Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 900 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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r€5*tt« 4 Wien. Freitag . >. i.Mii|p|illi ■■■■ ■ * " » ' >>' 1 "■ ' ~ 1 IM-— 1« Telegramme. Die Tagesordnung -es Oberste« Rates» A« 4. A«g«ßt. 96. Juli. (Eigmbericht der »Wiener Morgenßeitnng*.) Der »Jntrairstgeant* meldet: Auf der kommmdtzt Tagung de- Obersten Rates solle« folgende Punkte erörtert werde«: Oberschlefien, die Frage der Meerengen, die Sanktionen, die Kriegsschuldige«, die Kriegsschulden, die belgische Priorität, die Reparationen, die Hilfeleistungen fürOesterr e i ch und für das hungernde Rußland, die o r i e »t a l i s ch e Frage, die Türkei, die griechische Osfmstve, Syrien und Emir Faisul. Die Washingtoner Konferenz. Teilnahme Japans. Paris, 2$. Juli. (Funkspruch.) „Exchange Telegraph" berichtet aus Washington, daß die j a panische Antwort auf die Einladung des Präsidenten Harbin g zur Teilnahme an der Washingtoner Konferenz gestern in Washington eingetroffen sei, daß Japan die Einladung äugenvntttteit, aber verschiedene einschneidende Vorbehalte erhoben habe. Eine Internationale Aktion gegen den Kommunismus. Belgrad, 28. Juli. (Preßlmr. Belgrad.) Ministerpräsident Pa sie hat der tschecho-slowakischen, rumänischen Und italienischen Regierung vorgeschlagen, eine gemeinsame Konvention zur Bekämpfung der kommunistischen Propaganda abzuschließen. Der Konvention könnten später auch andere Staaten beitreten, die geneigt, waren, gegen die kommunistische Gefahr zu kämpfen. Aufhebung des Ausnahmszustandes in der Slowakei. Prag, 28. Juli. (Tel.-Kornp.) Den „Lidove Nodinh" zufolge wird die tschechische Regierung mit Rück-. sicht auf die Ratifizierung des Vertrages von Trianon die militärische Jüstizgewalt über Zivilpersonen in der -Slowakei ausheben. Polen verbietet die Ausfuhr von Lebensmitteln. Warfchcht, 28. Juli. (Funkspruch'.) Bei der nächsten Sitzung des Landtags soll ein Gesetz, das die Lebe-nsmittelausfuhr verbietet, eingebracht werden. Gute Ernte in Frankreich. .Paris, 28. Juli. (Funkspruch.) Pouet, der Vorsitzeude des Getreidesyndikats, erklärte einem Vertreter des „Matin", daß die französische Ernte au ße.rö rdeutlich gut sein werde und daß wahrscheinlich, keine Einfuhr von Brotfrucht aus dem Ausland^ notwendig fein werde. Der zentralamerikanifche Staatenbund. Der „New Pork Herold" meldet aus Wa shin gt >, n, daß die, Verhandlungen Wer eine Vereinigung der fM.f zentralamerikanischen Republiken Panama, Salvador, Guatemala, Nicaragua und Costa Rica zu einem einzigen souveränen Staate vor dem Abschluß stehen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Juden in Aegypten. Jerusalem. 87. Juli. Wie hmt „Doar Hajom* aus Kairo berichtet wird, hit der wirtschaftliche Aufschwung Aegyptens in den letzten Jahren jüdischer Schasienskrast sehr viel %n danken. Handel tmb Industrie wurden von Inden geschaffen und auSgestaltet, sowohl in großen Handelshäusern als auch in Fabriken, Aktiengesellschaften und Schiffahrtnnternehmungen ist der jüdische Geist tätig. Das Aufblühen der ägyptischen Nationalbank wird selbst von Nichtjaden dem Umstande geschrieben, daß der größere Teil ihrer Beamten Juden sind. Die jüdische Gemeinde Kairos besteht zum größten Teile aus ägyptischen, türkischen, mesovotamischen und aus Damaskus stammende« Inden, die schon seit Jahrzehnten in Kairo lebe». Trotz dieser Herkunft der Juden von Kairo zeigt sich bei ihnen die merkwürdige und bedauerliche Neigung, ihre Kinder in nichtjüdischeSchulen zu schicken, wo sie dem Judentum völlig entfremdet werden. Dieser besonders bei" den wohlhabenden und' angesehenen jüdischen Familien zutage tretenden Erscheinung bemühen sich die von der jüdischen Gemeinde erhaltenen eigenen Schulen cntgegcnzntreten und es ist bezeichnend, daß in der letzten Zeit, seitdem in den jüdischen Gemeindeschulen der Unterricht in der hebräischen Sprache in den Lehrplänen einen größeren Raum einnimmt, die jüdischen Schulen einen größeren Zuzug von Schülern zu verzeichnen haben. Die vermißte« Touristen. Salzburg, 28. Juli. Nach einer gestern aus Auffee hier eingetroffenen telephonischen Mitteilung ist die Suche nach den vermißten Tonristen Roskoschny, Alexander, Fischer und Stork vollkommen r e s u l t a t l v S geblieben. Man fand weder eine Spur noch erhielt man weitere Auskünfte über Begegnungen mit ihnen. Die Durchsuchung der Berge der in Betracht kommenden Gebiete war ohne Ergebnis. Sie wird jetzt von der Gendarmerie mit Ortsbewohnem mit Zuhilfenahme von Hunden fortgesetzt. Mit Hunden will Mn die Gebiete abstreifen. Hingegen hat das Verschwinden' der Hausgehilfin Anna B u t t i n g e x eine ganz harmlose, Aufklärung gefunden. Sie ist schon znrückaekebrt und hat nur' eine Zeitlang bei Bekannte» verweilt. -tMewer Morgenzettmtg Mitteilungen anö dm Publikum. Dp. Jakob Schwavzbpod teilt auf diesem Wege seihen Freunden and Bekannten mit, dass am L6. Juli 1981 seine P R O MOTION «um Doktor der gesamten Heilkunde im Festsaale der Wiener Universität stattgefunden hat Wien, im Juli 1921 M75 Tagesbericht. Ausschreibung -er Delegiertenwahlen zum XH. Zionistenkongretz. Gemäß Artikel XXVI der in der »Wiener Morgenzeitung* vom 17. Juli 1921 vertautbarten Wahlordnung jür die Delegiertenwahlen zum XII. Zionistenkongreß wird bekanntgegeben: 1. Im Sinne des Artikels XH der Wahlordnung fungiert der geschäftsfiihrende Ausschuß des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich als Hauptkommission des österreichischen Landesverbandes. 2 Im Sinne der Arlikel V und VI sind dir Wahlen direkt und geheim und werden nach dem Proportionalwahlrecht durchgeführt. v 3. Im Sinne des Artikels VH sowie der Artikel XI und XXI wird festgesetzt: a) daß der ganze Zionistische Landesverband für Oesterreich einen Wahlkreis bildet, d) daß die Wahl nach dem Prinzip der gebundenen Listen zu erfolgen hat, , e) daß zur Einreichung eines Wahlvorschlages 500 Unterschriften stimmberechtigter Schekelzahler erforderlich find. d) daß die Wahlvorschläge bis 4. August l. I., 12 Uhr mittags, im Bureau des Zionistischen Landeskomitees- II., Zirknsgaffe 33, eingelangt fein muffen. Vorstehende Bestimmungen der Hauplwahlkommission wurden vom erweiterten Ziomstiichen Landeskomitee m seiner am 27.d.M. mit den Vertretern der Zionistischen Bezirkssektionen abgehaltenen Sitzung genehmigt. Weitere Verlautbarungen zur Durchführung der Wahlen werden von der Hauptwahlkommission ergehen. Das erweiterte Landeskomitee hat in der genannten Sitzung mit den Vertretern der Bezirkssektionen beschsoffen, die folgende Liste aufzustellen: 1. Dr. H. P. S h a j e s, Oberrabiner. 2. ' Dr. Isidor S ch a l i t, Zahnarzt. 3. Dr. Josef Lowenherz, Rechtsanwalt. 4. Dr. Leopold S 0 f e r, Zahnarzt. —- 5. Dr. Isidor M arguli e s, Rechtsanwalt. 6. Dr. Israel W a l d m a n n, Industrieller. 7. Ludwig B a t 0, Beamter. 8. Dr. Jakob Weiner, Sekretär dr8 Zionistischen Landesverbandes. 9. Dr. Heinrich K i w e, Rcchtsauwaltsanwinter. 10. Julius G r ff n e r. Industrieller. -.--v.' ',-E.rsatz delegierte: . .. . 1. David N e b e n z a h l, Kaufmann. . - 2. Löbl Tnu b e s, Privatier. 3. Oskar R 0 s n e r, Industrieller. 4. Dr. Martin R 0 s e n b l ü t h» Sekretär der Zionistischen Exekutive. 5. Brrl L r b e n s ch u ß, Kaufmann. 6. Dr. Fritz S t e r n b e r g, Schriftsteller. 7. MoseS Rath, Lehrer. 8. Dr. Fritz Georg Steiner, Bankier. 9. Dr. Josef P 0 l l a t s ch e k, Beamter. 1V. Felix Ungar, Student. DaS Zionistische Landeskomitee für Oesterreich : Dr. Jakob Weiner, Dr. Isidor S ch a l i t. Zionisten! Der Schekel ist eine streng verrechenbare Drucksache. Es ist Eure dringend« Pflicht, die verkauften Blocks unverzüglich abzuiechnen. _ Der Gang zum Grabe Herzls. Für den -am Sonntag den 31. Juli stattfindenden Gang der Wiener -Zionisten zum Grabe Herzls wird folgendes festgesetzt : 1. Die Mitglieder her zionistisWn Bezirks Mio neu bilden per Sektion je eine Bivrerkokönne; die Vierer-' kotonnen nehmen nebeneiürnder ans dem' freien Platze in der Mar Emanüelstraße vor dem Krankenhaus der Wiener Kaufmannsch'aft Aufstellung, und zwar mit der Tete in der Max Emanüelstraße. Die Reihenfolge ist die folgende (gezählt vom Krankenhaus aus)» XX. IU, IV/V, VI—VIII, X/XI, XII/XV, I, XVIII, XIX, xxi, xvi/xvir, ix, n. 2. Die Jugend gruppen, Chialuzim, Turn- und Sportvereine und .sonstigen Korporationen und Verbände sammeln sich? gleichfalls in Biererk-olonnen mit' der Tete an der Hasenauerstiraßei auf dem' freien Platze am Ende der Hasenauerstraße beim Türkenschanz-, platz. 3. Die Mitglieder des Zionistischen Lemd^iomitees, das Präsidium des Jüdischen, Nationalrats der Osttzalizischeu Delegation sowie hie Mandatare nehmen vor dem Krankenhaus der Wiener Kaustn-annschÄft Aufstellung, hinter ihnen sarümeln sich! die zionistischen akademischen Verbindungen und Vereine. 4 Die Formierung der Kolonnen erfolgt zwischen 9 und 10 Uhr auf den genanntem Plätzen, der Abnvarsch wird präzise 10 Uhr in. der Weise erfolgen, baß die Jugendgrjuppen, Chaluzim, Turn- und Sportvereine sich über den Türkenfchanzplatz in Bewegung seAen und in der Mar Emanüelstraße an den Meui'rkri- ». In» 1921 5b. 9O0L . ~~ . '% sertronen vorbermarschieren. Weün sie dar Ende hetz Max Emanüelstraße erreicht hüben, treten die im Wsatz 3 genannten Gruppen voran und setzen sich gegen, den Friedhof in Bewegung. An die im Absatz Ä ge-i nanüten Gruppen schließen sich svbann die Bezirktzj«! sektivnen an, uNd zwar als erste die Sektion ll, sodannl die Sektion IX und so fort bis zur Sektion XL tn di» Reihenfolge ihrer Ausstellung. Die AufstettungSplStze werben am besten auf Heu Linien 40 und 41 der elektrischen Straßenbahn ovreich't. Me StraßenbähNbirekÜon ist gebeten worden^ den Verkehr zur 'Hin- und Rückfahrt entsprechend z« verstärken und für die '41er-Linie beim Türkensch'an^ Platz eine provisorische Haltestelle zu errichten. Die Teilnehmer am Zuge werdet gebeten, de« - mit blaü-tveißen Armbinden versehenen Ordnern unbedingt Folge zu leisten und die größte Ruhe nutzt Disziplin au den Tag zu legen. AM Grabe muß ohNe Aufenthalt vordeimarschiert werden, um Stockungen zu vermeiden. (We Leitung des Ordnungsdienstes^liegt in den Händen des Herrn Leo Sendrowicz.) Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Was in Amerika für die Kriegsgefangenen geleistet wnrde. Gin Bortrag Dr. Glogaus. Vorgestern habe» die Freie Vereinigung der Mütter und Frauen Kriegsgefangener und den: Verband der Atzm gehörigen Kriegsgefangener im großen' Saale der Handels¬ und Gewerbekammer einen Vortrag des bekannten amerikanischen Philanthropen Dr. Otto Glogau veranstaltet'. Der Saal war ganz voll. Dr. G log au berichtete über die HilfStätigkeit Amerikas für die Kriegsgefangenen, die in daS Jahr 1915 zurückdätiere, in dem bfe österreichische Damenhilfsgesellschast ent großes Wohltätigkeitskonzert für die Gefangenen gab, bei dem D'r. G lo g u's Gedicht „Die sibirischen Vesangeuei^ als Prolog gesprochen wurde.. Später wurden durch Vermittlung des Roten Kreuzes und anderer Organisationen: Versuche gemacht, Liebesgaben und. Gelder nach' Sibirien zu schicken, was aber wegen der Unsicherheit der Beförderung bald aufgegeben werden mußte. Da kam der Eintritt Amerikas in den Krieg und damit hätte jede Hilfstätigkeit für die Kriegsgefangenen ein Ende. Erst nach Abschluß des Waffenstillstandes konnte wieder etwa? geschehen; aber damals überwog das Interesse jür die armen, kranken Kinder so sehr, daß eine Hilfsaktion für die Soldaten einer noch feindlichen Ration noch unmöglich war. Da wandte sich' am '26.- Jänn«: v. I.'die schwedische Ge san d t sch a ft in einem Rundschreiben ay die hervovragenbsten Amerikaner österreichischer Abkunst mit. den Bitte, ein Hilfskomitee für die sibirische» Mepiange nen zn^grürchen. Dr. Uloga» wutt»e '«ttt seiner Organisation beauftragt. ®3 bildete sich ein kleines Umerikairisch-österreichisches Komitee,.in dem «eben Dr. Wl 0ga», dem Präsidenten, Herr Emil Fischl als Schatzmeister Und die Herren A. F u ch s, A. Hirsch und ü. .Spitz er wirkte». Vor allem galt es, das Staatsdepartement in Washington und bas amerikanische Rote Kreuz für die Aktion zu interessieren. Nach längeren Verhandlungen kam es am 8'. April vorigen Jahres zur Gründung eines großen Zentralkomitees deS American Repatriatton Fund str Mbirian War PnfonerS, dessen Präsident der bekannte Philanthrop Felix Warbu rg und dessen erster Vizeprchident der Leiter des' Auswärtigen Amtes des amerikanischen Roten Kreuzes Dr. F. A. Keppel wurde. Der umsichtige« und aufopferungsvollen Tätigkeit dieser beibett Männer und der Vertreter der verschtederren großen amerikanischen Hilfsorganisationen, die sich zu dem Zentralkomitee zusammengeschlossen hatten, nämlich: American FriendS Nervt« Eommi1t?e, American Red Croß, American Rellel'Tdmmitte« for Hungariän Mufft'rers, American Relief hör Austrtan War PrisonerS, Federal Touncll Vf Ge Church' vf Christ in America, Joint Distribukivn 'Tvmm'rttoe of SI wert ca n FriendS of Jrwish Mar Dufferers, Rational Titholic War Council, Hmnig Mens Christian Association, gelang es, innerhalb eines halben JahreS rund 1 Million Dollar aufzubringen, für die auf vier gemieteten Schiffen 90V0 Gefangene heimvefördert wurden. Doktor Wogau erwähnte, daß das amierikanffchy Rote Kreuz und das J-oint Di striptii'ion eine Vicrtelmillion Dollar für den Zweck gewidmet haben, Im Zentralkomitee waren die verschiedensten Rassen, Nationen uiid Religionen vertreten, und das Hilfswerk Amerikas galt der Heimbesörderung armer Kriegsgefangener, ohne Rücksicht auf ihre Religion, Rasse und Nationalität. Auf diese Weise konnte Amerika durch ein erneutes großes Hilfswerk im Geiste der Menschenllebe und Versöhnungwirken. Me Ausführungen Dr. Wogaus lösten großen Beifall aus, der sowohl seiner Tätigkeit als auch der dye amertkanischp« Landsleute und der Amerikaner überhaupt galt. Rach ihm sprach der Hermrsge^r der.„Staatskorrespondenz" in New-Aork DV. Pollak und im Namen der Heimkehrer Schriftsteller Nowak. Frau Berta Litünann erstattete Bericht über hie Verteilung der 3301 Dollar, die De. Wogau für die Organ isatonLN der Angehörigen 5krtegsgefangLNer herübergebracht hat, und 'teilte mit, daß in den nächsten Tagen in den Räunwn des amerikanischen Roten Kreuzes '60 Studenten, die aus der russischen Krtegsgefangenschäft heimgekehrt sind, je 800 bis^ 1000 Kronew durch' zehn Monate zur Vollendung, ihrer Studien gewährt werden. Diese monatliche Gabe gilt demnach für zwer Semester.. Außerdem werden 260 Heimkehrer nrit einem Betrag von je 3000 Kronen als Unterstützung bedacht. Auch diese Mitteilung wurde mit großer Befriedigung und mit Daukaestchl gusgeuvWMM.