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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-18 · Heft 889 (18.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 889 (18.7.1921)
Date
1921-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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In der heute ab- | gehaltenen ersten Sitzung der gemischten Abrüstungskommission desBölk erb und es, an derffämtliche Mitglieder der Kommission teilnahmen, gab D i v i a n i! der den Vorsitz führte, der Hoffnung Ausdruck, daß d Kpmmisfion zu für den Obersten Rat sehr brauchbare Lösungen kommen werde. Die Frage der Abrüstung in i der ganzen Welt werde nur durch eine Konferenz der 1 internationalen Bereinigungen entschieden werden, in deren Schoß die allgemeine Auffassung der Welt über die AbrüstnngSsrage niedergelegt werden soll, ohne daß die Delegierten durch zu sehr eingeschränkte Weisungen daran gehindert würden, Lösungen allgemeiner Art, die vorgeschlagen werden sollten, zuzustimmen. Biviani verwies sodann auf die Initiative des Präsidenten Harbing in der Abrüstungsfrage und erklärte, er sei nicht überrascht gewesen, daß das Oberhaupt der großen und edlen amerikanischen Nation diese Initiative, der sich Redner mit Freuden änschließe, ergriffen habe. Die Frage der Abrüstung sei besonders verwickelt, beikel und schwierig, sie begegne auf moralischem Gebiet dm Traditionen, aus wirtschaftlichem Gebiet unvorhergesehenen Schwierigkeiten. Um dieses verwickelte Problem zu lösen, habe der Oberste Rat im internationalen Sinne freie Delegierte berufen, die nicht an Probleme nationaler Art herantreten, sondern die Gesamtheit der internationalen Diskussion, sowiesie sich dm Augen freier. Männer darbietet, in Betracht ziehen sollen. Biviani schloß mit dem Appell, eme' definitive Lösung dieser Frage, die die ganze Welt Herbeisehne, vorzubereiten. Fischer (Großbritannien) schloß sich den Aus- Führungen Vivianis an. Die hochherzige Initiative Amerikas preisend, verwies er darauf, daß der Völkerbund mit Freudm alle Konferenzen sehen müffe, die zu dem Zwecke abgehalten werden, um durch sukzessive Lösungen zu einer allgemeinen Regelung des Abrüstungsptoblem's zu gelangen. ES sei zu hoffen, daß die Frage einer Begrenzung der Rüstungen zur See in Washington werde gelöst werden. Was die Rüstungen zu Lande betreffe, sei eS ratsam» vorsichtig zu sein, solange Deutschland und Rußland außerhalb des Völkerbundes stehen und man sich der Loyalität Deutschlands nicht vergewissert habe. S chanz er (Italien) äußerte sich ähnlich wie Fljher. Sodann beschloß die Kommission, das allgemeine. Studium der Abrüstung zu beginnen und Unterkommissionen einzusetzen. die sich mit den einzelnen Punkten der Frage zu befassen haben. Nächste Sitzung morgen. Paris, 17. Juli. (Havas). In ger heutigen Sitzung jgr Kommission des Völkerbundes zur Prüfung der AbrufmngSfrage befaßte sich der Generalsekretär des Allgemeinen Arbeiterverbandes I o u h a u x mit den^ gestern von Fisher und Schanzer gemachten Vorschlägen. Nachdem er an hen Enthusiasmus erinnert hatte, den die arbeitenden Klaffen früher für den Völlerbund gezeigt hatten, wies er aus die skeptische Auffassung der Arbeiter bezüglich der greifbaren Ergebnisse hin, die der Völkerbund erzielm könne. In Angelegenheit der Frage der praktischen Lösungen empfahl Jouhaux die Bildung einer Kommission, die zu beauftragen wäre, einen Zusatz zu dem Pakte auSzuarbeiten, der eine Kontrolle der unter den einzelnen Mitgliedern des Völkerbundes; aiDgetauschtey militärischen Na chrich ten gestatten würde. Er wandte sich dann gegen den Einfluß der privaten Interessenten, besonders in der Frage der privaten Waffenerzeugung und erklärte, er sei für die Bildung eines Unterausschußes, der diese Frage zu prüfen und der Versammlung einen Bericht vorzulegen hätte, damit sie zu einer internationalen Vereinbarung über die Kvutrokl^ und die Beschränkung der Privaten Waffenerzeugung gelange, Znw Schluffe faßte er seine AnsMruugm dahin Mmmen, daß es nicht am HlM ly, w der AdrüÜMaS-, frage einzelne Lösungen anzuwend^n, die von dem guten Willen eines jeden Staates abhängig wären; man müßte vielmehr durch Vermittlung des Völkerbundes die einzig mögliche wirksame Lösung suchen, nämlich die internationale Lösung. Es entspann sich hierauf eine allgemeine Debatte, an der auch Fisher und Schanzer teilnahmen. Paris, 17, Juli. (Wolfs.) General Weigand erklärte in einem Interview, durch die vom Präsidenten Hardintz einberufene Konferenz sollten mehr.die den Stillen Ozean betreffende Fragen gelöst, als ein allgemeiner Abrüstungsplan ausgestellt werden. Frankreich werde niemals ab rüsten,, bevor Deutschland nicht endgültig und tatsächlich entwaffnet sei. Die ehemaligen Feinde Frankreichs seien mehr als je entschlossen, sich ihre Revanche zu hole^n, sobald .es gelungen sei, die alliierte Kontrolle abznschütteln. Man müßte blind sein, um den militaristischen Geist nicht zu bemerken, der jenseits des Rheins die Oberhand habe. Wenn im Jahre 1914 .zwischen den drei großen Mächten Amerika, England und Frankreich ein Garantieabkommen bestanden hätte, wäre der Krieg vielleicht vermieden worden. Trotz eines Garantieabkommens aber würde'Frankreich allein den Stoß eines neuen Angriffes auszuhalten haben. Paris, 17. Juli. (Wolfs.) „Chicago Tribüne" meldet aus W a s h i n g t o n, es sei so gut wie entschieden, daß der 1. November als Zeitpunkt für.die Eröffnung der, Abrüstungskonferenz gewählt werden wird. Eine französische Note wegen Oberschlesien. Ueverreichung in Bert,«. Berki«) 17. Juli (Wolfs.) Gestern nachmittags eröffnete der französische Botschafter dem,Außenminister Dr. Rosen, daß bei der französischen Regierung nach den sehr bestimmten und. eingehenden Berichten des Generals Le Rond und den dringenden Mitteilungen der polnischen Regierung keine Zweifel bestünden über den infolge des Verhaltens der Deutschen immer drohender werdenden Charakter ' der Lage in Oberschlesien und über die Gefabr einer gewaltsamen Aktion in Oberschlesien. Er stellte die folgenden Forderungen: 1. Es wird von Deutschland jede notwendige Maßregel verlangt, um. die Selbstschutz- und Freikorps- Organisationen zu entwaffnen, aufzulösen und von der Grenze Oberschlesiens zu entfernen; 2. Deutschland wird aufcjeforbcrt, alle notwendigen Maßregeln zu treffen, damit die Entscheidung der alliierten Mächte über die Ausführung .des Friedensvertrages in Oberschlesien keinen Widerstand findet; 3. Deutschland hat alle Maßregeln zu treffen für eine schnelle Heranschaffung von französischen Verstärkungen, die eventuell nach Oberschlesien gesendet werden sollen. Frankreich beabsichtigt eine Division nach Oberschlesien zu entsenden. Der Außenminister hat sofort mit großem Nachdrucke darauf aufmerksam gemacht, daß schon seit Wochen und besonders seit der sogenannten Sauberungsaktion noch viel ^schärfere Klagen täglich und stündlich von deutscher Seite wegen Oberschlesien erhoben werden. Er hat den französischen Botschafter auch daran erinnert, daß er schon zu Beginn der Säubernngsaktion die Zweifel des deutschen Kabinetts an ihrer ^.Wirksamkeit unzweideutig zum Ausdrucke gebracht uitff dessen Ueberzeügung ausgesprochen habe, daß die polnischen Insurgenten nur äußerlich entwaffnet sind, in Wirklichkeit aber im Lande verbleiben und dort ihre terroristische Tätigkeit weiter ausüben werden. Am 7. Juli habe der Außenminister dem französischen Botschafter durch einen Kattowitzer Großindustriellen Mitteilungen machen lassen, aus denen die Richtigkeit dieser Voraussage hervorgehe. Nach diesen vorläufigen Erwiderungen behielt fich der Außenminister di« «chMige AWLLiMeM dMlchxp RegieriW vor. Die Läge in Palästina. Der Redakteur des „K u n 111 s" und Führer des palästinensischen „Achduth-Haawiodah", B. KatzNelson, gab dem' Triester Korrespondenten der Jüdischen Preßzentrale Zürich das folgende Bild über die. derzeitige Lage in Palästinas Die arabische Urbevölkerung Palästinas hätte aus eigenem Antriebe nie-mals Judenmassakers veranstaltet, wenn nicht Seichboten der sogenairnten europäischen Zivilisation sie eifrig dazu angespornt und zu diesem Zwecke mit Geld und Waff e n versehen hätten. Dazu kommen noch Konspirationen der höheren militärischen Kreise gegen die Person Samuels und die Politik der Balfour-Deklaration. Eine ganze Clique von hohen Beamten, die dem Zionismus feindlich gesinnt sind, hetzt ununterbrochen die arabische Bevölkerung, die dank ihrem gesunden Lebensinstinkt die jüdische Einwanderung nach Palästina als eine Notwendigkeit betrachtet. Auch die Polizei setzt sich hauptsächlich aus arabischem Pöbel und unzuverlässigen englischen Bramter zusammen. Dazu kommt noch die reaktionäre, ultrachauvinistische französische Politik, die in ihren Händen die gesamte syrische Presse konzentriert hat und systematisch antisemitische Propaganda treibt. Auch die k a t h v l i s ch « n M i s s i o n ä r e haben, ganz besonders in der -Zeit des Jasfaer Pogroms, einegiftige Agitation geführt. Der palästinensische Nuntius hat vor zahlreichen Arabern hetzerische Reden gegen die Inden gehalten und den arabischen Pöbel gegen, das jüdische Volk aüfgehetzt. Derselbe N um t V n 3.J&iatsher. Me-, f r e i u n'g d e r Mör d e r interveniert, die tatsächlich bald auf freien Fuß gesetzt wurden. Bei der ganzen Affäre ist.auch nicht der große Einfluß der Kemalisten außer Acht zu lassen. So wurde während der Schreckenstage das Bi'ld Mustapha Kemal Pa schas, des Verbündeten der russischen Bolschewiken, in den Straßen Jaffas" und Jerusalems öffentlich verkauft. Trotz dieses indirekten Zusammengehens mit den russischen Bolschewiken wurde der falsche Vorwurf erhoben, daß jüdische Bolschewiken zum Blutbade Anlaß gegeben hätten^ Ein Großteil der Schuld an den traurigen Ereignissen trifft die feile arabische Presse. So hat das in Haifa erscheinende arabische Organ „Palestinv" (inzwischen von der Zensur verboten) noch am 21. April das B lu tb a d a ngekü nd i g t und in einem Leitartikel geirau den ganzen Plan entworfen. Die Judenheit im Galuth ist also-in bezug auf die Ursachen des Pogroms absichtlich irregeführt worden. Die Taktik der Regierung während und nach den Pogronren war äußerst unglücklich. Arrtise.mitische Beamte der Regierung haben keine Mühe ' gescheut, um die Baffonr-Dcklaration a priori zu diskreditieren und ihre Realisierung zu verunmöglichen. Die in London gegründete militärische Liga steht in ständigem Kontakt mit der judenfeindlichen arabischen Presse und hat viele Wortffch rer nach Palästina entsandt. Ein großer Teil der Bezirksbeamten wie auchs der höhevsn Regierungsfunktionäre läßt sich Vom Geiste dieser Liga beeinflussen. Die Herren Storrs u. Co. halten in Jerusalem die Regierung in ihrer Gewalt und haben Samuel geradezu gezwungen, mit dem Haifaer Kongreß zu rechnen und dessen sinnlose Forderungen ernst zu nehmen. .Einige Efendis, die aus krämerischeni Eigennutz die jüdische Kolonisation scheel ansehen, haben auf echt orientalische Weise dieftn Aufruhr angezettelt und den. Judenhatz zur höllischen Flamnie oufflackern lassen und die Regierung, die in Gesang enschaft der Generale Storrs, Boss und Konsorten sich befindet, wagt nicht, die Verbrecher zur Verantwortung 'zu ziehen. . A- Noch viel mehr als der Pogrom hat die Sistierung der-Einwanderung die Judenheit Palästinas aufgebracht. Eine größere Sch aride für unsere nationale Würde ist überhaupt undenkbar. Hätten wir bloß 10.000 solcher jungen Helden, wie diejenigen, die Petach-Tikway, Rechoboth, Chedera und Tel Chai beschirmten, so wäre hie politische Konjunktur in Erez Israel eine ganz andere. Das Einwanderungsverbot wie auch die Rede Samuels vom 3. Juni zeigen aber klar und deutlich, daß eine' Regierung, die von einer antizionistischen Administration beeinflußt wird und sich auf eine jeiie W. Aals-'U*

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