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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-27 · Heft 898 (27.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 898 (27.7.1921)
Date
1921-07-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 8 Nr. 898 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzewm- 27. Juli 1921 Inland. Palästina-öndriicRe eines jüdischen Kaufmannes. Das Wtrtfch aftsleden in voller EntVirklung. Bevorstehende Aenderung wichtiger Militärischer Vorschriften? «infShrung dev Grußpflicht und -eS WasientragenS. — Revision dev Toldatenratöbeflimmungen. — Manöver in Oberiisterreich. Die n n S b x u ct e t Nachrichten" melden: DaS Bundeßministerium für Heerwesen bereitet eine Verordnung vor. durch die die m i l i t ä r i s ch e Grußpflicht wieder ein» geführt werden soll. Außerdem soll das Tragen der S e i t e n w a f \ e auch außer Dienst wieder gestattet werden. Es wird ferner an nner Verordnung gearbeitet, die den im vorigen Jahre von Dr. Deutsch ansgegebenen SoldatenratSerlaß einer gründlichen Revision umerzieht. Die Rechte der Soldatenräte sollen einheutig festgelegt werden. Der neue Erlaß wird den Solvatenräten lediglich die Rolle von Vertrauensmännern der Mann* schuft zuweisen. Das St.iatsamt trägt sich schließlich auch mit dem Gedanken, im September d. I. g r ö ß e r e T r u p p e n- Übungen abzuhalten. In Aussicht ist die Gegend von Vöcklabruck rn Oberöstecreich genommen. An den Uebungen würden Teile des Tiroler- und Salzburgei-Kontingents, fermr ober- und niederöjterreichische Abteilungen teilnehmen. Die Uebungen würden nur einige Tage dauern, sie müßten aber unterbleiben, wenn eine Truppenkonzentrieiung gegen WestungatU sich als n o t w e n d i g erweisen würde. Hainisch und Masaryb. Wie mitgeteilt wird, soll die Begegnung zwischen dem Präsidenten M a s a r h k und dem Bundespräsidenten Hainisch um den 8. August auf der Strecke S e l z t h a l— L t» z—B udweis erfolgen. Die uriprüngliche Absicht einer Zusammenkunft aus dem Semmering mußte inlolge Routenänderung Masarhks auf,regeben werden. In hiesigen politiichen Kreisen sieht man dieser Zusammenkunft mir großem Interesse entgegen, da man darin ein Anzeichen für eine wertere Annäherung zwischen der Tschecho-Slowakei und Oesterreich erblickt. Wenn auch die Zusammenkunft einen rein privaten, freundschaf^ lichen Charakter tragen wird, ist es selbstverständlich, daß auch vplitifcheFragen znc Besprechung gelangen werden. Auch das gemeinsame Verhältnis zu U n g a r n dürste erörtert werden. _ Die Kunstforderungen der Tscheche«. Zu den in den letzten Tagen verbreiietm Pressemeldungen über die Forderungen der tschecho-slowaktschen Republik an österreichlschem Kunstbesitz erfahrt die Politische Korrespondenz, daß die auf Grund des Artikels 195, Anlage IV, de- StaatsvrrtrageS von Saint-Germain innerhalb zwölf Monate« nach Inkrafttreten des Friedens Vertrages zu erwartenden Forderungen dir tschecho-slowakischrn Republik nunmehr tatsächlich i« Form etnes umfangreichen Memorandums iuWien ringe t r o f t e n sind. Die sich auf eine ziemlich große Anzahl von Museumsgegenstavden verschiedenster Art erstreckende» Ansprüche werden seinerzeit von dem Dreijuristenkomitee der Reparatronskommtffion untersucht werden, daS auch die vor einigen Monaten vorgebrachten belgische» Ansprüche gleicher Art zu prüfen beschäftigt ist. Inzwischen befinden sich dir tschechoslowakischen Darlegungen in Wien in fachmännischer Bearbeitung, da eS m ihrer Diskussion ausführlicher juristischer, historischer und kunsthistorischer Untre suchungen bedarf. Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit wird, da die Juristen der Entente das vorgelegte Material mit größter Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit prüfen, erst nach mehreren Monaten zu erwarten sein. Die Aufhebung der Ländersperre. Freier Berkehr mit Bieh «nd Fleisch. Salzburg» 26. Juli. Zu der Länderkonserenz. die gestern hier stattland, und die sich nut der Fragt der Aufhebung derLander sperre im Betkehre mit landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere B i e h und Fleisch, befaßte, wird vom Landwirtschaftlichen Amte noch mitgeteilt: Das Bundesland Men hat seine Zustimmung zurAufhebungsämtlicher Verkehrsbeschränkungen zwischen den einzelne» Ländern schriftlich bekanntgegeben. Oberösterreich hatte keinen Vertreter gesandt und auch keine schriftlicheErklarung abgegeben.Diesem Umstande ist cs hauptsächlich zuzuschretben, daß die Konferenz nicht zu einem voll' kommen einheitlichen Ergebnis geführt hat. Immerhin habe« die Länder Tirol, Kärnten und Salzburg für den gegenseitigen Verkehr dievollkoutmeneFreiheit vereinbart, Steiermark und Vorarlberg dütften in ter nächsten Zeit Nachfolgen. Rach Niederösterrrich wird nach wie vor Zucht- und Einfiellvieh durch Vermittlung der Jnteressenkorporationen gegen Leistung von Saatgelreide abgegeben werden. Das Ergebnis der Konferenz kann als ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der Vorkriegswirtschaft angesehen werden. Die Einreise nach Kärnten frei. Klagenfurt, 96. Juli. Die kärntnerische Regierung hat Mit Beiordnung vom 28. d. M. die bisher in Geltung gestandenen Vorschriften Uber den Reiseverkehr nach Kärnten und den Aufenthalt in.Kärnten aufgehoben. ES wird jedoch nachdrücklich aufmerksam gemacht, daß Sommergäste, die in ihrer Lebensweise öffentlich Aergrrnis erregen, (waS ist daS?) auch weiterhin allenfalls polizeilichen Verfügungen unterworfen werden können. Der bulgarische Gesandte. Wie die Politische Korrespondenz erführt, wurde der bisherige LegationSrat der königlich bulgarische» Gelandschaft, Doktor M a l i n o w zum Geschäftsträger mit d-m Bollylachte» eines außerordentlichen Belrr Fü r st, ein Kaufmann aus Zenta, der wegen Gründung einer Spiritus-, Preßhefe- und Essigfabrik in Palästina weilte, hat auf seiner Rückreise über Budapest einem Mitarbeiter des „Mult es Jövö" seine Eindrücke in Palästina geschildert. Nach seinen Beabachtungon haben^ die Ereignisse in Jaffa im Grunde genommen nur den Charakter einer wenn auch schweren Episods welche die Juden jedoch nicht entmutigte, sondern sie vielmehr zu desto energischerer Arbeit und Organisation aufmunterte. Die jüdische Schutzgarde in 'Tel- Awiw zeigte mustergültige und heldenhaft« Haltung. Oberst Mar golin, der Kommandant der am 3. Mai aufgestellten jüdischen Legion, ist ein aktiver englischer Oberst, in Palästina geboren und war schon vor dreißig Jahren ein von den Arabern gefürchteter Schvnler. Die Arbeit ist nun wieder ins Normale gekommen. Es entstehen neue Fabriken und Industrieanlagen. So wurden in letzter Zeit zwei Textilfabriken und eine Schokoladen- und Konservenfabrik von Lodzer und Warschauer Juden gegründet. Juden aus Amerika und Italien bauen Ziegeleien, Juden aus dem Haag gründen eine Bank, Juden aus der Tschecho- Slowakei lassen Erdbvhrungen vornehmen und sind bei diesen Bohrungen bereits auf Petroleum gestoßen. Juden aus Jugoslawien, Italien und der Tschecho-Slowakei bauen Preßhefe-, Spiritus- und Esstgfabriken, amerikanische Juden eine Zigarettenfabrik. In Kanada sind Unterhandlungen mit zweitausend jüdischen Familien im Zuge, die nach Palästina überfiedelt werden sollen, deren jede zumindest zweitausend Pfund Vermögen besitzt und bereit ist, mit ihrem Kapital und mit ihrer Arbeitskraft zur Entwicklung der Industrie im Lande beizutragen. Der Gründer einer der Textilfabriken ist der Lodzer Fabrikant Reich arb, der bereits Maschinen im Gewichte von hundert Donnen einge-führt hat. Eine andere Textilfabrik hat den Rabbi von Ger zum Begründer. Fürst Erzählt, daß die neuen Fabriken und Jndustrieunternehmungen in Palästina jüdische Arbeiter beschäftigen und daß zum Beispiel in Jaffa sich unter dem Namen „Keden" eine Baugesellschaft gebildet hat, die ausschließlich ungarische Juden beschäftigt. Die ungarisch-jüdischen Arbeitskräfte feien überhaupt in Palästina stark bevorzugt. Interessant ist die Schilderung eines Erlebnisses in der Anglo-ätzhptische« Bank in Jaffa. Die Sprache des Handelsverkehrs ist überall die hebräische. Ich hatte — erzählt Fürst — ur Jaffa in der Anglo-ägyptifchlen Bank wegen Realisierung meines Kreditbriefes zu tun, aber es fand sich, dort niemand, der Deutsch oder Italienisch verstanden hätte, und ich; wieder kann weder Englisch noch Französisch. Wir konnten uns nicht verständigen. In diesem Moment kommt ein Zeitungsb ursche herein gestürzt und legt ein Exemplar des hebräischen DagblattS „Doar Hajom" auf den Schalter. Nun bin ich wieder zu Hause, dachte ich mir. Ich' erfuhr, baß der Direktor der Bank ein Jude namens Misrachi ist, mit dem ich dann hebräisch konversierte und meine Angelegenheit erledigte. Am Abend berührt einen am Korso die hebräische Sprache so anheimelnd angenehm, hier wird nur Hebräisch ge- MajWb, 26. Juli. (HavvS.) Die offiziellen Rach, richten teilen mit, daß der Platz Melilla und feine Umgebung sowie die Halbinsel Tresvrka befestigt wurden. Eine Belagerung des Platzes ist unwahr scheinlich, da er von den D'eni Sikar-Kabylen, die Spanien treu geblieben sind, verteidigt wird. Man. ist sicher, baß einzelne Posten sich noch verteidigen und daß andere bei befreundeten Kabylen Unterkunft gefunden haben und' dort die Gelegenheit abwarten, nach' Me-lilla zurückzukehren. ' Bon Melilla hört man G e s ch ü tz f e u e r und vermutet, daß die Kolonne Navaw den Kamps sortsetzt. Man ist immer noch ohne Nachrichten von der Kolonne Orange. Es scheint, baß noch kleine Abteilungen in den Plätzen Zeluan und Nador Widerstand leisten. Die letzten Nachrichten aus Melilla sind beunruhigend. Auf de« vorgeschobenen Posten herrscht Ruhe. Da man die in der Nähe des Platzes Melilla wohnenden Kabylen in ihre Wohnstätten am Gurugu mit Krauen und Kindern zurücktzrhren sieht, ist die Kolonne des Generals San Jur ge aus Melilla hM8Msaa»okL Md Lat bk M g&fclt sprachen. Auf meinem Reisepaß ist bas Visum hebräisch und auch meine Einreisebewilligungist in hehräischer Sprache abgefaßt. Ich habe mir zum Andenken auch eine Eisenbahnlftrhrkarte mit hebräischem Text mitgebracht. Der Fremdenverkehr in Palästina ist sehr groß. Anläßlich' des Peßa'chfiestes empfing Ober» kommissär Sir Herbert Samuel den Besuch'seiner gesamten europäischen Verwandtschaft. Wie einst die „Ole Regel" zu den Feiertragen nach Jerusalem pilgerten, so wandern auch heute viel« in die heilige Stadt. Während des Festes waren auch ungefähr drei- bis viertausend Chaluzim in Jerusalemdie in den Straßen und auf den Plätzen ihre Zelte aufschlugen. Die Stellung der Frau ist in Palästina eine sehr hohe«. Da es einen Mangel an jüdischen Frauen gibt, ist der Begriff der Mitgift der Frau kaum bekannt. Di^ Frau ist die Mitarbeiterin des Mannes und wird als solche von jeden^ gewertet und geschätzt." Bezüglich des Verhaltens der Araber gibt Herr Fürst der Ueb-erzeugung Ausdruck, daß sie sich schließlich darein finden werden, daß die Juden Palästina zum Aufblühen bringen, wvvyn sie ja selbst nicht geringen Nutzen ziehen. Er erwähnt den Empfang der arabischen Abordnung durch Minister Churchill und zitiert eine bisher wenig bekannt« Stelle dess Antwort Churchills an die Araber: „Ihr habt wähl reich der Türkenherrschaft ständig gegen di« Unter/- drückvng Klag« geführt. Wo wart ihr ab!er, als' wirs das Land befreit haben? Schaut doch hinaus durch! die Fenster auf den Oelbdrg hin, wo der Helden-, friebhof liegt! Schaut doch hin und saget mir, ob' dort auch Araber begraben liegen? Ich habe dvrtl in jener Ruhestätte der Befreiungshelden nur die Gräber von Engländern und Juden gesehen. Was in diesem Lande Schönes ist,.habt ihr nur den Juden zu danken. Seht doch ihre Kolonien an! Ihr habt sicherlich keinen Schaden, daß jetzt Juden hier sind, denn euer Boden ist jetzt mehr wert und eure Fechsung versaust ihr heute teurer als jemals." Fürst schildert die Zähigkeit der aus Ungarn stammenden Chaluzim und hebt besonders die Tätigkeit des einstigen Präsidenten der Ofner Kultusgemeinde Dr. Desider Barsi hervor, der sich' als Organisator des Kinderschutzes unk' dem Protektorat der Lady Samuel besondere Verdienst« erwirbt. Dr. Barsi, der auch m seiner alten Heimat als- Arzt einen guten Ruf genoß, errichtet «in durch Herrn Albino Albert aus! Sarajevo finanziertes Sanatviunr auf dem Berge Zivn. Besonderes Interesse bekundet Herr Fürst für die Aufforstung Palästinas und leitet jetzt in Ungarn und Jugoslawien^ eine Aktion zur Pflanzung von Eukalhptusb äumen in Palästina, welc^ bas Klima verbessern, den sumpfigen Boden entsumpfen, die Ausdehnung der Malaria hemmen und im Verlaufe von zehn bis zwölf Jahren sich so entwickeln, wie Bäum« in Europa erst nach fünfzig, sechzig Jahren. Der Eukalyptus eignet sich ganz besonders als Baumaterial und für die Werkzeugfabrikation und einzelne seiner Arten auch zur, Herstellung von Musikinstrumenten. - Melilla ab geschnitten. Matzrtd, 26. Juli. (HavaS.) Der KriegSminister erklärte Pressevertretern gegenüber: Die Festung und das Lager von Melilla haben keine Verbindungen mehr mit den äußeren Stellungen. Der Aufstand der Stämme ist ein allgemeiner und vollständiger. Wieviel Kolonnen heimkebren werden, weiß man nicht. D-S Geivehrfeuer, daS in der Richtung von B a t e m z» vttnehwen ist. läßt vermuten, daß dort noch spanische Truppen stehen. Die Spanier habe» ihr ganzes Flugmaterial vernichtet» um dessen Erbeutung »u verhindern; es bleibt nnumeht kein Flugzeug übrig. Zensur in Spanien. Madrid. S«. Juli. (Havas.) Der Ministerrat hot b* schlossen alle Maßnahme» zu ergreifen, die er für «forderlich halt, um die Aktion deS spanische« OberkommissarS in Marokko za unterstütze». Weitere Truppen werden nicht mehr abgesendet. Sämtliche Meldungen und Auslassungen der Blätter über die Lüge in Marokko unterliege» fori« d« PrSveutivzeusuc. Der Presse werden «ntliche Mitteilungen Wer die bockige» Er« eäaiSMttUtat Rillige Kämpfe in Marokko. Vorstoß der spanische« Trnppe«. Hamed und Atabato wlebergeNiommen. Dir Höhe der Verluste ist noch unbekannt.

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