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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-30 · Heft 901 (30.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 901 (30.7.1921)
Date
1921-07-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 . Mn. SmMSy Einigung auf eine gemeinsame handelspolitische Auffassung. Die Freundschaft der Staaten wird dann auch zu einer Freundschaft der Völker ausreifen können, die Totes begraben haben und für das Leben sorgen wollen. Herrn Schober öffnet sich bei der Begegnung der beiden Präsidenten ein weites und ftüchtbares Arbeitsfeld. _____ Inland. Statistisches aus Westungarn^ Durch dir Uebergave Westungarns an Oesterreich gewinnt dieses acht neue Bezirke mit drei Freistädtcn- Nach der ungarischen amtlichen Statistik stellt sich das ethnographische Bild dieser neuen Bezirke, wie folgt, dar: 1. Eisenburger Bezirk, 68 du, 83.785 Einwohner und zwar: 30.884 Deutsche, 3849 Magyaren und 10.568 Kroaten 2. Güssinger Bezirk, 59 ha, 4-2.083 Einwohner wovon 30.373 Deutsche, 2564 Magyaren, 8918' Kroaten sind. 3. Bezirk G y a n a f a l v a, 25 ha, 35.889 Einwohner, 24.647' Deutsche, 653 Magyaren, 45 Kroaten. 4. Bezirk E i s r n st a d 1, 21 ha, 26.325 Einwohner 22.638 Deutsche, 1300 Magyaren, 2007 Kroaten. 5. Bezirk Puljsa: 51 ha, Einwohner 83 971. darunter 19.640 Deutsche, 3022 Magyaren, 11.077 Kroaten. 6. Bezirk N e z s i d e r, 103 da, 46.074 Einwohner, 33.056 Deutsche, 6977 Magyaren. 5192 Kroaten. 7. Bezirk O b e r w a t t h, 72 ha, 60-906 Einwohner 44.606 Deutsche, 8060 Magyaren, 6431 Kroaten. 8. Oedenburger Bezirk, 38 ha, 87.509 En wohner, davon 29.728 Deutsche, 3301 Magyaren, 8178 Kroaten. Ferner erhalt Oesterreich die Städte Oedenburg mit 12.945 m*, 83.932 Einwohnern, und zwar 17-318 Deutsche, 15.023 Magyaren, 781 Kroaten, E i s e u b u r g. 1740 ms, 3009 Einwohner, 2074 Deutsche. 83 i Magyaren, 101 Kroaten, und Rust, 1999 m», 1535 Einwohner, 1290 Deutsche, 218 Magyaren, 24 Kroaten. Es rst wahrscheinlich, daß die Zahl der deutschsprachigen Bewohner m Wirklichkeit viel größer isi, als sie von der ungarischen amtlich« Statistik angegeben wird. Nach derselben Statistik leben auf dem Gesamtgebiete Westungarns 8000 Juden. Authentische Schätzungen derheurigen Ernte für das Burgenland ergeben folgende Zahlen: Weizen: Anbaufläche 5b.(,00ha, Fechsung 819.000 q; Korn: Anbaufläche 38.000 ha, Fechsung 479.000 q; Gerste: Anbaufläche 32.000 ha, Fechsung 428.000 q; Hafer: Anbaufläche? ha, Fechsung 332.000 q; Mais: Anbaufläche 16.000 ha, Fechsung 274.000 q. Auf den Kopf der bmgenländischm Bevölkerung etttfallen 292 kg Weizen. 219 kg Korn, 115 kg Gerste, 73 kg Mais, 6Lkg Hafer. Im ganzen lieirrt das Burgrnland 12.000 Waggons Getreide, so daß es bei sehr reichlicher Eigenverpflegung noch 6000 Waggons Brotgetreide abgebcn kann- Der Ueberschuß an Vieh, Milch, Butter, Obst und Wein rst größer. Die Greuzregirlierungskornniisfion. In Graz hat sich gestern der österreichisch, ungarische Grenzregulierangsaus sch u ß konstituiert. Der Vertreter Oesterreichs ist Hofrat Doktor Neugebauer. Ihm ,st als Sekretär und ' Dolmetsch der Oberstleutnant Theophil Hallavanya -»geteilt.^ Der Vertreter Ungarns ist Oberst K e r e s z l e s. Als Vertreter der Entente nehmen teil der französische Major I o c a r d, der italienische Major Salme und der japanische Oberst Aamagoutchi. Wüber ist die personifiZierte Korrektheit. Eine grotzdeutsche Erklärung. Vorgestern fand hier eine von der Wiener Landesparteileitung der Großdeutschen Volkspartei sinberufene Bertrauensmännertagung statt. ,Parteiobmann Kammerrat Kandl erörterte die Gründe, welche die Graßdeutsche Volkspariei veranlaßten, in Wahrung der Interessen der Bevölkerung die. Bildung der Regie-, rung Schober zu unterstützen. Redner verurteilte hiebei auf das schärfste «das Verhalten der Regierungs Mayr, insbesondere in der ,Anschlußfrage. Redner gab der Anschauung Ausdruck, Schober habe eine derartige Mißwirtschaft borgefunden, daß. mgn ihm den Verhältnissen entsprechende Zeit lassen müsse, f)icr mietet Ordnung zu yrachen. In Erörterung der Tätigkeit des Bundesministers.für Inneres Dpktor Waber stellte Kandl unter -großem Beifall! der Versammlung fest, daß sich derselbe alÄ Minister aufs beste bewährt hat und daß sich' die gegen ihn von politischen .Gegnern erhobenen Angriffe als völlig gegenstandslos erweisen. Minister Do kror Waber sei die personifizierte Kor>. rektheit. Kärntner Landtag. Klagenfurt, 29. Juli. Der verfassunggebende Landtag beschloß in seiner heutigen Sitzung die unverzügliche Außerkraftsetzung der noch bestehenden Beschränkungen des Viehverkehrs über die Landrsgrwzen innerhalb dez Bundesgebietes sowie die Aufhebung der Höchst- P r e i s e für Fleisch. Der slowenische AbgeordnetePoljanc stellte eme Anfrage wegen eines Vörfalles am b. Juni d. I.. wobei er beschimpft und tätlich mißhandelt worden sei. Seitens der Landesregierung wurde geantwortet, daß über die Person deS Täters nur besannt fe», daß derselbe ein 20jähriaer Bursche sei. daß er jedoch noch nicht ausgefoischt Wiener Morgenzettnng_30. Juli 1S21 Nr. 601 er den Wissen der ßortby-Pogrotne. Die Stabskompagnie des Pronah. Der gewesene ungarische Mnistvr des Innern, Beniezky setzt seine Kampagne gegen Hvrtchh fort. Am Donnerstag hat iet wieder eine Mde in der Nationalversammlung gehalten, die über "die antisemitische Praxis'einiges Licht verbreitet. Das Ungagarische Tel.-Korr.-Bur., in welchem sich keine Journalisten, sondern nur Kavallerieoffiziere befinden (es heißt deshalb das berittene Bureau), berichtet über Ungarn so, wie man das' Vvn Kavallerievffizieren nicht anders erwarten kann. Man muß deshalb die stark zensurierten Berichte der Budapestev Blätter lesen, um einen Begriff von den Schwierigkeiten der Kritik in dein magyarischen Rechtsstaat zu erhalten. Beniezky wandt« sich zunächst gegen den Ministerpräsidenten Grafen Bethlen, der ihm Pflichtversäumnis vorgehalten habe. Redner verweise auf seine Verordnung vom 1. Dezember 1919, in der er Maßnah inen zur Eindämmung der antisemitischen Bewegung traf und anordnete, baß' gegen-die Veranstalter der Pogrome mit der vollen Strenge des Gesetzes vorgegangen werde. In feiner Verordnung vom 14. September 1919 sei er energisch gegen die Gewalttätigkeiten vorgegangen. Markgraf Pallavietnl, Prinz Winbischgrätz und Graf Bethlen selbst könnten bezeugen, baß er sich in den ersten Tagen des Jahres 1919 durch die rumänischen Linien geschlichen habe, um zusammen mit dem Grasen Be th le n, dem Grafen Julius Anbrassp und dem Markgrafen Pallavicini nach dem Hauptneste zu suchen, wo sich jene Vorfälle ereigneten, die. man als weißen Terror bezeichnete. In seiner Interpellation habe er nicht vom weißen Terror gesprochen, sondern nur von Raubmorden, die unter dem Vorwände der praktischen und intransigenten christlichen Politik verübt wurden. (Heiterkeit.) Hätte er vom weißen Terror sprechen wollen, so hätte er gewisse Protokolle .des ' vierten Inges derPronayschen Stabskompagnie verlesen können. Dies habe er jedoch nicht getan. Was eraber niemals decken werde, das sind Morde,, die an Unschuldigen begangen werden, deren Leichen man noch nachträglich plündert. Redner führt eine Reihe von Fällen an, in welchen arme Kommunisten in Kecskemet straflos herumgehen konnten, während reiche Juden, die mit dem Kommunismus absolut nichts zu tun hatten, a u s g eraubt und ermordet wurden. Diese "Fälle seien zur Genüge in den Parteisitzungen besprochen worden. Jetzt müsse er bannt vor die Oeffentlichkeit treten, denn, nur dadurch könne diesen Dingen der Garaus gemacht werden, sonst gehe der ganze christliche Kurs daran zugrunde. Redner erzählt einen Fall aüS der jüngsten Zeit. Einem Juden namens Kornhäuser sei eit» Brrrder Proriays 70.000 Kronen schuldig gewesen. Als dieser nicht S-ahlen Sonnte, ließ sein Bruder sich de« Betrag zedieren, KornhLuser verhaften und einfperpen. Erst durch die Intervention der Polizei konnte dieser Manu befreit werden. Nun wurde gegen ihn (Redner) eine Klage geschmiedet. Es scheine, daß die Kommuttifteu schon verschwunden sind, und nun kommen die Legitimisten an die Reihe. Zum Schlüsse verwahrt sich Redner gegen den Vorwurf des Ministerpräsidenten, daß er die.Erhebung der Anklagen als politische Waffe benütze. Er habe, bevor er diese Dinge in der Nativnalversannnlung .zur Sprache brachte, vom Ministerpräsidenten die Abgrenzung des Wirkungskreises der Militär- und Zivilgerichte, die Aufhebung der Gerichtsbarkeit der Militärbehörden Über Zivilpersonen, die tdutvrbrittgung der Detachements ta tzastnaskee gefordert, wo sie in strenger Zucht zu guten Soldaten erzogen werden sollen. Weiter habe er gefordert, i><$ die Umgebung deS Reichsverwefvrs Vvn ihrem Posten enthoben werde. Der Ministerpräsident habe diese Forderungen nicht erfüllt und deshalb' trete er jetzt damit vor die Oeffentlichkeit. Der Ministerpräsident . habe Ihm gedroht, baß man ihm füo seine weiteren Aktionen keinen Freibrief erteilen werde. Er fragt, ob der Ministerpräsident ihn nuit intern iet en wolle. Redner stellt weitere Enthüllungen bei einer anderen Gelehrtheit in Aussicht. Beniezky von den Erwachende« insultiert. BWaPest. 28. Juli. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung brachte der Demokrat Gabriel Ugron die Verletzung der persönlichen Freiheit eines Mgeordneten, der in seiner Wohnung im Laufe dev vergangenen Nacht durch unverantwortliche Elemente behelligt wurde, zur Kenntnis des Hauses. (Große Bewegung im ganzen Hause. Rufe: Wer war das?) Der magyarische Offtziersschreiber nennt hier keinen Nainen. Erst auS dem weiteren Bericht erfährt man, daß es sich um den Abgeordneten Beniczky gehandelt hat. Das Ung. Tel.-Koxr.-Bur. fährt fort:. Hierauf ergriff Ministerpräsident Graf B e t h l e n bas Wort und erklärte, daß er vvn diesem Vorfall erst in diesem Augenblick Kenntnis erhalten habe. Hätte sich Abg. Ugron sofort an ihn oder an den Minister des Innern gewendet, so hätten diese den Fall sofort: untersucht und im Falle strafbarer Handlungen sofort dafür sorgen lassen, baß die Schuldigen von der verdienten Strafe ereilt würden. Abg. Stephan Friedrich erklärt, daß die Opposition mit Besorgnis das Vorgehen wahrnehme, welches seitens der Mehrheitsparteien verfolgt werde und' darauf gerichtet zu sein scheine, die Opposition vollständig in den Hintergrund z u drän« gen. Der Redner sei persönlicher Zeuge dessen gewesen, was der Abgeordnete Gabriel Ugron bezüglich der Behelligung des Abgeo'rdeten Beniczky erwähnt habe. werdrn tonnte. Die Landesregierung verurteile diese Bele digung eines Abgeordneten aus das schärfste und werde alles tun, um den Angreifer seiner Bestrafung zuzu'übren. Ein Ersparungsplan. Im Finanzministerium wird gegenwäitig an einem Ei » sydrungSvla «'gearbeitet. Dieser Man. der hauvtiLchlich auf die Vorschläge der unter Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Beck arbm enden E r s v a r » n g s k o rrr- Mission zurückgeht, ist in den Grundzügenfertiggestellt; das ausgearbülete Elaborat licat bereits der Regierung vor. Die Einzelheiten deS Planes werden, sobald ft-‘ die Genehmigung des MrnisterrateS gesunden haben, dem Parlament vorgelegt werden. . ____________ Der Sowjetvertreter in Wien. Der Vertreter Sowjetrußlands Dr. Bronski-Wars z a w s k i ist wieder nach Wien zurückgekehrt. Er bringt den Auftrag mit, den Handelsvertrag mit der österreichischen Regierung abmschließen. Es sind in Moskau mehrere Verträge mit österreichischen Firmen bestätigt worden, überdies sollen neue Verträge, betreffend die Eisenindustrie Oesterreichs» abgeschlossen werden, die die Versorgung Rußlands mit landwirtschaftlichen Maschinen bezwecken. Die Entscheidung über die Zukunft Mitteleuropas. Paris, 26/ Juli. (Verspätet eingetroffen.) „New! Aork Herald" veröffentlicht folgende Mitteilung: Während das wirtschaftliche Schicksal Oesterreichs in der Schwebe ist. Übt der Völkerbund in Washington seinen Einfluß aus, ium die Vereinigten Staaten zu veranlassen, daß «sie sich an der finanziellen Reorganisierung, deren unverzügliche Durchführung die ungünstigen Verhältnisse Oesterreichs notwendig machen, beteiligen. Die Regierung in Washington hat dem Völkerbund imitgeteilt, daß sie nichts! lieber tun würde, als M au-einem derartigen Muh beteiligen, daß aber kein Schritt in dieser Richtung unternommen werden könne, bisher Friedens- Vertrag mit Oesterreich Vv-m Kongreß approbiert-fei. Mit Rücksicht auf den kritischen Zustand der österreichischen Finanzen -hat der Völkerbund die Vereinigten Staaten ersucht, in dieser Angelegenheit so rasch' wie Möglich zu handeln. Von der Lösung des österreichischen Problems wird zum guten Teile hie Zukunft Mittel!-, e u r v p a s ab hängen . Die Sachverständigen hes Völkerbundes haben bi« Überzeugung ausgesprochen, daß die Befreiung Oesterreichs von .den auf seine Hilfs>- quellen durch den Friedensvertrag von Saint-Germain gelegten Lasten durch' die alliierten Mächte eineunerläßliche Vorbe dingung ist. Die maßgebenden Kreise des Völkerbundes hoffen, baß die Vereinigten Staaten sofort Schritte tun werden, um der finanziellen Wiederherstellung Oesterreichs ihre Untere stützuNg zu gewähren. Sobald Anierika eine de finitive Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen haben wird, wird der Plan in dr> Tat um«- gesetzt werben. Man erwartet, daß im Lauset eines Monats, entsprechende Kredite Oesterreichs zur Verfügung gestellt werden sund daß seine, finanzielle Krise dadurch und 'zu diesem Zeitpunkt zum Abschluß gebracht werden wird. Die tschechisch-ungarische Grenze. We der Prager Berichterstatter des ^Slovensk^ Dcnv erfahrt, hat die Abgrenzungskommissloil für Die ReM euiiiks der Grenze zwischen der T f ch e cho - S l o w a k e > und 11 n fl a r n gestern in Brünn ihre erste Sitzung abgehalln,. Bei dieser Beroruiig, an der sich ungarische, ischecho-siowakische ßanu'ssijche und italienische Dürgiette be'eiligten, forderte de.! Vertreter der ungaiischen Regurung, die Grenzberichtignng nach dem rthnograyhischen Prinzip durchzusührrn. Bon tschechische» Seile wurde^ gegen diese Auskegung Stellung genommen unk rrklärt. daß bte Grenze in ihren Hnnptmge» b^re.ts im'Trio non.» ^'erirage unverrückbar f e st g e l e a r fei und aUfäUig.. Aendermige» nur lokaler-Cyaratter traaeu könnten.

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