen Volksschulen uilter seinen Schuh zu nehmen und auszugestalten. Es fei hier nur erwähnt, daß der in ungarisch-patriotischem Geiste gehaltene Lehrplan dieser Schulen am besten durch den der Wiener jüdischen Volksschulen zu ersetzen sein dürfte. Der. Anschluß 'Westungarns entreißt einen wert- 1 vollen Zweig unseres Volkes den Segnungen des christlichnationalen Kurses' und kann den Juden Oestev« - reichS den Impuls zu einem neuen kulturellen Aufschwung geben. Denn die Mher erwähnte große hölzerme Fahne auf dem Dache der Synagoge von Ma ttersdorf ist njcht nur deshalb von Interesse, weil sie der traditionellen Anforderung entspricht, di« Synagoge, die sWden Luxus von Türnre» nicht leisten karr» und will, über 6ie Häuser rings mnher erhöht erscheinen zu lassen, sondern sie»ist noch' weit nrehr -ein. Symbol dafür, daß hier die Traditionen des Judentums noch! ungefchwächt' und -ungebrochen das Lebe» beherrschen. Denn wenn auch die Menschen einig« Stufen zu ihrem Platz in der Synagoge hinabsteigen, um nach' dem Psalmwvrbe aus den Tiefen zu Götti emporzuflehendie Synagoge iselbst ragt hoch üfysr die Häuser des Ghetto hinaus And 'beherrscht sie vollständig.- Vom frühen Morgen^, wenn der Meschamesch' zum Dienste des Schöpfers rufend an die Türen klopft und die Fromitzett ins -Tauchbad und dann in die Synagoge eilen, um Körper und Seel« zu reinigen und zu erheben, bis zum späten Abend, wenn die LehrhLuser sich leeren, zieht sich chier eiüo ununterbrochene Kette von ^freudiger Betätigung echt Mischen Lebens. Und erst' der Sabbat, der in seiirer scheinbaren Deerlgtheit zwischen den Drähten dies Eruw eine ungeahnte Fülle von Genüssen und Freuderr edelster Art und wohltätiger Mhe birgt!' Wohl haben tvir auch in Wien, Mödling, Wiener- Neustadt ufw. stolze jüdische Ueberlieserungen, aber die Fäden zwischen dem Wien eines Jomtvw Lip- \ man Heller vuib dem M«ner-Reustr-L eines B. Israel Isserlein einerseits und dem Wien und Wiener»« Neustadt von heute andererseits sind infolge der dazwischenliegenden gänzlichen Auswanderung und Zerstreuung der Gemeinden gerissen und Männer, wir Jsäk Noa Mannheimer 'und Aron Ielline^ kannten und wollten sie wohl auch! gar wicht wieder anknüpfen. In den Schewa Kehilloth dagegen ist diö Traditiorr der vergangene» Jahrhunderte ununterbrochen .lebendig geblieben, und wird treu gepflegt! und fortgesetzt. Hier habe», wir nicht künstliche Versuche auf Misch-kulturellem Gebiete, nichjt Verpflanzungen fremder Art, nicht Mchahmungen und Aenderungen vor uns, sondern hier sprichit und denkt, forscht und lehrt, betet und arbeitet, hofft, und harrt das jüdische Volk noch! .so wie vor 500 Jahren. Das! einzige Gebiet, auf dem sich! hier Aonderungen finden,, ist das der Tracht und dies wohl mit Recht aus dev Erwägung, daß die sogenannte jüdische Tracht des! Mittelalters eigentlick), ja doch nirgends ein« wirklich Mische, aus der Heiumt mitgebrachte ist. In unserer nächsten Nähe tut sich -ms nun ein Stihck wahrhaft jüdischen Lebens auf. Gehen wir ihm nach! und suchen wir, aus ihm neue 5kräfte in das Mische Leben Oesterreichs zu verpflanzen! Das österreichische Judentum dagegen kanw'das latente Natiouawewußtsein in den Juden Westirngarns »veu entfachen und hier wird sich dann wieder zeigen, wie im Judentum' Religion und Nation einander bedingen und ergänzen. Das Mische Volk ganz Oesterreichs und das Judentum der ganzen Welt wird aus diesem Ineinandergreifen der wertvollsten Komponenten die schönsten Frücht erhalten. L. Makea