Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 905 (3.8.1921)
- Date
- 1921-08-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Jtr. 9ÖS Mm. «ttwvch --...v ... — . , —-- Meuer Mürgenzettung, . 3. August 1921 - ... 1 J —-' ■ ■ - •■ , .MOB* Die Aufgaben der Sachverständigen* Lonferedz. Pari«, 2. August. (Hava-.) Der ,Te m p S^ gibt eine Uebersicht über die verschiedenen Probleme, mit denen sich die finanziellen Sachverständigen befafien werden. Das Blatt glaubt zu wissen, daß bezüglich der Kosten der militärischen Besetzung ein Uebereinkommm unter den Alliierten nahezu hergeslellt sei. Bezüglich der Frage der Wiedergutmachungen in nahm», sagt daS Blatt, habe sich wegen der fr.uizösijch-drulschen Verhandlungen bei gewissen Alliierten eine Beunruhigung gezeigt, da ste besürchtcu, oaß Frankreich gesondert mit Deutschland vertrauliche Abmachungen abzuschließen suche, dir ihm besondere Vorteile einräumen würden: WaLdbrand in den Vogesen. London, 2. August. (Funksprnch.) In den Vogesen, von Wattwciler bis Harlmamisweilerkopf, wütet ein ungeheurer Waldbrand. Alle Löschversuche find unmöglich, da massenhait nichtexplodierte Geschosse durch die Hitze zur Exploflon gebracht werden. Die Gräber von lausenden Soldaten, die im Weltkriege gefallen und dort begraben find, fielen den Explosionen zum Opfer. Ukrainische Pogromwaisen nach Kanada. London, l. Augull. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Vorsteher des kanadischen Hilfskomitees für ukrainische Kriegswaisen find hier auf dem Wege durch Antwerpen emgetr offen, um den ersten Transport von 160 Pogiomwaisrn, darunter solchen von nicht vollen 3 Jahren, nach Kanada zu überführen. Das Schiff m t diesen 150 Waisenkindern, wird am 9. August l. I. den Hafen von Antwerpen verlassen.' Der Mörder des Majors Montaldgre verhaftet. Parks. 2. August. (Funlspruch) Die AgenceHcwas meldet, daß per Mörder des französischen Maiors Montalögre in Beuchen von einem englischen Offizier verhaftet worden sei. Eröffnung der Bahnlinie Taza—Fez. Parks, 2. August. (Funkspruch.) In Marokko wurde di« Bahnlinie Taza-Fez feierlich eröffnet. Eine allslawische katholische Liga. Wie die Prager „Narodrii Wh" erfahren, toll eine allslawische katholische Liga gegründet werden. Zu dem für den 4. bis 6. d. M. nach Belehr ad m Mähren ein* berufenen gründenden Kongreß die'er Liga seien Vertreter aller slawischen Nationen ein geladen worden- Pronay mutz vor den Immunitötsausschutz. Budapest, 2. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bvr.) Der Vor* fitzende des Jmmunitätsausschustes Kuttkasalvi hat den Ausschuß für morgen vormittags zu einer Sitzung einberufen, in der die heute angemeldeten Falle der Jmmunrtütsverletzung der Abgeordneten Rakovszkh und Beniczky beraten werden sollen, die beide von P r o n a y in Briefen beleidigt worden waren. Der Vorsitzende hat sofort nach der Sitzung der Nationalversammlung den Landesverteidigungsminister aufgesucht und an ihn daS Ersuchen gerichtet, Maßnahmen zu treffen, daß Oberstleutnant Pro nah und die drei Offiziere, bieder Be- Iciöifiuttfi des Abgeordneten Bemczly beschuldigt werden, morgen um 11 Uhr zur Einvernahme erscheinen. Der Landesverteidigungsminister teilte sofort mit, daß er noch im Laufe bc8 heutigen Tages den erwähnten Offizieren die Weisung erteilen werde, vor dem Immunitätsausschuß zu erscheinen. Eine neueKommuniftenhetzein Ungarn. Budapest, 2. August. (Nng. Tel-- Korr. - Dur.) Das Ministerium des Innern erhält fortwährend aus allen Teilen des Landes Berichte über die Verbreitung von kommunistisch e n F l u g s ch r i f t en, die teils auS Budapest, teils auS Wien stammen. In diesen Flugschristen wird namentlich die landwirtschaftliche Arbeiterschaft gegen die Gerstlichkeit und gegen das Bürgertum aufgehetzt und ausgefordert, die Ernte in Brand zu stecken und andere Verbrechen zu begehr«. Die zuständigen Behörden haben im ganzen Lande eine eingehend« Unter« s n ch u n g eingeleitet. , Eine geheime Sitzung im Tisza-Prozeß. Budapest, 2. August. (Ung. Tel.-Korr.'B«r.) In der heutigen Verhandlung des Prozesses gegen die Mörder deS Grafen T i f z a wurde das Verhör deS Zeugen Ulein fortgesetzt. Zeuge gab an. daß er von HMner rin Schreiben erhalten habe, worin dieser ihn ersucht, mit Rücksicht darauf, daß sein Geständnis für den Gang der Untersuchung förderlich gewesen sei, für ihn und seine Braut zu sorgen. Gewissermaßen als Pfand behalte er jedoch die objektiven Beweise zurück. Auf Befragen des Vorsitzenden bestätigte Hüttner, daß er diesen Brief geschrieben habe, und crllärte, daß er Näheres hierüber nur in geheimer Sitzung sagen werde. Daraufhin wurde eine geschlosfene Verhandlung durchgeführt, dw zwei Stunden dauerte. Nach Wiedereröffnung der öffenilichen Sitzung erklärte der Vorsitzende, Hüttner hatte alles, was er in geschloffener Sitzung gesagt habe, ruhig auch öffentlich milteilen können. i Bas Massensterben in Russland. Der Kampf gegen die Epidemien. Der Leiter der außerordentlichen Kommission der polnischen Regierung zur Bekämpfung der Epidemien, Professor Emil Gvdlewski, schildert die Vorkehrungen, die an d«r russischen Grenze gegen die Einschleppung der Epidemien getroffen wurden. Die Flüchtlinge, die Heimkehrer find die Träger der Infektion und angesichts der ungeheuren Verbreitung, welche die Cholera, Ruhr und Malaria in Rußland gefunden haben, sind außerordentliche Anstrengungen notwendig, um die Einschleppung wenigstens im großen zu verhindern. Das Auftreten von massenhaften Erkrankungen an Cholera in Sowsetrußland ist schon vor einiger Zeit signalisiert worden. Als Schutzmaßnahme wird ein« umfangreiche Jmpfungsaktion durchgeführt. Auch die Pest ist in Rußland in großem Umfang aufgetreten, doch ist für Polen bisher nur die Malaria gefährlich geworden, da sie in den Sumpfgebieten an der Ostgrenze starke Verbreitung gefunden hat. Es fehlt an Chinin, das sehr teuer rft, und dies hindert die Bekämpfung der Malaria, die im Gebiet der Pinsker Sümpfe und entlang des Bug sehr verbreitet ist. Der F l e ck t y p h u s, der Hchon seit vier Jahre» in Polen grassiert und nur durch die Lause übertragen wird, hat noch im Jänner 1920 100.000 neue Erkrankungen hervorgerufen, wovon im Laufe eines Monats 13.000 Menschen starben. Die R u h r ist eine Folge der bolschewikischen Invasion, doch wird die Epidemie, die bei einzelnen militärischen Abteilungen und in gewissen Dörfern besonders arg auftrat. durch Impfung ziemlich wirksam, bekämpft. Auch die Cholerabekämpsung zeigt gute Resultate, doch gibt es noch Gefahr. An der Ostgrenze sind entlang der Eisenbahnlinien sanitäre Kvntrollstatiqndn errichtet worden, die mit Badeanstalten und Desinfektoren ausgestattet sind. In dem Orte Baranv-witschi allein wurden von Mitte Mai bis Mitte Juli 35.000 auS Rußland gekommen« Personen gebadet und desinfiziert. Entlang der russischen Grenze gibt es 121 Spitäler mit 8000 Betten. Eine besondere Schwierigkeit im Kampfe gegen die Epidemien liegt in dem Widerstand des Ba uernVolkes gegen Desinfektion und Impfung. Eine sehr wesentliche Hilfe hat derBölkerbund geleistet, der eine besondere Epidemiekommission nach Polen entsendete, und deren größte Leistung die Lieferung von Sanitätsmaterial und die Ausstattung für fünfzig Wpitalseinheiten, < ferner von Arzneien, Wäsche usw. war. Auch dgs amerikanische Rote Kreuz nick» die englische Gesellschaft der Freunde haben große Verdienste. An den Haupteingangstoven der Epidemien, wie in Rowno und Baranowiezi wurden, ebenso wie an der sogenannten grünen Grenze, dort, wo Tausende ohne Erlaubnis die Grenze überschreiten, Kontwllstationen errichtet, wo sowohl geimpft als auch das Vorhandensein übertragbarer Krankheiten festgestellt Ungarn verlangt 90 Milliarden Schadenersatz. Budapest» 2. August. Die zur Untersuchung der Invastonsschäden nach Ungarn ent'andte Ententekommisston wird ihre Arbeiten demnächst beendigen. Ungarn schätzt den Schaden durch d'e Invasion ans 90 Milliarden Kronen. die stch zu 90*/» auf die rumänische, z« 9*/, auf die serbische (Barantza, Reu-Szegedm und Baja) und zu 1*/, auf die französische Invasion verteilen. Ungarn wird seine Forderungen dem Obersten Rat gut Einrcchnung in die Reparationssnmme vorlege«. Die Nach« an Karolyi. Budapest, 2. August. lUng. Tel.-Korr.-Bur. Nationalversammlung.) Referent Mrkovenyi emvfirhtt de» Gesetzentwurf über die vermögensrechtliche BerankwortungderHochverräterzur Annahme. Abgeordnetrr R a f s a h (Opposition) betont, daß stch der Gesetzentwurf eigentlich auf den Grafe« Michael Karo l h i beziehe. Es sollte das ganze Ftdeilommiß der Hochverräter dem Staate zufallrn, dem» «S gehe nicht an, Seitenverwandte mit einem Geschenk zu bedenken. Abgeordneter G r i e g e r (christlichnational) erklärte, er gebt der öffentliche» Meinung des Landes Ausdruck, wen» er den Grafe» Michael Karoltzi einen niedrigen Hochverräter nenne; Karoltzi habe mit den Feinden Ungarns ei« BünduiS zur Rrvolutionierung des Landes abgeschloffen und mit diesen Feinden verhandelt, um sogar die Integrität deS Landes zu opfern. Die von chm hervorgerufene Demoralisation der Soldatm habe die Organisierung der Nationalarmce vereitelt und seine Schuld sei rS, daß Oberungarn und Siebenbürgen in dir Hände der Feinde fielen. — Das Gesetz wurde angenommen. Das jüdische Schulwesen ln Bulgarien. Sofia» 1. August. (Jüd. Korr.-Bur.) Die bulgarische Kammer nahm das neue Schulgesetz in allen drei Lesungen an, demzufolge die ErziehungS- und BildungSansprüHe der nationalen Minderhriien erfüllt wurden. Im Einkiange mit dem ncuen Gesetz übernahm die bulgarische Regierung die Deckung des Budgets deS gesamten jüdischen Schulwesens durch staatliche Mittel. wird. Nach polnischer Ansicht ist die sanitäre G'reNkzüberwachung gut organisiert. m Bon Wiener informierter Seite wird uns mitgeteilt: Bezüglich des Auftretens der Cholera an dev russisch-polnischen Grenz« wird versichert, daß für Oesterreich keine Gefahr besteht. Es scheint sich vielmehr nur um vereinzelte Fälße zu handeln; Sollte aber die- Cholera Ausbreitung gewinnen, fb>; würden sowohl bei den österreichischen als äUH bei den tschechischen Einbruchs st at io nen umfassende Schutzmaßnahmen getroffen werden. Grenzsperre in RrrmLiüen. KvpenHiatzen, 2. August. <Tel.-KomP.) Nach teinn Meldung der „Jswestija" wurden im Juni in MoskaE 3 40 0 0 C h oleraerkra n kirn gen veMriert. MiÜ Rücksicht auf die Ansteckungsgefahr wurde die «russische rumänische Grenz« auf Anordnung der rumänischen Regierung vollkommen gesperrt. Der Marsch ans Moskau. 1. August. (Wolfs.) Nach einer Meldung der „Jswestija" beläuft sich die Zahl der hungernden Bewohner in Ostrußlanb, die auf Moskau marschieren, auf über sechs Millionen. ■ Verlassene Kinder. „Politiken" wird aus Riga telegraphiert: Amblich wird mitgeteilt, daß die Cholera im Gouvernement Samara furchtbar wütet. In der Stadt Samara allem koinmen täglich 400 neu« Fälle vor. Eine -ungeheure'! Anzahl flüchtender Eltern hat ihre Kinder zurück-! gelassen. Im Gonvernement Samara 'gibt es bereitK Liber 40.000 .solcher verlassener Kinder. Beginn der Rettungsaktion Hoovers. Washtnigjton, 2. August. (Tel.-Komp.) Ho ober) erteilte b*m europäischen Vertreter her amerikanischen^ Hilfslager Walter Ny man die Anweisung, sich nach Riga zu begeben «und all« Vor b e re i tun ge. ns für die Unterstützung Rußlands feit .treffen/ sobald bi« amerikanischen Gefangenen von dar Sowjetregierung'. freigelassen find. Hovver erklärte, die Lebens mitteltranspvrte sollten auf dem Wege über Dan«-'' zig sofort beginnen,, sobald ein« Einigung mit Ruß-' land erzielt sei.! »Nicht hoffnungslos". Mio-iHttt, 2. August. (Funkspruch.) Me vom allrussifthen Vollzugsausschuß eingesetzte besondere' Kommission, die sich in dfe Hungetgebiete begehen hat,^ berichtet, daß die allgemeine 'Lagezwav s e h rsch w ie^ rig, aber nicht hasfnungslvS sei. *.• .v? f Die Aufteilung de« Donauschlffahrts« material. =, ..., \ Pari», 2. August. (HqpaS.) Der Schiedsrichter für die m den FriedrnSvtl trögen erwähnten internationalen Frage», betreffend die Flußschiffahrt, Walker D. H y n r S, hat heute seines Entscheidungen über die Frage deS Donanschif^ fährtSmaterialS bekanntgegeben. Der Schiedsrichter sieht die von Frankreich, Serbien md Rumänim an Loko- Objekten, die 809,000 t an Schleppschiffen und 48.000 ük an Remorqueme« umfaffe«, vollzogenen Beschlagnahmen a ls gültig an. Nahezu alle diese Schiffe sind vom vsterreichisch-nngarischm Kciegsministerimn zu militärischen Zwecken benützt worden. Jndeffe» ist der Schiedsrichter der Ansicht, daß eine relativ kleine Anzahl dieser Schiffe, die von dm privaten Besitzern verwendet wordm sind, de« B e s i tz e r n znrü ckznstelley ist. Lnlangend de» den kverbündeten Donaumächtm zur Veftiedigung ihrer berechtigten Bedürfniffe abzutrrtrnden Teil des FlußschiffahrtSmaterialS Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns ist der Schiedsrichter der Ansicht, daß die Bedürfniffe Jugoslawiens und Rn- «änims durch die in ihre« Besitze befiMiche Flotte «nd durch die Beschlagnahmm, denn Gültigkeit bestätigt worden ist, vollauf befriedigt find. Der Schiedsrichter hält dafür, daß Oesterreich diese» Ländern und der Tschecho-Slowakei gewifst Passagierschiffe abzntreten hätte und daß ferner Deutschland, Oesterleich und Ungarn der Tschecho- Slowakei in einem von ihm bestimmte» Verhältnis 70 000 t a» Schleppschiffen und 4450 Pferdekräfte an Remorqurnren für ihren Handelsverkehr a b t r e t e n sollte». Der Schiedsrichter wird am 22. d. M. in Wren de» Vorsitz bei der Sitzung führen, die die Fragen bezüglich der Bezahlung der abgetretmen Schiffe an ihre rechtmäßigen Besitzer zu regeln hat, welche Bezahlung der Schiedsrichter gemäß den Verträgen mit Oeßerreich und.Ungarn festsetzen soll. Er wird ferner eine Sitzung abhaltcn, um zu beflimmm, in welcher Weise das ungarische Donameguliernngs- und AuSgesialtungSmaterial zwischen Ungar», der Tschecho-Slowakei, Jugoslawien «vd Rumänim aufzutrile« sein wird. Zionisten! .-.- Der Schekel ist eine streng yerrechenhare Drucksortei Es ist Eure dringende Pflicht, die verkauften Blocks unverzüglich abzurechnen