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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-26 · Heft 867 (26.6.1921) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 867 (26.6.1921)
Date
1921-06-26
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. $67 Wien. Sonntag r" "—-— . . 1 ,wir - '■ Wiener Morgenzeltvng Wie man i« Payer« entwaffnet. ' Chmakleristisch für die Art, wie man in Bayern die Entwaffnung betreibt, iS ein Aufruf, der rni „Fyisinger T weblau^ n ä ch der Waffenabljcferung erschienen ist. Dort beißt es : «Nachdem auf. versch'kdene W^ffensammell-iZer Uebetfäste versucht stochen sind/ ist tust bwi Füh l er dcr Lantzfahqe nachstehende Vereinbarung aeh offen worden: Den Schul des Depots Freising übernimmt die Lantzfahne Weihenstephan. Der Kism benötigte Dril dersiandlahne e m pfsip g t em siguke des heutigen Taaes die e i n g e t i e f? r, t1 it W affen U N d 'Munition wretzer zurück. RückeinlrefernugStermin wnd wieder bekanntgegeben. Die Einteilynk de§ Wachtdieystes, der Aereitchaftey «fw. xegelf der Rührer der ^andfghne. ' Den Wawtmannschaflen stehen Aufrysgelder zu. Zeiten deS Baffenempfangs giht der Führer der Landfahne bekannt. Einwohnerwehr-Waffe »depo t Frersing: Weiß/ - « Die Komödie ist natürlich nur möglich, weck die Ginwohnerwehre«, die Säuletn der bayrischen «O'dnnn^zölle", wohl angeblich entwaffnet, aber nicht aufgelöst werden. , ,' vrwrr * Die Helfer 1» der Not. Der sozialdemokratischen Partei ist ein neuer Berater erstanden, der es M't ihr sicher besser meint und thr Wohl sorgsamer im Auae hat als alle ihre oiganisterten Anbänger zusammen, nämlich der — christlich» soziale Abgeordnete Prozessor C-erpiak, der sich ,m Nicderysterrelchischen Landtag der sprichwörtlichen Hijflosigkeit der Sozgl» demvkraten erbarmt uird ihnen folgenden Trost für die Zukunft gespendet hat: «Wem wir die christliche Mittelichule fordern, wird s guch d e r s o - i g l d 0 m o k r a. tisch e n Part et. gut t u n, «eil sie dann nicht mehr so viel jüdische Führer hätte. Wenn an deren Stelle ebenso viele und' ehrnsp gebildete Christen treten wüchen, stünde es um die v z i a l d e m o k x a t i f ch e Partei bester/ Die ,Rrichspoß", der bekanntlich gleichfalls nichtko sehr a« Herzen liegt als'das Wohlergehen der sozialdemokratischen Partei, und die nur zur''Erreichung dieses höchsten Zieles für die Klerikalisierung der Schule^ kämpft, benützt die Gelegenheit, um auch ihrerseits «die Mästen der sozialdemokratischen Arbeilerichaft aufzürütteln zum Nachdenken über bte seltsame Erscheinung, daß gerade sie, gerade dir Arbeiterklasse, unter die Bormundschaft jüdischer Führer und einer jüdischen Presse gestellt ist, während alle anderen Stände, insbesondere die Landwirte und die Gewerbetreibenden, aber auch dieakademische Jugendj sich von der Führung durch Fremdlinge cmanzipierk haben". Die von der fremden Führung emanzipierten Gewerbetreibenden und Akademiker führen bekanntlich das beneidenswerteste Däsern und lebe» in Hülle und Fülle dank dem KMchak'chen Mehl. - - - > '• - ‘ * MisHe Straßenbettler. Es, ist eiste seltsame, .isigentlrch durch nichts AU erklärende Latsache, hast das jüdische Elßnd, das immer die Oeffentlichkeit gescheut hat. jetzt auf die Straße geht. Seilst in-per Zeit der jammervollsten Not, des ^sprichwörtlich gewordenen Flüchiliygsoleyd-, sah inäst ist der Schär der Bettler nur sehr' Mest ein jüdisches Gesicht auftauchen. Jetzt mehrt sich ihre Zahl in aufsallxUder, ja, ^schreckender Weise. Erschreckend Und tief beklagenswert, denn wir leben nicht mehr in Bistor, Hugos Zeiten, da die Bettler — wenn die SchiLexung nicht lügt -L eine stolze, ihres Wertes bewußte Gilde bildsttch». Wep jetzt auf der Straße das Mitleid der Vorübergehendest anruft, dem ist sein letzter Halt zusammengebrochen, Wenn dabei , die jüdischen Bettler fast immer Gegenden anfsuchen, die' von Juden bewohnt und frequentiert, werden, so ist das wohl.weniger auf Rechnung des Zartgefühls zu setzen, olS auf kluge Berechnung zurückzuführen. Da ist eins einäugige, alte Frau in einer belebten Straße von Mariahrlf, diej W.em> der.zuhSren will, .eine ungemein tränenfelige, larWygnte Geschichte von sehr vielen gefallenen Söhnen er» zählt Wd entrüstet tut, wenn man ihr weniger als zwei. Krönen ,gibt. Da sind ein paar, mürrische und verzweifelte Krlegsinvälide auf der Ringstraße und ein alter Rann im zerschlissenen Kaftan, der verstohlen die Hand ausstreckt wie. die WfnkelbüKmacherauf' dem Turf. Legt der Vorübergehende in diese Hand etwas hinein, so antwortet ihm ein duiwpfes Knurren, das man je stach Geschmack als Dank oder M. Ruch, auffaffen kann. Laßt man aber die Gebärde unbeachtet, so bleiht einem diese Wahl nicht mehr. Besonders eifrig wird von Juden auf den Brücken über den Donäukästal gebettelt und es ist traurig, zu sehen, mit welchem schlecht verhaltenen Zorn sie sich dabei anstellen. Daß der Bettel an Tempel- und Friedhofstüren emsiger betrieben wird denn je, versteht sich von selbst. Und alle. Mäflster wie Frauen, di« das Mitleid der Fremden anrufen, haben'denselben Ausdruck verbissenen Zornes im Gesicht, alle sind von sehnender Verbitterung erfüllt, von wildem . Ingrimm gegen diese Welt. * Zur Hebung de- Deutschen Aufehe«-. Der Korrespondent de- Pariser ,T e m p S" berichtet Übet? das Leben inB erlin unter anderem: „3n einem bekannten Restaurant, da? ich oft besuche, traf ich «ne» sozialistischen Abgeordneten von ausgesprochen semitische« Aussehen. Da ich ihn seit mehr a!S zwanzig Jahren kenne, setzten wir u«S an einen Tisch. Ich bemerkte. daß uns d:e Rachbarn scheel ansahen und der Kellner uns sehr unfreundlich behandelte, Der Abgeordnete erhob sich zuerst; er ging ins Parlament, ich bestellte noch eme« Kaffee. Da kam der Direktor des Restaurants auf mich zu und fragte: «Ist das nicht der Abgeordnete L?* — «Ja/ .Kennen Sw ihn?" -- .Seit langer Zeit.* «Cr ist ein Indes" .Jy dev" Tat." — Daraus grüßte der Direktor kurz und ging fort. Ich bemerkte sofort, daß ich seine Achtung verloren batte. Ich bist ' ke,n „seiner* Herr mehr, fern ei» Reichst,ind. welcher mit Freunden Liebknechts und Rosa Luxemburgverkehrt, die mg» .gottlod" nmgebrach' hat. *r Al» man « München de» Abgeordnete« Gar ei» ermordet batte, überreicht« «nr dir Zeitnugstzertänf«, der mich gewöhnlich dedienv d» ZeistML«» mit wildn Freude und den Worten: „Ein Scbwr.nehund weniger!" — In memestl Friesemla^en diskui e.tte man iiingst über K a u t s k y. Die Zciiun^en br.n! tcn uömlich ie ne Erklärung, daß er feine Anklagen gegen da§ kaiserliche N-gime, beteffend dre Schuld am Kriege, ausrechierhalte. Die Gäste und Gehilfen sch'Mvften. Der Ehe schwang das Rasiermesser und schrie' „Ohne diese Schweine wären wir in Vr>» einprzoge». Ich bin Famzlienv-Her und friedlich, aber wenn ich diesen schmutzigen Juden Kau"ky erwische, dann schneide ich ihm d:e Gurgel ab!" — Der „T<mpS" ist n>cht> wmiger als judenfrruudtich, ehe, antisemitisch. Aber er versteht, daß splche Aeußerpngen antisemttjscher Bestialität, wie sie im beut,gen Deutschland gang und gäbe geworden'find, jeden ziv'lrsiertrn Men'chen mit Mcheu erfüllen müssen. Und die Deu'lchen defleißlgen sich, ihm Stoff zu liefern. * Die Rayonierung. der Bergfreiheit. „Nichtmitpliedfln alpjner Vereine dark ein längerer Aufenthalt nur bizu drei Tagen. Juden nur im NotwendigkeitSfalle N » d u u r f ü r e i n e N a ch t gewährt werden. Der Pachter ist vervflichtet, diese Ver'ügung strengstens einzuballen, und werden alle Mitglieder im eigenen Jnterrffe ersucht, llnuz^mmlichkeiten unter wahrheitsgetreuer Schilderung de§ Vorfalles an die Kanzlei deg Oe G. V. zu melden/ Mit dieser erbauliche» Verordnung „regelt" der Bau- und Hüttenausschuß des Oesterrelchlschen Gebirgsvereins den Touristenverkehr iür seine BereinSdülten und demonstriert damit der stanncnden Kulturwelt wieder einmal ad oculos. bis zu welchen Höhen sich der christlich-germani'che Geist, in jedem Sinne deS Wortes »ersteigt. Es ist da» jener Geist, der dieser Form von Demschtum zu feiner sprichwörtlich'« Beliebtheit bei allen zivilisierten Völkern verholsen dgt und der auS strategrschen Gründen erfolgten Annexion der Südtiroler Alpen nvch nachträglich ernr sittliche Rechtfertigung liefert. Denn welchen ethischen Anspruch kann ein Volk auf irgendeinen Anteil an der Älvenwelt noch^erhebc». das von der Freiheit, die m den Bergen wohnt, ky merkwürdige Begriffe, hat. wie sie in dieser .Hütienordnung" des Oesterteichifchen GebirgSv»r»inS rum Ausdruck kommt? Mitteilungen aus dem Publikum. Lopbie k^ostoctcer Aron Riegler Czemöwifz, dzt. Theodorestie Kosöw Verlobte _Im Juni 1931. _ Professor Dr. Adolf Kurti Jenny Kürt! geb. Osterraann Vermählt^ m ' " '' ..TI»» ■ "^'I ir< »-I I V ■ «ü. Gusta Billig Heinrich Mayer Bpody ,vp ' v, Stolpi» te&m tiimit $1$ Freuijde yyä ßstIxspQtest m ihrer heute, Sonntag den 96. Juni h j- 4 Uhr nachm.,im „PolnischenTempei*, II, Leopolde gasse, stattfindenden Trauung ein. Wie», im Juni 1921. ms Wir gratulieren herzliche unserer Schwester OUSTA B1U.IQ ru ihrer heute statt!inde»den Vermählung mit Herrn HEINRICH jVtAYER und wünschen dem Paare eine glfickliche Zukunft. 604« GESCHWISTER BILLIO. Dem überzeugungstreuen Gesinnungsgenossen und Ansschussmitgliede Herrn MICHAEL ZIPPER gratuliert herzlichst anlässlich der Trauung seiner Nichte "■Fit MALVINE KAN:;ER mit Herrn1 HEINRICH I XMPLER ,0M die Zionistische Bezirkssektion Brigittenauu. Innen- I dekoratioß »- ,fn gr&sittr Auswahl. War aediegeae Wlßü, III,, SifitißRStBPBPr 1 8, 2 . 619 Erzeugnisse. (Ecke Karl Schweigbofergasse). JZenmcMam *^7" VUWßlAWlf ERStfiASSE WS. Ur6(i(»s,b»itaot11w4M Lager Wiens tn Tepplehen, Decken, Vorhängen, Ueber wart», Lanftepplcheh, ßtoree, Doppal4«8ken etc. Billlgsle Preise. 8540 Wasserdichte Regenmantel Gummi, imprägniert» und Seide w RICH, SORER OBEI am« m, mm GRÖSSTE ADSffAHL IR ItOXOSm srjir WÖBEItH VWWWVUW Hnm mm 26. Juni 1921 Sekte 7 Grösster und bester Käufer Wiens ^sev rlllanten, Perlen. Juwelen, EdeisteinhändlerRabinowiisch, Juwelier; I. Maximilian8tra8se 5 II. 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XVHI, K 1000, Martin Hauser, K 100, Geza Krausz, Graz. X 1500, Direktor Philipp Kantor,! XIX, X 300; bisher X 35 215. F ürPalä st i n a - E m i-' g r a n t e n : Sirgmund. Rintel. XVlll, X 2000. Sami Ruff X 50, S. Kris, Ul, X it OO, Elm Picker, Hinterbrühl, X 1000;' bisher 65 Lwe + X 69.400. — fürjÜ dis ch e B l i n Pepi Ruff X 50; bisher X lim.? I 7 We alte BcdieMrin. Unsere Feinde «nd Gegner^-! christliche wie jüdische, sprechen immer wieder von der Mi«! scheu Geschäftstüchtigktzit, von den Listen uttü Ränken de^! GeldverdicnenS, sie strchcir im Juden immer nur den rasfsi» uierten Handelsmann, der nicht mit ehrlicher Arbeif sein Brot verdiene» will Md sich zu gut dünkt, seine Hände zu rühren. Aber von dem jüdischen Gewerbefleiß wollen sie nichts wissen^, und sy oft und scharf sie die Putzsucht der Jüdin geißeln, verschmähen sie eß hach auch, van der redlichen, mühselig^ Arbeit, die Msere Frauen leisten, Kenntnis zu nehmen. Ui$! FM wie den her alten Pebienerin glauben sie ehr* fach nicht. Denn die greis« Frau Z. paßt nun einmal nicht in das Programm jener gerechten Richter. Die 76jährige ist zwar «i«e g-nz echte und rechte Jüdin, besucht sogar qn Festrf tagen gewissenhaft das Gotte-hau-, wie sie es von Kinbhest an gewohnt gewesen, aber an Wochentagen verdient sie sich j chp M WM KM«M. «ü itz

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