Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 888 (17.7.1921)
- Date
- 1921-07-17
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener Morgenzettung /17.IM1921 KM IC * Im Auto durch die Sahara. Nachdem im vorigen -Jahre der Versuch französischer PolizriflugzeM, die Wüste Sahara zu überfliegen, mit einer Katastrophe geendet hatte,.ist es letzt französischen AutomobMen gelungen, die 1864 Merlen werte Strecke von Algier nach Tamanrasirt rn enirm Monat obne Motorschaden zurückzulegen. Vorher waren durch Lastamomobrle längs der Fahrtrichtung Benzin-und Nahmugsmittelstatronen angelegt worden. Die Vorderräder der Automobile trugen doppelte Luftreifen, um das Versacken der Wagen im Sande zu verhüten und um eine größere Elastizität bei den Fahrten über dre felsigen Teile der Strecke zu erzielen. Die Kamele sind also rn ihrer Alleinherrschaft Über die Wüste Sahara ernstlich bedroht. * Reisende Bibliotheken in Holland. Während der langen Winterwonate rn Holland werden seit Jahren von einer gemeinnützigen Vereinigung Bibliotheken nach den kleineren Ortschaften gesandt, die aus jeweils 100 ausgewählten populärwissenschaftlichen und schöngeistigen Werken sowie Jugendschriften bestehen. Zu Anfang wurden 25 solcher Ausleihevibliotben ver- §rndt; für diesen Herbst haben sich bereits 160 Gemeinden als Besteller eingezerchnet. * Maxim Gorki ruft um Hilfe. Aus Moskau wird berichtet: Maxim Gorki hat sich in einem Funkspruch an Auatole France gewendet, worin er alle Menschen, in denen die Greuel des Krieges noch nickt jedes Mitgefühl mit menschlichem Elend erstickt haben, anfleht, der Bevölkerung Südostrußlands, wo Hungersnot und Seuchen täglich Tackende hinraffen, mit Lebensmitteln und Arzneien zu Hilfe zu kommen. * Wirkungen des ueuen Einwanderungsgesetzes i« Amerika. Aus Washington wird gemeldet, daß nach Ankunft der „Manretania" 23 Paffagirre I. Klaffe und 230 andere Paffagiere infolge der Bestimmungen des neuen Einwanderergesetzes keine Genehmigung zur E.nwanderung erhielten. Den englischen Paffagieren wurde «brr spät« gestattet, an Land z« gehen. * Verhaftung der Kommmttftt« Friedländer in VerUu. Nack Meldungen ans Berlin wurde die Wiener Kommunistin Else Elfriedr Friedländer dort wegen ihrer agitatorischen Tätigkeit verhaftet und wird als lästige Auländerin landesverwresen werden. Elfriede Fiiedländer ist die Gattin des Wiener KommunistensÜbrers Dr. Paul Friedländer und hat hier nach dem Umsturz m den Aufängm der kommunistischen Bewegung eine große Rolle gespielt. * Thacham Dr. Gaster in Wien. Wie wir erfahren, ist Chacham Dr. M. G a st e r aus London ans seiner Durchreise in Wien eingelroffm. * Ausruf. Brr der Freitägigen Versammlung in den Rosensälen erzählte ein Unbekannter der zum Frauenkongreß hier erschienenen Frau Professor Rosa G e n o it t von dem traurigen Schicksal der Witwe eines österreichischen Soldaten, der an der italienischen Front füsiliert wurde, weil er sich geweigert hatte, zu schießen. Frau Genonr interessiert sich für die Witwe und ihre vier Kinder und ist cnrck bereit, eines der Kinder nach Italien mitzunchmen. Sie bittet, ihr die Adreffe der Frau bekannzugeben. Bis Dienstag ist sie im Hotel Union zu erreichen. Hernach ist ihre Adreffe: Mailand. Jialien, Via Kramer 6. * OftgaUziane^rrach Amerika. „Tbe National World" in Pittsburg meldet: Das neue Gesetz, betreffend die Einschränkung der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten, bestimmt, wie das EinwandermtgSbureau des Arbeitsdepartements in Washington verlautbart, daß in dem Zeitraum vom 1. d. M. bis 30. Juni 1922 5731 Emigranten aus Ostgalizien nach deü Vereinigten Staaten einwandern diftfen. Die betreffende Verordnung des Einwanderungsbureaus lautet: „Airs Polen und Oftgülizlen können 25.800, Einwanderer Melassen werden, wovon auf Polen 20.019 und auf O st g a l i z e n 5781 entfallen. * Hausierer Wiens! Wieder einmal droht den Hausierern gänzliche Erwerbslosigkeit und somit Not und Elend! Nur durch kräftige Abwehr kann es gelingen, dem Aeußersten vorzubrugen! Erscheinet daher in Massen zu der Montan, den 18. Jul 192 t, 5 Uhr nachmittags, im Restaurant Schönhof r, Prater, Zckahrisstraße,EckeAusstellungsssraße, üattsindenden Proteflversammlung. „Hausierervereinigung Oesterreichs." * Der neue Lohnfuhr«erkslarif. Mit einer Verordnung des Wiener Bürgermeisters werden die Tarifsätze für das Wiener Platzsuhrwerk auf das Sechzigfache der Friedenstaxe erhöht. * Dritte Kl ein garten ausstellung. Dom 6. bis 11. September findet im Rathause die dritte Kleingartenausstellung statt. Die Schrebergärtner werden ausgefordert, sich recht zahlreich an der Ausstellung zu beteiligen. Auskünfte in der Kleingartenstelle, I., Parkring 8. M 888 * Die Köpenickiade» einer falschen Kommission» Seit geraumer Zeit trieben in Wien zwei Gauner ihr Unwesen, die mit verteilten Rollen arbeiteken. Die Handlung bestand in zwei Akten. Zuerst kam in irgend ein Geschäft ein etwa 30jähriger Mann, der sich als Amtsperson aufspielte und eine Revision vornahm. Er machte sich Notizen, bemängelte dies und das und fand immer etwas auszusetzen, was gegen irgendeine Verordnung verstieße. Er entfernte sich mit dem Bemerken, daß er einiges beanständet habe und daß daS weitere folgen werde. E nige Tage d»nack kam ein Mann von zirka 50 Jahren und stellte sich als „Finanzkommiffär" vor, der nun auf Grund der „amtlichen Revision" komme; der Geschäftsmairn sei zu der und der Geldstrafe verurteilt und er fei beauftragt, sie einzuheben. In mehreren Fällen zahlten die Leute, hinterher stellte sich über heraus, dass sie Schwindlern aufgejesfen sind. Sowohl der „Beamte", der die Revision vornahm, als auch der Steueckommissär .waren Gauner. Das Polizrikommissariat Meidling hat nun den falschen Finanzkommrssär verhaftet. Er ist der 47jährige Privarbeamte Karl Lenz. Mit Vorliebe haben die beiden Gauner Brantttweinschä»keü ausgesucht und dort „revidiert". * Grotzer Sommerverkauf Lei Gerngrotz. Die neueste Mode'chöpfung in Seide ist Cr ipe^maiocaine, eingetroffen m allen modernen Farbennuancen. Seidenfoulards, bedruckt^ in großer Auswahl, 90 em breit, per Meter aufwärts von K 590. Hunderte Reste für Blusen und Kleider in reizenden Dessins und Farben, äußerst billig! Sehr preiswerte Waschstofse: Zevhrre K 66, bedruckte Foulard-BatisteL 75, beste Dirndlst o k f e K 125, Qualitäts-Blaudruck, 80 cm breit, K 128. Sonrmer-SchnürlpiquSL 155. Raynö- B a t r st e für Kleider und Blusen K158 per Meter. Trikot- Badeanzüge für Damen und Herten K 888. Elegante Damrn-Badeanzüge aufwärts von L 676. Amerikanische G u m m i - B a d e h a u b e n K 245. 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Theodor Herzl siegte. 17 Jahre nach seinem Tod bestimmten in San Remo die Großmächte Palästina zur Völkischen Heimstätte für Juda. Kein Ding ist dies, das „nur" Juden kümmern mag! Hart trifft die Jnderrfrage auch die Völker, in deren Mitte Juden in größerer Menge weilen. Judenhaß ist oft nur der Iudennot eine Seite. Die jüdische Heimstätte, in der wir endlich eigenem Gesetz und dem Geist unserer Kultur leben können, endet nicht nur die Not des Heimkehrenden: Sie hilft auch jenen Söhnen Israels, die dort bleiben wollen, wo ste ihre Heimat fanden. Sie hilft Europa. Noch aber kann Erez Israel nicht die Zahllosen empfangen, die heimkehren wollen. Wüst und verkarstet ist das Heilige Land. Tausendjährige Mißwirtschaft fremder Eroberer verschloß den Schoß Kanaans. Wald und Waffer verschwand, als nicht Israels Liebe seine« Boden betreute. Soll nun das Land den Hunderttausenden Brot geben, die aus den Ländern des Pogroms keinen Weg wissen, als nach Zion; die an Gräbern erschlagener Brüder und verhungerter Kinder nichts anderes hoffen, als einst auf Judas Scholle in Ruhe zu leben — soll Erez Israel ihnen, denen alle Grenzen geschloffen find, offen werden, so mutz es erst gesund und fruchtbar sein, wie einst.. Ein Viertel des Landes müssen Wälder decken. (Wald hält sonst schnell versickerndes Waffer im Boden nnd zieht Feuchtigkeit aus versumpftem Erdreich; sein Schatten macht heißes Land kühl; der Bäume Holz ist größter Reichtum eines Landes. Pflanzung von Wäldern gibt Tausenden Arbeit.) Wer mithilft, Erez Israel a usz u f o r ste n, hilft das jüdische Heim zu kauen, hilft Inden ans Pogrowhöllen zu befreien. Der Jüdisch e Nation also nds ward bestimmt, „den Boden Palästinas als «nveränßerllches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben." Unveräußerlich — den« nicht Eigenbesitzer« wird er überlassen, sondern nnr Erbpächtern» die Diener des Volkes bleiben. Nicht kahle Scholle aber wird der Rationalfonds den Helmkehrende« geben: Oedland soll schattig, Karst fruchtbar werden. Bedeutende Snmme» fordert solche Aufforstung. Eine« Teil dieser Koste« soll das Judentum Oesterreichs tragen. Am See Genezareth, ans de« Steilhängem seines Ufers soll ein Wald von 300.00« Bäumen erstehen: ei« „Wald Oesterreich“ — „Jaar Austria“. Wer diesen „Wald Oesterreich" — lebendes Denkmal Oesterreichs und Denkmal Theodor Herzls, der hier lebte und wirkte — in Palästina erstehe« lassen will, spende wenigstens IVO Kronen zur Pflanzung je eines Banmes. TDDDDTTTDT Helfet den ewig Verfolgte«, «»« Land zu Land Gehetzte«, eine Heimstätte z« geben. Gebe jeder nach seinen Kräften S p « « d e t f ü r de« „I a a r A « ft r i a"! Spendet für den Jüdischen Nationalfomds! Jüdischer National fonds (Haaptstelle für Oesterreich) II.. Zirkuggasse 33