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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-18 · Heft 889 (18.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 889 (18.7.1921)
Date
1921-07-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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"Seite r Wien, Montag Deklarqtion zu verwirklichen. Bei einer solchen Wirtschaft ist es absolut ausgeschlossen, auch nur ein Mininmnt von Ruhe und Sicherheit-zu gewährleisten. Einen Lichtstrahl in diesem Dunkel bietet der Umstand, daß uns dem arabischen Kongreß selbst sich MctnungZverschiedenherten geltend machen. Eine angesehene Gruppe ist mit dem extremen Nationalismus des Kangresses durchaus nicht einverstanden. Haben ja als Protest ge-en die chauvinistische StrömMg zahlreiche' bedeutende Ara-ergemrinden leine Delegierten zum Kon-, greß geschickt. Auch vom Kongreß selbst werden ernste D'einungshifferenzen und Zwistigkeiten gemeldet. So ergab sich in der Debatte e;n Antagonismus zwischen den mohammedanischen und' christlichen .Arabern. Bezüglich des Rücktritts des Arbeitervertreters Ben Zwi ans dem Advisory Council (Staatsrat) erklärte Katznelson: Ben Zwi wurde im vorigen Jahre von Samuel mit Zustimmung der Arbeiter Palästinas, die in der Achduth Haawodah organisiert sind, als Vertreter der jüdischen A rbeiterin tere s s e n zum Mitglied des Advisory Council ernannt. Als Protest gegen die Einstellung der Einwanderung n ie a uch gegen die ganze Politik Samuels, die nicht iun Einklang mit der Balfour-Deklaration steht, hat :n Zwi in einem Dternorandum seine Stellung-präzincrt auch demissioniert. Samuel ersuchte ihn, bis zum Juli, wo er eine Erklärung abgeben werde, zu warten, äiach Verlautbarung dieser Deklaration Samuels hat Bon Zwi von neuem, und zwar diesmal unwiderruflich^, seine Demission eingereicht, da es ihm unmöglich sei, ii.it einer Regierung, die ins Schlepptau de-r Esendi s geraten ist und nicht davor zurückschreckt, eine neue Interpretation der Balfour-Deklaration zu geben, zasammenzuarbeiten. -Der Waad Leumi hat auf einer besonderen Beratung die Frage der Beteiligung der übrigen jüdischen Mitglieder am Wvisory Council behandelt und beschlossen, niemanden zu zwingen, seine Demission einzureichen, aber B^n Zwi fteie Hand zu geben, nach seinem Gewissen, zu handeln. Auf-Wunsch des Waad Leumi wurde sodann eine außerordentliche Sitzung des Ausschusses der Achduth Haawodoh ein-/ berufen und einstimmig beschlossen, auf dem Rücktritt Ben Zwis zu beharren, als Protest gegen die gefährliche Taktik der jetzigen Regierung. Zugleich wurde schärfster Protest eingelegt gegen eine Regierung, bei der General S t o r r s als Hauptzensor fungiert, der selbst solche ' -unschuldige Ausdrücke wie „unser Land" verbietet, ebenso den Abdruck des Memorandums des Waad Leumi wie auch die Veröffentlichung der Par kamen tsrede Churchills. .; __ , Inland. Westungarn wird übergeben. Vorkehrungen-er Entente. London, L7. Juli. Wie das Rerrtersche Bureau erfährt, seien, nachdem die Mächte den Vertrag von Trianon ratifiziert haben» Vorkehrungen getroffen worden, damit eine militärische Kommisston der Alliierten die deutschen Bezirke Westungarns Oesterreich übergebe. Die Verbündeten würden keinen Widerspruch gegen einen freundschaftlichen Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn erheben, doch müßte auf alle Fälle das in Frage steh ende Gebiet als recht* lich Oesterreich zugehörig betrachtet werde«. Man hoffe, daß die Angar« nicht durch den Versuch, ihre Verpflichtungen nicht einzuhalten, die Verbündeten zwingen werde«, Gewalt zu gebrauche«. Bundespräsident Hainisch und Bundeskanzler Dr. Schober in Linz. Linz. 17. Juli. Heute nachmittags trafen mit fahrplanmäßigen Schnellzug Bundespräsident Harnisch und Bundeskanzler Dr. S ch o b e r in Lmz ein. Zum Empfang im Bahnhof halten sich Landeshauvtmannstellvertreter Dr. Schlegel mit dm Lmdeshilchtmannstellvrrtretern, Bürgermeister Danetz mit den Lizebürgermerstem und die militärischen Kommandanten ew gefunden. . ' Um 6 Uhr abends fand im Landhause der offizielle Empfang durch den Landesrat statt. Landesbauptmännstellvertreter D'-. Spiegel richtete an den Bundespräfidenten eine Ansprache, in der er dir voltsimrtschaMchenVeihälmsse des Landes schilderte und betonte, daß die Vertreter aller drei politischen Parteien zus unmengearbertet haben, um das Land aus dem moralischen und wirt.chafilrchm Niederbrnch tzmporzuarbessen. Bundespräsident Dr. H a i» i s ch erwiderte hinaus untn anderem: Oberösterreich ist bnusen, eine große Rolle für die Ernährung unserer Bevölkerung zu spielen. Auch a» Bodenschätzen Wi es nicht. Oberösterrrich ist meines WiffenS eines der Länder, ,n kenen der Ausbau am weitesten' vorgeschritten ist. Auch sozial sind dir Verhältnisse in Obeiösterreich günstig. ES fehle« die all- Großen Verschiebendecken im Besitz. Lasten Sie mich hosten. dost fcicftä Land einer schönen Zukunst, die ich für alle Teile der Niurudlrt berbeliüme. entaeaenaebl. Wiener Morgenzeitung Um 7 Uhr ybcnds erschienen der Bundespräsident und der Bundeskanzler im Rathaus,.wo sie vom Bü-germckster in Gegenwart der Mitglieder des StadlraieS rmv angen wurden Aus Anlaß der Anwesenheit des BundcSpräsidenten sind alle öffentlichen und viele Privatgebäude beflaggt. Neuerliche Anschlichbewegung. Die Altdeutsche Brremistung veranstaltete am Sonntag eine Fner zu S ch 8 n e r e r S 79. Gcbuustag. In einer Rede tru >e mitgktrilt» - daß die Anschluß b e w e g u n g von neuem mit einer am 13t September einsetzrnden Aktion beginnen werde. - . LeLegraMme. General Lerond ermordet? Paris, 18. Juli. (Havas.) Mehrere Blätter geben unter Vorbehalt das in Berlin umlaufende Gerücht wieder, wonach General Lerond das Opfer eines Anschlages geworden sei. Die Agence Havasbemerkt hiezu, daß sie weder im Ministerium des Aeußern, noch im Kriegsministerium, noch auch seitens ihrer Vertreter in Deutschland eine Bestätigung' dieses Gerichtes exhalten konnte. London, 18. Juli. (Reuter.) Wie „Daily Herald" meldet, ist eine englische Handelsmission nach Rußland abgereist. GepLanLel englischer Besatzmigs- Lruppen in Oberschlesien. Veuthen, 17. Jub. (Wolff.) Gestern abends wurden zwei Autos mit englischen BEahungeLruvpen, de sich auf einer Konnollsahrt b fanöcit, von Jnjingmlen mit’ wüsten Geschrei empfangen. Als die englischen Soldaten einige Schreckschüsse abgaben. erwiderten d i e I n s u r ^e n t e n oasFener. Daraus p-ngen die englischen Soldaten scharf gegen.die Insurgenten vor, die sich zurttckzogev. Die Wilnaer Frage. Warschau» 17. Juli. (Poln. Tel.-Agrntur.) Die polnische .R gierung hat am 15. di M. mit Bezug auf die Resoluiion des Völke,buntes vom 28. Inn: an Hymans eine Antwort gesandt, wor n sie ihre aufrichtigste Absicht, zur Verlegung des polnischlitauischen Streites mitzuw'.rken, aus d nickt und sich im Prinzip zur Annahme der Resolution bereit erllärt. Dre polnische Regierung behält sich alle Rechte vor, die Polen auf das Wrlnaer Land habe. Sie sei bereit Schritte zrr unternehmen, mn dre in der Armee desGmeral Z e l i g o w s l1 firheudm polnischen Bürger aus Zentrallitauen allmählich zurückznzieben, die Eisenbahn-, Post- und Telegravhenverbindungeri mit Kownö-Litaum' wieder aufzunehme« und HandelsVeziehrnreen anzuknüpfen. Ein Abkommen zwischen Litauen, Lettland und Estland. London, 18. Juli. (Tel.-Komp.) Eine Depesche aus Kopenhagen .meldet, daß die Außenminister Litauens, Lettlands und Estlands ein wirtschaftliches Abkommen geschloffen haben, das einem Defensivbündnis gleichkommt. Der griechische Vormarsch. Athen, 17. Juli. (HavaS.) Der Vormarsch der griechischen Truppen geht an der ganzen Front unter ausgezeichneten Bedingungen vor sich. Nach einer Privatdepesche aus Smyrnr soll K u t a j a geräumt worden sein. Die Abrüstung. Paris, 17. Juli. (HavrS.) Dir AbrüstirngSkoMmissio» hat daS Arbeitsprogramm für die einzusrtzenden drei Unterkommisstone» festgesetzt, die morgen ihre Arbeiten beginnen werden. Die Ergebnisse der Beratungen der Uuterkommissionm weiden von der Kommission aufaugs September in Gens geprüft werden. Russische Monarchisten in der Tschecho- Slowakei. .Prag, 17. Juli. Wie die „Tribuna" erfährt, werde» die Behörde» demnächst gellen die aus Jugoslawien in die Tschechoslowakei znlammenströmendrn russische» Monarchisten emschreitrn und sie ausweisen. Die Bergarbeiter in Mühr.-Ostran gegen die Lohnherabsetzung. Mähr.-Ostrau, 17. Juli. Gestern trat die Konferenz der Betriebsräte der Bergarbeiter des Ostrau-. Karwiner Reviers zusammen, um zu den Forderungen der Unternehmer Stellung zu nehmen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird erklärt, daß eine Kündigung des Kollektrooertrages nicht werde angenommen werden. 1 Ein neues Programm der deutschen Sozialdemokraten. Berlin, 17. Juli. (Wolff.) Der „Vorwärts" veröffentlicht den Entwurf eines neuen Programms der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Danach wird die Partei folgendermaßen definiert: Die sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die Partei des arbeitenden Volkes. Sie erstrebt die Ueberwiudung . 18. Sult 1921 Sk. 88deS kapitalistischen Wirtschaftssystems durch eine die Wohlfahrt aller Gesellschaftsmitglleder sichernde sozialistische Gemeinwirtschaft und damit zugleich me allgemeine höchste Steigerung der geistigen und sittlichen Kultur des Volkes. Das Programm fordert u. a. die Nutzbarmachung der Bodenschätze und der Naturkräfte für die Allgemeinheit, .Ausbau der Betriebe des Staates und sonstiger öffentlicher Körperschaften unter demokratischer Verwaltung, bei Ueberführung des Privatbesitzes in allgemeines Eigentum Entschädigung an die hiShmgen Besitzer,' allmähliche Ueberführung des Großgrundbesitzes in eine genossenschaftliche Betriebsform, progressive Gewinnbeteiligung der öffentlichen Gewalt an den für die Sozialisierung noch nicht reifen Erwerbsunternehmungen, Sicherung und Ausbau der demokratischen Republik, Ablehnung jeder Diktatur einer Minderheit und der Verdrängung der demokratischen Volksvertretung durch berufsständische Organisationen, ein einheitliches Arbeitsrecht, daden normalen Arbeitstag von höchstens acht Stunden festlegt und für jeden Beschäftigten eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens Zb Stunden in jeder Woche vorsieht, ferner Sicherung des Koalitionsrechtes für Arbeiter, Angestellte und Beamte, Arbeitslosenversicherung, Uebernahme des gesamten Heil- und Gesundheitswesens in den Gemeinbetrieb, Vergesellschaftung des Wohnungswesens, Schaffung einer neuen Rechtsordnung, die eine soziale Rechtsauffassung zur Grundlage hat, Kampf gegen die Klassenjustiz nnd gegen das kapitalistische Recht, Abschaffung der Todesstrafe und der lebenslänglichen Freiheitsstrafe. WeiterS heißt es in dem Programm«: Alle Erziehung ist Aufgabe der Gemeinschaft. Einheitlicher Ausbau des Bildungswesens von der Grundschule bis zur Hochschule ist zu fordern. Religion ist Privatsache und nicht Parteinoch Staatssache. Schließlich fordert das Programm die nationale Selbstbestimmung derVölker, einen Völkerbund, der kein Volk ausschließt, Schlichtung aller internationalen Streitigkeiten auf internationalem schiedsgerichtliches Wege, internationalen Zusammenschluß der Arbeiterklasse auf demokratischer Grundlage. Die franzSsische« Kommunisten. Paris, 17. Juli. Die franzöffsche Kommunistenpartei hatte zu den.internationalen Kongreffen in Moskau zwei Abordnungen entsendet, eine politische unter Führung von Souvarin r, Laillaut, Cvuturirnund Loriot und eine syn-. dykalistische bestehend aus S i r » l l e, T o m m a s i und G o d o n n e ch e. Die letzteren hatten von ihre» Parteigenossen den Auftrag erhalte», darüber z» wachen, daß die französische syndikalistische Bewegung nicht unter die Vorherrschaft welcher politischen Partei immer gestellt werde, vielmehr ihre volle Autonomer bewahre. Wie die foziallstischen Blätter melden, hätte» Tommasi und Godonneche einen Antrag ans Vereinigung der kommunistische» Arbntersyndikate mit der kommunistische» Partei unterfertigt. Die Pariser Shndckaliften veröffentliche« nun eine Erklärung, daß sie eablehne» würden, diese» Antrag -»tzuheißr». ES wird der Wunsch auSgedrückt, das die russischen Syndikalisten bei drm Aller Kongresse vertreten seien, der m der nächste» Woche zusammrntritt. Die Reparationen Ungarns. Mlt der Ratifikation des Trianoner Vertrages tritt auch an Ungarn der Ernst der Situation heran. Schon m de« nächsten Tage« wird die Mitteilung der Reparationsleistungen ersolgw' wonach Ungarn zunächst öbMellionenGoldfrancs in barem zu bezahlen hat. An Italien und die Nationalstaaten wird ein Teil der Viehbestände abzuliefern stirr. Die Hälfte der Fünfkirchener Kohlenförder««- ist durch . SO Jahre an Italien und Jugoflawlen zu übergebe«. Alle Versuche wegen Ordnung der Vorkriegsschulden «nd Milderung der Sanktionen, speziell bezüglich der Rückgabe vo» F ö v fk i r ch e n, sind bisher resnltatlos geblieben. Tagesbericht. Der Raubüberfall auf dem WählZrlgergürtel. Wie berichtet, haben am 15. d. M. um die Mittagsstunde in der Wohnung des Kaufmannes Jakob I z r a e l, XVUl., Währingergürtrl 154, zwei Männer, die sich fälschlich für Kriminalbeamte auSgabm, die allein anwesende Hausgehilfin Therese Fanninger überfallen, gefesselt nnd geknebelt und mit Revolver und Dolch bedroht. Sie sprengtm mit einem Stemmeisen die Kaste» auf und raubten aus einem Klciberkasten eine angeschraubte Kassette. Wie nunmehr festgestelll ist, hat die Kassette enthalten außer dem Britlaiitanhänger in Form einer symetnschen Schuhsohle mtt Platin, v»er Geburtsscheine auf Jakob, Emma Alfons und Slize Äzrael, zwec HeiMatscheine auf Jakob und Emma J<rüel, BersichttungSpolizzen, und zwar zwei der Wren r Lebensversicherung auf Jatob Jzrael, eine der VersicherungsgeseUschaft Concorvia in Reichenberg, eine des Glselavereities auf Alfons Jzrael, dann & 6000 bis K 7000 Bargeld» Liste» goldenen Ehering mit drei Brillanten, eine silber»e Remontoiruhr mir DoppclMantel und Spriiigdcckel mit Blumenmuster, eine filbernt.Herrenürmbanduhrin Bicreckfornr mit Ledertiemen, ein goldenes Medaillon mit Bild, einm dolchartigen Brieföffner mit der der gemalten deutschen Flagge auf dem Griff und eine Sichrer Browumgi istole von 6'/, mm Kalibei. Aus erbrochenen Kasten stahlen die Täter einen Reisepaß auf Salomon Jzrael und eine schwarzlecerne vierfächrige Brieitasclie Mit etwa £ 3000 Bargeld. Der Gesamtwert der Beute beträgt K 200.000.

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