Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 865 (24.6.1921)
- Date
- 1921-06-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 86v Men. Fretwg , Me«er Morgenzettung_24. Juni 192!_^ , '1?eTfeS% Die britische Reicbskonferenz. Wirtschaftliche Depression. daß die Jud:» ',ur soiiittäglgeu Arbritsruhe nicht gezwungen werdest mögen, da diese Mit Sabbat ohnehin feiern und es vom sozialen Standpunkt ganz gleichgültig erscheine, an welchem Tage nicht gearbeitet wird. Man beruft sich puf ausländische Muster, so auf Frankreich, wo bloß die Verpflichtung zur Freigabe eines Tages' in der Woche besteh«, die Wahl dieses Tages jedoch jedem anheim gestellt wird. Es wird sodaiut noch auf die nationalökonomischen Schäden der obligaten Sonntagsruhe hingewiesen, welche entstünden, wenn die Juden zwei Tage der Woche von der nationalen Arbeit scrngehalten werden. '1! Die kompetenten Kreise haben, wie gemeldet wird, die Stichhältigkeit dieser Gründe anerkannt und dem Jüdischen Nationalverbanb eine wohlwollende Erledigung der Eingabe zugesagt. Inland. Roch immer die Plebiszitkrise. (Bon unserem ParlameniSberichterstatter.) ' In christlichsozialen Parteikreisen d«S Nationalrates wurden gestern Befürchtungen geäußert, baß die ReafsUmierung deS steirischen Plebiszitausschusses nicht so ganz ohne Folgen für die christlichsoziale Partei und damit für hen neuen Regterungspakt abläusen werde. Die christlichsoziale» Landeshauptleute D'r. Rintelen und Dr. Ahrer, die in^ der PlebiSzitfrage sich auf einer Littie mit den Großdeutschen bewegt hatten, lehnten gestern noch eine Wiederwahl ab und da die Christlichsozialen in der Steiermark die beiden dennoch wählten, befürchtete man in Wien unangensshme Auseinandersetzungen mit der steirischen Landespartei. Es wurde nun D'r. Gürtler als Vermittler nach Graz entsendet, um durch seinen Zuspruch Entgleisungen zu verhüten. Während der Nationalratssitzung war man noch völlig in Unkenntr/s üher das, was der steirische Landtag in der Abstimmungssrage und bezüglich der Neuwahl der Landesregierung beschließe» werde. Man entschied sich also dafür, für heute abermals, eine Sitzung des Nationalrates einzubcrufen, um die Abgeordneten in Wien für eventuell notwendig werdende Entscheidungen beisammenzuhalten. Darum wurde auch die Tagesordnung nicht ganz aufgearbettet und die Beratung de- Handelsagentengesetzes auf heute verschoben, um so wenigstens die formale Grundlage für die Abhaltung einer Haussitzung zu schaffen. Der Nationalrat erledigte gestern ohne jede Debatte von den Gegenständen seiner Tagesordnung ein» Gesetz Über die zeitweilige Unzulässigkeit der gerichtliche n Geltendmachung von Ansprüchen gegen das k. k. Ae rar, das k. u. k. Äerar, das Hofärar und gewisse Anstalten und Fonds, eine Novelle zum JnvalidenentschädigungSgesetz und eine» Antrag» betreffend die Entschädigung der Mitgliede r der Gruudverkehrsrommissienen. Ferner wurde ein neues Bundesgeseh Dt zweiter und dritter Lesung angenommen, wonach tm EhescheidungSverfahren statt bisher drei nur ein Versöhnungsversuch stattzufinden habe. IN einer Interpellation teilte' der großdeutfche Abgeordnete Major Kollarz mit, daß die englischen Behörden in Port Said' Und Suez etwa fünfzig gewesenen österreichische« Seeoffizieren, die auf der Reise nach Niederländisch.Indien begriffen waren, das Betreten deü Landes untersagt habe». Nächste Sitzung! Heute, 11 Uhr vormittags. Niederösterreichischer Landtag. Sitzung am' 23. Juni. Nach zweitägiger Beratung wurhe in der gestrigen Sitzung der Voranschlag 1921 für das Land' Niederösterreich angenommen. In den Debatten gab es, besonders gestern,, bei der Behandlung der Schulsragen erregte Auseinan'^er'sctzuugeu zwischen So'ial em.'traten und Christlich,'oziflten. aber schließlich — in den Armen lagen s.ch £»cioe und tm inten vor Schme rzen und Freude. An den Vorlagen, die ja bekanntlich in den Ausschüssen beschlossen werden, wird im Plenum selten etwas geändert. . Mf ein höheres politisches Niveau brachte Landeshquptmannstellvertreter Christoph die Debatte bei Beratung des Kapitels „Steuergesetzgebung". Er Übte eine scharfe., aber sachliche Kritik an der gegenwärtigen Steuer-, Finanz- und Wir.schaftspolitik, indem er gleichzeitig konkrete Vorschläge zur Sanierung, besonders aus dem Geb.e.e der Steuergesetzgebung, brachte. Zur Ordnung des Haushaltes sei die Schaffung eines Dundessinanzgesetzes und eines Bundesverwaltungsgesetzes notwendig, das bisher deshalb unterlassen wurde, weil ryan kulturpolitische Kämpfe befürchtet habe. Hedner verlangt, bei getreuester Pflichterfüllung gegen den Bund, für das Land gewisse Steuerhoheiten, damit es .volkswirtschaftlich,' finanziell und fteuerpolitisch auf eigenen Füßen stehe. . Schließlich erklärte er im Namen der Sozialdemokraten, der Vorlage zuzustimmen, worauf nach Erledigung der übrigen Kapitel der Voranschlag angenommen und die Session vom Vorsitzenden mit den/ üblichen Dank- und Uhschiedstvorten geschlossen wurde. LoWmr, 28. Juni. (Privat^) Auf der Konferenz der Vertreter der Dominsvns zeigen sich starke Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Teile des britischen Imperiums. Insbesondere besteht Indien aus einer .Erweiterung.seiner Autonomie und wendet sich heftig gegen die Beschränkung der Einwanderung indischer Personen nach Südafrika. Auch die Allianz mit Japan findet scharfe Gegnerschaft. Es ist deshalb kaum richtig, daß die Waffenkonvention zwischen Japan und England auf den Kriegsfall Japan- Amerika ausgedehnt wird, zumal die australische Arbeiterpartei bereits einen Protest gegen die Erneuerung des englisch-japanischen Bündnisses überhaupt übersendet hat. ' ■ ’ Gestern erstattete CHurchill ein Referat über die Kolonialpolitik der Regierung. Er ging davon aus, baß manche der Kolonien Englands größer seien als große europäische Staaten. Die dort auftauchenden Probleme seien de,nentsprechend bedeutungsvoll. Manche dieser Kolonien hatten einen Export von 40 bis 50 Millionen Pfund jährlich und versorgten zu einem große« Teil das ganze Reich mit Rohstoffen für die wichtigsten Industrien. Allerdings sei eine Welle der Depression in den kolonialen Industrien seit dem Krieg aufgetreten. Besonders die Gummipro duktion mache sich nicht mehr bezahlt. Aehnliche Klagen kommen fast aus allen Kolonien. Er glaube, daß die Periode der Depression vorübergehen werde. Aber die Abnahme des Konsums in der ganzen Welt bereits große Sorge. Churchill bat die Neutrale und alliierte Banken für Oesterreich. SMtfam, 23. Juni. (Reuter.) „Times" begrüßen die Nachricht, baß schwedische, norwegische, dänische und hollä ndische Banken ihre Bcr.i'willigkeit erklärt hätten, Oesterreich zu helfen. Das Blatt fügt.hinzu, auch die Bankiers in den Ländern der Alliierten hätten die Zusage gemacht, Oesterreich helfen zu wollen. Der Neuaufbau Oesterreichs sei eine Angelegenheitvon internationalem, wirtschaftlichem Inte re sse. Es sei von gw'ßer. Bedeutung, daß alle Nationen, die dazu imstande fiten, Oesterreich zu Helsen, dies auch wirklich tun. Der Erfolg des terMeulenscheu Kredit systems hänge hauptsächlich' von seinem internationalen Charakter ab. Telegramme. Die Konferenz in Marienbad. Prag» 23. Juni. Das Tschecho-slowakische Pvehbureau meldet aus' Marienbad: Minister des Aeußern Doktor Bene sch hatte heute um 9 Uhr vormittags eine Beratung mit seinen Referenten, worauf die erste Besprechung mit den ungarischen Ministern Banffy und Teleki stattfand. Die Beratungen der drei Minister haben, wie es scheint, den Hauptzweck, d«n Weg für die Erledigung der sachttHen Fragen» mit denen sich Fachkommissionen in Budapest und Prag besaßt hüben, zu ebnen. Sie lassen sich in folgende Kategorien einteilenr 1. Handelssragen» die zum Beispiel Kohle, Erze, die Versorgung mit Getreide, die Situation der Maschtnenunb Metallindustrien, den unlauteren Wettbewerb usw. betreffen; 2. Verkehrsfragen, unter denen sich an erster Stelle dio Herstellung einer geeignet» Verbindung der Tschecho- Sbowakei über Ungarn mit Rumänien und Jugoslawien befindet; 3. juridisch-politische und Kirchenfkagen und 4. finanzielle Fragen, welche die Depositenfrage, die Ausglrichung der Krönensorderungen, dic Nostriftkv ion der magyarischen Handels finanziellen Unternehmungen^ usw. betreffen. Marienbad, 28. Junt. (Prenburrau.) Die Konferenz dtr Minister, die um */«ll Uhr begann, endet« um 7*2 Uhr. Es wurde» die Fragen durchberitrn. die von den Kommissionen in Budavest und Prag behandelt worden waren und m denen keine feste Vereinbarung «zielt worden war. Der bisherige Verlauf der Konferenzen ist >m allgemeinen zufriedenstellend. Die nächste Konferenz find«! nachmittags im Salon des Ministerpräsidenten stat. Marienbad» 23. Juni. Die Nachmittagskonserenz de Mrdist« daurtte von 8 bis 7*U Uhk. Zunächst waren die Drtaüfkage» durchgenommen worden» die in verschiedenen Kommissionen aus die Tagesordnung gestellt waren. Dann kamen Fragen «ehr politischen Cdmalters an die Reihe. Allgemein zeigt, sich Befriedigung über den Vcxlaui der heurigen Verhandlungen. ES scheint, das die Beratungen morgen beendet werden. Lord Robert CeeU — zukünftiger Premier? parp, 23. Junt. (Tol.-Komp.) Wie die „Chicago Tribüne" erfährt, soll Lord Robert C e c i l, der von mehreren Seiten als der künftige Prentier genannt worden ist, erklärt haben, er fei bereit, di« Regierung zu übernehmen, falls das Volk es verlange. Konferenz, den Kronkolonien ihre Sympathien; zu j bewahren. Er forderte die Dominions auf, Geld undi' Kredit zur technischen Entwicklung der Kolonien zkt verschaffen. Churchill sprach dann von .den afrikanft! schen Eisenbahnen und erwähnte, daß eines der wich-.< tigsten Hilfsmittel für den Eisenbahnbau im Jnnerntj Afrikas der Dank sein werde. Besonders ging danwf Churchill auf Liberia eist, das reiche Schätze an Kohlet., und' Zinn habe, für deren Ausbeutung keine teurem Schächte, sondern billige Minen gebaut werden müßten-, Hier unterbrach Lloyd George den Redner?!• mit der Frage, ob die Kohle von Liberia gut ser.; Churchill erwiderte, sie könne nicht mit der bestem' englischen Qualität wetteifern, aber für die Bedürft! ' nisse der Kolonie reiche sie aus. Zum Schluß beantwortete Churchill die Frage des indischen Vertreters nach der Ansiedlung indischer Bürger . / in den Kronkolonien. Churchill gab ZU, daß das iift Südafrika ein Problem sei. Die Regierung stehe auf,! dem Standpunkt, daß Rasse, Farbe und Net {•'}.* gion keine Hindernisse sein dürfen, wenn ein Mattich sonst zur Ansiedlung geeignet sei, aber das Prinzip"! müsse sehr sorgfältig angewendet werden, denn dies Bevölkerung sei gegen die Vermischung mit Fremden? leicht eingenommen. . Er hofft, daß sein Ministerium'' die Schwierigkeiten fticht überwinden werde. Das Referat Lord C u r z o n s über die äußere' Politik der Regierung wurde für vertraulich erklärt) Der englische Kohlenkrieg. Die Gewerkschaften machen nicht mit. . London, 21. Juni. (Rlwer.) Da mehrere große Gewen-. schäften die Bergarbeiter in Kenntnis gefitzt haben, daß sie nickt geneigt seien, in den Ausstand zu trtten. wird ftdj: der Voll ugSaus'ckuß der Bergarbeiter am 24. d. M zu einer Sitzung versammeln, nm zu der hiedurch geschaffenen Lag'', Stellung zu nehmen. Unterseeboote der „irischen Republik". Washington, 23. Juni. (Funkspruch.). Ein Offizier der . „irische» Republik" erklärte, daß seit zwei Jahren ein regelrechter Verkehr zwischen Irland und den Bereinigten Staaten bestehe, der von Unterseebooten der „irischen Re-' publik" Unter, deren Flagge aufrechterhalten werde. Auch' be Valera sei mit dieser Fahrgelegenheit gereist. , . , Der Faszistettterror* Rom, 23. Juni Fassten haben in Pola neuerlich daß. - sozialistische V reinßhauS zerstört. In Ferrara wurden bei einrm Ueberfall auf d n son st stücken Konsumverein zwei Sozialisten schwer verletzt. In Calcara wurde das Volksheim zerstört. In Reoprfier folgten Ueberlälle auf Kaufläden, um den Preisabbau zu erzwingen. Giolitti hat nmr Abordnung der Sozialisten versprochen, in Zulun't Gewalttaten mit allen Mitteln hintan», zuhalten. Er hat zu diesem Behufe dem Präfekten bereits Anweisungen gegeben. Eisenbahnerstreik in Italien. Rom, 28. Juni., Der Eiscnbahnerstreik hat sich aus o.e Provinzen Venezia Gtulia und Padua ausgedehnt, wo lO.CCP Reisende ihre Fahrt unterbrechen Mußien., Toggenburg schlügt sich nicht. Rom, 28. Juni. Abgeordneter Toggenburg antwortet irn «Meffagaerö* auf .einen Angriff des ,Popolo d'Jtaliü", daß die Zugen Giuntrs erklärt hätten, die persönliche Ehre Toggerft burgS sei durch Giunta nicht angegriffen worden. Dennoch IjaBeJ Giunta. dem Ehi.engefitze widersprechend nach -zwei Tagen seinen. ' bekannte» Schmähbnes geschrieben. Wenn Giunta. das Ehrengericht ablehne, so verbiete andererseits Toggenburg seine, religiöse Ueberzrugung die Austragung' durch dieWaffen. Die Instruktionen an die Sowjet» Vertreter. >; MoskM, 23. Juni. (Funkspruch.) „Wjstnik" veröffe^rlicht eine Erklärung des Gehilfen des VolksLommissärs. für Finanzen P r e o b r a s ch e n s k y, der den von ausländischen Blättern gebrachten Abdruck seines ange,blichen Briefes an einen Sowjetvertreter, dev von. Ausfällen gegen das Sowjetsystem strotzt, als Fälschung bezeichnet. Usstschkin in Berlin. Berlin, 23. Juni. (Jiid. Korr.-Bur.) Ussischkm» der m ' den näckstcn Tagen von seiner Amerika-Ne'se hier etutrifft, wird in Deutschland eine Reihe von Vorträgen über die Ergebnisse der Tätigkeit der zionlstischen Delegation m Amerika hasten und überdies m größeren Volksversammlungen als Redner für den Keren Hajessod auslreten. In diesen Versammlungen werden auch der Vorsitzende der deulschjüdischen Jugendorganisation Dr. A v p e l und Rabbiner Tr. Beck, der bei der Versamm-' was An alle Schekelblock-Inhaber! üiüiiiiiii Verrechnet sofort im Zionistischen Landeskomitee (9 bis C Uhr)!