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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-16 · Heft 887 (16.7.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 887 (16.7.1921)
Date
1921-07-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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orS 4 Men. Sümsiag Inland. Das Länderbankgesetz. Dr. Grimm bleibt im Amt. Vorgestern war im Parlament das Gerücht verbreitet, daß Finanzminister Dr. Grimm wegen des Scheiterns der Länderbank- Vorlage seine Demission gegeben habe. Das Gerücht hat keine Bestätigung gefunden. Das Scheitern der Länderbcmlvorlage hat den Finanzminister allerdings verstimmt. Da jedoch das Subkonntet an die Regierung die Aufforderung richtete, die Verhandlungen mit der Länderbank und Anglobank fortzusetzen, so ist von einem Rücktritt des Finanzministers dermalen wenigstens nicht die Rede. v Der Finanzausschuß trat gestern vormittags zusammen, um den Bericht des Unterausschuffes entgegenzunehmen. Dr- G rimm setzte die Nachteile auseinander, welche das Nichtzustandekommen des Gesetzes für den österreichischen Staat, die österreichische Wirtschaft und die Gläubiger der Bank zur Folge haben würde. Nach dem Minister sprach Abgeordneter Dr. B a u e r, der orrsführte, daß seine Partei aus sachlichen Gründen dem Gesetze nicht zustimmen könne. Der Finanzausschuß nahm den Bericht zur Kenntnis. Die Krise erscheint beigelegt. Finanzminister Dr. Grimm bleibt im Amie und wird seine Besprechungen mit den Parteien im Herbst fortsetzen. Die Ententevertreter scheinen in den letzten Tagen in der Länderbanksrage größere Aktivität als bisher gezeigt zu haben, und es wird im Parlament verstcheri, daß dem Bundesministerium eine Note des französischen Gesandten zugekommen sei, und daß gestern der britische Bevollmächtigte Mr. L r n d l e h in dieser Angelegenheit persönlich beim Bundeskanzler Schober vorgefproche» und die Vertagung des Gesetzes als einen politischen Fehler bezeichnet habe. - Die Kriegsgefangene» imSü-kauNasns. Das Kriegsgefangrnomt gibt bekannt, -a^ »ach den eingelangten Berichten der österreichischen Delegierten, die mit der Evakuierung dieses Gebietes beauftragt waren, die südkaukasischen Republiken von österreichischen Kriegsgefangene vollkommen evakuiert sind. Nur Oesterreicher, die sich dort angesicdelt haben, sind zurückgeblieben. _ Landtag Wien. In der gestrigen Sitzung wurden die Vorlagen über die Kranken- und Leichenbeförderung und über die Abgabe von freiwilligen Feilbietungen m erster und zweiter Lesung angenommen. Die Angliederung Westungarns. Die offizielle Aufforderung der Entente an Ungarn, zur Räumung des Burgenlandesz ist noch nicht bestätigt. In den österreichischen politischen Kreisen zeigt sich ein ziemlicher Optimismus, obzwar die magyarische Agitation in Westungarn nngeschwächt andauert. In Oedenbnrg wird in den nächsten Tagen die ans Betretern der Entente und der beteiligten Staaten bestehende Grenz, regulierungskommission zusammentreten, um die Grenzen Ungarns gegenüber der Tscheche-Slowakei, Oesterreich, Rumänien und Jugoslawien definitiv festzustellen. Damit erfahren die von Ungarn erbetenen Besprechungen mit Oesterreich automatisch ihr Ende. Die kleine Entente besteht auf der genauen Durchführung des Vertrages von Tricmon. Es sind 'allerdings geringfügige Grenzkorrekturen möglich, wenn sie von Ungarn und eruem andern Land eiuvernrhmlich vorgeschlagen werden. Rücktritt des Liechtensteinschen Gesandten. Wie dir Politische Korrrsvondenz erfährt, ist der fürstlich Liechtensteinsche Gesandte bei der österreichischen Regierung, Prinz Eduard Liechtenstein, von seinem Posten zurückgetreten. Der formale Anlaß znm Rücktritt ist in schwebenden innerpolitischenAng elegenheitendes FürstentumsLiechtenstei» zu sehen. Mit der Leitnng der fürstlich Liechtensteinschen Gesandischaft wurde all interim Doktor Alfred Baldaß betraut. Telegramme. Berchthold in München. München, 15. Juli (Privat.) Seit vorgestern weilt hier, wie bereits gemeldet, der frühere k. und k. Außenminister Graf Berchthold, um, wie sich die mehrheitssozialistiiche, Münchner PostV ausdrückt, mit verschiedenen Abenteurern Richtlinien einer unterirdischen Aktion zu Ratz und Frommen einer vom Dmtschen Reich unabhängigen österreichisch-bayrischen Monarchie zu vereinbaren. Der Zusammenbruch der Bauque de China. London, 15. Juli. Reuter, meldet auS Tokio:, Der Präsident der Vereinigung ehemaliger französischer Soldaten irrIokohama richtete ein Kabeltelegramm au B r i a n d »u dem im Namen der Vereinigung gesagt wird, der Bankrott der Bankindustrieu bedeute den Ruin des französischen Geschäftslebens im fernen Osten Md die Zerstoruug des Vertrauens auf die sranzösischen Finanzen. Amerikanische Kredite für Deutschland. New-Aork, 15. Juli. (Tel. - Komp.) Die Kredite Bewährungen für Deutschland sind im Gange. Transaktionen w der Hohe von 60 Millionen Dol'l ar sind in Schwebe, darunter eine von 9, Millionen Dollar für die GjetcobP-Öti) Mitteilungen aus dem Publikum. Uns Kimme! Aron Fahn Wien XX. Wien II. empfehlen sich als Verlobte Juli 1921. ZUR VERLOBUNG unseres Onkels Aron Fahn mit Fräulein Lina Kimmei gratulieren mr herzlichat Michael boldberg samt Frau Anna Switkes Max Pauker Dorna-Watra Wien VsrIobtSi 6W7 Wien, im Juli 1921. Simcia Klein Pinkas Bloch Przemysl Strvj-Wien Verlobte tu Juli 1921 Max Goldschmidt und Frau danken allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die ihnen anlässlich ihrer Trauung erwiesenen Aufmerksamkeiten. Baden bei Wien, im Juli 1921. »i» Isaafe Balin und Frau (Wien) sios Adolf Singer und Frau (Lugoj) laden alle Frennde und Bekannten zm Trauung ihre» Sinder Wollte «nd Jägi ein, welche Mittwoch den *0. Juli 1. J., </»ir Uhr Vormittage, Im Tempel, II.. Paamanitenjasse etattSndet. —_s_——- Stimmbegabte Damen and Herren, welche Interesse fürTempliehorgesang haben, werden kostenlos atisgebildel Auskunft jeden Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends im Verein »Hasimrah« II, Untere Augartenstrasse 10 (Cafe Röckler) 5101 SOMMERSAKKO (Schafwolle) I MODE HOSE l«-2°° HEINRICH WEINBERGER, I.. Singerstrasse Nr. 6 Ein gestrioktes wollenes Kleid, 381 Wiener Fabrikat, 5000 Kronen ALBERT MATZSSER, « Die amerikanische Wirtschaftskommission in Mitteleuropa. Berlin, 15. Juli. Die Blätter melden: Die hier weilende amerikanische Wirtschaftskommission hat bereits mit einer Reihe führender deutscher Wixtschastspersönlichkeitrn Konterenzrn und Besprechungen abgehaltm. Die Kommission wird sich von Berlin aus nach der T i ch e ch o - 2 l o w a k e i und nach O e st e rr e i ch begeben, um sich auch dort über die Aussichten und Möglichkeiten einer Wirdei Herstellung normaler Handels b ej i t Ij n n 8 e n zu unterrichten. Die Konferenzen sollen in Berlin am Sorintag, unterbrochen, aber »ach der Rückkchr der Delegation aus P r a g wiedrraufgenommeu werden. Au- Grund der aus diesen Besprechungen gewonnenen Eindrücke wird | die Abordnung der amerikanischen Geschäftswelt Vorschläge machen. Der Dankbeamtenstreik tu der Tfchecho-Slowaket. Prag, 18. Juli. Gestern erschienen die Bankdirütore» und die Streikleitung der Bankbeamten im Abgeordnetenhaus, um mit verschiedenen Abgeordneten zu konferieren. Die Arbeitsgemeinschaft der »jentralorganisatiou der Arbeitgeber hat eme Entschließung angenommen, in der die Ueberzengnng zum Ausdruck gelangt, daß der Streik nicht bloß eine innere Bankeufrage sei, sondern die Grundlagen des gesamten Wirtschaftslebens der Republik empfindlich berühre,.besonders in den Wirkungen, die eiutrete» müßten, wenn die von den Beamten vertretenen Grundsätze verwirklicht werden sollte«. Die „Prager Presse* meldet, daß in Pilsen die Filialen einer Anzahl von Prager deutschen und tschechischen Banken »ormal arbeiten. Das Geheimnis des Friedens. Anklagen des „tttatin" gegen Elementen«. Parts, 15. Juli. „Matin* greift die von den .Times" heute gegen LloydGeorge gerichteten Vorwürfe auf und beschuldigt Clemenceau wahrend, der FriedenSverhandlnngen vollständig^ nn'er der Bteinfluffung Lloyd Georges gestanden zu sein. Wenn Clemenceau es ablehnte, dm Frieden auf deutschem Gebiete zu schließen, wenn er beim erstm Besuche WilsonS nicht von den sraniöstschxn Interessen, sondern von der Notwendigkeit sprach, die Vormachtstellung Englands zur See ausrechtzuerhalleu, wenn Clemeuceap auf die Priorität der Wiedel gutmachnngen für die zerstörten Gebiete verzichtete, wenn er im Orient dm Engländern M o s s u l und die Petrolmmgebiete überließ und tm Jahre 1919 das Friedensanhöt der Kem allsten zurückwies, sei er der Suggestion Lloyd Georges nnterlegen. »Matin* begrüßt es, daß auf diese Weise allmählich die Wahrheit an den Tag komme und daS Gehe i m n i s d e s F r i e d e n s, der wie ein Komploft im. - sei. sich Mft. xZ, JÄi 1921 Rr. 85b ~ " :—“—:—" ' ,—r4 Korsanty fährt nach Paris. . Warschau, 1b. Juli. (Privat.) Sorfanty, der 'sich gegenwärtig in Warschau aufhält, begibt sich vor der Sitzung des Obersten MteS noch einmal auf mehrere Tage «ach P a ri s, um dort im polnischen Sinne zu wirke». Höfer wieder zn Hanfe. Frankfurt, 15. Juli. (Privat.) Aus Koburg meldet man der.Frankfurter Zeitung": Der bisherige Leiter des deutschen Selbstschutzes in Oberschlefien, General Höfer, ist gestern «ach seinem Wohnsitz in Koburg zurückgrkehrt. Am Bahnhof wnrde Höier von der Stadtoertretung, den oberschlesischen Bereinigungen Md andere» Vereinen mit Ansprachen begrüßt. Die Agrarreform in Rumänien. Bukarest, 15. Juli. (Privat.) Die rumauuische Kammer hat mit mehr als Zweidrittelmajorität die Agrarreform, durch/ welche ungefähr 3.300.000 Hektar Bodm dem Klrinbesitz zy^ geführt werden, angenommen. -ißi. Militärkonvention zwischen Estland nnd Lettland. -ö , Warschau, 15. Juli. (Funkspruch.) Am 13. d. M. wurdr' in Riga eine MilitSrkoyvention zwischen E fi l a u d u n d- Lettland unterschriebm. s %■ ” Das Attentat auf die Berliner Sieges-' . faule.;j. Berlin, 15. Juli. Wie die Blätter melden, wurde in Wildbatzi der Dczernmt des Kriegsbeschädigten-Fürsorgeamtes, Dr. Maz Rudolf, verhaftet. Bei der Untersuchung stellte sich heraus^ daß der Verhaftete der lange gesuchte Franzke fft, der bei dem Anschläge auf die S r e g e s s ä n l e von sein« Genoffen alS 'der Urheber des Anschlages bezeichnet wurde. Es ist Grund zue, Annahme vorhanden, daß er auch mitschuldig ist an de« Tod bae Offiziere, die wahrend derKapp-Tage mS-ch ö u e ber^ in und vor dem Rathause getötet wurden. . - HSlz im Kerker. ' Bern«, 15. Juli. (Tel.'Konip.) Unter große« BorfichM maßregeln wurde in der vergangenen Nacht Max H ö lz auf dem Moabiter Kriminalgericht nach seinem Bestimmungsort Münster in Westfalen gebracht. An dem Transport beteiligteu sich auch ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, ein B e r t e i d i g e n und ein Kriminalbeamter. Nach seiner Ankunft m Münster, wurde! Hölz in eine besonders gesicherte Zelle gebracht. . Abbau des inneren Krieges in Italien. Mailand, 15. Juli. (Tel.-Komp) Die Regierung hat u$ der Unterdrückung des s a s z i st i s ch - s o z i a l i st i s ch e Bürgerkrieges begonnen. B ö n o m i gab den Exekutiv^ behöideu energische Weisungen» in Hinkunst alle Ruh/v«! störungenzu verhindern. Präfekten Md Polizeibeamten, . di«s sich als nachlässig erweisen, wird mit der Absetzung gedroht.'^ Me Freizügigkeit bewaffneter Banden wird aufgthobm. Bei der Dux.ch-j sührung von Neuwahlen hat Polizei Md Militär gemeinsam vvr^ gehen. Das Ministerium des Innern tM mit, daß dank der?Mni/ Direktiven gestern bereits Zwischenfälle verhindert werden komvftn»' Die Sozialisten begrüßen die Energie der Regierung mti erklären sich zmn Frieden im Innern bereit, sofern sich der Schutz gegen die Faszistenüb erfülle als wirksam erweist. AuS T r e v i f o werden mehrere Zusammenstöße zwischW Fasziste» Md Sozialisten gemeldet. Die Zugänge zur Städtwurden wegen eines befürchteten Einmarsches sozialistischer ^Md>^ arbnter militärisch besetzt. Zahlreiche Fasziste« wurden v e r h a f t e 1 und ins Gefängnis gebracht. i;Hir Regienmg hat infolge dieser Barfälle die Abberufimg des,.Pf fekten «ngeordnet. _ TagesberichL Der Internationale Franenkongretz. In der gestrigen Sitzung Hes ichernationalen Frauenümgresses kam es im Anschluß an einj Referat von Frcür. Olga M isar (Oesterreich) über die Frage eines Nelöb* « isses gegen, die Teilnahme am Kriege zu eiussv Diskusjßon, hie gewisse G'egrnsätze zwischen dem radikales Flügel des Kongresses' und den gemäßigte^ , Elementen auszeigte. Frau Misar wies darauf Hin, baß im Verlauf bfcS Kongresses bezüglich der Grundfrage „Praktischer Pazifismus" die verschiedensten Ansichten^ geäußert wurden, in welcher Weise die Internationale Frauenliga für ihr Hauptziel, den Kampf gegen den Krieg, am wirksamsteri arbeiten könne. Hiebei starken drei Theorien im Dockergrund der Diskussion: eine Richtung trat für die UHerstützung des' Völkerbundes ein, eine zweite meirjte, daß die wesentlichst« Aufgabe der Liga die Arbeit für die R e v i f i o n der Friedensverträge sei, eine dritte schließlich. stellte die Erziehung der Heranwachsenden. Generation in internationalem und pazifistischem Geiste in den Vordergrund. Die pazifistischen Frauen Müssen aber einpn unmittelbareren' Weg zur Bekämpfung aller Kriegsgefahren wählen, sie müssch,. sich we igern, in irgendeichr Mise im Dienste der Kriegführung tätig zu se;N. Der Kongreß möge ein, Gelöbnis'/ ablegen, keine Waffen zu trage^.'k.'ine Munition zn erzeügen> keine Kriegsanleihe wissentlich zu zeichnen, oder zu arbeiten, um andere für den Kriegsdienst freizumachen». Ucker diese Frage entspann sich einp lebhafte D'ckccktL. Für das Gelöbnis, also für den radikalen Pazifismus der. Tat, traten vor allem die Delegierten Deutschlands, Jt aliens und Oesterreichs ein. MrS. Williams (England) meint, die DersämMlunÄ sei nicht kompetent, ein derartiges Gelöbnis zu leisten. Hiedurch würden die Grundlagen deS Kongresses, wie sie durch die, Satzungen der JnternatiojNalen Frauenliga gegeben . KiMexMMrt tqe.r^N.

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