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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-31 · Heft 902 (31.7.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 902 (31.7.1921)
Date
1921-07-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ät. 902 ^Men, SoimtaK Wiener Morgertzertu«K 31. Juli 19L1 seite 5. -■ ■-. .... j ■■"" ••<*+**...—•"■■•*. Telegramme. Hefe SiegestrophÄt öfö «fwö DeglaNbigungsurkunbe für künftige Verwendung seinem Klub' gegenüber nusweisen zu können. Aber nicht von de« Juden soll, die Rede sein, die den FluG des Flüchtlings tragen, sondern von den Pensionisten, die durch die frivole Interpretation des Dr. Wader mtt den Lebenszuschuß g-e-, bracht werden» von den Rechtsanwälten, die vom Amte suspendiert werden können, Md den Sdaatsange^ stellte«, die dasselbe Gchickysal ereilen Rann, weil sie um bas Recht der Staatsbürgerschaft geprellt werden. Hat Dr. Waber ermessen, welches Unheil er angestiftet hat, als er seine Enunziation in die Welt sandte? Wenn Dr. Waber die Abweisung sämtlicher Gesuche jüdischer Optanten damit Motiviert, daß der Artikel 80 des Friedensvertrages die Bedingüng der Sprachen- und Rassengleichheit .festsetzt ein Standpunkt, den jüngst der BerwaltungsgerichtsM.ausdrück-. lich! vertrat — die Begriffe Masse und Sprache nicht identisch sind, soleugnet er bewußt die Errungenschaften, die auf dem Gebiete der Rassen forsch ung erzielt wurden, er leugnet hie Entwicklung der Geschichte und den Sinn der Völkerwanderungen. Die Aufnahme hes Dvrtbildes von Kasse lu n b Sprache in den Artikel 80 hat keine »juristische Bedeutung, und ist dem sprachlichen Ausdruck, wie er beispielsweise, ln de» Redewendung ,Mrund' und Goden" erstarrte, gleiche zuhalten. Die Ontstehnngsgeschtchte dieses Artikels 80, die Waber in den BeratungspdoLokollen Nachlesen möge, kann ihn und die Herren vvm Hohen Äerwaltungs'- gerichtshvs eines besseren belehnen. Jm^BrÄnnev Staats vertrage hat die österreichische Regierung selbst die Streichung des Wortes „Rasse" wegen Sinnwidrigkeit durchgesetzt, hier hat sie t« den Verhandlungen die Erkenntnisse miebergelegt, die freie, vor-- urteilslose Kritik und der ern.ste Wille nach! wohlwollender Verständigung herbetfüjivsn. Der Minister des Innern hat offenbar einen Auftrag seiner Parteigenossen erfüllt. Er hat in die, Amtstätigkeit die persönliche Rote von Parteipolitik getragen und die rühmlichsten Tugenden des österreichischen Beamten aus der Glanzzeit, die in der Ausschaltung parteiischer Stimmungen »nb im Leitmotiv strenger 'Sachlichkeit bestandest, verleugnet. Er Hat Unruhe in breite Schichten der Bevölkerung getragen und sadistisch die Freude an der Bedrückung der Juden ausgekostet. Aber auch seine Herrlichkeit wird zu Ende gehen und der Zweck seiner Berufung, hie unter allen gewissenhaften Beamten seines RessortA Widerspruch erregt, wird an dem harten Willen scheitern» der sich durch Leopold Waber nicht beirren läßt. Dr. Ignaz Kurt Rosenfeld. Die Znsammenknnft Hainisch- Masaryk. Prag. 30. Juli. (Tschecho-llsn». PrcßSnreav.) Der Präsident der Republik wird am 8. August abends die Rückreise von Neapel antreten und am 10. August mit dem Präsidenten der Republik Oesterreich Dr. Harnisch Zusammentreffen» der dem Präsidenten bis Selzthal mttzegenfahren und ihn über Hallstatt nach Attnang begleiten wird. Der Präsident wird am U. August mittags in Prag ankormnen mih sich noch am selben Tage nach Lana begeben. An unsere p. t. Leser und Abonnenten! - Am 1. August beginnt ein neues Abonnement aus die „Wiener Mortzenzeitung*. Wir ersuchen» die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zusendung Keine Unterbrechung eintrete. Bezugsbedingungen ab 1. August: Ginzelherschteiß r Kr. 5.*- (auch an Sonntagen) Für Wien (zum Abholers in den Trafikep oder mit Postzusendung) Kr. 130.*- monatlich. Mit Postzusendung; DeUtschLfterreich monatlich ....... Kr. 130.— Tschecha-Slowakei monatlich ...... Kö. 18- Polen monatlich.pol«. Mark 200.-- Jugoslawien monatlich.. Dinar 13.— Deutschland n . ...... . Mark 14.— Rumänien »» .. Lei 24.- Holland »♦ .. holl. fl. 1.50 Schveiz »» S- England » 3.- Italien fts . Lire 6.- Amerika n . . . . . . . . . Dollar -.50 Frankreich, Belgien «vuatltch. .... Fres 6- Zahlstellen: Oefterreichifches Pvstsparkastenkvnto (Wien) 150.003 Tfchccho-slow Poftsparkastenkonto (Prag) 59.351. Polnisches Postsparkassenkonto (Warschau) 100.227. Deutsche» Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Rumänien tsEzernomitz) - Allgemeine Depositenbank, Filiale Lzernowitz. Jugoslawien: PostsparKaffenKvnto (Agram) 40.085 ItUlie«: Ooalotä Italiana di Credito oommerciale, Triest Vife Mazilni 30 Verkauf der Wolltzrsdorfer Werke? Unterhandlnuge« mit einem deutsch-holländisch-amerikanischen Konsortium. Wiener»Nenstadt, S»x Juli. (Pt'bat ) Das Siaatsamt für Handel und Industrie steht mit einem - duitich-holländischamerikariischen Konsortium wcgen des Tnkauses der staytlicheri Betriebe der Wöllersdorfer Werkt, btzichangsweise Umwandlung derselben in eine Aktiengesellschaft in Unterhandlungen, die von Sektivuschef S o ch o r geleitet werden. An dem Unternehmen lall der Staat weiter drtrckigt bleiben und sich auch das Amsichtsrecht Vorbehalten. Geplant ist die Fortsetzung der ytgenwärtigen Fabrikationszweitze «nd dn Erweiterung der Produktion auf dre Erzeugung von 8 v k v m d t l v e n u n d Z i st 11« t tt» Das Konsortium soll sich vervflichtm. innerhalb zehn Jahren IV* Milliarden rn die Werke zu invesiuren Md für tämtliche Arbeit« Wohnhäuser zu schaffen, für welchen Zweck ein Betrag von Otzv Millionen Kronen vorgesehen ist. Dir Verhandlungen sind schon ziemlich weit gediehen und ist bmitS eine Schätzungskvmmission zur Erhebung drs Wertes der Werke ringesetzt worden. England «ab Frankreich.. London, 80. Juli. Das Rrvtersche Bureau erfährt: DU Kontroverse zwischen England und Frankreich hat sich bedeutend gemildert, da verschiedene Mißverständnisse zerstreut wurden» Me Lage zwischen den beiden Regierungen ist nunmehr in vollständig befricdigLNdtr Welse geklärt. C « r z o n und B a l f v ur werden am Mittwoch nach Paris ubreisen. LloydGeorge wird der Eröffnung der Konferenz des Obersten Rates nicht beiwohnen, da er am 4. August anderweitig in Anspruch genommen ist; es ist aber möglich, daß er an den späteren Verhandlungen teilneywen wird. Annahme der Hosversche« Bedingungen durch SowjeLrutzland. Riga, 30. Juli. (Meldung der „Associated Preß".) Die Sowjetrcgierung hit dir B tz d l n tz n n g t n Hoovers n ngenommennnd vorerst dir m Rußland gefangen gehaltenen amerikanischen Bürger f r e i g e l a s s e n. - Der Oberste Rat. Parts, 80. Juli. Die „Ätzen« HavaS* meldet ans London: Wie daS Reuterfche Bureau mitteilt. fei an zuständiger Stelle nicht bekannt, ob «ne Zusammenkunft des Obersten Rates stattfindrn werde. Jedenfalls aber scheine der 4. August als Zeitpunkt für den Zusammentritt unwahrschenrlich. ■ Besserung in Marokko. Madrid, 30. Juli. (Havas.) Die allgemeine Lage in, Marokko hat sich tühldar gebeffert. General R a v a r r o, der von den Aufständischen bedrängt war, gelang rS, sich aus den Monte Atruit zurück?,,ziehen. Die Stellung von' Zeluün wird weiter gehalten. Zahlreiche Soldaten und Zivilpersonen sind «ach Algerien geflüchtet. Hardiug empfllngt Rorthcliffe. Trotz des Einspruches de» englischen Botschafter». London» 30. Juli. (Wolff). Wie die ^Times" aus Washington Melden, har Präsident Harbin gNvrthcliffe in einststündiger Audienz empfangen, obzwar der englische Botschafter seine Vorstellung verweigert hatte. Kontrolle des Völkerbundes Aber bell MinorUktrnschutz. Bukarest, 28» Juli. Der Vizepräsident des Völkerbundes D i ck i n s o n, der vor einigen Tagen in B u k a r e st e ngetroffen ist, ist in offizieller Mission nach Rumänien gekommen. Dickinloa soll dem Völkerbund Blicht über die Behandlung dernalionalenMinderheiten jn R » m ä n i e n, Jugoslawien nnd der T s ch e ch o« Slowake', erstatten. Jn einem dem „Addeverul" gewährten Jaterv-.rw erklärt Dickinso», er werde mit allen Vertretern der nationalen Minderheiten in unmittelbare Fühlung treten, um sich über die Lage orientieren zu laffm. Das Kommnnistrngesetz in Jugoslawien. . Graz 8,. Juli, Me -die „Tagespost" aas Belgrad bercchtet. wurde in der Nüchmistagsfitznug der Nationalversamw lang die GenriMdebattr üb« taS Gesetz, betreffend den Schatz des Staatcs. abgesührt. Die Redner der sozialdemokratischen, und kommunistischen Partei bekämpften das Gesetz. In der M o n t a g s s i tz u n g WM die Speziatdebatte üben den Gesetzentwurf «öffnet. ZommmaM G» modebose ww' *4" H rroo M'IÄÄ Herzl-Worte?) Wie kaum ein anderer meisterte Herzl das Wort and er hatte eine besondere- Art aphoristischer Gedankenprägung. Was er auch: sagte, hatte den vollendeten Wurf eines gebvee-nen Schriftstellers, und wüs er auch, niederschrietz', war durchglüht vom Hauch einer WriväMstürütenden Persönlich,reit, die stets sinneüd und träumend in einem Worte das Tiefste des Lebens erfassen wollte. Sv wimmelt es in HerM schriftstellerischem Nachlaß von Sprüchen uitd BonnMs, die, systematisch geordnet, zur har,nvNischen Lebensweisheit eines DichterphWsophen heranwachsen. War Herzl ein Philosoph? Natürlich nicht in landläüftger Bedeutung, da er weder philosophische Werke geschrieben noch An philosophisches System geschaffen hat. Es gib t philosophische und philosophierende Köpfe. Man könnte sie auch Praktiker und Theoretiker nennen. Den Linen ist Philosophie Endzweck und abstrakte Theorien .über die ewigen Katse-l von Gott und Mensch der Weisheit letzter Schluß. Bei den anderen durchdringt die Philosophie das Leben in all seinen Erscheinungen und indes sie stets das Wesenhafte aller Dinge erfaßt, wird sie zur praktischen Lebensweisheit, die im Alltag den Abglanz dev Ewigkeit findet. . , Ein unmittelbares Verhältnis zum realen Sein prägt sick> in allen Aussprüchen Herzls aus und doch durchströmt. das Bewußtsein des Absoluten all sein Fühlen und Denken. Eine Individualität, die stets von unerschöpflichem Wissensdrang beseelt war, ein ewiger Zweifler, der an banalen »Lösungen kein Genügen fand, und ^in Dichter, der mit trefflichem Spürsinn das tiefste Leid der Kreatur erfaßte!» mußte sich naturgemäß in allen Aeußerungen als Philosoph erat* ♦) Anläßlich beS Buches: .Serzl-Dorte" zusammengestellt von Felix Theilhüber, Neli-Ärtläg, Kerlin 1921. hüllen. So glitzern in tändelnden Feuilletons tiefsinnige Betrachtungen über Leben und Tod und das Lächeln eines schalkhaften Causeurs erstarrt mitunter im Schmerz, einer mitfühlenden Seele. Der Dichter Herzl war ein naives Künstlernaturall, welches freudestrahlend aus der Fülle des Alltags schöpfte, während der Denker die herrlichsten Bilder ■ mit einem Schleier von Gram und Wehmut umhüllte. Diese Mn Sätze und Aussprüche, die hier in liebevoller Weise aneinaudergereiht wurden, bringen erst recht die zwei Seelen in. Herzl zürn Vorschein! den optimistischen Dichter und den pessimistischen Philosophen. Zwei Seelen, die erst der JudvnschMrz zur wundervollen Einheit schmiedete. Will man Herzls Gedanken Üb^r - Leben und Patur eine philosophische Deutung geben, so ist es der Pantheismus Spinozas, brr in den modernen Dövnismus mündet. Alles in und Mer uns ist Natur. Dieselbe Kraft, die die Sterne am Himmel aufleuchien läßt, regt sichi im kleinsten Blümkein und in der Seele eines jeden Lebewesens. Nur ist es bei Herzl nicht Spinozas Gott, der allgegenwärtig ist,' sondern die Idee, die zur Triebkraft alles Seins wird. Gott und Natur M dasselbe — sagte Spinoza. Bei Herzk wird der Idee göttliche Allnmcht eingeräumt. Dieser Idee und ihrer Gesetzmüßig^tt gilt sein ganzes Sinnen, mb die Idee ist es, die seinen Ansprüchen einen Anflug vvn Dogmen verleiht. Hier ist es die Idee steter Entwicklung mrd Vervollkomnmung, dort der Wille zum Leben, der, jeder Schopenhauerschen Metaphysik bar, zum Maßstab vvn Gut und Böse heranwächst. Religion und Kunst, Haß und Liebe, der einzelne und die Menge — all dies Md nur veränderliche Formen des Lebenswillens, der zum Elernent des Alls wird. Sv entsteht aus losen Worten ohne genetischen Zusammenhang ein Weltsystem, und den Volksführer kündigt der Soztalethiker au, dem das Leben als oberstes Prinzip der Menschheit und die Idee als Artrieb des Kosmos gilt. Hier ist wohl bei Hetzl der Ausgangspunkt, wo die Idee ewiger Wiedergeburt ti& Nationale verpflanzt wurde und der Wille zum LeHen in dröhnendem Ruf an Millionen aufloderte ... * Alles ist eitel. Wie ein roiex Faden zieht sich dieser Gedanke durch Herzls Worte. Was ftuchtet unser Leid und welchen Wert hat all unser Strebend ' Den Dichter Überströmten die Wellen des Alltags, dieweil der Philosoph mit der Ewigkeit zu ringen versuchte, bis ihm klar wurde: Zum Tode und für den Tod sind wir geschaffen. „Ein guter Freund ist uns der Tod", lautet sein Ausspruch — und so werben seine Todesgedanken von stoischer Weisheit verklärt. In einem seiner^ letzten Feuilletons schreibt Herzl: „Es ist Frühling, Sommer und bald kommt die Herbstzeit. Du gehst vorbei; nicht anders wie der kleine Wurm, der den Winter nicht mehr Erleben wird." Ein kranker, müder Dichter schrieb diese Worte niedch:. Je näher dem Grabe, desto düsterer wurden seine Ged-auW. Während der Denker und VvlksfÜhrer sich zur höchsten Stuft menschlicher Vollkommenheit aufgeschwungea hat, verblutete der Dichter aM unendlichen Leid seines VoMs ... * Herzls Weltanschauung war zweiftllos pessimistisch.. Herzl ein Pessimist — das mag absonderlich klingen. Es gibt zweierlei Pessimisten. Die einen fühlen ihre,, eigene Schwäche und verfallen einer Schwarzseherei; bei den anderen hingegen quillt der Pessimismus Nur aus Überströmendem Krastbewußtsein. Indes sie ans der Fülle der Unendlichkeit schöpfen, zerschellen sie am - Leid des Mtags. Bei den ewig Klügelnden erstickt der Pessimismus den Willen zum Leben und vergiftet

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