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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-17 · Heft 888 (17.7.1921) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 888 (17.7.1921)
Date
1921-07-17
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 888 Men, Sonntag Wiener Morgenzettüng 47. Mi ISA. * Die arme« Philatelisten. Seil der Beendigung des de§ Weltkrieges geht «'s allenthalben knapp zu. Nur in einem Punkte leistet die Menschheit sich einen Luxus, wie er bisher noch nicht dagewesen ist: in der Herausgabe neuer Briefmarken. Allem in den acht Monaten vom 1. Otober 1920 bis 31. Mai 1921 sind unge ähr 19.000 neue Marken bekannt geworden, ohne Berüchfichtigung der Abarten. * Oesterreich seuchenfrei! In der Woche vom 3. bis 9. d. M. ist im Volksgesundheitsamte im Bunbesministermm für soziale Verwaltung wkdrr eine Neuerkrankung an Blattern noch eine solche an Flecktyphus angemeldet worden. * Helft den jüdischen Tuberkulose«! Man schreibt uns: In der Tuberkulosenheilstätte A l l and bestndet sich ein jüdischer Tempelverem, der sich zur Aufgabe gemacht hat. mittellosen, kranken» jüdischen Patienten bei einer von den Anstaltsärzten als unumgänglich notwendig befundenen Kurverlängerung die Kosten, respektive dieVerpflegsgebühren, die sich derzeit auf K 120 täglich belaufen, zu bestreiten. Der Verein, dessen svärliche Mittel größtenteils aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden wohlhabenderer Patienten streßen, wurde in letzter Zeit leider durch stärkere Frequenz mittelloser jüdischer Patienten derart in Anspruch genommen, daß seine Mittel gänzlich erschöpft sind, gerade in einem Augenblick, wo der Verein wirklich drinaende Hilfe leisten sollte. Die Heilanstalt wird am 15. -August d. I. zwecks Renovierung aus mindestens acht Wochen gänzlich gesperrt, wodurch viele jüdische Patienten wieder vor eine sehr traurige Zukunft gestellt werden. Einige bettlägerige Patienten haben nicht einmal bte nötigen Reiscspeien und sind nicht in der Lage, für die nächsten Tage außerhalb der Anstalt ihren Lebensunterhalt finden m können. Der Verein, der in der Lage wäre, die schwersten Fälle in der nächsten Umgebung der Heilanstalt bis zur ^Wiedereröffnung der Anstalt unlerzubringen, appelliert an die jüdische Oeffenllichkeit, seme Bestrebungen nach Kräften zu unterstützen. (Unsere Administration ist bereit, Spenden entgegenjunehmen.) * Absturz fit den Alpen. Aus Berlin wird aemeldetr Vom Solsteinarab stürzte der Asststen arzt von der Innsbrucker Ohrenklinik Dr. Peter A i ch n e r infolge Versagens der Kräfte ab und blieb zerschmettert liegen. 9 Der Kampf gegen den Mädchenhandel. Zu dem längst in Gent abgehalteren internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Frauen- und Kmderhondels wird der „Neuen Zürcher Zeitung" ergänzend geschrieben: Im Laufe der Konferenz ist festgestellt worden, daß es nach der Auffassung der Mehrheit der Konareßteilnehmer sehr wünschenswert wäre, wenn die öffentlichen Häuser in allen Ländern verboten werden, wie es schon in einer Anzahl von Staaten, dir m Geys vertreten waren, der Fall ist. Nach, einer Erklmimg des holländischen Delegierten de Graaf hat eine in den öffentliche Häutern von Amsterdam durchgeführte Untersuchung die Anwesenheit von siebenundsiebzig minderjährigen ausländischen Mädchen ergeben. In einem dieser Häuser fand man ferner ein gedrucktes Berzeichn l s mit den Adreffen aller »Lieferanten" in Europa und auch aller Häuser, wo diese ihre „menschliche Ware" anbringen konnten. Die Konferenz legte auch besondern Wert daraus, daß diefarbigen Frauen den gleichen Schutz nre ihre weißen Schwestern genießen sollen, und daß dieser ganz besonders in den Kolonien und Protektora'sgebleten ausgebaut und verstärkt werde. Der Antrag auf radikale Unierdrückung der öffentlichen Häuser!and Nicht die erfordeiliche Dreiviertelmehrheit. Für den Vorschlag waren siebzehn gegen elf Stimmen. * Für das ukrainisch-jüdische Hilfswerk. Die Wawel Speditions- und Transportgesellschaft m. b. H. in Wien hat dem Hilfskomitee für bte ukrainisch-jüdischen Pogromopfer mitgeteilt, daß sie bereit ist. den gesamten, mehrere große Kisten umfaffenden Transport der in Wien gesammelten Bekleidungsgegeustande unentgeltlich und vollkommen gebührenfrei nach Wolhynien zu befördern. Außerdem übermittelt die Wawel außer den privaten Spenden ihrer Direktoren eine Geldspende mt Betrage von K 5000. Für diese niumst ente Handlungsweise der Wamel hat das Hilfskomitee der Gesellschaft den verbindlichsten Dank ausgesprochen. * Die Lohnbewegung in den fleischvcravbeitenden Betrieben. Die, Lohnbewegung in den fleischverarbeitenden Betrüben in Wien ist abgeschlossen. Die Unternehmer haben eine 20- bis 35°/oiae Lohnerböhung zugestanden. Eine am Sonntag in Mariahilf stattfindende Versammlung wird entscheiden, ob die Zugeständnisse der Unternehmer angenommen werden. * Wiener Kinde» nach San Pelagio. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, mit der Neubesiedlung der Kinderpstegeanstalt von San Pelaqio durch die Gemeinde Wien wieder zu beginnen. In den Ausemandersetzungen über die Besitzverhältnisse von San Pelag'v ist die italienische Regierung der Gemeinde Wien in ganz besonderer Weise entgkgengekommcn und hat >n Ansehung deS rein charitativen Cchmalters dieser Anstalt sie der Geme'nde z u r ü ck g e g c b c tt. Die große Schwierigkeit der Neubestellung bestand vor allem darin», daß bei der Valutadiffereuz zwischen dem italienischen und dem österreichischen Geld rin direkter Betrieb auf Kosten der Gemeinde ausgeschloffen ist. Dn'ch die hochherzige Spendedes American Joint Distribution Committee, das den ausführenden Stadtrat Professor Tandler zum Zwecke der Inbetriebsetzung der Anstalt K 300.000 zur Verfügung gestellt bat. war wenigstens der Anfang zur Reaktivierung von San Pelagio gemacht. Eine genaue ärztliche Untersuchung und eme genaue soziale liebe» Prüfung hat jene 40 Kinder ausgewählt, die berriis gester Wien verlassen haben, um in San Pelagio Heilung zu finden. * Eine Erklärung Albrechts. Aus Budapest, wird uns berichtet: In der Verhandlung der Angelegenheit des Abgeordneten Edmund B e n i c z k yi im Immunitätsausschuß kam ein Brief des Erzherzogs Albrecht (dem vachgesagt wird, er wolle die Tochter HorthS heiraten und aus den Thron Anspruch erheben) zur Verlesung, tn welchem er ansführt: „Am Schluffe meiner vorgestrigen Aussage, in welchem ich mich über die Anerlenung Sr. Majestät des Königs und Familienoberhauptes äußerte, ist der Passus ansgeblieben, „daß ich ,Se. Majestät, den gekrönten apostolischen König, der für mich gleichzeitifl auch das oberste Familienhaupt ist, unbedingt anerkenne." Durch diese meine Anerkennung hoffe icö, ein für allemal allen jenen Voraussetzungen, die in' der jüngsten Zeit fortwährend ausgetaucht sind, ein Ende zu bereiten." * Raketenexplosion. Aus Mainz wird gemeldet: Bei der Feier des trau zosischenNationaltages durch dre französischen Besatzungstrupveu fiel eme a b geschossene Rakete auf das der französischen Rheinflotte gehörende Schiff „Weinstein" und verursachte eine Explosion von etwa 200 dort lagernden Raketen. Laut „Echo de Rhin" wurden dabei lOfranzöiische Soldaten sowie ein Offizier schwer verletzt. Auf dem Schiff brach Feuer aus, daß mdcffen bald gelöscht werden konnte. Mehrere Verwundete sprangen in den Rhcin, wurden aber gerettet. * Der japanische Kronprinz beim Papst. Aus Rom wird gemeldet: Der Papst empfing den japamzchen Kronprinzen, der vom Prinzen KainSarto begleitet war Der Papst W» Lr-EuüvL-lüuschteu MMeuke. aus. * Prinz Geor« Karageorgievie in Belgrad. Das hiesige kommunistische Blatt veröffentlicht heute eine Privatdepesche aus Belgrad, die berichtet, daß der ehemalige Kronprinz Georg vonSerbien vorgestern in der Domkirche «n Belgrad in voller Parade während des Hochamtes erschienen sei. welches anläßlich deS Geburtstages seines Vaters stattiand. Dieses plötzliche Erscheinen Georgs habe in Belgrad riesiges Aussehen erregt. Ueber das Erscheinen des Prinzen sei den Zeitungen verboten worden, zu berichten. (Prmz Gevlg mußte nach der Annexionsknse :m Jahre 1909 auf Verlangen O^sterre ch-Ungarns die Thronfolgerschaft meberlegen und hat seit damals Belgrad gemieden.) * Jüdische Bolksbibliotbek Zion. Wien TI,, Glockengaffe 30. Heute Sonntaa den l7. Juli, findet im großen Garten uno in den Sälen des Restaurants „Zur Prater fee", H., Hauptallee 5 (zwischen I. und II. Kaffeehaus), ein großes Gartenfest statt. An'chließend Tanz. Mitwirken!» bekannte jüdische Kunstkräfte. Für Belustigungen ist bestens gesorgt. Juxpost, Schon-- heltskonkmrenzen, Tovibola-Confettt-Schach'eln. Glücksrad, Graphologisches Deuten, Amerikanische Lizitation, Tanzpreise irsw. Beginn 3 Uhr. Ende 1 Uhr nachts. Entree im Vorverkauf K 20, an der Kaffe K30. Karten sind zu haben: Jüdische Volksbibliothck Zion, Wien H., Glockengüsse 30 und bei den Komiteemitglieder. Mitglieder haben 50'/» Ermäßigung. Um zahlreichen Besuch bitter die Vereinsleitung. * Theoretischer und praktischer elektrotechnischer Kurs. Das Geweibeförderungsamt des Jüdischen Nationalrates veranstaltet einen zehnmonatigenelektrotechnis ch e n K u r s, der sowohl theoretische Vorlesungen als auch praktische Uebunaen im Versuchsraum und in der Jnstallationstechnck sowie Exkursionen umfassen wird. Der Kurs beginnt am 15. S ep t e m b e r. Anmeldungen werden im Arbeitsnachweis. Wien, H., T a b o r st r a ß e 59, täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags mtgrgengenommen. * WaS sagen Sie Herr Müller» nnfer Kollege Schlanmayer meldet sich in letzter Zeit auffallend oft krank, glauben Sre wirklich, daß er das B?rt hütet? Und ob! Er hütet sein Bett wie se nen Augapfil, so wohl fühlt er sich darin, seit er es von der Firma S a m e k. Ml., Lerchenfetderstraße 30, kaufte. * Alleinvertrieb für einzelne Bezirke vergibt für die Patent - Schirbtrnhe, Marke „Kawafag", die Klosterneuburger Wagenfabrcks-Gesellschaft m. b. H. Näheres siehe Inserat. * Achtung, Ausländer! Die Firma Dukes; & Paschkusz, Wien, I., Bauernmarkt24, hat preiswert abzugeben: Große Posten Manikür- und Kammkaffeten, Bürsten, Stahlwaren, Parfümerien, Zigaretten- und Tabakdosen usw. * Wissen Sie schon das Neueste? Die Werkstätten für feine Herrengarderobe nach Maß der Firma Spitzer & Markus, II., Hollandstraße (früher Stephaniestraße) 1" (nächst Stephaniebrücke) verkanfen ihr Warenlager zu tief reduzierten P r e i t e n. * 5V Jahve Deka. Gelegentlich des Berichtes über das 60jährige Jubiläum der Deka-Schuhfabrik haben wir bereits erwähnt, welch große Zuwendungen die Firmeninhaber ihren Angestellten und Arbeitern sowie öffentlichen WohlrahrtSinstitutionrn gemacht haben. Nunmehr widmet die Fabrik B e ka aus Anlaß des Jubiläums auch dem einheimischen Publikum ein Präsent, indem 25 000 Paar erstklassige Goodyear-Welt (rahmengrnähte) Schuhe dm ch die Alleinverkäufer zu außergewöhnlich niedrigen „Jnbilänmsvrrisen" abgegeben werden. — Was ist ei« Beka-Schuk? Beka sind das Erzeugnis der Firma Brüder Klein, SchuhfabrikBe kam Mödling, der führenden Schuhfabrik Oesterreichs. Die Marke Beka ist ibr gesetzlich geschützt. Es ist eine durch Jahrzehnte erprobte Oualitätsmarke allerersten Ranges, kein Luxusschuh, sondern kurzweg der Mittelstandsstravazschuh. — Beka erzeugt infolge der modernsten, rationellsten Arbeitsweise und kraft seines besonderen Geschäftssystems Schube zu konkurrenzlosen Preisen., — Beka-Schuhe werden im Jnlande nur durch die Beka-Alleinverkauftsstelle» in Wien und der Provinz dire!t an Selbstverbraucher verkauft. Alle Beka-Schuhe tragen Derkaufspreisstempel. Auch die Alleinverkäufer begnützen sich «nt einem geringen Handelszuschlaae, denn sowohl Fabrik als auch Alleinverkäufer huldigen dem Grundsätze „Rascher Umsatz, kleiner Nutzen". DersiAsnachrichten. Jüdische Tischgesellschaft Landstraße. Dienstag, 19. d. M., 8 Uhr abends, Wiener Ring- Casö, l.» Stubenring (Souterrain). Gemütliche Zusammenkunft. Gäste willkommen. — ZionistischeSektionLandsiraße. Die für Dienstag 7*8 Uhr anberaumt gewesene Komiteesitzung findet Montag, 18. d. M-, «m 8 Uhr abends im Lokale 8er Sektion. Hl., Untere Braduktgaffe 13, statt. — Gesellschaft der Freunde (Quäker). Erste S vmmerschule in Mauer bet Wien. 22. bis 26. Juli. Thema: DieSiedlungsbewegung Regieb eitrag L 25 für alle fünf Tage. K 10 für einen einzelnen Tag. — H erzl- Grabgang. Donnerstag, den 21. d. M. im Lokale des Jüdischen Nationalfonds, wichtige Sitzung aller Nationvlfondskommiffäie. Tagesordnung: Jaar Austria und Herzl-Grob- S. Alle jüdischen NationalsondskommiffLre werden aus diesem . i ersucht, pünktlich und zuversichtlich zu erscheinen. Besondere Einladungen werden nicht verschickt. — I ü d i s ch e B o l! g» bibliothek Zion, It., Glockengasse 30. Die Komitee- Mitglieder versammeln sich um 3 Uhr nachmittags im Garten des Restaurants »Zur Praterfee", II„ Hauptallee 5. Die Ernährung. Der Marktbericht. Die abgelaufene Woche stand erfreulicherweise im Zeichen deS Preisabbaues. Es verbilligten fich im Demckverkauf Rindfleisch um & 10 (Preis K 140 bis K 220). Kalbfleisch um K 10 bis K 20 (K 160 bis K 240) per Kilogramm. Auch auf dem Gemüse- und Ostmarkt bewirkt die gute Be" schrckung ein Nachgeben der Preise. Namentlich Kartoffeln haben etite ansehnliche Breisreduktiou erfahren. Im Preis hoch bleibe» bloß Kirschen, Weichsel unv Marillen, dagegen find Pflaumen, Somme, äpfel, Birnen. Reineclauden und Kriecherl im Preis gefalle». Die Eierzufuhren sind gut. Margarineabgabe. Bom 17. bis 23. d. M. werden bei dm stadiischen Feltabgabestellen 12 dkg Margarine zum Preise von K 19.60 abgegeben. Organisierte Verbraucher erhalten 12 dkg Pflanzenfett zum Preise von K 18.90. Kleinhandelspreis für Nestlö Kindermehl. Der Magistrat hat den Kteinverschlelßpreis für Nestlä Kindermehl §er Dose zu 400 8 Nettogewichtsinhalt mit l< 38.20 für bas Vlener Gememdeaebret festgesetzt. Dieser Breis tritt iotork in Kratz. Ausgabe van Kondensmilch. Zur verbessenmg K Milchversorgung der Kinder in Wien werden im Anschluß an dH heute endigende Ausgabeperiode in der Zeit vom 17. bi- 80. b. M (231. unv 232. Woche) neuerdings an die Kinder vom vollendete» ersten bis zum vollendeten zweiten Lebmsjahr je drei Dosm und vom vollendeten zweiten bis zum vollendetm sechsten Lckmsjaht je eine Dose Kondensmilch ausgegeben. Zur Ausgabe gelangt ausschließlich gezuckerte Kondensmilch. Der Preis betragt ftk Minkestbemittelte und für die mit der Zusatzkarte für ArbtttAost Beteilten K 40, für die übrigen Bezugsberechtigte» K 60 per Dole. Die Abgabe der entfallende» Quote wird mittr de» gleichen Modalitäten wie bisher ersolgm. Bühne und Kunst. Wiener Bürgertheater. Wohl als Ersatz für die eingestellten Dollarpakete solle» wir im heurigen Sommer mit geistiger Nahrung mt Amerika gespeist werden. Um eS gleich zu sagen: die materielle war kräftiger. Sie hat unserem ausgehungerten Leibe in dev Tagen der Not manche Substanzen zugeführt, die in Oesterreich rar geworden waren. WaS uns aber Freitag abends an geistiger Kost im Bürgertheater verabreicht wurde, daS ist «nS hierzulande niemals ab gegangen, auch an dieser Bühne nicht. Don ihr herab vernimmt der Wiener Operettenfreund Winter für Winter so tiefsinnige Lebensweisheiten wie: „Junge Mädchen tanze» gern* und „Fein schmeckt uns der Wein". Auf derselbe« Höh« standen die Geistesblitze, - die aus dm Theatergewlttern deS drei», aktigm Dramas von Aswen Philipp - „Die Hölle von Borbalo*in den sommerlich schwüle« Zuschaucrraum niederzucktm. Man hörte da aphoristische Wendungen wie: „Die einen sitzen am grünen Tisch, die anderen wagen ihr Leben!" und beziehungsreiche Anspielungen wie: „Ich glaube, du ahnst nicht, waS noch kommen wird!* Diese. „Hölle" von Arven Philipps ist nicht die Hölle Dante-, a»S Nr es kein zu-.Ück gibt; nein aus der „Hölle von Borüalo* führt mehr als ein Weg zum — „Blaum Par ad ieS. . * Redeblüten wie: „Juwelen funkelten auf weißem Fleisch* schreien förmlich nach dem Schlagerkomponisten. UebrigenS wird gleich ,m ersten Akt wirklich getanzt, aber leider nicht lange, de» der Gatte der Tänzerin — sie tanzt natürlich mit einem andere» — tritt als Störenfried dazwischen. Doch haben sich während deS Walzers, so kurz er war, die zwei Herze« schon gefunden. Bedenkt man, wie viele komplette Tanzuummernein OperettenautorfürdenselbmEndeffek gebraucht hatte, dann bekommt man vor dem Verfasser^ des Dramas alle Achtung. Allerdings sind seine beide» Heldm» das Männlein wie das Weiblein, durch abnormale Derhättniste in einm wahren Heißhunger nach Leben und Liebe» verfehl^ worden, bis sie einander begegnen. E r arbeitet als Ingenieur in einem weltabgeschiedenen kaukasischen Silberbergwerk und sie lebt in derselbm freudlosen Einöde, deren Qual für sie noch verschärft ist durch die tyrannische Hut eines Gatten, den sie nicht liebt. Das letztere begreift man sofort beim erste» Auftreten diese» Gatten, deS Bergwerkdirektors. Denn er entpuppt sich als ei»' Mensch, zu deffen Umgangsformm eS gehört, den Leute» vielsagmd mit schweren Stühlen vor der Nase herumzusuchteln und durch heißeres Bellen Angst und Schrecken um sich zu verbreiten. Da « überdies hinkt, begreift man, daß er nicht der richtig Man» für eine fo charmante, junge, lebenslustige Frau ist .... AuS Eifersucht stellt er dem Ingenieur, dm er beim Tanzen mit seiner sonst ängstlich bewachtm Gattin ertapvt hat, die „ehrende* Aufgabe, eine Silbergrube, in der das Bohren wegm drohender Uebevflutung mit Wasser, das man schon ganz deutlich hinter d« Wand rauschen hört, lebensgefährlich ist, wieder flott zu machest. Der Ingenieur nimmt an. Der zweite Akt bringt die AuSeinanderfetznng zwischen den Leiden Gatten. Sie verläuft aber viel gllmpflicher als man befürchtet hat. Er bellt zwar wieder ei« paar Augenblicke unheimlich, aber bald wird eS offenkundig, daß Hunde, die belle», nicht Veißm. Er ist bereit, ihr zu verzeihen, und als sie das nicht rührt, stürzt er «it den „damonifchm*. Worten hinaus: „Leg' dich zu Bett und netze, dein Kiffm mit Tränen!*. Seine Entfernung brnüht der Jngmieur, mn die eingefädrlte Bekanntschaft mit der Frau seine- Chefs fortzusetzen. Mitten im zärtlichen Gespräch werdm aber di« beide» von dem zmückkehrenden Unglücksgatten Überrascht. Da er aber Gäste mitbringt, zwei Akfionäre» kommt er diesmal nicht einmal zum Bellen. Er stellt dm Herrm den Man» vor, der in ihrem Jntereffe sein Leben in der gefährlichen Grube aufs Spiel setzen will. Seine Gattin entsetzt sich über den drohenden Verlust ihres neugewonnenen Freundes und beschließt, diesen auf seinem TodeSgaug zu begleiten. Das geschieht im dritten Akt, das Publikum — auf der Bühne und im Znschauerraum erlebt bangt Minute» — da kommen die beiden unversehrt wieder auS der Grube heraus. WaS hinter der Wand gerauscht hatte, war kein gefährliches Sturzwaffer gewesen, sondern ein harmloser Ser. Und daS charakterisiert das ganze Stück. Man hört viel Getöse, aber mau findet nur Harmlosigkeiten dahinter. Da- Publikum hielt es irrtümlich mit den Derglmten, die da glaubtm, daß hinter so viel Lärm etwas Ernstes stecke» müsse, und applaudierte begeistert, zumal der grausliche Ehemann und damit das letzte Ehehindernis zwischen dem Liebespaar am Ende durch einen wohlgezielten Schuß beseitigt wurde. .. Der Beifall, für den der Spielleiter namens des Autors schon nach dem zweitm Akt dankte, war übrigens von der Darstellung reichlich verdient. Herr Ludwig H a r t a u war als der „Momo* des Stückes so dämonisch als in den Grenzm künstlerische« Ge" schmacks möglich war. Am besten wirkte ec, wenn er bellte; sowie man seine Worte verstand, fiel er ab, waS freilich nur die Schuld dieser Worte ist. Auf dasselbe Schuldkonto ist eS zu buchm, daß Frau M a r i e t t a E l l h, die entzückend aussah und spieüean diesem Abend das Schicksal fo mancher schönen Frau teilte: sie verlor, sobald sie zu sprechen begann. Auch die übrigm Darsteller hielten fich als Grubeningenieure und Bergleute sehr brav.' Es war nicht ihre Schuld, daß sie statt Silber uur — Dlvch »utaae forderte« ... ick. 8b.

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