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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-07 · Heft 878 (7.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 878 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien. Donnerstag Wiener Morgenzeitung 7. JuK 1921 Vtr. »78 Freunden des Weltfriedens neue Zuversicht geben msisie. In diesem Sinn hat das jüdische Volk die gleiche Mission wie jedes andere. Politische^uu-schml. Die Zukvmft R«m8«ie«» und dir Iudrnsrage. rSer Mrkattster Korrespondent des „Uj Kelet" hatte' mit dem ge!v«senen Minister deS Innern Dr. Lupu im Vajda- >tablnett eiive Unterredung, in welcher sich der bewokrattsche Führer der heutigen Opposition über die Zukunft Rumäniens und über die Bedeutung der Judenfräge in Rnmänisn äußerte. Die Neugestaltung de? heutigen Rumänien aus festen politischen und wirtschaftlichen -Grundlagen hält Dr. Lupu nur durch die Ausschaltung aller nationalen und Rassenfeindlichket'ten und Zusammenschluß aller »äl'ig'n demokratischen Elemente für möglich. Rumänien versüße heute tatsächlich sowohl in dem alten Mutterland als auch in den neuen Gebieten über eine bedeutende Zahl zur Führerschaft geschaffener Männer, denen nur die Arbeit nicht verleidet werden dürfe. Hiezu sei es aNerdings notwendig, bah die gesamte demokratische öffentliche Meinung GvoßrumänienS sich zusammenschließe, um eine moderne, freie Atmosphäre zu schaffen, in welcher d«r Aufbau und die gesunde Organisation möglich wäre. Er sei überzeugt, daß die Massen derselben /Gesinnung sind wie'w, und daß die'Bauern, die Arbeiter und die arbeitende Intelligenz auf seinem Standpunkt stehen. Werden die Neuwahlen nur halbwegs frei durchgeführt werden können, so fei der Sieg der Demokratie sicher. Wird einmal das Volk die Möglichkeit haben, zu regieren, dann ist es leicht, das künftige Bild Rumäniens vorauszuzeichnen. Aber die rumänische Polittk sei von-jeher mit der Krankheit behaftet, daß hier-eine Voraussage überhaupt unmöglich ist. Dr. Lupu, der persönlich jedem Nationalismus abhold ist, kennt, wie er erklärt, die jüdische Nativnalbewegung in ihrer heutigen Form in nur geringem Maße. Das rumänische Volk sri an sich nicht antisemitisch gesinnt. Das seien nur immer die Politiker gewesen. Er hält sehr viel von der jüdischen Arbeitskraft und Schaffungssähigkett. Diese unschätzbaren Kräfte müßten in kluger Weise zum Nutzen des Staates benützt werden. „Ich habe es immer und immer betont," sagte Dr. Lupu, „das neue Rumänien werde von den Bauern und dm Juden ausgebaut werden. Ich bin heute noch stolz darauf, daß ich als Minister des Innern einen Juden zum Pize bür germeist er von -Bukarest ernannt habe. Dieser Mann, Dr. A. Katz, ist auch heute noch der hervorragendste Beamte von Bukarest." Als der Berichterstatter den Entwickluqg?- gaikg der jüdischen. Nationalbewegung auseinandersetzte, meinte Dr. Lupu: „Eben weil ich mich um die Nationalität der Menschen nicht kümmere, halte ich es für selbstredend, daß jedermann frei sich zu jener Nation bekenne, in welcher er geboren ist. Ich kenne und schätze die Kraft, welche der geläuterte Nationalismus im Leben eines Volkes bedeutet. Wenn sich die Juden als Nationfühlen, muß ihnen die Möglichkeit zu einem nationalen Leben gegeben werden. Lächerlich erscheint in meinen Augen der Jude, der ein größerer Rumäne sein möchte als der Rumäne selbst. Ich halte das für eine Sache des Charakters. Ein Mensch hon starkem Charakter kann sich im besten Falle über jedes nationale Gefühl erheben, wird aber niemals seine Nation und seine Rasse verleugnen. Noch heute erinnere ich mich eines unangmchmen Erlebnisses Ms meiner Studentenzeit, als mir, der ich wegen meiner Jadeirfveundlichkeit bekannt war, von einem jüdischest Studenten anläßlich einer Meinungsverschiedenheit mit scheinbar beleidigender Absicht zugerufen wurde: ,Dann geh' nach Palästina!' Selbstverständlich stehe auch ich auf dem Standpunkt, daß sich die Juden nicht assimilieren mögen. Der Fortschritt bedeutet nicht, anders z« werden, sondern besser zu. werden. WaS di« politische Orßanisation der Juden betrifft, so bin ich der Meinung, daß eine solche nur in der demokratischesten Richtung erfolgen kann. Entsenden Sie nur Ihre Abgeordneten ins. Parlament, aber achten Sie darauf, daß es nur Demokraten seien, die die Rechte der Juden ehrlich verteidigen." Die meitzrussische« Offiziersoerbände 1« Pole«. Forderung Tschitfcherins nach Ausweisung. Moskau» '6. Juli. (Funkspruch.) Der Bolkskvmmissär für auswärtige Angelegenheiten %) chit scherin hat an den polnischen Außenminister eine Funkennote gerichtet, in der es unter anderem heißt: Die russische Regierung stellt mtt Bedauern fest, baß die Bestimmungen beS Artikels ö des Friedensvertrages von Riga, der festlegt, haß beide Staaten sich der Einmischung in die inneren Angelegeiw- Herten des anderen Staates enthalten, von Polen seit Friedensschluß nicht beachtet werden'. Die polnischen Behörden nehmen tätigen Anteil an Handlungen, die zu verhindern sich Polen im Friedensvertrag verpflichtet hat, In Warschau bestehen russische gegenrevolutionäre Verbände und Organisationen, die von der polruschen Regierung offiziell unterstützt werben. Diese Organisationen bereiten Aufständein Rnßland vor,gründen dort Geheimgesellschaften und organisieren in den westlichen Teilen Banden; ihre Mitglieder überschretten mit polnischen Dokumenten die polnisch-russische Grenze. Die Organisation des früheren russischen Generals Sawinkow hat von der polnische,: Regierung eine Unterstützung im Betrage von 350 Millionen polnische Mark erhalten. Der Adjutant bcn Kriegsminlfters, Oberst Graf Solokup, Major Beck und andere Offiziere der polnischen Armee bilden die. Verbindung zwischen dxr.OrganisgtiM Pqwinpows und dem polnischen Generalstab. Zum Schlüsse verlangt bi« Note die Einstellung jeder Unterstützung der gegenrevolutionären Gesellschaften und die Ausweisung einer Anzahl von Personen, darunter der Brüder Sawinkow, des Generals Balachowicz und Pttljuras. Die Zusammenstellung AuszuweisMin und hie' Feststellung der m Nnttchrückung der gegenMMtlouären Organisationen zu ergreifenden Maßregeln soll durch eine .Kommission in Warschau stMinden, in welcher Vertreter Rußlands und per Ukraine zu sitzen haben. Banditenüberfälle auf Juden in Weißrußland. WchrfckM, 5. Juli. (Tel. h. „Wiener Morgenztg") 'Hiesige Zentralstellen erhalten unausgesetzt Berichte auS Weißrußland über Mordtaten und Plünderungen, welche von weißrussischen Kanditen, die sich unter dem Namen „Powstanci" organisierten, das ganze Gebiet .unsicher machen und hauptsächlich die von Juden bewohnten Städte und Städtchen überfallen. In letzterer Zeit organisierten sie in der Stacker Gegend förmliche Pogromzüge, Lei welchen. Hundert« von Juden das Leben einbüßten. Die Zahl der Verletzten konnte noch nicht ermittelt werden. Rach Wilna gelangen gleichfalls MeÜrungÄr von 'Pogromen in der Mosirer Gegend, wo' die Bänden nicht nur morden und plündern, sondern! auch Juden als Geisel verschleppen. Die Zahl der Mischen Flüchtlinge/ welche mit Hinterlassung ihrer ganzen Habe aus ihren Wohnorten fliehen, wächst dadurch von neuem an. Die zionistische Zentrale in Wilna hat gleich nach Einlangen der Schreckensmeldungen Schritte unternommen, um den gefährdeten Juden Schutz zu bieten. Unter den Ermordeten befinden sich wie bei allen ähnlichen Bestialitäten zum großen Teile Greise, Frauen und Kinder. Es besteht der Verdacht, daß diese Banden, die sich immer mehr und mehr ausbreiten, von Stellen und Personen außerhalb Svwjetrußlands gestützt und gefördert werden. Inland. Aus dem Nationalrat. Ja der Angelegenheit des Netreidebewirtschastungs.gesetzes dürste es zu einem Kompromiß zwischen den Parteien kommen. Die Br.otpreisstaffel un g' steht.in unlösbarem Zusammenhang mit diesem Kompromiß mrd, wird einer Neubearbeitung unterzogen werden müssen. Das Theatergesetz wird in dieser Sommersession nicht'.mehr im Ausschuß verhandelt'werden können. Zweimal haben die Ehristlichsozkalen den Ausschuß beschlußunfähig gemacht, Dienstag abends erschienen zur Abwechslung die Sozialdemokraten nicht im Ausschuß. Der Entwurf kommt daher für die Sommersession nicht mehr in Betracht. Das Besoldungsgesetz ist im Unterausschuß erledigt und soll Freitag auf die Tagesordnung der Nationalratssitzung kommen. Wie in parlamentarischen Kreisen.verlautet, soll das Länderbankgesetz, und zwar baS SPezialgefetz, noch in der Svmmersesjion des Nationalrates der Erledigung zugesührt werden. Allerdings hängt dies von der Stellung der Großdeutschen zu diesem Gesetz ab, die nach Mitteilung des „Wiener Mittag" die Vorlage ablehnen wollen. Aus diesem Grunde kann die Vorlage mindestens für die Somwersession als abgetan gelten, da auch' eine ameudierte Vorlage, die auf die Spezralhedürfnisse der Länderbank zugeschnitten wäre und den im Hauptausschnß geäußerten Wünschen einigermaßen Rechnung tragen würde, mit Rücksicht auf bi« Kürze der. noch zur Verfügung stehenden Zeit kaum mehr in der Sommertagung des NatlonalrateS verabschiedet werden könnte. Der Kampf «m dar Lä«derba«kgesetz. Bekanntlich hat der Finanzausschuß Es Nationalrates ei« Gutachten, von drei Sachverständigen über die Länderbank adver« langt. „Die Mise" veröffcntlicht jetzt das «mfangteiche Gut. achte«, daß zu folgenden Schlüffe» kommt: Die finanzielle Situation der Länderbank mit 81. Dezember 1V20 ist kein genügender Grund für ihre Umwandlung in der vorliegenden Form in rin «ichlöstrrreichischeS Institut. Im Falle der Französisierung müssen die folgende» Sicher» firllungen vertragsmäßig zum AuSvrnck kommen: Der Teil des ftamösische« Kapitals. dev m der österreichischen Volkswirtschaft unmittelbar z« verwenden ist, hat Mg« sestgrstellt zu werden. Es ist Vorsorge att treffen, daß nicht nur di« Gegenwerte -es bisherigen österreichischen Aktienkapitalvon 160 Millionen Kronen sowie der Reserven und der Einlagen gegen Bfichel, sondern auch die Gegenwerte aller österreichischen Kreditoren in Oesterreich z« verblerben habe». Die österreichische Steuerleistung ist durch ein fixes Minimal» Verhältnis zvm Gesamterträge der »ene» Gesellschaft ,« sichern. Es ist anzustreben, daß statt französischer Prioritätsaktien und englischer Bons ihr Heren Summe wenigstens znm Lei neue.Stammaktien quSgegebm werden. , Da die Länderbank im Falle der FranzWerllng apr dn» Prsiftmgs« »nd Abrechnungsverfahren heranSfallen würde, die vom Staate auch in diesem Faste übernommenen Leistungen für die österreichische» Valutaschulden und Kronenvalorffationen aber e,ne» gewaliigen Umfang besitzen, der derzeit allerdings nicht rlNtrnmäßig jestgrsiellt werde» kan«, so ist ., die Abwicklnna der Beitragsleistung des Staates genau zu regeln (nach den vor» liegenden Abmachungen ist dieser Vorgang ungtzlliirt). Die Prager Filiale sollte auch im Fasse per FxanzWeruyg der Länderban! zM Zweck«-der ErMplichung weiterer Kapitalszuführung und KapftglSsicherpntz in ein selbständiges tschechische- Institut »«gewandelt werden. - $cnwiffto« für den wirtschaftliche» Wiederansbau Oesterreichs. Die-Kommission hgt sich m ihrer sechsten Plenarversammlung am 38. Juni l. I. «>t der Frgg« HB Ahhgges der ans Bvndesmitteln zu den LebenSmiftelpreisen geleisteten Zuschüsse de» faßt und hiebei beschloffen, der Bundesregierung fylgenh« Maß« nahmen zu empfehlen: 1. Die aus Bündrsmitteln geleisteten Zuschüffe zu den Lebrnsmittelpreisen sind auf die allerwichtigften Lebensmittch «ämlich ans Mehl und Brot, zu beschränke»; 2. mit derart verbilligten Lebensmitteln sind nur diejenige. Hanshalte zu Seteilen, deren Einkommen pro Kopf der Familie nicht den jeweiligen Kurswert von 860 Goldkronen übersteigt; ö. Getreide und Mahlprodukte sind für die Einfuhr ans dem ZoVanSlande freizggebcn. Die Tiroler Fremdenabgabe. JimSbrrrck, 6. Juli. <Landtag.) I» fortgesetzter Beratung des Gesetzes, betreffend Abänderung des Gesetzes über die E,nbebung einer Wohnabgabe bei vorübergehendem Aufenthalt in Tirol, wird die vom Finanzaus'chuß beantragte Bemeffung der Wobnabgabe mit 40°/» abgelehnt und ein großdeutscher Antrag.' die Abgabe mit SO'/, sestzusetzen, mit großer Mehrheit ange* nommm. Im weiteren Verlauf der Spezialdebatte wird die Fest» setzung der Abgabe bei Pensionsberchnung^mit 6°/0 des Pensions« Preises beschloffen. Hierauf wird das Gesetz auch in dritter Lesung angenommen. . Die Wiener Erhebungen über da» Belgrader Attentat. Die »Politische Korrespondenz* schreibt: Die S. H. G.» Behörden haben mit der Wiener Polizridireltion Fühlung ge« nommen, nm ihr Einblick in daS bisherige Erhebungsmaterial über das Attentat auf den Kronprinzen Alexander zv geben. Durch die Polizeidirektion wurden i« Sinne der internationalen Rechtshilfe die nötigen Recherchen «nd Verfügungen eingeleitet. Entgegen den in der Oeffentlichkeit aufgetauchtm Gerüchten von einem diplomatischen Schritte in dieser Angelegenheit ergibt sich auch auS dem vorgelegten Material, daß eine Veranlassung N> irgendwelchen Schritten politischen Charakters nicht gegeben ist. Belgrad, 6. Juli. (Preßbur. Belgrad.). Die Untersuchung gegen den Attentäter Stojic hat ergeben, daß die Partei der Kommunisten sehr kompromittiert ist. Drei Abgeordnete find verhallet worden, doch leugnen sie jede Beteiligung am Attentats Auch mehrere andere Persone» find im Zusammenhang mit dem Attentat verhaftet worden. Der Mimsterrat hat beschloffen, de» Regente» z» bitten, Mild« walle» zu laffe» «nd Gnade z» üben und einzelne in dev AtteutatSversuch verwickelte Personen zur Amuestiernng vor« z«schlage». — Weftungarn. Pari-, 6. Jnlr. (HavaS.) Die Botfchasterkonferenz be< faßte sich mit den Fragen, die angesichts deS baldigen Inkrafttretens deS Vertragevon Trianon bei der Durchführung der Verträge vo» Versailles »nd St. Germai» ins Auge zv faffm find. ____ Erbauliches aus Kärnten. Klagenfurt, 6. Juli. In der heutige» Landtagssitzunc wurde eine Anfrage des slowenischen Abgeordnetm Pfarrer- B o l j a n e d eingebracht, nach her dieser gestern abends iw HMvtbahnhof von Ktagenfurt von eine« Insassen seiner Pfarn wegen angebliche« Eintretens der slowenischen Abgeordneten Hi» die Wahl eines sozialdemokratischen Landeshauptmannes gröblich beschimpft und von einem der Begleiter geohifeigt wurde, ohne daß die Gendarmerie grgm die Täter eingeschritten sei. Landesverweser Dr. Lemisch sagte die Beantwortung diese, Anfrage «ach Abschluß der sofort eiogeleiteten Untersuchung zu Telegramme. Die Mische Legion für PalSstiaa. London, 2, Juli, (JÜd. Korr.-Bur.) Der ehemaltge Kommandant her jüdischen Legion in Palästina, Colonel Patterson, berief 'die in England befindlichen demobisisierten jüdische« Legionäre zu einer außerordentlichen Versammlung ein, die unter dem Vorsitz I a b o t i y s kys stattgefunden hat. Nach Anhörung der Reden Pqtersons, Jaholinskys, Colonel Scotts und Captain Caros wurde die Gründung einer ständigen Organisation der demobilisierten jüdischen Legionäre beschlossen, hie in eyger Fühlungnahme mit den gleichen Organisationen in Palästina und in den Diasporalander« stehen müsse. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, sich an die britische Regierung mit dem Ersuchen um R e o r g a n i s a t io u der jüdischen Leg i o n im Verbände der britischen Armee in Palästina zu wenden. Für die Ausführung der Beschlüsse wählte die Wersammlnnr em provisorisches Aktionskomitee. Spanische Kämpfe mit Raisuli. iLMtdov, 6. Juli. (Wolfs.) Der Sonderkorrespondent der „Times" meldet aus Tanger, daH spanische Streitden WüMmkt Ln dem Gebiet von

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