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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-27 · Heft 898 (27.7.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 898 (27.7.1921)
Date
1921-07-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4feSt 4 3Z>W. Mlltwoch Wiener Morgenzeitung 27. Juli 1921 Sir. SA Telegramme. Zusammentritt des Obersten Rates. London, 26. Juli. (Wolff.) Reuter meldet amtlich : Der Oberste Rat wird am 4. August in Paris zusammentreten. Lord C u r z o n und B a l f o u r tverden England auf der Konferenz vertreten. Lloyd George wird wahrscheinlich nicht zugegen sein. * Italienisches Budget. Atom, 26. Juli. (Stefani.) Die Kammer verhandelte das von der Regierung vorgelegte fünfmonatige Hudgetprovisorium. Der Schatzminister erklärte, daß das Defizit des Gebarungsjahres 1920—21 sich auf 10.300 Millionen belief. Für das Gebaru'ngsj«hr 1921—22 sei ein Defizit von 4262 Millionen Vornuszusehen. Die öffentliche Schuld, einschließlich aller inneren und ausländischen Anleihen, betrage 106.721 Millionen. Der Note n u m la u f hat mtt 20. Juni 8900 Millionen betragen und sich seither nochvermindert. Ein stürmischer Gewerkschaftskongreß. Paris, 26. Juli. In der gestrigen Nachmittagssitzung des französischen Gewerkschaftskongresses in Lille kam es zu heftigen S n e n e n. Ern von Hiquöte eiiigeb rächt« Antrag, der Kongreß möge seine Solidarität mil den Kommunisten erklären, die durch daS Bureau des Verbandes ansgeschloffen worden sind, sollte zu Beginn der Sitzung Utt Verhandlung gelangen. Der Vorsitzende teilte jedoch mit/ daß die. Verifizierung der Maudate noch nicht vollendet sei, der Antrag daher nicht verhandelt werden könne. Die Extremisten verlangten stürmisch die sofortige Eröffnung der Debatte, über den Antrag und drängten von thren Sitzen gegen die Tribüne des Verbandsbureaus. Die Anhänger der Mehrheilsparteien, die sich um die Tribüne geschart hatten, traten ihnen unter g r o ß e m L ä r m entgegen. Es kam zu einem deftigen Zusammenstoß der beiden Parteien, wobei fünf R e v o l v e r s ch ü s s e fielen und mehrere Personen durch Stockhiebe leicht verletzt wurden. Erst nach längerer Zeit gelang es dem Vorsitzenden, die Ruhe wiederherzustellen, worauf I o U h a n x das Bedanern über den Zwischenfall ausdrückte und die Sitzung schloß. Besorgnisse in Danzig. Demzig, 26. Jul,. (Tel.-Komp.) Znverläffigen Nachrichten jgrsolge «klarte der vom Völkerbund ernannte General Haking dem -f * <r n z ö s ischen Generalkonsul und dem polnischen G e n e r a l r e s i d e n t e n, daß er sich an-. grfichts des Umstandes, daß die Bevölkerung und vor . allem die A r b ei t er s ch a s t D a n zi g s überwiegend deutsch sei, nie nnd nimmer mit ein« Ausschiffung der französischen Truppen im Danzig« Hasen emverstanden «klären könne. Er fürchte angesichts der Erbitterung der Deutschen gegen , die Franzosen und Polen für die Existenz des.Freistaates Danzig und eS sei leicht möglich, wenn die Spannung in Danzig aus die Spitze getrieben würde daß die Verhältnisse sich, ähnlich denen in Oberschlesien gestalte« könnten. Auch sei er in keiner Weise imstande, irgendeine Garantie für die Sicherheit d« französischen Truppen z» überuehmea. Die Rettung der Banqrre Industrielle de Chine. Paris,26 . Juli. Wie ,L'Oeuvre" berichtet, nehmen die Besprechungen zur Flottmrchung der Banque Industrielle de Chine, die mit der chinesischen Regierung im Gange seien, einen b es r i e d i g e n d e n Verlaus. Die chinesische Regierung beabsichtige, eine Anleihe von 5 00 Millionen zn 7*/»' auszugeben, von der ein Teil zur Reorganisation d« Banque Industrielle de Chine und dir restliche Teil.für industrielle Lieferungen bestimmt sei, die die chinesische Regierung an französische Geschäftshaus« vergeben werde. Bei der gestern stattgehabte« außerordentlichen Generalversammlung «klarte im Verlause d« teilweise sehr. «regten Debatte Präsident B e r t h e l o t, daß er beabsichtige, seine Stelle niedttzulegen. Eine große Kongretzdelegativu der russischen Zionisten. Riga. 28. Juli. (Iüd. Korr.-Bur.) Wie ans Rußland zuverlässig. gemeldet wird, treffen die ruffischen Zionisten große Vorbereitungen zur zahlreichen Beschickung des Zionistenkongrefles in Karlsbad. Sie bemühen sich um die Ausreisebewilligung für' 30 Delegierte, darunter 18 Zeirei-Zion. Der künftige polnische Landtag. ' Aöavscha«, 25. Juli. (Privat.) D« Ministerrat berät zurzeit den vom Innenministerium vvrgelegten Entwurf rin« Wahlordnung für den künftigen Sejm, da das Parlament die Regierung beauftragt hat, bis Ende Juli die Wahlordnung ausiiuarbnttn. In dem Entwurf war ursprünglich vorgesehen, daß nach dem Must« der Wahlordnung für den deutschen Reichs- — die Zahl der Mandate von der Zahl der abgegebenen -Stimmen abhängig sein soll, da für eine Fixierung der auf die einzelnen Wahlkreise entfallenden Mandate keine genauen statistischen Grundlagen vorhanden sind. (Die Volkszählung findet «st am';30. September d. I. statt, ihre Ergebniffe werden erst einige iMonate spät« verwendbar sein.) Diese Bestimmung des,. Entwurfes wurde jedoch vom Ministerrat abgelehnt und die Zahl der Mandate für den künftigen Landtag mit 360 festgesetzt. In ^mer d« nächsten Sitzungen wird der Ministerrat auch den Entwurf einer Wahlordnung für den durch die Verfassung. vor- 'GeftLweu Samt in Beliandlnua Men. (6: Jahrgang) Redigiert unter Mitwirkung hervorragender jüdischer Publizisten und Schriftsteller von 07T0 ABELES und LUDWSQ BATO « ■ Verlag: „Wiener Morgenzeitung“ »4 «s i: Finanzen. Dewisfionsgedanken. — Vor Neuwahlen? Der Vertrag von Trianon. — Die Vermögensabgabe. BrMpiest', 26. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ergriff Finanzminister Hegedüs das Wort. Er betonte die Notwendigkeit des möglichst raschen Abschlusses der Budgetdebatte und meinte weiter, daß er keinen Grund zum Pessimismus sehe und kein Talent zunr Verzweifeln habe. Was die Beschuldigung des Abgeord- neten Ereki anlangt, daß er (der Ministet) Großbanken 100 Millionen, welcher Betrag' bei Schmugglern beschlagnahmt worden sei, zurückgezahlt hätte, so sei diese Behauptung in allen' Angaben unrichtig. ES handle sich um'den Betrag von 20.4sMillionen Kronen. Es seien am 16. Oktober 1920 Geldsendungen von zwei höchst korrekten Wiener Banken, nämlich der Verkehrsbank mld der Credit-Anstalt, an der Grenze zurückgehalten werden. Diese Beträge seien nach Abzug' der erwachsenen. Kosten den ■ genanntem Wiener ^Mn^^ückeLsMtet'-wmdÄt'. Er übernehme hiefür stets gern die Verantwortung. Das Defizit könne nur d u r ch H ebu ng de r unga r ischen V aluta beseitigt werden, da die Steuern, sich nicht mehr erhöhen lassen. Wenn die ungarische Krona auf fünf Centimes steigt, so würde das Defizit automatisch ,verschwindeni "der AngelpuE des ungarischen Finanz- Problems liege also im'Ausland. Mbstöem hoffe er, bald Mitglied der Nationalversammlung zu werden, und seine Verantwortung werdeauch auf dieser Basis bestehlen. (Cs scheinen also Neuwahlen zu kommen.) Der Minister bemerkt, daß er seitens der ö sterreichischen Presse, namentlich seitens der der österreichischen Negierung nahestehenden Preßorgane (?), unausgesetzt den heftigsten Angriffen ausgesetzt sei. Endlich spielen auch g e w i s s e i« N e r p o l i t i s ch e Ereignisse eine merkliche Rolle bei dem Rückgang der Krone. Er habe auch! aus den Vörseberichten am deutlichsten ersehen können, daß gewisse innerpolirische Vorgänge sofort auf den Stand der Ungarischen Krone.. zurückwirken. Die innere Schuld betrage 12 Milliarden Kronen, die ausländische jedoch 140 Milliarden. Es bleibe daher nichts übrig,, als sich mit dem Ausland bezüglich der Schuld zu einigen. Der Minister werde im Laufe des Sommers nach Paris, London und Berlin reisen, um dort über die ungarische Schuld M verhandeln. Heute sei der Dag des Inkrafttretens des Trianoner Vertrages. An diesem Tage hören alle .'Zahlungsaufschübe auf und die ftanzösische Schuld von 13 Milliarden sowie die englische Schuld von $ Milliarden könnten jeden Augenblick fällig werden. Sodann unterbreitete Abgeordneter Mikvvanyi den Bericht des Justizausschusses über die Gesetzes Vorlage, betreffend, die Konfiskation des Vermögens! der Baterlandsvertäter. . Das Gesetz richtet sich bekanntlich! gegen den Grasen Michael Kar o ly i, an dem seine Standesgenossen Rache nehmen wollen. Der''Finanzminister legte der Nationalversammlung sodann den Bericht über die Verwendung her vorläufigen^ Ertrage der Ve rmö gen sa bl ö sung d er Aktien ge sellscha f te n vor. Demnach' beträgt das Gesamterträgnis der, Vermögensablösung. 1367, Millionen Kronen. Diese. Summe soll zur. Einlösung her im Iahte 1912 begebenen är« ri schen Wechsel im Betrage von 420 Millionen Kronen, zur. Einlösung, der im Jahre 1920 ausgegebenen Kassenscheine im' Betrage von 800 Millionen Kronen, zur Auszahlung der im Jahre 1921 fälligen Coupons im Betrage von L4 Millionen Kronen -und zur Ausza hlung von Coupon- . sälligketten des Jahres 1919 im, Bef rage von 103 Millionen fronen verwachet werde-u. Oberschlesien ein neutraler Staat? Warschau, 26. Juli. (Funkspmch.) Nach amerikanischen Zeitungsmeldungen soll das Projekt, Oberschlesien in einen selbständige», neutrale« Staat zu verwandeln, im Vordergrund der Beratungen stehen. Die Regierungskommisfio» soll aus Vertretern Italiens» Polens und Deutschlands bestehen, woz« «och ein amerikanischer Delegierter erbeten werden soll. Lärmszenen im Unterhaus. Paris, 26. Juki. (Wolff.) D« Berichterstatt« des Dork Herald" meldet aus London: Im Unterhause habe d« Abgeordnete 'W e d g w o o d die Anfrage an die Regierung gestellt, ob ihr bekannt sei. daß auf allen Seiten deS Hauses eine Opposition gegen dasBvrgrhen drrFranzosenin Oberschlesien besiehe. In dem allgemeine» Lärm, d« sich daraufhin «hob, sei atzch der Widerspruch d e r M i n i st e r vernehmbar geworden. Auf di« Anfrage» »I eine alliierte Macht ihre TruppeninOberschleste» verstärken könne, ohne sich mit den anderen Mächten in Verbindung zu setzen, habe die Regierung geantwortet, daß sie diese Anfrage vor ihrer Beantwortung prüfen müffe. Amerika gegen bas Rüstungssteber. Paris, 26. Juli. (Wolff.) Aus Washington wird gemeldet: Senator B o r a h hat in» Senat den Antrag gestellt, daß die Bezahlung der Schulden der Alliierten bis nach der geplanten Abrüstungskonferenz anfgrschoben werde. Wenn die auswärtigen Regierungen nicht in der Lage seien, sich mit den Bereinigte» Staaten über das Abrüstungsprogamm zu einigen, so würde das der amerikanischen Regierung ein Recht geben, an! der v Ü n k t l i ch e n Bezahlung der Schulden und Zinsen zu bestehen. Wenn die Regierungen souführen, erhebliche Summen für ihre-Rüstungen auszugeben, werde Amerika wahrscheinlich eine andere Politik ei »schlagen müssen. Frankreich mit seiner Armee von 800.000 Mann sei übermäßig stark und auch England gebe ungeheure Summen für seine Rüstungen, aus. Paris, 26. Jirli. (Fuukspruch) Aus Tokio wird gemeldet. daß der amerikanisch) Geschäftsträger in Tokio dem japanischen Außenminister die Antwort der Regierung d« Vereinigten Staaten überreicht habe, die das Programm der Konferenz von Washington enthalte. . Eine Rede Millerands. Le Havre, 26. Juli. (HavaS.) Präsident Millert » d hielt eine Flottenschau über d.e vor Havre liegenden franzöfischen, englischen und amerikanische Kriegsschiffe ab. Sodann begab sich der Präsident mit sein« Begleitung in die Handelskammer, wo ihm zu Ehren ein Bankett stattsand. Im Ber* lauf desselben hielt der Präsident eine Rede, worin er sagte: „Frankreich will den Frieden. Es hat ihn im Innern verwirklicht nnd will ihn nach außen aufrechttrhalten. Liberal und friedlich, wir Frankreich ist. wird es nicht von ihm abhängen, daß der blutige Krieg,- d« so viele feiner Kinder dahingerafft, nicht der letzte Krieg sei. Frankreich setzt Vertrauen in die Macht der Vernunft. Es hat die Gefahr allzunahe gesehen, um es darauf ankommen zu laffen, zum Narren gehalten zu werden. Recht, und Gerechtigkeit sinh die einzigm Gebieter, die eS anerkennt; Frankreich will nur stark bleiben, um ihnen Achtung zu verschaffen/ Die deutsche Tonnage. London» 26. Juli. (Tel.-Komp.) In Beantwortung einer Frage rm Unterhaus, erklärte der Staatssekretär des Handelsumtes Mitchel, daß ungefähr 85°/» der deutschen Tonnage sich ,m englischen Besitze befinden. Ungefähr 1350 Tonnen wurde» an englische und alliierte Firmen verkauft. Der Prager Bankbeamtenstreik. Prag, 26. Juli. (Tel.-Komp.) Wie einige Blätter mckbe», wird eS in den allernächsten Tagen zu Vtthandlungen der deutschen Bankbeamten mit den Bankinstituten kommen. Heute fand eine Tagung der Delegierten der Prager und sämtlicher Ortsgruppen statt, in der seitens d« Bankbeamtm der Berbandsleitung das vollste Vertrauen ausgesprochen und Vollmacht für die kommenden Verhandlungen erteilt, wurde.- «Narodni Denrokracie" meldet, daß die von den devtschen Banken eingeleiteten Verhandlungen eine Wiederaufnahme d« Arbeit vielleicht schon am Donnerstag ermöglichen werden. Tisza-Prozetz. Budapest, 26. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die heutige Vtthandlung deS Prozesses gegen die Mord« des Grafen Tisza bracht« zunächst einen A l i b ibeweissür d e n A n geklagten K e r i. Direktor B a l k a n y i gab an. er erinnere sich genau, daß Ken am Tage der Mordtat zwischen S und 6 Uhr sich in den Lokalitäten deS Nationalrates befunden habe. Der gewesene Detektivinspektor Johann M. P a t s h gab au, daß'Hüttner ihm. gegenuher sehr belastende Mitteilungen gegen Friedrich gemacht habe. Zeuge habe später im Auftrag deS Grafen Emmerich Karolyr auf privatem Wege Erhebungen gepflogen, die, sich hauptsächlich gegen Friedrich richteten. Diese Erhebungen hätten nicht, den geringsten konkreten Schuldbeweis ergeben. Zeuge «klarte sodann, daß der seich« verstorbene Stephan Dobo freiwillig seine Teilnahme an d« Mordtat eingestanden habe. Trimborn gestorben. Berlin, 26. Juli. (Tel.-Komp.) Der Vorsitzende der Zentrumssraktion des Deutschen Reiches. Staatssekretär a. D Geheim« Justizrai Karl Trimborn, ist gestern abends an den Äolarn ein« Operation aestorbeu. 544 12^925

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