Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 871 (30.6.1921)
- Date
- 1921-06-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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*t 87f Wm, Komrerstag >S»»7 Wtntt Morge»zett»»- ,3o:"3iÄUBr Me kanadifchett Delogierten (Herr Her schurann, derals Arzt «itgesandle Herr Dr. Lew it und Herr William Farrav, ein christlicher Bürger l^anadas, der es sich-nicht Nehmen^ ließ, die beschwerliche Fahrt trotz seines hohen Alters mrtz«mirchLn,, weil er sich gedrängt.fühlte, an dem Liebeswcr? teilzunehmen) mit Fran Tnitta Müllerin'-Verbindung, die ihnen Fräulein Salomea Anderm/ann, ci>^ der bewährtesten Hilfskräfte der „Sozialen Hllssgemeinschast Nnitta Müller" als Begleiterin und Beraterin aufdir Reise nach dem Osten zur Verfügung stellte.- Fräulein N n dermann teilte einemunserer Mitarbeiter-, über die :Lmincnstelluug.dieses'ersten'Transportes von Waisenkindern folgendes^mit: . ... >. - > 1 „Wir fuhren von Wien nach Wwno, wo. der Joint für einen großen Distrikt des ukrainischen Grenzgebietes ein Hilsswerk etabliert hat, das wirklich bewundernswert ist. Der Direktor der dortigen Joint-Filiale, Herr Dr. Slohan, stellte uns seine sorgfältig angelegten. upL^ aufschlußreichen Register über ukrainische Waisenkinder zur Verfügung, welche die erste Gründlage für unsere Arbeit bildeten. Wirbeachten sodann die, einzelnen' Städtchxn .des Rownoer Distriktes-und traten mit - den dortigen „Jessojmekommissionen" (Waisenkiuderkonnttissiol!Ln) in-Verbindung. - Diese, jüdischen. Komntisfionen sind mit wahrhaft rührender tziebe um-die Waisen bek-ünttnert und sorgen für .sie väterlich. Sie trennen M), trStz. dem sie die Kinder nur unter den größten Schwierigkeiten erhalten können, sehr schwer von ihren teuren Schutzbefohlene^. Nachdem wir ihre Bedenken zerstreut hatten, begannen die oft langwierigen Verhandlungen mit den Verwandten uujd Sachwaltern der Waisenkinder, die . wir mitnehmen wollten. Alle verlangten Garantien, daß die Kinder in gute Hände kommen und jüdisch erzogen werden. In einem vom Joint beigestellten Hause in Rowno sammelten wir unsere Schützlinge. Trotzdem wir für diesen, ersten .Transport gemäß, den Vorschriften der kanadischen Regierung nur durchaus gesunde Kinder im. Alter zwischen vier und zehn Jahren ausgewählt hatten^ befanden sie sich in . einem bedauernswerten Zustand der Unterernährung: . Wir haben - sie zunächst irr Rawno möglichst gekräftigt, gepflegt, und, mit den kanadischen Bekleidüngsgegenständen versehen. .• Ein Beispiel für das Verantwortungsgefühl der ukrgini. scheu Juden: Ein-Teil dieser Kinder-stammt asts Nowograd- Wolhnsk; --Es sind Waisen- -nach dem -Pogrom des Jahres .1919, -welche in der-genannten. Stadt erzogen wurden. Als aber dortselbst-Pogrome ausbrachen,mußten die Kinder mit ihren Beschützern nach Rowno flüchten. Am Tage der Abreise kamen nun zehn Männer, die -aus Nowograd-Wolhnsk stammeri, zuuns Und erklärten: .„Wir wollen.wissen, wohin ihr die Kinder bringt und zu. wem-sie kommen. Wir. betrachten uns als die Väter dieser Kinder." Sie stellten die Bedingung, baß ukrainisch-jüdische .Fürsorgeschwestern die Transporte Loglcrtcn. Diese Forderung ist gewiß billig und wird'-auch erfüllt. Es gab noch. vyr der Wegfahrt manche Schio irrig leiten zu überwinden, insbesondere deshalb, weil diesein Pogromnächten zusammengelesenen Kinder, keine Papiere'., haben. Die polnische." Regierung förderte' wrSsehr und -hät auch' die Mise bis zur Grenze sehr erleichtert^ indem sie' für die 50 Kinder zwei große -Bahnwagen .zur Verfügung stellte. '" I ■ In Wien lassen wir natürlich, diesen. Pogromwarseu die größte -Sorgfalt'-angedcihen. Tagsüber-halten sie sich-in den schönen lichten Räumen des -Pollak-Rudinschen-Hauses, in d?r -Casteklezgassa auf, das ganz im Grünen liegt. - Für di: Nacht sind sie in den Heimen der „Sozialen Fürsorge Anitta Müller" in der D'arwingasse und Unteren .Augartenstrafje vortrefflich untergebracht, und es muß nicht besonders betont werden, das; wir* diese Unglücklichen — es "sind durchaus Doppelwaisen — mit aller erdenklichen Liebe umgeben. Herr Dr. Lewit ist in Rowno zurückgeblieben, um'di: ireiteren Transporte zusammenzustellen. Frau Anitta Müller reist mit Herrn Farrar nach Antwerpen und cs wird ihr hoffentlich gelingen, die belgische Judenschaft zur Errichtung ’ von Jnterimsheimcn mrd Sammelstätten für die Kiiweviraüsportc, welche diese Hafenstadt passieren, zu veran- .lasst'n." ' Mitteilllugen aus im PMUmu. MkcUm SS ' «ft'iMwwwipraaas—BMPMi ‘Wien, X., Blberatraeae Hr. 9 SehroibmoMehineQreparatnTen ruck, billig und gnt IS» ToL 4073/VU - E wi in gestricktes wollenes Kleid, Wiener Fabrikat, 5000 Ki*onen ALBERT R9ATZNER, xoiiimM*rg«8se wr. s Ärbeitsmäntel k°L tGr Aersto, Kellereien, Friseure, Aatoa&ntel, KesselansAfire ete. bei Grossbapd vn.,Bnr^asae8J, Tel. 34025 Haltestelle O-Wage», Zleglergetsa Grösster und bester Käufer Wiens Brillanten, Ferien Juwelen, EdelsteinhändlorRaSaanowitsch, Juwelier il. Stephaniestrasse 3, mtrNr.3 I. Maximilianstrasse 5 (jetzige töahlerstrawe) Tel. 8541 und 45146 Haltestelle Opernriag, Zog. KEintnewtr. Samstag geschlossen. (jetzige Holiandstrasse) im eigenen Hause Hören Sie auch unsere Preise Die Konferenz bildete ein einhe'tliches Zentralkomitee für eine Gesamtorganisation sämilicherjüdischen Schulen in den erwähnten Ländern. Sie nahm Richtlinien für die Organisation des Schulwesens in pädagogischer, sozial r, wntschastlicher und hygienischer Hinsicht au. Ein Vortrag Einsteins in Berlin. '.-..Montag fand im Berliner Blüthner-Saal eine Versammlung statt, deren Thema „Der Ausbau Palästinas Äs Aufgabe der Judenheit" lautete. Neben Rabbiner 'Dr. Nobel, Frankfurt a. M., Kurt Blumen seid,!Dr. Apfel, dem Vorsitzenden der neutralen Jugend- 'vereine Deutschlands, berichtete Dr. Ernstein, der 'int Dienste des Keren Hajessod drei Monate in Amerika 'geweilt hat, überdie ^Beteiligung -der amerikanischen f Judep am paläst mensischen Aufbauwerk. Der Andrang zu der -Versammlung war derart stark, daß die Polizei die Türen schließen lassen mußte. Die-Nürnberger Fra«ko-BsVaria. Die Ideale der deutschen Studentenschaft. Aus Berlin wird uns gemeldet: Ein eigen- .artiger Do zerr Le n streik ist an der Nürnberger Handelshochschule ausgebrvchen und inzwischen wieder beigelegt, worden. Studenten des genannten Instituts hatten sich zu einer deutschvölkischen Verbindung zusammengeschlvssen,, die den Namen „Wehrschaft Fran ko-Bavaria" führte. Diese Studentenverbindung gab eine KneipiKeitung heraus, in der die Mitglieder des Verwaltungsrates der Handelshochschule beflegett wurde». Dem Vorsitzenden der Verbindung und Urheber der Schmähungen, dem Studenten Ströhnsdorfer, wurde vom Senat mit Entlassung gedroht. Außerdem hat die „Franko-Baväria" eine Erklärung veröffentlicht, daß .ihre Mitglieder niemals eine Heirat mit einem farbigen od^r einem' jüdischen Weibe ein gehen würden. Die Dozenten der Nürnberger Handelshochschule traten wegen der Angriffe dieser Studentenverbindung in den Streik, indem sie ihre Vorlesungen ein stellten. Die Studentenschaft der Handelshochschule befaßte sich mit der Angelegenheit und stellte sich' auf den Standpunkt des' Senats, worauf der Dozentenstreik beendet'wurde. Der Führer der „Wehrschaft Franko-Bavaria" wurde ans der Handelshochschule auögeschlossen. Girre Mische SchulLonferenz irr Polen. Vom 15. bis 21. d. M. wurde m Warschau die erste lsüdijche Schulkonskreuz der jüdischen Bildungsanstattm mit ^jüdischer Unterrichtssprache!: in Polen. Weißrußland und Atanc» labgehalte«. Sie war von fast 409 Delegierten aus allen Teilen ^Polens, aus Litauen und Weißrußland besucht. Das.Schnlmit jüdischer Unterrichtssprache wird von verschiedenen Organe» iiat^onen mit sozialistischer und demokratischer Tendenz organisiert. Die Jugendstrafanstalt soll Rmun fstr 4M geh fassen bieten und die jugeudlichen Häftlinge berWgMM Gefängnisse aufnehmen. .; ' '$?■ Die Tabakabgabe an die Rintch«:. •4 i Die Finanzbezirksdirektion Wien gibt Nächstes Aend.erungen in der Tabakabgabe au des Raucher bekannt: Die Wochen menge ist mtt.f*djü§j Virginiern und 18 Zigaretten oder. 6 'Zigarillos/ an»- 30 Zigaretten oder 6 andere Zigarren und 24 Zig^ retten oder 48 Zigaretten oder 1 Päckchen Zigarettentahak und 16 Zigaretten oder 3 Päckchen Pfeiftntab«^. oder 7ö Gramm Gespunste festgesetzt. Das Dvchenausmaß der Zubuße beträgt in Wien '6, in ddn anderen Orten 3 Zigaretten. Sofern vom Trafikantv» dieFabrikatensorten: Zigarren: Graziosa, Regalia mpdia, Havana-Virginier; Zigaretten: Harun, Anubis, Zjussuf,' Azur; Zigarettentabake: Superfeiner Türkischer, ff: Türkischer; Pfeifentabake: Spezialmischung und Knaster, gefaßt werden, sind dieselben im freien Verschleiß, bas heißt ohne Anrechnung auf die Wochemnenge und' Zubuße, abzugeben. „Filwschauspieler" und einPostj als Postdiebe. Der 20jährige Rudolf Arnold, >7. hansgaffe 14 wohnhaft der sich „FiünschauspieleM nennt und unter dem Namen „Strafft^ hie ryü» b«- kleine Rollen gab, wurde von der Polizei beobachtvA weil er großen Aufwand tReb. Die Behörde stellte jfejg daß er mit dem 22jährigen Postaspiranten FranK» Kratky, 15. Bez., Krebsengartengasse 10, verkehW der auch weit über die bescheidenen Verhältnisse emW Postbeamten lebt. Kratky war in der Anslandsabt^ lung des Postamtes 46 im Hauptzollamt angestelW und durch die Beobachtungen wurde ermittelt, daH die „Filmschauspieler" ihn auch dort beim Schalterbesuchen pflegten. Es wurde festgestellt, daß bin: kanntenkreis sich auf die Filmschauspieler Erwin Haa^ 20 Jahre alt, Taborstraßc 22, aus den FilmschauspievM Wolf Teller, 22 Jahre alt, den früheren CherniM und jetzigen Filmschanfpieler Michael Br u s silv-vsK^ Dte neue JugendstrafaustaU Kaiserebersdorf. Die neue Jugendstrafanstalt, die die Justizverwaltung in Kaiserebersdorf errichtet, soll, wie verlautet, schon im August der Benützung zugeführt werden. Das Gebäude selbst.wird vielen Eingerückten noch aus der Kriegszeit, bekannt sein. Es ist das ehemalige?. Monturdepot" Kaiserebersdorf, 6as mit namhaften Kosten einer gründlichen Umgestaltung unterzogen und als Jugend-Strafverbüßungsstätte' eingerichtet wurde. Die AufsichtsbeamtensteÜen ftnd bereits ausgesch'rieben. Ungefähr 40 Personen wird der Personalstand umfassen. Bemerkenswert ist, daß auch zwei Lehrer für die Jugendlichen bestellt werden, wie denn Äerhaupt durch eine vollständige Abkehr von den veralteten Prinzipien des „Strashauses" durch geeignete Methoden der Besserungszweck eher erreicht' werden dürfte. Beschäftigung im Freien soll die Stelle des dumpfen, Körper uitb Geist ertötenden Hinbrütens in der verschlossenen Zelle vertreten uich durch Auswahl geeigneter, vorgebiDeter AuffichtsbeamtLn soll endlich der moderne Strafvollzug angebahnt werden. M Auffsichtsbeauiten ganz Oesterreichs verlangen selbst die Errichtung einer Aufseher schule. schalter im Hauptzollamt und sah', daß die junM« Leute auffallend oft Auslandspakete zu bekomnümj schienen. Tatsächlich wurde am 25. d'. M. von bS$- Kriminalbeamten Brussilotrskh betreten, als er in sellschast des Damenimitators Thomas Hitt^utz>^W eben zwei Pakete in der Ausländsabteilung' behrchiM hatte. Ahnungslos gingen die beiden in Hittrr^er^ Wohnung, Liechtensteinftraße 120, wo sie dt» zweß Pakete untersuchten. Sie enthielten echt euglißM Herren- und Damenschuhe, die sie nun verkaufD wollten. Sie wurden verhaftet und am 25. nM d. M. nahmen Bezirksinspektor Doppler und Leute die Verhaftung aller übrigen in die SacheH wickelten Personen und des Postbeamten Kmtkh Kratky gestand, seit etwa Monatsfrist während MM Dienstes Postsendungen gestohlen tzn es handelte sich' nur um Sendungen, bei denen jd^ Adressat nicht aufzufinden war, die beschädtgt eingeZs langt sind oder aus irgendwelchen Gründen nicht «ßr, genommen wurden. Den ihm bekannten Filmschan-! spielern folgte Kratky heimlich die PostbegleitadvesE ans und mit ihnen konnten sie dann an seinem' SchHy: die gestohlenen Pakete anstandslos beheben. Die.M stohlenen Postsendungen wurden meist bei dem '46jL^ rigen Gemischtwarenhändler Josef Regner, weg 57, hinterlegt, von dem sie dann Arnold' abhoW um sie weiterzuverkaufen. Um den, Verkauf unauffAW zu besorgen, haben die Dieüsgenosfen er«« Fir „Luft u. Härtung, Warenverkehrsgesellschäst M.V.M Kvhlmarkt 5, erfunden. Sie kauften BestelDüchär, l sahen sie mit einer Typendruckever mit dem fis» glierten Kopf der Firma, machten amper BeübrrngM von Mustern ihre Offerten, nähme« trn Bestellbuch ihre Bestellungen die Wären zustellen. / So hatte alles den Schein d^ MükiM M Bei Regner wurden auch 56 Schachteln rnglifchen : gefunden. Durch weitere Erhebungen wurden Nleter Covercoat, 11 Paar Schuhe, 71 Puder, 3 Regenmäntel und ein grüner Mantelstoff stände gebracht. Der Schaden wird auf mdLes -150.000 5kronen geschätzt. Die Idee den DievstSyd scheint von den Filmschauspielern ausgegangen zu fe« und sie haben den Postaspiranten Kratky dazn bereb^k Die G. m. b. H. galt als billige, gute Quelle. Mchl konnte bei ihr Mm. Beispiel englisch^ Zigaretten ^ftinstyl Sorte um 9 Kwncn das Stück, holländische Zigaroü». um 30 Kronen bekommen. Kratky, Straßer und wurden, als die Hauptbeschüldigten' dew Landei angezeigt, die übrigen der Staatsanwaltschaft und auf freiem Fuße belasst». MALI PICON flfihul den 1. Juli I. J. wieder __ i!.,Praterstr,25 J aoi*'4