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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-04 · Heft 906 (4.8.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 906 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6_Wien, Donnerstag Wiener MorgerrzeiLrrng GerichLsfaal. Leopold Wölfling in Wie«. Ei« gerichtliches Nachspiel. Bei der Sommernachtsredoute des Bühuenvereins am Platze des Eislaufvereins trat bekanntlich auch Leopold Wölfling, der vormalige Erzherzog, auf. der eine Vorlesung aus seinen Memoiren hielt. Nach Schluß dieser Dorlesung kam es z« einem Zusammenstoß zwischen beifallspendenden Zuhörern und Monarchisten. Es ereigneten sich Ohrfeigenszene» und Beschimpfungen auf beiden Seiten. Es wurden aus diesem Anlaste achtKlagen wegen wörtlicher und tätlicher Beleidigung, beziehungsweise wegen leichter Körperverletzung emgebracht Die acht Verhandlungen werde« vor dem Strasbrzirksgericht I ßattfinden. _ 60.000 Wohnungsnchende in Wien. Der Inhaber einer Privatrechtschule,. Dr. Ferdinand D iw i s ch e k, kündigte dem Beamten'Maximilian Stolz die Wohnung wegen dringenden Eigenbedarfs, weil, er beibr Wohnungen vereinigen müsse, um seine dermalige Lebensgefährtin heiraten zn können. .Es sei ans Rücksichten der Moral nicht zu« lässig, daß die drei Kinder aus erster Ehe mit einem bloß im gemeinsamea Haushalt lebendem Paare zusammenwohnen. Der Gekündigte bestritt, daß der gemeinsame Haushalt mit einer * Lebensgefährtin unmoralisch sei und das Beziksgericht trat dieser Ansicht bei, indem rS die Kündigung mit der Begründung für unwirksam erklärte, es sei nach der a l l g e m e i u herrschendenAaschannng nicht anstößig, wenn ein Paar im gemeinsamen Haushalt miteinander lebt, Ueber die Berufung des Klagers fand gestern vor einem Ferralsenate des Zioillandesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates Dr. Hellmer die Verhandlung statt. Der Bmrfnngsvertreter machte geltend, eS müsse aus die erwachsenen Kinder antimoralstch einwirken, wenn der Kläger mit seiner Lebensgefährtin zusammeuwohne, ohne sie geheiratet zu haben. Aber selbst abgesehm hievon, sei der Eigenbedarf ein dringender, weil Mann und Frau, brti Kinder und dir aufzunehmendeHausgehilfin, die nah dem Gesetz einen eigenen Schlafraum habe« müsse, nicht in zwei Zimmern wohne« können. Der Geklagtenvertreter erwiderte, es sei nicht einzuseheu, worin die sittliche Gefährdung der Kinder liegen solle, wenn der Kläger und seine Lebensgefährtin nicht verheiraiet sind. Zugegeben sei, daß das Wohnen in so beschrankten Verhältnissen unbequem seiallein die Zahl der Wohnungsuchenden in Wien sei auf 60.000 angewachseu und da müssen alle Rücksichten der Bequemlichkeit zurücktreten. Der Berufungssenat gab der Berufung ^eiueFolge und bestätrgte das erfirichterliche Urteil mit der Begründung, die Wohnungsnot in Wien sei eine derart große, daß aus Bequemlichkeit gar keine Rücksicht genommen werden könne. zu haben bei n Zinader Co. L 16., Lerchenfeldergörtel 29 Zu erreichen mit Linie 46, S, 51 iss Wilhelm, Kümmelberg, KrausI« Kohn. H ako ah: FreibergerU; Bettelheim, Einig; Fodor, Goldenzweig, Weitzner; Liechtenstein, Bürger, Adler, Wagner, Freiberger I. Das Spiel, das 4:0 (2:0 M unseren Gunsten endete, bot Hakoah Gelegenheit zur Vorführung ihres präzisen Kombinationsspiels, dem Makkabi. der im Verlauf des Spieles mehrfach vom Pech verfolgt war, nicht immer standhalten konnte. Den Este gern, die in ihren Reihen außerordentlich talentierte jugendliche Spieler haben, fehlt es an hartem Training. Im Verlauf des in sehr schnellem Tempo geführten Spieles zeigten sich der Zenterhalf Hermann U und das Hmterspiel der Makkabi von seiner besten Seite. Leichner, der Goalmann des Makkabi, der während des Spieles mit dem verletzten Kümmelberg den Platz wechselte, zeigte auf Seiden Posten gediegenes Können. Die Grazer hatten wieder tftt Rechts' ' Verbinder Bürger ihrm besten.Mann. Die Tore erzielten: Wagner. Bürger, Ltechtenstein, Adler. Erwähnenswert wäre noch die trotz des scharfen Tempos überaus faire Spirlweue. Am zweiten Tage war unser Gegner der Amatemsportllnb, Meister von Efseg und Gaumeister von Slawonien. Das Resultat 2:2 entspricht nicht ganz dem Kräfteverhältnis. Bereits bei Halbzeit mit 2:0 in der Führung, hatte Hakoah in der zweiten Spielhälfte sehr unter der rohen Spielweise ihres Gegners zu leiden. Die Amateure, die seit ihrem einjährigen Bestand «och keine einzige Niederlage erlitten hatten, und bisher nur zu siegen gewohnt waren, konnte es nicht verschmerzen, von Hakoah di? erste Niederlatze zu erleiden. Sie, wollten daher gegen die Gegner unter allen Umständen und mit allen Mitteln erfolgreich sein und fanden leider in dem Schiedsrichter einen nur allzu milden Beurteiler für ihre Presse. Nach Verletzung von vier Hakoahnern gelang es ihnen schließltch knapp vor Spielende, bei bereits eingebrochener Dunkelheit den Ausgleich zu erzielen. Der Hakoab-Mannschaft gebührt ffo ihre zurückhaltende disziplinierte Spielweise'vollstes Lob. Erwähnenswert auf Seite der Grazer die gesamte Deckungsreihe und die Verteidiger, die trotz der derben Spielweise ihre Gegner in Schach hielten. Auch das Vorspiel zeigt ein Kombinationsspiel, wie sie es bisher noch nicht gezeigt hatte. Pisk. der Kapitän der Hakoah. mußte bereits unmittelbar nach Spielbeginn nach einem schwerem Zusammenstoß einer R>vpmquetfchmig wegm ausscheiden. Jedenfalls ist dieses unentschiedene Resultat ein äußerst ehrenvolles und wurden der Hakoah-Mannschaft nach Schluß des Spieles lebhafte Ovationen von Seiten des zahlreichen Publikums dargebracht. _ Die Hakoah in C ernowitz. Zwei weitere Siege. Sport. Kreis Oesterreich der jüdischen Turn- und Sportvereine. Der Kreis Oesterreich' der jüdischen Turn- und Sportvereine hält am Mittwoch den 10. d. M., halb 8 Uhr abends, im Turnsaale des Makkabi- 9. Bez., Liechtensteinstraße 20, einen außerordentlichen Kreis- Turu- und Sporttag ab. Die Tagesordnung lautet: Verbandsturntag rn Karlsbad, a) Direktiven für unser« Delegierten, b) Wahl zweier Delegierter des Kreises. — Jeher Verein entsendet so viele Delegierte, wie zum Kreisturntag im Februar. Legitimationen witb schriftliche Einladungen werden nicht ausgesendvt. Der außerordentliche Turn- und Sporttag. ist ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Kreisvertreter beschlußfähig. - Mit Rücksicht auf die außerordentliche Bedeutung einer entsprechenden Vertretung des Kreises auf dem Weltturntag in Karlsbad (28. bis 31. August) und auf die Tragweite der dort zu fassenden Beschlüsse für das Schicksal aller jWischen Turn- und Sportvereine braucht auf die unbledingte Notwendigkeit einer gewissenhaften und vollzähligen Vertretung nicht näher hingewiesen werden. Mit der Grazer Hakoah in Jugoslawien. Hakoah (Graz)-Makkabi (Esieg) 4 : 0 (2 . ©). Hakoah (Graz)—Amateure tGffeg) 2:2 (2:0). Nach einer fast zwolfstündigen Fahrt trafen wir abends bei unserem Esieger Brudrrverein ein. Auch hier der denkbar herzlichste Empfang. Essrg ist dem Prozentsatz nach die stärkste Judengemeinde Jugoslawiens. Makkabi. kaum ein Jahr alt, bildet bereits den Mittelpunkt der jüdischen GesellschafL Die Klubleitung, lusammmgesetzt aus einer Reihe bewährter Zionisten, verstand es in ausgezeichneter Weise, die jüdische Jugend der Stadt um sich zu scharen. Die jungm Mädchen des Makkabi, vorwiegend dev bei uns unbekannten Hazena spielend und dem Schwimmsport ergeben, bilden mit dm eisernert Kem des Vereines. Für die Heranziehung dieser Kräfte gebührt den Herren H a h n, dem Präsidenten des Makkabi, Dr. Fritz L e d r r e r, dem umsichtigen Sekretär und unserem fürsorglichen Hüter sowie den übrigen Herren der Vereinslritung vollste Anerkennung. Der Aufenthalt wurde uns so abwechslungsreich wir möglich gestalteL Kr den Mahlzeiten Gäste der jüdischen Familien, fanden wir kaum Worte genug, für ihre wahrhaft großartigen Bemühungen zu danken. Ein Kommers mit Tanz, zu dem unsere Musiker daS ihre beitrugen, machte uus de« Abschied z» schweren Stunden. Dienstag den 19. v M. standen wir der ersten Mannschaft deS Makkab-. guenüber. Aufstellungen: Makkabi: Leichner; Ungar, Kraus Ul; Hermann K Hermann U» (Staat l«uanu;W Die Hakoah hat am Samstag und Sonntag zwei weitere Spiele in Czernowitz absolviert. Am erst« Tage' schlug sie ein Czernowitzer Tcam 12:1 (4 :1). Die Torschützen waren: S l u tz k y (4), Kligler .(3), G r ü n w a l d (3), H ä^u sl e r und S ch e u er. Am Sonntag siegte die Mannschaft über den rein rumänischen Verein Drrgosch Voda 11: 2 5 : 0). Die Torschützen waren: D i ck l e r (4), G r ü n w a l d (3), Bor 0 s (2), Häusler und S l u tz k y. — Die Reisegesellschaft ist gestern um Vs»9 Ubr abends wohlbehalten m Wien eingctroffen. _ Gideon I-Lieftnger A. C.-Reserve .1 : Ö (1:0). Das Resultat f.nw den Spielverlauf nicht chaiakteristeren. denn Gideon lag beständig im Angriff und nur die Schußunsicherheit der Stürmer bcwchrte Liesing vor einer, ziffernmäßig hohen Niederlage. Gideon war im Felde hoch überlegen; die Stürmer führten ein mustergültiges flaches. Kombinationsspiel vor. vor dem Tore aber raffte sich keiner zu einem herzhaften Schufte auf. Die Liefinger kamen nur selten über die, Milte. Ihr bester Mann war der Tormann. Gideon beherrscht gleich von Beginn an das Feld. Die beiden Flügelstürmer bringen den Ball immer rasch nach vorne. In der 20. Minute erzielt Terczvner mit Volleyschuß das einzige Tor. In der zweiten Spielhälste beherrscht Gideon ganz das Feld und nur der Tormann und , das Schußpcch der Stürmer bewahren Liesing vor. einer hohen Niederlage. Gideon U—Liesing l. Jüngmannschaft 1:2 (1:1). Der Tormann der Gideon, Klüger, wird gleich zu Beginn verletzt und muß ein Tor passieren lassen. Ehrenwald» gleicht bald darauf aus. In der zweiten Halbzeit fällt Gideon etwas-zurück und die Gegner senden zum zweiten Male ein. Gideon Jüngmannschaft—Liesing H. Inngmann" schaft 1.1 (1:1). Das Tor Gideons erzielte Zeisl. Internationales leichtathletisches Meeting des 933. A. F. Zu dem am Sonntag in Hütteldorf stattfindenden leichtathletischen Meeting des W. A. F. sind zahlreiche auswärtige Nennungen ringelauftn. Es habe« genannt: M. T. K.-Badapest: Csevte,, Bcdö Haluska, Kurunesi. Jnhosz, Maghar, Doktor Varadi. Görög, Grost; F. T. Nelnethy, Stolmar, Gerö und Vogel: Slavia-Prag: Joe, Bulin, Spahic, Bany, Janda, Pribyl; Sparta: Bohralik, Franzl, Frank, Skokan. Lichne, Naric; Preßhurger T. V.: Mecsaros, Fule, Kiss, Ktrcsar; Grazer A. K.: Friede, Dr. Arbeiter, Volkmar, , Rotfuchs. Weitere Nennungen auswärtiger Vereine sind angekündigt. Katz (Hakoah) mußte seinen Aufenthalt in Schweden abkttczen. da er von seiner Bank telegraphisch rückbernfen wurde. Er ist bereits in Wien eingetroffen und ist vüll des Lobes über die Aufnahme, die die Wiener Fußballer irr den nordischen Staaten gefunden habm. I» S. <£. Haschilto»,. In der gestrigen-Sitzung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Obmann Salomo«, Kassier' Koch, Schriftführer Kaßnrr und Kapitän' Schleuder. Sartistag den 6.. b. M. «m 7 Uhr abends Versammlung, Mannschaftsausstellung und Einzahlung. Erscheinen Pflicht I S. E. Ari. Heute, Donnerstaa. Training. Nachher um 8 Uhr wichtige Ausschußsitzung im Cafä Postsparkaffe. Wir bitten die AuSschnßmitglieder um bestimmtes Erscheinen. Samslag Vollversammlung und Mannschaftsaufstellung im Cafä Postsparkasse. Heros: Mittwoch Training der I. und akademischen Mannschaft auf dem Kaiiermühlener-Platz, erreichbar mit .,24"er-Wagen bis zum Gasthaus Klemens. Freitag Training der lt. und III. Mannschaft daselbst. Freitag, 8 Uhr Versammlung im Lass „Drei Lauser". IX, Alserstraße 84. iRaMer juchet tzze Verpumutnug der GeseWkeitsjeklio« statt. > _4. August 1921 Nr. PO# Der Volkswirt. Gestempelte Krone -- —.64 Centimes. Auszahlung Wien —.67 V- Centimes. In Zürich notierte: die österreichische Krone . , . —.67'/, (—.67 am 2. August), die österr. gestempelte Krone. —.64 (—.65 am 8 Augystj die tschechische Krone .... 7.55 ( 7.60 am 2. August i die Mack .. 7.35 ( 7.45 am 2 Augusts Agram . .. 3,40 ( 8.40 am 2. August) Bukarest ......... 7.60 ( 7.65 am 2. Augu st' Budapest ..1471/* (4,50 am 2 August) Warschau ......... (—.32 am 8 August' Andauernde Valntenhansse. Gin Dollar ---- X 1012.. Die Valutenhauffe fand ans dem gestrigen Markt ihre Fvit^ setznng und infolge der gesteigerten Nachfrage aus Deutschland sowie des neuerlichen Rückganges der Krone kam es zu einer! sprunghaften Aufwärtsbcwegung der Dollarnoten, die bis X 101Z stiegen. Auch polnische Mark waren stark begehrt und fliegen bis K 51. Pfund notierten K 3600/. dents ch e Mark K 1210, tschechis che Kronen K 1214, LireX 4225, 8 ei1255. Im folgenden die offiziellen Schlußsurse: Amsterdam 31.025.— Geld, 31.125.— Ware (gegen 2- August 30150.- Geld. 30.250.— Ware), Agram562.'-, 567.— (552—, 556.— '. Belgrad 2250.-. 2370.- (2204.- 3224.-1 Berlin- 1212,50, 1218,50 (1194.-, 1200,-), Brüssel 7517.50, 7557,501 '7355.—. 7395.—). Budapest 251.75, 254.75 (245.-, 248.-); Bukarest 1257.50,1267.50 (1240.-, 1250.-), Chriflunua 18-825.-; 12.875.— (12.525.—, 12.575.—). Kopenhagen — (14.975.-, 15.025,-), Lyndon 3615,-, 3635.— (3517.50; 3537.50) , Mailand und Triest 4265.—, 4285.- (41-70.-; 4190.-), New-Äork 1014.—, 1Y18.— (994.50, 998.50), Paris 7717.60 . 7757.50 (7517.50. 7557.50). Prag 1257.—, 1863.— (1226.50, 1232.50), Sofia 79260, 80250 (777.50 787.50); Stockholm —. —.— (19.870.—. 19.930.—), Warschau' und Krakau 50 25 . 52.25 (48.76 50.75), Zürich 16.650.—, 16.700.- (16.100-, 16.150.-), Madrid' — , —.-), Dollarnoten 1003,-, 1007.- (984.50; 988.50) Belgische Noten 7480.-, 7520.- (7280.-, 7320.-); Bulgarische Noten 780.-, 790.— (755.-, 765—), Dänische Noten 15.125.-, 15.175- (14.825.-, 14.875.-), deutsche Marknoten 1213.-, 1218.- (1193.—, 1199.-), malische Noten 8590.—. 8610.— (3495.—, 8515 —), französische Noten 7700.-; 7740.— (7490.—. 7530.—), holländische Noten 30.950.-; 31.050,— (304 00,—. 30.200.—), italienische Noten 4260.—, 4280.— (4140.—, 4160.—). unabgestempelte jugoslawische Noten 2236.—. 2256.— (3192.—. 2212.—), norwegische Noten 12.676.—, 12.725.— polnische Marknoten 50,—, 52 — (47.-, 49—), Rumänische Noten 1265.-, 1265.- (1235.-, 1245.—), Russische (Rom.) ——.—); Schwedische Noten 20.370.-, 20.430.- (19.770.-. 19.830.-), SchweizerNotml6.625.—,l6.675.-(16.085.-,16.1SS.-),tschechoslowakische Noten 1257.-, 1268.- (1230.-, 1236.-), ungarische. Noten neuer Emission 352.50, 355.50 (246.—, 249.—), Spanische Noten — Industrie und Handel Englands. London, 27. Juli. Die Länder, welche zu Beginn des Jahres überwiegend englische Kohle bezogen, haben sich nun infolge des drei Monate anhaltenden KohlenstreikS daran gewöhn^ ihren Bedarf anderweitig zu decken, und es wird nicht geringe Mühe kosten, das verlorene Gebiet wiederzugewinnen. Dasselbe gilt vom Eisen- und S t a-h l m a r k t. Es herrscht zwar rege Nachfrage, aber es wird auch nicht leicht sein, die Konkurrenz lahmzulegen, welche infolge der kurzen Unfähigkeit, zu produzieren und ^auszuführen, sowieauch infolge der übermäßig hohen Preise groß und stark geworden ist. Jetzt; wo wieder Kohle verfügbar ist kann, in Anbetracht des von de» mglischen Eisen- und Stahlprodnzenttn angekündigten, bedeutenden Preisabbaues eine wesentliche Besserung züvcrsichtlich erwartet werden. Dieselben Ursachen hemmm das Wiederaufblühen des Wolltex'tilhandels, welcher außerdem mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der allgemeinen Ansicht nach sollte die auf der Wolltextilindustrie lastende Koutrolle aufgehoben werden und die bestehenden Vorräte zum besimoglichen Tagespreise raschest abgestoßen werden. Es wird veilangt, daß der Lriüsd Ilustalisn Wool Realisation Association ein Zeitraum bestimmt wird, innerhalb welchem sie die unter Regierungsaufsicht gekauften Wollvorräte absetzt, wodurch ein störender Faktor für den Ankauf nener Wolle ansgeschaltet wird. Freilich müßten sichdie Fabrikanten bei der Ware, welche sie zu hohen Preisen emgekauft haben, auf schwere Verluste gefaßt machen, was auch für die Wollzüchter gilt, insofern sie einen gesünderen Markt für ihre neue Ware wünschen. In der B a u m w o l l i n d u si r i e hat sich die Gefamtlage in dm letzten Wochen gebrffert, insbesondere was die Nachfragen aus Indien «nd dem fernen Osten anbelangt. Die Spinnereien habm, dem Rate der Vereinigung der Banmwollspinner Folge leistend, die Arbeitszeit verlängeck. In der ägyptischen Sektion, in welcher in den vergangenen neun Monate» 35 Stunden wöchentlich gearbeitet wurde, hat man mit der vollen Arbeitszeit, das heißt 48 Stunden wöchentlich, begonnen. In der amerikanischen Sektion, welche viel größer ist, wmde die Vierundzwanzigstundenwoche der letzten sieben Monate ans eine Füufnnddreßigftundenwoche erhöht. Man nimmt an. daß dieser Wechsel, welcher die Kosten der Unternehmungen auf eine größere Erzeugung verteilt, zusammen mit der kürzlich vereinbarten 20'/«igen Lohnreduktion imstande ist, die Preise wesentlich herabönsetzen. Die Geschäftslage des Tuchmarktes ist zwar bester als sie war. immerhin aber noch flau. Nur wenig Firmen haben größere Geschäfte zu verzeichnen, dagegen sind viele von ihnen in kleinerem Maßstabe mehr beschäftigt, als dies noch vor wmigen Wochen der Fall war. Die im Juni versandten Preislisten haben n chl bin gewim'ch'm Erfolg gehab'. da die Preise zu hoch waren, als daß sie die Käufer hätten aulocken tönue».,

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