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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-22 · Heft 863 (22.6.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 863 (22.6.1921)
Date
1921-06-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr, 8tz§ Wien. Mittwoch »VülM-.ull ■ ni lui., j--u«i .. Liberias, Akko, amlxh, Ludb, Ghaza,. Hebron, Ber-Scheba. Auch vom Araberksngreß selbst werden ernste Äelnungsverschtedenheilen und Streickgki'.a« gemeldet. Die Hauptaufgabe dieses Kongresses, der Ende Mai in Jerusalem statt-! fand, war die Wahl von Abgesandten nach Europa Und die Wahl ein« neuen Executive. In der Debatte ergab sich eljt ArrtagoniZMuD ztvWey Moslemischen uvd christl schien Arabern. We Cristen t.rWier^u dse DättgM Äer Exekutive, deren Mitglieder ihrer Meinung nach jeder nptwendsgen Erziehung und aller Staatskunst ermarrgefterr. Demzufolge widersprach eine große Zahl der Delegierten £«jt Antrag, daß man die Exekutive selbst die Wahlen für die Gesandtschaft vornehmen lassen solle. Als Folge dieser Meinungsverschiedenheit verließen die Delegierte« von Hebron, säst ausschließlich Moslrms, de« Kongreß und es mußte eine besondere Abordnung an sie geschickt werden, uw sie zur Rückkehr zu bewegen. Die Wtlnaer Frage. ' Warschau, 21. Jgm. (W. P. O.i Wie aus Genf gemeldet wird, spll d>e Wrlnaer stngeltgcnhch i« dir Sitzung vom 2$. d. M. im Völkeibundrat zur Sprache kommen. Die Grundlage dat Erörteiung werden dre bckannten Hyckansfchen Vorschläge bilden. Als Vertreter Polens ryud Professor Aszkena.y den Beratunge« beiwohnen. Inland. Niederösterreichischer Landtag. Sitzung am 21. Juni. . Der Landtag von Niederösterreich-Land beschloß m seftrer gestrigen Sitzung unter, anderem ein Gesetz, betreffend die Entlohnung des Religionsunterrichtes an de« öffentlichen Volks- und Bürgerschulen; ferner wurde ein Antrag des Schulausschusses, betreffend den Gesetzentwurf über die sinngemäße Anwendung der Bestimmungen des Nachtrages zum staatlichen Penslomstengesetz auf die Altpensionisten des Lehrstandes an den öffentlichen Volks-- und Bürgerschulen, zum Beschluß erhoben und die Landesregierung beauftragt, wegen Durchführung dieses Beschlusses das Erforderliche zu veranlassen. Desgleichen wurde ein Gesetzentwurf, betveffend die Altersversorgung der dauernd bestellten Handarbeitslehrinnen züm Beschluß erhoben, i- Zu einer längeren Debatte kam es bei der Beratung von Anträgen über die Entwässerung versumpfter Grundstücke in verschiednen Gemeinden. Hiebei wurde von den verschieden Rednern auf den Raubbau hfngewiesen, der mit den Waldschlggerungen getrieben wird, und die Forderung erhoben, mit allen staatlichen und Landesmitteln' dahin zu wirken, haß diesem gtzwissenlosen Treiben'endlich ein Ende bereitet werde. Upt^p anderem wurde auch die Forderung gestellt, im Wege der Gewerbegesetzgebung den Holzhandel an eine Konzession zu binden. Die Zusammensetzung des Landesschulrates. Im Gegensatz zum Landtag von Wien wurde schließlich das Gesetz über die Zusammensetzung des Landesschulrates für Niederösterreich-Land beschlossen, dem zwei Vertreter der katholischen Kirche,-ein evangelischer Geistlicher und ein Bekenner der jüdischen Religionsgenossenschaft als Mitglieder angehören sollen. Der Landtag von Wien hat bekanntlich diese Bestimmung in sein Gesetz über die Zusammensetzung dhs Landesschulrates nicht ausgenommen. Die Vorlage löste eine kurze Debatte aus, in welcher die Gegner nicht so sehr wegen der Virilstimmen der Religionsgenossenschaften, sondern wegen der sonstigen Zusammensetzung, welche sie als unbemokrattsch'bezeichneten, das Gesetz bekämpften. Zu einer sehr lebhaften Debatte kam es angelegentlich' der Beratung über das Gesetz, betreffend die Besvldungsverhältnisse der Lehrerschaft an den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen des Landes Niederösterreich- Land. Landesrat Segur warf den Sozialdemokraten vor, daß sie die Schule als Politikum behandeln und Demagogie betreiben. Ihm erwiderte in schärfster Weis« Abgeordneter Petrnek. ein Lehrer, indem er unter tosendem Beifall der Sozialdemokraten auf die Drangsalierungen der Lehrer unter christlichsozialer Herrschaft seit Lueger hinwies. Nachdem sich die hochgeyenben Wogen endlich geglättet hatten,. wurde die Gesehesvvrlage angenommen vnd die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung heute um 11 Uhr vormittags- Polen stellt seine Forderungen gegen Oesterreich zurück. Wie«, LI. Juni. Die Korrespondenz Herzog «eldei r vorliegenden Nachrichten »«folge hat die polnische Regierung sich bered erklätt. der Rückstellung des GeneralpfmidrechteS gegen dm österreichischen Staat »hre Zustimmung zu erteilen. Dte Abstimmung Aber de« Anschluß. vr»>, 31.. Awi. Dir fieUrmSt!il4t Landtag (sinkt fit DormttStag den S8. d. M-, ö Mr nachmittags, zstr neneikicheu Besch l u ß f a s s u n g in Atigelegeüheck let ' Anlchwßabstiwnnmg einbernfett. Wiemee Morgenzeitung Telegramme. Die zionlstische Delegation in Amerika. L»nk«n, 20.Juni. (Jüd.Kvrr.-Bnr.) Ussischkln und N a id i t s ch haben -ihre Rückreise aus Ainerika ayMreten und werden dieser Dag« in London er- -vartet, um der zionistischen Exekutive einen ausführlichen Bericht über die Lage in den Vereinigten Staaten und über die Tätigkeit der Delegation dortselbst zu erstatten. Hingegen setzt Dr. Weitzmann feine Propagandareise für den Heren Hajessod über Weftkanada fort und wird erst,am 25. d. M. in Begleitung von Mr. Untermeher, dem Vorsitzenden des Keren Hajesfod-Bureaus in Amerika, die Vereinigten Staaten verlasse« und nach London zurückkehren. Antisemitische Uuruhen in Konstantine (Algier). Paris, 19. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die französische Presse bringt ausführliche telegraphische Meldungen über durch die Hetze ein.'s französischen Blattes, „Tribüne", verursachte antisemitische Unruhen in Konstantine. „Matin" veröffentlicht eine Unterredung mit dem gegenwärtig ln Paris weilenden Bürgermeister von Konstantine, in welcher letzterer zugibt, daß die jiddische Bevölkerung sich wiederholt erfolglos an die Behörde um Schutz gegen die hetzerischen Angriffe des anti,emitisch:n Blattes wandte. Der Bürgermeister stellt weiter fest, daß die Juden Algeriens ihre Pflicht im Kriege gleich allen Franzosen erfüllt haben und daß man daher eine ungerechte Behandlung d«r ' algerischen Juden verurteilen muß. Konstantine, 19. Juni. (Jüd. Korr.-Bur.) Die gestern zum Stillstand gebrachen antisemitischen Unruhen lebten heute wieder auf und nahmen einest schärferen Charakter qls bisher an. Oberschlesien. Berlin, 21. Juni, Gestern bat der französische Botschafter in Berlin Lorand beim Rerchsmimsier des AuZwärtigm Dr. Rosen vorgesprochen und in einer längeren Unterredung über die vberschlesiiche Frage seinen Protest gegen den deutschen Selbstschutz erneuert, wobei er darauf hinmres, daß General Höfer de» Rückzug seiner Truppen vrrwkigeir. Berlin, 21. Juni. Heute vormittags ist das Reichskalnnett zusammrngetreten. um sich nochmals über die obcrschlemche Frage eingehend auszu prcchen. Der ReichSmimster des Auswärtigen wird am Donnerstag im Reichstag die - Stellungnahme der deutschen Regierung zu dieser Frage eingehend darlegen. Die Regierung steht nach wie^vp<W'dem'. Standpunkt,-^däß Oöerschltsien nach den Bestimmungen des Friedensvertrages und nach dem Ergebnis der Abstimmung ungeteilt beim Reiche verbleibenmüsse. Dte Politik der Versöhnung. Aeutzerungen des deutsche« Reichskanzlers. Gfle«, $t. Juni. (Wolfs ) In Erwiderung auf line Ansprache des Vbelbürgemmsters führte Reichskanzler Dr. W i r t h au-r Wir brauchen, wenn wir durchkommen wollen, alle Kräfte, die in Deutschland übelhauvt mobil gemacht werden kvynen. Die Rerchslkgierung hat Z'el und Richtung der ganzen Politik vorgezeichnrt und d ese Politik ist im Volke in den weitesten Kreisen verstanden wordm. Die Politik der Versöhnung nach innenund außen darf nicht scheitern. Unser Ziel ist es, durch Arbeit zur Freiheit zu kommen. Die deutsch-franzSfische« Verhandlungen. - Pari», 31. Juni. lHavas.) Im »Echo dr Paris" gibt Marcel Hutm das Gerücht wieder, wonach Loucheur im Begriffe stebe, mrt hervorragenden Persönlichkeiten Deutschlands, ist erster Linie mit Rathenau, dir Verhandlungen wieder aufzunehmen. Der Minifterrat sei bereits, von der vorübrrgebendeu Abwesenheit Loucheurs in Kenntnis gesetzt worden. Diesem Go ücht gegenüber stellt Hutin fest, daß Briand im nächsten Minifterrat nur die Absicht habe, dir Kollegen über seine Besprechungen mit Curzon zu informieren. Er erwarte für kommenden Freitag Bergmann, der ihm di« Antwort aus die gestellten Fragen fib&bxtngen solle. Erst nächste Woche werde na« Klarheit gewinnen, ob Hoffnung bestehe, zu einer Lösung zu kommen, und erst dann werde man wiffen, ob Loucheur hier oder in Deutschland weitete Besprechungen haben werde. Deutschland kaust seine Schiffe zurück. Berlin» 21. Juni. Wie die Blätter aus Hamburg melden, hat «ne Hamburger SchlffsmaNerfirma bei einer öffentlichen Versteigerung von seinerzeit an England adgelieserten deutschen Handelsschiffen zehn Dampfer von insgesamt 26 C00 Bruttorrgistrrlonnr« für Deutschland erworben. Es bandelt sich hiebei um Dampfer von 1500 bis 7000 Tonnen Tragfähigkeit, die an deutsche Reeder weirerverkanft werden solle». Wie fich Hardtng de« Dölkerdund vorstellt. Pari», 31. Jnni. Äach ein« Milkmix kt, „Wen Aorl Herstlk" sei an kie Negieimism der beiden IKkonierikanilchm Republiken eine Rote gerichtet worden, die Grundzüge einer Bereinigung der Böller enthalte, wie fie Präsident H a r d i n g plane. Danach sollte de Bereinigung kei«'• fchniftlich «leber gel egte Berfafs»»g besitzen, 1Se soll ihre Tätigkeit durch die Vermittlung eines Rates von Vertreter» »ehrerer Staaten «»übe«, dachsollt« h» VeschRWi «iM btt 22. Juni 1921 r0c5e Charakter von Befehlen -der Aufträgen, sondern von Gutachten tragen. Der gegenwärt g bestehende ObersteRat solle de« Kern der Vereinigung bildcn. In der Note wird angeregt, mau möge zur Schaffung eines internationalen Ge^. richtshofes schreiten, der jedoch nur über Streitfälle entscheiden solle, die ihm freiwillig vorgelegt werden, und der gegen Staaten, die seine Entscheidungen nicht anerkennen, keinerlei Machtmi tel besitzen solle. . Dte Verbündeten fordern ihren AnteM Park«, 21, Junj. „Petit Parisien* berichtet, daß eine Reih^ kleinerer Staaten Anspruch auf einr» Teil der von Deutschla«^ zu leistenden ersten Reparationszahlung gemacht habe. Dtt Reparationskommission hat die Forderungen folgender Staate« abgewiesen: Bolivia, China, Peru «nt» P 0 l e n. In Belücksichügung wurden die Forderungen folgender Staaien gezogen: Brasilren, Kuba, Grieche nlan d,/ Liberia, Rumänien, Serbien, Siam und der T l ch e ch a - S so w a k e i. Die Revarationskommission ist damit beschäftigt, die Dertrilung grundsätzlich einfür allemal sestzusetzen. Gegen die Urteile des Leipziger Reichsgerichtes. Brüsf.l, 19. Juni. (Privat.) Der Freispruch' des Studenten und Reserveoffiziers Ramdohr, welcher wegew Mißhandlung von Kindern während der deutschen Besetzung! Belgiens angeklagt war und vom Leipziger Reichsgericht steigcsprvchen ,wurde, hat einen Ausbruch der Wut entfesselt. Nicht.nur die bürgerlichen, sondern auch die sozialistijcherv Zeitungen fordern ein scharfes Eingreifen. „Le Peuple", das Organ d?r be-gischen Sozialdemokraten, schreibt^, '„D'ie Urteile gegen die Kriegsverbrecher bestätigen den Einbruchs ' baß Deuischland das Oberste Gericht in Leipzig nur als- Instrument benützt, um die alliierten Völker herauszu fordern. Die Opfer des Deutschland von'gestern werden zynisch verhöhnt. Bedenkt das Derltschland von heute nichts ' daß es sich dadurch mit der Schinderbande solidarisch erMrt> welche ihm den Haß der ganzen Welt eingebracht hat? Wer kann es noch wagen, von den Siegern Schonunj; für die Verteidiger Ramdohrs und anderer Bestien zu fordernd In einer der nächsten Parlamentssitzungen wird die Aärgelegenheit zur Sprache kommen. / - Indien, Afghanistan und Moskau. Lonlo», 19. Juni. (Privat.) Die, Vertragsverhandlttnge», welche die indische Regierung mit der afghanischen führi^ gestalten sich immer aussichtsloser, da die Regierung in Kabul ganz unter den Einfluß Moskaus geraten ist und radikale Fvrterüngen stellt. Sie verlangt e..inen indischen 'Hasen als Freihafen für ihren Außenhandel, weiters das. Recht, Massen irr beliebiger Zahl ohne jede Kontrolle durch' Jndimdurchzusühren, ferner die Uebergabe der nordwestlicheu indischen Provinz Wazirrstan. Schließlich erklärt sie, aus dis Forderung der indischen Regierung, die zahlreichen russische« Kvnsula'e an der indischen Grenze abzuschaffen, n i ch t eiugehen zu können. Die indische Regierung erblickt in der Forderung nach unkontrolliertem Waffentransport und in der Beibehaltung der der sowjetistischen Propaganda dienenden Konsulate einen Versuch Moskaus, Indien zu revolutionieren,. Moskau und Angora. lstarls, 19. Juni. (Privat.) Aus glaubwürdiger Quelle meldet der „Matin", daß die Sowjetregierung im Sinnes der zwischen Kemalisten und Bolschewiken abgeschlossenen Konflikts zwischerr England und Angora ein Heer von Konfliktes zwischen England und Angora ein Heer von: - 150.000 Mann gegen die Engländer nach Mesopotamien zu entsenden. Die Regierung von Angora hätte sich verpflichtet, ohne die Zustimmung von Moskau und ohne. frühere formelle Anerkennung der Sowjetregierung durch die Alliierten mit diesen keinerlei Abkommen zu schließen. Seit einem Monat haben die Bolschewiken zwei Heere konzentriert: eines im Kuban-Gebiet unter Brussilvws Kommando und ein zweites im Kaukasus unter der' Führung von Enver Pascha. Die beiden Heere seien gerüstet, im Falle der Notwendigkeit in Mesopotamien einzürücken. Keine Unterhandlungen Sowjetrutzlands mit Stinnes. Mnw, 19. June. (Privat.) Im „Daily Herald" läßt die russische Regierung feststellen, daß ihr Vertreter Krassin während seines Aufenthaltes in Berlin, mit dem. deutschen Großkapitalisten Stinnes nicht znsammengetroffen ist. Die Zeitungen bemerken, daß damit wenig gesagt ist, da die für beide Teile kom-^ «romittierenden Verhandlungen durch Unterhändler geführt werden. Kämpfe zwischen Bolschewiken und Ukrainern.. Lemberg, 21, Juni. Der Ukrainische Preffedienst meldet: Polnischen Quellen zufolge fand bei Kiew ein hefüger Kamps . zwischen ukrainische» Aufständischen und der gegen sie au^geboteneus, roten Militärmacht statt. Die Bolschewiken, die den ukrainische»! Aufständischen an Zahl weit überlegen waren, blieben S>eM nnd eS gelang rhven auch, den Anführer der Aufständischen- Ataman S t r u k, gefangenzunehmen. Sttamin Strick wurde von dar Bolschewiken zum Tode bei urteilt und auch sofort i» Berditschmv gehenkt. In her Gegend von Bsia Cerkwa rst ei« »Mer ukrainffcher Aufstand gegen die Bolschewi'en ausgebmche«.

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