Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 884 (13.7.1921)
- Date
- 1921-07-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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MMMSWWW Mim, MMVVH Wiener mktorsenzrrrmrg IS. Juli 1921 Nr. 884 vie Sitzung des zionistischen Mli-tlskomitees in Prag. k>es 'ZÄmistifchM Mtionskonsitees Zeit.mutzte Mitzm-anU nach! Amerika reisen und So- PolitischeRundschau. Die Jude« in der Organisation der magyarische« Minderheiten in RnmLnen. In der Vorwoche fand in K lausen b ür g unter dem Vorsitz des Baron Samuel Jofztka, eines Siebenbürger Aristokraten, die konstituierende Versammlung des magyarischen Bundes statt, um die Organisation der magyarischen Minderheit in Rumänien zu begründen. Während in Horthy-Ungarn die Juden als Eindringlinge und fremde Zuwanderer, die mit dem Magyarentum nichts gemein haben, verfolgt und bedrückt werden, bemühen sichdie Magyaren der Nachfolgestaaten, und so auch die magyarischen Führer der Rumänien an gegliederten ehemaligen ungarischen Gebiete, die Juden als magyarische Brüher zu reklamieren, um durch sie die Statistik der Magyaren zu verbessern. Interessant rst, daß sie in Siebenbürgen in dieser Beziehung soweit gehen, daß sie die Juden bezüglich der Einwanderung nach Ungarn mit den Magyaren selbst auf eine Altersstufe setzen. Im Verlauf der Debatte führte nämlich Josef Sandor, ein Nichtjube, aus,, baß es notwendig erscheine, die Verhältniszahl der magyarischen nationalen Minderheit festzustellen. Auf Grund der Volkszählungsdaten vom Jahre 1910 betrug die Zahl der Magyaren auf den in Betracht kommenden .Gebieten 2,400.000. Während nun die rumänische amtliche Volkszählung auf dem Gebiet des alten rumänischen Königreiches eine Differenzierung nach Konfessionen nicht kennt, und auch die rumänischen Juden als Rumänen gezählt werden, werden in den neurumänischen Gebieten die 179.000 Juden nicht) zu den Magyaren zugezählt. Er halte es für ungerecht, die Juden von den Magyaren loszureißen, denn es bestehen historische Daten darüber, daß schon mit Arp.ad bei seiner Besitzergreifung von Ungarn zu gleicher Zeit auch Juden ins Land kamen. Ebenso sei es bekannt, baß auch.unter den mit den Magyaren verbrüderten Kasaren in großer Zahl sich Juden befanden, die also bereits seit tausend' Jahren im Lande leben, seit tausend Jahren Mitbesitzer des Bodens sind und vielleicht gar nicht von Juden abstammen, sondern sich nur zur jüdischen Konfession bekennen. Was! werben Harthy und Pater Zadraweez zu diesen urmagyarischen Siebenbürgern sagen, die nebenbei aus ihrer Versammlung an König Ferdinand von Rumänien ein äußerst devotes HüldtgUngstelegramm sandten? Eine Tat, für welche jeder Jude, wenn er nach Ungarn käme, sein Lebe»! lassen müßte, sowie" mancher Jude, der den Treueid! an die neue Macht verweigernd nach' Ungarn flüchtete, diesen Patriotismus mit der brutalsten Verfolgungbelohnt fand. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden in den erweiterten ZentralauSschutz, dem zweihundert Mtglieber augehVrerr, auch der Oberrabbiner von Grvßwarbein, Dr. Leopold Kecskem<ti, der übrigens für seinen großen Patriotismus inzwischen in das Rabbinat der Bubapester nevlvgen Gemeinde berufen wurde, und noch einige jüdische Advokaten gewählt. - : ( Die zw eieinh albte Internationale. „SBefee« Brüssel, noch Moskau * Die „Freiheit* veröffentlicht heute eine« ausiührlichen Bericht Über die in Franksrrrt stattgehabte Massenversammlung der Internationale« Arbeitsgemeinschaft. Dr. Friedrich Adler führte in feiner Rede unter anderem aus: Wir sind hier Patteien, deren Vertreter sich bis zu Anfang des Krieges der Maffenbegeisterung entgegenstemmte«. Daß wir damals die Wahrheit sagten, ist heute ein Glück für de« Wiederaufbau der Internationale. Wir dürfen nicht wieder ei» Gebilde schaffen, wie eS da? war, das durch daS KriegSgefchrei der Hurrahpalrloten im entscheidenden Moment znsammengebrochen ist. Wir in Oesterreich haben alle Schwierigkeiten durchlebt in diesem Lande, in dem der Krieg planmäßig vorbereitet wuide. Aber bei uns ist trotz aller Schwierigkeiten die Arbeiterschaft kampfkräftiger gebliebe«, als es leider die Arbeiterschaft anderer Länder ist. Unsere Bewegung ist rein geblieben. 96 Prozent der Arbeiterschaft stehen hinter uns und nur v i e r P r o z e«1, die sich kommunistisch nennen, sind ab gesplittert. Die österreichische sozialistische Partei steht einig auf dem Boden des Klaffenkampfes. Nicht Einigkeit um jeden Preis tut not, sondern Einigkeit für daS gefetzte Ziel. Unsere Aufgabe ist, daS Proletariat zu einer Klaffenorganisation zusammenzufügeti, die den Ehrennamen einer Internationale wirklich verdient. Bon links und rechts stellen sich dieser Aufgabe noch Schwierigkeiten entgegen. Die einen sagen, eS könne nur Brüffel oder Moskau sein, da es nur die Wahl zwischen dm beidm Extremen gebe. Wir aber sagen: Weder Brüssel noch Moskau, sondern Zusammenballung des gesamten internationalen Proletariats zum Klaffenkampt. Berlin, 12. Juli. Die gestrige Tagung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft begann, wie die „Freiheit" berichtet mit einer eingehenden Erörterung der internationalen politischen Lage und den Berichten der Delegierten der einzelnm Länder über die Entwicklung der Bewegung seit der Wiener Konferenz. Im Mittelpunkt der Beratung stand das P r o b l e m des Neuaufbaues einer allumfassenden Interna« 1 i o n a l r. Der Einladung zu einer Besprechung der Labour Party mit dem Bureau der Internationalen Arbeitsgemeinschaft solle Folge geleistet werden. Der Einladung zum 18. Parteitag der polnischen s o z i a l i st i s ch e n Partei in Warschau solle wegen der Haltung der Mehrheit dieser Partei melb'et aus Prag : Die Sitzung hes Zionistischen Aktionskomitees wurde Sonntag den 10. Juli hier eröffnet. Bis zur Stunde der Eröffnung sind ungefähr 40 Mitglieder des Aktionskomitees eingetroffen. Von der Exekutive sind die Herren Sokolow, Ussischkin, Ruppin und Lichtheim anwesend. Dr. Weitzmann, der bringend in London zurückgehalten wurde, wird erst heute abends hier eintreffen. Auch! die Herren Jabotinsky und Cowen sind bereits avisiert, so daß alle Mitglieder der Exekutive, mit Ausnahme Dir. Eders, der in Palästina bleiben muß, an der Sitzung teilnehmen werden. Aus .Palästina sind die Herren Schainkin und Bograczew eingetroffen, die zwar keine Mitglieder des Aktionskomitees sind, jedoch! an der Sitzung teilnehmen werden. Von Mitgliedern des Aktions-' komitees kamen aus .Palästina Sprrnzak, Tworsky und Verl Katzene lsvn. Um 10 Uhr vormittags! eröffnet der Vizepräsident des Aktionskomitees, Professor Marburg, die Sitzung und teilt mit, daß der ^Präsident des' Aktionskomitees Lord Rothschild zu seinem Bebauern verhindert ist, der Sitzung beizuwohnen. Professor Marburg begrüßt die Erschienenen und' betont die außerordentliche Wichtigkeit der Tagung. Nach Verlesung der .eingelaufenen Begrüßungstelegr-amme abwesender Aktionskomiteemitglieder ergreift das Work Herr S v ko lo w, um in hebräischer Ansprache zunächst der in Palästina gefallenen Toten zu gedenken. Ferner gedenkt er des verstorbenen Rabbiners Rah i n o w i t s ch (Liverpool) und' weist darauf hin, daß das Aktionskomitee zum' zweiten'Male seit seiner Wahl zufammentritt, nachdenv es bisher nur ein-' mal unmittelbar nach feiner Einsetzung getagt hat. Eine der Hauptaufgaben hes Aktionskomitees' ist dis Vorbereitung des' Kongresses, der auch eine neue organisatorische Form wirb' schaffen müssen, wobei auch zu prüfen sein wird, ob' ein derart großes -Aktionskomitee überhaupt arbeitsfähig sein kann. Professor' Marburg teilt sodann mit, welche Personalveränderungen . sich im Aktionskomitee vollzogen haben, teils durch Resignation von Mitgliedern, teils durch Rückberufung und Neuwahl seitens der Landes- und -Sonderverbände. Zur Frage der Tagesordnung wird beschlossen, zunächst das politische. Referat ISvkvlowS entgegenzunehmen und die Debatte bis zur A n k u n f t Weitzmanns zu verschieben. Herr Licht hei Nr schlägt vor,!den Rest der Nach? mitta'gssitzrmg mit der mehr technischen Frage der! Kvngreßvvrbereitung auszufüllen. Sodann erstattet Sokolow sein Referat über die politische L a g e in Palästina. Er er örtert zunächst die politische Situation, die zu seiner Entsendung nach Palästina "geführt hat. Nachdem er sich in Paris vorwiegend' mit der Fra ge der Grenze-n beschäftigt und' verschiedene Verhandlungen mit der, französischen Regierung geführt hätte, erstand durch die Ueb'ertragung der Angelegenheiten des mittleren Ostens an bas englische Molvnialministerium insoferne eine Aeyderung, als der Kvlonialminister Churchill vor der Bestätigung des Mandats persönlich eine Reise nach Palästina unternahm. Gerade zu dieser keine Folge gegeben werde«. Sodann wurde über die Lage deS Proletariats in Litauen gesprochen. Zwecks Hilfeleistung für die u n g a r i s ch e n Emigranten und die eingekerkerten ungarischen Sozialisten wurde beschloffen, eine» Aufruf an die Arbeiter aller Länder zu erlassen. Im Zusammenhang mit der grausamen Verfolgung des Proletariats fanden auch die traurigen Erscheinungen Besprechung, die unter dem bolschewistischen Diktat sich in Rußland zeigen. In einer Entschließung wurde die Herrschaft der Freiheit für daS klaffmbewußte russische Proletariat gefordert. Bei der Beratung der. organisatorischen, fragen wurde festgestellt, daß in allen Ländern, nt denen seit der Wiener Konferenz Parteitage stattgefunden haben, die Beschlüße von Wien ratifiziert und der formale Beitritt znr I. A. S. P. vollzogen wurde. Wo Parteitage nicht stattgesunden haben, haben die Partcivorstände vorläufig das Einvernehmen mit den Ergebniffen der Wiener Konferenz bekundet. _! Die Enthüllungen -es Prinzen Windtschgrätz. Elemencea« soll Auskunft gebe«. - Budapest, 12. Juli. Du UnabhängigkeitSpartri hat sich gestern mit den Beschuldigungen des Prinzen Windischgratz befaßt und folgende Resolution eingebracht: Da P r i n z D indisch g r L tz sich auf den gewesenen französischen Ministerpräsidenten Clemenceau beruft, wird die Partei a«ch Clcmencrau um diesbezügliche Aufklärungen ersuchen. Der gewesene Ministerpräsident der Szegediner gegenrevolutionären Regierung. Desider Abraham, hat den Preßprozeß gegen den Prinzen Windischgratz angestrengt. Gleichzeitig ersucht er den Ministerpräsidenten um freies Geleite für de« Grafen Michael Karo l y i, I. H o ck, Eugen Landler, eventuell für die Minister der Karolyi-Regierung Oskar J as.z i und Pa»l S z e n d e. damit ste vor dem Gericht erscheinen können. Abraham führt in diesem Gesuch aus, daß es sein kvlow wurde nach! .Palästina entsandt. Der Mferent schildert sodann ausführlich' die Verhandlungen, die er in Aegypten -mit Churchill inrd dein High Cvrnmissioner Sir Herbert Samuel geführt hat. Insbesondere beschäftigte er sich mit der Frage der Miliz und des Oftjorbanlandes. Sodann gibt Sokolow eine Schilderung der Ereignisse in Jaffa ’ und der Ueberfälle auf die Kolonien. Er erklärt, daß er schon vor diesen Ereignissen die Bedeutung der« arabischen Frage gekannt hat, daß es möglich'ist, die arabische Frage, so schwierig sie auch in diesem Augenblick erscheinen mag, zu lösen und einen Mod uB viveudi mit den Arabern zu finden. Wir ‘ müssen verstehen, daß von dieser F rags alle anderen Dinge ab hängen' und wir wüf-sen bereit sein, dafür große Opfer zu bringen. In der Nachmittagssitzu-ng setzt Sokolow sein Referat fort. Er berichtet zunächst über die Verhandlungen, die Vertreter der Zionistischen Organisation und der Zionist Commission mit der palästinensischen Regierung geführt haben, und bespricht die Ein- . stellung der Einwanderung der Chaluzim. Dabei stellt er die Haltung des Oberkommissärs aus! seinen Motiven bar und warnt davor, in ein/eitiger und unüberlegter Weise an seiner Person Kritist zu ü den, wie es ein großer Teil der zionistischen Öffentlichkeit getan hat. Samuel sei über di« Fo-rderungen und Wünsche der Zionistischen Organi sation genau informiert, er habe jedoch bestimmte politische Anschauungen, dieihm seine Handlungsweise vorschreiben. Wir'haben viele seiner Maßnahmen in der letzten Zeit scharf kritisieren und bekämpfen müssen, aber twtzdsmi müssen wir verstehen, zwischen Person und Programm zu unterscheiden. Im weiteren Verlaufe feiner Red« berichtet Sokolow auch! über den Gang der Untersuch nng und die Haltung der Justizbehörde. Es ist vor allem die Maschine des Justizwesens so, daß unsere Forderung' Nach' exemplarischer Bestrafung auf allerlei Hindernisse stößt. : Auf seiner Rückreise hat Sokolow in Par f§ interveniert und auch beim Völkerbund über bi« Lag« in Palästina Bericht erstattet. In London hatte er mit mehreren führenden Persönlichkeiten Unterredungen und hat den Eindruck gewonnen, daß die entscheidenden Stellen die Sachlage verstehen und' unsere Sache nach wie vor zu fördern^ bereit sind'. Jedoch ist zu betonen, daß die Lösung des Problems jetzt' in der Arbeit' liegt, dis wir zu schaffen in der Lage sein werden. Di« Arbeit^ besch'affung in Palästina ist jetzt das wichtigste politische Problem geworden. ' Nach dem mehr als vierstündigen Referat« Svko- ' lows wird, da di« Debatte bis zu Weitzmanns! Ankunft verschoben ist, zunächst bas Referat des Herrn Lichtheim über die organisatorische Vorbereitung des Kongresses und das vom Kongreß neu. zu beschließende Organisationsstatut entgegengenommen. Wunsch sei, vor dem Gerichte zu bewüscn, daß die Anschuldigungen deS Prinzen Windffchgrätz Märchen seien. Inland. Das LllnderbanLgesetz. Dem Finanz- und Budgelausschuß ist gestern das Spezialgefetz Über die Gitzverlegnng der Länderbank zngegangrn. Die Beratung hat aber nur mehr formalen Charakter, da daS Gesetz in dies« Session kaum mehr erledigt werden kann. Die Großdeutschen bleibe« auch gegenüber dem Spezialgesetz ablehnend «nd verschanze» sich hinter ihrer ReichSparteileitung. Die Christlichsozialen reden dagegen noch immer von den außenpolitischen Zusammenhängen, obzwar die Gitzverlegung einer Bank sicher keine so weltbewegende Sache ist. Aber hier ist ei» frischer Krieg gegen den Kanzler entstanden, den die malkontente Regierungspartei nicht sehr gerne auf feinem Posten steht. Eine RegirrangSkrise deshalb, weil die Forderung der LänderVank nach Herabsetzung der lieber- IragungSgebühr—' um mehr hat es sich ursprünglich gar nicht gehandelt — auf p arlamentarischen Widerstand stößt, wäre das dümmste, was sich Oesterreich leisten kann. Die Optionen. Sine Aufforderung an Dr. Wader. Der politische Ausschuß des Großdeutschrn Volksbmides h,u im Einvernehmen mit der niederösterreichischen LaNdesparteilcitung der- Großdeutschrn Volkspartei die folgende Entschließung gefaßt: »Der politische Ausschuß deS Großdeutschrn Volksbundes für Wien und Niederöstu reich weist die gegen den Bundesminuter Dr. W a b e r aus Anlaß der abschlägigen Erledigung der Optionsgesuche von Ostjuden erhobenen Anwürfe und Drohungen auf daß entschiedenste zurück. Er ist überzeugt, daß Dr. Waber lediglich dafür Karge trägt, dafl die Enftcheiduug über die Gcs \ 5 l \ t k » i 3 l j5 S I i t 5 c ä k i l i 6 '«J L '5 C v S 3 h d ü 8 N ei « 3 S -i b A € kl € V! r ri 3 K h! se d, ui <Z de L, B di de sp bc dr dc h