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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-24 · Heft 895 (24.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 895 (24.7.1921)
Date
1921-07-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 895 Wien. Sonntag ---.. .—.- - '■■^.■^■.TOaroB!f|wr 3«land. Länderkonferenz in Salzburg. In Salzburg begann gestern die, über Anregung der niederösterreichischen Landesregierung einbirrufene Konferenz der LLndervertrete>r in Ern ä h r u n g sangele ge nheiten. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildet die Frage des freien Verkehrs mit Vieh innerhalb' des Bundesstaates. Auch die Frage, des .freien Verkehrs mit Le Leat § «t i± t e t n wird erörtert werden, den die Länder gleichfalls anstreben. Die einst in den Ländern so begrüßten Absperrungs-' Maßnahmen werde» bereits überall sehr brückend empfunden. Die Länberkonferenz in Salzburg wird , nun der erste Schritt zu ihrer Aufhebung sein. Ebenso« wird es zu einer sehr eingehende» Aussprache'übler die Ernährungslage und die Lebvnsmittelpreisei in de» einzelnen Ländern kommen. Desgleichen wird auch die Tarif frage besprochen werden. Der Konferenz' ging! vor einigen Dagen eine VvrkonfervnK voraus, die. jedoch nur unverbindlichen. Charakter trug und in. der keine Beschlüsse gefaßt wurden. Konstituierung des Kärntner Landtages. Ktagenfurl, 22. Juli. Zu der heute abgehaltene-u Sitzung des verfassungsgebenden Landtages waren die Abgeordneten vollzählig erschienen,. Zum> Landeshauptmann wurde mit Stimmenmehrheit Abgeordneter Florian Grösser (Sozialdemokrat).^ zum ersten LandeshauptniannstellverLreter .Abgeordneter Vinzenz Schum y (deutschfreiheitlicher Landtagsverband), zum zweiten Landeshauptmonnstelwertreter Abgeordneter Sylvester Leer gewählt. In den Landesrat wurden drei Sozialdemokraten und Zwei Deutschfreiheitliche (unter' letzteren der frühere, Landeshauptmann Doktors Lemisch) gewählt. Landeshauptmann Gröger hielt eine Ansprache, in der er die Notwendigkeit eines guten Einvernehmens. mit Jugoslawien urch Italien betonte. 1 Die Uebergabe Wrstungarns. Die Londoner »Morning Post" erfährt von autoritativer Stelle, daß man in b r i 1 i j ch e n o f f i z i 11 l e lt Kreisen das Aufwachen ernster Schwierigkeiten in Verbindung mit dem Jnkrosttreten dcs Trianoner Vertrages am 86. d. M. nicht befmchtet. Nichtsdestoweniger sammeln die Alliierten die in der Umgebung Westuugarns befindlichen Offiziere und stellen alle verfügbaren Truppen unter ihren Befehl, um auf diese Weise Vorsorge für alle Möglichkeiten zu treffen. Die Alliierten wünschen, daß Oesterreich Westungarn ohne weitere Auseinandersetzung erhalte, da eS das wichtigste Zugeständnis für dieses Land dorstelle. Die Generale der Entente werden sich in den nächsten Tagen von Budapest nach Oedenburg begeben, um hier die Arbeiten für die Uebergabe zu beginnen. In den Buvapester Ententekrrisen hofft man zuversichtlich, daß sich die Uebergabe in voller Ruhe und ohne jede Störung von ungarischer Sette vollziehen wird. Der Austausch der Pro t otolle über die Ratisiziemng des FriedensvertrageS vonTsianon, der der Uebergabe formell vorangehe« muß, findet bekarmtlicham Ä6. d. M. in Paris statt. Hegedüs hat nichts gesagt. Die „Ungarische Rundschau" meldet auS Budapest: Finanzminister Dr. H e g e d ü S äußerte sich vor einem Mitarbeiter des „Magyar Hirlap" über seine Erlauer Rede folgendermaßen: „Ich muß feststellen, daß die Berichte über meine Erlauer Rede in der Presse in einer v e r st ü m m e l t e n Form miedergegeben wurden. Ich habe von dem Balkon des Rathauses gesprochen und die Stenographen find unten am Markt gestanden. Man weiß, wie schnell ich spreche, so daß es erklärlich ist, daß Teile meiner Rede ab h and en gekommen find und andere wieder unrichtig ausgenommen wurden. Ich habe tatsächlich auseinandergesetzt, daß, wenn Oesterreich Westungarn wcgnimmt. unserer Freundschaft eine tiefe W u n d e geschlagen wird. Daß wir uns im Staube herumwälzen und daß die beiden Länder gegenüber einander die größte Zuvorkommenheit an den Tag legen sollten, habe ich auch betont. Extremer Ausdrücke habe ich mich jedoch nicht bedient.' Er hat also nicht von der goldenen Uhr gesprochen (wie üch doch Stenographen so irren können!). Was ist aber mit der heruntergeohrseigten Krone und mit dem Vergleich Oesterreichs mit einer Prostituierte»? . Volkszählung im Jahre 1821. Die Staatskorrespoudenz meldet: Am 27. d. M. gelangt im Bundesgesetzblatt und in der »Wiener Zeitung" die V e rn.r'b n u n g des BundeSmimstermulS für Inneres und Unterricht über die Vornahme drrBolkS-ählnng im Jahre 1921 zur Verlautbarung. Bei der Zählung sollen im allgemeinen die bisher Be" pachteten Grundsätze zur Anwendung gelangen. Die Zahlung soll nach dem Staude vom 30. November vorgenommen werden. " Der Vorgang Bei der Durchführung der Volkszählung wird sich gegenüber den früheren Zahlung« wesentlich einfacher gestalten. da neuerlich, wie bei der außerordentlichen Volks-,ählüng des Jahres 1920, an Stelle der umfangreichen Anzeigezettel pnd AufnahmSbogen ein einheitliche- Zühlblatt tritt, das jür jede einzelne Person abgesondert auszufüllcn sein wird. AuS den Be" stlmmungen des Staats Vertrages von Saint-Germain ergibt sich i* Zusannnrnhense mit dem nt einzelne» Länder« ---»dem» Wiener Morgenzeitvng -—T 1 - - ' '- Juden Wiens! Gestaltet den 8701 | Gang zum ] Grabe Herzls ■ am 31. Juli zur ■ ■ würdigen Kundgebung ■ : Kr den zionistischen Gedanken,: j Kr den Jüdischen Nationalionds j; für den Jaar Anstria! : UUBWIUU ■ Abzelohen für den Herzigrang werden in der ■ » Zentrale des JOdlsChen Nationalionds, Wien, , 5 XI., Clrensgasse Nr. SS, ab heute verhau kt. £ ■ » ■ Verhältnissen die Notwendigkeit, die Bevölkerung auch diesmal nach ihrer nationalen Struktur zu erfassen, um ein klares, Bild über den Stand der nationalen Minderheiten in den einzelnen Gebietslörperschaften zu gewinnen. Die Frage nach der Umgangssprache, die, richtig anfgefaßt, lediglich der objektiven Tatsache ins überwiegenden Gebrauches Mier Sprache im täglichen Leben, nicht aber dem subjektiven Gefühl der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volksstamm Rechnung tragt, wäre nun kaum geeignet, die statistischen Grundlagen für die nach dem Staatsvertrag zu treffenden Entscheidungen über die Ansprüche der natidnale» Minderheiten zu bieten. Im Zählblatt wird deshalb nichtnach derUm gangssprach r, sondern nach der sprachlichen Zugehörigkeit gefragt und dazu in der entsprechenden Belehrung des Woh» nungsbogeus bemerkt: „Die sprachliche Zugehörigkeit wird durch diejenigen Sprachen bestimmt, die jemand am gelänfigsten spricht und in der er gewöhnlich denkt. Der Kindern, die noch nicht sprechen können und bei Stummen bestimmt sich die sprachliche Zugehörigkeit nach der Sprache ihrer Familie, in ^Ermangelung einer solchen nach der Sprache ihrer Umaebung." „ Neben der Frage nach der sprachlichen Zugehörigkeit wird eine zweite Frage nach »Kenninis der deutschen Sprache" gestellt. _ Oesterreich und der Donauverkehr. . Die Kommission für Angelegenheiten des wirtschaftlichen Wiederaufbaues erhob in ihrer gestrigen Sitzung einen von Hofrat .Dr. Sp e r l einaebrachten Antrag folgenden Wortlautes zum Beschluß: »Die Bundesregierung wird aufgefordert, durch alle verfügbaren Mfttel und Organe der Entente den Donau-Userstaatenbund und den Donaukommissionen gegenüber dm Standpunkt zu vertreten, daß Oesterreich in der Normierung. «Beaufsichtigung und Verwaltung des D o n a u v e r k e h r s, in der Frage der Tarife, der Verteilung der baulichen Anlagen usw. eine seiner geographischen Lage, seiner Abgeschlossenheit vom Meere und seiner Angewiesenheit auf diese einzige lhm zugängliche Wasser-- straße entsprechende vevo'rzugte und maßgebende Stellung eingeräumt erhalten müsse/ Aus dem Horthy-Land. Der Feldzug gegen die ungarischen Schriftsteller." Wie die „Ungarische Rundschau" aus Budapest meldet, hielt der Exekutivausschuß des liberalen Blocks gestern abends eine Sitzung ab, tu welcher er sich mit der Verhaftung des gewesenen Regierungskommissärs für Kicchenwesen, Schriftsteller Adam P e r s i a », befaßte. Der Exekutivausschuß beschloß, die Regierung aulzufordem, da§ Ergebnis der gegen'Perstau eingeleiteten Untersnchuug ehestens brkanntzugeben, damit er den Beschuldigungen entgegentreten tan«. Diese Beschuldigungen gehen, wie „Nemzeti Wag" berichtet, dahindaß Adam Persi.au an einer großzügigen politischen Verschwörung teikgenommen habe. Adam P e r s i a n war, wie einige Blätter erwähnen, Sekretär der ungarisch-polnischen Handelskammer unir soll während seiner im Auftrag der Kammer unternommenen Reisen in der Tschecha-Slowakeiund Polen mit diplomatischen Persönlichkeiten Verhandlungen gepflogen haben. Die Budapester Blätter veröffentlichen ein polizeiliches Communiqn^, auS welchem hecvorgeht, daß die Polizei dem Privatbozenien Dr. Josef M a d z s a r, dem zur Last gelegt wird, daß er mit der Zeitung »Jövö" in Verbindung gestanden ist, verhaften sollte, doch gelang dies ihr nicht, - da Dr. M a d z s a r inzwischen Budapest verlassen, hatte. Laut dem polizeiliche« Sommuniqus wird übrigens gegen die verhafteten Journalisten Zoltan S z a s z nnd Viktor G e r g e 1 p das Verfahren im Sinne des Gesetzes betreffend den wirksameren Schutz der staatlichen nutz gesellschaftlichen Ordnung i m b eschleunigten Wege durchgeführt werden. Von Dr. M a d z s a r ^ehlt vorläufig jede Spur und es muß vorerst abgrwartet werden, ob die polizeiliche Nachricht sich wirklich bewahrhettet oder ob mit dieser Melvnng nicht etwa, wie diebei früheren politischen Morden des weißen Terrors in Ungar« wiederholt geschehen ist, ein Verbrechen verschleiert I wert» fei 24. Juli 1921 Sette tz Telegramme. Ernste Dorgünge 1« Marokko. Madrid, 33. Juli. (Havas.) Wie verlmitet, sind «' M a rokIo ernste Ereignisse vorgefallen, die den Gnmd für die Rückkehr des König - nach Madrid bilden solle». — Das Pariser „Journal* meldet aus Madrid, daß die Kabhlen die vorgeschobenen Stellungen der Spanier bei M e l i l l a an« gegriffen hätieu. Die Spanier hätten mehrere hundert Mann an Toten und Verwundeten verloren. General Sylvester hätte Selbstmord beginge». Die Madrider Morgenblätter veröffentliche» Meldungen auprivater Quelle, wonach die gestrigen Kampfe ganz besonders schwer gewesen seien. Die Spanier halt» starke Verluste erlitten, hätten aber dann mit eiligst -erbeigeführten Verstärkungen alle Angriffe zmückgeschlagen. . , Der oberschlesische Konflikt. London» 22. Juli. Das Reutersche Bureau verbreitet folgende Mitteilung: Weitere Telegramme vom britischen Kommisißr in Oppeln betonen neuerlich die Notwendigkeit einer schleunigen Regelung der oberschlesischen Frage in Uebereinstimmung mit dem Vorschläge -er interalliierten Plebiszitkommission. Man ist der Ansicht, daß es politisch nichtzweckmäßig sei, Truppen aller drei alliierten Möchte abzuschicken und glaubt, daß dies auch gar nicht notwendig sein würde, wenn mit einer raschen Entscheidung des O b e r st e n R a t e - zu rechne» wäre. Inzwischen gibt das Auswärtige Amt seiner Verwunderung Ausdruck und m i ß b i l l i g t es, daß a» beiden Seiten de- Kanals die Rede von gespannten Bezieh»« geu zwischen den beiden Regierungen ist. Mau hält an dem Glauben fest, daß die französische Regierung in dieser Angelegenheit, wie in der Vergangenheit mit dm Alliierten z «- sammeuwirken werde bei der Lösung der beunruhigende« Frage, in der eine Meinungsverschiedenheit nur Über die Art und Wesse des Verfahrens besteht. „United Telegraph" behauptet, es'seien unverbindliche vertrauliche d e u t s ch - e n gl ischeBesprechungen über die deutsche Antwort an Briand im Gange. . Amerika wird vermitteln. Paris» 23. Juli. (Funkfpmch.) „New Port Herold" meldet, daß die Vereinigten Staaten um ihreguteuDienstem der englisch-französischen Meinungsverschiedenheit über Oberschlesien angegangen worden seien. Der Aassenkampf in Kalifornien. Washington» 23. Juli. (Funkspruch). Der Statthalter von K a l i s o r n i e n hat in einem Auftufe in ernsten Worten davor gewarnt, japanische Obstgarteuarbeiter gewaltsam und widerrechtlich aus dem Lande zu entfernen, wie dies in der letzten Zeit geschehen ift Rückgang der Arbeitslose« in England. London, 23. Juli. (Funkipruch). Seit Beendigung des Kohlenarbeiterausstandes sinkt die Zahl der Arbeitslose» ständig. Am 1b. Juli waren noch 2,020.300 Arbeitslose, seither ist deren Zahl schon um weitere 102.000 gesunken. Die Selbstverwaltung für Irland. London, 22. Juli. De V a l e r a hm heute Laudon verlassen und ist nach Dublin zurückgekehA Beim Abschied richtete er auf dem Bahnhof eine kurze Ansprüche an die zahlreiche Menge, die ihm singepd und sahnenschwenkend das Geleite gab. Er sagte, daß die Zukunft noch nicht klar sei, daß seine politische« Freunde aber das vollste Vertrauen aus einen glücklichen Ausgang hätten. Ueber die augenblicklich vorliegenden Vorschläge zur Lösung der irischen Frage werde von beiden Seite« st r e n g^st e S Stills chweigen bewahrt. Es verlautet jedoch, daß solgender Vorschlag gemacht worden ist: Irland erhält Selbstverwaltung. Der Süden und Norden soll als selbständiges Dominion behandelt werden, in dem gleichen Maße wie zum Beispiel Neuseeland «eben Australien und Neufundland neben Kanada ihre .SelbstLndigkeü bewahrt haben. Es soll aber «eben den beiden lokalen Parlamenten e i* n gemeinsames Parlament gebildet werden, das nach dem Wunsche de DaleraS entsprechend dem Stärkeverhältnis zusammengesetzt sei» soll. Die Vorgänge in Sorzaaa. Rom, 23.Juli. (Tel.-Komp.) Ministerpräsident Bonomi antwortete in der Kammer auf eine Anfrage Mussolinis, daß .die Zahl der Opfer von S o r z a n a zehn betrage, und daß.die Ruhe in der Stadt und Umgebung noch im Laufe des TageS vollständig wiederhergestellt fein werde. Muffoline erwiederte, die Fafzisten feien zum Burgfrieden bereit, aber auch zum Kampf. Bonomr bedauerte die Unterbrechung der AuSgleichsverhrndlungeu, hoffte jedoch auf eine« guten Abschluß, und brachte zum Ausdruck, daß er die Fortsetzung d e S B ü r g r r k r i e g e 3 im Interesse des Landes um jeden Preis verhindern werde. Die Erklärungen fände» den Beifall des ganzen Hauses, mit Ausnahme der Fafzisten. Der Kommunist B o m b a c z i erklärte, daß die Kommunisten dm Frieden nur annehmen würden, wenn auf dem Kapitol die S-o wjetfarbe weht. Die Hallupg Mussolinis und die Antwort Bonomis haben sicherlich boait beigrtwgen, die Position des Kabinetts zu festigen. Alle Parteien sind des Bürgerkrieges müde, so daß der Entschluß, weitere Exzesse zu verhindern, wahrscheinlich schon der Regierung ein Vertrauensvotum sicher« werde. Eine Cholerakouferenz der Randstaaten« Koivno, 22. Juli. (Litauische Tel.-Ag.) Infolge der Aus Breitung der E h o l e r a in Rußland hat die lettländische Rv» Vierung gemeinsam mit dem amerikanischen Roten Kreuz'Litauen und Estland zu einer Beraiung über die dagegen zu krgreiscudkn i Maßnahmen eingeladen.' Die Konferenz wird Montag. « Riga! abachalte« werde«.

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