Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-07-22 · Heft 893 (22.7.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 893 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979972--08223-2994355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wiener Morgerrzeiturrg Juli LV21 _Sk. SS- Russland ln not. ffiiit Aufruf a« die Intelligenz und die Bourgeoisie. - MÄSkcku, 31. Juli. (Funkfpvuch.) Die kommunistische Partei beschwört in einem Aufruf die Gesamtbevölkerung, die Ablieserungsvorschriften und sonstigen Verfügungen der Sowjetregierung genauestens einzuhalten, weil sonst nicht einmal die Ernte des Jahres 192 2 Rußland von der Hungersnot befreien kann. Die Vorräte im Inland reichen kaum aus, um die hungernden Gebiete zu versorgen, und die Zufuhr aus dem Ausland sei nur in beschränktem Maße möglich. Mit allen Mitteln der Uebervedung sollen die Dauer« von der Abwanderung aus den Hungergebieten abgehalten werden, da die Transportmittel und die Wege in schlechtem Zustand seien und Mensch und Vieh dabei erst recht zugrunde gehen müssen. Bor allem wäre es aber unmöglich, die entvölkerte« Gebiete in absehbarer Zeit wieder zu besiedeln. . Der Aufruf wendet sich auch an die Intelligenz mrd die vernünftige Bonrgeoifie. Zum Schlüsse wird der Arbeiter aufgefordert, de« Bauer.n klarzumachen, daß er seine Rettung nur von der Sowjetherrschaft zu erwarten habe. Es wurde ein staatliches Hilfskomitee für die hungernden Gebiete unter dem Zeichen de- Roten Kreuzes errichtet, das seine Werbetätigkeit auch im Ausland ohne jede politisch« Tendenz betreiben soll. Das Volkskommissariat für VvlkSernLhrung erließ sehr strenge Strafbestimmungen für NichtaLlieferung oder Verheimlichung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, für Preistreiberei und Verletzung der bestehenden Handelsvorschristen. Für diese Verbrechen ist Zwangsarbeit, Kerker und Bermögensbeschlagnahme vorgesehen. Von der finnisch^ussischen Grenze wird dem ,L)st Expreß" gemeldet: Die Svwjetregierung hat beschlossen, sich um Hilfe und Neben-mtzsttspiedden a» das Ausland zu wenden. Zu diesem Zwecke soll Maxim Gorki ins Ausland entsendet werden. Zirm Kampfe mit dem Hunger werden 3000 Arbeiter als Kommissäre in die Provinz entsendet. In Moskau sind bis Mitte Juli 482 Cholera fälle festgestellt worden. Außerdem wütet dort eine starke Ru h repibemie, der besonders viele-Kinder zum Opfer fallen. Im Zusammenhang hiemit sind die Preise für solche Nahrungsmittel, die aft Diät bei Ruhr« erkrankungen in Frage kommen, zu einer selbst für Sowjetrußland fabelhaften Höhe empiorgeschnellt. Ein Pfund (400 Gramm) getrocknete Heidelbeeren, die eben noch 24.000 Rubel kostete«, sind jetzt nur zum Preise von 66.000 Rubel erhältlich. Verhandlungen »wisch«» Amerika irafc Smnjetrüßland? Mfa«, St «jutt. (ttfceiit. fwffebMt.) Die Si»wjetregi«u»g |ti sich auf vertrmlklche« Weg« an die Bereinigte« Staaten Amerikas mit der Bitte gewendet, de« von Hunger und Seuche« heimgefuchten russische« Volke eine ausgiebige Hilfe baldmöglichst zu gewahren. Daraufhin wurde« amertkanischerseitt dem russischen Vertrauensmann folgende Bedingungen gestellt, von deren Erfüllung »ine Hilfeleistung abhängig gemacht wirb: 1. Sofortig» Demobiltstzmn» bo» Rewa Armee; zwecks Aufrähterhaltung der Ordnung wird eine Lokal- Miliz aus allen Streifen der Bevölkerung gebildet. 4. Sofortige Wi^ereinführung aller p»litr schen Freiheiten, in erster 'Lin«'der Pveßand der persönuchen Freiheit. 8. Sofortige Außschretbu«, von Wahle» in die konstituierende Versammlung. 4. Volle Freiheit der Rückkehr i» die Heimat für alle Flüchtlinge auSWowjetrutzlanb. Eine Bestätigung dieser Rachricht ist abzuwarten. Seite 2 Wien, Freitag Potttische^Rundschau. Morgenthaus jüngste Phase. Henri Morgenthau, ein erfolgreicher jüdischer Kaufmann in Amerika, wurde vor mehreren Jahren amerikanischer Botschafter in Kvnstantinopel und hat damals allerhand Sympathiebeweise für den Zionismus von sich gegeben, mit den zionistischen Führern Konferenzen abgehalten und ihnM Ratschläge erteilt, was zu tun wäre, um die jüdischen Positionen in Palästina zu schützen. Nach Amerika zurückgekehrt, hat er sein« Sympathien für den Zionismus eine Zeitlang im innersten Herzenswinkelchcn vcxborgen; man« hörte nichts, mehr davon. Sie scheinen so gut aufgehoben gewesen zu sein, daß Morgenthau sie absolut nicht mehr finden konnte, als die Friedenskonferenz die Anerkennung Palästinas als jüdische Heimstätte beriet. Damals schloß sich Morgenthau einer Gruppe reformierter Juden in Amerika an, welche sich gegen die Absichten der Friedenskonferenz tnbezug ans Palästina aussprach. Sr machte dann den Versuch, diesen „Anschluß in einem freundlicheren Lichte erscheinen zu lassen und kokettierte dabei mit seinen ftüheren zionistischen Sympathien. Dann ging er nach Polen, um'über die Pogrome Bericht zu erstatten. Dieser Bericht, den man fast als judenfeindlich bezeichnen konnte, ist noch in allgemeiner Erinnerung, ebenso die Anhimmelung PaderewskiS durch Morgenthau auf einem Bankett. Nun ist Herr Morgenthau in zionistischen Dingen wieder „aktiv" geworden. Er veröffentlicht in der Julmummer der New-Dorker Monatsschrift „Worlds Work"', die von Page jun., dem Sohne des früheren amerikanischen Botschafters in London, herausgegeben wird, einen Artikel über den Zionismus, der den bielverheißenden Anfang hat: ,/O'er Zionismus ist der größte Betrug in der jüdischen Geschichte." Daun wird der Zionismus vom ökonomischen, nationalen, religiösen, völkerpsychologischen und politischen Gesichtspunkt aus einer längeren Analyse unterzogen, deren Ergebnis Maro-::.!hau der Mitwelt also verkündet: Der Zionismus ist eine Unmöglichkeit; und wäre er selbst möglich, so wäre er nicht nötig, denn Zion ist für die Juden das Land, wo sie wohnen. Seit den Tagen der Protestrabbiner hat mau diese Melodie schon so oft in allerhand Variationen gehört, daß Sie, weiß Gott, nicht «eü ist. Und wenn Herrn MorgenthauS neueste Stellung zum Zionismus heute dieselbe ist, wie die der Protestrabbiner vor 25 Jahren, so beweist dies nur, wie rasch er denkt. Aber ein Satz in dem Artikel ist der Erwähnung wert. Es. heißt dort: „England hat die BalfouEeklaration nicht aufrichtig g-memt." Auch diese Behauptung ist bekannt. Bisher ist fie aber nur von unverantwortlichen Personen aufgestellt worden. Nun ist aber Herr Morgenthau ein Mann des öffentlichen Lebens, der eine solche Beleidigung Englands ausspricht, und kann dafür zur Verantwortung gezogen weichen. Er spielt also «in mehr ckls gewagtes Spiel. Was veranlaßt nun Herrn Morgenthau zu seiner plötzlichen blindwütigen Attacke gegen den Zionismus, die alle seine diplomatische Vorsicht aüßeracht läßt? Die Wochenschrift'„Der Amerikaner gibt darauf eine recht interessante Antwort. Darnach war Morgenthau noch während des Krieges Initiator einer amerikanischen Gesellschaft, welche beabsichtigte, nach Beendigung des Krieges Palästina für. Privatzwecke zu exploitieren. DaS englische Mandat über Palästina und der damit verbundene Auftrag zur Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden hat diesen Plan vereitelt. Und der bisher so erfolgreiche Geschäftsmann kann diesen geschäftlichen Mißerfolg nicht verwinden. Ja — Geschäft ist Geschäft! Der polnische Innenminister Uber die antijüdischen Exzesse. Aus Warschau schreibt man unS: Ueber die neuerlichen Exzesse gegen jüdische Paffagiere in Polen, welche in der gesamten Oefienllichkeit unliebsames Aufsehen erregen, wurde der neuernannte Innenminister RodLkiewicz von der Preffe verschiedener Partririchlung interviewt. Einem Mitarbeiter deS „Nafz -Kurier", der dm Minister fragte, welche Mittel daS Ministerium des Innern anzuwmden gedenke, um solche Vorfälle in Hinkunft zu vermeiden, antwortete Rodtkiewiez unter anderem: .Die Exzeffe haben «ich überrascht... Sofort nach meiner Anknnst in Warschau habe ich die Informationen ent» gegmgenommen, die das Ministerium deS Innern über die Vorfälle e r h a ft e n hat. Ich habe sofort strenge Verordnungen herausgegeben, um den bedauernswerte« Vorfällen ein Ende za machen. Es ergingen telegraphisch an sämtliche administrativen Organe und au die Kommande« der Staatspolizei Befehle, Exzeffe nicht zuzulaffeu, wobei für alle verkommenden Vorfälle dieser Art die betreffenden Organe verantwortlich gemacht werden. Um die öffmrlichr Meinung zu beruhige» und unverantwortliche Elemente von Gewalttatm zurückzuhaltm, werde ich die energischeste« Mittel anwendm, um diesen unerwünschtm und schädlichen Borkommniffeu Herr zu werden ... Ich werde auch die Schuld?gen zu strenger Verantwortung ziehen/ All das aber, was der Minister des Innern erfahren uud getan hatte, das hatte er im gleichen Augenblick vergessen, als ein Mitarbeiter des »Najen Hajnt" ihn fragte, welche Mittel die Regierung gegen die Exzeffe anzuwendrn gedenke. Er sagte nämlich: .Die Regierung ist srlbstverstöndlich gegen jede Art von Exzessen. Sie hat aber offiziell keineKenutniS von all diesen Exzessen. Bis die Regierung offizielle Kenntnis habm wird, wird sie eutiprechwd reagieren". Wie ist das nun? Ist daS Ministerium deS Innern üb« bie Vorfälle, welche allgemeine Entrüstung erwecken, informiert »der nicht? Nach den Darlegungen des Ministers grgeuüb« dem Mitarverter des .Nasj Äurjec" weiß es davon, nach deu Erklärungrn an den Interviewer deS nicht. Nach Ser «iw» Version wurde« strenge Maßnah«« ergriffen, »ach der and«« werden sie ergriffen werde», bis dir Regierung offiziell Sumtni» von den Vorfall« Hab« wird. DaS Bertram» i» die Maßnahme» eines Ministerium» wird sofort erschüttert, sodald der Chef deS Ministeriums, ei» so schlechtes Gedächtnis halt Ehrhardt über die sittlich« Ernrnernng Deutschland». Der Korvettenkapitän Ehrhardt, einst Torpedoboots Kommandant, dann Führer der schwarze« Marinebrigade, bie im glorreichen Kapp-Putsch Berlin eroberte, seither als angesehener Mitbürger Salzburgs landesflüchtig und anscheinend Unauffindbar, hat in einem Münchener Verlag seine Gedanken Über Deutschlands Zukunft" offenbart, die zumeist aus Zitaten bestehen. Er nennt daS wilhelmische Deutschland daS glänzendste Staat-gabilde und die deutsche Revolution bie nutzloseste, verbrecherischeste Tat Md fordert sittliche Erneuerung, produktive Arbeit ohne persönliche Bereicherung, und Schutz IdeS Eigentums im altgermanischen Sinne, als ein im Interesse des Manzen zu verwaltendes Leben. Die große Gefahr sei die Feindschaft der Demokratie gegen Familie, Kirche, Schule und Militär und die Führung dieser demokratischen und sozialdemokratischen Parteien durch nichtdeutsche Elemente. Eine neue Verfassung müsse de« jetzigen Parlamentarismus verwerfen und eine über den Parteien stehende Regierung einivtze«. So malt sich in alldeutschen Gehirnen die sittliche Erneuerung. Sie wollen dem deutschen Volke ihre Meqlsi beibringen und es inzwischen nicht durch sich selbst, sonder« durch „Männer" regieren lasse«. Männer, wie Ehrhardt, Kapp und Audendvrsf. ,Wenn die Blätter fallen . . also schon in naher Zukunft, soll Deutschland von diesen Männern sittlich gehoben werden. Schwarze Schmach. Schwarze Schmach und schwarze Treue MM der Berliner „Lokalarrzeiger" mit den gliche« HstrMStöM, Die Schmach trifft die Schwarzen in französischen, bie Treue rühmt das Blatt den Schwarzen in preußischen Uniformen «ach. Die Verwendung der schwarze« Truppen im Rheinland ist die „größte Barbarei der Weltgeschichte", aber eine Spende per «inst reicht deutschen Dankbaren Papuas", die S000 Mark gesammelt haben, um aus „Liebe zum deutsche« Wesen" die gefallenen Helden zu ehren, bewegt das deutschnationale Blatt -u folgenden Hofstnmgsschreiber»: „Diese freiwillige Geldspende setzt der Hundertfach bewährten Treue Dieser Menschenfresser) die Krone auf Und läßt hoffen, baß auch sie einst dev zu ihnen zurückkehrenhen deutschen Wese« entgegenjubeln werden, mahnt aber auch alle Deutschen, nie zu vergessen, was dieses anhängliche Völklein getan hat, jm im DeuHMun in die Tat Die Ualianisch^ngaslamische» Bezirhnnge». IMfcM «mteftmg »w tteHartfiftt. JMHtt. „Glovensll" Narvd" meEbet «ul Belgrad: Einige arrSlärchisch» Blätter brachten vor einigen Tage» di« Meldung, daß Matten feine Außenpolitik gegenüber, Jugoslawien änd«n »erde, »eil Ministerpräsident Bvnomi und Außenminister Torretta der jugoslawische« Freundschaft abgeneigt seien. Unser Berichterstatter hatte gestern Gelegenheit, mit dem italienische» Geschäftsträger in Belgrad sprechen, der alle Nachrichten! über eine Adnderuntz der Politik Italiengegenüber! dem Königreich! S. H. S. ald unrichtig bezeichn«^ Ueber die Politik Italiens gegenüber Jugoslawiens habe der Ministerpräsident Bonvmi selbst in her „Tribuns" erllärt, daß er die Bestimmungen des Vertrages von Rappallo respektieren uUd gegenüber Jugoslawien eine freundschaftliche Politik befolg»» werde. Der Geschäftsträger dementierte ferne« entschieden die Blättersttmmen, wonach der Präsident der italienische» Delegation für Handelsunterhandlungen, Luriolli, Belgrad verlasse« habe, well der Abschluß des Handelsvertrages in bie Länge gezogen werde. Luciolli fei kvank-ditShalbdr abgereift. Vle in den! italienisch - jugoslawischen «erhandlwwM eingetrewne Pause sei vorübergehend. Nie Besprechungen würden im Monat Gchttrmbvr HEfttzt werde«. Der llvrltglllndig«» Amerika Leb« dis Bnvflichtuus» «m I» «SvSrtlg« Megimwsm bkitzsnBersiuißt»« Gtaats» gibt dcksends Tabelle «Schluß, die wsGchatzstftM» Mellen ag H a r b i« g. beißchch« »«: 9npimnrai (.tMAUHlita Prauftchh » » * * « tt JteÜs» immm * SBelflit» •••»*,»*» H Anßliib **•••»••• M.M.g4r m Polen m&im H TschpherEffewÄsi » m Derbige »1,16«,WO tt WQMPII •.••••»» «»,186,494 t» Defferreich * 1 » » » «CQftMO» m Grithtulouv »,,,««« 1M00M» M Estttud .... ... . . m Lnueut« ........ U.8S9.AV H Kuba.. M06.MO m Htunlaub -.. M81.S88 90 llettiaub........ 0.1A8L9V m lsttaueu «»»»».»». i&um m llutzw» ° . 1,686.8« # Litma. . . . 9&000 .. AuS-siamt. Dollar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.