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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-28 · Heft 869 (28.6.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 869 (28.6.1921)
Date
1921-06-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/*»'M ßttmS&tmstaQf Lttenen Jauctje streßt ohne albe Berkehrsschrüllke» lustig Berlin und München bis nach Wien und Innsbruck. Wie« ist es nicht bloß die christlichfoziale und deutfch- Nkische Tagespresse, welche in homöopathischen Dosen We verrücktesten „Entdeckungen" r .zapft, die gleich- Sesinnte Wochenulrd sonstige Presse treibt es noch iel bedenkenloser. So lesen wir in der „Deutschen Arbeite rpresse", «atÜMalsozialistisches Wochenvom 25. Juni: Woz» unsere brutsche« Frauen und 'Mädchen den Inden gut gen ug sind! Darüber ^belehren uns SBcut:, welche die beiden Rabbiner Abraham timb Kare fit aus Berlin in einer Zioniftenversammlung, die - tm Mai 1920 zu Bre s lau stattsand, ihren jüdischen Zu- - Hörern zu Ohren brachten. Sie sagten folgendes: „Die jüdische Frau sei für uns ein Juwel, wir müssen . fte hoch und heilig halten. Die christlichen Frauen dürfen für uns nichts anderes sein als lebende, wandelnde ' Kloaken. Wir müssen aber de« Verkehr mit ihnen auf den Abend beschränken, denn man wird schon ausmerk- 7,.fam. Wir müssen uns in feiner Art und Weise nähern, damit sie nicht merken, welche Absichten wir haben, und wenn «ns eine 'mal neppen will, die müssen wir verletze^ /bis in die innerste Herz safer hinein. Jetzt gibt es unter '■ de» christlichen Frauen so viel Antfiemfien; denen müssetwir zu schaden pichen mit allen Mitteln, das gemeinste Mittel dürfen wir nicht scheu«». Wir müssen ihnen die Ehre nehmen^ materiell schaden, kurz, sie unmöglich machen, vernichten. Die christlichen Dienstmädchen müssen wir möglichst jung ins Haus nehmen, de« geschlechtlichen ^Verkehr mit ihnen pflegen und dahin wirken, daß sie nicht /mit christlichen Männern verkehren und sich nicht kirchlich grauen lassen. Wir müssen sie auch mit Geld bestechen, L daß sie nicht in christliche Familien diene« gehen." *■ Man muß einmal die Gefährlichkeit dieser niedrigen Anmpere'.err vor aller Welt aufdecken und das deutsche Dolk auf die Folgen aufmerksam machen, die sich aus diesem schamlosen Treiben für dieses selbst ergeben. DaS ^rationale Judentum lehnt es feit je ab, sich unter?beu zwecklosen und demütigenden Schutz eines Vertanes zur Abwehr des Antisemitismus zu begeben. Aber tzricht darum handelt es sich, sondern um etwas anderes: jj>te Deutschen, die es mit ihrem Volke und der Hebung Keines kulturellen und politischen Niveaus ehrlich jmeinen — auch die Antisemiten unter ihnen — Hätten die Pflicht, gegen eine solche Verhetzung und Auspeitschung der Instinkte energisch aufzutreten, Welche sich letzten Endes gegen die eigene Bolkssache «hrt und ihr nicht minder verderblich ist wie die ikbrige Schundliteratur mtb Filmtorrumpierung, gegen 'welche man eigene Kontrollstellen zu schaffen für gut mndet. Die Intellektuellen des deutschen Volkes, j*ne, pk berufen sind, ihm wahrhaft Führer zu fein, schweigen «nd laden so eine schwere Schuld auf sich; denn nur ihr schweigen ist es, die jene Verführer des Volkes betzünstigt, die sich zu Führern der betörten Massen auf- Lpielen, deren durch die jahrelange Kriegshetze verrenkte Instinkte ein Ventil brauche«, als. welches die Inden besonders geeignet sind.; Der deutsche Antisemitismus hat seit je die untzßntige Methode erwählt: Während die anderen Pogrome machen, träufelt er fein Gift in die Massen und schafft das „wissenschaftliche Rüstzeug für den Antisemitismus, das dann in der Form der Pogrome der f^rrch jenes entsprechend präparier.en Massen der minder- Avilisierten Völker die erwartete Wirkung tut. Es ist rin Triumph der deutschen Schreiber, wenn in Polen, iber Ukraine und sonst in der Welt Judenmorde verübt werden, deren „geistige" Anreger an jenem Gifte genährt werden, das unter dem Namen der antisemitischen „Literatur" aus dem deutschen Schrifttum, das wir hier gekennzeichnet haben, in die Presse der Ostländer seinen Eingang findet. Es muß mit allem Nachdruck darauf verwiesen werden: Die unblutige „theoretische" Methode .ist ebenso gefährlich, ja vielleicht noch gefährlicher als «ne der Direkten Aktion", und tov'mt im Osten jüdisches pBIut fließt, so fällt die Mitschuld auf die gewissenlose Bande von Schmierern und Giftmischern, die in dem gewissen deutschen Blätterwald ihr gemeines Handwerk verrichtet! , Me Äkarienbader Konferenzen. , Ueber die tsche cho-slowakisch-Ungarischen Berhandibungen in Marienbad schreiben die Brunner „Lidove Roviny", das Organ des gewesenen Handelsministers Dr. Stransky: Die Bedeutung und die Tragweite der Marienbader Konferenzen bann man noch nicht übersehen. Es tsäre aber unrichtig, sie zu überschätzen. Man darf nicht vergessen, daß bte ungarische Politik noch immer In Illusionen lebt; die ungarische Politik glaubt einerlseits noch inimer, daß auf dem einen oder anderen Wege die Friedensverträge umgestaltet und zugunsten Ungarns snmgeändert werden könnten, und anderersecks redet sie -ich ein, daß die Tschecho-Slowakei ohne das ungarische -Absatzgebiet nicht existieren könnte. Dkese beiden Voraussetzungen sind jedoch falsch. Minister Dr. Bene sch!hat im Parlament zu wiederholten Malen betont, daß Feine Außenpolitik die Politik der Friedensverträge ist, Und es unterliegt keinem Zweifel, daß er diesen Standpunkt auch der ungarischen Delegation gegenüber eingenommen hat. Dies dürfte das wertvollste Aktivum der Marienbader Beratungen sein, daß nämlich die Ungarn mit der bestimmten Versicherung zurückkehren, daß jedweder Versuch, die Friebensverträge abzuändern, schon im vorhinein aus der Diskussion ausgeschaltet erscheint. Durch diese Feststellung erscheinen sowohl in der ausländischen als auch in der tschechoslowakischen Presse erörtert wurden. Was die handelspolitischen Verhandlungen anlangt, wird es notwendig sein, auch hier die ein wenig überspannten Vorstellungen der Ungarn auf bas richtige Maß zu bringen. Sie brauchen uns mindestens ebenso wie wir sie brauchen« Wenn wir heute ein Interesse an ungarischem Getreide und an ungarischem Mehl haben, dürfte dieser Interesse im Laufe der Jahre verschwinden. DaS magyarische Interesse jedoch für unsere Kohle, Koks, Holz, Eisen usw. wird ein bleibendes sein. Wir haben die Regelung der 'beiderseitigen wirtschaftlichen Beziehungen nicht deshalb angeregt, weil wir ohne Ungarn nicht leben könnten, sondern weil wir eine reale Politik und eine Politik der Konsolidierung verfolgen. Wenn die Ungarn glauben, daß wir durch wirtschaftliche Vereinbarungen von unserer politische Linie ein wenig abrücken können, daß wir etwas preisgeben, was uns die Friedensverträge verbürgen, und daß wir gar in puncto der Slowakei nachgeben, dann bleibt nichts anderes übrig, als die Zeit uno die natürliche Entwicklung arbeiten zu lassen, damit sich die Ungarn selbst überzeugen. Wer die Tendenz und die Tradition der ungarischen Politik kennt, wird die bisherigen Ergebnisse der Beratungen nicht allzu optimistisch beurteilen. Erst die praktische Lösung, die über die handelspolitisch:n Angelegenheiten in Budapest zu Ende verhandelt werden soll, wird zeigen, ob die Ungarn bereits gelernt haben, die heutige Zeit zu verstehen und die Verhältnisse so zu nehmen, wie sie eben sind. Wand. Die Kreditaktion für Oesterreich. Berat«»« der Botschastrrkonfer«»». Paris, 27. Juni. Die Botschafterkonferenz wird im Lause dieser Woche über die Areditaktion des Völkerbundes und über die Rückstellung der Privilegien aus die.österreichischen Aktiven verhandeln. Italien für die Aufhebung d«S Generalpfandrecht»». Der BSrfenkomm'ssar Sektionsrat Dr. Neichenberger hat im EsseKeusaal der Börse folgende Kundmachung publiziert: „Es ist durchaus nicht richtig, daß Italien der Aktion des Völkerbundes abgeneigt ist, wie dies, behauptet wurde. Vielmehr hat die italienischeRegierung selbst Aträge gestellt, um die Aktion her Aushebung des Generalpfauorcchtes,zu fördern und vorwärtszubringen, und es dürfte nach den Informationen, die die Regierung hat, nur sehr kurze Zeit bauern, bis diese Frage geregelt ist. Dann erst werden die notwendigen legislatorischen Maßnahmen für die Durchführung der Sanierurigsaktion getroffen werden können."- ' Bevorstehend« Uebergabe W estung arns. Wie gemeldet wird, haben die Ententemächte an Ungarn eine Rote gerichtet, in der der ungarischen Regierung eingeschärft wirb, daß bei der Räumung des westungarischen, Oesterreich zugesprochenen Gebietes keinerlei Ausschreitungen stattfinden dürfen, und in der gewarnt wird, einen etwaigen Versuch, sich der Vollziehung des Friedensverttages von Trianon zu widersetzen, zu unterstützen. Oesterreich wurde von der Entente aufgeforbert, sv^rt einen Vertreter für die Grenzfeststeltungskommission in Westungarn Namhaft zu machen. Aus politischen Kreisen wird mitgeteilt, daß die Uebergabe Burgenlandes an Oesterreich unmittelbar bevorstehe und vielleicht schon in einigen Wochen erfolgen werde. Zum österreichischen Vertreter in der Abgrenzungskommission ist Ministerialrat Dr. Reugebauer ausersehen. Ein rmqarrsches Dementi. «Wdap-st, 27. Juni. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Zur Meldung der Wiener Parlamentskorrespondenz über eine angebliche Note der Ententemächte an die ungarische Regierung bezüglich der Räumung des westungarischen Gebietes stellt das Ungarische Delegraphen-Korrespondenz-Bureau fest, daß die ungarische Negierung in der letztem Zeit keine solche Note erhielt. BvndesprSfident Haiuifch i« Tirol. Innsbruck, 27. Juni. Der Zug mit dem BunbeSprasidenten Dr. Hämisch und Vizekanzler Breisky, in deren Begleitung sich der Vorstand der Präsidentschaftskanzlei Sektionschef Dr. Lötventhal und Ministerialsekretär Dr. Troll befanden, traf um 1 Uhr nachmittags hier ein. Zur Begrüßung hatten sich im Bahnhof eirrgefundeu: /a shauptmannDr. Stumpf,Bürgermeister Greil u. v. a. Auf dem Bahnhof hatte eine Ehrenkompagnie des 12. Alpenjägerregiments mit Musikkapelle Aufstellung genommen. Als Bundespräsident Hainisch den Salonwagen verließ, stimmte die Musik die Bunbeshhmne an. Nach Begrüßung und Vorstellung d<c Herren erstattete der Kommandant der Ehrenkompagnie die Meldung, worauf der Bundespräsident in Begleitung des Landeshauptmanns mck der anderen begaben sich hierauf wiftefö Automobilen fet bas steigquartier im „Tiroler Hof". Auf dem Bahnhosp hatte Sitte große Muscherunengst . ..iffrrwUw. ««tersmchMgsaAssch»» f®f m abstockurrgsyertrSge. Me gestrige Sitzung gab Gelegenheit, dien MW der vberöstarreichischen Lanbesholzstelle Linz, Ober^ fvrstratDilczek,den Staatssekretära.D. Stöckle^ die Vertreter der Reichraminger Holzindusttiegesellschafti Dorrer, Bachbauer, Ingenieur Brandstetter Ministerialrat Schollmayer über die Entstehung des Mchvaminger Vertrags einzuvernehme». Außerdem erstattete der Sachverständige o. ö. Professor M. Seltner sein Gutachten über die Ursache und' den Umfang der Birkenkäfer katastrophe in Reichraming und schlägt die notwendigen Abwehrmaßnahmen vor- In der Nachmittagssitzung wurde die Frage der künftigen Kommerzialisierung^ der Staatsfvrstverwaltung besprochen, wobei Bundesminister Hennet seitens seines Ressorts die grundsätzliche Notwendigkeit einem solchen Reform anerkannte. Mit Bezug auf eine in derj Presse enthaltene Nachricht von der beabsichtigten Bildung eines Trusts für den steirischen Holzmarkt «nbf von dem Plane, als Leiter dieses Konzerns di« Sach« verständigen Dr. Jugowicz und Heinz Domsche zu gewinnen, teilt der Borsitzerche mit, daß auf Grrundi Eingezogener Erkundigungen bei den in den Zeitung^ Nachrichten genannten Großwalbbesitzern Steierwarks! festgestellt wurde, baß die aufgestellten Behauptungen- und mitgeteilten Pläne den Interessenten ganz unbekannt sind. Zur Kompetenzfrage, ob das Ackeirban-i Ministerium zur selbständigen Abschließung von abstockungsverträgen berechtigt war, gaben die Vevcreter der Bundeskanzlei des Finanzministeriums und der Fivanzp.rokuratyr die entsprechenden AuMxungyu nSk Stofflttwwtt UaiMlw. aeiät tu hkitt fltiAtuaa. hie ßiir^«kmthaanif. "k>sE> M in LaUDo WIHmmt jjj^ Die Kovferenz von Portorvse. Prag. 27. Juni. An der Spitze der tschecho-swwa^ kischen Delegation reisen nach Portvvose Minister Doktor Hotovec für Fragen wirtschaftlichen Charakters und' Ingenieur Dr. Burger für ins Verkehrswesen einschlägige Fragen. Ihnen sind Delegierte ans de«- einzelnen Ministerien beigegeben. Dr. Szarota Gesavdtrr 1» OTtot. -, Warschau, 27. Juni. Der Geschäftsträger der pvk- Nischen Republik bei der österreichischjeu Regierung, Dr. Marcel Szarota, wurde zum außerordentlichen- Gesandten und be^lmLhtigten Minister «xnaMt. ' .t; Die FrovIKiivt^fKe. Sonntag fand die Hanptverfammümg biör ,%x o« kämpfer" statt, wobei «ntee euwerem berichtet wurde, ba^ sich ,michi^tveniger als vier Theresienritter" in der schaft befinden. Nach den Neuwahlen wurde ei« Entschließung, einstimmig angenommen, in der erklärt wurde, die Frontkämpfervereinigung sei ein Verband der -vaterländisch empfindenden Oesterreicher" «nd bekämpft jeden Bürgerkrieg und, gewaltsamen Klassenkamps im eigenen Volke. Dieft innere, Front richtet sich als» nur gegen die Juden lntb die Ringstraße sott der Kriegsschauplatz sein, damit, Gott behüte, die kriegerischen Tugenden der vaterländisch EyMyheusWi nicht eiuryst««. ' P--Ml ..V. ■ ' Die Bilanz der Exzesse fa Jaff«. yftvusakem, 25. Juni. (Privat.) Jakob Kleban v w, früherer Generalsekretär der Zionistischen Organs sation in Rußland, welcher sich jetzt in Palästina befindet, zieht folgende traurige Bilanz über die jüdischen Verluste bei den Exzessen in Jaffa: Di« 40 Toten, welche diesen Exzessen zum Opfer sielen, hinterließen etwa 20 W i twen und W a i fen. Bon den 200 Verwmtbete^ haben etwa 100 von ihrer Hände Arbeit sich und ihre Familien erhalten, von. ihnen befinden sich bis heute noch 49 in Spitalspflege und sind arbeitsunfähig. Etwa 2000 Personen wurden obdachlos und können nicht in ihr Heim zurückkehren. Etwa 300 Familien haben materiellen Schaden erlitten, ungefähr 20Ö Familen wurden gänzlich ruiniert. Etwa 300 Personen wurden durch die Einstellung verschiedener Arbeiten und Betriebe infolge der Exzesse arbeitslos. Die erste« Ergebnisse der zionistische» Aktiv« i« Amerika. gmtmi, 26. guni. (31b. Lorr.-Bur.) „Daily Del« graph" bringt folgendes Telegramm aus New-Aorkj Bor der Rückreise Dr. Weitzmanns nach England wurd>S ihm ein grandioses Abschiedsbankett veranstaltet, wo offiziell mitgeteilt wurde, daß Dr. Weitzmann 200.000 Pfund Sterling in bar mitführt, bk sogleich für das große JrrigativnSwerk i« Palästina verwendet werden sollen. Ueüerdies liegen Zeichnungen amerikanischer Juden aus den Betrag vo„ 1 Million Pfund Sterling, zahlbar in Raten innerhalb sechs Jahren, vor,, die für konKruktive Ar-

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