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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-31 · Heft 902 (31.7.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 902 (31.7.1921)
Date
1921-07-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Men. Sonntag Wiener Morgenzertung 31. Juli 1927 Nr. 902, Die finanzielle Teilnahme an diesem Werke kann im Rege des Opfers geschehen, - dasman-sich im Interesse der großen Aufgabe auferlegt. -Der- Jüdische Nationalfonös hat sich in s-inem zwanzigjähnge» Bestehen zu einem rnrmer stärkeren Jilstrument der jüdischen Palästinr-Bestrebungen. entwickelt; aber alles das sind doch erst Anfänge. Der neue „Palästina-GründungZsvnH s; (Keren Haje ssod)" hat im ersten Jahre seiner Werbetätigkeit bereits de» Beweis dafür erbracht, daß Ln ihm die größte materielle Aktion der gesamten Judenheit verkörpert ist. Seine Organisation sieht die Sammlung von Geldern' für nationale toi: wirtschaftliche Zwecke unb für drese letzteren eure cntsprrchmde Verzinsung vor. Aber große Mittel lassen sich auch aus rein ivirts chaft li cher Basis und. mit der Sicherheit einer guten- Rentabilität im Aufbau Palästinas «mieten. Die dringendste Ausgabe, die vor uns liegt, besteht darin, raschestens eine so starke jüdische Einwanderung nach Palästina zu bringen, daß damit neben allem anderen die Lage im Osten wirksam entlast et, ,der Au fb au P al ästi nas beschleunigt und fl bald als möglich die jübt sche Majorität im Lande angesiedelt wird, die allein uns die Dauer und Weiterentwicklung des jüdischen Palästina gewährleistet, » Nunmehr ist es Sache der gesamten Judenheit, von diesen Möglichkeiten den entsprechenden Gebrauch zu machen und m einer starken zusammengefaßten Tätigkeit für den Aus- >q.u Palästinas die jüdische Frage s ür alle Zeiten zu lösen. _ , Der Ausbau -es Technikums in Haifa. Die Realschule. Aus Haifa wird uns geschrieben: Das Beth Sefer R«ali Jbri ging aus dem Kamps« um die hebräische Unterrichtssprache des Technikums gegen dieGermanisiernngsbestrebungen deutscher Philanthropen hervor. Im Jahre 1914 gegründet, stellte es sich zur Aufgabe, ihre Schüler nicht nur für das Technikum vorzubereiten, sondern sie auch, und vornehmlich durch geeignete Arbeitserziehung und Charakterbildung, zu nützlichen Menschen für den Aufbau Erez Israels zu machen. ' Das Gebäude des Technikums, das vor dem Kriege Unvollendet geblieben ist, hat durch die Witterung und die hier hausenden Truppen sehr gelitten; die installierten Maschinen wurden von verschiedenen Kriegsbehörden verschleppt. Nach dem Kriege ist das Technikum in das Eigentum der Zionistischen Organisation Lbergegangen, und erst jetzt wurden vom Keren Hajessvd genügend« Mittel zur Verfügung gestellt, um die Bauten zu beenden. Die Organisation der zionistischen Ingenieure und Landwirte in Amerika hat nach Beendigung der Baulichkeiten die Inneneinrichtung, die Maschinen und den Betriebsfonds aufzubringen ^versprochen, so daß das Technikum jm, Jahre 1922 eröffnet werden dürfte. Völlig fertig - steht die Realschule des Technikums da. Die jüdischen Kinder sind in erster Linie intellektuell veranlagt, ermangeln dagegen, vielfach manueller Fertigkeiten. An Stelle der mechanischen' UehermWung bei Pola. 60 Tonnen Ballistik explodiert. — 10 Wachtposten spurlos: verschwunden. Parlamentarische Sommerpause. Im Parlament wird trotz der Sommerhitze fleißig gearbeitet. Die National- und Bundesräre allerdings ruhen sich gründlich von den Anfirmpungen der verflossenen Tagung aus. Aber Zimmcrleutr und Steinuntze sind am Werke. Der Sitzungssaal des Bundesrat's wird mit nicht unbedeutendem Kostenaufwands neu hergerichtet. Er bekommt eine Prändentenestrade mit Ministerbank und Rednertribüne, die reichlich die Hälfte des mäßig große» Raumes einnimmt, die andere Saalhälste wird zu einem Amphitheater umgestaltet, wo zusammengedlängt die Bundesräte, hinter ihnen auf zwei Sitzreihen die Journalisten und in einer Sitzreihe die Zuhörer Platz finden sollen. Dlese Arbeiten waren sehr notwendig, da dem'Bundesrat tatsächlich zu einer ventablen parla' mentarischen Körperschaft nicht viel mehr als Präsidenteuestrade, Rednertribüne usw. bis ä»to gefehlt haben. Da im abgeläufenen Jahre das Haus weder durch die Geschosse der Roten Garde noch durch Brandstiftungen von Komunisten beschädigt wurde, blieben heuer für die Konsumierung des -tritt bi« selbständige Erarbeitung Ln Beobachtung, am^BauprälimuiareS nur Jnstandhalrungsaebeiien. Es werden also Experiment und qm selbstgefertigten. Gerät. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß damit- - ein« gründliche theoretische' Bildung bei gleichzeitige: Erlernung der für das Land notwendigen.Sprachen, (zurzeit Erlisch und Arabisch) Hand in Hand gehen muß. Das sind unsere Ziele. In der Wirklichkeit haberr^ wir bereits mit der Arbeit in kleinem Maßstab begonnen. Wir besitzen bereits. ein kleines: naturwissenschaftliches Laboratorium mit einem fast ausschließlich durch die Schüler selbst gesammelten Museum, welches eine stattliche Anzahl von Exemplaren der im Lande vor kommenden Tiere und Mineralien enthält. Ein kleines chemisches Laboratorium wurde vor kurzem geschaffen, doch fehlt es noch, a« den wichtigste« Utensilien und Apparaten sowie an Chämik alie«< Ein Teil der für ein physikalisches Laboratorium unentbehrlichen Gegenstände, wurde bestellt. Bon den Werkstätten arbeiten bereits mit schönem Erfolgen die Tischler- und die Buchbinderwerkstätte,' doch fehlt es an Werkzeugen und Maschinen. . - Für Mädchen besteht ein Kurs für Schneiderlund Handarbeiten, woran sich im nächsten Jahve eine Koch- und Haushaltungsschule anschließen -soll, für' welche der Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina die Einrichtung in Aussicht stellt. Ir Ausführung ihres Programms gehenkt die Schule sich mehr und mehr als Arbeitsschule zu konstituieren; sie will im kommenden Jahre den Arbeitsunterricht auf zehn Unterrichtsstunden in der Woche ausdehnen. Bor allem aber soll das gesamte Erziehungsprogramm eine Umgestaltung in dem Sinn« erfahren, daß die Schüler einen größeren Mil auch ihrer freien Zeit in der Schul«, ün gemeinschaftlichen Leben mit den Lehrern, verbringen, in der Schmie mit den Lehrern essen, spielen und auch ihre Schularbeiten, machen. Dies alles und vor allem die Ausgestaltung'der Werkstätten und Laboratorien erfordert erhöhte Aufwendungen, welche weder unsere zentralen Schulbehörden, noch die Bevölkerung Haifas beziehungsweise Palästinas, beschaffen können. Wir hoffen jedoch, daß wir in den jüdischen Zentren der Diaspora Freunde finden werden, welche uns helfen werden, unser Werk auszübcluen. Der Korrespondenz Herzog wird aus Triest gemeldet: Wie berichtet, ist in der Nacht vom Samstag auf Sonntag gegen Mitternacht eines der Munitionsmagazine bei Pola in die Zust geflogen. In dev Nähe dieses Magazins mt Kai von Dallelunga, lag der Hulk „Albatros auf dem 130 Donnen havarierten BaÜistits eingelagert' worden waren.' Wahrscheinlich durch Selbstentzündung infolge Zersetzung des havarierten Sprengstoffes geriet der „Albatros" in Brand. Das Feuer griff sofort auf das nah« Gebüsch und auf den das Munitionslager von Vallelunga säumenden Wald über. Kurz darauf flog das 20 Donnen Ballistit enthaltende Depot auf.. Die von einer enormen, die Nacht taghell er> leuchtenden Stichflamme begleitete furchtbare Detonation wurde im ganzen Süden Istriens gehört. Der ungeheure Luftdruck zertrümmerte unzählige Fensterscheiben in Pola, Rolläden von Geschäften.wurden aufgerissen, einzelne Dächer abgehoben, Mauern zum Einsturz gebracht und viele. Bäume im weiten Umkreis entwurzelt. Die Bevölkerung stürzte entsetzt aus die Straßen. ‘ . . Das Festungsürmmandv ließ die Stadt alarmieren und, da die Gefahr bestand, baß auch die anderen. Räun ilionslager auffliegeu, dir Bevölkerung zum sofortigen Verlassen der Stadt auffvrdern. Schreckensbilder zeigte diese wilde Flucht und die nach Dignano und Medolino führenden Straßen waren bald mit Tausenden von Menschen Mersät. Der Garnison der Seefestung gelang es gegen 3 Uhr morgens, die höchst« Gefahr zu beseitige«. Das Schicksal der zehn Wachtposten, die bei dem in die Luft geflogenen Objekt Dienst hatwii, ist unbekannt. Doch steht es außer Zweifel,-daß sie durch die Wucht der Explosion in Atome zerrissen wurden. Auch von dem Magazin ist keine Spur vorhanden. Dort, wo es sich befand, hat sich ein. 3000 Quadratmeter breiter und fünf Meter tiefer» Krater gebikiet. Der Hulk „Albatros" ist gesunken. Der in Pola verursachte Schladen wird auf. zwei Millionen Lire geschätzt. Die Zahl der Verletzten, unter der Zivilbevölkerung soll sehr groß sein, ^ry den Frühstunden, nachdem jede weitere Gefahr beseitigt war, wurde der geflüchteten. Bevölkerung wi^ier erlaubt,' nach Pola zurückzukehren. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Verdächtig ist der Umstand, daß schon in der darauffolgenden Nacht die Wachtposten eines anderen Munitionsmagazins angeschossen wurden. Bon der herbeigeeilten Assistenz konnte« nur mehr flüchtende Zivilpersonen als Angreifer erkannt werden. Bezüglich der Munitionsdepots sei bemerkt, daß sich! diese Depots gleiche hinter der Oliveninsel in bctf Bucht von Vallelunga befinden und seit jeher und auch heute noch ungeheure Mengen schwerer Munition und Sprengmittel enthalten. Diese gewaltigen, kaum zwei Kilometer von der Stadt.Pola entfernt lagernde« Munitionsmassen galten von jeher für die Stadt als schwere Gefährdung, und durch Jahrzehnte zitterte die Bevölkerung von Pola vor der. Möglichkeit einer Explosion. Inland. an der Außenseite des HauseS einzelne schadhaft gewordene Werkstücke ausgewechselt.'Links und rechts, vom großen Gittertor, das am 12. November 1918 die Llteratlirkommumsten aus den Kaffeehäusern der Herrengasse vergeblich zu stürmen versucht haben, sind die Wände des PechstilS mit den Jnichliste» bekritzelt: „Sßicb er mit der Republik! Hoch Habs" bürg!" Die Reinigung der Wände des Hauses von diesen Koprographien scheint als « wenig kostspielig im Bauprälimi- »are nicht vorgeseheuzu sein. Während die Abgeordneleu auf Ferien weilen, find ihre Vertrauensmänner im Kabinett damit beschäftigt, die Wünsche ihrer Parteifreunde via facti zu erfüllen, was während' der Parlammtsfitzung mit Rücksicht auf die allgewaltige sozialdemokratische Opposition nicht angeht. Da ist es zunächst der Minister deS Innern Dr. W a b e r, der sich ganz zynisch z« einer Praxis in der O p ti o n s fr a g e bekennt und auch damach handelt, wie sie ihm von den großdeutschen Antisemiten vorgezrichnrt wurde. Daß Dr. W a b 11 sich als BerwallrmgSantisermt heute betätigen kann, ist ihm in letzter Linie auch nur durch jüdische Wahlhilf« möglich gewesen. Er wäre im Jahre 1911 kaum Abgeordneter geworden, hätten damals die Wäh ringer Kahaljuden, denen man ihn als von der Reaktion gemaßregeltm Staatsbeamten aufschwatzte, ihm nicht durch ihre Stimme« zum Siege über dm Prinzen Liechtenstein verholst». Es werden sich gewiß unter dm heute abgewiesenen Optionswerbern einige jüdische Wähler deS Dr. W a b e r aus dem Jahre 1911 befinden. Der Herresmimster Paugoiv hinwieder benützt die Sommerferien des Parlaments zu Maßnahmen, welche auf die Umbildung des Bundesheeres in eine Kasernenarmee hiuauslaufen, die einst auf der „Schmelz" sich so trefflich bewährt hat. Ob * er, nicht hiebei auf halbem Wege so wie sein Vorgänger Doktor Glanz hängen bleiben «ird, möchte man nicht gerade verneinen. - klebrigensoll: auch mährend deS Sommers die Frage der staatlichen I n d n st ri e w e r k e bereinigt Werder. Gegen im bereits erfolgte Umwandlung deS Arsenals, in eine gememwirtschastlicke Anstalt ist, wie erinnerlich, von dcr RepararatioüslomuMon Einspruch erhoben worden. Dem Vernehmen nach denkt die Regierung auch daran, das Wölkersdorf e r Werk, das als gemeinwirtschastlicher Betrieb geführt wrrd, abzüstoßen. In der Vorwoche soll auch bereiiS dem Minlüerrat ein sebr verlockendes Kaufanbot einer Kavitgltsteugruppe, die von Dr. Josef K r a » tz geführt wird, vorgelegt worden sein. Finanzminifier Dr. Grimm und mit ihm das Gesamtkabinett warten unterdes geduldig Weiler auf die sagenhaften Kredite. Der Bundesfinanzminister begütigt alle Tage die Börse, er redet ihr zu. doch so wie er mit Gottverttaueu au! die Kredit» zu warten und nicht vor der österreichische» Krone zu de« Aus» laudsvaluten zu flüchten. Bis jetzt scheint er tauben Ohren gepredigt zu haben. Recht einmal seine jüngste Warnung vor den Ansschreitungen der Valutaspekulation hat etwas gefruchtet. Der Züricher KromnkmS stellt sich eben nicht auf die Liebenswürdigkeiten een, die der Regierung bei ihrem Amtsantritte von den Wiener Ententevertretern gesagt wurden. Einstweilen hat die Banknotenstut die fünfzigste Milliarde überschritten, obzwar Steuern, Gebühren, Tarife und die Preise der Monopolartikel bedeutend erhöht wurden. Man spricht bereits von neue« Sieuerplanen, von eiuer abermaligen Erhöh ungdrr Eisenbahntarife und Tabak Verkaufspreise, die im Herbst aktuell werden solle». Gleichzeitig will die Regierung mit ihrem Ersparungsprogramm herausrücken, dessen Grundzrige vo« der Ersparungskommisirvu des ehemaligen Ministerpräsidenten Max Wladimir B e ck bereits dem Kabinett vorlirgen. Daß mit den Steuererhöhungen und den Ersparungsmaßnahmm allein -das Defizit im Staatshaushalte nicht beseitigt werden kann, ist evident, der Zeitpunkt der Gewährung der Kredite und ihr Ausmaß noch unbekannt, der gegenwärtige Finanzminister hat sich auf die Kredite und die damit zusammenhängenden budgetären Borsorgen (Steuererhöhungen, Sparmaßnahme«) so sehr festgrlegt, daß für dm Fall des NichtriutreffenS der Kredite im Herbste doch an außerordentliche Maßnahmen gedacht werden müßte. Dr. Grimm hat wiederholt und mit allem Nachdruck derartige Experimente abgelehnt, ebenso oft aber auch schon Rücktrittsabstchten geäußert. ES wäre darum nicht ausgeschlossen, daß im Herbst vom F'rnanzreffort ausgehend, di« österreichische Politik umgrupprert wird. Was Dr. Grimm nicht machm will, wird vielleicht ein anderer verantworten wollm. Wabers Erläge. Die Minister des Innern aus der letzten Zeir zeigen einen Ehrgeiz, der den Staat bedroht. Sie treiben schäbigsten Wortbruch. Der Minister Breisky, dev Politische Blutsverwandte des Dr. Waber, hat im Vorjahre mit einem Geheimerlaß die. Staatsbürgerschaftserklärungen zunichte gemacht, die auf ein G es e tz gestützt,' von Personen abgegeben wurden, die jahrzehntelang im Inlands lebte«, hier geboren waren und ihren Beruf ausübten, ohne jemals einen seelischen Zusammenhang zu einem anderen Vaterland« zu kennen. Sie wurden Ausländer iund auf den Options-' weg gewiesen, mit der Zusicherung, daß ihrem begründete« Rechtsansprüche, der. ans der Seßhaftigkeit fließe, formale Geltung verschafft «werde,. Dr. Waber, der jetzige Minister des Innern, weist aber albe, die auf das Wort seines Amtsvvrgängers vertrauten, mit einer einfachen Handbewegung zurück. Ein chaotischer Zustand der RechtsungMchheit entsteht, her an die Komödie der Irrungen erinnert. Beim nächsten Ministerwechsel kann es geschehen, daß es einem dieser Herren einfällt,, die schon Mtetkannten Optionsansprüche, soweit ihre Träger nicht bestimmte „faßbare Merkmale" haben, zu annullieren. Es ist selbstverständlich, daß Dr. Waber, der einer der blindwütigsten Rassenantifemiten ist, durch den Systemwechse-l? einen Vorstoß gegen die Juden unternchruen will, une

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