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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-07 · Heft 878 (7.7.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 878 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 878 Wien. Donnersrag Lnorgenzeuung Beni Aros, 40 Meilen von Tanger, zu umzingeln suchten. Raisuli, -er ein bedeutendes H^«er aufgehvacht habe, leiste enL x gLsch en WLd er stayd. Die Spanier hätten nach amtlichen Mldungen in der vergangenen Woche Lei einem einzigen Zusammenstoß 9 Offiziere und 8.0 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Die Lage i» Italien. Nom, 6. Juli. (Tel.-Komp) Der erste Mimsterrat hat das Programm skr die nächste Kammertaguug aufgestellt, da der Ministerpräsident nur mit einem fertigen Regierurigs- Programm vor das Parlament treten und sich Zeit erbitten will, um durch die zuständigen Minister genaue, nicht Überstürzte Gesetzentwürfe ausarbeitrn zu lassen. Die. Kammerarbeiten weiden am SO. Juli wieder anfgenymmen und werden'höchstens bizum 6, August dauern. Vor den Sommerferien will Bonomi noch die R efotm b er Bur e a »- k r a t i e unter Dach, bringe». Wie Giolitti besieht auch er auf der Gewährung der unbeschränkten B - l l m a ch t. Nom, 6. Juli. Der Präsident der Kammer de Ricola ist aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten. Nom» 5. Juli. Die Sozialisten haben für Mittwoch eine Volksversammlung als Kundgebung für hie Verteidigung des Proletariats eirberufen. Die Faszisten kündige» Gegenkupdgebungen an. Die Regierung hat Versammlungen unter fteiem Himmel verboten. Piaeenza, 5« Juli. Wegen der Tötung zweier Kommunisten ist hier der allgemeine Ausstand verkündet worden. Genua, 8. Juli. In Sestriponente wurde bei der Leichenfeier für die getöteten Faszisten der Trauerzug von Kommunisten überfallen. Militär wehrte mit M a s ch l n« n g e w t hren bic Angreifer ab. Die Zahl der hiebei getöteten und verwundeten Persvue« ist noch unbekannt. Dir F a f z i st r n haben zur BergelMng die A r b e i t s k a m m e r a n g e- -iündrt. Die Wilnaer Frage. Direkte Verhandlungen zwischen Polen und LLtane». Warschau. 6. Juli. (48. P. G.) Aus G en f wird gemeldet: Der Völkerbundrat nahm den Hymansschm Drrmittlungs- Vorschlag, betreffend den polnisch-lttamschen Konflikt an, und beschloß, daß dse wetteren d i r e k t e n S e r h a n bin« g e« zwischen Polen und ZentraUitquen am 15. Juli in BMel ausgenommen werden sollen. Alle Aygehörigen der Armee Zeligowski, dje nicht Bewohner per strittigen Gebiete sind, sollen nach dem 15. Juli das Wilnaer Gebiet v.r? l a ss ey, worauf unter Kontrolle der Militärmission des Bölkerbmibrrme Lokalmiliz in der Höhe von SOSO Mann gebildet werde» s-ll. Das Treiben -er AA-entsche«. Paris» s. Julc. (HaoaS.) »Journal" verweist darauf, haß die Ereignisie in Beuchen sich just ln de« Augenblick abgespielt haben, da die Deutschen die Aushebung der Sanktionen durchsetzen wollen und der Oberste Rat sich versammeln joll, um über -aS Schicksal Oberschlesiens zu entscheiden. ^Figaro" sicht in den vyx-. fällen das Treiben aXt b ruts ch er Kr ä ft e. Streik der deutschen Kommunisten in Norddöhmen. Prag» 6. Juli. Die Blätter melden: Die deutschen Kommunisten Nordböhmens Hab.» beschloß en, am 12. d. M. in den Streik zu' treten, der nicht bloß die Forderung auf Feilassung der verhaNeten Kommunisten, sondern zugleich auch dre Sympathie für die streikenden Bankbeamten zum Ausdruck bringe» soll» Magyarische Zeugen. Budapest, 6. Juli. ftlug. Tel.-Korr.-Bur.' In her heutigen Verhandlung des Tlsza-Prozesjes gestand der Zeuge B t e i e r, der während der Untersuch«»« angrgebm hatte, m den Händen Hütlners euren Bei0y«nugsburf über L 100.000 gesehen z» habe», dav er durch Heltai rm Grängnss bewogen worden sei, falsch auszusagr«. Cr wisse, welche Personen hm'erHelia, stünden, aber er habe nicht den Mut, sie zu nennen. Diese Ausfüge nef im Saale große Bewegung hervor. Die Tagung des Akttouskomitees i« Prag. Die Konferenz des ÄftionsAmibees beginnt inPrag am 10. Juli. Von der Exekutive werden an Öen Oonferenzey Muehnmnr Dr. Weitzmanu, Sokvl-w. Co wen, Jabvtinsky, Licht heim, Ussischkin und Dr. Ru pp in; ferner die Direktoren. -es. Koven Hajessod Feiwel und Naiditsch. Dp. Eder ist, wegen dringlicher Amtsgeschäfte in Palästina an der Teilnahme verhindert. Die Dauer der Konferenz ist für sechs Tage in Aussicht genommen. AU Tagesordnung wuchs festgesetzt: 1. Bericht über die allgemeine Lago derzioyistischen Bewegung, erstattet von Dr. Weitzmannund Sokolvw. 2. Finanzbericht von Mr. Co wen. 3. Bericht über den Keren Hajessod, Referenten Dr. Feiwel und Naibitsch. 4. Tätigkeitsbericht der zionistischen AvmmPivN, erstattet von Ussischkin und Dr. Ru pp in. ö. Bericht über den NätionalfondS von Prvftfstr Marburg. 6. Bericht Äber^ Ne Einwanderung, Organisatisn und Vorbereitung des KvngtesstS, Mstvent LiHtheim. Während der KonferenzwvchS in Prag werden auch Versammlungen und Sitzungen des Keren Hajessod^ des Jewish Colonial Trust, dev Angst) Palestine Cümpany und des Jüdischen NationalfonbS ab gehalten werden. Die Spionage de» deutschen Generalstabes in Pudapeft. Budttpeft', 6. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung hielt Prinz Ludwig Windischgrätz eine Rede, worin er unter Bezugnahme auf die Erklärung des Mgeordneten Balla und des ehemaligen Ministerpräsidenten der Szeged biner Regierung, daß die von dem Redner gegen die Unabhängigkeits- und 46er Partei, sowie gegen einzelne Mitglieder dieser Partei erhobenen Beschuldigungen jeder Grundlage entbehren und einer «ernsten Kritik nicht standhaften, ausführte, daß er es für notwendig halte, alles zu sagen, was er in Verbindung mit der OktoberrLbalntion und über hie Verbindungen, diewährend des Krieges mit den Feinden airfrechLerhaltein wurden, wisse. ' Mn der durch' Michael Karolyi und seine Partei ins Leben geruftwen revolutionären Bewegung habe er im Jahre 1918 Kenntnis erhalten, als er in seiner Eigenschaft als Ernührungsminister in Berlin weilte. Man Habs ihn in Berlin auf* merksam Mmacht, daß der deutsche Gen oral stab diese von der Unabhängigkeitspartei und von Karolyi ausgehende Bewegung verfolge, daß die französischen und italienischen Verbindungen Kavolyis wohlbekannt seien und daß inan die Mitglieder bor Nnaü°> h ängigkeitspartei kenne/die an der Spitze der Bewegung stehen. Es sei auch erwähnt worden, daß die auf diese Bewegung bezüglichen Besprechungen in der Wohnung Karolyis und Hollos stattgefunden haben. i Aus Berlin Hein: gekehrt, habe er pflichtgemäß hem König sowie dem ungarischen Ministerpräsidenten hievon Mitteilung gemacht und die Aufklärung erhalten, daß gegen Karolyi ohnedies. ein militärisches Strafverfahren im Zuge sei, in Hessen Verlause sich die Frage klären müsse. Ass er nach der Schlacht an der Piave im Aufträge des Armeeoberkommandos und der ungarischen Regierung mit dem deutschen Hauptquartier wegen der Ernährungsfragen Verhandlungen pflog, habe ihm Kaiser Wilhelm ermächtigt, dem König darüber zu berichten, daß der deutsche Generalstab sämtlichen Fäden der revolutionären Bewegung ans hie Spur gekommen fei. Der Kaiser habe diese Mitteilung mit der Bemerkung begleitet, baß unter derartigen Umständen die Weiterführung des Krieges unmöglich fei, einerseits wegen d«ss fortwährend«: Verrates der tschechischen Truppen, andererseits wegen her revolutionären Bewegung der Karoltzi-Partei, die ftüher oder später zum. Zusammenbruch der Monarchie führen müßte. Kaiser Wilhelm habe nachbrücklichst darauf aufmerksam gemacht baß man den «erwähnten Machinationen ein Erche bereiten müsset und habe den Redner ersucht, in dis Informationen des Generalstabs Einblick zu nehmen. Der deutsche Generalstab habe damals in Budapest zur Kontrolle der von 'Karolyi eingeleiteten Won ein ausgedehntes Spionagebureau unterhalten. Man habe deutscherseits auch erfahren, baß Karolyi aus der Schweiz bedeutende Geldsummen für seine Mion erhielt und' daß die Reise Desider Abrahams in die Schweiz und feine Besprechungen mit den franzöfischtz-n Sozialisten Renaudel und Blum sowie mit dem Kvmmunisten Gnilveau damit in Verbindung stünde». Die Verhandlungen AbrahamS Lyogen sich einerseits auf die Vorbereitung der Revolution, andererseits aber habe er dem ftanzöfifchen Botschafter in der Schweiz Nachrichten über die militärische Lage der Monarchie und des Deutschen Reiches übermittelt. Redner sei nach Eckartsau geeilt und habe gleichzeitig gefordert, daß die Affäre sofort b«r«einigt werde. In tm KabinettSkknzlet fei mit ihm ein Protokoll ausgenommen und im Mge der ungarischen Ministerprästtiente« die Erledigung der Affäre Karolyi angeordwet worben. Mvolyi habe von den Schritten b«es Redners Kenntnis erhalten und wollte die Angelegenheit auf persönliches Gebiet ablenken. (Indem er die Kartsffelverwaltuny des Ptinzen aufdeckte. Die Red.) MS Karolyi dann ungarischer Mnisterpräsident war, habe Rednerselbst geglaubt, daß es ihm gelingen werde, mit der französischen Regierung Vereinbarungen zu treffen, die bei den Frieden§verhandlung«sn die Situation des Landes eventuell erleichtern könnten. Umso größer sei aber sein« Bestürzung gewesen, als er von französischer Seite mit her Erklärung empfangen wurde, man könne nicht verstehen, auf welche Weise Karolyi in den Besitz, dev Macht gelangt fei. Die französisch« ÄS. gierung hatte Karolyi als Spion und als Revolutionär benützt,' um die Widerstandsfähig^ der Zentralmächte zu schwächen, hatte jedoch nicht daran gedacht, daß sie Karolyi und seinen Leuten als Regierung gegenüberstehen werde, umsomehr, als. sie. die Derbindrmgsn Karolyis mit der Sowjetregierung gekannt habe. Als Redner nach seiner Demission von dem Verrat Karolhis erfahren habe, habe er die französische und! englische Regierung davon verständigt, um Karolyi zu diskreditieren, Im Laufe seines Schweizer Aufenthalts habe er Gelegenheit gehabt, in die französischen Bezieihungen Karolyis Einblick zu gewinnen. Karolyi habe sich an die französische Regierung gewendet uW materielle Hilfe für die . , : j / Organifterung der revolutionäre» Bewegung! erbeben. französische Regierung habe sich zwar mft diesen Vorschlägen befaßt, habe aber zu Karolyi ftefoij Vertrauen gehabt, da seine Verbindungen zu dertz Gegnern der französischen Regierung, Caillaux und Charrvu, führten. Seine eigentlichen französischen Verbindungen bestanden aus der Spiouageabteilung der französischen Gesandtschaft in Bern, von wo «er auch materiell unterstützt worden sei, andererseits zu den ,Linkssvzialisten. Karolyi habe drei Denkschriften «auSgeqrbeitst, in denen er von der stanzösischen Regierung Hilfe für den Fall eines Erfolges der - Revolution erbat. Die Denkschriften seien jedoch unbeantwortet geblieben. Mgeochnetex Prinz Wrn bischg r ätz' teilt' weiters mit, er hahe sich eine solche Denkschrift z'u verschaffen gewußt, und verliest einige Stellen daraus. Karolyi beschuldigt darin die ungarische Politik der letzten vier Jahrzehnte, daß sie die Nationalitäten unterdrückt hav^/ Und bietet sich an, eine solche Politik zu befolgen, die den Wünschen Frankreichs blindlings Folge leisten werdet Es heißt dort unter anderem, daß es nicht im Inter-/ esse des. ungarischen Volkes sein könnte, hie bisherigen^ Grenzen aufrechtzuerhalten, die eben so ungerecht seiend wie sie .mit den Interessen der ungarischen Rasse nicht vereinbart werden können. Die Karolyi-Partet habe stets diese Politik befolgt, und erhofft Unterstützung seitens ber französischen Politik. '! 1 j \ Redner führt weiters an, Graf Karolyi Hab«, wde aus einem Bericht des Berner französischen Botschafters an den stanzösischen Minister des Aeußern vom 25. No> vember 1917 h«ervorgehe, Frankreich seine Unterstützung angeboten. Graf Karolyi sei an dem Tage nach! Bern; gekommen, da die Sitzungen des Friedenskongresses); ihr Ende erreicht, hatten, woraus schon hervorgehe/ baß «er stn diesen Sitzungen nicht teilnehmen wollte/; woraus, er auch kein Hehl gemacht habe. Graf Karolyi; habe laut dem Bericht des französischen Botschafters vor der Oefftntlichkeit gesagt, in Oesterreich-UngarN sei die Erregung sehr groß, denn Deutschland hab^ für den Fall von Unruhen in Böhmen die Befttzung Böhmens mit deutschen Truppen angemeldet. Nach einem Mckblick auf die^auswärtige Politik der Monarchie, vor dem Kriege fährt der Bericht fort: Der PlaO des Grafen Karolyi besteht darin, daß er in Oesterreich) und Ungarn eine ebensolche Mion organisiert, wie sie in Rußland die Bolschewiken organisiert Habens Graf Karolyi glaubte am 30. November 1917, baß', falls diese Aktion, die bereits vorbereitet gewesen war,' zum Ausdruck käme, dies genügen würde, um Ungarn und Oesterreich dazu zu zwingen, ein Friedensangebot ohne vorherige Verständigung Deutschlands anzunehmen/ Er bemerkte noch, daß er nicht glaube, daß die Aktion vor drei Monaten durchführbar wäre. In einem anderen Dokument meldet Graf Karolyi, baß sich Deutschland bereits zu jenen Angriffen rüstedie die deutschen Streitkräste bis zum Chemin des DameS und zum Chateau Thierry geführt haben. Redner bemerkt, baß diese Dokumente die Schuld Karolyis. h« genügendem Maße beweisen dürften. Während und auch nach der Rede des Mgeordnete«' Windischgrätz herrschte große Bewegung und besonderdie Dokumente über den Verrat Karolyis lösten stürmisch« EutrüstungSrufe aus. Die allgemeine stürmische Bewegung legte sich erst, als Ministerpräsident Graf Bethlrn erklärt hatte, daß die Angaben des Prinzen Windischgrätz ihm die Pflicht auferlegen, seine Beweise dem unabhängigen Gericht verzulegen, damit baS Schwert des Gesetzes mit unerbittlicher Strenge auf die Schuldigen niedersause. Diese Worte des Ministerpräsidenten wurden auf allen Seiten mit stürmischem Beifall ausgenommen. «uä cksaksy Sie »rUsu Jatytft Ivrsu Bedarf an Anzug|p<f Usstvm»5 und R«9leviM0ff«n towia SiMMWBrin v«r in ckor L« Weibbuigaiw 10—^» und l^üdw^sss» h

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