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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-04 · Heft 906 (4.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 906 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«t. m Mm, Somt'ristoj VXfteuit A»rge«ieümrg r. Augasr mr ***• Palästina, Syrien und Mesopstamien. Ein Bortrag -es Major» Ormfby Gor«. Novostl* -«folge werde«- i« der «ächsteu Aelt rvoo msiischr Studenten zu Studienzwecke» nach Prag kommen. Professor LomSak verhandelte darüber mit der tschecho-slowakifche» Regierung, die versprochen habedie angeführte Zahl der Hörer anfznnehmen. Diese Meldung bezieht sich zum größten Teil aus die russischen Studenten, die jetzt in Konstantiuopel studiereu, von denen sich ungefähr 600 gemeldet habe«, Exkaiser Karl in Ungar« verborg««? Der Wiener Korrespondent der „B. Z. am Mittag" meldet: Bon einer sonst gütnnterrichteten Seite wirb versichert, daß nach zuverlässig erscheinenden Nachrichten, die in Wien eingetroffen sind, Exkaiser Karl troß aller Dementis inUngarn weile und sich dort verborgen halte. Während die Schweizer Regierung di« englischen und französischen Meldungen, wonach der Exkaiser das Schloß Hertenstein verlassen hat, um sich auf dem Donauwege nach Ungarn zu begeben, auf eine Anfrage der deutschösterrerchischen Regierung dementierte und dahin beantwortete, daß diese Meldungen unzutreffend wären und Exkaiser Karl in der Tat noch auf Schloß H'ertenstein weile, ist Exkaiser Karl unbemerkt vom Schlosse Herten stein nach Budapest gefahren. Die Schweizer Regierung sei hinter das Lich t ge fährt, wenn sie annehme, daß sich Exkaiser Karl noch auf Schloß Herten stein befinde. In Ungarn bereiten sich Dinge vor, die die größte Aufmerksamkeit verdienen. Diese .Nachricht ist mit größter Skepsis aufzunehmen. - Unwahrscheinlich ist sie aber nach den Erfahrungen des Osterputsches und nach den letzten Bor«- Längen in Ungarn nicht. Die „Grazer Dagespost" meldet aus Laibach: Nach, einer Meldung des „Slovenski Narod" ist Fürst Hugo Wind ischg ratz in die Schweiz ab gereist. Wie verlautet, hätte er sich zu Kaiser Karl begebe». In Planina weilt auf dem Schlosse des Fürsten Mnbischgrätz derzeit Graf Erdödi. Die Landeskonferenz der polnische« Zionisten. Sri«, 2. Stapft (Privat.) Am 31. Juli nach, mittags wurde die fünfte Landeskonferenz der polnischen Zionisten ün Konzerthaussaal in Lodz eröffnet. Von den angemeldeten 430 Delegierten waren bei der Eröffnung 382 anwesend, welche 163.000 SchekelzalM repräsentieren. D'ie Konferenz wurde mit einer Erklärung des Mitgliedes des Zentralkomitees Doktor Klumel eröffnet, in welcher er auf den unerschütterlichen Willen der polnischen Judenheit zum Aufbau Palästinas hinwies, der durch keine Kraft der Welt gestört worbe» kau». Großen Jubel löste bei der Konferenz die Begrüßungsdepesch« Dr. Weitzmanns aus, in welcher es heißt: „Die Konferenz der polnischen Zionisten hat ungeheure Bedeutung für unsere ganze Organisation. Trotz aller Schwierigsten und Störungen steht die Balsour-Deklaration fest und unerschüttert." Nach einem Referat von Dr. Gott lieb über die politische Lage im Zionismus ergriff, stürmisch begrüßt. Abgeordneter Grünbaum das Wort, welcher darauf hinwies, daß der Kampf um Palästina organisch, mit dem nationalen Kampf in den Ländern der Galnth verbünden ist und der dann ausführlich die Probleme der politischen Gegenwartsarbeit in Polen behandelte. Er legte dar, daß die Lage der Juden in Polen dadurch charakterisiert werden könne, daß die Ausrottungspolitix gegen die Juden und ihr Kamps um die primitivsten bürgerlichen und nationalen Rechte in Permanenz sei. Gerade jetzt sei darum in der jüdischen Politik in Polen eine Vereinheitlichung der politischen Gruppen notwendig. . Nach der Rede Grünbaums wurde die erste Sitzung geschlossen; die Wahl des Präsidiums findet in der nächsten Sitzung statt. Irrland. Eine günstige Wendung in der Kreditaktion. E'ne parlamentarische Korrespondenz meldet: Die Kreditaktion ist endlich in ein Stadium getreten, das nunmehr eine rasche Entwicklung erwarten läßt. Nach Informationen der ausländischen Vertreter Oesterreichs kann nunmehr damit ge« rechnet werden, daß bereits in allernächster Zeit ein Betrag von f ü n f M i l l i o v e n Pfund Sterling, daS sind also 15 Milliarde» Krone«, zugunsten der österreichischen Hilfsaktion flüssig gemacht werden wird. In Regierung-- kreiien glaubt man annehmen zu können, daß die Liquidierung dieses Betrages noch im laufendenMonat erfolgen wird. — Eine Bestätigung der Meldung liegt nicht vor. * Masaryk 1« Oesterreich. Wie berichtet wird, verläßt Präsident Masaryk la'outag den 8. d. M. Capri und reist mit Geparatzug abends von Neapel ab. Auf der Fahrt trifft Masaryk in der Station S e l z t a l am 10. d. M. mit dem BundeSprästdenten Harnisch zusammen. Beide reisen nach H a l l st a d t. Rach einigen Stunden Aufenthalt begleitet Dr. Hainisch den Präsidenten Masaryk bis Attnang, von wo der BundeSprästdeut nach Wie» zurückkehrt. Die englische Liga de« Völkerbund«» unterhält Sommerkurs« mit dem Zwecke, die öffentlich« Meinung für den Gedanken deS Friedens und des Völkerbundes zu gewinne» und in die breitesten Pevölkerungsschichten eine mm Geschichtsauffassung hinnnzutragen. In einer dieser" Schulen der Bölkerbundslrga hielt vergangene Woche byS Mitglied des englischen Unterhauses, Major Ormfb y- Gvre, dessen Zionisten sreundlichkeit und Palästina-Liebe in wiederholten Parlamentsreden und Anfragen an die Regierung sich äußerte, einen Vortrag über die Mandate unter besonderer Berücksichtigung des Palästina-Mandats. ' Einleitend warf Redner eine» Rückblick auf die Entwicklung des Völkerbundes und des Mandatsystems., wobei er hervorhob, daß der Völkerbundrat derjenige war, der die Mandatsfrage anschmlt und behandelte, Es sei eine in der Presse vielfach verbreitete falsche Ansicht, daß der Völkerbund irgendeinem fee* stimmten Lande ein Dtandat auferlegt habe. Der Völkerbund hatte überhaupt deine Wahl bei der Festsetzung der Länder, welchen ein Mandat zugewiesen werden sollte. Dies war den alliierten Hauptmächten Vorbehalten, und bei der Friedenskonferenz wurde auch nicht der Versuch gemacht, di« Mandatare den Mäuschen der Bevölkerung der Mandatsgebiete entsprechend ansznwählen. Es sei demnach auch ungerecht, den Völkerbund damit zu beschuldigen. daß er de» britischen Steuerzahler mit den Verwaltungskosten der Mandate belastet habe. Die britische Regierung habe diese Aufgabe freiwillig auf sich genommen. Infolge der Unruhen in Jerusalem im Jahre 1080, führte Major Orrnsby-Gore weiter aus, erachteten es die Mächte für notwendig, darüber schlüssig zu werden, wem die Verantwortung für hie künftige Verwaltung i» Syrien und Palästina überantwortet werden solle. Konflikte, wie jene in Jerusalem, gehörten nicht zu den Seltenheiten. Unruhen religiösen Charakters kämen besonders um die Ofterzett häufig vor, wenn das P e ß a ch fe st, die christlichen Ostern und das mohammedanische Fest Nebi - Mufa Mäklig zeitlich zusammensielen. Die Mandate „A" über Palästina, Mesopotamien mb Syrien waren nur temporärer Natur. Sie hatten zur Voraussetzung, daß die Mandatsm.acht so kaltr als Möglich ihre Funktionen als Mandatar ein stellen und die Mandatsgebiete als unabhängige Staaten mit eigener, selbstregierender Verwaltung anerkannt würden. Damit war also die Anerkennung dreier neuer unabhängiger Staaten vorauszusehen, welche als vollwertige Mitglieder dem Völkerbund angehören sollten. Die Mandate der Kategorie „B" waren damals rwch nicht in Kraft, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die in Betracht kommenden Mächte, v'arwchmlich Großbritannien und Frankreich, nicht in der Lage waren, die sogenannte amerikanische Frage entsprechend rasch zu erledigen. Im November 1920 erklärte sich die Regierung der Vereinigten Staaten in einer Note an das britische Auswärtige Amt als „interessierter Teil" und wünschte, daß das Regulativ über die Mandate her amerikanischen Regierung vorgelegt werde, bevor es dem Völkerbund bekanntgegeben wird. Die Mandate „B" waren damals noch nicht veröffentlicht, obgleich sie bereits bestanden und bloß Amerika noch nicht amtlich bekanntgegcben vmrden. In der letzten Sitzung des Völkerbundrates erklärte jedoch' der Vorsitzende, daß er an die Hauptmächte der Entente eine Note ergehen ließ, mit der Erklärung, daß der Völkerbundrat es für wichtig halte, baß die alliierten Mächte noch vor der ersten Sitzung des Völkerbundes mit der amerikanischen Regierung zu völligem 'Einverständnis gelangen, damit der Völkerbund, entsprechend der ihm auferlegten Verantwortung, seine Wirksamkeit beginnen möge. Redner meint nun an dieser Stelle, daß es ihm unbekannt sei, ob die französische Regierung tatsächlich diesem Wunsche, betreffend ihre Mandate über Syrien und den Libanon, entsprechen und der amerikanischen Regierung den Entwurf vorher vorlegen werde. : Auf das Problem Mesopotamien, Syrien Und Palästina übergehend, führt Major Ormsby- Gore auS: Dis Meinung, daß wir uns irgendetwas von diesen Gebieten aneignen wollen, wurde bereits völlig zerstreut. Mesopotamien ist durchaus nicht das, was man im allgemeinen ein rentables Geschäft nennt. Und Palästina? Mm, ich glaube, es wird sich binnen kurzem bezahlt machen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. BiS einmal die Rivalitäten zwischen den Religionen und den Rassen beigelegt und die einzelnen Bevölkerungsschichten miteinander in Frieden leben und gemeinsam an dem Aufblühen des Landes arbeiten werden, muß allerdings noch eine Trsppemygcht im Lande gehalten werben, Heren ErhlrltUntzgewisse. Beträge erfordert. Welcher Ausblick gewährt sich nun?. In Mesopotamien wird' daS Mandat dort kurzer Dauern sein. In -Palästina jedoch bedeutet es eftw viel länget wählende Aufgabe. Denn hier tzat man es mit vinpr.! durchaus nicht homogenen Bevölkerung und mir: mannigfachen internationalen Interessen und politischen Problemen.zu tun. Im Sinne der EELrung der britischen Regierung, welcher gleiche Erklärungen der alliierten Regierungen gefolgt sind, Und schließlich^ im Sinne des Friedensvertrages selbst Verfolg dieses Mandat eine besondere Politik, irrämlich hre UnterMtzUttg der zionistische« Bewegung in' Palästina. Im Sinne dieser Erklärungen, hat diese Politik den, Zweck, die jstdischnattonale Bewegunng zu stärken mb gleichzeitig die bürgerlichen und re.lt-! giösen Rechte der übrigen Bewohner des Landes zu, schützen. Die Balfour-Deklaration hat eben zwei Seiten: Großbritaunie-n wurde die schwere Auf-! gäbe auferlegt, einerseits die Entwicklung und den^ Ausbau der j üdisch'en Ratio-nalheimst ätte zu erleichtern und zu fördern und andererseits her.. nichtjübische» Bevölkerung all« Sicherheiten' . zu schaffen. Diese Aufgabe jst sicherlich sehr schwor und . wir werden wahrscheinlich von beiden Seiten Vorwürfe erhalten. Aber zweifellos est dis Aufgabe eines, großen mächtigen Landes würdig. Wird Jerusalem entsprechend dem Sinwe seines Rameps eine Stadt des Friedens anstatt Dinier Stätte der Rivalität zwischen Sekten, Rassen mb Religionen werden, so habkrr wir schon viel erreicht. Dan« WM ein wahrer Kreuzzug mit Erfolg abgeschlossen sein wnv ft* wird uns vergönnt seiiy, in dem,Lande Frieden Und Fortschritt und das Wiederaufleben des Landes i« moralischer, geistiger und wir4schjaftlicher Hinsicht zu fehoni. , In der Diskussion äußerte sich Major Wernsb'y- Gore über verschiedene mit dem- MMhate zusammenhängende Rechisfragcsr sowie Über Kid Einwanderungsfrage. Er stellte zunächst in Abrede, baß.Palästina schon jetzt von Inden wahllos überflutet werbe. Es' seien feiner Erkenntnis nach Ungefähr zehntauseind! Juden ein gewandert. Dies bedeute absolut yar nichts-! Je früher mit dem» fifttttofattf begonnen und der 'bisher anbenützte Nodien > für dem Einwanderer erreichbar wird, destck besser wird' es! für das' Land sein. Sollte eine Mandatsmacht ihre^ Macht mißbrauchen, so würde das sicherlich weiterhin bekannt werden und der Völkrtbundrat hätte di» Mög-! lichkeit, einznschreitan. ES sei jedoch! notwendig, daW die Entscheidungen des Völkerbundraies durch Ejwe;' moralische, politische und wirtschaftliche Macht Deckung finden. Wohl enthalte das Mandat keine Bestimmung dafür, welche das Mandatsgebiet zwingen könnte, die von der MMdatsmacht geleisteten Auslagen zurück-' zuerstatten, aber ebensowenigkann bi» MandaLsmacht gehindert werden, sich ft* rationeller Weise für die Verwaltungsspesen infolgedes Mandats schadlos zu halten. Rene LandungsschwierigKeiten tuJassa. Jerusalem, 1. August. (Jüd. Korr.'Bur.). Bon den im'! Hasen von Jaffa angekommenen Sl) jüdisch« Passagieren konnten^ bloß zwei, und -war Dr. Weinberg uud ein Sohn! U s s i s ch k i a S, in Jaffa landen. Die andere» mußten in Haifa! auSgeschifft werden, da die aradischm Bootsleute in Jaffa bic. Ausschiffung verweigert haben. Die Dringlichkeit der Orientfrage«. Monfigrrüre Cerettt 1» Park». Park». S. August. (Havas.) Monsignore T e r e t t i, drr avostplifche Nuntius, wurde heute vormittagbei feiner Ankunft von I o n n e r t als dm Vertreter V r i a n d 8 und dem Er;- bifchof von Pa,iS begrüßt. Bei einem Empfange der Pressevertreter erklärte der Nuntius, daß die Orient frage» vor allem feine Aufmerlfamkrit beanspruchen, da ihre Lösung von a l l e r< g r ö ß t e r D r i« g l i ch k e i t sei. BialiK kommt znm Zionistenkongretz. »omfiantknopel, 3. August. (J'üd. Korr.-Bur.) Ein französischer Dampfer ist mit 180 russischen Emigranten an Bord noch Palästina abgegangen. Zw diesem Transport bcfindm sich auch einige der jüngst aus Odessa gekommenen hebräischen Schriftsteller, für welche die paläsirirensische Retziernng mit Rücksicht auf den Dichter Bialik, eine spezielle Einreisebewilligung erteilt hat. Bialik ist nicht mitgefahren,, er begibt sich' dieser Tage irr hebräischen Gerlangsangelegen«- heiten nach Deutschland und von dort -um Zimnsteiwkongreß nach Karlsbad. IIss ausgesucht Beste In HirrtR« and DamenstofVen finden Sie jetzt noch von altem Vorrat zq alten billigen Preisen in der Wiener Bastenmesse nur VI., Windnyihlflasss Nr. 3

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