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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-20 · Heft 891 (20.7.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 891 (20.7.1921)
Date
1921-07-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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vmimoor ^Se«e € ü-- Der schwedische Reichstag aufgelöst. Stockholm, 18. Juli. (Wolfs). Der Mimsterrat hat beschlossen, de» Reichstag a u f z «l 8 s e n und die Neuwahl« zur zweiten Kammer für die Heit vom 1. bis 18. €?$«' tember anzvberaume». / Belgische Sozialisten komme« «ach Deutschland. Brüssel, 19. Juli. (Wolff.) Wie die Agence Belge meldet, hat der Generalrat der sozialistischen Partei beschlossen, die Einladung der deutschen Mehrheitssozialdemokraten, stch auf ihrem nächsten Kongreß in Görlitz vertreten z« lasten, anzunehmen. Venizelos ln St. Moritz. Per«, 19. Juli. Der frühere griechische Ministerpräsident Venizelos ist in der Schweiz emgetroffm «nd hat in St. Moritz Aufenthalt genommen. ' Tisza-Prozetz. .Budapest» 19. Juli. (Ung. Trl.-Korr.-Bur.) Im Prozeß gegen die Mörder deZGrafen Tisza wurde heute als erster Zeuge der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte kommunistische Bolkskomiffionär Alexander Szabados v^hort, der die Ereigniffe der Nevolutionstage vor dem Hotel Astoria schildert. Dort habe die Menge dm Tod L n k a s i ch S, Wekerles und Vazsonhis gefordert, doch Tisza sei nicht erwähnt worden. Die sozialistische Partei sei über die Ermordung TiszaS höchst Entrüstet gewesen und der Redakteur des Parteiorgans habe, als er die Nachricht erfuhr, laut geweint. Zeuge halt den Angeklagten Keri des Verbrechens der Mordtat unfähig und glyubt auch nicht, daß Poganyi an dem Morde beteiligt war, da dieser wiederholt erklärte, der Sozialismus dürfe sich des Mordes als Mittel zum Zweck nicht bedienen. Zeuge erwähnt noch, daß der wegen Teilnahme an der Mordtat zum Tode verurteilte Dobo httg vor seinem Tode seine Unschuld beteuert habe. Die Ermordung Navays. Budapest, 19. Juli. Das Ungarische Telegraphen- Korrespondenz-Bureau meldet auS Szegedin: Im Strafprozeß gegen die Terroristen, die seinerzeit dm ehemaligen Präsidenten des ungarischm Abgeordnetenhauses Navay ermordet haben, wurde beute das Urteil verkündet. Der Angeklagte Enge wurde wegen Ermordung Ludwig und Ivan Navays zum Tode, Anocskai-Toth wegen Teilnahme an dem -Verbrechen Mordes in elf Fällen zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, 28 Angeklagte wurden zu Gefängnis«, beziehungsweise Zuchthausstrafen, in der Dauer von sechs Monaten bis zu fünf Jahren verurteilt und acht Angeklagte freigrsyrochen. Nationalisierung der Gotteshiinser in Nntzland. Berlin, 18. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Die hier einaetrstffenen russische» Blätter aus Petersburg und Moskau veröffentlichen ein Dekret der Sowjetkommissäre, wonach alle Gotteshäuser in den Besitz der Sowjetmacht übergehen und demzufolge als nationalisier zu betrachten seien. Die Gotteshäuser köuüen von den frommen Christen, Juden und Muselmanen gegen die Entrichtung eines geringen jährlichen Pachtzinses zum üblichen Gottesdienste benützt werden. Doch müsten sie außerhalb der Gebetstunde allen öffentlichen Veranstaltungen, wie Konferenzen, Versammlungen, Lehrkursen und allerhand Bildüngszwecken stets offenbleiben. Die Lage Der Juden in Litauen. Kow»o, 18. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Der Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. Solowjetschik referierte vor der Exekutive des Jüdischen Nationalrates über die Lage der Juden in Litaum, die sich durch .eine Reihe von Exzessen und Ueberfällen verschlimmerte. Die Exekutive hat eine Anzahl von Maßnahmen zum Schutze der litauischen Juden be- 'chloffen, welche die Wiederholung ähnlicher Borkommniste verhindern soll. Der Prager BankbeamtenstreiL. Prag, 19. Juli. (Til.-Komp.) Heute mittags veranstaltete die gesamte Privatbeamtenschast Prags eine Sympathiek u .n.d g e b u n g für die streikeuden Bankbeamte«. Die Teilnehmer formiertm sich zu einem viele Tausende zählenden Zuge, der sich unter Borantragung einer weißen F a h ne mit der Aufschrift: „©t< Privatbeamtenschast für die Bankbeamten" durch die Innere Stadt bewegte. Deutsche im tschechische« Bodenamt. Prag, 19. Juli. (Tescho-slow. Preßbur.) In der heutigen Sitzung des Budgetausschusses wurde ein Resolutionsaulrag der deutschen Sozialdemokraten, worin eine Vertretung der Deutschen im Bodenamt verlangt wird, mit elf gegen zehn Stimmen angenommen. Kerenski muß Prag verlaffen. Da er vor de« Monarchist«« nicht mehr sicher ist. Prag, 19. Juli. (Tel-Komp.) Infolge der Entdeckung der Plane der russischen Monarchisten» die sich namentlich gegen die Emigrantepführer Kerenski und Milj u k o w richten, gab die tschechische Regierung dem in Prag befindlichen Kerenski zu verstehen, daß fie für seine Sicherheit keine Bürgschaft übernehmen könne. Daraufhin, ist Kerenski am Samstag von Draa abaereitz. Mener Morgenzettmig ,1 Volksversammlung des Jüdischen Hationalfonds NATHAN GROSS Leiter desHaüptbureaus des J. N. F. im Haag -; Dr. Israel Waldmann ' > Mitglied der Reichsleitimg! Dr. Wolf gang Weisl Leiter der ]. N. F.-Zentrale in Wien sprechen heute um 8 Uhr abends im Festsaale des H otel „Post“, I., Fl^ischmarkt, über . jDie Lage in Palästina und die letzten Arbeiten des s. N. F.“ Die jüdisch-zionistischen Teilnehmerinnen am UI. Kongresse der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ veranstalten heute Mittwoch, den 20. Juli 1921, um y2 8 Uhr abends, im Saale des Gewerbevereines, l , Eschenbach* sasse 11, eine allgemein zugängliche Rednerinnen: Frau Hilda PI s k (Begrüssung) Frau Anitta Müller (Lage der Jaden und die zionistische Bewegung) 1 Frau Jane Add am s, Amerika, Präsidentin der Liga, Frl. Dr. Nadja Surowzowa, Ukraine, Frau L G. H e ymann, Deutschland, Frl. Klab in, Südamerika, Frau Lantzenberg-Berard, Frankreich (Die Frauenliga und die jüdische Frage) Frau Dr. Nadja Ornstein-B r o d s k y (Zionistische Frauenorganisation in Oesterreich). Empfang -er amerikanische« zionistischen Exekutive, im Meisten Hause. Mw-YmV, 18. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Die in Clevel-and gewählte neue Exekutive der amerikanischen Zionisten wird' am'20. d. M. vom Präsidenten H a rding im White Hvuse offiziell empfangen werden. v Stretk«»r«tze« in Lodz. Lodz. ,18. Juli'. (Tel. d. „Wr. Morgenztg.") Seit einigen Tagen streiken in Lodz sämtliche Arbeiter der Textilindustrie. Am 13. d. M. fand eine Demonstration , der Streikenden statt, an der über 20.60V Personen teilnahmen. Der Demonstrationszug bewegte sich durch die Straßen der Stadt und hielt dann auf einem Platze, um die Gewerkschaftsdelegierten zu erwarten, welche mit dem Wojwoden von Lodz verhandelten. Da dabei angeblich kommunistische Reden gehalten wurden, schritt Polizei ein, welche die Versammlung zersprengte. Hinrichtung eines marokkanische« Soldaten. Pari«, 19. Juli. (Funkspruch.) Heute früh wurde in Mainz der marokkanische Schütze Mohammed Ben-Achmed, der einen deutschen Beamten in Höchst ermordet hatte, hingerichl-t.' ' Verbesserung des Funkdienstes. London, 19. Juli. (Funklpruch.) Marconi ist «8 gelungen, an seinen Aufnahmsapparaten für drahtlose Telegraphie eine Verbesserung anzubringm, die die atmosphärischen Storungen gänzlich ausschaltet und so die Ausnahme drahtloser Telegramme auch bei einer mit Lustelellrizitat geladenen Atmosphäre möglich machL Die Fürsorgeaktion skr die «krainischjüdischen Flüchtlinge in Ostpole«. Paris, 17. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.^ Die von der Exekutive der Karlsbader Jüdische» Welthilfskonferenz e'mgeleitete Hilsskampagne zugunsten der ukrainischen jüdischen Heimlosen in den östlichen Randgebieten Polens hat bereits betragliche Erfolge gezeitigt. Bisher find für diese« Zweck 20.000 Francs ringelaufen, wovon die Juden Antwerpens 17,000 Francs speziell für Pogromwaisenfürsorge überwiese» haben. Das Wiener jüdische Hilfskomitee für die ukrainischen Pogromopfer ' hat aus seinen Sammlungen dir Summe von 10 Millionen polnischer Mark nach Wolhynim überwiese«. Streik klinischer Aerzte in Berlin. Berlin, 19. Juli. Die «»besoldeten B o l o t a r 8 rzteau den Berliner UniversWMniken und der Chatttfi hatten an das Kultusministerium eine Eingabe gerichtet, worin fte wenigstens für diejenigen Boloritärärzte. die notwendige Arbeiten verrichte», eine Entschädigung verlangen. Da sie bisher eine befriedigende Antwort auf ihre Forderungen nicht erhalten haben, haben sie heute in einer Versammlung beschlossen, die Arbeit um 12 Uhr mittags niederzulegen. Es handelt sich insgefamk um 160 Aerzte. Die Oberärzte der Kliniken haben erklärt, keine Streikarbeitzn leisten, jegliche Arbeit mit Streikbrechern avzulehnen und mit die sogenannte« notstandsarbeiten -U NerriM«. 20, 3üItT92i ( jn . vmm u.i m. i. , .■ »j-ü.IgpiHff"' '■ " 1 ”, Tagesbericht. »Ich weiß, wen Sie Neben." Die Wissenschaft verfügt bereitüber Instrumente, welche die Herzschläge genau so registrieren und »iederschreib», wie chi Mensch einen Brief schreibt. ES gibt ei« Instrument, dadie von dem schlagenden Herze« ausgesandte» elektrischen Welle» abliest und vermittels einer sinnreiche» Vorrichtung den Schatten dieser Wellen auf eine photographische Platte projiziert. Die neueste Erfindung aber übertrifft alle früheren, denn fie ist nicht wehr nud nicht weniger, als eine Methode, menschliche Empfindungen zu registrieren und niedrrzuschreiben. DaS scheint zunächst unmöglich. Wir find gewohnt, unsere Gefühle als etwas Unfaßbares, auf keine Weise Festzuhaltendes z» betrachte«. Der Gedanke, daß jemals eine Maschine konstruiert werden könnte, die sozusagen in unseren Herzm und Serlm lesen, seelische Vorgänge melden kann, erscheint absurd. Dennoch ist eine solche Maschine ersonnen worden Md fie funktioniert so genau, daß die kleinste Gemütsbewegung oder Empfiydungsänderung augenblicklich verzeichnet ' und entweder hübsch Schwarz auf Weiß niedergeschriebe« oder vernehmlich hörbar gemacht wird. Eine KrMkenpflegerin eines Londoner Spitals, ro dem eine solche Maschine aufgestellt worden war, wollte nicht glauben, daß man damit innerliche Gemütsbewegungen lese» könne, erklärte, das Ganze sei Schwindel und ihre Geheimnisse zumindest seien vdr der Maschine sicher. Der Arzt, der die Maschine verwendete, nahm di« Herausforderung . an. Er lud fie ein, ihre Frrundiünen, die ebenfalls ungläubig warm, zu dem Versuch mitzubringm. Es war ein merkwürdig« Kampf: Auf der einen Seite der feste Vorsatz einer Fra», ihre Gedankm nicht zu perraten, sich nichts von den Geheimnissen ihres Innern abringen zu lassen. Ihr gegenüber nichts als ei« paar dünne Windungen isolierten Drahtes und ein mit diesen Windungen verbundener, elektrischer Summer. Der Fall schien für die Maschine hoffnungslos, dennoch war der Arzt zuversichtlich. Er ließ die Krankenschwester in einen Armstuhl «iedersitzen ,und in jede Hand an einem Metallgriff ein Ende des Drahtes nehmen. Ihre Freundinnen standen ringsherum. Nunmehr begann der Arzt nacheinander verschiedene männliche Namen zu nmnm: Jack, Fred, Bob, Tom- Nichts rührte sich und die Krankenschwester und ihre Freundinnen blrckten einigermaßen spöttisch auf den Apparat. Da nannte der Arzt einen fünften Namen: „Bill", sagte er. Mötzlich, als käme eS von nirgends her, ertönte erst leiser, dann stärker ein Summen wie von. einer Wespe, oder einer Brummfliege: Es wurde lauter und immer lauter und schwoll zum Schluß derart an, daß der ganze Raum von ihm erfüllt schien. Das Summe» kam so plötzlich, so verblüffend, daß alle Anwesenden eine Minute laug regnngs-- und fassungslos lauschten, ohne recht zu wiffen, was es bedeutete. Die Kranken-, schwester war die erste, die begriff. Sie sprang vom Stuhl empor»' warf die beiden Drahtenden weit von sich — das Summe» hörte augenblicklich auf — Md stürzte-..die Augen mit der Hand, bedeckend, Ms dem Zimmer. Als fie fort war, bekannten ihre» Freundinven, fie habe eine Bekanntschaft mit einem junge» Mann, und dieser junge Mann heiße Bill (die Abkürzung vo» William). Der Arzt lud nunmehr eine der anderen Schwestern ein, den Versuch zu machen. Es meldete sich keine. Dir Maschine hatte gewonnen.' Ein wenig Wiffen hätte der ungläubigen Schwester sagen müssen, daß die Maschine obsiegen mußte. Wir alle wiffen, daß Gemütsbewegungen in unseren Körpern die mMnigfachsten Veränderungen Hervorrufen. Die Empfindung der Liebe oder der Scham sendet eine Welle heißm Blutes über daS ganze Gesicht, indem sich die kleinste« Blutgefäße der Haut mit dem durch erhöhten Herzdruck hineingepumpten Blut füllt». Im Gegensatz hiezu lassen Furcht oder Schrecken daS Blut ander Haut zurückiretm und machen uns erbleichen. Erregung läßt Msere Augen sich erweitern «ud ändert den RythmuS unserer Atmung. Der Zorn strafft alle uusere Muskeln. DaS find nu» freilich alles starke Gemütsbewegungen, die auch leicht äußerlich wahrnehmbar find, und «S hätte weiter kaum eine Schwierigkeit, einen Apparat zu baue«, der sie genau registrieren würde. Aber es ist «ür eine Frage des Grade», eiuen Apparat zu konstruierender auch jene kleinere» Gemütsbewegungen registriert, die sich nicht in Blutwellen oder i« der veränderte» Atmung äußern. Die Konstruttion eines solch« Apparats gelang dem Professor Waller vom Imperial Institute in London. Er fand, daß nahezu jede Gemütsbewegung eine elektrische Veränderung in der Haut der inneren Handflächen und der Fußsohlen hervorruft. Wenn also die inneren Handfläche» durch Drähte mit dem Apparat verbunden werde» — etwa indem man dem Patienten zwei röhrenförmige Metallgriffe, ähnlich wie beim Elektrisiere», durch den Ruhmkorff-Induktor in die Hände nehmen läßt —, dann läßt die kleinste Gemütsbewegung dm empfindlichen Zeiger des mit de» Drähte» verbundenen Elektraskops ausschlage«. Dieser Zeiger schreibt entweder auf einem über eine Trommel laufenden Band, wie bei den bekannten Registrierbarometern. oder er löst ein Summe» auS, das die Gemütsbewegung untrüglich kuudgibt. Eine der interessantesten Entdeckungen, die man mittels d'Ä Apparats macht, ist die, daß die Erwartung eines Nadelstichs der «««Person versetzt werden soll, genau die gleicheEmpfindung Hervorrust wie der Nadelstich selbst. Der Versuch wurde derart angestellt, daß man der zu untersuchende» Person «mm leichten Nadelstich versetzte, mittels des Apparats, diesich emstellenhs Empfindung registrierte und ihr einige Minutm später mitteil^ sie würde nunmehr. einen zweiten Nadelstich erhalten. Avgmblicklich schlug der Zeiger auch ohne de» Nadelstich aus, und zwar trat genau soviel wie zuvor bei dem wirklichen Stich. . ' Der Apparat ist eist in seinem Versnchsstadmm, aber « eröffnet bereits einen Ausblick in ein neues WlffenSgebietz Professor Waller hofft, von dem Apparat wertvolle Auffchlüffe über daS Wesen und dm Ablauf der Gemütsbewegungen zu erhalten. Er hat im übrigen mittels deS Apparats bereits ge? fanden, haß Lch Vsnuer und 2uute» bei GemittSkmuMM» /

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