Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 914 (12.8.1921)
- Date
- 1921-08-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-»*r. irr» rorrrr Frrrray Wiener Morgew^wmn- 12. August lsrr Seite L Inland. Das österreichische Problem vor dem Oberste» Rat. Das Pariser „Cablogramme" spricht den Wunsch ans, öaß bit allste, ten Regie, ungschefs Gelegenheit finden mögen, dem österreichischen Problem, das wie die oberschlestsche Frage eine! der wichtigsten Punkte der europäischen Politik sei, ihre Aufmerksamkeit zumwendm. Tec französische Standpunkt sei in der österreichischen Frage der zleiche wie bei der oherschlesischen rmd gehe dahin, daß Frankreich eine Verstärkung Deutschlands nicht zulassen könnte. Wenn man auf eine Sicherung der materiellen und politischen Unabhängigkeit Oesterreichs vergessen oder an der Hilfsaktion des Völkerbundes nicht tätg Mitwirken rvüroc, würde man das Spiel der Alldeutschen betreibenund die Ausdehnungsbestrebungen Berlin-, die sich bereits zur Genüge m Mitteleuropa fühlbar «lache«, erleichtern. »Cablogramme" weist darauf hin, daß d.e Wiener politischen Kreise vom Obersten Rat. der über die Geschickt des Kontinents entscheiden soll, Unterstützung in der schwierigen;8ö0t erwarten, in der sich die österreichische Republik befinde, «nd betont, daß die Autorität der österreichischen Regierung, deren Chef unleugbare Beweise von Loyalität gegeben habe, nur aufrecht- ,erhalte« werde« könne, wenn die Alliierte» gemeinsam an der Stabilisierung des finanziellen »ud wirtschaftlichen LrbenS Oesterreichs Mitwirken. (DaS »Cablogramme* besteht erst seit kurzes Leit «nd befaßt sich vorwiegend mit finanzpolitischen Fragen. ES steht in enger Beziehung z« den führenden Finauzkreifen Englands «od Frankreichs.) Der »New Aork Hrrald* schreibt: Da die Bereinigten Staat« nicht beschlossen haben, Oesterreich finanzielle Hilst r« gewähren oder einen Aufschub der Zahlungspflicht zu bewillige«, so wird sich die Konferenz der alliierten!Ti»-»zminister in Paris auch mit der Regelung der österreichischeuKrrdite be'affcn Die Entscheidung der Finanzminister wird dann dem Obersten Rat zur weiteren Entscheidung übermittelt werden. Präsident H a r d i u g wünscht, daß di« Alliierten eine Lösung dieser Frage ohne die Hilfe Amerikaversuchen. Im allgemeinen glaubt man jedoch, daß j eine Lösung unmöglich sei, wenn nicht das ganze System ei»c internationale« Anleihe radikal geändert wird. Man glaubt, daß »och mehrere Monate Sachverstündigenberatunge» darüber vergehen können. Paris, li. August. Der Oberste Rat hat die in Paris weilenden Vertreter des Finan^komiteks des Völkerbundes A.v e n o l und G l ü ck st a d eingeladm, an den Besprechungen des Obersten Rates übe» die K r e d r 1 h i l f e a « O e st e rr e i ch als Fachcxperten teilzunehmen. Die Sitzung wird in den allernächsten Tagen statlfinde». Westungarns Uebergabe. Die ungarischen Behörden haben gestern mit der Räumung des wMungarischcn Gebietes be^o euren. Zunächst wurden gemäß dem Räumungsprogramm die Zollämter an der westungarisch-österreichischen Grenze evakuiert, beziehu.ngSwei.se die Besatzung verringert, bann wurden auch schau <urS den einzelnen Garnisonsorter^ Milrtärabteilung e« zusammengezogen, um über die neue Grenze nach Ungarn zurückgebracht zu werden. Auch die ungarische Bergakademie in Oede nburg, in der augenb.'icklich Ferien sind, wird in daS Innere Ungarns verlegt, wahrscheinlich nach Budapest. Die Vorbereitung«« zur Berlegium der Akademie wurden ebenfalls getroffen. ibie Verwaltungsbehörden selbst können vorläufig nicht abgezvgon werden, da unmittelbar nach der Zurückziehung dieser Beamten die österreichischen Beamten die Posten übernehmen müssen. Jedoch werde« die Vorbereitungen zur Zurückziehung dieser Beamten bereits getroffen, so baß die einheitliche Räumung am 36. d. M. möglich ist. Am 27. d. M. werden dann die österreichischen Verwaltungsbeamten den Dienst übernehmen un-) am 28. d. M. wird die Uebernahme vollendet sein. Haintsch wird Masaryk besuche«. Präsident Masaryk, der gestern in Prag antzekommen ist, wird im Lause dieses MonatS wahrscheinlich eine Reise nach Belgrad unternehmest, um mit dem serbischen Ministerpräsidenten zusainmcnzUtressen und außen/ politisch« Besprechungen abzuhalten. In weiterer Kok ge dürste Präsident Masaryk auch nach Parts fahren, wo er seit seiner Rückkehr nach! Prag Nicht war. Wie weiter bekannt wird, dürfte der österreichische Bundespräsident Dr. Michael Harnisch Ende 'September den Besuch des Präsidenten Masaryk erwidern und zu längerem Aufenthalt nach Schloß Lana kommen, wohin er vom Präsidenten Masaryk eingeladen worden ist. Internationaler Katholikentag. Gmz, 11. August. Die internationalen katholi* /ü-ep Konferenzen wurden. gestern' mit einem Begrüß ungsabottb ein geleitet. Zahlreiche Begrüßungsschreiben waren eingelaufen, darunter von der italienischen katholischen Dolkspartei und der christlichsozialen Vvlkspartei der Slowakei. Unter dem Vorsitze des Professors Carvlfi (Italien) und Mielert (Deutschland) fand heute vormittags die erste Konferenz über die internationale Zusammenarbeit der Kckthvliken statt. Dr. Metzger entwickelte nn großen Zügen die Weltlage der katholischen Kirche, wobei er auf deren große Aufgaben auf vielen Gebieten hinwies. Sodann berichteten die Vertreter der einzelnem Lände« über die jetzige Lag« . der KatLkMy in de» v«rjMede.rye« Staate». Telegramme. Die Teilung Oberschlefiens. Paris, 11. August. Das Sachverstänbigenkomitee hat entgegen der allgemeinen Erwartung seine Arbeiten gestern abends .noch nicht beendet. Ir, offiziellen Kreisen erklärt man nach einer Meldung des „Journal", daß der Bericht heute mittags fertiggestellt sein werde. Der Oberste Rat habe sich aus diesem Grunde entschlossen, heute vormittags keine Sitzung abzuhalten. Er werde um 5 Uhr nachmittags zusammentreten, um nach Kenntnisnahme des Berichtes des Sachverständigerrkomitees zu beraten. Das „Journal" meldet weiter, daß auch für den Fall, als der Oberste Rat bereits heute nachmittags über die Grenzziehung entscheiden sollte., eine sofortige Veröffentlichung des Beschlusses kaum zu Erwarten sei. Das Blatt erfährt von Persönlichkeiten, die an den Arbeiten der Konferenz teilnehmen, daß etwa folgende Vorgrngsweise beobachtet werden würde: Sobald die allgemeinen Grundsätze festgesetzt seien, nach denen die Aufteilung Oberschlesiens erfolgen solle, werde die Abfassung einer diplomatischen Rate über den Beschluß des Obersten Rates der Sachverständigenkommission anvertraut werden. Inzwischen würden alle Oberkommisfäre nach Oppeln zurückkehrest, um Sicherheitsmaßnahmen durch «ntt sprechende Verteilung der Besatzungstruppen zu treffen. Der Oberste Rat würde dann in Paris, Boulogne oder London eine neue Konferenz abhalten, . die sehr kurz sein könnte, da die Regierungschefs nur ihre Unterschrift unter die von den Sachverständigen vorbereiteten Dokumente zu setzen hätten. Paris, 11. August. (Tel.-Komp.) Die heutigen Blätter bestätigen, daß die Sachverstäändigen gestern ihre Arbeiten über die Festsetzung einer neuen Grenzlinie in Oherschle'sien abgeschlossen haben. Es ist nun möglich, daß der Bericht der Sachverständigen noch nicht ganz vvrliegt und infolgedessen die nächste Sitzung des Obersten Rates erst heute spät abends stattfinden könnte. Trotz dieser Verzögerung erwartet man heute abends die Entscheidung, w«nn auch die Frage, ob diese Entscheidung sofort bekanntgegeben werben soll, noch' offen steht. Die Zeitungen zeigen sich nicht gerade optimistisch. Manche sprechen von der Möglichkeit eines resultat losen Auseinand ergeh e n s. Jedenfalls ist man daraus gefaßt, daß, sobald es zur Erörterung der Sachverständigenberichtv kommt, heftige Diskussionen staltfinden werden. Versuchter »«schlag einer Jrläudertn , auf Lloyd George. Parks, 10. August. Während der gestrigen Nachmittags« sttzrrvy des Obersten Rates näherte sich eine Jrländerin einem der Polizisten, die den Ordnungsdienst vor dem Gebäude des Ministeriums des Aeußern am Quai d'Orsay ausrechihreltm «nd sagte zu ihm in großer Erregung; »Geben S, e mir Ihren Revolver, damrt ich Lloyd George t 8 t e." Der Polizist sah, daß er e« «u einer Irrsinnigen zu tun hatte, und peranlaßte ihre Festnahme. Die Antwort der Sinnfeiner. London, li. August. (Wolfs.) Die Antwort der S i unfein e r auf die Fliedensvorschläge wurde Chamberlain Überreicht, dcr sie Lloyd George nach Paris mitleilte. Demission der spanische« Regierung. Madrkd, 11. August. (Havas.) D'aS Kabinett hat demissioniert. Maura wirb daS neue Kabinett bilden. Eine jugoslawische Rote an Italien. Graz, 11. August. Die »Tagespost* meldet aus Belgrad: Die jugoslawische Regierung bat beschlossen, der ltalienischen Regierung ein? Note zu Überreichen. in der festgesetzt wird, daß die Verhandlungen Über den Handelsvcr rag nur in dem Falle weitergeführt werde« können, als die italienische Rcgierunq folgende drei Punkte annimmt: 1. Daß die Frage de- Hafens von BaroS ausgeschloffen wird, weil der Hafen von Baros Jugoslawien gehört; % daß in Fiume für die Koustit»ante N eu- Wahle» ausgeschrieben werden und eine Regierung zusammengestellt wird, die von Italien «nd Jugoslawien anerkannt wird; S. daß Jtali n sofort alle bisher noch nicht geräumten Gebiete r 8 « m t «nd den jugoslawischen Behörden überläßt. Kämpfe in Albanien. Belgrad, 11. August. AuS Skutari berichtet man, daß die Mirdsten vor einigen Tagen die Ortschaft OroS eingenommen haben, und zwar nach einem hartnäckigen Kampfe, m dem 50 Soldaten der Regierung von Tirana gefallen seien. Das Schicksal von Fünfkirchen. Biuvidpestz, 11. August. „Nemzeti Ujsag" meldet: Die Räumung der Theiß-Maros-Ecbe wurde von den Serben bereits begonnen. Die serbischen Truppen stehen marschbereit. Der Bürgermeister von Fünfkirchen, Bela Linder, wurde in den letzten Tagen in Belgrad von dem Ministerpräsidenten Paste empfangen, dem er eine Denkschrift über bas Schicksal der in Baranya weilenden Emigranten überreicht«. Pasic erklärte, das; di« serbische Regierung alles ausgeboten habe, um Baranya zu halten, doch sei ihr Bestreben erfolglos! geblieben. Er glaube, daß die ungarischen Flüchtlinge « Jugoslawien wetterverbleche« btürfo, Komitatschi-Einfiille in Südnrazedonien Gteas, 11. August. Die «Tagespost" meldet a«8 Belgrad: Aus Südmazedonien wrrden neue Eiusälle der bulgarischen Kom'talschi gemeldet. Mit Rücksicht auf die sich immer wiederholenden Unruhen an der Grenze hat der Generalstab dem Staatsrat ein Memorandum überrercht, m dem zmn Schutze Jugoslawiens verlangt wird, daß einige wichiige Gren,punkte ans bulgarischer Seite besetzt werde«. Dr. Gaster in Bukarest. Bukarest, 10. August. «Privat.) Der Chacham der sephar» bischen Gemeinde in London. Oberrabbiner Dr. Gaster. weilt in Bukarest. Aus diesem Anlaß beschäftigen sich die Blätter mit der früheren Iudcnpolitik Rumäniens und selbst dre durchaus nicht judenfreundliche „Dacia* benützt die Gelegenheit zu folgenden Ausführungen: Der große Gelehrte hat nnS einen Besuch abgestatlet, worüber wir uns außerordentl ch freuen. Dr. Gaster wurde im Jahre 1885 aus Rumänien vertrieben. Seine einzige?ünde war, daß er als Jude auf eine Lehrkanzel bcr Bakarester Unive-silät aspirierte. Wohl ipät, aber dennoch müffen wer heute unzweifelhaft festüellen, daß die Vertreibung der jüdischen intelligenten Masten eine sehr si n g l ürf liche Politik von nns war. We. en der Verfolgungen mußten die befähigtesten, steißigsteu und wistenSreichsten jungen Kräite das Land verlassen. Ware das nicht geschehen, wie viele dieser vertriebenen indischen Gelehrten hätten schon heute eine Zierde der rumänischen Universitäten bilden können. Hätte Dr. Gaster nicht eine so außerordentlich große Position in London, so würden wir ihm das Siartssekeetariat für die national'« Minderhetten anbieten nnd er könnte die jüdischaationale Minderheit vertreten. Adoptierung jüdischer Pogromwaisen in Jugoslawien. Paris, 8. August. Jüd. Korr.-Bur.) Die Sektion für KinderfÜriorge der der Exeknl ve der jüdischen Wrltbttfskon'erenz entwickelt gegcnwältig eine erfolgreiche Aktion m Jugoslawien zugunsten der jüdischen Kriegs-und Pogrom waiscn aus derUkrarn «.Bisher ist eine Anzahl solcher Waisenkinder von für, scheu Familien i« Jugoslawien adoptiert worden. Zadlreiche andere Familien übernahmen die finanzielle Adoptierung und werden für die Kosten des Lebensunterhalts dieser Kinder in ihren biiherige« Unterkünften in Osteuropa aufkommen- El« Bankdirektor verhaftet. Budapest, 11. August. (Ung. Tel.^orr.-Bur.) Auf Anzeige der Gräfin S z a p a r h wurde der Direktor der Landes- Jndustriebank Mfred Macher in Präventivhast genommen und tvirb der Staatsanwaltschaft übergeben werde«. Die Gräfin beschuldigt Macher, den Betrag von 7,5 Millionen, die für die Bewertung eines Kolliers der Gräfin einkassiert wurden, nicht verrechnet, sonder« an der Börse verspekuliert zu haben. Opiumhöhlen in Hamburg. Hamburg, II. August.! Privat.) In stärkerem Maße,- alma« vermuten dürste, ergeben sich die in Hamburg wohnenden E h j n e s e u. ,-rem heimatlichen Laster, dem Opiumrauchen Scho» wiederholt hat die Polizei Opiumhöhlen auSgchoben, ohne der Sache Herr zu werden. Den fortgesetzten Beobachtungen ist eS gelungen, wieder zwei solchen Lokalen in denl in der Neustadt gelegene« sogenannten Chinesenviertel auf die Spur z» kommen. An beiden Stelle« entdeckte man m Kellerräumm Opiumhöhlen in volle« Betrieb; beide Male etwa 50 Personen, überwiegend chinesische Seeleute, aber auch andere Ausländer waren anwesmv- Opimnpfnsen. Opiumlampen «ud reichliche Opiummengen wurde« beschagnahmt «nd die Inhaber der Lokal« dem Gericht übergebe». Der Riesenbrand in Pinsk. Warschau, io. August. (Privat.) Am 7. d. M. vormittagbrach m einem Hanse in der Dominikanergaffe in Pin'k ein Brand aus, dec sich mit Biitzeßichnclle Über dar ganze Zentrum der Stadt verbreitete. Die Ortsfeue,wehr erwies sich als u schwach, um des Brandts Herr zu werden- BiS die lelephonffch herbeiaerufenen Feuerwehr n von Brest. Kobrin und anderen Orten ankamen, war es Abend geworden und das Feuer hatte mehr als 700 G e b K u d e, darunter die fast ei« Jahrtausend alte Synagoge und die ungefähr ebenso alte kathöliiche Kirche, zwei wertvolle Baudrnsmaler, fast alle Amlsgebäude, auch die der jüdischen Gemeinde, den ganzen Brester Marktplatz mfi Lädm «nd Magazinen zerstört. DaS Feuer hat auch Opfer an Menschenleben gffordert. deren Zahl jedoch noch nicht feststellbar ist. Der Schaden ist u n g e h e»e r. Mehr als 5000 Plrsonen stad dmch den Br utb, welcher Über ein Dritte! der Stadt vernichtet hat. obdachlos. In Warschau und audecen Städten Polens wurden HilfslomiteeS für dir Abbrändler gebildet. Einstein nnd China. Gentt«, 11. August. (PrivM Wie daS „Berliner Tag^ blatt" meldet, hielt in S ch a n g h a i der amerikanische Profesior Robertson einen mehrstündigen Borlragüber E i n st e i n. der so großen «nklang gefunden hat, daß er demnächst vor einem größeren Andilorium wiederholt werden wird- Für den Herbst hat die Onest Society in Schanghai, ein wiffenschaftlicher DiSkuisionSklub, eine Borles ungsreih, über Einstein angrsagt. In jungchinesischen Gelehttcnkreffrn findet Einstein auch Bewunderer und es besteht sogar de. Plan. Profeffor Einstem für die Pekinger ReichSuniversitäl zv verpflichten. ir bitten nnfere geschätzter, Abonnenten sich bei EinbLnfen ans den Inseratenteil «niete* Blattes r» beziehen l