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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-22 · Heft 893 (22.7.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 893 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Judenpogrome in Sibirien. Londsa, 19. I«li. (Jüd. Korr.-Bur.) In der letzte« Kummer des »Japan Advertifer" findet sich folgendes Telegramm m? Peking: In Bilst (Sibirien) fand rin großer Pogrom;egen di« j ü d i s ch e Bevölkerung statt. Viele Juden flüchteten lach Manchuli; lagt deren Mitteilungen vefluden sich 400 jüdiche Flüchtlinge bereits vor Manchuli und weitere 1300 ans dem Wege gleichfalls nach Manchuli. Die jüdische Flüchtlingsfrage in Konstantinopel. Konstairrtiiropel, 17. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) -Da. hier iie Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Südrußlcmd sowie ins anderen Ländern stetig zunimmt, wurde der Direktor »"E Flüchtlingsabieilung Joint Distribution Eommittses, Dr. Bernhard Kahn, in die europäische Türkei entsendet, um die Flüchtlingssürsorge auch hier zu örganisreren. Doktor V?rnhard Kahn wird hier dieser Tage eintreffcn. Der neue Direktor -es Jüdischen Nationalfonds. Präg, 17. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Wie Mer itt den Kreisen des zionistischen Aktionskomitees verlautet, soll Dr. Hantke zum Direktor des JüdischenNationalionds an Stelle des zurückgetretenvn de Lieme ausersehen sein. Verurteilung türkischer Pogromisten. Smyrna. 16. Juli. Das griechische Kriegsgericht in Smyrna hat die Türken Mehmed Kirlimussaglir und Mustapha Mahmudoglu wegen Teilnahme an den in Dlirmendik bei Aid in (Kleinasien) von Türken veranstalteten Judenpogrom zum Tode verurteilt. Bei diesem Pogrom, welcher Ende 1919 stattfand, wurden 26 Juden gefoltert und sodann getötet. Die Verurteilung erfolgte auf Grund der Aussagen des Juden Jakob Male?, dessen ganze Familie damals ermordet wurde. Jakob Malek wurde von den ein* ziehenden Griechen gerettet und hat in den beiden Angeklagten die Mörder seiner Familie erkannt. Die Freigabe der jüdischen Auswanderung aus Sowjetrutzland. Reval, 19. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.') Wie aus M o s k a u berichte: wird, hat das jüdische Kommissariat beschlossen, einen Vertreter des skandinavisch-jüdischen Hilfskomitees :n einer Konferenz nach Warf chan einzulade», um auf der Grundlage der bereits veröffentlichten AuSwanderungsbedmgungru die Organisierung der jüdischen Auswanderung aus Sowjet rußland in allen Details zu besprechen. Kommunisten und Faszisten. Tumulte in der italienische« Kammer. Rom, 21. Juki. (Stefani.) Der kommunistische. Dsputierte Tuntar übte in der gestrigen Sitzung der Kammer an der Haltung der Carabinieri gegenüber politischen Gefangenen scharfe Kritik, tbovei er von den Faszisten wiederholt unterbrochen wurde. ■ Zwischen den Kommunisten und den Faszisten kommt es zu heftigem Wortwechsel und zu Beschimpfungen, die schließlich in einen Tumult ausart-än. Der Präsident unterbricht die Sitzung. Der Tumult dauert aber auch daun fort. Gegen die Bänke dev äußersten Linken wird ein Stuhl geschleudert. Die Ordner stellen die Ruhe, wieder her. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gibt der Präsident de Nicola seinem Bedauern über die Zwischenfälle Ausdruck. Ministerpräsident Bonomi erklärt, die Armee stehe außerhalb jeden Partei getriebes. ^Lebhafter Beifall.) Der Kriegsminister rühmt die italienischen Soldaten und Offiziere, insbesondere den Herzog von Aosta und die Generäle, die sie. zum Siege geführt haben. Die ganze Kummer, mit Ausnahme der äußersten Linken, begleitet die Ausführungen des Kriegsministers, mit lebhaftem Beifall. Tie Angelegenheit der Verifizierung der Wahl des gewesenen Ministers Pasqualino wurde an den Ausschuß zurückverwiesen, wobei bei der Abstimmung die Popolari mit,den Sozialisten zusammengingen. Dieses Zusammengehen wird von den Blättern als Vorzeichen einer neuen Krise angesehen. Die liberalen Demokraten und die sozialen Demokraten beschlossen, sich aus taktischen Gründen, angesichts des Übergewichts der Popolari, zu verbinden. .Auch die Agrarier scheinen dieser Taktik geneigt zu sein. Die Abrüstungskonferenz. Paris, 21. Juli. (Wolfs). Der »Chicago Tribüne" wird aus Washington von zuständiger Seite gemeldet: Präsident Hardiug wird an der Konferenz über .die Abrüstung und die Fragen des fernen Osten nicht teilnehmrn. Amerikanischer Wortführer wird Hughes sein. Das Attentat auf de« serbischen Prinzregenten. Verhaft««g eines russischen General». Laibach, 21. Juli. (Korr.-Bur. Laibach.) BlättermeldMgen, »us Belgrad zufolge wurde gestern dort der in Paueevo ansässige russische Geyeral Komisarow verhaftet, weil er der Mitschuld an dem Attentat aus dm Regenten Alexander verdächtig ist. Komisarow sei wahrend deS RegimS des Exkaisers Nikolaus in Rußland Gendarmeriekvmmandant getpesen und sei rn Belarad als axaiux %narMÜ bekannt. Lvlerrer Morgerrzettrmg Milteilusgeu ^aus dem Publikum. Neu eröffnet! Neu eröffnet! Cafe Magnet früher Nordost II., Obere Donaustrasse 1 (Mathildenplatz) Jaden Dienstag und Freitag Famlllenkonzert— Sämtliohe JOdlsohm Blitzer liegen auf — Klubzimmer zu vergeben. 624 Ein gestriöktes wollenes Kleid, 381 Wiener Fabrikat, 5000 Kronen ALBERT MATZfflER, KehJsÄ n, a Kommunistische Gewerkschaftsinternationale. Moskau, 91. Juli. (Funksvrukb.) Der KongKß der. revolutionären Gewerkschaften endete bei der Abstimmung mit dem Si:ge dts linken Flügels, der mit. 337 gegen'11 Stimmen eine Entschließung durchbrachte, in der die Gründung einer kommunistischen Gewerkschaftsinternationale gefordert wird. v Tschitscherin gegen Bayern. Berlin, 21. Juli.' Wie die „Dena" erfährt, richtete Tschitscherin anläßlich der Verhaftung und Ausweisung des russischen Volkskommissars für Finanzen K r e st i n s k i aus Bayern an den Vertreter des Bevollmächtig t e n de s D e u t f cheu Reiches in Moskau eine scharfe Prot e st n o t e, in der er. diese Maßnahme als eine unerhörte Verletzung aller Normen und Gebräuche des internationalen Rechtes kennzeichnet. Der Protest schließt mit den Worten: ■ Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten ersucht Sie^ Ihrer Regierung zur Kenntnis zu bringen, daß die Regierung, der. russisch-sozialistischen wderativen Sowjetrepublik sich genötigt sehen wird, alle Beziehungen wmschaftlicher Natur mit dem Vertreter vom Bayern zu lösen, falls ihr nicht v o l l st ä n b t g e Genu gt u u n g gewährt wird und Maßnahmen getroffen werden, die die Wiederholung solcher Verletzungen des Vertrages vom 6. Mai d. I. und des internationalen Rechtes unmöglich machen. Stinnes treibt den Kohlenpreis in die Höhe. Este«, 21. Juli. (Wolff). In der heutigen Mitgliederversammlung des Rheinisch-westfälilischen Kohlensyndikats wurde von Verhandlungen Mitteilung gemacht, die zu einer neuen Preisstafselnng für Ruhrkohle ab 1. d. M. geführt haben. Danach sind die Preise . Kr Stücke und Rüste um 25 Mark, für bestmeliertc Sorten um 6.25 Mark für die Tonne ausschließlich Kohlen- und Umsatzsteuer erhöht worden. Guter Erntestand in Polen. Warschau, 21. Juli. (Polu. Tel.-Agent.) Ackerbauminister R a d z i n s k i äußerte sich gegenüber Vertretern der Presse über die Ernähruugslage Polens. Der.Minister erklärte, die Ernte des Herbstgetreides sei im ganzen Lande vorzüglich. Hinsichtlich der Biehvreise siehe eine' beträchtliche Preisherabsetzung in Aussicht. Auch bezüglich des Saatgetreides fet nichts zu befürchten, da die verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen bereits die nötigen Verträge über die Lieferung von Saatgetreide abgeschlossen hätten. Die Einfuhr von Getreide aus dem Auslande sei ganz unnötig, da die eigenen Vorräte himrichen. Aufhebung der Pässe zwischen England, Frankreich «nd Belgien. London. 21. Juli. (Tel.-Komp.) Im Unterhaus hat der Unterstaatssekretär für Aeußeres Harmswoorl,h erklärt, die englische Regierung habe dm Vorschlag Frankreichs, der vor einem Monat gemacht wurde und dahin ging, die Paßvisa beider Länder abznschaffen, zugestimmt. Zwischen Frankreich, Belgien «nd England wird also binnen kurzem die Paßkontrolle wegfalle«. Die Einwanderung nach Palästina. Die Konstantinvpler Meldung des Jüdischen Kor. respondenzbüreaus, baß die Einwanderung nach' Palästina neuerdings suspendiert wurde, scheint, wie, unsere Erkundigungen an maßgebenden Stellen ergaben, nicht mit den Tatsachen übereinzustimmen. Es liegt bisher kein Grund zur Annahme vor, daß die Einwanderungj nach Palästina wieder sistiert wäre. Vielmehr scheint jetzt, nach den Mitteilungen des Majors Morris,; welcher zum Zwecke der Weiterbeförderung der auf der Reise nach' Palästina befindlichen jüdischen Einwanderer offiziell nach! Wien entsendet wurde, die Landung in Palästina ohne Schwierigkeiten vor sich zu! gehen. J .' Der Abtransport der jüdischen Palästina-Wanderer in Wien vollzieht sich: regelmäßig. Die Wtener h 't i t i s ch e Paß st e l l e vidiert 100 Pässe wöchentlich, so baß bisher von den in Wien befindlichen 500. Personen, denen die, Einwanderung/ nach Palästina .bewilligt wurde, 250 bereits abreisen konnten, davon 150 in der letzten Woche. Außerdem! werden in der Nächsten Woche weitere 100 jüdische: Palästina-Wanderer auf den Mg gebracht. Auf Grund' der Verhandlungen, welche Major Morris mit der zionistischen Exekutive während der Mtionskomitevsitzung' in Prag geführt hat, steht zu erwarten, baß in Kürze auch noch diejenigen Palästina-Wanderer, denen bisher die Einreise nicht bewilligt wurde, werden berücksichtigt werben können. Misungen, welche Ef eine neuerliche Sperre der Palästina-Einwanderung hindeuten würden, sind an den maßgeMndvn Stelle«' 22. 3uK 1921 . ■ mt. 89$ } r»'W."W '■■■ » > tor ~* ‘' ' ■' ..m n .fr Tagesbericht. Pfadfinderlager. Auf einer Lichtung an einem der kleine« österreichische» Seen steht ein einsames Blockhaus. Bisher war es i» weiter Runde still, still und waldeinsam. Jetzt ist mit einem Male Leben erwacht, und was für lebendiges Leben noch obendrein! Etwa dreißig Buben sind eingezogen« Angehörige eines Pfadsinderveines. Und dreißig Buben zwischen dreizehn und fünfzehn Jahrm können die Sülle einer einsamen Lichtung gründlich beenden. Ein paar graben einen „Eiskeller*, andere errichten mit herzlich primitivem Handwerkszeug Tisch und Bank vor dem Haus. Die Bank besteht aus zwei Holzklötzen, über die ein Brett genagelt wird, und das Sitzen muß mehr abwechslungsreich als bequem sein. Das Hauptinteresse vereinigen aber unstreitig die beiden „Köche", im gewöhnlichen Leben Wiener Quartaner, auf sich. Ihnen fallt die verantwortungsvolle Aufgabe zu, für daS Mittagesien eine Einbrenniuppe vnd Krautfleckerln zu verfassen. Sie gucken ein bißchen verzagt in den mächtigen Kessel, der über einem Holzfeuer aufgehängt ist, und scheinen noch nicht ganz überzeugt davon zu sein, daß heute wirklich Krautfleckerln auf den Tisch kommen werde«. Vielleicht wird eS auch etwas anderes — man kann nie wissen. Aber schließlich lammt während des einmonatige« Aufenthaltes noch zweimal die Würde des KochamteS a» die beiden und da kann man die Scharte schon noch auSwetzen. Aehnlich denken alle die kleinen Handwerker. Also wird munter darauf losgekocht, gezimmert, gegraben und geräumt. Bor der „Siedelung* flattert stolz die Gruppenfahne im Winde und eS kann gar kein Zweifel bestehen, daß die jungen Bursche«^ sie gegen jeden Angriff zu verteidigen bereit sind- Da aber der Angriff' nicht erfolgt, werden die Buben hier ein friedfames Leben führen Md vor allem lernen, sich untereinander zu vertragen. Der erziehliche Wert solchen Lagerlebens läßt sich überhaupt kaum hoch geuug veranschlagen. Hier sind die Jungen, unter denen eS sicherlich so manch verwöhntes Muttersöhnchen gibt, nicht mehr die Herren einer ergebenen Familie, sondern darauf angewiesen, sich selbst zu versorgen und auf Andere, Gleichberechtigte, Rücksicht zu nehmen. Vielleicht begreift so mancher hier erst, wieviel Sorge md Mühe ihn zu Hause umhegt, vielleicht lernt er hier erst die Arbeit der Mutter nach ihrem vollen Werte schätzen. Dabei ist die Zeit ja doch zu kurz, um z» einer EntfremdMg von den Eltern und den häuslichen Verhältnissen führen zu können. Auch beruht dieses Lagerleben nicht, wie so manche andere Jugendsiedelung, aus einer Auslese der Zahlungsfähigen, denn die Kosten sind gering- Man sollte wahrhaftig dieses Vergnügen allen jungen Großstadt- Burschen za teil werden lassen und wenn die Reise i»S Gebirge für manche Kreise immer «och zu teuer Md zu weit ist, so haben wir Wiener ei» herrliches Gebiet für ei» Pfadfinderlager zur Verfügung, das ist die Loba«, ein wahres Bubenparadies mit Wasser, Wald »nd Wiese und herrlicher, ungebundener Freiheit. 4 . I. M. Glogan «nd Haberda. Anr 12. d. M. hat in der amerikanisch^ Kinder- Heilstätte am Tivoli ein erhebendes Fest stattgefunden. Der amerikanische Arzt Dr. Gkvga« hat für die kranken Wiener Kinder viel Gutes gewirkt, hat mit gleichgesinnten Freunden ermöglicht, ein paar hundert rachitische Kinder in Wien zu pflegen und gesund zu machen. Nun weilt er hier, und das dankbare Wien hat ihm eben eine besondere Ehrung bereitet. So weit ganz schön; doch sehen wir uns einmal die Festgäste .näher an und hören -wir, was sie sagen: ES ist begreiflich! und anständig, daß die Regierung, das Gesundheitsamt, das -Jugendamt, die Stabt Wien und andere Wohltätigkeitsanstalten ihre- Vertreter entsendet haben. Etwas sonderbar mutet schon die Anwesenheit einer stummen Deputation der israelitischen Kultus gemeinde und einiger anderer israelitischer Personen beiderlei Geschlechts an, von denen man nicht recht weiß, was sie dort wollen; aber sie haben sich! sicherlich' bescheiden in die Ecke gedrückt Und niemanden gestört, ftoh, dort gewesen zu sein und vielleicht in der Zeitung zu stehen. Dieses harmlose Vergnügen soll ihnen nicht mißgönnt sein. Weitaus interessanter aber ist der Besucht des Herrn Haber da, der dreimal hintereinander Dekan dvir Wiener medizinischen Fakultät war, um seine reichen Erfahrungen an jüdischen Studenten zu üben. Der Herr Dekan hat wirkliche rührende Worte an Dr. Gbogau gerichtet, hat ihn „mit Stolz^ als Schüler der Wiener' medizinischen Fakultät begrüßt" und ihm „vom Herzen gedankt". Da drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Hat am Ende Herr Haberda nicht gewußt, daß Doktor Glogau Jude, noch dazu volksbewußter Jude, ist, und daß seine Wiege in Nikolsburg und nicht in Wie». stand? Daß der Dekan so unwissend ist, glauben wir nicht; wir sind vielmehr der Meinung, daß Herr Haberda ebenso skrupellos wie im Schikanieren jüdischer Studenten auch im Begrüßen jüdischer Wohltäter ist. Er hat keinen Sinn dafür, daß es eine Schamlosigkeit ist, einen Man« feierlich! als seinen Schüler zu reklamieren, der, wenn er statt vor fünfzehn Jahren vor ein oder zwe- Jahren sein Schüler hätte werden wollen, von ihm einen Fußtritt bekommen hätte. Das war irnd bleibt eben die Moral dieser Haberda und Genossen: Jüdisches Geld nehmen — ja, aber Jude« leben lassen — nein. Darum wundert uns bas. letzte Auftreten Haberdas nicht, es konn-e nicht anders sein. Auch an die Adresse der unter den Festgästen befindlichen jüdischen Professoren wäre ein ähnliches Wörilein zu richten. Keiner von diesen Herren hat auch tm. den BerIM gemacht, gegen die uneMrM

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