Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 878 (7.7.1921)
- Date
- 1921-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Es scheini» daß sich die Notwendigkeit ergeben Verde, in t er nationale Maßnahmen zn ergreifen, «m die Freiheit der Meereng e it zn wahren. In diesem Falle ist mit eine« Einschreiten der englische« Flotte zu rechnen.; Weitere Erfolge der Kemalisten. Par i s, 6. Juli. (Tel.-Komp.) Wie ^Chicago Tribüne" meldet, haben die Kemalisten neue Fortschritte gemacht. Sie haben fast die ganze Halbinsel Jsmid besetzt «nd find über die neutrale Jone vorgerückt. tz Schwere Kämpfe. . - Angora, 6. Juli. (Havas.) Der LürkiM Frontbericht vom 5’.: d. M. meldet schwere K ä m p f e in der Umgehung von BagLschedschik. An den anderen Fronten herrscht Ruhe. WorrstMlknopel, 'S. Juli. (Hiavas.) We verlandet, befinde sich die griechische Armee, die den Abschnitt von Brussa-besetzt hält, im Zustand der Auflösung. M^MLischeMaffenflucht a»s IsmU». - . i. - Wttstaut'mopel, 4. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) 250 fephardische Juden sind aus Jsmid hieher geflüchtet, da^sie-nicht länger den für sie durch die Kampfe zwischen Kemalisten und Griechen entstandenen Gefahren ausgesetzt werden konnten. Sie befinden sich hier in größter Not urrd werden vorläufig vom Abnerican Joint Distribution Committee versorgt. . _ . - Die Angora-Regierung verhandelt mit Frankreich. Basel» 6. Juli. (Tel.-Komp.) Der Miuisterrat von Angora hat «ach der Zurückweisung des Vertrages von London neue Dorschlüge für ein Ab komm e « m i t Frankreich ansgearbeitet. NnmirBey ist beauftragt worden, das neue Projekt dem Vertreter Frankreichs in Kleinasien, General G o « r a « d, vorzulegen* um die Berhandlunge« auf einer neuen Basis wieder aufnehmeu zu könne«. Die Gegenvorschläge der Regierung von Angora betreffen drei Punkte r 1. die wirtschaftlichen Fragen, 2. die Reorganisation der Gendarmerie* deren Führung die Regierung von Angora unter Mitwirkung französischer Offiziere beibehalten will, 3. die Richtigstellung der türkisch-syrischen Grenze. Konstairtmopel, 5. Juli. (Havas.) Jn bev Nationalversammlung von Angora erklärte der Volkskommissär für auswärtige Angelegenheiten: Die Beziehungen der Türkei zur Moskauer. Regierung sind fortgesetzt 'günstig.- Mit der persischen Regierung werden demnächst rege Beziehungen her gestellt werden. Der französischen Regierung sind gewisse, hem türkischen Nätionalbewußtsein entsprechende Vorschläge gemacht worden, da die Regierung vonAngora überzeugt ist, daß Frankreich den Kriegszustand mit der Türkei beseitigt sehen will. Eine Antwort hierauf steht noch ans. Erfreulich ist, baß der größte Teil der französischen Besatzung ans Zunguldak zurückgezogen worden ist. Wir erwarten mit Spannung, daß Italien sein Versprechen halte, seine Truppen ebenfalls aus dem türkischen Gebiet zyrMzuziMn... - -^MdM schloß mit bÄ Erklärung, baß die äußere Politik der Türkei unentwegt die Anerkennung ihrer nationalen Rechte anstrebeN' 'werde und daß" das türkische Volk innerhalb der Grenzen seines Reiches sein eigener Herr sein wolle. Die Versammlung nahm mit großer Mehrheit ein Vertrauensvotum an. Bekir Samt Bey bei Briand. Paris, 6. Juli. (Havas.) Ministerpräsident Br^and empfing Bekir Samt Bey. Konstantinopel «nd Thrazien. London» 6. Juli. ^Daily Mail" zufolge seien die britischen offiziellen Kreise absolut gegen jeden Versuch der Kemalisten, in Konstantinopel «umziehen. Weilers meldet das Blatt, Italien, Rumänien, die Tschecho-Slowakei und Jugoslawien hätten ein Abkommen geschlossen, aus Grund dessen sie sich Bulgarien widersetzen winden, falls 1 es in Thrazien mit den Türke» znfammenarbeiten wollte. Die deutsche Finanzreform. . Verlier, 8. Juli. Im Reichstag ergriff «ach Erledigung rma Reihe von kle nerm Vorlage» Reichskanzler Dr. W i r t h das Wort, «m über die bevorstehende Finanzreform zu sprechen. D^r Reichskanzler führte a«S: CS ist gerade -wer Jahre her, daß an die'Nationalversammlung die ungeheuer schwere Aufgabe der finanziellen Liquidierung des Weltkrieges herantrat. Der Bedarf des Reiches und der Länder wurde damals auf 85 Milliarden geichätzt. Das gegenwärtige Verhältnis ist ungefähr folgendes: Der innere Wert der Mark beträgt nur ein Zehntel der Friedensmark und der Wert ans dem Weltmarkt steht npch ungünstiger. - Die finanziellen Zustände haben zur Folge, daß das Bild der Finanzlage. drS Reiches in emer «ngeheneren Berzenung rrfcheiM. Der ordentlrche Hausbalt weist 48.5 Milliarden Ausgaben auf,. darunter .8.5.8 Milliarden für eigentliche Reichszwecke; der außerordentliche beträgt SS Milliarden, darunter 28.6 Milliarden für die Ausführung des Friedensvertrages. Was die S6.6 Milliardm betrifft, muß diese Summe größtenteils in den Stal der Kontributionen . übergehen, der in Zukunft einen lausenden Posten auSmacke« wird. Wir hqben bei« Etat der Kontributionen, zwei UnstcherheftSfaktoren fesizustellen, die 28*/,ige Abgabe von der deutschen Ausfuhr und dann die Schwankungen der deutschen Valuta. Darüber wird sich die ganze Welt'klar sei», daß jede Finanzpolitik und. iedr Steuerpolitik i« dem Augenblick ad absurdum geführt wird, wo die deutsche Mark dauernd de« Abg und zustLnt. Da. braucht man keinen Finanzmincher mehr, sondern einen Referenten aus irgendeiner Kommission, der die Druckpresse in Bewegung setzt. DieReparationSleistungen find gegenwärtig mit 8*3 Milliarde» Goldmark«» dgWckev. Der der Besetzung stad auch Es muß ein möglichst gutes Gleichgewicht, zwischen der direkten und indirekten BesteuerMg herbeigesührt werde», damit die Gesamtheit der Steuer» für das deutsche Volk tragbar erscheine. Der Reichskanzler appelliert sodann an daS Hans, die Voraussetzungen für die Erfüllung der Finanzresorm zu schaffen, und fährt dann fort: Der Wert der Mark hängt ab von der Herstellung deS Gleichgewichtes im Budget und von der Durchfühwng eines energischen Reformprogramms. Das ist auch der Standpunkt, dm die Garanüekommisfio» in einer ihrer Noten an die deutsche Regierung vertrete» hat. Aber wie kann man unS solche Laste» asferlegen, während man uns glcichzeilig die Sanktionen, oder beffer gesagt, die Pressionm m Ost «nd West auferlegt, statt die schwere» Wmden im Rheinland und in Oberschlefim zu schließen. W»r haben Anlaß gmommen, das der Kommission klar z» machen. Auch die Alliierten müffe« dm Willm haben, die Pressionm aufzugeben, die nur Quälereien für unsere« BolkSkorper bedeuten. Wir unsererseits haben den festen Willm, die Fordemngm, die man uns auferlegt hat, z« erfüllen. Dazu aber brauche» wir das freie Spiel ««serer Kräfte. Amerika a« de« deutschen Entschädigunge« interessiert. Paris, 6. Juli. (Wolfs.) „Chicago Tribüne" meldet aus Washington, Prasidm! Harding habe erklärt, daß die Vereinigten Staaten an der Festsetzung der deutsche» Entschädigung interessiert seien «nd daß, solange nicht die deutschen Repara» tionm bezahlt und die anderen Vertragsbestimmungen erfüllt seien, die amerikamschm Truppen möglicherweise am Rhein bkthev würhM Zionismus und Weltfrieden. -7. W i xn, 7. Juli. Der zwölfte ZioniftenKongreß in Karlsbad wird' die jüdische Frage in dem neuen Licht der Weltpolitik zeigen. Die Bestrebungen der jüdischen Nation, sich in Palästina ihr Heim zu bauen, rühren an die Politik eines jeden Landes mit jüdischer Einwohnerschaft und es ist sehr falsch, daß sich die europäische Oefsentlichkeit mit der zionistischen Bewegung so wenig befaßt daß sie heute, nach 20 Jahren einer im vollen Licht der Tages sich vollziehenden Arbeit der Zionisten, von einer internationalen Fälscherbande mit den »Geheimniffen der Weisen von Zion^ betrogen werden kann. Es ist politisch, sozial 'und wirtschaftlich Neuland, das das Judentum schafft und die Art, .wie die Lösung der Frage versucht wird/ müßte das gespannteste Interesse aller politisch Den» kenden erwecken. Dem Judentum ist eine Aufgabe' erwachsen, die, völlig neu in der Geschichte, beweisen' soll, ob das jüdische Volk staatsbildende und gesell» schaftssormende Kräfte aus sich selbst heraus entwickeln kann. Die Zukunft wird es lehren, ob dieses älteste Volk der Kultur, das sich anschickt, das jüngste in der' modernen Welt zu werden, der Pflicht entsprechen' kann, die die Geschichte ihm jetzt vor Augen führk O Die Bedeutung dieser nationalkulturellen Lösung für das Judentum selbst springt jedem in die Augen: * Die zionistische Arbeit hat in dem jedweder politischen' Tätigkeit längst entwöhnten Judentum ungeahnte' Kräfte freigemacht. Durch die über den ganzen Erdball sich erstreckenden Zweckverbände ist eine große Summe organisatorischer, aufklärender und erziehlicher Arbeit geleistet worden. Jeder kleine Ortsoerein hat« eine Anzahl von Personen, die vielleicht sonst der Gemeinarbeit femgeblieben wären, mit den Pflichtet öffentlicher Tätigkeit vertraut gemacht, ihren Horizont erweitert und ihnen das große Bewußtsein stetest Schaffens für ein 14-Millionenvolk gegeben. Durch die genaue Umschreibung eines Pflichtenkreises sind' viele tausende Menschen mit dem Werden und den Grundlagen staatlicher Gemeinschaft vertraut gemacht worden, sind sie zur unablässigen Selbstdisziplin, zur frei» willigen demokratischen Unterordnung unter eine steigt wählte Leitung erzogen worden. Sie haben gelernt, daß dagi Volkswohl im Herzen eines jeden einzelnen beffer durch moralischen'Einfluß als durch bereitstehend^ Exekutive bewahrt wird, und daß die schaffende Tätigt keit für ein großes Ganzes mehr ist als bloße Vereinsrednerei, daß sie vielmehr Idealismus und Ge» meingefühl in den Alltag trägt. Alle diese Menschen mit ihrer vielfältigen erprobten Erfahrung sind eine Elitetruppe, die der zionistischen Leitung zur Verfügungi steht, ihre Einführung in den unter neuen Bedingungen arbeitenden nationalen Regenerationsapparat stellt ein großes Aktivum dar. j Für die nichtjüdische Welt eröffnet die jüdische Renaissancebewegung neue, große Aspekten. Sie zieht Kräfte an sich, die bisher in fremdem Milieu wirkten und aus diesen oder jenen Gründen störend empfunden wurden. Sie entlastet die Welt von viel Haß und trägt dazu bei, das Verhältnis der Juden zu ihrer Umgebung vom Grund auf zu reformieren. Der Zionismus ist die ehrliche Verständigung von Volk zu Volk. Cr entspricht dem demokratischen Gewissen und ' wirkt einzig im Sinne des Weltfriedens, indem er die im jüdischen Volke bisher gebundenen schöpferischm Elemente für den Dienst einer freien, in jeder Bedeutung schönen Idee bestell. Der Zionismus nimmt deü sozialen Krisen der europäischen:We!t viel von ihrer Härte und hllst mll an dem Werk der Gesundung: Unsere Antwort an Europa, hat Herzl gesagt, wird bestehen in einer Erhöhung der menschlichen Gesittung^ Der Dichter Herzl hat den Krieg nicht mehr erlebt- und konnte nicht die Einsicht gewinnen, daß die Menschheit es sehr wohl nötig hat, zu einer Erhöhung ihrer Gesittung geführt zu werden. Wir maßen uns das Führeramt nicht an, zumal wir wissen? daß in allen Nationen trotz aller Verhetzung zukunftsfteudige Kräfte an diesem Ziel tätig sind: Aber das unsere wollen wir dazu beitragen, daß Arbell am Frieden gelinge. Albert Einstein hat in Berlin in einer Rede an das geistige Deutschland; davon gesprochen, daß die im Zeichen des Zionismus' qMMM h.es JuüeMu« oü»