Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 884 (13.7.1921)
- Date
- 1921-07-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979963--08141-2994264- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«prsr t&assrssam l,MitLwoch: Letzte Nachrichten. Krawalle im Prager Parlament. Prag, 12. Juli. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es zu großen Lärmszeutm Die Deutschen begannen auf die Pulte z» schlagen. Plötzlich schleuderten die Abgeordneten Baeran und Jung Aktenfaszikel und Drucksortcn von der Ministerbank gegen die Rednertribüne, weshalb sie zur Ordnung gerufen wurden. Da der Lärm nicht nachließ, wurden die Verhandlungen unterbrochen, was von den Deutschen mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt wurde. Die Unterbrechung dauerte über eine Stunde. Prag. 12. Juli. (Privat.) Die „Prager Presse" schreibt Mit der heutigen Sitzung dr§ Abgeordnetenhauses wird wahrscheinlich eine ununterbrochene SitzungZreihe eröffnet werden. Während der zwvlftägitzen Pause ist es den Bemühungen de8 Ministerpräsidenten gelungen, die Parteien auf-ein -Arbeitsprogramm-zu einigen. Der Ernährungsplon und der Finanzplan bildeten die Verhandlungsiragen. Es wird ein kleiner Fincrnzplan erledigt werden. Die Session soll spätestens in der ersten Augustwochc ihr Ende finden. Die Parlament a r i s i e t u n g &r.? Kabinetts ist für die Sommersession endgültig fallengelassen und wird erst im Herbst vorgenommen werden. Für die heutige Sitzung haben die kommunistischen Abgeordneten einige Drmglichkeitranträge vorbereitet, welche hauptsächlich die Freilassung der verurteilten Teilnehmer an den Dezember-Ausschreitungen bezwecken. Es besteht bei den Mehrheilsparteien die Absicht, diesem Antrug die Dringlichkeit zuzusprechen. Es ist daher eine lebhafte Debatte zu erwarten. Im Zusammenhang damit bereitet die kommunistische Partei beute neue Straßendemonstrationen vor, obzwar ihre gestrige Volksversammlung am Altstähter-Ring sehr schwach besucht war und die Demonstration mit einem Fiasko endigte. WiO»e» Morge«zeÄ«s 13. 3«li 1921- Mitteilllllgen aus dem Publikum. ’iw»t Die Leipziger Prozeffe.!' Leipzig, 12. Juli. (Wolfs). Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. Schmidt begann heule vor dem Reichsgericht der Prozeß gegen die Oberleutnants zur See D i t t m a r und B o l d t. Der Oberreichsanwalt hat gegen sie die Anklage wegen vorsätzlichen Mordes erhoben mit der Begründung, daß sie gemeinsam mit dem Führer des H-Bootes 86, Kapitänleutnant Patzig, nach Versenkung des Lazarettschiffes „Landvwarh Castle", die in Rettunasbooten befindlichen Schiffbrüchigen völkerrechtswidrig hätten beschießen laffen. um die Zeugen der völkerrechtswidrigen Versenkung des Lazarettschiffes zu beseitigen. Der Angeklagte D i t t m a r verweigerte die Aussage gemäß seinem Versprechen gegenüber dem Kapitänleutnant Patzig. Der Angeklagte Boldt äußerte sich allgemein über die äußeren Umstände. Patzig habe sich in der Wahl der Mittel vergriff e n, aber er habe den heilige» Willens!) gehabt,^'die Hungerblockade zu springen und Deutschland zum Siege zu verhelfen. Weshalb Patzig in seinem KriegSbuch über die Vorgänge nichts verzeichnet habe, wiffe er nicht. Die Eintreibung der österreichischen Schulden in England. London, 12. Juli. (Reuter.) Im Unterhaus führte Oberstentnant Croft Klage darüber, daß, während es in Anbetracht des Standes der österreichischen Währung unmöglich sei, in Oesterreich die von österreichischen Staatsbürgern britischen Staatsbürgern geschuldeten Summen civzutrriben, der britische Administrator d:e Summe, die von Engländern an Oe st er reichern geschuldet werden, eintreibe und dabei sogar mit Druckmitteln arbeit.e. Der Präsident des Handelsamtes Balwin antworlrte, es sei die Pflicht des britischen Administrators, alle geeigneten Schritte zu unternehmen,. um die von Engländern an Orsterreicher geschuldeten Summen einzutreiben, da mit Hilfe dicier Summen die Ansprüche britischer Gläubiger an österreichische Schuldner ausgeglichen werden sollen. Der Friedcnsvertrag sehe eine Verpflichtung der österreichischen Regierung vor, die Mittel zum schließlichen Ausgleich dieser Am sprüche beizustellen, doch sei die österreichische Regierung gegenwärtig nicht in der Lage, diesen Verpflichtungen voll nachzukommen. . . Wieder ungarische Falschstempelungen. DieKrinlinalbeamtengruppe des Oberkommissärs Lorenz hatte in Erfahrung gebracht, daß sich der 37jährige angebliche Kausmaun Bela Fischt, zu Budapest geboren, ün Hotel Kontinental wohnhaft, mit dem Vertrieb ungarischer, falsch gestempelter Banknoten befasse und am .9. d. M. einen größeren Posten solcher Noten im Bankhause Schick u. Cie., ll'. Bezirk,, Renngasse 10, verkaufen wolle. Fischt wurde beobachtet und verfolgt, als er am 9. d. M. gegen halb>6 Uhr kbenps in Begleitung eines zweiten Mannes, der eine braunze, anscheinend gefüllte, Aktentasche trug, das HaüS Renngasse 10 betrat. Er ging zir dem. im zweiten Stocke befindlichen .Bankhaus, kam nach wenigen. .Minuten wieder zurück und. der Begleiter Fischls, der 25jährige Handelßangestellte Moritz Klinger ans Monrstar Czyska, 2. 'Bezirk, Obere. Doiiaustraße 63, verließ das Haus und trat an ein vor -dem Hause stehendes Auto,-in dem ein Mann.saß,/der Hin vinm Koffer übergab, mit dem Klinger wieder in das Haus, zurückkehrte. Das Auto fuhr, mit dem. Fahrgast, weg. Beim Hcmstvr selbst, stand als Aufpasser ein vierter Mann, der 26jährige Handelsangeste.tlte.I. Eckstein aus.Kalusz, 3. Bezirk,Obere Miaduktstraße 6. Nun schritten die Kriminalbeamten ein und nahmen Lischt, Klinger und Eckstein fest. Die. Aktentasche, die Klinger zmn Bankhaus getragen hatte, enthielt zniLMtengeknüllteS Zeiiil.ngspap.ier. Ihr Zweck, war lediglich. Familien Fischei Lehrer, Sabina Taffeibaum und Benxloa Fett (Tarnopol) gratulieren Herrn JACQUES SEGAL zu seiner Vermählung <1037 Se. Ehrwfirden Herr und Frau Oberrabblner 8. Schreiber (Erlau) — Juwelier Jakob Babinowitsch und Frau (Wien) laden alle Freunde und Bekannten rar Traunng ihrer Kinder Sigmund und Emilie welche — so Gott will — morgen Donnerstagden 14. Jnli 1. J. um 1 Uhr mittags in der Scliiff-Synagoge, II.. Grosse Schiffgasse. 8, stattfindet. Telegramm-Ablöse: Jeesod Hatorah, II., Neetroygasse 6. 5034 Grösster und bester Käufer Wiens 5064 BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Edelsteinhändler Rabinowitsch, Juwelier I.. «AXISIIIANSTRA8SE 5 II., STEPHANIESTRASSE 3. nur Nr. 8 (jetzlfle Mahlerslr.) Tel. 8541 u 45146 (jetzige Hollandstrasie) Im alflenen Haute Haltestelle Öperhring, Zug. Kärntnerstr. I Samstag gesehiossen. -■ Hören Sie auch unsere Preise 8 0 MMER SAKKO (schafwoue) M 0 DE HOSE (feinst gestreift) HEINRICH WEINBERGER, I.. Singerstrasse Nr. 8 bis Grösse 48 zusammen nur K 3200.— im bekannt soliden Eleiderhaus 99 auch bei einer 'Lllsälligen Anhaltung Amtsorg ane zu täuschen;. Da die Fälscherbande auf eine Anhaltung gefaßt fekn muffte, sollte für diesen Fall der unverdächtige Inhalt der Aktentasche die Aufmerksamkeit der Kriminalbeamten täuschen und den nachfolgenden Transport der falsch gestempelten Noten, die der Kiffer enthielt, decken. In diesem Koffer und in der Rocktasche des Klinger fand man falsch gestempelte Banknoten zu 20 und 100 Kronen im Werte: vojn 200.000 Kronen. Die weiteren Erhebungen der Kriminalbeamten legte»! die Vermutung nahe, daß die Werkstätte der Falschstempler im Hause 20. Bezirk, Karajangasse 11, sich befinde. Dort war Fifchl öfters gesehen worden, obwohl er diesen Umstand leugnete. Der Verdacht, die Werkstätte zu beherbergen, richtete sich hauptsächlich gegen die 33jährige Private Jetti Tops, die im Hanse wohnt. Bei ihr gingen viele Leute ein und ans. Beim Betreten der. Wohnung schlug den Kriminalbeamten ein starker Säuregeruch' entgegen. .Ein hinter einem Glasverschlag stehender Tisch wies Farbspuren auf. Ihm entströmte ein scharfer Geruch nach Säure. Im Bette wurden zwischen den Stvohsäcken zwei mit Spägät umwickelte Päckchen mit Banknoten zu 100 Kronen, zusammen 220.000 Kronen», gefunden, auf denen der Stempel „Deutschösterreich" 'chemisch entfernt war. In der Küche zwischen Wäschekasten und Stellage wurden 39 noch ganz nasse, Nach Säure riechende 100 Kvonen-Noten, bei denen der Stempel entfernt war, aufgestöbert. Auch 20 Raucherkarten auf verschiedene Namen fand man. Frau Topf wurde-damals mit Rücksicht aus ihre fünf Kinder und auf die späte Nachtstunde auf freien Fuß gesetzt, nachdem alles Verdächtige beschlagnahmt war. Sie benützte diesen Akt der Rücksicht, um zu flüchten, wurde aber dann wieder ermittelt und in Verwahrungshast genommen. Fifchl, Eckstein und Klinger wurden gestern dem Landesgerichte eingeliefert. * Gin Jdistenkonaretz t» Wien. Eine, „l'Humanits" dom 6. d. M. entnehmen wir, daß * Empfangsfeier in der Kinderheklstätte am Tivoli. Gestern nachmittags fand in der amerikanischen Kmderheilstätte am Ttvoü eine Empfangsfeier für den um viele Wohlfabrts-- aktionen so hoch verdienten amerikanischen Arzt Dr. Otto G lo g au und die gleichfalls aus Amerika herübergekommenen Komiteemitglieder Anton Wedel und N a d a y und Frau L 8 w e n st e i n, die Schatzmcisterin der amerikanischen Damenhilfsgesellschaft. statt. An der Feier nahmen zahlreiche Wiener Persönlichkeiten teil. * Schlußfeier an der Volksschule des Jüdische» Tchulveretnes. In den Räumen der jüdischen Volksschule (XX., Denisgasse 33> heirschte Sonntag nachmittags ein reges Leben. Eltern. Geschwister und Freunde hatten sich emgefunden, um die Darbietungen der Schüler der l. Klasse zu bewundern. Lieder und Gedichte wurden abwechselnd vorgetragen, wobei auch den Darbietungen in hebräischer Sprache ein breiter Raum zugewiesen wurde, so daß die Eltern sich überzeugen konnten, wie weit die Kinder schon im Verständnis der Sprache ihres Volkes vorgedrungen waren. Die fröhliche Selbstvetständlichkeit, die natürliche und doch selbstbeherrschte Art, mit der die einzelne» Kinder sich ihrer Aufaaben entledigten, erzählen von dem liebevollen Verständnis, das die Kinder während ihres kurzen Scbullebens gesunden ' hatten,. von der milde« und doch bewußten Leitung, der es gelungen war, die kindliche Unbefangenheit voll zu erhalten, ohne de» kindlichen Uedermut Überwuchern za laffen. Den Höhepunkt des Festes bildete die Darstellung des kleine«, von der Klaffenlehrerin F>l. H. Steiner für die Kinder verfaßen Festspieles, an dem sich sämtliche Schüler beteiligten. Die Kinder sahen in ihren einfacher, geschmackvollen Papierkleidche«, mit nackten Füßen und Armen ganz reizend als Blumen, Schmetterlinge rmd Bienen aus und sogar ein kleiner Marienkäfer fehlte nicht. Einen würdigen Abschluß des geluuaenen Festes bildete eine Ansprache des Herrn Prof. Dr. Rosenfeld, der die anwesmden Eltern im Namen. deS Kuratoriums des jüdischen Schulvereines begrüßte. Er wies auf die Wohltat hin, die dem jüdischen Kinde durch den Unterricht an einer jüdischen Schule erwiesen wird und machte darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, die Kinder in diesem zarten Aller in eine jüdische Schule zu bringen, die das ganze künftige Seelenleben des jüdischen Memchen beeinflussen könne. Die iüüische Volksschule hat ihr erstes Arbeitsjahr hinter sich. Sie muß sich ihres Erfolges nicht schämen.. Die Schüler beherrschen denselben Stoff wie ihre Altersgenvffrn von der öffentliche» Schule, dazu kommt, daß sie eiugeführt wurde» iu die hebräische Sprache, die ihnen nicht als etwas Totes, sondern i« lebensvoller Gestalt entgegengebracht wurde. Und was die erziehlichen Erfolge dieses Schuljahres betrifft, so braucht derjenige kein Wort darüber zu verlieren, der die Kinder während dieser Schlußfeirr beobachtet hat. * Auiou für demokrattscke Aoutrolle. Heute, Mittwoch, Va6 Ubr abends findet, die erste Versammlung der Union im kleinen Musikvereinssaal statt. Tagesordnung: , Die mckiualÜMie Laar und. die Alle der Union für demokratische Kontrolle. Redner: Mrs. Eihel Suowden, PtofMr Dr. Josef Redlich. Abgeordneter Dr. Karl Renner/ Hofrat, Dr. Friedrich H e.r tz. Beitrittserklärungen (Mitgliedsbeitrag nach Selbsteinschätzung) sind zu richten an die Union iür demokratische Kontrolle, Wien. I., Hofburg, Schweizerhof. Die Versammlung ist frei zugänglich. Einem Artikel der . ... im Rahmenl der kommunistischen Organisation auch eine internationale revoln-i tionäre Organisation der I d i st e n. das heißt der Anhänger der internationalen Sprache Ido errstiert, die den Namen ,Brnancipanta Stelo" führt, in neunzehn verschiedenen Ländern . Sektionen besitzt und ihren nächsten internationalen Kongreß vom - 5. bis^ 9. August d. I. i n W t e n, abhalten wird. Die Frage der Schaffung und Anerkennung einer internationalen Sprache für das Proletariat beschäftigte die verschiedenen Internationalen schon seit langer Zeit. Der rege Verkehr des revolutionären Proletariats der verschiedenen Länder miteinander in dm letzten Jahren hat die Frage einer internationalen Sprache noch aktueller gemacht, da die Proleiarier, wie es in den verschiedenen Kundgebungen hervorgehoben wurde, weder die Zeit, noch auch immer die Fähigkeit besitzen, sich die wichtigsten Weltsprachen anzneignen Und dadurch im internationalen Dienste ihrer Organisation nur schwer verwendet werden lönnen. Der Streit geht nur noch um die Dahl zwischen Esperanto und Ido. * Elektrifizier»»- der Schweizer Alpenbahne«. Aus Chur wirb gemeldet: Am SamSkag wurde die erste elektrische Lokomotive mit 1000 Pferdestärken dem Betrieb übergeben. ES sollen noch fünf solche Maschinen sertiggrstellt werden. Die Probefahrten auf den Strecken Landguart—St. Moritz mid Filisür—Davos besriedigen überaus. * Der Bankbeamtenstreik in der Tschecho-Slowakei. Nach einer Meldung der „Prager Preffe" ist in der heutigen gemeinschastlichen Versammlung der deutschen und tschechischen Bankbeamten bekanntgrgeben worden, daß die Gewerkschafts-Internationale dem Widerstandsfonds einen Betrag von 20.000 Schweizer Franken zugrsichert habe. * Wetterbericht. Grstern vonnittags war es in Oesterreich heiter und sonnig, um Mittag stieg die Temvrratur über 30 Grad, in Wien bis 31.7 Grad. Nachmittags wurde es in Wien stälcker. bewölkt, gegen abends brachte ein Gewitter Abkühlung aus 22 Grad und etwas Regen. In Nordeuropa herrscht sehr kühles Wetter bei lebhaften oder starken nordwestlichen Wmden. Voraussage: Veränderliche Bewölkung, mäßig warm, weitere Gewitter nicht ausgeschloffm. * Selbstmord einer bulgarischen Studentin. Aus Mödling wird uns berichtet: Kürzlich hat sich am hiesigen Stud- 'bahnbof die 22jährige Studentin Marie T s ch a w d o r o v a der Grazer Universiiät vergütet. Als sie einige Tage später geheilt aus dem hiesigen Krankenhaus entlasten wurde, begab sie sich sofort zur Südbahn und warf sich vor die Lokomofive eines heranbrausenden Zuges, der sie zermalmte. Das Motiv der Tat ist unbekannt. * Worlieeks heimliche Ehe. Am 22.'v. M. wurde beim. Kommiffariat Josefstadt die Anzeige erstattet, daß der noch nicht 20j8hrige' beschäftigungslose Privatbeamte Friedrich Worlicek, VIII., Floriamgasse 63, die 18jahrige Holzhandlerstochter M. N.. in der Josefftadt wohnhaft, tagsvorher entiührt habe und seither flüchtig geworden sei. Diese Anzeige hat einen Akt einer geradezu unerhörten Gewiffenlosigkeit blvßgelegt. Worlicek wurde am 9. d. M. im Wilhelminen-Svital, wo er an einer Geschlechtskrankheit darniederlag, ausgeforscht. Die Erhebungen ergaben, daß' er am 21. v. M>, am Tage vor dem Verschwinden, die M. R. heimlich geeheluht hat. Die Trauung fand beim Pfarramt Altlerchenfeld statt, und da die Elter» der N.> ihre Zustimmung zu einer Verehelichung ihrer Tochter mit Worlicek verweigert hatten, hat er die erforderliche Einwilligung! der Ettern zu-seiner Heirat auf betrügerische Weise versühafft.j Nach seiner Angabe bat er sich die Dokumente um X 450 in einem! Kaffeehaus im II. Bezirk von einem Unbekannten anfertigm; laffen. In unverzeihlichem Leichtsinn hat er daun seine junge. Frau mit der Gcschtechlskrankheit infiziert und sie liegt seither im. Wilhelminen-Sp'ial krank darnieder. Worlicek wurde am' 11. d. M. dem Landesgericht eingeliefert. Auch die Holzhändlerslochter mußte wegen Mitschuld an der Dokumentenfälschung und Verschweigung des Ehehindernisses in strafgerichtliche Untersuchung gezogen werden, doch blieb sie auf freiem Fuß. < * Warum wir schlechtes Brot esse» müsse». Seiti einiger Zeit mehrten sich die Betchwerdcn aus Verbraucherkreisenj über die schlechte Beschaffenheit des rayoniertm Brotes, während, daneben allenthalben in Gastwirtschaften, Kaffeehäusern usw.' weißes Kleingebäck in immer größerer Menge zu sehe» war. Der Verdacht, das diese Wahrnehmungen miteinander im Zusammenhang stehen, war naheliegend. Das Kriegswucheramt veranlaßte bisher eine allgemeine Re-, Vision sauttlichrr Bäckererbetriebe Wiens, welche die gpnze, Prüfung der Gebarnna in den Betrieben der, Qualität der verarbeiteten Mehlgattungen, der vorgeschriebeveni Mchlmischung, des Brotgewichtes usw. zum Gegenstand hatte.. Diese umfangreiche Aktion, verbunden mit der amtlichen Unter-, suchung der in den Mühlen und Bäckereibetrieben abgegebeneuj Mehlproben, ist gegenwärtig noch im Zuge, hatte jedoch jetzt bereits.! viellach zur Aufdeckung und Bestrafung von Uebertretungen drr.- verschiedenen einschlägige» Vorschriften, insbesondere zur Eruierung! von Winkelbäckereteu geführt. v; * Ein mysteriöser Ueberfall, Gestern früh um i vhr. forderte der Hausbesitzer Gustav Troll, I., Friedrichstraßc 2, dem Sicherheitswachmann Josef Bruckner aus. in seiner Wohnung! einem Mädchen das bei ihm auf Bewch weilte und plötzlich von^ Herzkrämpfen befallen worden sei, Hilfe zu leisten. Troll fügte hinzu, er habe die Fremde am Abend vorher im Stadtpark kennen! güernt und in seine Wohnung eingeladen. Der Sicherheitswach-, mann nahm sich des Mädchens an und als sich erholt hatte, erhob eS! schwerwiegende Beschuldigungen gegen den Wohnungsinhaber und! zwei andere junge Leute. Die Besucherin ist die Private Karoline S., H», Engerthstraße wohnhaft. Sie teilte mit, daß Gustav Troll,, sein Bruder Maurelius und ein gewiffer Ewald R o m S d o r f,e ty XVIII., Lazaristengaffe 10, sie in ihrer Wohnung vergewaltige» wollten. Da sie sich dagegen wehrte, fei sie von den drei Männer» festgehalten worden und sie hätten, um ihre Absicht zu verwirklichen, ihr die Kleider vom Leib gerissen. Da das Vorhaben mrßlang, hätten die drei sie zu Boden geworfen und Maurüms ^rou sie mit Füßen getreten. Pauline S. wurde zum Polizetkommiffariat Innere Stadt gebracht. Sie hat Hautaufschurfungen und Quetschungen des Brustkorbes erlitten Md wurde von der Rettungsgesellschaft auf die erste Unfallstation gebracht. Die Sttasamishandlung ist im Zuge. , * Die Ann»»ee»expeditto» E. E. Sichrowsky» Wim, I., Bräunerstraße 10, hat nach zirka 20jahrigem Bestehe» ihre Unternehmung mit der M. D u k e s Nachf. A.-G., Wie», l», Wollzeile 16, vereinigt und wurde Herr Enrico E. Sichrvwskh in den Anfsichtsrat der M. D»kes Nachf. A.-Gkooptiert. * Spanische Nteitfchule. Freitag den 15. d. M. findet um 8 Uhr nachmittags eine öffentliche R e i 1 p r o d u k t t o.» iuder Spanische« Reitschule statt, pt welcher Kartm von X m bi- 80 zum Verkaufe gelangen werde».. Der Kartenverkauf beginnt Donnerstag dev 11 d. M., um 8 Uhr früh rückwärts rm Hofe der Stallburg, I., Rntfch»lgaße % maftüiö- «lii Lorwttduw« eM«Mgr»»«M» «erde».