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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-16 · Heft 887 (16.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 887 (16.7.1921)
Date
1921-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette L Wien, Samsrag Wiener Morgenzettung 16. Juli 1921 Nr. 887 Pvajg, 14. Juli. Die Generaldebatte, welch« über die Berichte Weitzmanns und Sokvlvtvs abgeführt wurde, gab einer Reihe von Rednern Gelegenheit, ihre Ansichten über die aktuellen zionistischen Probleme zu äußern. Dr. Reich warf der Leitung Plan- und Programmlostgkeit vor und betonte die Notwendigkeit einer friedlichen Politik. Auch Trietsch,Avan Fischer und Ro so w traten scharf gegen die HolitiÜ der Leitung auf. In seiner Erwiderung auf die gegen die Leitung erhobenen Vorwürfe gab Wvitzmanngenaue Details' über feine Verhandlungen mit Churchill und beklagte sich, daß er allein arbeiten müsse« und von keiner Seite unterstützt werde. Bezüglich Herbert Samuels ^erklärte Weitzmann, dieser befinde sich in einem Zustand der Betäubung und sei von einer Clique umgeben, außerdem bestunden Meinungsverschiedenheiten zwischen London und Jerusalem. In manchen Londoner Kreisen herrsche noch ein sehr nebelhafter Begriff Über Inhalt und Bedeutung! der Balfour-Deklaration, und-daher entstehen vielfache willkürliche Deutungen. Die Zeit her Erklärungen-und Deklarationen sei jedoch bereits vorüber und nun müssen Handlungen und Tatsachen gefordert werden. Zu diesen Forderungen gehöredie Abberufung oder zumindest die Herabsetzung der Garnison in Palästina auf ein Minimum, sowie radikale Aenderungen in der Zusaminensetzung dos Verwaltungsstersonals, welch-es sich als schcü)- f i ch erwiesen habe. Eine gute, verläßliche und ehrliche Polizei wäre mehr wert als die Garnison, welch« sich dann als überflüssig erweisen würde. Dann würden aber auch all die Stimmen in England verstummen, welche als Argument gegen den 'Zionismus b-sr Regierung vorwerfen, daß sie zur Förderung des Zionismus in Palästina eine kostspielige Arme« erhalte. Weiters fordert Weitzmann die Bewilligung einer jüdischen Miliz und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese sich auch als durchführbar erweisen werde«. Die Schaffung einer repräsentativen Körperschaft in Palästina hält Weitzmann dermalen nicht für wünschenswert, und er machte die Mitteilung, daß er aus diesem Grmche in London die Vertagung dieses Projekts bis zur Bestätigung des Mandats verlangt habe. Unter seinen Forderungen befinden sich auch diejenigen auf Bewilligung größerer Konzessionen, Bestätigung der Agrarbank und die schleunige Regelung der Einwanderungsfrage. Weitzmann gibt ferner der Meinung Ausdruck, daß alle Bemühung aufgewendet werden müsse, um! Samuels Stellung in London zu festigen, weil er dann in dje Lage käme, in Palä-stina ein« andere P o l i t i k zu machen, als er dies -gegenwärtig zu tun gezwungen ist. Er berichtete weiter über die Ergebnisse seiner Reise in Amerika und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Juden Amerikas allein in der Lage wären, die vom Keren Hajessod an geforderte Summe zu sichern. Er macht den gewesenen Führern der zionistischen Organisation in Amerika den Vorwurf, eine an Verbrechen grenzende Sabotage zu üben und sich von assimilatorischen Ten-« d e n z e n leiten zu lassen, weil sie bas eigentliche Wesen des Zionismus zu begreifen nicht imstande sind. .Kanada allein werde im -Laufe eines Jahres demj Keren Hajessod eine Million Dollar zuführen. Seiner Meinung nach müßten in kurzer Zeit die bedeutendsten und fähigsten Männer der Organisation nach Amerika fahren, dann wäre es möglich, dort jährlich an zwanzig Millionen Dollar zu erreichen. Diese Frage müßte im Mittelpunkt der Beratungen stehen. Allerdings müßte aber auf her anderen Seite den Juden von Amerika bet Beweis erbracht werden, daß mit Hilfe der dort gesammelten Beträge schon jetzt eine von Grund auf neu organisierte Arbeit in Palästina begonnen werde, was auch von großer politischer Bedeutung wäre. Im übrigen dürften aus Amerika bis zum Herbst monatlich 56.000 Pfund einlangen, außerdem 200.000 Pfund, die bereits überwiesen wurden. Schließlich erklärt Weitzmann sich' bereit, selbst auf die Dauer eines Jahres nach Amerika zu gehen. Dr. Weitzmann faßt das neue Programm für Palästina in drei Punkte zusammen, und zwarr Zielbewußte systematische Politik in der Araberfrage, ernste Inangriffnahme der Lösung der Agrarfrage und Festsetzung des Minimalprogramms für die Kolonisationsarbeit. Es dürfe nicht zugegeben werden, sagt Doktor Weitzmann, daß die zionistische Organisation von der Schwäche Samuels angesteckt werde. In der Fortsetzung der Generaldebatte erteilte So ko low ausführliche Aufklärungen über die politische Situation; er besprach die Frage der Grenzen, d ie arabische Politik und die Notwendigkeit der Schaffung eines jüdischen Selbstschutzes. Nach den Informationen Sokolows beachbsichtige Herbert Samuel in Palästina kein Parlament einzuberufen, sondern den bestehenden Staatsrat (Wvisory Council) zu erweitern und« zu reorganisieren. Weiters teilte Sokolow mit, daß er dem Völkerbund ein aus führlichesMemor and um über die Lage in.Palästina vorgelegt habe. Bezüglich des Kongresses beantragte M e r em i n s k i, diesen in Wien abzuhalten, während L e w i t s ulid Stricker für eine Verschiebung des Kongresses eintraten. Zur Behandlung der Kongreßftage wurde eine zehngliedrige Kommission eingesetzt. Jabotinsky führte in ausführlicher Rebe aus, daß der Schlüssel zur Situation in Palästina die sind uns zum Teile nicht, freundlich gesinnt, und die Araber wissen das und . werden, dadurch ermutigt, der jüdischen Einwanderung Widerstand entgegenzusetzen und jüdisches Leben Und Eigentum zu bedrohen. Wir müssen daher unbedingt für die Verteidigung und den Schutz der Inden sorgen, und der einzige Weg dazu ist die Wie d e.r hersteklung des englischjüdischen Bataillons. Als es 5000 jüdische Soldaten in Halästinä gab, war völlige Ruhe im Lande, ' obwohl.Aegypten gleichzeitig in Flammen stand. Redner erörtert eine Reihk öon Einzelfragen, die mit dieser Frage im Zusammenhang stehen. Prag, 15. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Einem soeben aus Jerusalem eingetroffenen. Telegramm zufolge, wurde der Kaufvertrag über den dem griechischen Patriarchat in Jerusalem gehörenden Riesenkomplex bereits unterfertigt. Der Kaufpreis im Betrage von 350.000 Pfund Sterling ist in zwei Jahresraten zu entrichten. Die Verlesung dieses Telegramms in der Aktionskomiteesitzung löste großen Beifall aus. Dichtung und Wahrheit über die Palästina- Deutschen. Man wird sich noch heute der Genugtuung erinnern, die die Kreise d«r Ausländsdeutschen erfüllte, als sie erfuhren, däß der englische Oberkommissär für Palästina, Sir Herbert Samml, die Heimkehr der Palästina-Deutschen in die Weg« leiteund auf diese Weise seine deutschfreundliche Gesinnung bekundete. .Deutsche Blätter haben denn auch Samuels wyale Haltung durchaus anerkannt, und es war nicht zuletzt die Rechtspresse, die dem Oberkommissär für die Besserung des Loses der -deutschen Kolonisten Dank zollte. Dessenungeachtet behauptet das in Wien erscheinende „Neue Montagblatt" in seiner Ausgabe vom 27. Juni, daß die Lage der zurückgekehrten Deutschen außerordentlich schlecht sei, und Palästina für „alle' Nichtjuden die Hölle bedeute". Da das Blatt in demselben Artikel eine wahrheitsgetreue Berichterstattung verlangt, soll seiner eigenen Musterung eine Stimme gegenübergestellt werden,' die auch dem „Wiener Montagblatt" unverdächtig'klingen wird. Die rechtsgerichtete Bremer „Weser-Zeitung", deren Beziehungen zu angesehenen Ausländsdeutschen bekannt sind, gibt am 24. Juni den Bericht eines deutschen Kolonisten an ben Landesverband Nordwestdeutschland des „Bundes hex Ausländsdeutschen" wieder, in dem es unter anderen heißtr „In Palästina ist das Wirtschaftsleben vollständig in jüdische Hände übergegangen. Die Verwaltung steht Unter dem englischen Oberkommifsär Samuel, der den Deutschen die Einreise nach Möglichkeit erleichtert. DaS jüdische Palästina von heute kann als Vermittler zu Zentralasien angesehen werden und verdient deshalb besondere Beachtung." Damit dürfte denn der Wahrheitshunger des Wiener Blattes vorläufig gestillt sein. Im Notfall könnten jedoch zahlreiche Urteile ähnlicher Art zur Kenntnis des offenbar schlecht unterrichteten Organs gebracht werden. Konzessionen in Palästina. Ja der S. Session des Advifory Council (Palästinrnfischer Staatsrat) kam die Frage der Konzessionen zur Sprache. Der Oberkommissär machte bei dieser Gelegenheit folgende Mitteilung' 1. Die palästinensische Regierung ist bereit, zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gewisse Konzessionen für wirtschaftliche Unternehmen gemeinnützigen Charakers zu erteilen. 3. Die Regierung untersucht gegenwärtig das Anliegen einer Gesellschaft um eine Konzession aus dir Versorgung der Stadt Jaffa und Umgebung mü rlrktr schein Strom durch Ausnutzung der Wafferkcafte des Audscha (Ruihenberg-Projekt). 3. Die Vergebung von Konzessionen wird bis ans weiteres unter folgenden Bedingung« geschehen r s) Eine Konzession wird, sei es an Einzelpersonen, sei rS an Gesellschaften, für die Naturschätze des Landes oder für ein anderes Unternehmen, das für die Allgemeinheit von Bedeutung ist, nur unter der Bedingung erteilt, daß die Konzessionäre sich bereit erklären, die zu erwartmde Dividende auf eine gewisse Höhe zu beschränke», währeud der diese Höhe übersteigende Gewinn in einer noch festzusetzende» Form der Allgemeinheit zugute komme« soll, d) Es «erden k e i u e Konzessionen erteilt auf Ausbeutung von Mineralien oder Naphtbaquellen, auch ist daS Suchen nach Mineralien oder Naphthaquellen vorläufig nicht gestattet. «) Gemäß dem Vertrag von Sövres darf keine Konzessiv» erteilt werden, die mit einer von der türkischen Regierung an Mitglieder der Entente oder ihnen gehörenden Gesellschaften vor dem 80. Oktober 1914 erteilten Kauzesston m Widerspruch steht. Siedlung Lodzer Fabrikanten in PalLftina. Der Jerusalemer Korrespondent der „Hozefirah" berichtet, daß vor kurzem eine Abordnung Lodzer Fabrikant e» bei Oberkommissär Samuel vorsprachen und ihm em Memorandum überreichten, m welchem sich eine Anzahl Lodzer Fabrikanien bereit erklären, in Palästina eine Gartenstadt aufzubauen, in welcher die Männer dem Gewerbe nachgehen, beziehungsweise in zu errichtenden Fabrik« tätig sem könnten, während die Frauen sich mit Gärtnerei und Hauswirtschaft befaffen würden. Samuel, in besten Palästina-Aufbavplan bekanntlich die Privatinitiative jüdischer Kapitalisten ^rnd Industriellen eme wichtige Rolle spielt, hat nun, laut diesem Jerusalem« Berichte, den Vortrag der Lodzer Abordnung mit großem Jntereste ausgenommen und ihr em Schreiben an die Bodenkommststou ousgefolgl, in welchem der Leiter des BodrnverteilungsamteS auigefordert wird, Vorschläge wegen Zuweisung geeigneter ^"denfläch-n zu machen, und iion u «ckutable Zahlungsbedingungen Tschechisch-polnische Handelsvertragskonferenzen. Prag, 12. Juli. Die „Prager Presse" Melder, daß sich Hanvelsminister Dr. tz o t o w e tz in den nächsten Tagen über Einladung der polnischen Regierung nach Warschau begeben werde. Die Reife gelte der Besprechung über die Grundsätze der Verhandlungen, Mi zn einem Handelsverträge mit Polen führen sollen, sowie der Verständioung über den Verlauf der «ach der Kestftellung der Grundzüge notwendig werdenden Detailverhandlungen? Rach der Riichkehr des Ministers werde sich eine größere Kommission unter'Beteiligung der interessierten Handels- und Zndustriekreise zu den tzaudelsvertrags^ Verhandlungen nach Marsch«« begeben. Deuts ch-amerikanis che Finanz- - Verhandlungen. Pari s, 15. Juli. (Wolfs.) Wie „Chicago Tribüne" ans Nerv-Pork meldet, fei dort eine Anzahl deutscher Finanza ge Uten eingetroffsn, um mit den dortige» Banken über die Anleihe von 49 Millionen Dollar zum Ankäufe von Getreide zu verhandeln. Außerdem fänden Besprechungen über eine Anleihe in der Höhe von 20 Millionen Dollar statt, die zn gleiche« Teilen von New-Dork und London gewährt werden soll. Auf die Anleihe würden Vorschüsse mit einer Frist von SO Tagen bis zu einem Zahr gegeben werden. Die Abrüstungskonferenz. Wafhinslvn, 18. Juli. (Funkspruch'.) Die japanische Antwortnote auf die Einladung zur Teilnahme an der AbrüMngskoilftrenz ist in Washington eiiigetrofsen. Die 'japanisch, Regierung nimmt die Einladung an, erwähnt aber nichts von'der Regelung der Fragen des äußersten Öfters. Washington, 15. Juli. (Reuter.) Die Antwort C h i n a s aus die Einladung des Präsidenten H a r d iv^g ist hier eingetroffen. Sie spricht ihre Vorbehalts lose Zustimmung aus. In offiziellen Kreisen wird die britische Anlegung, vor der Washingtoner Konferenz in London eine Vorkonferenz über die Fragen des fernen Ostens abzuhalteu, nicht günstig ausgenommen. _ Der Oberste Rat. London, 1b. Juli. lWolff.) „Morning Post" melykt: Die englische Regierung hat der französischen mitgeteilt, daß Nr eine Verschiebung der Zusammenkunft des Obersten Rate- bis nach der am 81. d. M. erfolgten Beendigung der Rnchslouferenz wünsch?. Zuchthaus gegen U-Boot-Offiziere beantragt. Leipzig, 15. Juli. In dem vor dem Reichsgericht durch« geführte» Prozeß gegen die beiden v-Boot-Off>z ere D i t t m at undBoldt wurde die BeweisaufnaElne geschlvsten. Der Oberreichsanwalt beantragte am Schluffe seines Plaidoyers gegen beide Angeklagte wegen Versuches des Mordes je vier Jahre Zuchthaus. Neuer amerikanischer Botschafter in Paris. Paris, 15. Juli. (HavaS.) Der »eue Botschafter der Bereinigten Staat« in Paris, Myrv» H e * r i ck, ist heute abends hier «ingetroff«. _ Die englisch-irischen Verhandlungen Londo«, 15. Juli. (Reuter.) Die Konferenz des Premierministers Lloyd George mit de Valero dauerte 2'/, Stunden. Sie wird morgen vormittagwieder ausgenommen werde«. Lloyd George hielt ans einem Bankett der in der Koalition vereinigte» Liberalen eine Rede, worin er seiner Ueberzeuguvg Ausdruck gab, daß er und de Balera ihr möglichstes getan hätten, umdieLüsnngdes irischenProblems zu suchen, ohne die Schwierigkeiten zn übersehen, die noch zu Überwind« sei» werd«. Neutralisierung Konstauttnopels. Rom, 14. Juli. (Privat.) In der Cvnsulta verlautet, darine Einigung Englands und Italiens in bezug auf Konstantinopel im Werden sei. Bude Staate» sollen die Neutralisierung derStadt Konfiantinopel und des Marmara-MeeteS Vorschlägen. In der italienischen Preffe wachst der Widerstand gegen eine aktive Beteiligung Italiens an den Ent«te-Aktlonen im Orient, gegen eine Aendrrnng der türkenfreuudlichen Politik Jtal'enS. Griechischer Vorstoß. Ach«, 14. Juli. (Havas.) Unsere Truppen haben Nazim Pascha südlich von Adranos besetzt sowie die Gegend von Jeniköj erreicht und Djen,'z!s besetzt. Die Abteilungen von Tule Bunac Habers die Höhen nördlich der Linie Ungarnere,,—Äaliköj besetzt. Der FeüH zog sich auf stark b festst? 3 i.'lu.ißstt nordöstlich von ESkrschihir unp IM vM KrMa 1 i ] i 1 < t ( l f -f t f t 5 t $ o e 6 c d t F; ff* a 1 9 9 h 2 u F< f: <ti q < tu d .§ a h b d a A i« 8! fl bl 1c

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