Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 901 (30.7.1921)
- Date
- 1921-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Meldungen, wonach eine oder mehrere Negierungen sich geweigert Hütte«, ihre Ansprüche zurückstellen, entbehre« jeder Begründung. Alle bisher eingelaufene« Antworten erklLren sich mit den vom Finanzkomitee vorgeschlagenen Bedingungen einverstanden. Aus gewisse» Ländern, deren Meinung von Gewicht ist und die bis jetzt noch nicht geantwortet haben, find Mitteilungen eingetroffen. die zeige», daß sie vollkommen bereit find,. eine hilfreiche Haltung anznnehmen. Unterdessen unternimmt Oesterreich loyal Schritte, um das Programm, das das Land dem Finanzkomitee des Völkerbundes vorgelegt hat, durchzuführen. Eine Erklärung der „Times". LWlÄlM, 29. Juli.' (Reuter.) Die „Times" schreiben, er feien durch die auswärtige Presse, vollkommen i r r t ü m l i ch e Behaupten g e n verbreitet worden, wonach der vom Finanzkomik Pölker- ..b nWeß reiche -e nd gältig ge sch e it« r t sek Es sei vollkmnmen richtig, daß die Erlangung der Zustimmung der Vereinigten Staaten zur Rückstellungs der P f a n drechte auf die österreichischen Aktiven längere Zeit in Anspruch nehme, als man ursprünglich erwartet batten Dies.liege/ an der Langsamkeit, mit Lvr.veik Kongreß üas Gesetz.behandle, das der amerikanische,n Die Uebergabe Westungarns. Die Botschafterkonferenz hat gestern der österreichischen Regierung die offizielle Verständigung zugehe« lasse«, daß die erste Sitzung der interalliierten Kontrollkommission zwecks U ebergabe West Ungarns am 6. August in O e d e n b nr g stattfinden wird. Die österreichische Regierung hat den Sektionschef Dr. D a v h, Leiter der Verwaltungskommission für das Burgenland, zu dieser Sitzung delegiert. { Das jüdische Palästina. Eine englische Regiernngserklürung. London, 28. Juli. (ILd. Korr.-Bm.) Auf eine Anfrage des Sir W. Johnson H i cks im Unterhauses ob die „Zfonifierung" Palästinas sich im Einklänge mit der Proklamation Alleubys vom Jahre ISIS befinde, erwiderte Captarn G « e st in Vertretung des Kolonial- Ministers. Da die Balfour-Deklaratto« schon im Jahre 1917 erlasse« wurde, so konnte A l l e « b y nur im Sinne dieser Deklaration die erwähnte Proklamation erlasse« haben. Daher kau« Allenby keinerlei Schmälerung der Balfour-Deklaratio« beabsichtigt habe». Es werde somit in Palästina die e i n h e imische B e v ö l k e r « « g zur Selbstverwaltung bloß in eine« s o lch en Grade herangezogen werden» als dies mit der in der B also nr-D eklarati o n festgeteqten Politik e l« e s R a t i o «a^ H o m e für die A u de« nicht unvereinbar ist. Die Aufteilung Oberschlefiens. Warscha«, 29. Juli. (Fmrhpruch.) Nach Pariser Mel- Zungen er, ch eine es wahrscheinlich, daß der italienische Vorschlag (V r s c o n t i) bezüglich Aufteilung Oberschlesiens durchdringrn werde und daß Polen vm am die B°rirü Rvt>«ik und P l e ß «chnrn kSv»«. Regierung das Recht gehen soll,' die Ansprüche Amerikas zurückzustellen. c ' Die Behauptung aber, die amerikanische Regierung habe wissen lassen, daß wenig Aussicht auf Erteilung einer derartigen Ermächtigung' durch den Kongreß bestehe, ist, wie „Times" bestimmt zu wissen glauben, vollkommen fal sich. Ditz amerikanischen Forderungen gegenüber Oestvrmich erreichen nur einen Betrag vonetwa 25 MillimM Dollar und es ist selbstverständlich, daß das arttsrikanische Volk viel zu einsichtsvoll ist!, um sich wegen min ew to kleinen Summe mit der Verantwortring für den Zusammenbruch Oesterreichs belasten zu lassen,-umsomehr, als die amerikanischen GeschäftsleW sich mehr .denn je darüber im klaren sind, daß von dem Erfolg dieses. Aufbauplanes die Wiederbelebung des Handels nicht nur in Oesterreich, sondern auch in ganz Sü.dvste uropa abhängt. Eine Zusicherung Torrettas. Wien, 29. Juli.' Der „Politischen Korrespondenz" wird aus Rom berichtet: Der „M-ssaggew" meldet: Als M a r ch. es edel l a Tor r et ta sich, zuletzt in Paris - aufhielt, um im Verein mit den Vertrehspn .der Alliierten die Mittel für die VerwirklU)üng des» W i e h er au f b.a u s --O e st er reiA.s zuLeMW, Äärte - er, baß ä u ch-HM MW ihm formulierten Vorbehalte zu verzichten, vprausigesetzt'natürlich, daß sein Opfer in bezug auf die Anwendung seines "Pfandrechtes in denselben G'renzen gehalten^ werde, welche die Alliierten auf sich nehmen. Dieser Gedanke hat auch die. Antwort des Ministers des Aeustern an den österreichischen Bundeskanzler geleitet. Aufhebung der Kommustifchen Partei in Jugoslawien. Todesstrafe gegen kommunistische Propaganda. Belgrad, 28. Juli. (Preßbureau Belgrad.) Der Gesetzesausschutz der Nationalversammlung hat mit grosser Mehrheit den Gesetzentwurf, betreffend den Schutz des Staates, angenommen. Gegen die Annahme stimmten «nr die Kommunisten, die Republikaner und ein Teil der Agrarier. Die Sozialisten entfernten sich bei dev Abstimmung aus dem Saale. Der Gesetzentwurf sieht «. a. die Aufhebung der kommunistischen Partei vor. Jede kommunistische, anarchistische oder terroristische Propaganda sowie jede Aktion, die eine gewaltsame Aenderung der Staatsform beabsichtigt oder eine Mitwirkung bei emeyr solchen Amsturzversuch werden mit dem T o d e, in weniger schweren Fällen mit 20 Jahren schweren K e r k e r s bestraft. Die Kämpfe in Marokko. 20.000 Spanier außer Gefecht. P a r i S/ 29. Juli. (Fünkspruch.) Der Korrespondent der „T i m e s" meldet ans Tanger, datz die Verlust e der Spanier bei Melissa zwanzigtausend Man» an Toten, Verwundete«, Dermitzten und Gefangenen betragen sollen. „Aonrnal" berichtet datz 16 spanische Bataillone in Melitta eingelangt seien. Die spauische Regierung denke angeblich daran, mit de«Kabyleu inFriedensverhandln n g e n zu treten. „Echo de Paris" erführt hingegen, daß die spanische Regierung 80.000 Manu nach Nordafrika entsenden wolle und datz die Anzahl der gecharterten Schiffe darauf schlietzeu lasse, datz Aktionen iu großem Stile aeplaut seien. Gute Nachbarschäft. —y. 29 t e ä, 80. Juli. Die tschechische Regierung richtetanlässlich, der bevorstehenden Begegnung der Präsidenten Masaryk und Harnisch aus österreichischem Boden warme und herzliche Begrüßungsworte an' die Nachbarrepublik. Der erste politische Mt des Prästdenten Masaryk - nach seiner Krankheit gelte Oesteneich. und . sei ein Beweis seiner fteundschastlichen Auffassung des Verhältniffes zwischen den beiden Staaten. Es ist das erste Mal, daß wir aus Prag eine solche Botschaft hören. Sie beweist, daß die aus der historischen Schicksalsgemeinschast stammenden Fäden doch nicht ganz dmchriffen sind. Und daß wir diese Freundschaftsversicherung aus Prag gerade am Jahrestag des großen Krieges vernehmen, spricht für ihre innere Wahrhaftigkeit. Der Krieg hat die Bindung' der auf dem Gebiet der Monarchie vereinigten Nationen ausgehoben. Ec hat ihnen die staatliche Unabhängigkeit gebracht, aber zugleich ihren wirtschaftlichen Zusammenhang zerriffen, ohne ihnen die für die Gewöhnung an den neuen Zustand nötige Üebergangsfrist zu gewahren. Diese Unterlassung, die den Großmächten zur Last fällt, hat sich schwer gerächt. Die kleinen Staaten, zu schwach zur vollständigen Eigenwirtschaft, mußten ein Satellitendasein führen und sich in dem 'Aufbau ihrer neuen Wirtschaft dem Diktat der großen Zentralsonnen fügen. Es hat lMge gedauert, bis sich' die Ueberzeugung von der Schädlichkeit dieses Zustsndesdurchringen konnte. Die österreichische Konzepnon, die sich die Wiederaufrichtung des mittel- , europäischen Wirtschaftsgebietes zum Ziele setzte, fand ln. Prag sehr rasch Verständnis. Man hat dort die Schäden des Eingreifens nationalistischer Parolen in die Wirtschaft erkannt und griff gerne nach dem von Wien gebotenen Mittel, sich von diesen Einflüssen so weit als möglich zu emanzipieren und dem übermächtigen Druck der großen Entente entgegenzuwirken. Der österreichische Plan scheiterte an den Christlichsozialen. Aber dennoch hatten sich zwischen den Staaten neue Berührungspunkte ergeben und die offizielle tschechische Politik hat alles getan, um zu Wien in ein innigeres Verhältnis zu kommen. Die tschechische Republik hat Oesterreich in sehr schwerer Zeit mtt Kohle ausgeholfen und Präsident Masaryk hat an die 'Wiener Spitäler gedacht, als vor zwei Jahren deren Kranke unter der Kälte litten. In jeder Frage wirtschaftlichen Zusammenlebens hat sich die Tschecho- Slowaker als ein guter Freund erwiesen. Die Gleichheit der politischen Konstruktion hat beide einander nähergebracht. Die Tschecho-Slowakei ist polüisch ganz anders orientiert als Oesterreich. Sie unterliegt ununterbrochen den Rücksichten auf das kommende Russland und muh chr ganzer wirtschaftspolitssche» System darauf einstellen. Fällt Oesterreich die Mission der Warenvermittlung zwischen West und Balkan zu, so hat die Tschecho-Slowakei die Mission der friedlichen Ausgleichung zwischen den slawischen Staaten. Beide Staaten müssen dem Frieden dienen und die Vorbedingung für das Gelingen ihrer Aufgabe ist ihre gegenseitige Freundschaft. Die Begegnung der beiden Staatsoberhäupter reicht in ihrer Bedeutung über den Tag hinaus. Der österreichische Präsident ist vom Bundeskanzler begleitet und es wird sich die Gelegenheit zu einer tiefgehenden Aussprache über die Fragen ergeben, die die beiden Staaten unmittelbar berühren. Die Beziehungen zum Osten, der vor grundstürzenden Aenderungen in Ungam und Russland steht, sind für beide Staaten aktuell und vielleicht ist es dem Kanzler Dr. Schober möglich, das in ftüherer Zeit angebahnte Werk jvrtzusetzen. Die Entwicklungslinie läuft überall auf einen Zirsammenschlutz der kleinen Starten hinaus, deren Aufbau den Krisen der Weltwirtschaft allein nicht gewachsen ist und deren DalutaoerhÄtmsse durch und miteinander notleidend geworden sind. Die Handelspolüische Union der kleinen russischen Randstaaten, die sich eben jetzt vollzieht, gibt das Beispiel, an das sich die Staatsmänner Mitteleuropas hatten müssen. Die kleine Entente ist lediglich ein militärpolitischer Zweckverband, der sich gegen die von der ungarischen Seite her kommende Gefahr gebildet hat. Aber , sein erster < und vornehmlichster Grundgedanke ist Die Ueberrmudung der wirtschaftlichen Schwäche durch die