Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 888 (17.7.1921)
- Date
- 1921-07-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ffflST” /Wien.' Sonntaff 1S ,' — — - -— In jedem jüdischen Hause Hegt auf: NAHUM SOKOLOW nu Geschichte des Zionismus IllüffplOVt Interterritorialer Verlag »RENAISSANCE* Hniingfp 7nj( II1081 llBll Wien, DL, Sehnit Strasnltzklgaise 13 «vllvslv LvH Verlanget in allen Buchhandlungen Das Generalpfandrecht. Wie verlautet, hat die neue italienische Regierung rm Prinzip der Suspendierung des Generalpfandrechtes in Oesterreich für 20 Jahre zu ge stimmt. Amerika hat die Anfrage des Völkerbundes noch nicht beantwortet. Die österreichisch-italienische Grenze. Innsbruck, 16. Juli. Der internationale Grenzregelungsglisschuß für die österreichisch-italienische Grenze, der zuletzt in Kärnten an der Grenze bei Thvrl arbeiteie. hat gegenwärtig fernen Sitz nach Bozen verlegt. Im allgemeinen ist der Zug der Tiroler Grenze theoretisch bereits festgestellt und an der trigonometrischen Vermessung wird gegenwärtig von zahlreichen Uuterlommissionen auf das eifrigste gearbeitet. Die amerikanische Handelsmission in Mitteleuropa. Berlin, 16. Juli. (Privat.) Die amerikanischen Handels' kammervertreter smd heute nach Prag und Wien weitergereist. Sie werden voraussichtlich nächsten Montag noch einmal nach Berlin zurückkehren. In Berlin haben zugleich Besprechungen zwischen den Amerikanern und hervorragenden Vertretern der deutschen Industrie-, Bank- und Handelswelt stattgefunden. Die Konferenz der Sukzessionsstaate« in Rom. Neue Tagung anfangs Oktober. Prag, 16. Juli. (Privat.) Die „Prager Presse" veröffentlicht einen Auszug aUs dem Bericht des! tschecho-slowakischen Gesandten in Rom, Dr. Kybal, über die römische Konferenz der Sükzessinsstaaten. Die in den römischen Verhandlungen abgeschlossenen Konventionen betreffen die Aufteilung der Archive, die Staatszugehörigkeit, das Uebereinkommen über die Fideikommisse, die Ruhegenüsse der Zivil- und Militärpersonen, die Uebernahme der Fonds von privaten' Versicherungsanstalten und' di« Konventionen über die Erhöhung der Doppelbesteuerung und die Verrechnung der nach dem Umsturz eingehobenen rückstäichigew Steuern aus früheren Jahren. Die noch' nicht erledigten Fragen werden auf der HerLfttagnng der Konferenz neuerliche den Gegenstand der Verhandlungen in Rom bilden, die von Anfang Oktober bis Weihnachten bauern sollen. Weil die allgemeine Diskussion über die noch' nicht erledigten Fragen schon durchgeführt worden ist, und der strittige Standunpkt den einzelnen Delegationen bekannt ist, läßt sich' hoffen,, daß man leichter zu einem Einvernehmen gelangen wird. ' 1 :! Internationale EisenbahnKonfereaz in Innsbruck. Innsbruck, 16, Juli. Gegenwärtig findet hier eine internationale Eisenbahnvonferenz zum Zwecke der Neuregelung der internationalen W atz v n - I n st r adierung statt, an der 30 Vertreter aller euvopäi-. schien Staaten teilnehmen. Telegramme. Freiheitsdichter und Gegenrevolutionär. Budapest, 16. Juli. (Uvg. Trl.-Korr.-Bm.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung verteidigt sich Abgeordneter Bndavary in pecsönlicher Sache gegen die ihm gemachten Vorwürfe wegen einer Ode an die Revolution, die er in den Novembertagen 1918 verfaßt hatte. Er erklärt, daß er in den ersten Revolutionstagen nicht den Ausbruch der Revolution, sondern bloß den Sturz des habsburgischen Regimes und der Staatsgemeinschaft mit Oesterreich begrüßt habe, später jedoch ein w e r k t ä t i g e r G e g e n r evolutionär wmde. Major Morris in Warschau. Warschau, 16. Juli. (Polnische Telegraphenagentur.) Der Direkior des Auswanderungsdepartements bei der palästinischen Regierung Major Morrisisthier emgrtroffen. Die Abrüstung. Paris, 16. Juli. (Funkspiuch.) Heute hat unter Vorsitz V i v i a n i s die Abrüstungskornmiision des Völkerbundes rhre erste Sitzung abgehalten, in der sie die ihr von der Versammlung .des Völkerbundes erteilte Aufgabe beriet, die Frage der Abrüstung vom allgemeinen Standpunkt aus zu studieren. Eine gefälschte Adresse. Berlin, 16. Juli. (Wolfs.) Wie das »Berliner Tageblatt* meldet, ist die von angeblich 150.000 Saarländern unterschriebene Adresie, die den Anschluß des Saargebietes an Frankreich gefordert hat und den Widerstand Wilsons gebrochen haben soll, wie der Leiter der französischen Propaganda im Saargebiet, Major Richert, jetzt offen zugegeben hat. ein p v l i 1 i s ch e r T r i ck und eine glatte Fälschung. _Wiener Morgenzeitung Tschechisch-polnische MUitSrKvnvention? Prag» 16. Juli. (Tel.-Komp.) Einige politische Blatter verbreiten die Vachricht, daß zwischen der Tschecho-Slowakei und Polen eine Militärkonvention in Vorbereitung stehe. In dieser Form entspricht die Meldung nicht den Tatsachen. Zunächst muß eine politische Einigung erfolgen, erst dann kann in Verhandlungen über de» Abschluß einer Militärkonvention eiugetttten werden. Die englisch-irischen Verhandlungen. Lvinldiohl, 16. Juli. (Funkspruch'.) Der Premierminister für Ulster, Sir James Cr arg, hat gestern mehrere Mitglieder des Ulsterkabinetts telephonisch nach London bestellt. Dies wird als «in günstiges Zeichen für den Verlauf der Verhandlungen mit den Sinn-» feinern ausgelegt. Die bisherigen Verhandlungen wurden zwischen de Valero und Lloyd George und Craig und Lloyd George geführt; es ist aber wahrscheinlich, daß am Montag eine Vollkonferenz stattfinden wird. Envrr Pascha in Deutschland »n- ' erwünscht. London, 16. Juli. (Privat.) Der Sophioter Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, daß E n v e r Pascha nach Moskau zurückgekehlt ist. Er beabsichtigte ursprünglich, Berlin noch einmal zu besuchen, hat aber von der deutschen Regierung einen ablehnenden Bescheid erhalten, in welchem gesagt wurde, daß er wegen seiner intimen Beziehungen zu den Bolschewiken und Kommunisten völlig unerwünscht wäre. Enver Pascha hat die Annahme des Vorschlages Picots, bei einer gemeinsamen Aktion in Sofia mitzuwirken, an die Bedingung geknüpft, daß keinerlei diesbezügliche Note der bulgarischen Regierung vorzulegen sei, und daß die Gesandten der Entente an diesem Schritt nicht teilnehmen sollen. Amerika und Frankreich. Paris, 16. Juli. (Havas.) Der neuernannte Botschafter der Bereinigten Staaten Myron T. Fe-rrick überreichte gestern dem Präsidenten Millerand feint Beglaubigungsschreiben. Er hielt hiebei an den' Präsidenten ein« Ansprache, -worin er sagte: Ich überbringe im Namen der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten di« Versicherung herzlichster Freundschaft und den Wünsch nach Zusammenarbeit zur Lösung der Friedensprobleme. In seiner Erwiderung gab' Präsident Mllerand! der Freude Ausdruck, den Botschafter wiederzusehen,, der. im Jahre 1914 die Gefahren der Pariser Bevölkerung geteilt habe. Das Programm Frankreichs im Frieden, schloß dev Präsident, steht im Einklang mit den Bestrebungen des amerikanischen Volkes, die Präsident Harding verdoppelt hat durch' die Initiative zur Konferenz, an der teilmnehmenFranVwich sich' zur Ehre rechnen wird. Ein russisch-polnischer Konflikt. Warschau, 16. Juli. (Poln. Tel-Ag.) Da die Sowjet« regierung dem wiederholten Ersuchen der polnischen Regierung nach strikter Einhaltung des durch den Rigaer Friedensvertrag festgesetzten Termines für die Ermöglichung der Ankunft der polnischen R e e v a k» i e r u n g 8- und R 8 ck e rst a tt« n gSk o m m is s i o n in Moskau hartnäckiges Schweigen entgegensetzt, hat die polnische Regierung die Sowietregiernng für die aus der Verspätung entstandenen Schäden verantwortlich gemacht. Holländische Kriegsopfer. Amfterda«, 16. Juli. (Tel.-Komp.) Nach einem Berichte des KriegSschadenbureauS hat Holland für die durch Schiffsunglück ums Leben Gekommenen. Forderange» im Betrage von über 100 Millionen holländische Gulden festgestellt. .Insgesamt wurden 4402 Forderungen erhoben und zwar gegen Deutschland zirka 1300 mit einem Betrage von 28 Millionen, gegen England zirka 2000 mit 70 Millionen Gulden, Amerika 195 mit der Millionen und schließlich gegen andere Staaten 650 Schadensersatzforderunge» mit zwei Millionen holländische Gulden. Die griechische Offensive. KMWlntönvpel, 16. Juli. (Havas.) Nach' einer Meldung aus Angora fordern die Blätter , in Angora angesichts der begonnenen griechischen Offensive, bfe Bevölkerung zum letzten Opfer auf. i!. Der Kommissär für nationale Verteidigung, General Fewzi Pasch'a, hat sich' nach Eski Schehir begeben, wo er mit dem kemalistischen Obertzrmmandanten an der klein-asiatischen Front zUfammentraf. Die Teilung' vberschlefiens. Entsendung einer Sachverstandigenkommifstou. Paris» 15. Juli. Wie die Ageuee Havas erfahrt, hat Ministerpräsident B r i a n d heute der britische» Regierung mitgeteilt, er stimme mit ihr darin überein, daß «ach Oberschlesien eine Kommission von S a ch v e r st änd i g en, der unter andercm Diplomaten und Ingenieure angehören sollen, entsandt werde, um an Ort und Stelle die Frage derTeilung des Abstimmungsgebietes zu studieren. Es ist wahrscheinlich, baß di; verbündeten Regierungen die oberschlefische Frage e r st i m .S ev.ttrabet werden beraten können» 17/Juli Ml . Jüdische Frauenversammluno Mittwoch den 20. Juli um halb 8 Uhr im Saale des N.-ö. Gewerbevereines I., Eschenbachgasse 11 Tagesordnung: Die jüdische Frage mul der Intern.Frauenkongrass Es sprechen verschiedene Teilnehmerinnen am Internationalen Frauenkongress. lBti Eine kommunistische Zentrale ln Frankreich.; PerlS» 18. Juli. Die kommunistische Partei Frankreichs hat nach Einleitung einer Sammlung, die über 300.000 Francs ergab, ein Gebäude in der Rue Lafahette erworben, das, als VerbandshauS eingerichtet, gestern eröffnet wurde. Parts, 16. Juli. Wie »Echo de Paris* und »Petit Jour» nal" übereinstimmend berichten, sei mit der Verschiebung der Konferenz des Obersten Rates bis zum Herbst, jedenfalls, bis anfangs September, zu rechne«. . Tagesbericht. Dine merkwürdige Gedenkfeier. M Ü » ch e», NN Juli. Am '17. b. M. hat der Markt Eschenbach t* Bayern seinen großen Dag. Er feiert an ihm mit großem Gepränge den 700. Todestag „seines" größten Sohnes, des Dichters Wolfram von Eschenba'G Die Bayern haben in der Veranstaltung von glänzenden, die Einheimischen belustigenden und die Fremden anlockenden Festen noch von Friedenszeiten her ein gewisses Renommee, und so wird man mit den Eschenbachern nicht allzu streng ins Gericht gehen, wenn! sie jetzt mit der genauen Feststellung eines wichtigen, literaturgefchichtlichen Datums den Neid der gesamten Gelehrtenwelt heraus fordern. Denn diese war bisher trotz intensiver Forschertätigkeit nicht in der Lage, das Leben des größten deutschen Epikers des Mittelalters zeitlich oder örtlich so genau zu fixieren. Bisher wußte man1 nur, daß Wolfram den berühmten Markgrafen! Hermann von Thüringen (gestorben 1217) überlebt hat, da er dessen im „Willehalm" als eines Toten gedenkt. Tatsache ist auch, daß noch' zu Beginn des 117. Jahr. Hunderts in der Frauenkirche zu Eschenbach ein Grab!- stein mit der Inschrift gezeigt wurde: ,Hie ligt der streng Ritter Herr Wolfram von Eschenbach, ein Meister Singer." Doch ist eS erwiesen, daß Stein und Qty schrist erst ans dem 15. Jahrhundert stammen. Di« Ansprüche der gnken Eschenbacher aus „ihren" Dichter sind also beinahe ebenso zweifelhaft, wie die Mchtilgkeit des Todesdaku-mS, dessen Ansetzung in der Hochs« saison des Fremdenverkehrs wohl weniger auf germanisttsche als auf — nationalökonornische Erkenntnisse Kurückzufüh'ren ist) . , . Mit literarischen Neigungen wird man die Sucht einer Gemeinde im heutigen «rzreaktionären, klerikal«» Bayern, den Dichter des' „Parzifal" zu ehren, über-, Haupt kaum begründen dürfen. Es ist vielmehr hundert gegen eins zu wetten, daß die biederen Eschenbacher,, die über den Tod Wolftams um so viel mehr wissen, als die Fachgelehrten, über sein Lebenswerk viel weniger unterrichtet sind, als jeder Gebildete es setth sollte. Sie würben sonst ganz sicher mit demselben! Eifer, mit dem sie den Stolz des mittelhochdeutschen Schrifttums für sich in Beschlag nehmen, b«n gegen« teiligen Nachweis zu führen bemüht fein: Daß betf „nach dunklen Worten suchende Gaukler und Taschenspieler (so charakterisiert ihn sein literarisch ganz anders gearteter Zeitgenosse Gottfri«b von Straßbuvg) mit Bajuvarentum nichts zu schaffen habe, und baß! er auch in dem keineswegs feststehenden Falle, baß ihn das Schicksal wirklich nach Eschenbach geführt, nicht aufgehört habe, der dort bodenständigen Bevölkerung art- und wesensfremd gegenüberzustehen . * „;! Ein solches Urteil nähme sich aus dem' Mund« der modernen Repräsentanten des Bajuvarentums jedenfalls viel aufrichtiger aus, als die schönen Fest, reden, die am 17. Juli den willkommenen Anlaß zum Hinunterspülen beträchtlicher Mengen heimischer Brauprodukte bilden werden. Weniger deshalb, weil manche spracht und rermtechnischen Eigenschaften Wolframs mehr, fränkisch als bayrisch anmuten, sondern vor allem wegen des Geistes, der uns aus diesen Hochgesängen edelster Menschlichkeit anweht und dem man, in dem Lande der Pöhner und Kahr wirklich; kein Heimatrecht zubilligen möchte, l ' Was haben Deutsche, die auf den katholischen Klerikalismus eingeschworen sind, noch' mit einem Dichter zu tun, dessen tiefe Frömmigkeit zwar über, allen Zweifel erhaben ist, ihren künstlerischen Aus« druck jedoch: in einer Fprm gefunden hat, die bm katholischen Dogmatismus gesprengt und sich' um den Gral als ein neues außerkirchliches Symbol christlicher Gesinnung kristallisiert hat? Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, wenn das Land, in dem! die Kirche das Aufführungsverbot gegen Schönherrss „Weibsteuftl" — von Schnitzlers „Reigen" gar nicht zu reden — durchtzesetzt hat, einen Sänger feiert, von dessen erhaltenen sieben lyrischen Gedichten nicht weniger als fünf der verfänglichen Gattung der „Taglieder" vngeMen, in denen der DaaxsaMuH als. EWMchi