Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 890 (19.7.1921)
- Date
- 1921-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wiener Morgenzeitrmg IS. Juli 1S2I Sette 4 Dienstag Telegramme. Die Zahlungen Deutschlands. Pari»,, IS. Juli. (Wolff.) Ueber die von Deutschland in «uSführung -es Zahlungsplanes geleisteten Zahlungen »itb mitgeteilt, Deutschland habe an die Reparationskvmmission. eine neue Zahlung im Betrage von ungefähr 81 Millionen Goldmark in europäischen Valuten «nd bis heute für die Amortisierung der von ihm ausgestellten Tratten eine Summe von 275,376.690 Goldmark geleistet. Außerdem habe die Kriegslastenkommission soeben die Reparationskommission davon in Kenntnis gesetzt, daß die deutsche Regierung eine abermalige Zahlung von ungefähr 31 Millionen Goldmark, in verschiedenen europäisch» Valuten »biete. Der oberschlestsche Konflikt. Oondo», 18. Juli. (Wolff.) »Sundah Times" schreiben im Leitartikel über die Lage in Oberschlesien, B r i a n d habe in seiner Kammerrede am vorigen Montag sich keine Mühe gegeben, die e n g li s ch - s r a nz ö s i s ch e n Differenzen zu verheimlichen. Er habe gesagt, die Lage im Aufstandsgebiete sei wiederhergestellt. Alle amtlichen und privaten Meldungen weisen aber aus neue gefährliche Unruhen hin. Wenn in einem solchen Falle die Deutschen die polnische Linie durchbrechen und mit den hinter ihr stehenden Franzosen zusammenstoßen würden, so wären die Folgen unübersehbar. Angesichts dieser Möglichkeit, die nach einer schleunigen Lösung drängt, schlägt Frankreich'die Ernennung eines neuen Sachverfiändigm-Ausschuffes vor. Diese Maßnahme kann wenig mehr als eine neue Verschleppung herbeiführen, denn die alliierte Kommission habe sich bereits : zweimal .außerstande erklärt, zu ' einer Einigung zu gelangen. Frankreich wolle das deutsche Kriegsarsenal Oberschlesien den Polen geben, um Deutschland militärisch zu schwächen. Die Polen sind schlecht dam geeignet, ein Bergwerks- und Industrieunternehmen zu betreib», das durch brutsche Intelligenz und deutsches Kapital geschaffen wurde. Der von einer Gruppe deutscher Magnaten erdachte Plan. Oberschlesien zu einem unabhängig» Staate zu machen, ist auch nicht für ernst zu nehmen. Es bleibt also nichts anderes als die Teilung des Industriegebietes übrig. Ein neues sranzöfifch-türkisches Abkommen. Pari», 18. Juli. (Tel.-Komp.) Dem »Eclair" zufolge hat Driänd mit Brkir Samt Bei rin Abkommen ge« schloffen, dafür die Türk» außerordentlich günstig ist. Guter Verlauf der irischen Verhandlungen. London» 18. Juli. (Teb-Komp.) Wie verlautet, solle« d e B a l e r a und die übrigen Mitglieder der irisch» Friedensdelegation ihre Zufriedenheit über dm Verlauf der Verhandlung» mit Lloyd George ausgedrückt h ch». De Balera erklärte m einer für die Preffe bestimmten Auslassung, man habe von ihm ungerechterweise behauptet, daß er Förderungen ausgestellt habe, die die Möglichkeit von weilten Verhandlung» und somit auch des Friedensschlußes schädig.:: würden. Er habe einzig unallem die Ford erung des Selbstb estimmnngsr ech tes des inschm Volkes ausgestellt. Der Vertreter der Sinnfemer-Delegation erklärte dem Korrespodenten der »Daily Mail", die Lage sei nicht hoffnungslos. Die Verhandlungen sei» im Gange. Das sei alles, was gesagt werden könne. Für die Aufhebung der Einwanderrmgsbeschränkungen in Palästina. PvaH, 17. Juli. (Jüb'. Korr.-Bur.) Die 'Sitzung des Großen zionistischen Aktionskomitees nahm eins Reihe von Resolutionen in Verhandlung, wodurch die Exekutive aufgefordert wird, alle Anstrengungen zur Aufhebung der EinwnnderungsbeschrLnkungen nach' Palästina zu machen. Ebenso soll vom Ob er komm iss Sr eine genaue amtliche Interpretation der bereits erlassenen Einwanderungsbedingungen verlangt werden, um jede willkürliche Auslegung seitens der ausführenden Behörden und Organ« unmöglich zu machen. D.ie diesbezüglichen Resolutionen sind in sehr entschiedenem Tone abgofaßt, sie werden bei der Londoner Regierung und beim Highj Commissioner in Palästina 'mit dem größten Nachdruck vertreten werden. Wahrscheinliche Aenderunge« im Statute des Keren Hajessod. Prag, 17. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Den Ausführungen der Direktoren des Keren Hajessod zufolge, sind im Statut des Keren Hajessod gewisse Aenderungen in Aussicht genommen. Slo wird unter anderem eine Erhöhung des zinsenbringenden Anteiles, und zwar der rein geschäftlichen. Investierungen, auf 50 Prozent der gesamten Einzahlungen geplant. Ferner soll im M außer Prinzip (Grurchsatz 'der 'Zehentabgabe) eine Modifikation im Sinne einer Staffelung vorgenommen werden, da eine Zehntelabgabe bei den arbeitenden und kieingewerblichen Klassen als viel zu starke Belastung angesehen wird. D.iese Aenderungsvorschläge bleiben dem in Karlsbad zusammentretenden Zionistenkongreß Vorbehalten. Das Rote Kreuz in Rußland. Moskau» 18. Juli. (Fmikipruch.) Das internationale Rote Kreuz Hai dir Rote Krcuz-Orgausiation der Sowjetrepublik BrLland auerka aut. Vor Beginn der Wienert ~ Messe kt. 890 $w anderer Seite wird gemeldet, baß dieM Pogd sowie Exzesse, in anderen Orten des' MnskeA Gouvernements von Angehörigen der Roten Armee veranstaltet wurden. erscheint unser Messe ■ 931tä5a.a*ear in Massenauflage und wird allen Besuchern der Messe zugesendet. Allen Firmen Wiener. MorAtttzrttrW rrarß ♦iBagqnicQctt die in unseren Messe-Nummern annöncieren, Abstinenz der Opposition in der rumänischen Kammer« Bukarest, 18, Juli. (Fnnkspruch.) Infolge eine- Zwisch». falles, der sich in der Kammer zwischen esnem Mitglied der Opposition und dem Minister deS Innern abspielte, hat die Opposition den Beschluß gefaßt, den Sitzungen beider Häuser fernznbleiben. Masaryks Heimreise. Prag» 18. Juli. (Tel.-Komp.) Wie die ^Narodni Listh* erfahren, wird sich Präsident M a s a r h l auf dem kürzesten Wege, und zwar über Linz nach Prag begeben. Infolgedessen kommt rS auch zu keinerlei offiziellen Beuche« und Zusammenkünften. Auch die geplante Begegnung mit dem österreichisch» Brmdtspräsidtirt» H a i n i s ch wird nicht stattfinden, höchstens wird es während der Fahrt im Eisenbahnzug zu einer kurzen Begrüßung kommen- Militärkonvention zwischen Jugoslawien «ud der Tschecho-Slowakei. Prag, 18. Juli. „Narodni Liffy" zufolge trifft heute ein« südslawische Militärkommission hier ein, um die endgültige« Vereinbarungen in Sach» der tschecho-slowakisch-südslawisch» Militarkyuvention z« treff». Das Attentat auf den serbischen Prinzregenten. BÄUvad, 17. Juli. (Preßbureau Belgrad.) Äie gegen die Mtschuldigen an dem Attentat aus den Prmzregenten geführte Untersuchung hat sehr erschwerendes Material gegen die Kommunisten erbracht. Die Verhafteten machten die Hauptradelsführer namhaft Nach ihren Aussagen waren die meisten Verschwöre: magyarischer Nationalität. Der Prager Bankbeamtenstreik. - Prag, 18. Juli. Wie die .Prager Ab»dzeitnng" meldet, soll» noch heute im Ministerium für soziale Fürsorge die Ei«lgungSver Handlungen imBankbe.a«- teuausstand beginn». geben wir Ein bulgarisches Dementi. IC kostenfrei "W8 ein Inserat Im »Messe-Führer“ v m ammmmmmmmnmmmasmmmmammmmmmmimmmmmmamm MnSSnSSOMSMBW—MBMMBBaSSBSBMSBBSB— Gorki bittet für Rußland. Prag, is. Juli. (Tfchecho-slow. Preßburecm.) Maxi« G o rki hat an den Präsident» M a s .a r h! ein Telegramm gerichtet, worin er im Namen der Humanität um Hilfe für daS von Seuchen und Hungersnot bedrohte russische Volk durch Uebersendung von Brot «nd Arzneich bittet. mm*, ff8. Jüft. Mnksprüch'.) Auf den Appell der Regierung hin hat der .Allrussische Gewerkschaftsrat ein Drittel der Transportarbeiter unter die Fahnen berufen, um die Lebensmittelzufuhr ttr die Hnngergebiete zu beschleunigen. — Die zur Bekämpfung der Hungersnot eingesetzte besonder« Kommission hat an al le AnbaUko mmissivnen ein Rundschreiben gerichtet, worin sie aufgefvrdert werden, sofort zu berichten, wie viel von dem zugewiesenen Saatgut zur Lircherung der Hungersnot verwendet werden könnte. Gewerkschaftskongreß itt Rußland. Moskau, 18. Juli. <Funkspruch.) Am 16. d. M. wurde der allrussische Kongreß der bevollmächtigten Zentralausschüsse der G e w e r k s ch a f t s v e r b 8 » d e e röffnet.Leni» war am Erscheinen verhindert. Der englische Vertreter versprach die Hrlfe der englisch» Gewerkschaften zur Anbahnung geordneter Handelsbeziehung». Englisches Kapital in Petersburg. London, 18. Juli. (Tel.-Komp.) Es verlautet, daß »glische Kapitalisten die Kozessiou deS Petersburger HafenS von der Sowietregierung erhalten haben. Das Ertragnis der Konzession soll zwischen der Verwaltung und der Regierung geteilt werden. Ein Pogrom in Puchowttsch. Wilna, 15. Juli. (Privat.) .Aus Nachrichten,., welche der Zeirei-Zion-Organisation in Medow zugegangen sind, ist zu entnehmen, baß am 9. Juni in die Stadt P u ch o w i t s ch in dem von den Bolschewiken besetzten Gouvernement M i n s k eine Bande von etwa 50 Personen eindrang, welche eitlen Judenpogrom veranstaltete. Auf dem Marktplatz wurden sechs Juden, die ihr Vieh , auf die Weide geführt hatten und ab gefangen worden waren, erschossen. Dann wurden.' von der Bande^ drei Stunden lang jüdische Läden und Wohnungen geplündert, Häuser in Brand gesteckt und Frauen geschändet. Erst dann näherte sich. aus. dem benachbarten Orte Blonie Sowjetmilitär. Die Bande entwich! aus Puchiowitsch und nahm 14 Juden als Geiseln mit,'die sie in einem benachbarten Walde folterte und dann erschoß. So sind bei diesem Bandenüberfall 20 jüdische Todesopfer zu be- Prag, 18. Juli. (Tcl-Komp.) Die hiesige bulgarisch« Gesandtschaft demontiert die seit Einigen Tag» kursier»den Nachricht» über Verhandlungen zwischen Bulgarim «nd Sowjet- ' raßland, sowie die Nachricht, daß Bulgarien auf sein» Boden verschiedene Organisation» dulde» die sich mit eine« Komplott gegen die Nachbarstaat» btschäftigen. Weiters wird das Gerücht über Unruh» in Bulgarien als vollkowm» unrichtig bezeichnet. Ttsza-Prozetz. Budapest, 18. Juli. (Ung. Tel. Korr.«Bur.) In dem Prozeß gegen dir Mörder TiizaS erklärte Z»ge Georg H o f st mau«, daß sowohl die Mitglieder deS Soldatmrates sowie auch deS Nationalrates über den Mord des Graf» Tisza entrüstet gewesen seien. H e l t a i habe ihn bewegen wollen, geg» F e n h e S und Friedrich anSzusagen. Dr. Johann Fritz der zur Zeit des Attentats Schriftführer des Nationalrates war, erklärte von einem Anschlag geg» den Grafen Tiszasei iw. Nationalrat niedieRede gewesen. Er habe die Protokoll« des NationalrateS dem damalig» Präsident» übergeb», wisse aber nicht wohin, sie gekommen sei». Japanische Parlamentarier in London. London, 18. Juli. (Wolff.) .Heute treff» aus dm Bereinigt» Staat» zehn japanische Parlamew t a r i e r in London ein. Nach einer Mitteilung der japanisch» Botschaft bezweckt der Besuch in erster Linie die Befestigung der Bande zwisch» Großbritannien Md Japan. Bon London wirt die Abordnmg nach Frankreich und Belgim weiterreif».. Die Abrüstungsfrage vor dem Völkerbund. Aus Paris wird gemeldet: Den vo« der Abrüstung^' kommifsion des Völkerbundes eingesetzten Unterkommission» sollen folgende Frag» zur Prüfung und Belichterstattung vorgelegt werd»: ' Erste Unterkommission : 1. Private Herstellung von Munition und Kriegsmaterial; 8. Verkehr mit Waffen und Munition; 3. Schaffung eines internationalen Kontrolle b «reausfür den Verkehr mit Waffen. Zweite Unterkommission: 1. Kontrollrecht über dieAbrüstungderbesiegtenLanher; 3. gegenseitige Kontrolle, entweder durch Austausch von Erklärungen zwischen den Staaten, die in der ÄbrüstungSkommission vertret» sind, oder ' durch gegenseitige Prüfung der Erllämngen, die in dem Pakt vorgesehen sind. Dritte Unterkommission: 1. Die augenblicklich» nülitäri' sch» Kräfte und die Borkriegskräste der verschiedenen Staat», 3. die augenblicklich» finanziellen Lasten und di« B o r k r i e g S l a st e«, die aus den Rüstung», der vew schieden» Staat» hervorgeh», und 8. Maßnahmen, durch dff die nationalen Ausgaben für die Rüstungen nach dem veröffentlicht» MilitärhauShalt der verschied»» Staaten festgestellt werd» könne». Diese Unterkommission wird morgen rusammeutretru. 110177