Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 901 (30.7.1921)
- Date
- 1921-07-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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9tt» 901 Wien, Samstag Telegramme. Die deutsch-französischen Wiederaufbannerhandtnngem. Berti«» LS. Juli (r» Nürnberg). In der gestrigen Sitzung de- ReparationSansschusfes devorläufigen Reichswirt'chaftsrates berichtete Reichsminister Doktor R a t h e n a u über die deutsch-französischen Wiederaufbauverhandlungen und erklärte, die Verhandlungen seien seit seinem ersten Belichtununterbrochen gefördert worden. Siewerdenzum großen Teile in Paris, zum kleinen Teil in Berlin geführt. Eine Hauptfrage sei die Finanzierung für den Fall, daß die jährlichen Sach« leistungen an Frankreich den Betrag überschreiten, den Frankreich bereit oder in der Lage sei, sich auf das Reparationskonio anrechnen zu lasten. Es müssen Wege gefunden werden, um Stundungen zu e r m ö g l i ch e n, und weiters werde es möglich sein, eine Preisgrundlage zu finden, wobei das Grundprinzip aufrechterhalten werden müsse, daß Frankreich nichr Waren empfange, die teurer seien als jene, die ’n Frankreich selbst hergestellt werden könnten. Der Minister erklärte weiters, er rechne nicht damit, daß man etwa aus besonderer Rücksicht auf Deutschland die Absicht habe, Deutschland normale Lieferungen zu übergeben, er glaube aber, daß die Geschädigten selbst eine beschleunigte Lieferung wünschten. Der Minister führte weikerS auS, was den Jndex für diePreiSerstellnng anlange, so sei die Ansicht durchgedrungen, daß mit diesem Index außerordentlich wenig anzu« fangen sei. Man müsse jeden Versuch machen, die Deutschland anferlegtkn Leistungen tragbar zu machen. Die in der englischen Presse aufgetauchteu Besorgnisse, daß durch Sonderverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland die englischen Interessen oder die anderen alliierten Nationen zu kurz kämen, seien unbegründet. Zum Vorteil Deutschlands, erklärte der Minister schließlich, geschehe in der Welt heute wenig. Die Verhandlungen werden aber hoffentlich eine Aussicht auf Derwirllichuug haben, weil sie zum Vorttil aller diüten. Deutschland Kaust Schiffe tu Schwede«. Etockcholm, 29. Juli. (Tel.-Ksmp.) Wie gemeldet wird, sollen ungefähr 10*/, der gesamten schwedischen Handelsflotte an Deutschland verkauft worden sei». Die tschechisch - polnischen Besprechungen. Markenbad, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Hier ist bereits vor einigen Tage« der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der polnischen Republik Pilz eingetroffen, gestern trafen auch Legationsrat Graf Horsztyn und Ritter von Dunajrwski ei», während Minister B e n e s ch sind Minister H o t o v e c erwartet werden. Die Beratungen werden sowohl wirtschaftlicher alS auch politischer R a t « r sei«. Die Einberufung des jüdischen Kongresses i« Amerika. New-Dork, 88. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Konferenz aller größeren jüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten hat nach mehrtägigen lebhaften Verhandlungen beschlossen, den permanenten Kongreß der amerikanischen Juden endgültig spätestens imDezemberd. I. einzuberufen. Die. Kongreßbch'ürdrn wurden beaustragt, an die Arbeiten znr Vorbereitung der Kongreßwahlen »nverziiglich heranzutreten. Lueieu Wolf bei der internationalen Emtgrationskonserenz in Genf. London» 29. Juli. lJÜd. Korr.--Bur.) Dr. Lucien Wolf hat sich imAuftrage des I o i n t F o r e i g n C o m m i t t e e, des Jewish Board of Deputies und der Anglo Jewish Association zur zweiten internationale» Emigrationskonferenz des Völkerbundes nach Genf begeben behusS Intervention in Angelegenheit der jüdischen Emigranten. Lucierr Wolf wird sich bei dieser Koriferens vornehmlich «m die Schaffung von Erleichterungen für die jüdischen Emigranten bemühen. Er wird insbesondere für die Oeffnung der Tore der britischen Dominions und der Vereinigten Staaten für die Familien der in diesen Ländern bereits naturalisierten Juden eintreten. Die Hilfsaktion für Rußland. Dmrch das «ote Kreuz. Berlin- 39 Juli. (Tel.-Komp.) In Angelegenheit der Hilfsaktion für die hungernde Bevölkerung Rußlands wird von amtlicher Seite erklärt, daß sich die deutsche Regierung an das Rote Kreuz mit der Bitte gewendet hat, die nötigen Maßnahmeu zur Linderung der Notlage in die Wege z» leiten. DaS Note Kreuz hat dieser Bitte entsprochen. Die Cholera nach Polen eingeschleppt. Warschau, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Nach Berichten polnischer Blätter wurde Über die O st g r e n z e Polens die Cholera eingeschleppt, und zwar, wir eS heißt, von aus Rußland nach Polen kommenden Auswanderer«. In einigen Grenzorten wurden bereits mehrere heftige Choleraerkrankungen bl/vbachtrt. Wiener Morgeazeitrrng A« unsere p. 1. Leser und Abonnenten! Am 1. August beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zusendung keine Unterbrechung eintrete. . Bezugsbedingungen ab 1. August: Einzelverfchleiß r Kr. 5.~ (auch an Sonntagen) Für Wien (zum Abholen in den Trafiken oder mit . Postzusertdung) Kr. 130.— monatlich. Mit Postzusendung: Deutschösterreich monatlich . Tschecho-Slowakei monatlich Polen monatlich ....... Jugoslawien monatlich . . . Deutschland » . . . . Rumänien „ .... Holland », . . . . Schweiz „ .... England „ .... Italien „ .... Amerika „ .... Frankreich, Belgien monatlich .Kr. 130.- .KS. 18poln. Mark 200.— . . . Dinar 13.— . . . Mark 14.- . . . Lei 24.- . . . holl. st. 1.50 . . . Fres. 3.—. . . . 8h 3.— , . . Lire 6.— . . . Dollar —.50 . . . Fres. 6.— n Zahlstellen: Oesterreichisches Postsparkaffenkontü (Wien) 150.603 Tschecho-slow. Postsparkaffenkonto (Prag). 50.351. Polnisches Postsparkaffenkonto (Warschau) 1S0227. Deutsches Postscheckkonto (Berlin) 108.722. Rumänien (Czernowitz): Allgemeine Depositenbank, ' Filiale Ezernowitz. Jugoslawien: Postsparkaffenkonto (Agram) 40.085 Italien: 5oo!otä ftaiiana di Credito commerclale, Triest Via Mazzln! 30 Die Frage von Konstantinopel. Griechenland hält de» Friedensvertrag für hinfällig. Athirm, 29. Juli. (Griech. Preßbur.) We Athener Mendblätter besprechen die Erklärungen, die der Ministerpräsident Gunaris dem Korrespondenten des „Daily Telegraph" über die Frage van Kon st a ntinvpel gemacht hat. Sv schreibt die regierungsfreundliche «„Chrvnika", daß die Erhaltung der türkischen Herrschaft in Konstantinopel nur unter den Voraussetzung erfolgte, daß diese den Frieden von Sövres annehmen und. durchführen mürbe. Nun hat sich aber in London der Vertreter der Konstanp, tinvpler Regierung offiziell mit der AngoratÜrketz solidarisch erklärt, so daß der Vertrag vvn Sobres hinfällig würde und Griechenland vollberechtigt sei, die» Frage von Konstantinopel' wieder anzuschneiden. Das Blatt erklärt weiter: „Dieses Konstantinopel gehört uns« ethnographischgeschichtlich und geographisch. ES gehört uns auch, weil die Türkei! nicht imstande ist, es zu verteidigen und' dort Ordnungj zu halten. Griechenland muß daher die Frage vvn Konstantinopel aufwerfen. Das Regiernngsorgan „Protevnssa" unterstreicht die Aeußerung Gunaris': Wir können mit der Türkei keinen Frieden schließen, ohne daß die Frage' von Konstantinopel in befriedigender Weise geregelt wird, denn es gibt nicht zweiTürkeien, sondern nur die von Konstantinopel." Das Hauvtvrgan der Benizelisten „Hestia" schreibt, daß es Pflicht! der Negierung sei, dafür zu sorgen, daß'die christlichen und übrigen nichttürki schen Völker vom türkischen Joche befreit würden. Me Regierung könüe hiesiei auf die tatkräftigste Unterstützung 'durch die Kurden und durch die Tscherkessen in Nifomedien Hinweisen. ' Vorbereitungen für den nächsten Krieg. Die englischen Dominions stelle« eigene Flotten auf. London, 29. Juli. Wie das Reutersche Bureau mittelst, beschäftigte sich die Konferenz der Premierminister der britischen Dominions mit der Stellungnahme zu den Angriffen gegen Handelsschiffe, die, wie erwartet wird, im nächsten Kriege noch stärker einsetzen würden als im letzten. Es fei daher nötig, daß jedes Dominion dazu übergehe, den Küstenhandel in Kriegszeiten selbst zu schützen. Australien, Kanada, Neuseeland und Südafrika werden eigene F l o t t e n a u f st e l l.e n,. die als Kern leichte Kreuzer und Unterseeboote als die zum Schutze der Handehschiffahrt am meisten geeigneten Kriegsschiffe enthalten werden. Es sollen Vereinbarungen getroffen werden, durch die sich die Dominions gegenseitige Unterstützung gewähren. 30. Juli 1921_^ _/Seite 8 Ersatzwahlen für die an««lliertem kommunistischen - Mandate 1« Jugoslawien. -Graz, 29. Juli. Die „Grazer Tagespost* meldet aus Belgrad: Da alle 58 Mandate der kommnmMchm Abgeordneten für n i ch t i g e rk l ä r t wurden, hat das Ministerium des Inner« bereits die notwendigen Vorbereitungen sür die E r f a tzwählen getroffen. Außerdem werden die Kommunisten auch von allen öffentlichen Aemtern und Korporationen sowie aus den Gemeiuderäien ausgeschlossen.. Alle Beamten, die in der kommunistischen Partei organisiert sind, werden aus dem Staatsdienst entlasst». Die Englische Antwort Über Obe?- schlesien gegen die Entsendung von Truppen. Paris, 29. Juli. (Havas.) Der britische Botschafter H a r d i NL e überreichte heute vormittags dem Ministerpräsidenten B r i a n d die Antwort der britischen Regieuyig aus d:e letz'.e französische Note, betreffend Oberschlesien. Die englische 'Note ist in entgegenkommenden Worten , gehalten, doch scheint e S nicht, daß England sich der - französischen Anschauung genähert hätte. Es häl? semen Widerstandgegen ' v i e Entsendung von B e rstärlangen nach Oberschlcsien vor dem Zusammentritt des Obersten Rates am 4. August aufrecht. Beratungen des Sinnfeier-Kabinetts. v Dublin, 29. Juli. (Reuter.) Ueber die gestrige Sitzung des Sinnfeiner-Kabinetts wird strengstes Schweigen .beobachtet. Dem Vernehmen nach war die Sitzung von entscheidendem Charakter sür den Ausgang der Verhandlungen. Es wird angenommen, daß sich die Sinnfeier über eilte Grundlage ftir die B e r u s u n g einer offiziellen Konferenz geeinigt haben. Es wird keine weitere Sitzung des Sinnfeier-Kabmets abgehalteu werden, bis de Valero Lloyd George neuerlich Mitteilung gemacht hat. Wenn dann eine Grundlage für' die Konferenz gefunden ist, wird der nächste Schritt eine Sitzung des Sinnseiner- Par l a m e n t 8 sein, in der Bevollmächtigte für'chie weiteren Verhandlungen ernannt werden sollen. Lenin will zahlen? Kopenhagen, 29. Juli. Wie „Politiken". aus R e v a l erfährt, will ein Gerücht wissen, daß L e n i n als lrtzte Hilfe gegen die Not Rußlands vorgeschlagen haben soll, ’ d i e Staatsschuld anzuerkennen, die seinerzeit von . den Bolschewiken annulliert worden sei. Die Bedingung für eine. solche Anerkennung sei jedoch, daß dieAus.bezahluug . d e r Z i u s r n und die Rückzahlung der Schuld nicht vor 1925 geschehe. Eine zweite Bedingung H die Einberufung > einer Konferenz zwischen den Vertretern der Sowjetregierung und den europäischkn Kreditorenstaaten, aus der über eine genaue Skizzierung der russischen Staatsschuld sowie über sofortige Wiederaufnahme der diplomatischen nyd Wirtschaft- . lichen Beziehungen zwischen dm europäischen Staaten uH Rußland - . Vereinbarungen getroffen werden sollen. Reue Gefahren für die russischen Juden. Riga, 28. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Laut hier ein getroffenen Nachrichlen aus Sowjetmßland bewirkte dort die Hungerkatastrophe eine ungeheure Stärkung des A n t i s e m i t i s m u s namentlich in den Gouvernements Saratow u n d S a m a r a. In S i mb i r s k wurden sogar Pogrom versuche gemaK, sie konnten jedoch rechtzeitig unterdrückt werden. Hier eingetrossene Flüchtlinge halten die Einkeilung einer großzügigen Hilfsaktion zugunsten der hungernden jüdischen Bevölkerung m den Wolgagebieten für dringend geboten, da. die , dortigen Juden buchstäblich dem Hungertode preisgegeben sind. Demission glakovfzkys als Präsident -er ungarische« Rationalversammlmng. Budapest, 29. Juli. Am Schluffe der heutigen Sitzung der Nationalversammiung erllärte Stephan v. R a k o v s z k y, daß er die Würde des Präsidenten niederlege, da er nicht auf allen Seiten des Hauses jene Unterstützung gesunden habe, bie zur Wahrung deS Ansehens der Nationalversammlung notwendig ist., Die Erklärung des Präsidenten wurde von den Anhängern der freien Königswahl mit eisigem Schweigen ausgenommen. Die Abgeordneten der Christlichnationalen Vereinigung brachten ihm lebhafte Ovationen dar. — Nakovszky hat sich auf die Seite der Kariisten gestellt und dadurch Horthys Zorn aus sich geladen. Die Reparationskommisfion in Budapest. Budapest» 26. Juli. Wie die Abendblätter melden, trifft die englische Truppe der Entente-Kvntrollkom« mrssion am l. August in Budapest ein. Die Kommission dürste sechEMonate in der ungarischen Hauptstadt verbleiben. Der Pampf gegen den Kommunismus in Jugoslawien. Graz, 28. Juli. Die „Tagespost" berichtet aus Belgrad, daß über Anordnung des Miuistels des Innern das Syndikat der Klerdermacherge Hilfen aufgelöst wurde. Heute werde das große Syndikat der jugoslawische» Bergarbeiter ausgelöst werden. Man habe Anhaltspunkte dafür, daß beide Syndikate Herde der kommunistischen Propaganda wären. Einführung von Reiselegitimationen in Jugoslawien. Belgrad» 29. Juli^ (Preßbur. Belgrad.) Dos Ministerium des Innern hat eine Verordnung erlassen, wonach alle Reisenden, die ^hren Aufenthaltsort verlassen, im Besitz einer Reiselegitimation sein muffen, die von den zuständigen Behörden mit Gültigkeitsdauer von einem Monat ausgestellt sind. ZommemMs« Msüelme («£.) 4» K mo lstinUch MiniMM Mt«. T« ZlMkÄlSttt Rr. » t