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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-16 · Heft 887 (16.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 887 (16.7.1921)
Date
1921-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Moskauer Internationale, deren Tagung eben beendigt wurde, hat die von Lenin vorgenommene Umgruppierung der Dirtschaftspolitischen Grundsätze gebilligt. Sie hat dies nach einem Referat Trotzkis getan, der sich für Lenin einsetzte. Er ist mit seiner Feststellung sehr weit gegangen, daß das Proletariat durch die Fruchtlosigkeit seiner mehr als dreijährigen KMpfe Zur Vorsicht gezwungen sei. In diesen drei Jahren hat ja der Bolschewismus im Innern Rußlands jeden Widerstand niedergeworfen und seine Ncformpläne durchführen können. Wenn er trotzdem das Proletariat nicht sesthalten und zu seiner UeberzeuguNg bringen konnte, so dürfte die Schuld nicht beim Proletariat liegen. Es ist immer der Standvunkt absolutistischer Regierungen gewesen, daß der Untertan gar nicht weiß, wie sehr man um ihn sorgt. . Der Beschluß der Dritten Internationale wäre geeignet, rvieder das Fenster Rußlands nach Europa zu öffnen, wenn er in dem Sinne durchgeführt wird, wie man ihn in Europa aufzufaffen geneigt ist. Würde diese Bedingung erfüllt, so wäre'die Oeffnung der Grenzen die Einleitung zur Genesung Europas, dem Rußland fehlt. . Die industrielle und ökonomische Verwüstung Rußlands, deren Behebung der ganzen Welt Arbeit bringen würde, wirkt ununterbrochen in die Ferne. Im'Innern hat sie zu einer gefährlichen Stimmung der Bauern geführt, der in fortgesetzten Zugeständmffen die Spitze abgebogen werden mußte. Der Zustand RuWicks rechtfettigt es, daß die Moskauer Diktain)t-n"stch, an das Ausland rrm Hilfe wenden. Aber dost Müde sie sich an die Spitze der Bewegung stellen, nmßt'e viel zu. denken geben, und vor allem an die Zweideutigkeit erinklerch die der Charakter der russischen Politik zur Zeit des Zaren wie zu^ Zeit Lenins war unh geblieben ist. Der englische Handelsvertrag ist uon der Sowjetregierung unterfertigt worden, obzwar er ihr die Einstellung jeder antienglischen Tätigkeit in Asien zur Pflicht machte. Lenin hat unterschrieben und das Spiel mit den türkischen Nationalisten fortgesetzt, das seine dämliche Spitze gegen England richtet. Die jüngst veröffentlichten Instruktionen an die ausländischen Vertreter beweisen, daß Rußland überall die schwachen Punkte der gegenwärtigen Krisen Europas sucht. Wenn es nun an die ausländischen Kapitalisten appelliech io beugt es sich dem eisernen Zwang seiner inneren .Schwierigkeiten, gibt aber trotz allem * die Hoffnung nicht auf, mit Hilfe der Zerfahrenheit und Ziellosigkeit der Eutentepolitik das ersehnte Ziel der Weltreoölution trotz allem zu erreichen. Die englische Regierung hat eine Mission nach Moskau entsendet, um, wie offiziös gemeldet wird, die politischen Verhältnisse in Rußland zu untersuchen und ftstzustellen, ob eine Zusammenarbeit mit den gegenwärtigen Machthabern möglich ist. Es liegt auf der Hand, daß diesem Auftrag ein sehr weitgehender Plan zugrundeliegt; es soll sondiert werden, ob die Versprechungen der Sowjets an das fremde Kapital ehrlich gemeint sind und ob nicht nach einer Pause die Konfiskation der fremden Arbeit und des fremden Kapitals erfolgen würde. England, ist durch die Art, wie die Moskauer Regierung ihre Unterschrift einlöst, zur Vorsicht gezwungen. Ehe es seinen Industriellen zur Annahme der ziemlich doppelzüngigen Bedingungen Rußlands rät, will es sich überzeugen, wie die Dinge eigentlich stehen und ob die trotzige Sprache Moskaus noch her tatsächlichen Macht entspricht. Einstweilen hat> sich England das System des Abwartens zurechtgelegt. Die nach Moskau entsandte Kommission zählt auch einen Vertreter des auswärtigen Amtes zu ihren Mitgliedern. Man geht also nicht fehl, wenn nran annimmt, daß die ganze englisch-russische Politik in ihren Grundzügen erörtert werden wird. England irluß im Hinblick auf feine Position in Asien von Rußland konkrete Garantien verlangen. Wird es zu keiner Einigung kommen, so wird England Lein wirtschaftliches Engagement seiner Industrie in Rußland gestatten und der Zusammenbruch der Sowjets yoch rchcher rum Ereignis werden. Daß er nicht schon längst erfolgt ist, verdankt Rußland der Zaudertaktik der Bürgerlichen und der sozialistischen Minorität, die sich vor der UebernGme der PegjerungsvejWlWwMtU^ et für Palästina ♦ Die Beratungen des Zionistischen Aktionskomitees in Prag. Prag, 15. Juli. (Eigenbericht der »,Wiener Morgen- Zeitung".) Die Sitzungen des zionistischen Aktionskomitees am Mittwoch und Donnerstag waren den Berichten über die Palästina-Arbeit gewidmet. Den Anfang machte der Schatzmeister der Londoner Exekutive, Herr Josef Co wen, mit dem Bericht der Finanzrmd Budgetkommission. Dem Bericht, der sich auf hie Monate März bis Juni dieses Jahres erstreckt, ist zu entnehmen, daß in dieser Zeit durchschnittlich' 22.000 Pfund monatlich! nach Palästina überwiesen wurden, wovon 8000 Pfund monatlich für Jmmigrationszwecke bestimmt waren. Die Ausgaben der Exekutive außerhalb Palästinas betrugen im Durchschnitt monatlich 3900 Pfund. Die Einnahmen kamen zum größten Teil« aus den Sammlungen für den Keren Geulah, für den in der Berichtszeit 45.000 Pfund einliefen. Hievon kam der größte Teil, 23.000 Pfund, von der füdafrikani. schen Föderation. Der Keren H a j e s s o d trug in der Berichtszeit 39.000 Pfund bei. Der Referent iveist auf die außerordentliche Ausgabe von 15.000 Pfund für die Hilfsaktion nach den Exzessen in Jaffa hin. Für die Zukunft empfiehlt Cowen, um im Einklang mit den zu erwartenden Gelbe mg an gen zu bleiben, die Auslagen für das palästinensische Schulwerk auf 50.000 Pfund zu begrenzen.; < . ' - Sodann erstattet» ' Asstschkin em ausführliches Referat über die Palästina- Arbeit. Er schildert zunächst die Lage im Lande; die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Erreichten komme daher, daß unsere Anforderungen außerordentlich gewachsen sind. Unsere Position sei heut« politisch, ökonomisch und kulturell unvergleichlich stärker als vor dem Kriege. Gegen alle Schwierigkeiten sei intensive Arbeit die beste Hilfe. Redner erwidert sodann auf einige Vorwürfe der Reorganisationskommission, geht dann zur politischen Lage mch zur Ar ab erfrage über und bespricht ausführlich den Bod'eucmkauf in Emek J?sreel, der uns 50.000 Dunam Boden im Herzen Palästinas gebracht hat. .Sodann Legt er das Budget für die Palästina-Arbeit im kommenden Jahre vor. Das Referat Ussischkins wurde durch die gründlichen Darlegungen des Leiters des Palästina- Amtes Dr. Artur Rrchprn ergangt, der zunächst auf die Vorwürfe der A^rganisativnskonmnssion kurz reflektierte. Um die Heutige Lage und die bisher angewandten Methoden zu verstehen, müsse man sich an die Zeit vor dem Kriege erinnern, wo unser Palästina-Budget nicht^soviele Franks betrug, als heute englische Pftmd und wir deshalb eine Pfennig- Kolonisation betreiben mußten. Redner berichtet über verschiedene Käufe städtischen Bodens, auf dem wir heute über 12.000 baureife Parzellen verfügen. Die größte Tat des letzten Jahves War der Kauf des Emek Je free l, eine weitere Tat die Grürchung der Arbei t e r bän k. Referent gibt sodann Erläuiernnge-n zum Palästina-Budget, in welchdm für das kommende Jahr an geschäftlichen Anlagen 1,100.000 Pfund und an nichtgeschäftlichen Anlagen 400.000 Pfund vorgesehen sind. Unter den geschäftlichen Anlagen sind die wichtigsten: 300.000 Pfund für Bodenkauf und Meliorationen durch den Jüdischen Nationalfonds, 200.000 Pfund für die Kredite für städtischen Kleinhausbau, 325.000 Pfund für Anstedlang land Wirtschaf. sicher Arbeiter und landwirtschaftliche 'Kredite, und 50.000 Pfund für die Beteiligung an dem Rutheuber g scheu Bewässerungs- Projekt. Die nicht geschäftlichen Anlagen sind hauptsächlich für Schulwesen, landwirtschaftliche Bersirchsstasiamm, soziale Fürsorge. Sausiütswejen und Am Donnerstag vormittags berichtete Professor Dr. Otto Marburg über den Jüdischen Nativnalfvnbs. Der Fonds besaß bis Juli 1920 bloß 18.000 Dunam, Ende 1920 bereits 22.000 Dunam, welche Ziffer bank dem Ankauf im Emek Je free l auf 72.000 Dunam gestiegen ist. Redner stellt fest, daß die Regieunkosien des Jüdischen Nationalfonds nicht ganz 2 Prozent der Einnahmen betragen. Richard Lichtheim berichtet über die Arbeit des Palästina-Ein Wanderungsdepartements der Londoner Exekutiv« und über die mannigfachen Schwierigkeiten, welche sich bei der Bewältigung der mit der Einwanderung zusammenhängenden Fragen ergaben. Dom Fvbruav 1919 bis Mai 1920 seien rund 14.000 Juden in Palästina neu eingewandert. Es folgt das Referat über den Kereu tzafeffod. Berthold Feiwel erörtert di« allgemein« Frag« der Konstitution des Palästina-Aufbaufonds, di« endgültig erst auf dem Kongreß geregelt werden soll, R o f v w s Bericht ist zll entnehmen, baß der Fonds bisher 154.000 Pfund eingenommen hat. Hievon stammen: 83.700 Pfund aus Amerika, 13.200 Pfund aus Beßarabien, 12.700 Pfund aus Kanada, 12.500 Pfund von Rufs«n im Ausland, 11.000 Pfund aus Deutschland, 10.600 Pfünd aus Polen, 7200 Pfund aus England, 3700 PfunÄ aus der Tschecho -Slowakei, der Rest aus verschiedenen Ländern. Don den Einnahmen sind 27.000 Pfund ausgegeben, und zwar fast ausschließlich für Arbeiten in Palästina. Die Zeichnungserklärungen in den Bereinigten Staaten belaufen sich auf fünf Millionen Dollars. * Der Empfang durch die tschechische RegrerrLug. Pvaig, 15. Juli. (Eigenbericht der „Wr. Morgen«- Mtung".) Me schon kttrz berichtet, fand am Donnerstag im Luzerna-Saal die feierliche Begrüßung des Großen Aktionskomitees durch die tschechische Regierung. unW die englische Gesandtschaft" statt. Für die tschechisch« Regierung war Legationsrat Jan Masary k. und iit Vertretung der englischen Regierung der Gesandte Sir Clark erschienen. Das Aktionskomitee war mit' Ausnahme des Präsidenten Weitzmann, der zu einer Konferenz mit L l v Y d George nach London abgereist ist, vollzählig anwesend, ebenso fite jüdischen Behörden und die Vertreter der zionistischen OrgäUilsation der Republik. Nach einer Ansprache des Herrn« Norbert Adler sprach Oberrabbiner Dir. Heinrich! Brvby in hebräischer Sprache. Nach' denr Dank des Vorsitzenden des Jüdischen Nationalrates, StadtratÄ Dr. Singer, an Sv ko low für seine Verdienste um den Zionismus, erividerte dieser in hebräischer und englischer Sprache. Er schilderte sein« Pariser Ver-^ Handlungen, in deren Verlauf er den Präsidenten M a s a r y k und den Minister Dr. B e n e f ch schätzeu gelernt habe. Er dankte dein Vertreter Englands, das als erster Staat im Zionismus aftive Hilfe gebracht habe. /Gesandter Sir Clark eruüber'te, da er weder hebtäisch noch tschechisch gelernt habe, inüsfe er sich der englischen Sprache bedienender hoffe aber, baß mau ihm seine aufrichtige Freundschaft' fiir die zionistisch^ Bewegung anerkenne. Er kenne sie genau, .dä er unter Balfo ur diplomatisch gearbeitet habe. Eine/Bewegung, die Männer wie Masarvk und Benes'ch unterstützen, die MäMter ,wie Weitzmann 'und.'.'S,oko lo w führen, tonne nran nicht genug hych«' schätzen. , , Rachs dieser ofsiziellen Feier wurde sin großen Ln-' zerna-Saal «in Meeting abgehalten. auf welche»«^ zuerst Rabbiner Dr Sicher lNachod) hebräisch und^ tschechisch sprach. Sooanic sprachen unter großen Oda- S-o.kaHstw, mch

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