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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-02 · Heft 904 (2.8.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 904 (2.8.1921)
Date
1921-08-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 904 Men. Dienstag Wiener Morgenzettnng 2. August 1921 Seitesei, mit denen, neu# meiner Ansicht, soundsoviel» Harmlose Staatsbürger aus ihrer Ruhe aüfgeschreckt Und gemartert werden sollen." Ms solchem Holze waren die Männer geschnitzt, die die siegreichen Antisemiten ein wenig später zu Gesetzgeber.« und' Gtadtvätern machten, während sie gleichzeitig tri* Wahl altverdtenter jüdischer Gemeindei. räte zu Stadträten mit Entrüstung verhinderten. Was speziell den Stadtrat Schwer betrifft, so wird wohl niemand lange zu raten brauchen, auf welchem Gebiet ssich ein solcher Ignorant nach eigener Selbsteinschätzung politische Lorbeeren holen konnte. Wenn einer gar nichts Lann und nichts versteht, daun läßt ihn eine sittlichreligiöse Partei eben auf die Juden los. Wozu wären denn die sonst da? Herr Schwer hatte Glück. In die Zeit feiner politischen Lehrjahre fiel der Htlsner- Prozeß und mit ihm hat er sein Meisterstück gemacht. Seine Berichterstattung für das Vergani-Blatt hat ihm für alle Zeiten den Namen des „Bluthundes von Polna" eingetragen. Auf den Schultern eines unglücklichen Märtyrers ist er in die Höhe gestiegen und hat es zum — Kunstreftrenten der Reichshaupt- Und Residenzstadt der Großmacht Oesterreich gebracht. Nun ist er den Mg aller übrigen gestürzten Größen Unserer Tage gegangen und schreibt „Persönliche Erinnerungen", so zum ersten Male tn seinem Leben — und auch diesmal nur unwissentlich — ein Wort eines großen Juden erfüllend: „Lasset die Daten die Loten begraben!" . Der Pajzzrvang zwischen Deutschland und Oesterreich. Das „Berliner Tageblatt" schreibt m der Meldung. daß zwischen E n g l a n d undF r a n k r r i ch das Erfordernis eines Paßvisums nicht mehr nötig sei,, daß Deutschland aus diese Erle ichtemng im Verkehr zwischen anderen Ländern mit Neid sehe. Das Blatt fragt dann, warum zwischen Deutschland und Oesterreich nicht in gleicher Weise verfahren werde. Damit wäre ein praktischer Schritt der Annäherung getan, der wertvoller wäre als alle bisher in Wort und Schrift erfolgten Kundgebungen. Der finanzielle Mlnderertrag würde hundertfach ausgewogen durch den vermehrten VcrkHr und den Fortfall gegenseitiger Verärgerung, aber nicht nur gegenüber Deutschösterreich, sondern auch gegenüber den westlichen und südlichen Nachbar», wenigstens den ehemaligen Neutralen gegenüber sollte der Verkehr von den lästigen Paßvorschriften bereit werden. f “ Die kommunistische Internationale. Moskau» l. August. tFunksvruch) Oesterreich ist inderneuen Exekutive der kommunistischen Internationale durch den Dclegi.rten Arnold vertreten. AusHorthy-Uugarn. Ein Wunsch Horthys. BMaPest, 1. August, (ttng. Tel.-Korr.-Bür.) Wie „Ui Mmzedek" aus Ententekreisen erfährt, wird noch' im Laufe dieser Woche die Entscheidung über die Räumung der von tzen Serben besetzt gehaltenen Gebiete getroffen werden. Das militärische- Programm des Mzuges der Serben umfaßt drei Etappe.«. Alle drei Zonen werden im Laufe von acht Tagen geräumt werden. Der gegenwärtige Bürgermeister von tzünfkirchen, Bela Lind er. soll aus dem südslawischen Königreich ausgewiesen werden. Die bvlschtzwikischen Agitatoren, die sich' in den Diensten Linkers befanden, sollen bereits baZ Weite ge sucht haben. Das! Blatt teilt schließlich mit. daß die ungarische Nationalarmve unter Führung des Generals Koos in Fünfkirchen einziehen werde. Ungarn unter Kontrolle. Budapest, 1. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die interalliierten MilitärLrmmissio! eu werden ihre Tätigkeit am 5. d. M. beginnen. Einzelne Mitglieder der Kommissionen sind bereits hier eingetrofferr. Graf Andor Festetics verhaftet. Aeber Anzeige der Oesterreichijch.ungarijchen Bank. Budapest» 1. August. (Ungarische Rundschau.) Wie ,Hetkoi Ui Hirek" meldet, hat die Budapester Polizei den Grafen Andor F e st e 1 i c S auf Anzeige der Oesterreichisch-ungarischen Bank wegen Fälschung eines Zweimillionenscheck» verhaftet. Graf Andor Festetics hat vyr kurzem die Tochter eines reichen Großgrundbcfiyers geheiratet. Da er in der letzten Zeit viele Spielschulden machte, hat «r nicht nur die Mitgift seiner Fra« verloren, sondern sich auch z» verschiedenen Betrügereien hinreißen lassen. Von anderer Seite wird berichtet: Die Untersuchung hat ergeben, daß der Aristokrat vier. Millionen im Kartenspiel verloren habe. Er hat erst vor knrzem die Tochter eines reichen Gutsbefitzers geheiratet, hat aber seither weitere Schulden kontrahiert, um di« dringendsten Gläubiger befriedigen zu lönmn. Es veilautet, daß die Angehörigen der Grafen BerglelchSverhandluttgen in Wien und in Szeged« mit de« Geschädigte» ausgenommen haben und sich der Hoffnung hingebe«, baß es gelingen werde, den Grafe» vor de» Folg« sei»ch Leichtst«»- g» rette». Mitteilungen aus dem Publikum. Mo Nacht ~ Michael Linder Lemberg Wien Verlobte »» Wien, August 1921 Grösster und bester Käufer Wiens 5149 BRILLANTEN, PERLEN Inweltn, Edelstolnhändler RÄblnöwitsch, Juwelier NAXIBIU ANSTRASSE 5 IL, STEPKANIESTRAS8E 3. nur Nr. 8 (Jetzige Mahlersfr.) Tel- 8541 (Jetzige Hollandstrasse) Im eigenen Hause Haltestelle Opernring, Zug. Kämtnerstr. Tel. 45146 Samstag geschlossen. Hören Sie auch unsere Preise Telegramme. Der Schritt der Entente in Berlin. Berlin, 1. August. Der von P a r i s und London auS angekündigte gemeinsame Schritt der alliierten Mächte bei der deutschen Regierung in der F>aze der Truppentiansporte ist bis heute mittags nicht erfolgt, wirs aber an zuständiger Stelle tür den heutigen Nachmittag ei wartet. Die Haltung der deutschen Regierung gegenübe r diesem Schritte der Entente ist durch emen noch nicht veröffentlichen Brief Dr. R o s e n s an den französischen Botschafter Laurent gegeben, in welchem erklärt wird, daß die deutsche Reichsregiemng einer Forderung der alliierten Mächte, Truppentransporte nach Oberschlestcn gemäß den Bestimmungen des Friedensv ertrag?s zu erleichtern, entsprechen würde. Es heißt nach wie vor, daß die Botschafter der Alliierten von der deutschen Regierung nicht emen sofort'geu Truppent.ansport verlangen werden, wir dies seinerzeit Frankreich verlangt hat, sondern daß si: nur die prinzipielle Bereitwilligkeit Deutschlands zu den Truppentransporten haben wollen. Annullierung des englisch-russischen Handelsvertrages. ■ Paris, 1. August. (Funkspruch.) Nach einer. Meldung der „Chicägo Tribüne" denkt matt in Englanh ernstlich daran, den Handelsvertrag mit Rußland für nichtig zu erklären, weil Rußland entgegen der eingegangenen Verpflichtung, die Propaganda im Gebiet von Großbritannien nicht eingestellt habe. — Die Meldungen der „Chicago Tribüne" sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Die französischen KvmmNUisten. Paris, 1.August. Die extremistischen Teilnehmer am Gewerkschaftskongreß in Lille beschlossen in einer gestern abgehaltenen Versammlüng, sich innerhalb des -allgemeinen Gewerkschaftsverbandes zu einer enge ren Org,auisattvn ZnsünuNenzuschließen. Wie die Blätter melden, seien die Extremisten entschlossen, den Kampf gegen die Zeitung des allgemeinen Gewerkschaftsverbandes fortznsühren, um bis zum nächsten Kongreß die Mehrheit zu erringen. Die Verhandlungen der Ministerprüfioenten. Prag, 1. August. Der polnische Gesandte P i l c z erklärte, daß seine Konferenz mit den Ministern Dr B e n e 8, Take Fonescu und P a s i c in Karlsbad stattfinden dürste, und zwar «st Ende August, da Take Jonescu bis zum 2(>. d. M. den rumänischen Ministerpräsidenten in Bukarest vertreten müsse. Die Konferenz sei dam bestimmt, eine allgemeine Basis für die V.rhaudlungen der Fachkommissionen zu finden, die erst im September ihre Arbeiten beginnen werden. Der tschechische Handelsminister in Berlin. Prag. 1. August. (Tel,-Komp.) Wie die ..Narodni Li?.y" weldm, befindet sich der bevollmächtigte Minister Dr. 8 u st r seit Samstag in Berlin, um dort mit den maßgebenden Kreisen Verhandlungen über aktuelle Wirtjchaftsfragen anzubahnen. Der Separatismus im Tesstner Kanton. Bafel, 1. August. (Tel.-Komp.) Im schweizerische« Kanton Tessin wirö die Haltung der italienischen Nationalisten, die versuchen, zwischen den italienisch- und den deutschsprech,enden Schweizern einen Gegensatz zu konstruieren, immer lunangenehmer empfunden. Besondere Entrüstung verursacht eine von den italienischen Blättern wieder gegebene Resolution der Mailändet Nationalisten, in der.anlätzlich bar Entlassung einer tessinischen Lehrerin, die für die italienischen Rationalisten Partei ergriffen hatte, die" Haltung der§ schweizerischen Behörde-« kritisiert wird. Die Eisenbahnen im neuen Gebiet Italiens. Rom, 1. August. (Tel.-Kvmp.) Dem italienischen Parlament wird in den nächsten Tage« ein Gesetz, entwrlrf über den Ausbau des Eisenbahnnetzes im julischv«, trientinischdn Benezien und in Südtirol blörgelegt werde«. Für den Bau der P r s d i l b a h « wich jetzt eine erste Quote in der Höhe von 800 Millionen Lire an gesprochen werden. Zuerst soll mit dem Ban der Teilstrecke vom Prchil «ach Tarvis begouneu werbe«. Tagesbericht. Die Wiener Zionisten am Grabe Herzls. 20,000 Teilnehmer — Eine halbe Million Krone« für den Herzl-Wald Wie alljährlich anläßlich des Todestages Theodor Herzls, veranstaltete die Wiener zionistische Leitung auch' in diesem Jahre einen feierlichen - Zug zum Grabe des Führers. Die Teilnahme war überaus groß, die Kundgebung würdig und eindrucksvoll. Schon in den frühen Morgenstunden, begann der Zuzug zum Türkenschanzpark. Die in Wien, weilenden Chaluzim, die Jugendbühne und einzelne Bezirksorgani-r sationen marschierten in geschlossenen -Abteilungen mit Fahnen und Standarten zu ihre« Aufstellungsplätzen. Eine große Zahl von . Ordnern sorgte diesmal für musterhafte Disziplin, so daß sich pünktlich um .10 Uhr der Zug in Bewegung setzte. Er wurde von den Chaluzim eröffnet, die auf dem Wege zum Friedhof hebräische Lieder sangen. Dann folgte« die kleinen Schützlinge der Wiener jüdischen Tagesheimstätten mit ihren Freunden und Lehrern.- Unter Führung von Oberrabbiner Dr. Chajes und des Vizepräsidenten des Zionistischen Landeskomitees Doktor Isidor Schallt fügten sich sodann die Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees, der vstgalizischen jüdischen Delegation, des Klubs der jüdischen Mandatare^ und des Jüdischen Nationalrates in de« Zug/Es folgten die Blau-sveiß-Gruppen, die Stubentenpereinigungen^ die zionistisch-n Mzirkssektionen und Sonderverbände. Die Defilierung um Herzl-Grabe, bei welchem' Studenten und Chäluzim die Ehrenwache hielten/ dauerte ungefähr zwei Stunden. Mehr als 20.600*. Mensche« hatten an der imposanten und ergreifenden Kundgebung teilgenommen. Es war eine Heerschau der Wiener Zionisten und ein erfreulicher .Beweis des Wachstums bet zionistischen Organisation. Der stumm an dem Grabe vorüberwandelnde Zug war-weit größer als jener f>er früheren Jahre und übertraf sogar an' .Teilnehmerzahl jenen, der anläßlich des Wiener Zionistenkongresses im Jahre 1913 veranstaltet wurde. Der Jüdische Nütiottalftnds hatte schön Monate vor dem diesjährigen Todestag, dev ersten Jahrzeit Theodor Herzls nach Erreichung des politischen Zieles der zionistischen Bewegung, eine wirksame Agitation dafür entfaltet, daß als Denkmal für Herzl am Kinereth. berg, am Ufer das Tiberiassees, ein „Wald Oesterreich" (Jaar Austria) gepflanzt wird. Ware« schon die Sammelresultate für diesen schönen Zweck in den-letzten Wochen sehr bedeutend und stetig steigend, so hatte die Sammlung während des Grab ganges ein ganz Überraschend günstiges Ergebnis. Es würde' eine halbe Million Krönen für den Herzl-Wald gespendet. ' Nach alter, bewährter Gepflogenheit wurden keine Reden gehalten und der Zug löste sich sofort nach Verlassen des Friedhofes ans. Dank dein Entgegenkommen der Straßenb'ähnbirektion war der Verkehr auf den zum Döblinger Friedhof führenden Linien sehr verstärkt, so daß sich die Hin- und Rückbeförderung der Menschenmassen klaglos und ohne Zwischenfall abwickelte. * Die Wiener Leitung des Jüdischen Nativnalfonds teilt rnit: In den letzten zwei Woche« sowie beim Gange' zum Grabe Herzls hat der Jüdische Nationalfonds, Zentrale für Oesterreich, zirka eine halbe Million Kronen eingenommen. Bei den Sammlungen anläßlich des Ganges zum Grabe Herzls haben sich' insbesondere' die Vereine Erez Israel, A h a w a't h Zion und Volksbibliöthek Zion durch ihre erfolgreiche Tätigkeit ausgezeichnet. Von einzelnen Sammlern wären besonders zu erwähnen die berühmte Künstlerin Amerikas, Frau Mali P icon und ihr Gatte, Herr Direktor Jakob Kal ich, welche den höchsten Sammlerrekorb beim Grabgang erreicht haben. Hervorgetan haben sich noch Fräulein Helene Gar funke l,Fräulein Regina Mime les, Fräulein Liesl Waig und Herr Med. Chaim Verständig. Die genaue Spezifikation der nach dem 21. v. M. eingelauftnen Spenden und Sammlungen für den Jüdischen Nationalfonds erfolgt in der Kv n g t e'ß.n u m m er des Jüdischen Natronalsonds, Wien. Zum XU. Zionistenkorrgrek Aus der Wahlbewegung. Wir erhaltcn folgende Mitteilung: Die am Samstag den 86. v. M. im Saale der Volksbiblioihik Zion stättgesundene und zahlreich besuchte Versammlung der Schekelzahler hat nach An» hörmg der Referenten Löbl Taubes und- Doktor N. G e l b e r und nach Durchführung einer eingehenden Debatte folgende Beschlüße einstimmig gefaßt: 1. Die Ber-ammlung protestiert entschieden gegen die Bestimmungen des vom Zionistischen Laude-Zkomitee in der ^Wiener M^r;ienzeitttng" vom 29. Juli veröffrntlichtrn Wahlmodus zum XU. zionillischen Kongreß in Karlsbad, welcher zur Einbringung einer Kandidatenliste eine Anzahl von 509 Unterschriften der Schekelzabler Vorsicht; 2. gegon die Festsetzung eines Termins zur Einbringung einer neuen Kandidatenliste von nur fünf Tagen, welcher Term>n schon deswegen als unzureichend erschnvt, weil daiunter Samstag Md Sonntag fällt und nur drei Tage zur Aufbrmguug von 600 U»trrschrüle« zur Bersüsrmg steh»;

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