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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-15 · Heft 886 (15.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 886 (15.7.1921)
Date
1921-07-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fttW Wien, Fretta- 15. Zütt 1921 , "Seite 3 geschlagen. Sie verstanden und fühlten, daß' für den Erfolg eine stählerne Führung, ein Plan, eine revolutionäre Strategie notwendig ist. Wenn die Arbeiter derzeit auf die revolutionären Losungen nicht unmittelbar reagieren, wie in den Jahren vorher, so tun sie das Nicht etwa, weil sie weniger revolutionär wären, sondern darum, weil sie weniger naiv und anspruchsvoller geworden sind. Sie wollen organisiert« Garantien des Sieges. Das Problem des Stille» Ozeans. Eine englisch-japanisch-amerikanische Konferenz. ' Ans Lon d v n wird uns ^berichtet: Ueber die englische Neichspolitik im Stillen Ozean und im fernen Osten und die Beratungen hierüber im britischen Reichskabinett, informierte gestern Lloyd George das Unterhaus. Danach'! hätten die Beratungen besonders das englisch-japanische Abkommen, die Lage in China, und das Verhältnis beider Fragen zu den Beziehungen zwischen Großbritannien und den Bereinigten Staaten zum Gegenstand. Bezüglich des englisch-japanischen Vertrages habe die japanische M- 'gierung erklärt, daß eine Kündigung nicht erfolgt sei. Auch der britische Lordkanzler habe die Frage ebenso entschieden. Daraus folge, daß der Vertrag erst 12 Monate nach der Kündigung erlöschen könnte. Im übrigen habe die Erörterung eine Uebereinstimmung des Reiches in bezug auf die allgemeinen Linien der Politik im ftrnen Osten zutage gefördert. In erster Linie hänge der Friede Und das Wohlbefinden der Welt von einem freundschaftlichen Zusammenarbeiten mit den Vereinigten Staaten ab. Dabei wünsche England das enge Zusammenarbeiten und die innere Freundschaft mit Japan aufrechtzuerhalten. Auch die Offene Tür in China müsse bestehen bleiben. Alle Vertreter des Reiches seien der Ansicht gewesen, daß die britische Politik in dieser Frage mit alter Offenheit den Vereinigten Staaten, Japan und China mitgeteilt werde, um einen Austausch der Meinungen^herbeizuführen. Der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten habe der amerikanischen Vertretung die Hoffnung ausgedrückt, daß bi« englische Anschauung den Weg zu einer Konferenz über die Probleme des Stillen Ozeans und des fernen Ostens ebnen möge. England hoffe, mit den Vereinigten Staaten ein Abkommen zu treffen, um Zusammenarbeiten zu können. Es handle sich für England darum, eine Methode zu finden, um alle Faktoren in einer gemeinsamen Politik zu vereinigen und so zu einer Beschränkung der Rüstungen im Stillen Ozean zu kommen, wodurch die Schäden des Wettrüstens aus der Wett geschafft und die Entwicklung aller nationalen Interessen im fernen Osten gesichert werden könnten. Lloyd Mmge begrüße in dieser Hinsicht die kluge Initiative Hard ings mit attergrößtem Vergnügen. Das Parlament werde seinen Schritt als einen Akt weitgehender staatsmännischer Klugheit an sehen und ibm vollen Erfolg wünschen. Der Krach der China-Bank. Man schreibt uns ans Paris: Der große Krach btt Banque Jnd uftrielle de Chine, der immer weitere Kreise zieht, steht gegenwärtig im Mittelpunkt des Interesses. Der Zusammenbruch des Instituts erfolgte, nachdem das Finanzministerium es abgelehnt hatte, der geplanten Unterstützung der in Schwierigkeiten geratenen Bank durchs die Pariser Niederländische Bank seine Zustimmung zu geben. So mußte man in Paris schon seit einiger Zeit mit dem Krach rechnen. Und in der Tat scheint es, baß der Großteil der Pariser Kunden der Bank ihre Guthaben noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Anders aber ist die Lage im fernen Osten, und die von dort nach Paris gelangenden Hilferufe lassen erkennen, daß der Krach! auch eine Schmälerung des französischen Prestiges in China Und Französisch-Jndien mit sich bringen dürfte Und darum einen politischen Charakter annimmt. In der Tat greift die Erörterung der Angelegenheit in Paris bas politische Gebiet über. Der Kampf spielt sich! zwischen Anhängern des Finanz- und solchen des Außenministeriums ab, mit anderen Worten, ob durch! eine Intervention zur Stützung des Unternehmens, für welche das Außenministerium eintrat, der Zusammenbruch' zu verhindern gewesen üväre oder «ob bas Finanzministerium im Recht war, einer solchen Aktion seine Zustimmung zu verweigern. Im Mittelpunkt der Affäre steht Philippe Bert Helot, Generalsekretär im Ministerium des Aeußern, der als 'radikaler Antiklerikaler von der royalistischen und antisemitischen Presse aufs entschiedenste angegriffen wirb. Berthelot ist der Bruder des Senators Andre« Berthelot^er Mitglied des Aufsichtsrates der China-Bank ist, und die klerikal-royalistische Presse bezichtigt ihn des Mißbrauchs seiner amtlichen Stellung. Generalsekretär Berthelot habe, so heißt es, die wahre Situation der. Bank gekannt, schon darum, weil er vie Sitzung des Grossen zionistischen Aktionskomitees in Prag.; ‘ Pech, 13. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Jabvtinsky erstattete ein ausführliches Referat über die Wiederaufrichtung der jüdis che Legion in Palästina, die ausschließlich zum Schutze der palästinensischen Juden vor räuberischen Ueberfällen der Beduinen und der aufgehetzten Araber dienen soll. Trotzdem die allgemeine Stimmung pazifistisch ist, scheint der Vorschlag Jabotinskys eine sichere«Majorität zu haben. Nach Schluß der politischen Debatte kommt die Kongreß- und die'Kolonisationsfrage auf die Tagesordnung. Die Exekutive wird' dem Aktionskomitee einen detailliert ausgearbeiteten Kolonisierungsplan für das erste Jahr vorlegen. Pm>g, 13. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Dr. W e i tzmann ist.nach. London zurückgekehrt. Di» äußerst lebhafte Debatte über die politischen Referate wird fortgesetzt. Es werden Resolutionen, betreffend die gegenwärtige Krise und die Einwanderung der sich unterwegs befindenden Chaluzim, ausgearbeitet. Ueber die Frage der Einberufung des Kongresses, verlautet, daß eine Verschiebung desselben mit Rücksicht auf die für anfangs September, anberaumte Völkerbund tag un g, aus der die Genehmigung selbst an dem Unternehmen beteiligt gewesen sei, und sie verheimlicht; er trage also an dem Zusammenbruch mit die Verantwortung. Was das Verhalten des ' französischen Finanzministeriums anlangt, so wird behauptet, daß dieses der in Not geratenen Bank die Hilfe verweigert habe, um auf diese Weise einen Hauptkonkurrerrlen der Jndo- China-Bank aus dem Wege zu räumen, in deren Aufsichtsrat der Finanz- sowie der Innenminister sitzen. Der eigentliche Schuldige an der Affäre soll ein hoher Funktionär im Finanzministerium. sein — an der Korrektheit der Minister selbst ist von keiner Seite gezweifelt worden — aber bei dem Stande der Angelegenheit ist die Möglichkeit politischer Weiterungen nicht ausgeschlossen, falls es in letzter Stunde nicht gelingt, was man vielfach als wahrscheinlich annimmt, die Regierung schon mit Rücksicht auf die auf dem Spiele stehenden politischen Interessen zu einer Rettungsaktion zu veranlassen. Ein französischer Sachverständiger über de« Kriegsgeschuldigtrnpr.ozetz in Leipzig. * "; Der von der französischen Regierung zu dem Prozeße gegen' den General Stenger nach Leipzig delegierten und, wie bekannt, inzwischen abberusene Sachverständige Leroux hat einem Mitarbeiter des „Matin" gegenüber seine Eindrücke folgendermaßen zusammengefaßt: „Wir waren Zeugen ein^p wahren JAstizkomödie, die mit allen äußeren Zeichen der Unparteilichkeit ausgestattet war. Der Präsidn t Schmidt ist ein sehr kluger Deutscher, gebildet und höslich, dabei ein Mann, der erreicht, was er will! (§£ hat die Debatte meisterhaft dirigiert. Er ließ erst die Zeugen reden, aber wenn sie allzu sehr ins Detail gingen, beeilte er sich, mit Fragen einzugreifen. Der Staatsanwalt war weniger fein: Er fragte, was er wollte. Es war eine Komödie, bei der jeder seine Rolle spielte.. Die aufregendste Rolle hatte General Stenger, der zuerst mit Krücken erschien. Am Tage des Urieilsspruches aber hatte er ein künstliches Bein angeschnallt. Me letzte Szene war sehr wirkungsvoll. Der General versicherte hoch und aufgerichtet, daß er niemals den Befehl zur Gesa.igenen< i tötüng gegeben habe. Er tat dies mit einer gewaltigen Stimme, als ob er zu einem Regiment unter Waffen spreche. Seine letzten Worte sind von den deutsche^ Zeitungen unterschlagen worden. Sie lauteten, daß er ein treuer Diener chcht nur seines Vaterlandes, sondern auch seines Kaisers gewesen sei und ist. Der Urteölsspruch gegen Stenger ist auch nach' deutschen Gesetzen ungerecht. Stenger hat selbst zugegeben, daß ihm einige Worte entschlüpfen konnte^, die von einigen Offizieren falsch verstanden werden konnjben. Er konnte also nach dem Artikel 147 des deutschen Militärstrafgesetzbuches verurteilt werden wegen Nachlässigkeit oder Unvorsichtigkeit im Dienste." Ueber die Eindrücke nach Schluß der Sitzung erzählte Leroux: „Die Menschen, Männer und Frauenj, beschimpften uns und versuchten uns titj§ Gesicht zu speien. Ich habe einige solcher Zeichen ihrer Gesinnung ayf meinen Aermeiln davongetragen, aber dies war noch weniger beschämend, als ihre Entschuldigungen anzuhörenj. Als während der Verhandlung gegen Krnska der französische Konsul innere Abberufung überbrachte, waren wir glücklich. Unser Abgang hat die Richter sichtlich betroffen, sie schienen schließlich aber doch zu bemerken, daß wir nicht länger einem solch' lächerlichen, siattdalösen Schauspiel beiwohnen konnten." des Palästina-Mandats erfolgen soll, sehr währ.«« s ch e i n l i ch sei. v , * . j Pvalg, 13. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) , Morgen! findet ein Empfang der zionistischen Exekutive bei deck tschecho-slvwakischen Regierung, beim britischen Gesandten und bei den hiesigen Stadtbehörden statt. Di« Zeitungen bringen ausführliche Berichte über die Ver-( Handlungen des Aktionskomitees. Manche Zeitungen)' brachten auch Photographien hervorragender Zionisten, besonders die Jabotinskys. Dr Rnppin über die Palästina-Ernwandsvung.) 'Prag, 14. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) In der! heutigen Sitzung des Großen Aktionskomitees erklärt« Dr. A. Ruppin, daß es möglich sei, mit einen^ Kostenaufwand von 1,500.000 Pfund Srer ling! die Zahl der gegenwärtigen jüdischen Bevölkerung Palä^ stinas innerhalb d r e i e r I a h r e z u v e r d v p p e l tu Professor Marburg üdersrsdelt nach Palästina. , Prag, 14. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Einem Be-' Schlüsse des Großen Aktionskomitees folgend, über siedelt: Professor D'r. Marburg nach Palästina, wo er di« Leitung der V e r s n ch s st a t i o n übernehmen wird.! Inland. AusräumungsarKeit im NEsnaSraL, (Von unserem Parlamentsberichterstatter.) Das Euuächtigung.^esch wurde gestern in dritter?essmg! angenommen. Dann ging es im Galopptempo: Die Professoren! an den Hebnmmenlehi^nstalten erbie ten ih,e Gehaltsregultnung.! die Bürgnschnlleuer in Kärnten ihre Pensionen, die Vorlage; üb.r die Gewubeinspckrion wurde in erster;, zweiter und dritter; Lesung erledigt. Erst eas Gesetz iiB:r die B r o t st a f f e! u n g! nr.B Anlaß zu cnur Del-alle, in welcher die So.üald cm olr.ü eir, die; die Tendm; des Güetzes begrüßen, ihre Ovposition mm k orten.! Das Gesetz wrude, hur,ms unter Ablehnung der Minderheitsantuige Eldcrsch in zweiter L e s n n g a n g ' n o m men./ -Due Gesetze betreffend rb:e A bänd c r ix n g ciiugcr Vor*j' sckwisten über Stempelu n d Re ch tSae b n h r -e-uj betreffend die Gleichstellung der A r b e i t e k a nt in c r mit b r Handelskammer (Berichterstatters- P i ck), belrcffend die Verlängerung der Gcltimgsdarur der Vor--j schritten über das vereinfachte .Verfahr n t r§ f p r o z e ßnoveile v o m I a h r e 1920, und betreffend Ambernngen; des Gericht-organisationsgcsetzcs (G e r i ch t s v c r s a s I it n s & Novelle), werden in zweiter und dritter Lesung ohne Debatte unvera ndertana.enom men. Berichterstatter Glücke! referierte über t eit Beschluß deS, Bundesratcs, betreffend die Abänderung des nrederösterreichischen Schulaufsichtsgrfetzes. Er führte aus, es wäre von der größten Bedeutung ge-' wesen, wenn das G.ewtz schon lang? in Wirk'.unleit getreten wäre, denn es handelt sich um die unaufschiebbare Regelung der Schulz Verwaltung für die Siadt- Wien. Der Berichterstat'.rr bat schließlich, dem Anträge des Aus« schnffes /uzustimmelr und den Minderheittantrag Kunschak, der die Beibehaltung der Berlreier der katholischen, der evangelsschrni und der israelitisch«'« Konfession pcrlimgt, abzulehnrn- Viwkanzler Dr. Brejskv hob hervor, der Minders heitsantrag Kunschak ent'pr.'che in seinem Wesen dem bisherigen, , Zustande und den Anregungen der Bankrsregierung. "A Abgeordneter Kunschnk setzte sich für die Avnahmy seines Mindrrheltsgntmges ein, wonach dem Wiener Stadtschulrate auch je ein Vertreter der katholischen und evangelischettf Geistlichkeit und ein Bekenner der israeliti chen Religion anzuge^ hören habe. , Bei der Abuimmirng wurde das Gesetz samt dem Antrags Kunschak, letzter mit 8? gegen 83 Stimmen, a n g e u o m m e n!, Für den Antrag Kunschak st,mmten die Christlichsozialen/ die Deutsche Baurrnparlei und Abgeordneter C z e r n i n. Die Sozialdemokraten überschütteten nach der Bekanntgabe der Ab-f, stimmungsergebnissc die Deutsche Bauernpartei mit Schmäh-( rufen. Nächste Sitzung: Heute 11 Uhr vormitiagS. Aus dem Buudesrate. Der Bundesrar hat gestern folgende Beschlüsse des National-! rateS genehmigt: Das B u n d c s st r a ß e n g e s e tz,' ba$ Getreidebewirts chaftungSges etz, das B es o l d u n g s g e s e tz, die Bezüge d e r M i t g l i e d e v des N a t i o « a l r a t e s, des B u n d e s r a t e s mrd dev Bolksbea/uftragten, die Ermächtigung dev e^u t 111 Die Wahlen zum 12. Zionistenköngreß stehen bevor. Als Wahllegitimation gilt ausschließlich dieSchekeIquittungfürdasJa5ir5S81

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