Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 912 (10.8.1921)
- Date
- 1921-08-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wien. Mittwoch Telegramme. Ei« Kompromiß- Paris, 9. August. Der Berichterstatter der Agenee Havas meldt» man habe den Eindruck gewonnen, daß man sich , e i n e m Kompromiß n 8 h e r e. Die Tatsache, daß man die Sachverständigen gebeten habe, die Frage aufs neue in Betracht zu ziehen, scheine ein gimstitzes Anzeichen zu sein. Die Entscheidung noch in dieser Woche. SRwBWhfr', 9. August. (Tel.-Komp.) Der Sonderko-rve- »vsndent des -Mrriere dellä Werr" berichtet feinem Blatte: Die gegenwärtige« Aussprachen der Regrerungsoberhäuptrr riutereinan-er und die gegenseittgen Erklärungen erscheinen augenblicklich fruchtbringender als die anderen Beratungen dieser Art. Konvmi hatte sofort nach seiner Änkulnst in Paris-Äuerr MeimAgsauStauschmit Br i a n d, weiters - konferierte« Bouvrni und Torretta über eine Stunde lang mit Lloyd George. Heute werden die privaten Unterbandlungen fortgesetzt. Es herrscht der Eindruck vor, saß aM Gruitd dieser Begegnungen das Abkommen für DberWesiL« durch den.Obersten Rat nöch rm Laufe dieser Woche zustande kommt. Die deutschen Reparationen. Büsiel, 9. August. (Tel.-Komp.) Das „8-Uhr-AKendoialt" meldet.- daß die Reparationskommisfon die deutschen Verpflichtungen vom 1. August für erfüllt ansieht, .mit Ausnahme der K v h l e n s.e n d u u g e n, die seit drei Monaten nicht mehr in der vorgeschriebmen Zahl erfolgt feien. Maßnahme« gegen die Kommunisten in Jugoslawien. Belgrad, 9. August. (Preßbur.) Der Minister des Innern bat alle Behörden angewiesen, alle Beamten, die mit der kommunistische« Partei Beziehungen unterhalten haben oder noch unterhalten, sosor t z u e n t l a s f e n. Nachdem die verhafteten kommunistischen Abgeordneten Trebinjak und M i r i 6 sowie. einige andere Beschuldigte die Schuld.auch der übrigen Mitglieder des kommunistischen Abgeordnetenklubs zugegeben haben, hat der Untersuchungsrichter von der volltischen Behörde verlangt, daß alle gewesenen kommunistischen Abgeordneten noch im Laufe dieser Woche allste l i e f er t werden müssen. PolMsche Auslandsreise Paste'. Belgrad» 9. August. (Preßbureau.) In gut informierten »i Zeisen verlautet, daß Mmisterpräsideut P a s i c Ende dieser Woche nach Frank,.eich reffen wird, wo ec etwa drei Woche« z« verbleiben gedenke. In dieser Zeit werde er mit Vertretet» der T s ch eck v> Slowakei und R n m y n , e n s zusammerlireffrm iDer' Ort der Zusammenkunft werde noch geheim- - gebalten. Internationaler Metallarbeiter- Kongreß. Luzern. 3. August. (Tel.-Komp.) Gestern trat hier fcet < n i e.r u a t i o n a l? Metallarbei t e r k v n g r e ß zuiammen. Es sind 56 Delegierte aüs Belgien/ Dänemark. Deutschland. England, Polen, Norwegen, der Dchrcho-SlowakeH Ungarn und der Schweiz anwesend. Es wurden nur Verbände erngeladen, die der Dritten Internationale nicht angehöre». Ein 1 n " d e l e i d i g e n d e « Worten gehaltener Brief des russischenMetallarbeiterverd a n des wurde ohne Diskussion zur Kenntnis genommen. Die Beschlüsse der polnischen Zionistenkonferenz. Lodz, 8. August. (Jüd. Korr.-Bnx.) Die Jahreskonferenz der polnischen Ziornsten.uahm einstimmig folgende Resolutionen an: 1. Einberufung einer allgemeinen Tagung der Juden Polens. 2 Schaffung eines einheitlichen jüdischen parlamentarischen Klubs rm zukünftigen polnischen Sejm. 3. Organiffemng der jüdischen Gemeinde» i» Polen gemäß dem von der Konferenzgenehmigte» Entwurf. 4. Wirtschaftlicher Wiedecaniban der Juden in Polen. 5. Protest gegen die Verfolgung jüdischer Kultur- und Wohl- 'ahrtsinffitntivnen seitens der polnischen Regierung. 6. Begeisterte einhellige Anerkennung' für die Prager Beschlüffe betreffs der Wiederaufstellrnrg der j u d i s ch e n L e g i o n zum Schutze des jüdischen Lebens und Besitzes in Palästina. Bei der Annahme der letzten Resolution wurden enthusiastische Kundgebungen für ll a b.o f t nsky laut. Ueberfall der „Schlonsaki" ans die Konferenz der polnischen Zionisten. Lodz, 7. August. (Jüd. Korr.-Bur.l Bor Schluß der Hahreslonferenz der polnischen Zionisten belagerte eine Bande remobilisierter Schlesier das KonfecmzgebLuhe und schlugen auf die draußen angesammeken Inden mit aller Gewalt los. Sie verfochten auch wiederholt in den Sitzungssaal einmdrrngen, wurden aber jedesmal von der Menge zurückgestoßen. Erk die dringliche Intervention der Sejmdeputierten Dr. Thon, G r ü n b r u m, Hartglas und Dr.. Ros e n b l a t t bewirkte daS Einschreiten der P o l r z e u die die Siebenten verjagte. Cerny - tschechoslowakischer Gesandter in Wien? Prag, S. August. Die Briinner ^Lidovß Novinp" melden, baß Ministerpräsident T e r n h, falls er nicht als Minister des Innern in das neue parlamentarische Kabinett eiptreten sollte, als erster ordentlicher Gesandter der tschecho-slöwakischen Republik für W i e n nuSerseheA sei.' »NLrodnl Listh^ bemerken, daß die Richtigkeit dieser Nachricht in informierten Kreisen avaezweffelt wird. Me»« «»rgttqett»»« M Bugust l^rl Rr. N2- " •" ' ■ ■ - — «r- “i-; — ' 1 “■*' ■—'■■'In i Revolte in der Strafanstalt Stein. Einschreiten de» Militärs. — Tot, »nd Verwundete. . Zn der Strafanstalt di Ster» ifleine RevoNe der Sträflinge a«sgÄ> röche«, zu dere» Unterdrückung Mannschaften des Kremser Wahrruachtbataillo ns herangezvgen wurde», die von der Feuerwaffe Gebrauch machten und mehrere —. es heißt drei — Sträflinge erschösse«; eine wettere Anzahl dvn Sträflingen soll mehr s>bet weniger schwer verletzt sein. In der Anstalt hatte in der letzten Zeit , eine Ustruhige Stimmung geherrscht. Die Direktion hatte deshalb am - Samstag die Sträflinge durch ein. Rirkular an die Bestimmungen der Hausordnung erinnert- - wonach das H.erautreten der Häftlinge an die Zelle nfenster.. Verboten ist (um eine gegenseitige Verständigung und Verabredung zwischen den Sträflingen zu verhindern); für den Fall der Nichtbefvlgnng -wurde ein. Fasttag -Und den Entzug des Spaziergangs Egedrvht. Am SonnlAg warfen darauf die Sträflinge aus den Zellensenstern das Stroh Und hinterdrein bre,inendes Papier' in den Hof, wahrschtzinlich, um Brand zU stiften. Ein Teil' der Häftlinge weigerte sich, nach dem Spaziergang in die! Zellen znrückzukehren. Die Aufseher.brachten die Renitenten in die Zellen-zurück, doch kam es danach zu schweren Ausschreitnngen und Demolierungen, weshalb militärische Assistenz angesprochen wurde. Die Webrmänner machten gegen die Widerspenstigen von der Feuerwaffe Gebrauch'. Es heißt, daß d r e i S t r ä flinge tot und mehrere verwundet Von der Oberstaatsan w a l t s cha ft wird mit* gekeilt: Ein Teil der Sträflinge hatte sich' geweigert, '/den Hof zU verlassen, und als Grund wurde angegeben, daß ein Sträfling diszipliniert '-worden sei/ Gegen 11 Uhr wurde daraufhin Reichswehr requiriert, die in der Stärke von 16 Mann erschien. Den Sträflingen wurde eine Frist von 15' Minuten zum Einrücken gewährt. Da die Sträflinge nach Ablauf dieser -Frist! den-.Emrahnimgen keine Folg« leisteten, wurde mit - Unterstützungder l Anfseher an die R äumu n g d es Ho fes geschritten. Dieselbe vollzog - sich unblutig und in- Ordmrüg. ' ' ' Bald darauf begannen aber die' Sträflinge aus den Zellen' Arbettsmaterial 'herauszuwerfen und die Einrichtungsgegenstände, wie Pritschen usw., zu de mölleren und auf' die Aufseher und die Wache hinaus^ zuwerfen. Um 12 Uhr mittags nahmen die Demolierungen größeren Umfang an. AuS drei Zellen brachsn die Häftlinge aus, sie wurden jedoch wieder gefaU und eingeliefert. Im Laufe des Nachmittags wuchs die Erregung. - f t;;■ ■ ' Ganze Zellen wurde» demoliert und die Bruchstücke aus den Fenstern geschleudert.' Der -Sachschaden wird auf eine Million Krynen geschätzt. Es mußte schließlich eine Perstärkung der Reichswehr requieriert werden, die mit zwei Offizieren erschien. Das Gefangenhäus wurden unter Ein österreichisch-ukrainischer Vertrag. Wie das »llkrainste Slowo" berichtet, wurde kürzlich in Kopenhagen zwifchm dev Vertretern von Oesterreich und der Sowjetukrame ein Vertrag, betreffend die Repatriierung der K r i e g S g e f a u g e» e n, abgefchloffru. Die Ssterreichifche KriegSgefongenenmission, die iu Charkow amtiert, hat alle m der Ukraine verweilerrdm. Deutschösterreicher aufgefordert, sich zwecks ihrer Heimbefördenmg bei de» Sammelstelle» m Kiew, Chaftow und Odessa z« melde«. Die Wiederherstellung der Monarchie in Ungar«. Budapest, 9. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Gewisse ausländische Blättdr verbreiten Vas Gerücht über eine angeblich erschütterte Stellung der Regierung Bethlen. Diese Gerüchte sind^vollständig unbegrü ndet. Bezüglich der Wiederherstellung der Monarchie erklärte Ministerpräsident Graf Bethlen, daß er ein unerschütterlicher Mhanger des nationalen Königtums ist, das nicht nur das gegenwärtige Regierungsprogramm, sondern auch, das Programm der überwältigenden Mehrheit des Parlaments bildet. Die Bevölkerung des heutigen Ungarn betrachtet die Unabhängigkeit und die Lostrennung von Oesterreich' als die einzige Errungenschaft des Zusam m enb r u chs, die um keinen Preis geopfert werben darf. Demgegenüber will das alte Regime sein unpopuläres Programm a u f-S ch le i ch w e g e n erreichen, jedoch ohne den geringsten Erfolg,.wie es sich.anläßlich der jüngsten. Abstimmungen im Parlament zeigte, wo der Ko stenyoranschlag und das Büdgetprvvisorium fast von 90 Prozent der Abgeordneten angenommen wurden. Die parlamentarischen Ereignisse dienten nNr dazu,.die Parteien zur Verteidigung der gesetzlichen Ordnung sowie des nationalen und unabhängige« Königtum? fester, zu schmieden. ir Litten unsere geschätzten Abonnenten, sich bei Einkäufen ans den Inseratenteil «useres Blattes zu beziehen! MilitärlscheS Kommando gestellt Md Posten zögen auf. ' Gegen Abend wurde« die Posten mit schweren Eisen stücken und EinrichtungSgegeuständen beworfen. Und «S mußte wiederholt gegen die Fenster Fever ab'gegeben werden, weil die Gefahr bestand, daß die Sträflinge durch die Festster ausbrechen könnten. Zwei Tote blieben auf dem Platze, zwei StrMinge wurde» der Nacht verwundet. Gegen Morgen vermehrte sich die Zahl der Toten um eine«. Während der Nacht hatte« die Sträflinge auch versucht, bei der elektrischen Leitung Kurzschluß herzustellen und Finsternis herbeizusühren. Auch im Spitalshvf wurde das Wachpersvnal angegriffen. Bei der Abwehr wurden zwei Sträflinge verletzt. Erst um> 1 Uhr nachts trat Ruhe ein. - t' - .; Derzeit steht die Strafanstatt Unter Bewachung' von Reichswehr und bleibt es so lange, bis die Ruhe wieder vollständig her gest ellt fei« wird . Es stich 64 Mann unter dem Kommando von zwei Offiziere^ und vier Uuierofsifteren in der Anstalt mit dieser Aufgabe betraut. * Mends wird gemeldet: Bei, dem Grwehpseuer sind drei Sträflinge .getütet und mehrere verwundet worden. Bvn diese» ist wDdj; ein vierter Sträfling gestern früh, gestorben. Wie später sestgestellt wurde, war .es den Häftlingen dreier Zellen gelungen, aus de»;Zellen auszubr echvn. Auch sie wurden wieder in die Zellen gedrängt. Bei dieser Gelegenheit haL ein Häftling, der einem Reichswehrmanu das Bajonett entreißen wollte, sich eine schwore Berletzuutz> an der. Hand zugezogen. ' Am-Montag früh begab sich' der Stvatsanwalk von 5brems, der zugleich Kommissär der Strafanstalt' Stein-ist/ nach'. Stein und wirkte beruhigend' auf diel Sträflinge ein. "Er bemühte sich' auch, den eigentliche» Grund der Revolte zu erfahren. Die SträMngv konnte» überhaupt keinen besonderen Grund angeben. .Msti -Widerstand ist «och immer Nicht gebrochen, da noch immer die aufrühörisWu SVemeni» Vch Oberhand haben. Sie wirken auch terrvrisievvnd auf diejenigen ein, die allenfalls mehr Besiummg Mgew , und das Unvernünftige des ganzen Beginnens viusehe»» Sie werden von den aufrüherifche« Elementen mit dem.. E r s ch' lag en . bedroht« Nach' der letzpe«^ Mdphvnischen Mitteilung des Änfivttsdireüvrs herrsW vorläufig Ruhe und es ist -Aussicht vorhanden, daß die Meuterei ihr Ende erreicht. Es herrscht nämlich! bereits Üne in igkeit unter den Sträfling«»» und die besonneneren Elemente scheinen die Obyrhiand z« gewinnen. : . j ■ -----...^ Tagesbericht. Provinztag der zionistischen Ortsgruppen Oesterreichs. In Ausstthrmg eines am vorjährigen Parteitag von den Provmzdelegierten gefaßten Beschlusses wird am Sonntrr den 14. d. M., s Uhr vorm., i» M öd l i« % EnzerSdorf»- siraße 6, ein Pravinztag stattfinden. Da Montag de» 15.. d. M. ein Feiertag ist, ist die Möglichkeit gegeben, weniger wichtige Fragen nötigenfalls am. Montag zv erledige», so daß die aus der seineren Provinz kommende» Delegierten bei der Beratung der wichtigsten Fragen am Sonntag »»bedingt anwesend sein können. Die Tagesordnung wird folgend« Pnnst« umfassen: 1. Landespolitik> Organisation und Agitation m bte Provinz. . . 2. Stellung zu de» nichtjüdische« politischr» Parteien. ■ a. Der nächste Kongreß und der nächste Parteitage . 4- Pogromwaisen-Hilfsaktion; Keren Hajessod und Nationalfonds. 5. Jugendbewegung. 6. Hoch- und Mittelschulerveiniguogen. .7. Eventuelles. Ortsgruppen und an der Tagung interessierte Zionisten aus der Provinz, die bisher keinerlei schriftliche Verständigung erhalten haben, mögen umgehend telegraphisch an S e i d e», M ö b l t n g, mitteilen, ob ihr Delegierter zuverlässig M Tagung erscheint. Für die Einberufer des ProvinztageS: Zionistische Ortsgruppe Mödling, EazerSdorferstraße 6. Dr. Ludwig R o s e n h e ck, Dr. Hermann K a d i f ch. Provinzrefennte» im Zionistischen Landeskomitee. Schekelabrech»»-. Alle Schekelinhaber werden hiemit aufgefordert, die noch ausstehenden Schekelgeider bis spätestens Freitag den 18. d. M. im Zionistlschen Landeskomitee, H., ZirkuSgasse 33, täglich zwischen 9 und 2 Uhr abzuführen. Alle Schekelblocks sind mitzubringen und zu retournieren. Später« Abrechnungen werden nicht berücksichtigt.